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Das Gartenhaus hinter meiner Hecke

Nachbarin · 30 Minuten lesen · 41 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 1 der Serie Nebenan (3)

Ich war vierunddreißig und wohnte seit dem Frühjahr allein in dem schmalen Haus am Ende der Straße, mit einem Garten, der mehr Unkraut kannte als Ordnung. Hinter der Ligusterhecke, die der Vorbesitzer zu hoch hatte wachsen lassen, stand das Gartenhaus meines Nachbarn. Es war aus dunklem Holz, mit einem kleinen Vorbau und einem Fenster, das abends manchmal warm wurde. Thomas wohnte seit Jahren dort drüben. Er war zweiundvierzig, das sagte er mir an einem der ersten Abende, als wir uns über den Zaun die Namen gaben, ohne dass einer von uns danach gefragt hätte.

Er nannte mich Maren, und ich gewöhnte mich schnell daran, wie das in seinem Mund klang, ruhig und ohne Eile. In den ersten Tagen hörte ich ihn mehr, als ich ihn sah. Hammer, Säge, das kurze Lachen, wenn ein Brett nicht passte. Ich stand in der Küche und ließ das Wasser über die Hände laufen, nur um länger am Fenster zu bleiben. Er arbeitete mit hochgekrempelten Ärmeln, und wenn die Sonne stand, zog er das Hemd aus und legte es über die Lehne eines alten Stuhls.

Sein Rücken war breit, die Haut an den Schultern schon braun vom Sommer, und zwischen den Schulterblättern lief eine dünne Spur von Schweiß, die ich nicht hätte sehen müssen und doch sah. Ich kannte diesen Blick an mir nicht. Ich war nicht auf der Suche gewesen, und trotzdem blieb ich am Fenster stehen, bis das Glas beschlug und ich es mit dem Handrücken freiwischte. Der Garten roch nach warmem Gras. Irgendwo tickte eine Uhr in meiner Küche, und ich hörte sie nicht.

Am dritten Abend grüßte er. Ich war barfuß im Gras und schnitt Lavendel, der schon verblüht war und trotzdem noch süß roch, wenn man die Ähren zwischen den Fingern rieb. Er kam an die Hecke, die Hände in den Taschen der Arbeitshose, und sagte, der Lavendel reiche bis zu ihm hinüber. Ich richtete mich auf. Meine Knie waren grün vom Gras, und ein Halm klebte an meiner Wade. Er sah mich an, nicht hastig, und die Wärme stieg mir aus dem Nacken in die Wangen.

Wir sprachen über den Boden, über die Trockenheit, über nichts, das wichtig war, und als er ging, blieb der Geruch von Holz und Sonnencreme in der Luft hängen. Ich schnitt weiter, obwohl der Strauß schon zu groß war für die eine Vase, die ich besaß. Meine Hände zitterten ein wenig. Ich schob es auf die ungewohnte Arbeit und wusste, dass das nicht stimmte. Abends stellte ich den Lavendel auf den Tisch und roch daran, als könnte der Duft mir sagen, was ich mit dem Rest des Abends anfangen sollte.

Am nächsten Tag brachte er Tomaten. Drei große, noch warm von der Sonne, in einer Schale, die er über den Zaun reichte. Unsere Finger berührten sich an dem Rand. Es war nur eine Sekunde, aber ich zog die Hand nicht gleich weg, und er auch nicht. Er lächelte, kurz und ein wenig unsicher, und sagte, sie seien zu viele für einen allein. Ich dankte ihm und ging ins Haus, stellte die Schale auf den Tisch und stand eine Weile davor, die Handfläche an der Stelle, wo seine Finger gewesen waren.

Die Tage danach wurden länger in meinem Kopf, obwohl der Kalender sie gleich lang maß. Ich hörte seine Schritte auf dem Kiesweg. Ich sah das Licht im Gartenhaus angehen, wenn es draußen schon dämmerte, ein Rechteck aus Gelb hinter der Hecke. Manchmal blieb es bis spät. Ich lag im Bett und stellte mir vor, was er dort tat: ein Buch, eine Lampe, die er reparierte, oder einfach das Sitzen in einem Raum, der nur ihm gehörte. Der Gedanke an ihn in diesem Licht ließ mich nicht einschlafen.

Eines Morgens stand er mit einer Tasse an der Hecke, das Haar noch feucht vom Duschen, das Hemd offen am Kragen. Ich war mit meinem eigenen Kaffee hinausgetreten, barfuß, weil der Stein der Terrasse schon warm war. Er hob die Tasse ein wenig, als sei das ein Gruß, der keine Worte brauche. Wir tranken jeder auf seiner Seite und sprachen über einen Fuchs, den er in der Nacht gehört haben wollte. Ich glaubte ihm das nicht ganz und glaubte ihm doch die Ruhe, mit der er mir zuhörte, wenn ich von nichts erzählte.

Ich merkte, dass ich anfing, den Tag nach ihm einzuteilen. Vormittag, wenn die Säge ging. Mittag, wenn es still wurde und er vielleicht aß. Abend, wenn das Fenster hinter der Hecke honigfarben wurde. Es war albern, und ich ließ es trotzdem geschehen. In der Wohnung meiner Ehe hatte ich gelernt, Wünsche klein zu halten, bis sie verschwanden. Hier, mit dem Unkraut und dem zu hohen Liguster, kamen sie zurück, ohne zu fragen, ob ich bereit war.

