Das Verbot hinter der Hecke
Nachbarin · 19 Minuten lesen · 26 Minuten hören
Gelesen von Meher
Teil 2 der Serie Nebenan (2)
Die Nachbarin hatte das Verbot im Juli nicht erfunden, um mich von ihrem Pool fernzuhalten. Sie hatte es mit mir gewollt, und ich hatte ja gesagt, weil das Ja mich sicherer machte als jedes Ausweichen. Ich war einunddreißig, seit Anfang Juni in dem gemieteten Haus hinter der Ligusterhecke, und Lena war vierunddreißig, die Frau mit dem Pool und den ruhigen Händen. An einem Dienstag, an dem die Luft über den Gärten stand wie erwärmtes Glas, hatte sie mir geschrieben: Das Wasser ist warm. Die Regel gilt. Komm trotzdem, wenn du willst.
Ich hatte den Satz gelesen, bis die Buchstaben nicht mehr wie eine Einladung und nicht mehr wie eine Absage aussahen. Dann hatte ich den Laptop zugeklappt, unter dem ich seit dem Morgen nur so getan hatte, als arbeitete ich, und ein dünnes Kleid über den schwarzen Badeanzug gezogen. Der Weg durch den Seiteneingang war kurz. Trotzdem blieb ich an der Pforte stehen und legte die Hand auf das warme Holz, als müsste ich mir den letzten Schritt erlauben. Chlor lag in der Luft, dazu der trockene Geruch von Stein und das süße, staubige Grün der Hecke. Irgendwo weiter hinten lief ein Radio, dann brach es ab. Die Stille danach gehörte uns.
Lena stand im flachen Ende. Das Wasser reichte ihr bis zu den Oberschenkeln und bewegte sich kaum. Sie band das braune Haar hoch, und der Nacken darunter war von der Sonne dunkler als im Juni. Der blaue Bikini war verblasst, an den Trägern heller als am Stoff über der Brust. Als die Pforte klackte, drehte sie sich um. Ihr Blick blieb an meinem Gesicht.
„Du bist gekommen“, sagte sie. „Obwohl es gilt.“
„Deshalb“, antwortete ich. „Du hast es so geschrieben, dass ein Nein gelogen hätte.“
Ein kleines Lächeln zog an ihrem Mund, nicht spöttisch, eher erleichtert. „Dann zieh das Kleid aus. Hände bleiben bei dir. Das ist der Teil, den wir beide wollten, als wir es uns verboten haben.“
Ich ließ das Kleid über die Schultern gleiten und legte es auf den nächsten Liegestuhl. Der Stein unter meinen Füßen war so heiß, dass ich die Zehen einzog, bis ich die Stufe erreichte. Das Wasser fasste meine Waden an, dann die Knie, und es war nicht kühl. Es war Juliwasser, den ganzen Tag von der Sonne durchwärmt, weich und ein wenig schwer. Lena blieb, wo sie war. Zwischen uns lag vielleicht eine Armlänge und die Regel, und beides fühlte sich enger an als der Pool.
„Wiederhol sie“, sagte sie leise. „Ich will sie von dir hören, nicht nur von mir.“
Ich schluckte. Die Oberfläche spiegelte ein Stück Himmel und die Linie ihrer Hüfte. „Wir fassen uns nicht an. Wir tun nicht so, als wäre das hier nur Schwimmen. Und wir nennen es ein Verbot, weil wir beide wissen, was wir sonst täten.“
„Ja“, sagte Lena. „Genau das. Und jetzt schwimm. Langsam. Ich sehe dich an. Das gehört noch dazu.“
Ich stieß mich ab und glitt auf den Rücken. Das Wasser trug mich, schloss sich über den Ohren und öffnete sich wieder, und jedes Mal, wenn ich die Augen aufmachte, stand Lena noch im Flachen und sah nicht weg. Ich schwamm eine Bahn, dann eine zweite, und die Anstrengung half nicht. Der Badeanzug klebte, der Stoff zwischen meinen Beinen war vom Wasser schwer, und darunter war ich schon wach, noch bevor eine Hand mich berührt hatte. Das ärgerte mich nicht. Es machte die Regel nur deutlicher.
