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Wenn die Nachbarin nachts spielt

Nachbarin · 20 Minuten lesen · 27 Minuten hören

Gelesen von Lana Weiss

Teil 3 der Serie Nebenan (1)

Die Hitze lag noch nach Mitternacht in den Wänden, obwohl ich beide Fenster weit aufgestoßen hatte, und das Laken unter meinem Rücken hatte die Wärme schon angenommen, als gehöre sie nun zum Bett und nicht mehr zu mir. Ich hörte das alte Haus in seinen kleinen Geräuschen, ein Rohr, das einmal tickte, irgendwo eine Tür, dann eine Stille, die zu groß war für den Schlaf. In diese Stille setzte die Nachbarin den ersten Ton, rund und langsam, als lege jemand einen Finger auf eine Taste und warte, bis das Holz den Klang ganz hergegeben hatte. Ich kannte dieses Spiel, seit ich im März eingezogen war: sie übte nachts, nie vor zwölf, nie zum Vorzeigen, immer so, als gehöre die Stunde nur ihr und dem Instrument. Ich war vierunddreißig und schlief in fremden Wohnungen schlecht, und drei Monate hatten daran wenig geändert, doch das Klavier war aus einer Störung zu einem Takt geworden, an dem ich meine eigene Unruhe ablesen konnte.

In dieser Nacht waren die Abstände zwischen den Tönen größer als sonst, und ich hörte meinen Atem dazwischen, hörte, wie eine Saite nachklang und erstarb, bevor die nächste kam, als wage die Hand nicht, die Stille zu früh zu brechen. Etwas in mir, das den Tag über ruhig geblieben war, setzte sich auf, nicht als Gedanke, sondern als eine Wärme tief im Bauch, die ich nicht gleich benennen wollte. Ich stand auf, barfuß, und der Dielenboden war kühler als die Luft, die vom Hof hereinzog und nach Linden und warmem Stein roch. Ich trat ans Fenster und sah hinüber, weil ich in dieser Nacht nicht mehr so tun konnte, als ginge mich die Musik nichts an. Ihr Fenster stand offen, die Gardine hing fast still, und über dem Klavier brannte eine einzige Lampe. Das Licht machte ihr Haar an den Rändern heller, ein dunkles Braun mit einem Kupferton, wo es die nackte Schulter berührte.

Sie saß im Profil, den Rücken gerade, und ein dünner Träger war von der einen Schulter gerutscht, sodass die Haut dort im Lampenlicht weich aussah, nicht geschminkt und nicht hergerichtet für irgendwen. Ihre Hände gingen nicht schnell: sie suchten eine Folge, verwarfen sie, begannen noch einmal, tiefer, als prüften sie nicht nur die Taste, sondern auch die Nacht. Ich hatte sie schon oft so gesehen, immer nur als Gestalt am Instrument, als Bewegung der Arme, als jemanden, der nicht wissen wollte, dass gegenüber ein Fenster offen stand. Einmal hatte sie eine Pause gemacht und Wasser getrunken, den Kopf in den Nacken gelegt, und ich war vom Fenster zurückgetreten, als hätte ich etwas genommen, das mir nicht gehörte. Danach hatte ich mich über mich selbst geärgert, denn es war ein Hof und es waren offene Fenster, und trotzdem hatte ich das Gefühl behalten, eine Grenze berührt zu haben, ohne zu fragen. In dieser Nacht trat ich nicht zurück, und ich legte die Unterarme auf den Rahmen, damit sie mich sehen konnte, wenn sie den Kopf hob.