Eines Nachmittags regnete es kurz und hart. Ich war im Begriff, die Wäsche hereinzuholen, als er an der Hecke stand, das Haar nass, das Hemd an der Brust dunkel. Er fragte, ob ich einen Schraubenzieher hätte, einen Kreuzschlitz, seiner liege im Haus, und das Haus sei abgeschlossen, der Schlüssel auf dem Tisch, eine Dummheit, über die er selbst lachte. Ich holte das Werkzeug aus der Schublade. Als ich es reichte, standen wir näher als sonst, weil der Regen uns unter das Vordach meiner Terrasse gedrängt hatte.

Wasser tropfte von seinem Kinn. Ich sah seinen Mund. Er sah meinen. Keiner sagte, was in der Luft lag. Ein Tropfen lief ihm über die Oberlippe, und er wischte ihn nicht weg. Ich hätte die Hand heben können. Ich tat es nicht, und die nicht gehobene Hand brannte trotzdem. Er nahm den Schraubenzieher, bedankte sich leise und ging durch den Regen zurück. Ich blieb unter dem Dach und atmete, als hätte ich etwas gehalten und nicht losgelassen.

Am Abend darauf brachte er das Werkzeug zurück. Es war schon dunkel. Das Licht im Gartenhaus brannte. Er klopfte nicht an die Tür, er kam an die Terrasse, wo ich mit einem Glas Wein saß und so tat, als läse ich. Der Schraubenzieher lag in seiner offenen Hand. Er sagte, er habe ihn geputzt, obwohl das nicht nötig gewesen sei. Ich bot ihm Wein an. Er zögerte, dann setzte er sich auf die Stufe, nicht auf den Stuhl, als wolle er den Abstand noch ein wenig wahren.

Wir tranken. Die Grillen waren laut. Er erzählte, dass er das Gartenhaus im vorletzten Sommer selbst gebaut habe, nach einer Trennung, die ihn aus der gemeinsamen Wohnung in das kleine Haus nebenan geführt hatte. Er sagte nicht viel darüber, nur dass es vorbei sei und dass er seitdem allein lebe und das Holz ihm gut tue. Ich sagte, ich sei seit dem Winter geschieden und das Haus hier sei der erste Ort, an dem ich die Stille nicht als Vorwurf höre. Er nickte. Sein Knie war nah an meinem Fuß. Ich hätte den Fuß zurückziehen können. Ich tat es nicht.

Als er ging, blieb er an der untersten Stufe stehen. Er sagte, wenn ich wolle, könne ich das Gartenhaus einmal von innen sehen. Es sei nichts Besonderes: ein Tisch, eine Liege, ein Regal mit Samen und Büchern. Aber es rieche nach Holz, und abends sei es der ruhigste Ort, den er kenne. Ich sagte, vielleicht. Das Wort war zu klein für das, was in mir antwortete. Er lächelte, diesmal länger, und verschwand hinter der Hecke. Das Licht blieb noch eine Stunde an. Ich saß mit dem leeren Glas und dem Bild seiner nassen Haut, das sich nicht vertreiben ließ.

In den folgenden Tagen wurde das Wollen genauer. Ich wusch mir die Haare, ohne einen Grund zu nennen. Ich zog Kleider an, die an der Taille saßen, und tat so, als sei das Zufall. Wenn ich ihn im Garten sah, ging ich hinaus, nicht immer, aber oft genug, dass es kein Zufall mehr war und wir beide das wussten. Er schnitt die Hecke auf meiner Seite nach, ohne dass ich darum gebeten hatte, und fragte vorher, ob es mir recht sei. Ich sagte ja. Während er arbeitete, stand ich mit einer Gießkanne da und vergaß zu gießen.

Schweiß lief ihm über die Schläfe. Einmal wischte er sich mit dem Unterarm über die Stirn und sah mich an, und in diesem Blick lag keine Höflichkeit mehr, nur eine Frage, die er noch nicht aussprach. Ich spürte sie trotzdem im Bauch, tief und warm. Die Gießkanne wurde schwer. Ich stellte sie ab und blieb stehen, die Hände leer, und er schnitt weiter, langsamer, als müsse die Heckenschere eine Arbeit tun, die mit Zweigen nichts zu tun hatte. Als er fertig war, roch die Luft nach grünem Saft und nach seiner Haut.

Am Tag darauf bat er mich, ein Ende eines Brettes zu halten, während er die andere Seite am Vorbau des Gartenhauses anschraubte. Ich kam um die Hecke, zum ersten Mal auf seinen Kies, und das Geräusch unter meinen Sohlen kam mir zu laut vor. Das Brett war länger, als es ausgesehen hatte. Wir standen nah, weil die Länge es verlangte, seine Hände an dem einen Ende, meine an dem anderen, und in der Mitte bog sich das Holz ein wenig. Als er die Schraube anzog, rutschte ich einen halben Schritt vor, und meine Hüfte streifte seinen Oberschenkel.

