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Die letzte Nacht im Hausflur

Nachbarin · 20 Minuten lesen · 27 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 1 der Serie Nebenan (2)

Ich kam nach zehn die Treppe herauf und roch den Kartonstaub, bevor ich den dritten Stock sah. Der gemeinsame Hausflur war schmaler geworden. Unter dem Fenster standen Kisten in einer Reihe, jede mit Kreppband und einem Wort in eckiger Schrift: Küche, Winter, Bücher, Rest. Das Licht der Zeitschaltuhr lag als gelbe Bahn über dem abgetretenen Parkett, das wir seit Jahren mit denselben Schritten abnutzten.

Ich war zweiunddreißig und wohnte hinter der linken Tür. Klara war sechsunddreißig, seit dem Frühjahr getrennt und seit Montag dabei, die rechte Wohnung zu leeren. Morgen um acht kamen die Möbelpacker. Morgen Abend sollte sie in einer anderen Stadt schlafen, in Zimmern, die ich nie betreten würde. Der Flur zwischen unseren Türen war das Einzige, was uns je zusammen gehört hatte, und auch das nur geliehen, wie alles in einem Mietshaus.

Die Zeitschaltuhr klickte aus. Ich tastete nach dem Schalter, das Licht sprang wieder an, und in dem Augenblick ging ihre Tür auf. Klara stand barfuß im Rahmen, in einem alten Hemd und einer dunklen Hose, das Haar im Nacken zusammengebunden, ein Streifen Staub auf dem Handgelenk. Sie sah nicht überrascht aus. Sie sah aus, als hätte sie auf das Geräusch meiner Schritte gewartet und sich dafür geschämt.

„Du bist spät“, sagte sie.

„Die Bahn hat gehalten, ohne dass jemand ausstieg.“ Ich stellte die Tasche ab, zwischen eine Kiste und die Heizung. „Ist das alles, was noch bleibt?“

„Das und ein Bett. Und ich.“ Sie lächelte kurz, ohne dass es die Augen erreichte. „Der Rest ist schon unten im Wagen eines Freundes. Er fährt morgen mit.“

Ein Freund, nicht der Mann, der im März ausgezogen war. Ich nickte, als ginge mich das nichts an, und merkte zugleich, wie falsch das Nicken war. Vier Jahre lang hatte ich ihre Tür gehört, das Schlüsselbund, das Lachen am Anfang, später die Stimmen, die leiser und schärfer wurden, dann die Stille nach seinem Auszug. Ich hatte nie gefragt. Im Hausflur fragte man nach dem Wetter und nach Paketen, nicht nach dem, was hinter einer Tür zu Ende ging.

„Willst du einen Tee“, sagte sie, und es klang nicht wie eine Frage nach Durst. „Oder Wein. Ich habe eine Flasche, die nicht in die Kiste passt. Es wäre schade, sie allein zu trinken, und morgen ist sie warm.“

Ich hätte sagen können, dass ich müde war. Das wäre wahr gewesen und auch eine Lüge. Stattdessen sagte ich, dass Wein in einem leeren Zimmer besser schmeckte als Tee, und sie trat zur Seite, damit ich an ihr vorbei konnte. Im Vorbeigehen roch ich Seife und Pappe und etwas Warmes, das nur von ihrer Haut kam. Der Flur hinter uns blieb hell, bis die Uhr wieder ausging. Ihre Tür fiel ins Schloss, leise, als wollte sie den Rest des Hauses nicht wecken.

Die Wohnung war fast ein Echo. Helle Rechtecke an den Wänden, wo Bilder gehangen hatten. Ein Tisch, zwei Stühle, das Bett im Schlafzimmer ohne Decke, nur ein Laken und eine Decke, die noch nicht gefaltet war. Auf dem Tisch stand die Flasche, daneben zwei Gläser, die nicht zusammenpassten. Sie hatte also schon mit mir gerechnet, oder mit irgendjemandem, und ich war die Einzige, die noch im Haus war.

