Die Nachbarin unter dem Dach
Nachbarin · 18 Minuten lesen · 24 Minuten hören
Gelesen von Ivanna
Teil 3 der Serie Nebenan (2)
Ich hörte sie schon am späten Nachmittag, noch bevor ich ihren Namen kannte. Über mir zogen Kartons über die Dielen, ein Möbelbein stieß gegen einen Rahmen, und einmal lachte eine Frauenstimme, kurz und atemlos, als hätte sie sich selbst überrascht. Ich stand in meiner Küche, der Tee zog, und ich tat so, als ginge mich das nichts an. Vier Jahre wohnte ich schon in dem alten Haus, eine Etage unter dem Dachgeschoss, und bisher hatte oben nur ein stiller Mann gelebt, der im Frühjahr ausgezogen war. Die neue Nachbarin machte das Haus lauter, ohne dass es unangenehm wurde. Es war eher so, als bekäme das Holz über mir ein Gedächtnis zurück.
Gegen sieben wurde es still. Ich hatte das Fenster gekippt, weil der Augustabend noch warm auf den Scheiben lag, und hörte irgendwo im Treppenhaus eine Tür, dann Schritte, die nicht zu mir wollten. Ich las nicht wirklich. Ich wartete, ohne es mir einzugestehen, auf ein Klopfen, das vielleicht gar nicht kommen würde. Als es kam, war es fest und ein wenig zu höflich, als hätte die Person auf der anderen Seite geübt.
Sie stand im Flur mit hochgestecktem dunklem Haar, Staub an der Schlüsselbeinhöhle und einem Leinenhemd, dessen Ärmel sie bis über die Ellbogen geschoben hatte. Sie war größer als ich, nicht viel, und sie roch nach Karton, Zitrone und warmer Haut. „Mara“, sagte sie, und dann, als gehöre das dazu: „Neunundzwanzig. Ich bin heute eingezogen, die Wohnung über dir.“ Ich nannte meinen Namen und mein Alter, zweiunddreißig, weil es in diesem Haus irgendwie üblich geworden war, sich nicht nur mit Vornamen abzufinden. Sie lächelte kurz, erleichtert, und ich merkte, dass ihre Bitte schon in der Art lag, wie sie die Hände hielt.
Das Wasser oben sei erst am Morgen angeschlossen, sagte sie. Der Monteur habe abgesagt, die Kartons stünden in der Küche, und sie wolle nicht in Arbeitskleidung und Staub schlafen. Ob sie duschen dürfe. Nur das. Sie sagte es klar, ohne sich kleiner zu machen, und fügte hinzu, sie könne auch ins Schwimmbad am anderen Ende der Stadt fahren, wenn es mir nicht passe. Ich hörte den Satz und wusste schon, dass ich ja sagen würde. Nicht aus Gefälligkeit allein. Etwas in ihrer Stimme blieb nach dem letzten Wort im Flur stehen, als hätte sie mehr mitgebracht, als sie aussprach.
Ich holte ein großes Handtuch, ein kleineres für das Haar und stellte ihr die Dusche ein, weil der alte Mischer zu heiß wurde, wenn man ihn nicht kannte. Sie blieb in der Tür stehen, während das Wasser anlief, und sah sich meine Wohnung an, nicht neugierig im billigen Sinn, eher so, als prüfe sie, ob sie hier atmen könne. „Danke“, sagte sie. „Ich bin schnell.“ Ich sagte, sie solle sich Zeit lassen, und ging in die Küche, obwohl es dort nichts zu tun gab. Hinter mir schloss sich die Badezimmertür. Der Riegel klickte nicht. Sie hatte nicht abgeschlossen.