Wir hatten sie gewollt, weil der Wunsch schon im Juni größer gewesen war als der Wein. Damals, an dem Abend auf ihrer Terrasse, hatten wir uns nicht geküsst. Wir hatten nur zu lange nebeneinander gesessen, Schulter an Schulter, und Lena hatte irgendwann gesagt, wenn wir jetzt anfingen, würden wir nicht mehr aufhören können, und die Hecke sei kein Schutz vor dem, was danach komme. Ich hatte genickt. Ich würde im August wieder fort sein. Sie würde bleiben.
Also das Verbot. Kein Drama, kein Streit, nur ein Satz, den wir beide ausgesprochen hatten, als wäre er ein Geländer. Jetzt war August noch nicht da, und Juli drückte auf die Haut. Ich drehte mich im tiefen Ende auf den Bauch und schwamm zu ihr zurück, bis ich wieder stehen konnte. Wasser lief mir aus dem Haar über das Gesicht. Lena hatte sich nicht bewegt. Ihre Hände lagen flach auf den Oberschenkeln, die Finger gespreizt, als hielte sie sich selbst an die Regel.
„Du zitterst“, sagte sie.
„Das Wasser ist warm.“
„Trotzdem.“ Sie hob eine Hand, ließ sie aber in der Luft hängen, eine Spanne vor meiner Schulter. „Ich will dich anfassen. Ich sage es, damit es nicht nur in meinem Kopf passiert. Und ich fasse dich nicht an, solange du das Verbot nicht mit mir aufhebst. Wir haben es beide gewollt. Wir können es auch beide weglegen. Nur für heute, oder für länger, das entscheiden wir danach. Aber nicht halb.“
Ich sah auf ihre Hand. Die Innenfläche war heller als der Unterarm, eine dünne Narbe quer über dem Daumenballen, von irgendeiner Schere im Garten, hatte sie im Juni erzählt. Mein Mund war trocken, obwohl ich im Wasser stand. „Heb sie nicht weg“, sagte ich. „Ich will, dass du mich anfasst. Ich hebe das Verbot mit dir auf. Ganz. Nicht halb.“
Lena atmete aus, ein langer Laut, als hätte sie die Luft seit meiner Ankunft gehalten. „Sag es noch einmal. Mit meinem Namen. Ich will es klar haben.“
„Lena. Ich will, dass du mich berührst. Ich will dich berühren. Das Verbot war unseres, und ich lege es jetzt mit dir ab.“
„Sabine“, sagte sie, und mein Name in ihrem Mund war schon eine Berührung. „Ich auch. Komm her.“
Ich trat den letzten Schritt. Das Wasser schob sich zwischen uns und wich dann, und ihre Hand legte sich auf meine Schulter, warm, fest, nicht hastig. Der erste Kontakt war so schlicht, dass mir die Knie trotzdem weich wurden. Haut auf nasser Haut. Ihr Daumen strich einmal über mein Schlüsselbein, und sie sah mir dabei ins Gesicht, als prüfte sie, ob das Ja noch stand. Es stand. Ich legte meine Hände an ihre Taille, dort wo der Bikini endete und der Körper wieder anfing, und spürte, wie sie unter den Fingern kurz die Luft anhielt.
„Immer noch ja?“, fragte sie.
„Immer noch ja. Und du?“
„Ja. Seit Juni. Seit der Nachricht heute Morgen. Seit du die Pforte aufgemacht hast.“
Wir küssten uns nicht sofort. Lena zog mich nur näher, bis unsere Bäuche sich im Wasser berührten und der Bikini an meinem Badeanzug scheuerte. Ihre Stirn lag an meiner. Ich roch Chlor und Sonnencreme und darunter sie, warm, ein wenig salzig von der Haut. Die Hecke stand hoch. Die Häuser dahinter waren still. Trotzdem sprach sie leise, als gehörte die Stimme nur in den schmalen Raum zwischen unseren Mündern.