„Setz dich“, sagte sie. „Wenn du willst. Du musst nicht bleiben. Ich weiß, dass das seltsam ist, am letzten Abend, mit Kisten im Flur und einer Nachbarin, die morgen weg ist.“

„Ich will bleiben“, sagte ich, und das Wort kam fester heraus, als ich es geplant hatte. „Sag mir nur, was du dir davon wünschst. Nicht, was höflich wäre.“

Klara goss ein. Der Wein war dunkel und ein wenig zu warm, wie sie angekündigt hatte. Sie setzte sich nicht mir gegenüber, sondern auf die Kante des zweiten Stuhls, nah genug, dass unsere Knie sich fast berührten. Eine Weile tranken wir und hörten das Haus: eine Leitung, ein fernes Radio, das Knacken des Holzes. Dann stellte sie das Glas ab und sah mich an, als hätte sie die Monate gezählt, in denen wir uns im Flur ausgewichen waren.

„Ich bin seit März getrennt“, sagte sie. „Richtig getrennt, nicht nur aus der Wohnung heraus. Die Papiere sind durch. Ich sage das, damit du nicht denkst, du wärst ein Umweg oder eine Rache. Das bist du nicht. Ich habe dich schon vorher angesehen, wenn du die Treppe heraufkamst, und ich habe es gelassen, weil ich verheiratet war und weil ich nicht die Frau sein wollte, die im Hausflur etwas anfängt, das sie nicht halten kann.“

Ich spürte die Wärme im Gesicht, nicht vom Wein. „Und jetzt kannst du es nicht halten, weil du gehst.“

„Jetzt kann ich es wenigstens ehrlich wollen.“ Ihre Hand lag auf dem Tisch, offen, nicht greifend. „Eine Nacht. Kein Versprechen für eine Stadt, in der du nicht wohnst. Wenn du das nicht willst, trinken wir aus und du gehst durch den Flur nach Hause, und morgen winken wir uns zu, als wäre nichts gewesen. Ich wäre dir nicht böse.“

Ich legte meine Hand neben ihre, nicht darauf. Die Haut an ihrem Handgelenk war kühl von der Flasche. „Ich will es. Ich wollte es auch, als ich noch so tat, als ginge es um Pakete und um Salz, das du dir geliehen hast. Eine Nacht ist wenig. Sie ist trotzdem etwas, wenn wir beide sie wählen.“

„Dann wähl sie laut“, sagte sie leise. „Ich will es hören.“

„Ich bleibe. Ich will dich. Heute, hier, bevor du gehst. Und wenn ich irgendwann stoppen will, sage ich es, und du auch.“

„Ja.“ Sie atmete aus, als hätte sie eine Kiste abgesetzt, die zu schwer gewesen war. „Ja. Genau so.“

Wir standen nicht sofort auf. Das wäre zu schnell gewesen für einen Flur, in dem wir uns jahrelang nur gegrüßt hatten. Sie erzählte von der neuen Wohnung, von einem Fenster zum Hof, von der Arbeit, die sie dorthin zog, und ich erzählte von nichts Wichtigem, nur damit meine Stimme im Raum blieb. Unter den Sätzen lag etwas anderes. Ihr Blick blieb an meinem Mund. Meiner blieb an der Stelle, wo das Hemd am Schlüsselbein offen stand. Als sie sich vorbeugte, um die Flasche wegzustellen, streifte ihr Knie mein Knie und blieb dort. Keine von uns rückte weg.

„Darf ich dich küssen“, fragte sie.

„Ja.“

Der erste Kuss war vorsichtig, fast fragend, Lippen trocken vom Wein und dann weicher, als sie den Mund ein wenig öffnete. Ich schmeckte den dunklen Rest im Glas und darunter sie. Ihre Hand fand meine Wange, der Daumen an der Kante meines Kinns, und ich legte die Finger in ihr Haar, löste das Band, sodass es über ihre Schulter fiel. Sie machte ein kleines Geräusch, kein Wort, nur Atem, und küsste mich tiefer. Ich spürte, wie der Stuhl unter mir knarrte, wie der leere Raum das Geräusch größer machte, als es war.