Das Wasser lief, und ich stand am Herd und hörte es auf ihre Schultern treffen, dann tiefer, ein anderes Geräusch, wenn es über den Rücken glitt. Ich kannte dieses Bad. Ich wusste, wie eng die Kabine war, wie der Dampf an die kleine Scheibe schlug, wie man sich drehen musste, um den Rücken zu erreichen. Ich stellte mir nicht absichtlich vor, wie sie aussah. Es geschah trotzdem. Der Staub an ihrem Schlüsselbein würde jetzt weg sein. Das Haar würde schwer werden. Ich legte die Hände flach auf die Arbeitsplatte und atmete langsamer, als wäre das eine Entscheidung.
Sie blieb länger, als schnell bedeutet hätte. Als das Wasser ausging, war die Wohnung voller Dampfgeruch und Stille. Ich hörte das Handtuch, Stoff auf Haut, und dann ihre nackten Füße auf den Fliesen. Sie kam nicht sofort heraus. Ich goss Tee nach, nur um die Hände zu beschäftigen, und als die Tür aufging, stand sie im Rahmen, das große Handtuch um den Körper geschlagen, das Haar nass auf einer Schulter. Das Handtuch endete über den Knien. Ihre Beine waren lang, die Haut noch feucht an den Waden, und sie hielt den Stoff mit einer Hand über der Brust zusammen, nicht schamhaft, eher so, als sei das die letzte Ordnung, die sie sich gelassen hatte.
„Darf ich mich einen Moment setzen“, fragte sie. „Ich will nicht tropfend durchs Treppenhaus.“ Ich nickte zur Couch. Sie setzte sich an den Rand, die Knie zusammen, die Füße auf dem Teppich, und nahm die Tasse, die ich ihr hinhielt. Der Tee war zu heiß. Sie trank trotzdem einen kleinen Schluck und verzog den Mund, nicht vor Schmerz, eher vor Überraschung. Wir sprachen über die Straße, über den Bäcker unten, über die Tatsache, dass das Dachgeschoss im Sommer die Hitze hielt wie ein Topf. Sie erzählte, sie sei aus einer anderen Stadt gekommen, wegen einer Stelle, die erst im September beginne, und habe die Wochen dazwischen unterschätzt. „Ich kenne hier niemanden“, sagte sie. Es klang nicht nach Mitleid. Es klang nach einer Feststellung, die sie mir anvertraute, weil ich gerade die einzige Tür war, die aufgegangen war.
Ich saß im Sessel gegenüber und sah zu oft auf ihre Schulter. Ein Wassertropfen lief aus dem Haar über die Haut und verschwand am Rand des Handtuchs. Sie bemerkte meinen Blick und hielt ihn aus. Sie stellte die Tasse ab, sehr sorgfältig, als könne das Porzellan den nächsten Satz zerbrechen. Dann legte sie die Hände auf die Knie und sah mich an, ohne zu lächeln.
„Ich habe heute den ganzen Tag um praktische Dinge gebeten“, sagte sie. „Um den Schlüssel, um Hilfe mit dem Schrank, um einen späteren Termin. Das hier ist keine solche Bitte. Ich will sie aussprechen, und ich nehme sie nicht zurück, auch wenn du nein sagst. Dann gehe ich nach oben, und wir können so tun, als hätte ich nur geduscht.“ Sie atmete einmal tief. „Ich möchte, dass du zu mir kommst. Ich möchte, dass du mich anfasst, nicht als Nachbarin, die einen Gefallen tut. Seit dem Flur will ich das. Und ich will wissen, ob du es auch willst.“
Der Satz blieb im Zimmer stehen. Man konnte ihn nicht in die Tasse zurückgießen. Ich spürte, wie mein Puls in den Handgelenken lag, und ich spürte auch, dass sie zitterte, ganz leicht, am Rand des Handtuchs, wo ihre Finger den Stoff hielten. Sie hatte die Bitte nicht weich gemacht. Sie hatte sie mir hingelegt und sich nicht dahinter versteckt. Ich stand auf, weil Sitzen sich plötzlich falsch anfühlte, und ging die wenigen Schritte zu ihr. Vor der Couch blieb ich stehen, nah genug, dass sie den Kopf heben musste.