Sie spielte eine Linie, die immer wieder zur selben Taste zurückkehrte, als könne sie sich nicht entscheiden, ob der Ton ein Ende oder ein Anfang sein sollte, und ihr Fuß bewegte sich langsam auf dem Pedal. Das Kleid, ein schlichtes dunkles, rutschte ein wenig am Knie hoch, als sie sich vorbeugte, und ich sah die Linie ihres Wadenbeins, die Sehne, die sich spannte, und dann ihr Gesicht. Sie hob den Kopf nicht zur Taste, sondern zum Hof, und ihre Augen fanden das dunkle Rechteck meines Fensters, in dem ich stand, im Hemd, das Haar unordentlich, und ich wich nicht aus. Eine Weile spielte sie weiter, ohne mich loszulassen, doch die Töne wurden nicht sicherer, sie wurden leiser, bis eine Taste liegen blieb und der Klang im Hof hing. Ihre Hände ruhten auf den Tasten, als habe sie vergessen, wozu sie dort saßen, und zwischen uns war nichts als dieses Liegenbleiben und mein Blick, der nicht auswich.

Ich hob die Hand nicht und lächelte nicht sofort, ich sah sie nur an, und sie sah mich an, während die Lampe die eine Seite ihres Gesichts zeichnete und die andere im Schatten ließ. Ihr Mund war leicht geöffnet, und sie atmete so, wie man atmet, wenn man lange zugehört hat und nun selbst gehört werden will, langsam, mit einer kleinen Pause vor dem nächsten Zug. Ich spürte das in der Brust als ein Ziehen, das nichts mit der Musik allein zu tun hatte und doch von ihr kam, von der Art, wie sie den Ton hatte liegen lassen, damit ich ihn mit ihr halten konnte. Dann nahm sie die Hände von den Tasten, und die Stille danach war so groß, dass ich das Blut in den Ohren hörte. Sie stand auf, trat einen Schritt ans Fenster und legte beide Hände auf das Sims, so wie ich, und der Träger rutschte nicht weiter, sie schob ihn auch nicht zurück.

Wir sahen uns über den Hof an, und der Abstand war vielleicht 8 Meter, vielleicht 10, doch er fühlte sich enger an als mein eigenes Zimmer, weil nichts zwischen unseren Blicken lag als warme Luft und der Geruch der Linden. Sie hob eine Hand, nicht zum Winken, eher so, als wolle sie einen Ton in der Luft anhalten, und zeigte dann mit dem Kinn leicht nach unten, zur Tür, die unter ihrem Fenster in den Hof führte. Ich verstand es nicht sofort, und sie wiederholte die Bewegung langsamer, legte die flache Hand kurz auf die eigene Brust, als sage sie damit: ich, und deutete wieder zum Hof. Es war eine Einladung, unsicher und deutlich zugleich, und mein Herz schlug so laut, dass ich einen Moment glaubte, sie könne es über den Abstand hören. Ich nickte einmal, sie nickte zurück, und ihr Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln, das nicht spielerisch war, sondern erleichtert, als habe sie etwas riskiert und nicht verloren.

Sie trat vom Fenster zurück, das Licht blieb an, und ich hörte keine Tür, nur meinen eigenen Atem, den ich angehalten hatte und dann losließ, als mir klar wurde, dass ich gehen würde. Ich zog das Hemd nicht aus und auch kein anderes an: es reichte mir bis zur Mitte der Oberschenkel, ein altes Leinen, weich gewaschen, und darunter trug ich nichts als einen schlichten Slip, was für den Hof zu wenig war. Ich nahm den leichten Mantel vom Haken, der im Sommer nur noch als Hülle diente, schlüpfte hinein und stieg barfuß in die Sandalen an der Tür, während meine Hände nicht zitterten, sondern nur sehr wach waren, als gehörten sie schon einer anderen Minute. Die Treppe roch nach Stein und nach dem Essen, das jemand Stunden zuvor gekocht hatte, und ich ging leise, nicht aus Furcht, sondern weil die Nacht so dünn schien, dass jeder Schritt zu viel Gewicht hatte. Unten stand die Hoftür einen Spalt offen, wie immer im Sommer, damit die Luft durch das Haus ziehen konnte, und ich trat hinaus auf den Boden, der noch warm war.