„Wenn du willst, dass ich aufhöre, sagst du aufhören. Nicht das Verbot. Das Verbot ist abgelegt. Aufhören heißt aufhören, und ich höre dann auf. Einverstanden?“
„Einverstanden“, sagte ich. „Dasselbe gilt für dich. Ich will dich nicht überrennen, nur weil ich das hier seit Wochen im Körper habe.“
„Das hast du nicht allein.“ Sie lächelte wieder, diesmal offener, und dann küsste sie mich.
Ihr Mund war warm und zuerst vorsichtig, Lippen geschlossen, ein Druck, der fragte und schon wusste. Ich öffnete mich, und die Vorsicht hielt nicht. Ihre Zunge fand meine, langsam, dann sicherer, und ich hörte mich selbst leise gegen ihren Mund atmen. Die Hände an ihrer Taille zogen sie enger. Sie ließ die Schulter los und fuhr mit beiden Händen in mein nasses Haar, hielt mich nicht fest, nur da, und küsste mich, bis das Wasser um unsere Hüften kleine Wellen schlug. Ich schmeckte Minze, vielleicht von dem Glas, das irgendwo am Rand stand, und darunter nur sie.
Als wir uns lösten, war mein Puls im Hals. Lenas Pupillen waren dunkel, der Mund feucht. „Aus dem Wasser“, sagte sie. „Der Stein ist warm. Ich will dich sehen, nicht nur spüren. Nur wenn du das auch willst.“
„Ich will es.“
Wir stiegen die Stufen hinauf. Das Wasser lief von uns ab und hinterließ dunkle Spuren auf den Platten. Die Liege, auf der mein Kleid lag, stand in der Sonne. Lena zog ein großes Handtuch von der zweiten Liege und breitete es im Schatten der Hauswand aus, dort wo der Stein noch Wärme hielt, aber die Sonne nicht mehr auf die Augen drückte. Sie setzte sich und streckte die Hand aus. Ich nahm sie und kniete mich neben sie, dann ließ ich mich auf die Seite sinken, das Gesicht ihr zugewandt.
„Der Anzug“, sagte sie. „Darf ich?“
„Ja.“
Ihre Finger fanden den Reißverschluss im Rücken. Er klebte ein wenig vom Wasser, und sie zog langsam, Zahn für Zahn, bis die Luft an meine Wirbelsäule kam. Ich hob die Arme nicht wie bei einer Vorführung. Ich half nur, schob den nassen Stoff von den Schultern, und Lena zog ihn über meine Brüste, über den Bauch, über die Hüften. Der Anzug blieb an den Schenkeln hängen. Sie hielt inne und sah mich an, die Hände flach auf meinen Hüftknochen, wartend.
„Weiter“, sagte ich.
Sie zog den Stoff die Beine hinunter und legte ihn neben das Handtuch. Dann saß ich nackt vor ihr, die Haut noch vom Wasser gekühlt und darunter schon heiß, und Lena betrachtete mich ohne Hast. Ihr Blick ging über die Brüste, über den Bauch, über die dunklen Haare zwischen meinen Beinen, und er war nicht prüfend. Er war hungrig und aufmerksam zugleich. Ich spürte, wie sich meine Brustwarzen zusammenzogen, nicht von Kälte.