„Ich will es“, sagte ich. „Und du kannst jederzeit aufhören. Ich auch. Sag es, wenn etwas nicht stimmt.“ Sie nickte, und in diesem Nicken war Erleichterung und noch etwas anderes, eine Hitze, die sie nicht mehr verbergen musste. „Ja“, sagte sie. „Dasselbe gilt für dich. Ich will, dass du es willst, nicht dass du höflich bist.“ Ich legte die Hand an ihre Wange. Die Haut war warm vom Duschen, ein wenig feucht am Haaransatz. Sie schloss kurz die Augen, öffnete sie wieder und sah mich an, als prüfe sie, ob ich noch da war. Ich war da.
Der erste Kuss war langsam, fast vorsichtig, Lippen auf Lippen, ihr Atem nach Tee und Minze, die sie irgendwo im Mund gehabt haben musste. Sie öffnete den Mund nicht sofort. Sie ließ mich den Druck spüren, die Weichheit, das kleine Nachgeben, wenn sie den Kopf neigte. Dann kam ihre Zunge, nicht fordernd, eher fragend, und ich antwortete. Ein Laut blieb in ihrer Kehle, leise, und ihre freie Hand fand meine Taille. Das Handtuch rutschte an einer Seite. Sie hielt es nicht mehr fest. Es fiel in ihren Schoß und blieb dort liegen wie etwas, das seine Arbeit getan hatte.
Ihre Brüste waren voller, als das Handtuch hatte vermuten lassen, die Haut noch rosa von der Wärme, die Brustwarzen schon dunkel und fest. Ich sah sie an, weil sie es wollte, und weil ich es wollte, und sie hielt meinen Blick aus, während ich die Hand von ihrer Wange über den Hals zur Schulter führte. „Ja“, sagte sie, bevor ich fragte. Ich umfasste eine Brust, spürte das Gewicht, den weichen Rand, dann die härtere Spitze gegen meine Handfläche. Sie atmete aus, ein langer Zug, und ihr Rücken wölbte sich mir entgegen. Ich beugte mich und nahm die Brustwarze in den Mund, langsam, mit der Zunge zuerst, dann mit einem leichten Saugen, das sie die Finger in mein Haar graben ließ.
Sie schmeckte nach sauberem Wasser und nach Haut, die den Tag noch nicht ganz abgelegt hatte. Ich wechselte zur anderen Brust, küsste die Unterseite, die Stelle, wo das Gewicht auflag, und hörte, wie sie meinen Namen sagte, nicht laut, eher als müsse sie ihn benutzen, um im Zimmer zu bleiben. Ihre Hand lag in meinem Nacken, nicht drückend, nur da. Als ich aufsah, waren ihre Lippen offen, die Augen dunkel. „Komm her“, sagte sie, und zog mich auf die Couch, neben sich, dann halb auf sich, das Handtuch zwischen uns, bis sie es zur Seite schob und es auf den Boden fiel.
Ich hatte noch das Kleid an, ein dünnes Sommerding, und sie fand den Saum mit beiden Händen, als hätte sie schon im Flur gewusst, wo er endete. „Darf ich“, fragte sie, und ich hob die Arme. Der Stoff ging über den Kopf, die Träger verfingen sich kurz im Haar, und dann war ich in Unterwäsche vor ihr, hellgrauer Stoff, nichts, das ich für fremde Augen gewählt hatte. Sie sah mich an, lange, und legte die flache Hand auf meinen Bauch. „Schön“, sagte sie, schlicht, und ich glaubte ihr, weil sie nicht lächelte, um das Wort zu mildern. Ich küsste sie wieder, diesmal tiefer, und sie zog mich ganz zu sich, bis ich auf ihrem Schoß saß, die Knie neben ihren Hüften, ihre nackten Brüste an meinem Brustkorb.