Über mir hingen die Linden dunkel, und in einem Fenster im Vorderhaus flackerte ein blauer Fernseher ohne Ton, der niemanden etwas anging, während ich den Hof überquerte und die Wärme der Steine durch die dünnen Sohlen spürte. Ihre Tür lag unter der Lampe, die über dem Eingang zum Hinterhaus brannte, eine schwache Birne mit einem kleinen Hof aus Motten, und ich blieb davor stehen, die Hand schon gehoben. In dem Augenblick öffnete sie, als habe sie die Schritte gezählt, und stand barfuß auf der Schwelle, das Kleid nun richtig auf beiden Schultern, das Haar offen, die Augen heller, als das Fenster sie hatte wirken lassen. Sie war nicht jünger als ich und nicht älter in einer Weise, die mich hätte zögern lassen: eine Frau in meinen Jahren, die Hände noch von den Tasten warm, der Blick wach und ohne Spott. Eine Weile sagten wir nichts, und der Hof atmete hinter mir, während sie die Tür ein wenig weiter öffnete, nicht als Befehl, sondern als Frage.

Willst du hereinkommen, fragte sie, und ihre Stimme war tiefer, als ich sie mir aus der Musik vorgestellt hatte, ein wenig heiser von der Nacht. Ja, sagte ich, und das Wort kam ohne Zögern, obwohl mein Puls in den Handgelenken schlug. Sie trat zur Seite, ich ging an ihr vorbei, und die Wohnung roch nach Holz, nach altem Papier und nach einer Seife, die nach bitterer Orange duftete, nicht süß. Das Klavier stand mitten im Raum, ein schwarzes Instrument mit offenem Deckel, und die Lampe darüber warf einen Kreis auf die Tasten, während der Rest der Wohnung im Halbdunkel lag: ein Sofa, ein Teppich, ein Tisch mit einer Tasse, ein Notenständer, auf dem nichts lag. Sie schloss die Tür leise, blieb mit dem Rücken daran stehen und sah mich an, als müsse sie sich vergewissern, dass ich wirklich da war und nicht nur eine Gestalt im gegenüberliegenden Fenster.

Ich bin Clara, sagte sie, einunddreißig, und ich spiele nachts, weil der Tag zu voll ist von Stunden, die anderen gehören. Ich nickte und nannte mich Elena, vierunddreißig, sagte, dass ich seit dem Frühjahr gegenüber wohne und sie gehört hatte, jede Nacht, in der sie spielte. Sie lächelte wieder, diesmal länger, und fragte, ob es mich gestört habe. Nein, sagte ich, es hat mich wach gehalten, aber nicht auf die Art, die man bereut. Sie verstand, das sah ich an der Art, wie sie den Blick senkte und wieder hob, und eine leichte Röte stieg ihr an den Hals, nicht aus Scham, eher aus dem Wissen, dass wir dasselbe meinten und es noch nicht ausgesprochen hatten. Der Hof lag hinter den Scheiben, still, und in diesem Zimmer war nur unser Atem und das leise Knacken des Holzes, das sich in der Wärme setzte.

Darf ich dir etwas vorspielen, fragte sie, nicht das, was ich geübt habe, sondern etwas Langsameres, und ich sagte ja, weil ich ihre Hände sehen wollte, aus der Nähe, nicht mehr durch Glas und Nacht. Sie setzte sich auf die Bank, und ich blieb zuerst stehen, bis sie mit der flachen Hand neben sich auf das Polster klopfte, einmal, fragend. Ich setzte mich, nicht ganz an sie heran, aber nah genug, dass ich die Wärme ihrer Seite spürte und den feinen Duft ihrer Haut unter der Seife. Sie spielte ohne Noten, eine Folge, die nicht glänzen wollte, tiefe Töne links, rechts eine Linie, die sich immer wieder beugte und zurückkam, und ich sah ihre Finger, die langen Sehnen am Handrücken, den kurzen sauberen Nagel, der die Taste berührte und liegen blieb. Bei jedem leisen Anschlag bewegte sich ihr Arm an meinem, nicht absichtlich, und doch so, dass die Härchen an meinem Unterarm sich aufstellten.