„Nicht hier am Tisch“, sagte ich an ihrem Mund. „Das Bett ist noch da. Oder der Flur, wenn du verrückt bist. Ich bin nicht verrückt genug für den Flur, solange die Nachbarn unter uns noch wach sein könnten.“

Sie lachte kurz, echt diesmal. „Das Bett. Komm.“

Im Schlafzimmer roch es nach frischem Laken und nach dem Holz des alten Schranks, der schon abgebaut an der Wand lehnte. Nur die Matratze lag auf dem Gestell, niedrig, die Decke zurückgeschlagen, als hätte sie vorhin noch gelegen und nicht schlafen können. Klara blieb vor mir stehen und hob die Hände an den Saum meines Pullovers, ohne zu ziehen.

„Darf ich?“

„Ja. Langsam. Ich will dich dabei sehen.“

Sie zog den Pullover über meinen Kopf, faltete ihn nicht, legte ihn auf den Schrankteil. Darunter das Hemd, das sie Knopf für Knopf öffnete, jeder Knopf ein kleines Warten. Die Luft im Zimmer war nicht kalt, aber meine Haut zog sich zusammen, als sie frei lag. Klara sah mich an, nicht hastig, und strich mit dem Handrücken von meiner Schulter bis zur Rundung der Brust, ohne die Brustwarze zu berühren. Die Stelle, die sie ausließ, wurde wärmer als der Rest.

„Du bist schön“, sagte sie. „Ich habe das im Flur nie sagen dürfen. Es wäre unverschämt gewesen, und es wäre wahr gewesen.“

„Dann sag es hier.“ Ich öffnete ihr Hemd. Sie trug nichts darunter. Ihre Brüste waren voller als meine, die Warzen schon dunkel und fest, und als ich mit den Daumen darüber strich, schloss sie die Augen und legte die Stirn an meine. „Schön“, sagte ich. „Und hier. Nicht unverschämt. Nur spät.“

Wir küssten uns wieder, diesmal mit nackten Oberkörpern, Haut an Haut, ihre Brust an meiner, ein Reiben, das uns beide leiser atmen ließ. Ich öffnete ihre Hose, sie meine. Wir halfen uns aus dem Stoff, unbeholfen an einer Stelle, lachend, dann wieder still. Als wir auf dem Laken lagen, war nichts mehr zwischen uns als Wärme und das Wissen, dass die Tür zum Flur geschlossen war und die Stadt draußen nichts von uns verlangte bis zum Morgen.

Klara lag halb über mir und küsste meinen Hals, die Mulde unter dem Ohr, die Linie zum Schlüsselbein. Ihre Hand lag flach auf meinem Bauch, schwer und ruhig, und wartete. Ich führte sie höher, an die Brust, und sie nahm die Warze zwischen zwei Finger, nicht hart, nur fest genug, dass ein Zug durch mich ging bis zwischen die Beine. Ich bog den Rücken, und sie verstand das als Ja, senkte den Mund, leckte, saugte, wechselte zur anderen Seite, während ihre freie Hand meine Hüfte hielt, als könnte ich sonst vom Bett gleiten.

„Klarer“, sagte ich, und merkte, dass der Name zerbrach. „Klara. Ich will deine Hand tiefer. Wenn du willst.“

„Ich will.“ Sie küsste die Stelle zwischen meinen Brüsten und wanderte mit dem Mund über den Bauch, langsam, als hätte sie die Nacht wirklich und nicht nur geliehen. Ihre Finger glitten über den Hüftknochen, durch das kurze Haar, und blieben auf mir liegen, warm, ohne schon zu teilen. „Sag mir, wie du es magst. Ich rate nicht gern, wenn es um das hier geht.“

„Erst außen. Langsam. Dann, wenn ich nass bin, innen, aber nicht gleich tief. Und sieh mich an, wenn du kannst.“

Sie sah mich an. Zwei Finger strichen die äußeren Lippen entlang, auf und ab, ein Druck, der noch kein Eindringen war. Ich war schon feucht, das merkte ich an dem leisen Geräusch, als sie die Feuchtigkeit verteilte, an dem Glänzen auf ihrer Haut, als sie die Hand kurz anhob. Sie lächelte nicht spöttisch. Sie sah aus, als hätte sie ein Geschenk bekommen, das sie nicht erwartet hatte, obwohl sie darum gebeten hatte.