Ihre Hände wanderten über meinen Rücken, unter den Verschluss, und sie öffnete ihn mit einer Geduld, die mich mehr erregte als Eile es getan hätte. Die Träger fielen. Sie nahm meine Brüste in beide Hände, die Daumen über die Spitzen, und sah zu, wie ich den Atem verlor. „So“, murmelte sie, „genau so.“ Ich bewegte die Hüften, ohne es geplant zu haben, und spürte ihre nackten Schenkel unter mir, die Wärme zwischen ihnen, noch nicht ganz offen, aber schon da. Sie stöhnte leise in meinen Mund. Das Geräusch ging mir durch den ganzen Körper.
Wir kamen nicht sofort weiter. Wir küssten uns, bis die Münder wund werden wollten, bis ihr Haar an meiner Wange klebte und mein Slip feucht an der Stelle war, wo ich mich an ihrem Oberschenkel rieb. Sie merkte es. Ihre Hand glitt zwischen uns, über den Stoff, und sie hielt inne, die Finger leicht darauf. „Ist das für mich“, fragte sie. „Ja“, sagte ich. „Und für dich.“ Sie schob den Stoff zur Seite, nicht ganz herunter, und strich mit zwei Fingern durch die Nässe, langsam, von unten nach oben, bis sie die Stelle fand, die mich zusammenzucken ließ. Sie lächelte jetzt, klein und konzentriert, und wiederholte die Bewegung, diesmal mit mehr Druck, kreisend, während sie mich ansah.
Ich hielt mich an ihren Schultern fest. Die Couch war zu eng für das, was in mir aufging, und doch wollte ich nicht aufstehen, nicht solange ihre Finger so genau waren. Sie lernte schnell. Wenn ich den Atem anhielt, wurde sie leichter. Wenn ich die Hüften nachschob, blieb sie und gab mehr. „Sag mir, wenn es zu viel ist“, sagte sie an meinem Hals. Es war nicht zu viel. Es war das Gegenteil von zu viel, ein Ziehen, das von der Klitoris in den Bauch lief und die Oberschenkel zum Zittern brachte. Ich wollte sie auch anfassen. Ich wollte nicht nur genommen werden, während sie noch wartete.
„Leg dich hin“, sagte ich, und meine Stimme klang fremd, tiefer. Sie gehorchte nicht wie jemand, der Befehle mag. Sie legte sich zurück, weil sie es wollte, den Kopf auf die Armlehne, ein Bein angewinkelt, das andere lang, und das Handtuch war längst kein Schutz mehr. Ich kniete mich zwischen ihre Beine auf den Teppich, zog sie ein Stück zu mir, bis ihr Po am Rand der Couch lag, und sah sie an, bevor ich sie berührte. Die Haut innen an den Schenkeln war weich und noch ein wenig kühl von der Dusche, weiter oben schon heiß. Sie war nass, die Schamhaare dunkel und kurz, die inneren Lippen geschwollen und glänzend. Ich strich mit dem Daumen darüber, einmal, und sie hob das Becken.
„Bitte“, sagte sie, und diesmal war das Wort kein praktisches Wort mehr. Ich beugte mich und küsste die Innenseite eines Schenkels, dann die andere, langsam nach oben, bis mein Atem auf der feuchten Haut lag. Sie roch nach sich selbst, salzig und süß, nicht nach Seife. Ich leckte einmal lang durch die Mitte, von der Öffnung bis zur Klitoris, und ihr Stöhnen war laut genug, dass ich an die dünnen Wände dachte und es sofort wieder vergaß. Sie schmeckte klar und dicht. Ich nahm mir Zeit mit der Zunge, flach zuerst, dann spitzer, kreiste um die kleine feste Stelle, saugte leicht, ließ ab, kam zurück. Ihre Hand fand meinen Kopf. Sie führte nicht. Sie hielt sich fest.