Ich weiß, dass du zusiehst, sagte sie, ohne den Blick von den Tasten zu heben, nicht jede Nacht, aber oft genug, und ich habe das Fenster nie geschlossen, weil ich es nicht schließen wollte. Meine Kehle war trocken, und ich sagte, dass ich nicht hatte stören wollen, dass ich nur nicht hatte wegsehen können, wenn sie so spielte, als sei die Nacht ein Raum, den man mit jemandem teilen darf. Sie hörte auf, die Hände noch auf den Tasten, und drehte den Kopf zu mir, so nah, dass ich die kleinen goldenen Sprenkel in ihrer Iris sah und die feine Linie an ihrem Mundwinkel. Dann darfst du näher sein als am Fenster, sagte sie, wenn du das willst, und wenn nicht, spiele ich zu Ende und du gehst, und es ist nichts zerbrochen. Ich wollte es, das war so klar in mir wie der Ton, der noch im Holz nachklang, und ich sagte es laut, damit kein Zweifel zwischen uns blieb: ich will bleiben, und ich will, dass du mich anfasst, wenn du das auch willst.

Sie atmete aus, ein Laut, der kein Lachen war und auch kein Seufzer, eher das Loslassen einer Saite, und sagte, ja, ich will das auch, ich will es schon länger, als es höflich wäre zuzugeben. Dann hob sie die Hand, langsam genug, dass ich sie hätte aufhalten können, und legte sie an meine Wange, die Handfläche warm, die Finger noch ein wenig steif vom Spiel, und ich lehnte mich in diese Wärme, schloss die Augen nicht, weil ich sie sehen wollte. Darf ich dich küssen, fragte sie, und ich sagte ja, bitte, und das Bitte war kein Flehen, sondern die genaue Form meines Einverständnisses. Ihr Mund traf meinen nicht hart, sondern mit einer Vorsicht, die sofort in Hunger umschlug, als ich den Kuss erwiderte und die Lippen öffnete. Sie schmeckte nach Tee und nach der Nacht, und ihre Zunge fand meine, langsam zuerst, dann sicherer, und ich hörte mich selbst einen kleinen Laut machen, den ich nicht zurückhielt.

Ihre freie Hand fand meine Taille über dem Mantel, fragte mit dem Druck der Finger, und ich nickte an ihrem Mund, öffnete den Mantel selbst, ließ ihn von den Schultern gleiten, sodass das Hemd darunter zum Vorschein kam, dünn, und die Nachtluft aus dem offenen Fenster meine bloßen Beine traf. Clara sah hinab, dann wieder in mein Gesicht, und ihre Pupillen waren weit, der Atem schneller, aber sie wartete, die Hand noch an meiner Taille, bis ich sagte, du darfst, ich will deine Hände auf mir. Sie schob die Finger unter den Saum des Hemdes, auf die nackte Haut über der Hüfte, und die Berührung war so direkt, dass mir die Knie ein wenig weich wurden und ich mich an ihrer Schulter festhielt. Ihre Hand lag still, lernte die Wärme, den leichten Schweißfilm, die Stelle, an der die Haut empfindlicher wurde, je näher sie dem Bund des Slips kam, ohne ihn schon zu überschreiten. Ich küsste sie wieder, diesmal offener, und zog sie mit mir, bis wir von der Bank aufstanden, weil die schmale Sitzfläche nicht reichen würde für das, was zwischen uns gewachsen war.