„Du auch“, sagte ich. „Ich will dich nicht angezogen vor mir haben, während ich so daliege.“
Sie nickte, griff hinter sich und öffnete das Bikinioberteil. Die Träger fielen. Ihre Brüste waren voller als meine, die Warzen dunkelrosa und schon fest, und eine dünne helle Linie zog sich unter der linken, dort wo der Stoff den ganzen Sommer gesessen hatte. Ich hob die Hand und wartete, bis sie ja sagte, obwohl ihr Körper sich mir schon entgegenneigte. Dann legte ich die Hand um ihre rechte Brust, spürte das Gewicht, den weichen Rand und die harte Mitte, und strich mit dem Daumen einmal über die Warze. Lena schloss die Augen. Ein Laut kam aus ihr, kurz, tief in der Kehle, kein Wort.
„Das Oberteil ist weg“, sagte ich leise. „Das Unterteil noch nicht.“
„Dann mach du es.“ Sie öffnete die Augen wieder. „Ich will deine Hände da haben.“
Ich hakte die Finger unter den nassen Bund und zog. Der Stoff löste sich von ihrer Haut mit einem leisen, nassen Geräusch. Sie hob die Hüften, half, und dann lag der Bikini neben meinem Anzug, zwei kleine Häufchen, die nicht mehr zählten. Lena war nackt, die Schamhaare dunkel und kurz, die Innenseiten der Schenkel schon ein wenig gerötet von der Wärme oder von mir, das konnte ich nicht unterscheiden. Ich legte mich wieder neben sie. Unsere Knie stießen aneinander. Eine Weile küssten wir uns nur, nackt auf dem Handtuch, Brüste an Brüste, und das Reiben allein ließ mich die Schenkel zusammendrücken.
Lena schob ein Knie zwischen meine. Nicht grob, nur so weit, dass ich mich öffnen konnte, wenn ich wollte. Ich wollte. Ich legte ein Bein über ihres und spürte die glatte Haut ihrer Hüfte an der empfindlichen Stelle innen an meinem Schenkel. Sie küsste meinen Hals, dann die Stelle unter dem Ohr, dann die Schulter, und ihre Hand lag auf meiner Taille, noch nicht tiefer. Das Warten war absichtlich. Ich merkte es an der Art, wie sie atmete, kontrolliert und doch nicht ruhig.
„Darf ich deine Brüste in den Mund nehmen?“, fragte sie an meiner Haut.
„Ja. Bitte.“
Sie rutschte ein wenig nach unten. Ihr Haar, noch halb hochgebunden, löste sich und fiel ihr über die Wange. Sie strich es nicht weg. Ihr Mund schloss sich um meine linke Brustwarze, warm, feucht, und die Zunge zog einen langsamen Kreis. Ich bog den Rücken. Die Empfindung lief von der Brust gerade hinunter zwischen die Beine, als hätte sie eine Schnur gezogen. Lena saugte sanft, dann fester, und ihre Hand nahm die andere Brust, drückte sie, rollte die Warze zwischen zwei Fingern. Ich hielt ihren Hinterkopf, nicht um sie zu lenken, nur um sie da zu haben, und hörte mich ihren Namen sagen.
Sie wechselte die Seite. Dieselbe Langsamkeit, derselbe Zug, bis ich die Hüften gegen ihr Knie schob, ohne es geplant zu haben. Der Kontakt war zu wenig und schon zu viel. Lena hob den Kopf. Ihre Lippen glänzten. „Du bewegst dich gegen mich“, sagte sie. „Ich kann tiefer gehen. Mit dem Mund. Mit den Fingern. Sag mir, was du jetzt willst, Sabine. Nicht, was die Regel erlaubt hätte. Was du willst.“
„Beides“, sagte ich, und die Stimme war heiser. „Deinen Mund zuerst. Dann deine Finger. Und ich will dasselbe bei dir tun. Nicht nur empfangen.“
„Gut.“ Sie küsste mich kurz auf den Mund, ein fester, zufriedener Kuss. „Dann leg dich hin. Knie auseinander, so weit es sich gut anfühlt. Ich fange langsam an. Du sagst mehr oder weniger oder genau so.“
Ich legte mich auf den Rücken. Das Handtuch war rau unter den Schulterblättern, der Stein darunter gab noch Wärme ab. Ich stellte die Füße auf und ließ die Knie auseinanderfallen, nicht so weit, dass es sich wie eine Pose anfühlte, nur weit genug, dass Luft an die feuchte Stelle zwischen meinen Beinen kam. Lena kniete sich zwischen meine Schenkel. Sie sah mich an, dann sah sie hinunter, und ihr Atem streifte mich, bevor ihr Mund mich berührte. Allein das ließ mich die Zehen krümmen.