„So nass“, sagte sie leise. „Von dem Kuss schon, oder von den Monaten?“

„Von beidem. Hör nicht auf.“

Sie hörte nicht auf. Ihr Daumen fand die Klitoris und kreiste, erst weit, dann enger, ein Rhythmus, den sie an meinem Atem maß. Ich hielt ihre Schulter, dann ihr Haar, dann das Laken. Als sie einen Finger in mich schob, langsam, bis zum Knöchel und nicht weiter, bis ich die Hüfte entgegenhob, kam ein Laut aus mir, den ich im Hausflur nie gemacht hätte. Sie küsste meinen Mund, um ihn zu fangen, und der Finger bewegte sich, hinaus und wieder hinein, feucht und sicher, während der Daumen nicht vergaß, wo ich am empfindlichsten war.

„Noch einen“, bat ich.

Sie gab mir den zweiten, dehnte mich mit Geduld, und das Gefühl wurde voller, ein Ziehen, das angenehm brannte und dann nur noch angenehm war. Ich bewegte mich mit ihrer Hand, nicht gegen sie. Das Zimmer schien kleiner zu werden, nur Matratze, ihr Gesicht, das nasse Geräusch ihrer Finger, mein eigener Atem. Ich spürte, wie sich etwas in mir sammelte, zu schnell, und ich legte die Hand auf ihr Handgelenk.

„Warte. Ich will dich auch. Nicht nur genommen werden. Komm her.“

Sie zog die Finger heraus, langsam, und ich nahm ihre Hand und leckte sie, salzig und nach mir, ohne den Blick zu senken. Klara stöhnte, ein kurzer, tiefer Ton, und ich drehte uns, sodass sie auf dem Rücken lag und ich zwischen ihren Schenkeln kniete. Ihre Haut war gerötet an der Brust, an den Wangen. Ich küsste die Innenseite eines Knies, dann höher, roch sie, warm und deutlich, und fragte trotzdem.

„Darf ich dich mit dem Mund?“

„Ja. Bitte. Ich habe daran gedacht, wenn ich im Flur deine Tür gehört habe und so getan habe, als würde ich nur den Müll hinaustragen.“

Ich lachte gegen ihren Schenkel, dann wurde ich still und ernst vor ihrer Scham. Sie war offen, glänzend, die inneren Lippen dunkler, die Klitoris schon geschwollen unter der kleinen Haube. Ich küsste sie zuerst dort, wo der Schenkel in den Schoß überging, dann leckte ich einmal lang von unten nach oben, langsam, um sie zu schmecken und um zu sehen, wie sie reagierte. Ihre Hand fand mein Haar. Nicht drückend. Haltend.

„Genau so“, sagte sie. „Und dann die Zunge flacher, über die Spitze. Nicht zu direkt am Anfang. Ich werde schnell, wenn du zu fest bist, und ich will es länger.“

Ich tat, was sie sagte. Flache Zunge, breite Striche, dann Kreise, dann ein Saugen, das ich wieder löste, bevor es zu viel wurde. Sie schmeckte klar und salzig, und die Feuchtigkeit nahm zu, lief ein wenig, sodass ich mit den Lippen trank und mit den Fingern nachhalf, sie spreizte, sie hielt. Zwei Finger glitten in sie, und sie war eng und heiß und zog mich tiefer, als ich fragte, ob das gut sei, und sie nur „ja, ja“ sagte, die Stimme höher als im Flur.

Ich fand einen Rhythmus: Mund an der Klitoris, Finger gekrümmt nach vorn, ein Druck gegen die Stelle, die sie jedes Mal die Hüfte heben ließ. Sie sagte meinen Namen, Lena, einmal, zweimal, und dann keine Wörter mehr, nur Atem und ein leises, wiederholtes Bitten, nicht aufzuhören. Ich hörte nicht auf. Meine eigene Erregung pochte unberührt zwischen meinen Beinen, und das machte mich genauer, nicht nachlässiger. Ich wollte, dass sie kam, bevor die Nacht sich selbst überholte.