Komm, sagte sie, und führte mich nicht ins Schlafzimmer, sondern zu dem breiten Sofa unter dem anderen Fenster, wo eine Decke lag und die Kissen noch die Form eines Abends hatten, an dem sie allein gelesen hatte. Sie fragte noch einmal, hier, mit mir, jetzt, und ich sagte ja, hier, mit dir, jetzt, und zog mir das Hemd über den Kopf, weil ich nicht wollte, dass Stoff zwischen ihrer Hand und meiner Haut blieb. Die Luft traf meine Brüste, die Brustwarzen zogen sich zusammen, nicht nur von der Kühle, sondern weil ihr Blick darauf ruhte, lang, ohne Hast, und ich spürte diesen Blick wie eine Berührung. Du bist schön, sagte sie, schlicht, und ich glaubte es in diesem Moment, weil ihre Stimme keine Floskel trug, sondern Hunger und Achtung zugleich. Ich griff nach dem Träger ihres Kleides, hielt inne und fragte, darf ich, und sie sagte ja, bitte zieh es mir aus, ich will deine Hände genauso.

Ich streifte die Träger von ihren Schultern, und das Kleid fiel, weil es nichts darunter hielt als ihren Körper: sie trug keinen Büstenhalter, und der Stoff glitt über die Brüste, über den Bauch, über die Hüften, bis er um ihre Füße lag und sie heraustrat. Ihre Brüste waren voller als meine, die Brustwarzen dunkel und schon fest, und ich legte beide Hände darum, vorsichtig zuerst, dann fester, als sie den Rücken durchdrückte und mir entgegenkam. Ich senkte den Mund auf die eine, nahm die Brustwarze zwischen die Lippen, saugte leicht, und sie stöhnte, ein tiefer Ton, der nichts mit dem Klavier zu tun hatte und doch aus demselben Körper kam, der stundenlang Tasten berührt hatte. Ihre Hand lag in meinem Haar, nicht drückend, nur haltend, und sie sagte meinen Namen, Elena, leise, als prüfe sie, ob er in diesem Zimmer einen anderen Klang hatte. Ich wechselte zur anderen Brust, leckte langsam über die Spitze, spürte, wie sie unter der Zunge härter wurde, und zwischen meinen eigenen Schenkeln wurde es warm und nass, ein Ziehen, das ich nicht mehr verbergen wollte.

Clara zog mich auf das Sofa, setzte sich und holte mich auf ihren Schoß, sodass ich rittlings auf ihren Schenkeln saß, Brust an Brust, und der Slip, den ich noch trug, sich an ihre nackte Haut drückte. Sie küsste meinen Hals, die Stelle unter dem Ohr, die Schlüsselbeine, und ihre Hände glitten über meinen Rücken, langsam, mit dem ganzen Handteller, als wolle sie sich die Form merken. Ich bewegte die Hüften, ohne es ganz zu beschließen, ein kleines Reiben, und sie hielt mich an der Taille fest, nicht um mich zu stoppen, sondern um den Rhythmus mitzumachen, ihr Atem an meiner Haut. Zieh ihn aus, sagte ich, und meinte den Slip, und sie schob die Finger unter den Bund, wartete einen Herzschlag, sah mich an, und ich nickte, hob die Hüften, half ihr, das letzte Stück Stoff von mir zu streifen. Nun war nichts mehr zwischen uns als Haut und die Wärme, die der Sommer nicht erklärt hätte, und ich spürte ihre Scham an meinem Oberschenkel, weich, schon feucht, und das Wissen darum ließ mich leise aufstöhnen.