Der erste Kuss war auf die Innenseite des linken Schenkels, dann auf die rechte, dann höher, dicht an der Stelle, wo die Haut dünner wird. Sie küsste die äußeren Lippen, langsam, mit geschlossenem Mund, als lernte sie die Form. Ich war schon nass, nicht nur vom Pool. Das merkte ich, als sie die Zunge flach durch die Spalte zog und ein leises, zufriedenes Geräusch machte. „Du schmeckst nach dir“, sagte sie, „nicht nach Chlor. Gut.“
Dann wurde sie genauer. Ihre Zunge fand die Klitoris und umkreiste sie, nicht direkt auf der empfindlichsten Stelle, sondern knapp daneben, bis ich die Hüften hob und sie mit beiden Händen an den Schenkeln festhielt, damit ich ihr nicht entgegenstieß. „Genau so“, brachte ich heraus. „Nicht fester. Genau so.“
Sie blieb bei dem Kreis. Der Rhythmus war gleichmäßig, warm, ein wenig hörbar in der stillen Luft, und die Spannung in meinem Bauch zog sich zusammen wie ein Muskel, den ich nicht bewusst anspannen konnte. Lena schob eine Hand unter mich, hob mein Becken ein wenig an, und die andere Hand legte sie flach auf meinen Unterbauch, ein Gewicht, das mich im Liegen hielt. Ich sah hinunter. Ihr Haar fiel über meinen Schenkel. Ihre Schultern bewegten sich mit dem Atem. Der Anblick war fast so stark wie die Zunge.
„Finger“, sagte ich. „Einen. Langsam.“
Sie hob den Mund nur so weit, dass sie sprechen konnte. „Einen. Sag aufhören, wenn es zu viel ist. Aufhören heißt aufhören.“
„Ich weiß. Bitte.“
Ihr Finger glitt durch die Nässe, fand den Eingang und drückte sacht. Ich öffnete mich um ihn. Es war ein langsames Hineingleiten, kein Stoß, und als er ganz in mir war, hielt sie still und küsste wieder die Klitoris, diesmal direkter. Der Unterschied ließ mich einen Laut ausstoßen, den ich nicht kannte, offen und ein wenig hilflos. Lena bewegte den Finger in einem kleinen Bogen, suchte, und als sie die Stelle innen fand, die sich fester anfühlte, blieb sie dort und rieb sie im Takt ihrer Zunge.
„Da“, sagte ich. „Da, Lena. Nicht weg.“
Sie blieb. Der Kreis der Zunge wurde kleiner. Der Finger blieb tief und rieb nur diese eine Stelle, gleichmäßig, geduldig, als hätte sie den ganzen Nachmittag Zeit und keine andere Aufgabe. Die Wärme im Bauch wurde enger. Meine Schenkel begannen zu zittern. Ich griff in das Handtuch, dann in ihr Haar, und sagte ihren Namen, nicht als Warnung, sondern weil ich ihn brauchte. „Ich komme gleich. Bleib. Bitte bleib genau so.“
Sie blieb. Die Zunge wurde nicht schneller, nur stetig, und der Finger auch, und das war es, was mich über die Kante zog. Der Orgasmus kam nicht als einzelner Schlag. Er kam als Welle, die im Unterleib anfing und durch die Schenkel lief, durch den Bauch, bis in die Brustwarzen, und ich presste die Knie gegen ihre Schultern und hielt sie da, während ich mich um ihren Finger zusammenzog, einmal, zweimal, ein drittes Mal, länger als ich erwartet hatte. Ein Laut blieb in meiner Kehle halb stecken. Die Augen hatte ich zugemacht. Als es nachließ, zitterten meine Beine noch, und Lena zog den Finger langsam heraus und küsste mich auf den Unterbauch, dann auf die Hüfte, dann gar nicht mehr, nur ihre Wange lag auf meinem Schenkel, und sie atmete mit mir.