Keiner von uns tat so, als sei das nichts. Er hielt inne, den Schraubenzieher noch angesetzt, und sah auf meine Hände am Holz. Ich sah auf seinen Mund. Ein Splitter drückte in meinen Daumen, klein und scharf, und ich ließ nicht los. Er sagte leise, ich solle aufpassen, das Holz sei noch rau. Ich sagte, das mache nichts. Unsere Stimmen waren zu nah für diesen Satz. Als das Brett saß, trat er zurück, und die Stelle an meinem Oberschenkel, wo er mich gestreift hatte, blieb warm, als hätte die Sonne dort allein hingeschienen.

In dieser Nacht lag ich lange wach. Das Fenster stand auf Kipp, und vom Garten her kam der Geruch von geschnittenem Liguster. Ich dachte an seine Hände, an den Regen auf seinem Kinn, an die Härte, die ich an seinem Schenkel nur geahnt und doch genau gespürt hatte. Meine eigene Hand glitt unter das Hemd, das ich zum Schlafen trug, über den Bauch, tiefer, bis die Finger die feuchte Wärme fanden. Ich stellte mir seinen Mund vor, nicht höflich, sondern so, wie er mich am Brett angesehen hatte. Ich rieb langsam und hörte dann auf.

Ich wollte nicht allein zu Ende kommen, nicht in dieser Nacht, nicht mit einem Bild, wenn der Mann hinter der Hecke atmete und ein Licht anzünden konnte. Ich zog die Hand zurück, legte sie flach auf das Laken und atmete, bis das Pochen nachließ, ohne ganz zu verschwinden. Es blieb als Unruhe in den Schenkeln. Ich drehte mich auf die Seite und sah zum Fenster, hinter dem irgendwo sein Gartenhaus stand, dunkel oder hell, ich konnte es von hier nicht sehen. Das Nichtwissen machte es schlimmer und besser zugleich.

Am nächsten Abend, ich hatte aufgehört zu zählen und doch jeden einzelnen behalten, stand er wieder an der Terrasse. In der Hand hielt er keine Tomaten und kein Werkzeug. Er sagte, im Gartenhaus brenne die Lampe, und wenn ich heute kommen wolle, sei die Tür offen. Er sagte es ruhig. Er sagte auch, ich solle nur kommen, wenn ich es wolle, und wenn ich nicht komme, sei morgen alles so wie bisher: die Hecke, die Tomaten, der Gruß. Nichts werde zwischen uns schiefgehen, wenn ich nein sage.

Ich spürte, wie mir die Kehle eng wurde, nicht vor Angst, vor dem Gegenteil. Ich sah ihn an, den Mann von zweiundvierzig Jahren, der mir den Rückweg ausdrücklich offen ließ, und ich wusste, dass ich gehen würde. Ich sagte: „Ich komme.“ Er nickte einmal, als habe er auf dieses eine Wort gewartet und wolle es nicht durch ein zweites kleiner machen. Dann ging er, ohne sich umzudrehen, und das Licht hinter der Hecke blieb an, ein Versprechen, das nicht drängte.

Ich zog mich nicht um wie für ein Fest. Ich wusch mir das Gesicht, ließ das Haar offen, nahm eine leichte Jacke, obwohl die Nacht warm war. Unter dem Kleid trug ich den weichen Baumwollslip, den ich mochte, weil er nicht drückte, und kein weiteres Stück, das mich von meiner eigenen Haut trennte. Meine Brüste lagen frei unter dem dünnen Stoff. Bei jedem Schritt spürte ich sie, schwer und wach. Der Weg um die Hecke war kurz. Der Kies knirschte. Das Licht im Fenster des Gartenhauses war honigfarben, und mein Herz schlug so laut, dass ich meinte, er müsse es schon durch die Tür hören.

Er öffnete, bevor ich klopfen konnte. Er hatte ein sauberes Hemd an, die Ärmel wieder hoch, die Füße barfuß auf den Dielen. Drinnen roch es nach gehobeltem Holz, nach Harz und ein wenig nach dem Kaffee, den er am Nachmittag gekocht haben musste. Ein Tisch an der Wand, zwei Stühle, eine schmale Liege mit einer Decke, ein Regal, eine Lampe mit einem Stoffschirm, die alles weich machte. Er schloss die Tür nicht ganz, ließ einen Spalt, als wolle er mir den Rückweg sichtbar lassen.

Ich sagte, er könne sie schließen. Er sah mich an, eine Frage im Blick, keine Ungeduld. Ich wiederholte es, leiser, und fügte hinzu, dass ich bleiben wolle. Er drückte die Tür ins Schloss. Das Geräusch war klein und endgültig und gut. Draußen blieb der Garten, wo er war. Drinnen war nur noch das Holz, die Lampe und der Abstand zwischen uns, der keine Hecke mehr hatte. Ich stellte die Jacke über einen Stuhl und blieb stehen, die Hände an den Seiten, nicht weil ich nicht wusste, was ich wollte, sondern weil ich den Augenblick noch einen Atemzug lang ganz haben wollte.