Sie legte mich zurück in die Kissen, kam über mich, ihr Haar fiel an eine Seite meines Gesichts, und sie küsste mich tief, während ihre Hand den Weg über meinen Bauch nahm, langsam, die Finger gespreizt, bis sie den Hügel zwischen meinen Schenkeln erreichte und dort innehielt. Ist das gut, fragte sie an meinem Mund, und ich sagte ja, tiefer, ich bin bereit, ich will deine Finger. Sie teilte mich mit zwei Fingern, nicht eindringend, nur öffnend, und strich durch die Nässe, die schon da war, ein langsamer Zug von unten nach oben, der mich die Hüften heben ließ. Als sie die Klitoris fand, tat sie es nicht grob: sie kreiste mit einem Finger, leicht, dann fester, lernte an meinem Atem, was mich weiter öffnete, und ich hielt ihre Schulter, sagte leise, genau da, nicht schneller, noch nicht. Sie folgte nicht wie unter einem Befehl, sondern wie eine Frau, die zuhört, und ihr Mund lag an meinem Hals, während der Finger denselben kleinen Kreis zog, wieder und wieder, bis ein Zittern in meinen Schenkeln begann.

Ich will dich in mir, sagte ich, und sie nickte, küsste mich einmal fest und schob dann einen Finger in mich, langsam, bis zum Knöchel, wartete, während ich mich um sie schloss und der Atem stockte. Ein zweiter Finger folgte, als ich ja sagte, und sie bewegte sie nicht stoßend, sondern in einer tiefen, ruhigen Kurve, der Daumen blieb an der Klitoris, und beides zusammen war so viel, dass ich die Augen schloss und den Kopf in das Kissen drückte. Sie sah mich an, das spürte ich auch mit geschlossenen Lidern, und sie fragte, ob es zu viel sei, und ich sagte nein, es ist genau richtig, hör nicht auf. Ich griff zwischen uns, fand ihre Scham, nass und heiß, und strich mit zwei Fingern durch ihre Falten, bis ich ihre Klitoris unter der weichen Haut fand und sie im selben Takt berührte, in dem sie in mir war. Clara stöhnte an meiner Schulter, ihre Hüften zuckten einmal, und der Klang ihrer Lust machte meine eigene größer, als habe das Zimmer endlich den Ton gefunden, den das Klavier die ganze Nacht gesucht hatte.

Sie zog die Finger langsam aus mir, küsste mich, und ich schmeckte mich selbst an ihrem Mund, salzig und warm, ein Geschmack, der mich nicht verlegen machte, sondern noch erregter. Dann rutschte sie an meinem Körper hinab, küsste die Brüste, den Bauch, die Innenseite eines Schenkels, und sah von dort zu mir auf, die Frage im Blick so deutlich, dass ich nur ja sagen musste, ja, bitte, ich will deinen Mund. Clara senkte das Gesicht zwischen meine Schenkel und leckte einmal lang durch die ganze Nässe, von unten bis zur Klitoris, und ich bog den Rücken, ein Laut kam aus mir, den ich nicht kannte. Sie hielt meine Hüften, nicht fest, nur sicher, und ihre Zunge kreiste, flach, dann spitz, dann wieder flach, während zwei Finger erneut in mich glitten und einen Punkt suchten, der mich zusammenzucken ließ. Da, sagte ich, da, und sie blieb dort, der Mund gleichmäßig, die Finger tief und ruhig gekrümmt, und die Lust stieg nicht wie eine Gerade, sondern wie eine Welle, die jedes Mal ein Stück höher kam.

Ich hielt ihr Haar, nicht um sie zu führen, sondern weil ich etwas brauchte, woran ich mich festmachen konnte, und sagte ihren Namen, Clara, Clara, ich komme gleich, hör nicht auf. Sie hörte nicht auf. Die Zunge blieb an der Klitoris, schnell nun, aber nicht hart, die Finger in mir krümmten sich bei jedem Stoß gegen die Stelle, die mich hell machte, und der Hof, das Klavier, die Stunde fielen weg, bis nur noch dieser eine Punkt blieb und ihr Mund darauf. Der Orgasmus kam nicht als Bruch, sondern als ein Aufgehen: ich spannte mich, hielt den Atem an, und dann löste sich alles in Wellen, die durch den Bauch, die Schenkel, die Brüste liefen, und ich stöhnte laut, offener als ich es je in dieser Wohnung gewagt hätte. Sie blieb bei mir, milder nun, leckte mich durch das Zittern, bis ich ihre Schulter berührte und leise sagte, genug, zu empfindlich, komm her. Clara kam herauf, das Gesicht nass von mir, die Augen dunkel und weich, und küsste mich, und ich schmeckte meine Lust und ihren Atem und hielt sie, während die Nachwellen noch durch mich gingen.