Eine Weile sagte keine von uns etwas. Die Zikaden hatten irgendwann wieder angefangen, oder ich hörte sie erst jetzt. Lenas Hand lag auf meinem Knie, der Daumen strich eine kleine Linie, hin und her, als wollte sie mich im Körper behalten, während der Rest von mir zurückkam. Ich öffnete die Augen. Der Himmel über der Hauswand war noch blau, aber das Licht am Poolrand war goldener geworden. Lena hob den Kopf. Ihr Mund glänzte. Sie wirkte nicht triumphierend. Sie wirkte weich und sehr wach.
„Komm her“, sagte ich. „Ich bin noch nicht fertig mit dir. Ich will dich schmecken. Leg dich hin, oder setz dich auf mich, wie es dir lieber ist. Sag es mir.“
Sie überlegte nicht lange. „Ich setze mich über dein Gesicht nicht. Nicht heute. Ich will dich sehen können, und ich will deine Hand in mir haben, während dein Mund an mir ist. Kannst du so liegen, dass das geht?“
„Ja.“ Ich rutschte ein Stück nach unten auf dem Handtuch und klopfte neben meine Schulter. „Knie dich über meine Brust, nicht höher. Dann erreiche ich dich mit dem Mund und mit der Hand, und du kannst dich abstützen. Wenn die Knie weh tun, sagen wir es und wechseln.“
Lena lachte leise, ein kurzer, echter Laut. „Du planst das wie einen Gartenweg.“
„Ich will, dass es gut für dich ist. Das ist alles.“
Sie beugte sich herunter und küsste mich, tief, und ich schmeckte mich selbst auf ihrer Zunge, salzig und ein wenig süß. Dann kniete sie sich so, wie wir es gesagt hatten, die Knie neben meinen Rippen, den Oberkörper aufgerichtet, die Hände auf meinen Schultern. Ich hatte ihre Scham direkt vor mir, nah genug, dass ich die Wärme spürte, bevor ich sie berührte. Sie war nass. Das sah ich, und das roch ich, ein dunkler, klarer Geruch, der nichts mit dem Pool zu tun hatte. Ich legte beide Hände an ihre Hüften und zog sie ein wenig näher, nur so weit, dass meine Zunge sie erreichen konnte, ohne dass sie sich verrenken musste.
Der erste Strich war langsam, von unten nach oben. Lena atmete scharf ein. Ihre Finger drückten meine Schultern. Ich wiederholte den Strich, dann teilte ich sie mit der Zunge und fand die kleine, feste Stelle oben und umkreiste sie so, wie sie es bei mir getan hatte, knapp daneben, dann genauer, als ihr Becken mir entgegenkam. „Mehr direkt“, sagte sie. „Du kannst fester. Ich mag fest, wenn es schon so weit ist.“
Ich gab ihr fester. Meine Zunge drückte, flach und rhythmisch, und eine Hand ließ ich von der Hüfte zwischen ihre Beine wandern. Zwei Finger glitten leicht in sie, denn sie war offen und nass, und sie senkte sich ein Stück auf meine Hand, nahm sie tiefer. „Ja. So. Beweg sie.“
Ich krümmte die Finger und suchte, bis sie einen Laut machte, der kein Wort mehr war, und dann blieb ich an dieser Stelle und stieß langsam, während der Mund an ihrer Klitoris arbeitete. Lena bewegte die Hüften in einem kleinen Kreis, nicht wild, eher genau, als führte sie mich und ließe sich zugleich führen. Ihre Brüste hingen über mir, schwankten mit jeder Bewegung, und ich sah hinauf in ihr Gesicht. Die Augen waren halb geschlossen, der Mund offen, eine Strähne klebte an ihrer Wange. Sie sah mich an, als sie merkte, dass ich hinsah, und das Sehen schien sie noch näher an den Rand zu bringen.