Ich schob einen Finger in sie, langsam, und sie war eng und heiß und zog mich tiefer. Ein zweiter Finger, als sie nickte, und ich krümmte sie leicht, suchte die Stelle vorn, die sie den Atem stocken ließ. „Da“, sagte sie, fast lachend vor Überraschung, „da, bleib.“ Ich blieb. Mund an ihrer Klitoris, Finger in einem ruhigen Rhythmus, und ich spürte, wie sie sich um mich zusammenzog, wie die Muskeln in Wellen liefen, wie ihr Oberschenkel an meiner Wange zitterte. Sie sagte meinen Namen, dann nur noch Laute, und als sie kam, war es nicht still. Sie drückte den Rücken durch, die freie Hand in das Kissen, und ich hielt sie mit dem Mund, leichter jetzt, weil zu viel Druck sie wegreißen würde, und ließ sie durch die Wellen gehen, bis sie meine Schulter antippte und „genug, kurz“ hauchte.
Ich küsste ihren Bauch, die feuchte Haut unter dem Nabel, und blieb zwischen ihren Beinen, das Kinn nass, das Herz schnell. Sie lachte einmal, atemlos, und zog mich hoch, küsste mich, schmeckte sich auf meiner Zunge und schien das nicht zu stören, im Gegenteil. „Ich will dich auch so“, sagte sie. „Nicht nur mit der Hand. Komm mit ins Bett. Die Couch ist eine Lüge für das, was ich noch vorhabe.“ Ich half ihr auf. Die Beine trugen sie, aber sie hielt sich an mir fest, nackt im Flur meiner Wohnung, und wir gingen in das Schlafzimmer, wo das Fenster offen stand und die Nacht hereinroch, nach aufgeheiztem Stein und irgendwo nach Essen aus einem anderen Fenster.
Das Bett war nicht gemacht für Besuch. Die Decke lag zurückgeschlagen, ein Buch auf dem Nachttisch, und es war mir gleich. Sie setzte sich auf die Kante und zog mir den Slip aus, kniete sich dann auf den Boden, wie ich es bei ihr getan hatte, und sah zu mir auf. „Darf ich“, fragte sie noch einmal, obwohl die Antwort in meinem Körper schon stand. „Ja.“ Sie spreizte meine Knie, küsste die Innenseiten, und ihre Zunge war anders als meine, weicher im Ansatz, dann genauer, als hätte sie zugehört, was mich vorhin hatte zittern lassen. Ich stand nicht lange. Ich legte mich zurück, und sie folgte, den Mund nicht von mir lösend, die Hände unter meinen Po, um mich näher zu ziehen.
Sie leckte mich langsam, dann schneller, wenn ich die Hüften hob, und schob zwei Finger in mich, als ich danach griff und ihre Hand führte. Das Gefühl war breit und tief und gleichzeitig spitz an der Klitoris, wo ihre Zunge nicht nachließ. Ich hörte mich selbst, Worte, die keine Sätze waren, und ich dachte an nichts außer an ihren Mund und an die Tatsache, dass diese Frau vor zwei Stunden noch eine fremde Stimme über den Dielen gewesen war. Jetzt war sie zwischen meinen Schenkeln, und ich wollte, dass sie blieb, bis ich nicht mehr denken konnte. Es dauerte nicht lange. Die Erregung vom Sofa war noch im Körper, und als sie die Finger krümmte und gleichzeitig saugte, kam ich mit einem Laut, den ich in die Hand drückte, die Beine um ihre Schultern, der ganze Unterleib in einem Ziehen, das nachließ und wieder kam, kürzer, heller.