Wir standen voreinander. Er fragte, ob ich ein Glas wolle. Ich sagte nein. Ich sagte, ich sei nicht wegen eines Glases gekommen. Meine Stimme zitterte nicht. Das überraschte mich. Er hob die Hand, langsam, und legte sie an meine Wange. Seine Handfläche war warm und ein wenig rau von der Arbeit. Ich lehnte mich hinein. Dann küsste er mich. Es war kein Kuss, der nach Erlaubnis tastet und sich wieder zurückzieht. Die Erlaubnis war schon gesprochen, in dem Wort an der Terrasse und in dem, wie ich die Tür hatte schließen lassen.

Sein Mund war fest und warm, und er schmeckte nach Minze und nach dem Abend. Ich öffnete die Lippen. Seine Zunge fand meine, und ein Laut stieg in mir auf, den ich nicht kannte und nicht zurückhielt. Meine Hände gingen in sein Haar, dann an seinen Nacken, dann an die Schultern, die ich tagelang nur aus der Ferne angesehen hatte. Sie waren hart unter dem Hemd. Er zog mich an sich. Ich spürte seinen Körper entlang dem meinen, Brust an Brust, Hüfte an Hüfte, und zwischen uns die deutliche Härte in seiner Hose. Ich drückte mich dagegen.

Er atmete scharf durch die Nase, den Mund noch an meinem. Er löste sich nur so weit, dass er mich ansehen konnte. Er fragte, ob das so sei, wie ich es wolle. Ich sagte ja. Ich sagte, ich wolle ihn, hier, heute Nacht, und ich wolle, dass er mich frage, wenn er unsicher werde, aber dass er mich jetzt nicht mehr behandle wie eine Nachbarin über dem Zaun. Er lachte einmal, leise und heiser, und sagte, das sei er längst nicht mehr im Kopf gewesen. Dann küsste er mich wieder, tiefer, und seine Hände fanden meine Taille, meinen Rücken, die Stelle unter den Schulterblättern, wo das Kleid sich spannte.

Er öffnete den Reißverschluss im Rücken. Der Stoff gab nach. Kühle Luft, dann seine Handflächen auf meiner nackten Haut. Ich schauderte, nicht vor Kälte. Er schob das Kleid von den Schultern. Es fiel bis zu den Hüften und blieb dort hängen, weil ich die Arme noch um ihn gelegt hatte. Er trat einen halben Schritt zurück und sah mich an. Meine Brüste waren bloß. Die Brustwarzen hatten sich zusammengezogen, dunkel und fest, und die Lampe legte einen warmen Rand um sie. Er sagte, ich sei schön, und es klang nicht wie eine Floskel, sondern wie etwas, das ihm herausrutschte, weil er es nicht behalten konnte.

Ich ließ das Kleid fallen. Es lag um meine Füße. Ich stand in dem Slip vor ihm, die Haut überall wach, der Bauch weich, die Schenkel schon ein wenig auseinander, ohne dass ich es geplant hätte. Er zog sein Hemd über den Kopf. Der Körper, den ich durch die Hecke gesehen hatte, war jetzt nah genug, dass ich die einzelnen Haare auf seiner Brust sehen konnte, die Linie vom Nabel abwärts, die kleine alte Narbe an der linken Rippe. Ich legte die Hand darauf. Er zuckte nicht. Ich küsste seine Brust, die warme Haut, die Stelle über dem Herzen, wo es schnell schlug.

Meine Zunge fand eine seiner Brustwarzen. Er stöhnte, kurz und überrascht, und seine Hand legte sich in mein Haar, nicht drückend, nur haltend. Ich ging tiefer, küsste den Bauch, die Linie aus dunklem Haar, und kniete mich auf die Dielen, die noch die Wärme des Tages hielten. Ich öffnete seinen Gürtel. Die Hose. Er half, schob sie hinunter, stieg heraus. Sein Glied stand schwer und hart, erst gegen den Stoff, dann, als ich den Stoff hinunterzog, frei in der Lampenwärme. Es war dick, die Haut gespannt, an der Spitze schon feucht. Ich nahm es in die Hand. Es zuckte gegen meine Finger.

Er sagte meinen Namen, leise, als müsse er sich vergewissern, dass ich es war und nicht ein Bild, das er sich gemacht hatte. Ich antwortete, indem ich die Lippen um die Spitze legte. Der Geschmack war salzig und sauber. Ich nahm ihn tiefer, so weit ich konnte, ohne zu hetzen, und ließ die Zunge an der Unterseite entlanggleiten, dort, wo die Haut dünn und empfindlich ist. Seine Hüften wollten nach vorn. Er hielt sie zurück. Seine Hand in meinem Haar blieb offen, die Finger gespreizt, eine Frage. Ich nahm die Hand, führte sie fester an meinen Hinterkopf und sah zu ihm auf, den Mund voll von ihm, und nickte.

Er verstand. Er bewegte sich, langsam, in meinen Mund hinein und wieder heraus, und ich hielt ihn mit der Zunge, mit den Lippen, mit der Hand am Schaft, wo mein Mund nicht hinkam. Speichel machte alles gleitend. Ich hörte ihn atmen, abgerissen, und das Geräusch ging mir zwischen die Beine, als hätte er mich dort berührt. Meine Knie auf den Dielen, der Geruch von Holz und von seiner Haut, das Gewicht von ihm auf meiner Zunge: ich wollte das behalten, und ich wollte mehr. Ich nahm ihn noch einmal tief, bis mir die Augen feucht wurden, und ließ ihn wieder gleiten, langsam, mit einem Laut, den ich nicht unterdrückte.