„Ich bin nah“, sagte sie. „Bleib genau da. Nicht schneller. Nur so.“

Ich blieb. Die Zunge stetig, die Finger tief und gleichmäßig, die freie Hand auf ihrem Bauch, um sie zu spüren, wenn sie sich spannte. Sie spannte sich. Die Schenkel schlossen sich um meinen Kopf, dann öffneten sie sich wieder, als hätte sie Angst, mich zu halten, und ich murmelte an ihr, dass sie halten durfte. Sie hielt. Der Höhepunkt kam als Zittern, das in den Oberschenkeln begann und sich nach innen zog, um meine Finger, ein Puls, den ich mit dem Mund begleitete, bis sie die Hand in mein Haar legte und mich sanft wegzog, überempfindlich, lachend und fast weinend in demselben Atem.

Ich küsste ihren Bauch und legte mich neben sie. Sie drehte sich zu mir, das Gesicht feucht an der Schläfe, und küsste mich, schmeckte sich, schien das nicht zu stören. Eine Weile lagen wir nur so, ihre Hand auf meiner Hüfte, mein Bein über ihrem. Draußen im Treppenhaus ging irgendwo eine Tür, dann Stille. Der Flur vor ihrer Wohnung war wieder nur ein Flur.

„Du bist noch nicht gekommen“, sagte sie.

„Noch nicht. Ich wollte dich zuerst. Das war keine Höflichkeit. Das war Gier in der richtigen Reihenfolge.“

Sie lächelte an meinem Mund. „Dann bin ich an der Reihe, die Reihenfolge zu ehren.“

Sie schob mich auf den Rücken und kniete sich zwischen meine Beine, aber sie begann nicht sofort dort. Sie küsste meine Brüste wieder, länger jetzt, saugte, bis ich unruhig wurde, biss ganz leicht in die Unterseite, leckte die Stelle danach. Ihre Hand lag schon an meiner Scham, zwei Finger in der Nässe, ohne einzudringen, nur gleitend, die Klitoris streifend bei jeder Bewegung nach oben. Ich war so empfindlich, dass ich die Hüfte wegzog und gleich wieder hinschob.

„Zu viel?“

„Nein. Genau an der Kante. Geh mit dem Mund runter. Ich will deine Zunge, und ich will deine Finger, und ich will, dass du nicht höflich bist.“

Sie war nicht höflich. Sie legte sich auf den Bauch zwischen meine Schenkel, zog mich ein Stück zu sich, und ihr Mund war heiß und entschieden. Die Zunge teilte mich, fand die Klitoris, umkreiste sie, dann leckte sie fest und gleichmäßig, während zwei Finger in mich glitten und sich krümmten. Ich griff ins Laken, dann in ihr Haar, und sagte ihr, dass sie bleiben sollte, genau dort, ein wenig mehr Druck, ja, so. Das Geräusch war deutlich in dem leeren Zimmer, nass und rhythmisch, und es schämte mich nicht. Es gehörte zu uns, zu dieser letzten Nacht, zu der Frau, die morgen den Flur räumen würde und heute noch ganz hier war.

Die Spannung stieg schnell, weil sie mich schon vorher so weit gebracht hatte und weil ihr Mund wusste, was er tat. Ich sagte es ihr, in kurzen Sätzen, die keine Literatur waren und auch keine Scham. Mehr. Dort. Nicht aufhören. Sie gehorchte nicht wie eine Dienerin, sie hörte zu wie eine Liebende für eine Nacht, und das war genug. Als es kam, war es kein einzelner Schlag, sondern eine Welle, die sich überschlug, mein Schoß zog sich um ihre Finger zusammen, die Klitoris pochte unter ihrer Zunge, und ich presste die Schenkel zusammen und öffnete sie wieder, weil ich sie nicht verlieren wollte und sie trotzdem brauchte, genau so, noch einen Moment, noch einen.