Ich wollte sie nicht nur empfangen haben. Ich drehte uns, sodass sie auf dem Rücken lag, das Haar auf dem Kissen ausgebreitet, die Brüste gehoben vom Atem, und ich küsste mich an ihr hinunter, ohne Eile, weil sie mir die gleiche Geduld gegeben hatte. Zwischen ihren Schenkeln war sie offen und glänzend, der Geruch warm und deutlich, und ich leckte sie langsam, lernte die Form ihrer Klitoris, die kleine Haube, die Stelle links davon, die sie die Hüften heben ließ, als ich sie mit der Zungenspitze traf. Zwei Finger schob ich in sie, als sie ja sagte, bitte, und sie war eng und heiß und zog mich tiefer, während ich mit dem Mund an ihr blieb. Sie hielt meine Hand, die freie, und drückte sie, wenn ich genau richtig lag, und ließ los, wenn sie mehr wollte, ein stummes Zeichen, dem ich folgte, bis ihr Atem kurz und hoch wurde. Ich komme, sagte sie, und ich blieb, leckte fester, krümmte die Finger, und sie kam mit einem langen, gepressten Laut, die Schenkel zitternd an meinen Wangen, die Hand in meinem Haar, nicht grob, nur haltend, während sie sich um meine Finger zusammenzog, wieder und wieder.

Wir lagen danach eine Weile ohne zu sprechen, ihre Stirn an meiner, unsere Beine ineinander, der Schweiß kühlte auf der Haut, und durch das offene Fenster kam die Lindenluft und mischte sich mit dem Geruch von uns. Ich strich ihr das Haar aus der Stirn, und sie küsste meine Handfläche, einmal, als sei das die Antwort auf etwas, das wir nicht in Sätze fassen mussten. Geht es dir gut, fragte sie, und ich sagte ja, besser als gut, und dir, und sie lachte leise, ein kurzer Ton, und sagte, ich habe seit Monaten auf dieses Fenster gehofft und mich gleichzeitig dafür gescholten. Ich sagte, dass ich nicht bereute, nicht den Blick und nicht das Kommen und nicht das Bleiben, und sie nickte an meiner Schulter, der Körper noch weich vom Nachgeben. Draußen war der Hof still, kein Fernseher mehr, nur irgendwo ein einzelnes Fenster, das dunkel blieb, und die Stadt atmete in der Ferne, ohne uns zu meinen.

Sie stand irgendwann auf, nackt, und setzte sich noch einmal an das Klavier, nicht um zu üben, sondern um vier leise Töne zu spielen, die sich wiederholten und dann ausklangen, während ich auf dem Sofa lag und sie mit dem ganzen Körper hörte. Als sie zurückkam, zog sie die Decke über uns beide, und ich legte den Kopf an ihre Brust, hörte ihr Herz langsamer werden und roch die Haut über dem Schlüsselbein, warm und salzig. Schlaf, wenn du kannst, sagte sie, und ich sagte, ich bleibe, wenn du das willst, und sie sagte ja, bleib, bis es hell wird. Draußen wurde das Schwarz über dem Hof ein wenig dünner, noch keine Sonne, nur das Versprechen davon, und irgendwo schlug eine Uhr, die ich nicht zählte. Ich hielt ihre Hand auf meiner Hüfte, die Finger ruhten still, und das genügte, und die Nacht, die mit einem einzelnen Ton begonnen hatte, wurde nur leiser, und wir blieben in ihr.

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