Er zog sich zurück, bevor es zu weit ging. Er sagte, er wolle mich sehen, wenn er komme, und er wolle vorher noch viel mehr von mir. Er half mir hoch. Seine Hände waren nicht mehr zögernd. Er schob die Daumen unter den Bund meines Slips und zog ihn über die Hüften, über die Schenkel, ließ mich heraustreten. Dann kniete er, wo ich gekniet hatte, und sah mich an, von unten, das Gesicht nah an meinem Schoß. Ich stand mit dem Rücken fast an der Wand, die Handflächen am Holz. Er küsste die Innenseite meines Oberschenkels. Dann die andere. Sein Atem traf die feuchte Haut zwischen meinen Beinen.

Er hob den Blick. Ich sagte: „Ja. Bitte. Jetzt.“ Er legte den Mund auf mich. Die erste Berührung seiner Zunge war langsam, ein langer Strich von unten nach oben, der mich öffnete und die Klitoris nur streifte. Ich keuchte. Er machte es noch einmal, fester, und dann blieb er oben, kreiste, saugte leicht, ließ ab, kam wieder. Meine Knie gaben nach. Er hielt meine Hüften. Ich griff in sein Haar und zog ihn näher, und er ließ sich ziehen. Seine Zunge war breit und dann spitz, abwechselnd, als höre er auf das, was mein Körper ihm sagte.

Zwei Finger kamen dazu, glitten in mich hinein, leicht, weil ich schon nass war, so nass, dass ich es an den Schenkeln spürte. Er krümmte die Finger, fand die Stelle an der vorderen Wand, die mich zusammenzucken ließ, und hielt sie, während sein Mund nicht aufhörte. Ich hörte das leise, nasse Geräusch seiner Finger und schämte mich nicht dafür. Ich wollte, dass er es hörte. Ich wollte, dass er wusste, wie lange ich das schon gewollt hatte, über Tage, über den Zaun hinweg, in dem Regen unter meinem Dach. Meine eine Hand blieb am Holz. Die andere hielt seinen Kopf, nicht um zu lenken, um nicht zu fallen.

Ich kam schneller, als ich erwartet hatte. Es baute sich nicht höflich auf. Es riss. Meine Schenkel schlossen sich um seinen Kopf, mein Rücken bog sich von der Wand weg, und ein Laut kam aus mir, der in dem kleinen Haus laut war und den ich nicht dämpfte. Die Wände gaben ihn als Wärme zurück. Er blieb bei mir, langsamer werdend, die Zunge weich, die Finger noch in mir, bis das Zucken nachließ und ich seine Schultern packte und ihn hochzog, weil ich ihn in mir haben wollte und nicht mehr warten konnte. Mein Mund fand seinen. Ich schmeckte mich auf seinen Lippen und küsste ihn tiefer deswegen.

Wir kamen nicht bis zur Liege beim ersten Mal. Ich drehte mich, oder er drehte mich, es war beides, und ich stützte die Hände auf den Tisch. Eine Schale mit Saatgut raschelte und rückte an die Wand. Er stellte sich hinter mich. Sein Glied lag schwer zwischen meinen Pobacken, glitt durch die Nässe, ohne einzudringen, eine Frage in der Bewegung. Ich sagte, ich wolle ihn in mir. Ich sagte, ich habe eine Spirale, ich wolle ihn ohne etwas dazwischen, wenn er das auch wolle und wenn er gesund sei. Er sagte, er sei gesund, er sei seit der Trennung mit niemandem gewesen, und er wolle genau das.

Er sagte meinen Namen noch einmal. Dann setzte er die Spitze an und schob sich hinein. Die Dehnung war deutlich, voll, ein Brennen, das sofort in Wärme überging. Er war groß genug, dass ich den Atem anhalten musste, und langsam genug, dass ich ihn wieder finden konnte. Er füllte mich in einem langen Stoß, bis seine Hüften an mir lagen und ich ihn ganz hatte. Wir blieben so. Ich spürte ihn pochen. Er beugte sich über meinen Rücken, küsste die Wirbelsäule, die Schulter, das Ohr. Er fragte, ob es gut sei. Ich sagte: „Beweg dich.“ Er bewegte sich.

Die Stöße waren zuerst gemessen, tief, jeder einzelne bis zum Anschlag, dann ein Zurückziehen, das mich leer ließ und sofort wieder füllte. Der Tisch knarrte. Meine Brüste schwangen mit. Eine Hand von ihm lag auf meiner Hüfte, die andere griff nach vorn, zwischen meine Beine, und fand die Klitoris, die noch empfindlich war von seinem Mund. Er rieb sie im Takt, nicht zu hart, mit zwei Fingern, nass von mir. Ich drückte mich ihm entgegen. Der Winkel war gut. Jeder Stoß traf innen die Stelle, die seine Finger vorhin gefunden hatten, und von außen kam derselbe Rhythmus. Ich hörte uns: Haut auf Haut, sein Atem an meinem Nacken, mein eigenes Stöhnen, das ich nicht mehr sortierte.