Sie blieb, bis ich ihre Schulter tätschelte, atemlos, und „genug, genug“ sagte, nicht weil es schlecht war, sondern weil der Körper nach dem Gipfel keine zweite Berührung an derselben Stelle ertrug. Sie küsste die Innenseite meines Schenkels, einmal, zart, und kam hoch zu mir. Wir lagen Brust an Brust, verschwitzt, der Wein vergessen auf dem Tisch im anderen Zimmer, die Kisten im Flur vergessen und doch nicht vergessen.

„Komm her“, sagte ich, als der Atem ruhiger wurde. „Nicht zum Weitermachen, wenn du nicht willst. Nur so.“

„Ich will noch“, sagte sie. „Nicht gleich denselben Weg. Anders. Ich will dich an mir spüren, Bein an Bein, bis wir beide noch einmal zittern, wenn es geht. Wenn nicht, bleiben wir liegen. Beides ist gut.“

Wir legten uns auf die Seite, einander zugewandt, ein Bein von ihr zwischen meinen, meins zwischen ihren, sodass unsere Scham sich berührte, wenn wir die Hüften schoben. Es war ungeschickt am Anfang, ein Verrutschen, ein Lachen, dann fanden wir den Winkel. Nässe an Nässe, Klitoris gegen den festen Knochen ihrer Hüfte und dann, besser, gegen ihre eigene, wenn wir uns richtig trafen. Ich hielt ihren Nacken. Sie hielt meinen Hintern und zog mich in einen langsamen Rhythmus, nicht schnell, ein Reiben, das sich aufbaute wie ein Gespräch, das wir im Flur nie geführt hatten.

„Sieh mich an“, sagte sie.

Ich sah sie an. Ihre Augen waren dunkel, die Lippen geschwollen von mir, das Haar an der Stirn feucht. Wir bewegten uns, und jedes Mal, wenn wir uns richtig trafen, ging ein kleiner Stoß durch uns beide. Ich spürte sie gleiten, hörte uns, roch uns, und die Leere der Wohnung machte jedes Geräusch ehrlich. Es dauerte länger als vorher. Das war gut. Ich wollte die Zeit nicht jagen. Morgen würde sie fehlen, der Flur würde wieder breit sein, ihre Tür würde eine andere Frau oder einen anderen Mann öffnen, und ich würde die linke Tür schließen und so tun, als wäre eine Nacht eine Nacht. Jetzt war sie mehr.

„Ich komme noch einmal“, flüsterte sie. „Wenn du mit mir kannst, dann mit mir. Wenn nicht, ist es auch recht.“

„Ich versuche es. Beweg dich nicht schneller. Nur fester, wenn du unten ankommst.“

Sie zog mich fester heran. Der Druck wurde genau, ein gleitendes Reiben, das die Klitoris bei jedem Stoß traf. Ich spürte, wie sie sich spannte, wie ihr Atem brach, und das zog mich mit. Wir kamen nicht im selben Herzschlag, aber nah genug, dass es sich wie gemeinsam anfühlte: sie zuerst, ein Beben, das ich an meiner eigenen Scham spürte, dann ich, eine kleinere, schärfere Welle, die mich den Mund an ihrer Schulter vergraben ließ, damit ich nicht den ganzen Flur weckte. Danach lagen wir still, ineinander verhakt, zu warm, zu nass, zu wach für Schlaf und zu müde für Worte, die groß sein wollten.

Ich strich ihr das Haar aus dem Gesicht. Sie küsste meine Finger, einen nach dem anderen, ohne Spiel. Draußen wurde das Treppenhaus einmal hell, als jemand die Zeitschaltuhr drückte, und wieder dunkel. Wir hörten Schritte, die nicht bei uns hielten. Eine fremde Tür. Dann nichts.

„Bereust du es“, fragte sie nach einer langen Weile.