„Sabine“, sagte sie, gebrochen. „Nicht aufhören. Ich bin nah. Bleib in mir. Mund bleiben.“
Ich blieb. Der Rhythmus wurde nicht kunstvoller. Er wurde nur sicherer, Finger tief, Zunge fest und gleichmäßig, und Lenas Schenkel begannen zu zittern neben meinen Rippen. Sie kam mit einem langen, offenen Laut, der in der Gartenstille größer wirkte, als er war. Ihr Inneres zog sich um meine Finger zusammen, fest, wiederholt, und sie drückte sich einen Moment lang gegen meinen Mund, dann hielt sie sich zurück, als fürchtete sie, zu schwer zu werden, und ich hielt sie mit der freien Hand an der Hüfte und ließ sie ausklingen. Als die Wellen nachließen, sank sie zur Seite, nicht auf mich, sondern neben mich, und zog meine nasse Hand mit, küsste die Finger, ohne Eile, ohne Scham.
Wir blieben liegen, bis der Stein unter dem Handtuch nicht mehr warm war, sondern nur noch lau. Lena hatte den Kopf auf meinem Oberarm, eine Hand auf meinem Bauch, und ich strich ihr das feuchte Haar aus der Stirn, Strähne für Strähne, ohne etwas daraus machen zu wollen. Der Pool lag still. Eine Libelle setzte sich auf den Rand und blieb, als ginge sie das nichts an. Irgendwo schlug eine Tür, weit weg, und niemand kam an die Hecke.
„Das Verbot“, sagte Lena nach einer Weile, und das Wort klang nicht mehr wie ein Geländer. „Wir haben es beide gewollt. Nicht, um uns zu bestrafen. Um zu wissen, dass das hier kein Versehen ist.“
Ich drehte den Kopf und küsste sie auf die Schläfe. Die Haut dort schmeckte nach Salz und nach dem Abend, der noch nicht ganz da war. „Dann lassen wir es als Namen stehen“, sagte ich. „Nicht als Wand. Wir haben es heute abgelegt, weil wir es beide wollten, und wir können es morgen wieder aussprechen, wenn wir uns erinnern wollen, wie klar das Ja war.“
Lena nickte an meinem Arm. Dann stand sie auf, nackt und ohne Eile, und reichte mir die Hand. Wir stiegen noch einmal ins flache Ende, nicht um zu schwimmen, nur um das Chlor über die Haut zu lassen und die Wärme des Tages abzuspülen. Sie wusch mir mit den Händen das Haar aus dem Gesicht. Ich tat dasselbe bei ihr, und als meine Finger an ihrem Nacken liegen blieben, fragte sie leise, ob das noch zu heute gehöre. Ich sagte ja. Sie küsste mich im Wasser, kürzer als vorher, satt und freundlich, und der Kuss hatte keinen Hunger mehr, nur das Wissen, dass der Hunger dagewesen war und sich nicht geschämt hatte.
Wir trockneten uns mit demselben Handtuch, weil das andere noch die Form unserer Körper hielt und keine von uns es sofort falten wollte. Ich zog das Kleid über die nackte Haut, den Badeanzug in der Hand, und Lena band sich ein Tuch um die Hüften, sonst nichts. An der Pforte blieb sie stehen. Die Ligusterhecke roch jetzt stärker, als die Hitze nachließ. „Komm morgen wieder“, sagte sie. „Die Regel gilt, bis wir sie zusammen weglegen. Und ich will, dass wir sie wieder weglegen.“
„Ich auch“, sagte ich. „Das Verbot bleibt unseres. Und das Ja auch.“
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