Er zog mich hoch, den Rücken an seine Brust, eine Hand an meiner Brust, die Brustwarze zwischen den Fingern, die andere noch zwischen meinen Beinen, und stieß von unten in mich, kürzer und härter. Ich legte den Kopf an seine Schulter. Es gab keinen Spiegel, und ich sah uns trotzdem: die Lampe, das Holz, sein Arm über meinem Bauch, mein Körper offen und genommen und nehmend. Ich sagte, härter. Er gab es mir. Der Tisch rückte ein Stück. Die Schale fiel, es war egal, Samen rieselten über die Dielen wie ein kleines, trockenes Geräusch unter unserem nassen. Ich kam zum zweiten Mal mit ihm in mir.

Die inneren Muskeln zogen sich um sein Glied zusammen, wieder und wieder, und er fluchte leise an meinem Ohr, hielt sich, bewegte sich durch meinen Höhepunkt hindurch, bis ich an seinen Armen hing und nur noch atmen konnte. Meine Beine zitterten. Er hielt mich, ohne sich aus mir zu ziehen, und küsste die Stelle unter meinem Ohr, geduldig, während ich zurückkam. Ich spürte, wie angespannt er noch war, wie er sich zurückhielt, obwohl alles in ihm nach vorne wollte. Ich drehte den Kopf und suchte seinen Mund. Der Kuss war ungeschickt, weil wir beide atmeten, als hätten wir gerannt.

Er zog sich heraus. Ich drehte mich um. Mein Gesicht war heiß, die Schenkel glänzten, und ich schämte mich nicht, als er mich ansah. Seine Augen waren dunkel. Ich sagte, ich wolle ihn sehen. Wir gingen die drei Schritte zur Liege. Sie war schmal. Er legte sich auf den Rücken, weil ich ihn dorthin drückte, und ich stieg über ihn. Sein Glied lag auf seinem Bauch, glänzend von mir. Ich nahm es in die Hand, führte es und setzte mich darauf, langsam, Zentimeter um Zentimeter, bis ich saß und er bis zum Ansatz in mir war. Dieser Winkel war anders. Voller. Ich spürte ihn tief, einen Druck, der an der Grenze lag und den ich mochte, weil ich ihn selbst steuerte.

Ich begann mich zu bewegen. Nicht hastig. Ein Rollen der Hüften, vor und zurück, dann ein Heben und Senken, bei dem ich fast von ihm glitt und mich wieder nahm. Er sah mir zu. Seine Hände lagen an meinen Oberschenkeln, die Daumen innen, nah an der Stelle, wo wir verbunden waren. Er strich mit dem Daumen über meine Klitoris, leicht, im Takt meines Rollens. Ich beugte mich vor, stützte die Hände neben seinem Kopf und küsste ihn, während ich ihn ritt. Er schmeckte nach mir. Das machte mich noch offener. Der Kuss wurde unordentlich: Zähne, Zunge, Atem, ein Lachen, das in ein Stöhnen überging, als ich mich fester auf ihn setzte.

Er setzte sich auf, ohne aus mir zu gehen, die Beine über die Kante der Liege, ich auf seinem Schoß, die Beine um seine Hüften. So waren wir Gesicht an Gesicht. Er stieß nach oben. Ich kam ihm entgegen. Meine Brüste rieben an seiner Brust, die empfindlichen Spitzen an seinem Haar. Er nahm eine in den Mund, saugte, biss ganz leicht, fragte mit dem Blick, und ich nickte, und er biss ein wenig fester, gerade so, dass es durch den Körper bis zwischen die Beine schoss. Ich krallte die Finger in seine Schultern. Ich sagte, ich sei nah, schon wieder, ich wisse nicht, wie, aber ich sei nah. Er sagte, dann solle ich kommen. Er wolle es spüren.

Ich kam, die Stirn an seiner, die Augen offen, weil ich ihn sehen wollte, und er sah mich, und das machte es länger. Die Wellen liefen durch den Bauch, durch die Schenkel, durch die Stelle, wo er in mir steckte und jeden Krampf mit einem leisen Laut beantwortete. Als es abebbte, war ich weich und offen und immer noch voll von ihm. Er hatte noch nicht gelöst. Ich spürte, wie angespannt er war, die Arme zitterten leicht, der Kiefer hart. Ich küsste diesen Kiefer, die Stelle unter dem Ohr, und sagte ihm, dass ich ihn so haben wolle, bis er nicht mehr halten könne. Er lachte einmal, kurz, ein Laut ohne Luft, und nickte an meiner Wange.