„Nein. Ich werde es morgen vermissen, und das ist nicht dasselbe wie Reue. Du?“

„Nein. Ich hatte Angst, es wäre zu wenig oder zu viel. Es ist genau das, was diese Nacht hergibt. Nicht mehr. Ich will dir nichts versprechen, was die Bahn morgen früh schon widerlegt.“

„Versprich mir nur, dass du sicher ankommst und dass du mir schreibst, wenn die Kisten ausgepackt sind. Nicht jede Stunde. Einmal. Damit ich weiß, dass der Flur dich losgelassen hat und du irgendwo ein Fenster zum Hof hast.“

„Das verspreche ich.“ Sie zog die Decke über uns, obwohl wir noch nicht schlafen wollten. „Und du versprichst, dass du nicht so tust, als wäre ich nur die Nachbarin gewesen, die Salz geliehen hat. Nicht dir selbst gegenüber. Den anderen im Haus darfst du erzählen, was du willst. Mir gegenüber warst du ehrlich. Bleib das wenigstens in deinem eigenen Kopf.“

„Ich bleibe das.“

Wir schliefen nicht richtig. Wir dösten, wachten auf, küssten uns ohne Ziel, einmal noch strich ihre Hand über meine Brust, nicht um neu anzufangen, nur um sich zu merken, wie sie sich anfühlte. Ich merkte mir das Muttermal unter ihrer linken Brust, die Narbe an ihrem Knie, von der sie sagte, sie stamme von einem Fahrrad und nicht von einer Geschichte, die erzählt werden müsse. Gegen vier wurde das Fenster grau. Die Stadt begann mit einem einzelnen Auto und dem Klirren einer Flasche irgendwo im Hof.

Klara stand auf, nackt im grauen Licht, und suchte unser Zeug zusammen. Sie reichte mir den Pullover, zog selbst das Hemd an, ohne es ganz zu schließen. Wir wuschen uns am Waschbecken, weil die Dusche schon abmontiert in einer Kiste lag, und das Wasser war kalt und machte uns lachen, leise, damit das Haus nicht mitlachte. Im Spiegel sahen wir aus wie Frauen, die eine Nacht nicht bereuten und den Morgen trotzdem spürten. Ich band mein Haar. Sie ließ ihres offen.

„Ich bringe dich bis zur Tür“, sagte sie. „Nicht weiter. Wenn ich mit dir in den Flur gehe und dort stehen bleibe, fange ich vielleicht noch einmal an, und die Möbelpacker kommen um acht, und ich will nicht, dass sie uns zwischen den Kisten finden.“

„Bis zur Tür ist richtig.“

Wir traten in den gemeinsamen Hausflur. Die Zeitschaltuhr sprang an, als ich den Schalter drückte, und das gelbe Licht machte die Kisten wieder zu dem, was sie waren: ein Umzug, kein Altar. Küche, Winter, Bücher, Rest. Meine Tasche stand noch zwischen Heizung und Pappe, als hätte die Nacht sie nicht mitgenommen. Klara blieb im Rahmen ihrer Tür, ich im Rahmen meiner, der Flur zwischen uns so schmal wie immer und zum ersten Mal nicht neutral.

„Danke“, sagte sie.

„Nicht für die Höflichkeit. Für die Nacht.“

„Für die Nacht“, wiederholte ich. „Fahr gut. Schreib, wenn die Kisten leer sind.“

Sie nickte. Einen Moment sah es aus, als würde sie den Flur überqueren. Sie tat es nicht. Sie legte die Hand an den Rahmen, und ich legte die Hand an meinen, und das war der Abschied, den der Morgen vertrug. Ich schloss meine Tür nicht sofort. Ich wartete, bis ihre ins Schloss fiel, leise, wie am Abend, und bis das Licht im Flur von selbst ausging.

In meiner Wohnung roch es nach mir allein, nach kalter Wohnung und nach dem Pullover, der noch nach ihrer Seife und nach uns roch. Ich zog ihn nicht aus. Ich setzte mich auf die Kante meines Bettes und hörte, wie nebenan ein letzter Karton über den Boden gezogen wurde, dann Stille. Die Abreise gehörte dem Morgen, nicht mehr der Nacht. Was geblieben war, lag nicht im Flur. Es lag unter der Haut, warm, deutlich, und es würde bleiben, auch wenn ihre Tür morgen einer anderen Hand gehörte.

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