Ich sagte, ich wolle, dass er komme. Ich wolle ihn in mir spüren, wenn er komme. Er fragte noch einmal, kurz, ob das sicher sei. Ich sagte ja. Er legte mich auf den Rücken, auf die Decke, die nach Wolle und Sonne roch, und kam über mich. Er hakte einen meiner Unterschenkel über seinen Arm, öffnete mich und stieß tief. Diesmal hielt er sich nicht zurück. Die Stöße waren kräftig, gleichmäßig, dann ungleich, als der Rest der Beherrschung riss. Ich hielt sein Gesicht. Ich sagte, ja, so, ich wolle das. Die Liege schlug leise gegen die Wand. Sein Bauch traf meinen bei jedem Stoß, warm und fest, und ich hob ihm die Hüften entgegen, so weit die schmale Liege es zuließ.

Er stöhnte meinen Namen, einmal, zweimal, und dann kam er. Ich spürte es: das Zucken seines Gliedes, die Wärme, die sich in mir ausbreitete, die Stöße, die kürzer wurden und doch tief blieben, bis er auf die Ellbogen sank und sein Gewicht mich in die Liege drückte, nicht zu schwer, genau richtig. Sein Gesicht lag an meinem Hals. Ich spürte seinen Mund, offen, feucht, ohne dass er noch küssen konnte, nur atmen. Ich hielt ihn mit beiden Armen und mit den Beinen, die ich um ihn gelegt hatte, und ließ ihn dort bleiben, in mir, während das Zucken langsam nachließ und nur noch das Pochen blieb, seins und meins, nicht mehr zu trennen.

Wir blieben so. Sein Atem ging gegen meinen Hals. Draußen tickte etwas, ein Insekt am Fenster oder das Holz, das sich abkühlte. Er küsste meine Schläfe, die Wange, den Mund, diesmal ohne Hunger, nur mit dem, was danach kommt. Er zog sich vorsichtig heraus. Ein warmes Rinnsal lief aus mir auf die Decke. Er holte ein Tuch von dem Regal, ohne Eile, und wischte mich ab, aufmerksam, an den Schenkeln, zwischen den Beinen, und küsste danach die Stelle über dem Knie, als gehöre auch das dazu. Ich lachte leise, weil die Zärtlichkeit nach all dem mich mehr traf als die Heftigkeit. Er sah auf und lächelte, das unsichere Lächeln, nur dass es jetzt keine Grenze mehr meinte.

Ich lag auf der Seite, er hinter mir, der Arm über meiner Taille, seine Hand flach auf meinem Bauch. Die Lampe brannte noch. Ich hörte seinen Atem länger werden. Ich war nicht müde im Sinne von fort. Ich war satt und wach und ein wenig wund auf eine Art, die ich behalten wollte. Er fragte, ob mir kalt sei. Ich sagte nein. Er zog trotzdem die zweite Decke über uns, die am Fußende gelegen hatte. Sie roch nach Schrank und nach Lavendel. Ich fragte, ob er einen Zweig von meiner Seite der Hecke genommen habe. Er lachte in mein Haar und sagte, ja, vor drei Tagen, er habe nicht gewusst, ob er das zugeben solle.

Wir sprachen leise. Nicht über das, was wir gerade getan hatten, in Worten, die es klein machen. Über den Morgen. Er sagte, er werde Kaffee kochen, hier oder bei sich im Haus, wie ich wolle. Ich sagte, ich wolle nicht gleich gehen. Er sagte, dann solle ich bleiben. Die Tür sei zu, der Garten still, niemand erwarte uns vor dem Licht. Ich drehte mich zu ihm um. Im Lampenschein sah ich die Falten an seinen Augen, die ich am Zaun schon bemerkt und gemocht hatte. Ich legte die Hand an seine Wange, so wie er es am Anfang bei mir getan hatte. Er küsste die Innenfläche, langsam, als sei auch das ein Satz.

Eine Weile lagen wir nur. Mein Körper erinnerte sich in kleinen Nachzügen: ein Ziehen im Unterleib, die empfindlichen Brustwarzen an der Wolldecke, der Geschmack von ihm noch auf der Zunge, wenn ich schluckte. Ich dachte an die Tage, an den Schraubenzieher, an den Regen auf seinem Kinn, an die Tomaten, deren Schale noch auf meinem Küchentisch stand. All das war nicht mehr Spannung. Es war der Weg gewesen, und wir waren angekommen, nicht für immer in einem Satz, aber für diese Nacht ganz. Ich strich mit den Fingern über seine Brust, über die Narbe, über den Bauch, der sich unter meiner Hand hob und senkte. Er schloss nicht die Augen. Er sah mich an, als wolle er sich das merken.

Er wurde wieder hart an meinem Oberschenkel, langsam, ohne dass einer von uns es suchte. Ich lächelte an seiner Brust. Er sagte, er müsse nicht. Ich sagte, ich wisse das, und ich wolle es trotzdem, wenn er mich noch einmal wolle, langsamer diesmal. Er wollte. Wir küssten uns lange, bevor er wieder in mich eindrang, diesmal auf der Seite, mein Bein über seinem. Sein Glied glitt leicht hinein, weil ich noch offen und feucht von ihm war. Es war kein Sturm. Es war ein Wiegen. Er bewegte sich kaum, tiefe kleine Stöße, die Hand an meiner Brust, der Mund an meiner Schulter.

Ich kam leise, ein langes Ausatmen, die Stirn an seinem Arm, die Finger in das Laken gekrallt, und die Welle war weicher als die vorigen und trotzdem ganz. Er folgte mir kurz danach, mit einem tiefen Laut, den er in mein Haar drückte, und blieb in mir, bis wir beide still wurden. Diesmal zog er sich nicht gleich zurück. Wir lagen verbunden, sein Bauch an meinem Rücken, sein Atem in meinem Nacken, und ich spürte, wie er in mir nachließ, warm und langsam. Als er sich schließlich löste, war da keine Eile, kein Tuch, nur seine Hand, die mich hielt, wo ich war. Ich wollte nicht sprechen. Das Sprechen hätte den Rand der Nacht zu früh gezogen.

Danach löschte er die Lampe. Das Fenster zeigte ein Stück Himmel über der Hecke, dunkelblau, mit einem Stern, den ich nicht benennen konnte. Sein Arm blieb um mich. Ich hörte den Garten: ein später Vogel, der Kies, der sich setzte, irgendwo ein Fenster, das in einem anderen Haus geschlossen wurde. Ich war vierunddreißig, er war zweiundvierzig, und zwischen uns lag nichts mehr, das wir uns über den Zaun hinweg nur angesehen hatten. Ich schlief nicht gleich. Ich lag wach in der Wärme seines Körpers und ließ die Nacht so lang sein, wie sie sein wollte. Als ich doch einschlief, war seine Hand noch auf meinem Bauch, offen, ohne zu halten und ohne loszulassen.

Am Morgen weckte mich das Licht, grau und früh, durch das Fenster. Er war schon wach. Er sah mich an, als hätte er darauf gewartet, wie ich die Augen öffne, und als sei die Antwort darauf etwas, das er nicht verderben wolle. Er fragte, ob ich Kaffee wolle. Ich sagte ja. Er stand auf, nackt, und der Anblick seines Rückens im Morgenlicht war derselbe, den ich durch die Hecke gesehen hatte, nur dass ich jetzt wusste, wie die Haut unter meinen Händen schmeckte und wie seine Stimme klang, wenn er meinen Namen sagte, während er in mir kam. Er kochte Wasser auf einem kleinen Kocher. Die Tassen waren ungleich. Er reichte mir eine und setzte sich auf die Kante der Liege.

Unsere Knie berührten sich. Draußen begann ein Tag, der nach dem Regen der Woche riechen würde und nach geschnittenem Holz. Ich trank. Der Kaffee war stark und ein wenig bitter, und er wärmte die Stellen in mir, die die Nacht wund gelassen hatte, auf eine gute Art. Er sagte, er werde heute die Hecke nicht schneiden. Er wolle mich nicht über den Zaun hinweg ansehen müssen, als sei die Nacht ein Traum gewesen, den man am Tag nicht erwähnt. Ich stellte die Tasse ab. Ich sagte, dann solle er herüberkommen, wenn er mit dem Kaffee fertig sei, und bei mir essen. Die Tomaten stünden noch auf dem Tisch.

Er lächelte, das unsichere Lächeln vom ersten Mal, nur dass die Unsicherheit jetzt keinen Abstand mehr meinte. Sie meinte nur, dass ihm etwas wichtig war. Er beugte sich vor und küsste mich, nach Kaffee und nach Schlaf, und ich küsste ihn zurück, mit dem Wissen, dass die Tür des Gartenhauses sich wieder öffnen würde, heute Nacht oder morgen, und dass ich den Weg um die Hecke nicht mehr als Umweg gehen würde. Seine Hand lag auf meinem nackten Knie. Ich legte meine darüber. Wir sagten nichts mehr, was die Einladung kleiner gemacht hätte. Der Kocher tickte noch eine Weile, dann wurde er still.

Wir blieben, bis die Tassen leer waren. Ich zog das Kleid an. Er half mir mit dem Reißverschluss, die Finger langsam, ein Versprechen ohne Satz. Als ich hinaustrat, war der Kies kühl unter den nackten Füßen. Die Schuhe hatte ich vergessen, sie standen noch neben seiner Tür. Er brachte sie mir. Wir lachten, leise, damit der Morgen nicht größer wurde als nötig. Ich ging um die Hecke. An meiner Terrasse blieb ich stehen und sah zurück. Das Fenster des Gartenhauses war hell vom Tag, nicht mehr von der Lampe. Er stand im Rahmen. Er hob die Hand. Ich hob meine.

Dann ging ich ins Haus, stellte die Schuhe ab und legte die Hand auf die Tomatenschale, die noch da war. Die Früchte waren weicher geworden über Nacht, die Haut ein wenig runzlig, und sie rochen trotzdem nach Sonne. Ich dachte an seine Finger am Rand der Schale, an dieselbe Hand an meiner Wange, an meinem Rücken, zwischen meinen Beinen. Draußen begann irgendwo eine Amsel. Ich öffnete das Fenster, nicht um zu lauschen, sondern weil die Luft herein sollte, die nach Holz und nach dem Schnitt der Hecke roch. Ich wartete nicht mehr auf ein Licht hinter dem Liguster. Ich wusste, wie es sich anfühlte, darin zu stehen, und ich wusste, dass er kommen würde, wenn der Kaffee bei ihm kalt war und der Weg um die Hecke wieder kurz.

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