Sie küsste sich an mir hoch, Brust, Hals, Mund, und legte sich auf mich, Haut an Haut, ihr Gewicht eine Ruhe, die ich gebraucht hatte. Wir atmeten gegeneinander. Ihr Haar tropfte noch ein wenig auf mein Kissen. „Geht es dir gut“, fragte sie. „Ja. Dir?“ „Ja. Ich bin noch nicht fertig mit dir, wenn du noch willst.“ Ich wollte. Die erste Welle hatte mich weich gemacht, nicht müde. Ich drehte uns, sodass sie unter mir lag, und setzte mich auf ihre Hüfte, rieb mich an ihr, unsere Nässe mischte sich, und das Geräusch war leise und nass und ehrlich. Sie hielt meine Hüften und sah zu, wie ich mich bewegte, die Brüste, der Bauch, der offene Mund. „So kann ich dich ansehen“, sagte sie. „Ich wollte das schon im Flur und habe es nicht gesagt. Jetzt sage ich es.“
Ich beugte mich vor und küsste sie, während ich eine Hand zwischen uns schob und uns beide berührte, meine Finger an ihrer Klitoris und an meiner, ungeschickt zuerst, dann besser, als wir den Rhythmus fanden. Sie stöhnte in meinen Mund. Ihre Brustwarzen streiften meine. Ich spürte, wie sie wieder enger wurde, nicht um Finger diesmal, sondern in der Art, wie ihr ganzer Körper sich sammelte. „Ich will in dir sein, wenn du kommst“, sagte ich, und sie nickte, die Stirn an meiner. Ich glitt mit zwei Fingern in sie, der Daumen blieb an der Klitoris, und ich bewegte mich selbst an ihrem Oberschenkel, suchte Druck, fand ihn. Es war kein sauberes Bild. Es war Schweiß und Haare im Gesicht und ihr Lachen, das in ein Stöhnen überging, und meine Hand, die nicht aufhörte.
Sie kam zum zweiten Mal mit den Augen offen, auf mich gerichtet, als wolle sie beweisen, dass die Bitte kein Versehen gewesen war. Ihr Körper zog sich um meine Finger, fest, dann in Schüben, und sie hielt meine Hand an sich, damit ich nicht zu früh aufhörte. Ich rieb mich weiter an ihr, die freie Hand in ihrem Haar, und die Reibung, ihr Gesicht, der Geruch von uns beiden auf den Laken, zog mich hinterher. Es war kürzer als das erste Mal und schärfer, ein Zusammenklappen im Unterleib, das ich an ihrem Hals ausatmete, während sie mich festhielt und leise „ja, ja“ sagte, nicht als Befehl, als Begleitung.
Danach lagen wir eine Weile ohne zu sprechen. Das Fenster ließ die Nacht herein, kühler jetzt, und unsere Haut kühlte an den Stellen, die nicht aneinanderlagen. Ich zog die dünne Decke über uns, nicht weil wir uns schämten, sondern weil der Luftzug an den feuchten Schenkeln zu deutlich wurde. Mara lag auf der Seite, das Gesicht zu mir, eine Hand auf meiner Hüfte, der Daumen in einer langsamen Bewegung, die nichts mehr forderte. Ihr Haar hatte das Kissen dunkel gefleckt. Ich strich eine Strähne zurück und sah die kleine Rötung an ihrem Hals, wo ich zu fest geküsst hatte. Sie bemerkte meinen Blick und berührte die Stelle selbst. „Das darf bleiben“, sagte sie.
„Die Bitte“, sagte ich nach einer Weile, „steht noch im Wohnzimmer. Auf der Couch. Neben dem Tee.“ Sie lächelte, müde und klar. „Ich nehme sie nicht zurück. Auch jetzt nicht, wo du ja gesagt hast. Vor allem jetzt nicht.“ Ich nickte. Es gab nichts zu glätten. Wir hatten uns angefasst, weil wir es beide gewollt hatten, und das Zimmer wusste es, die Laken wussten es, mein Mund wusste noch, wie sie schmeckte. „Oben ist dein Bett noch nicht bezogen“, sagte ich. „Du kannst hier schlafen, wenn du willst. Oder du gehst. Beides ist in Ordnung.“ Sie dachte nicht lange. „Ich bleibe. Morgen kommt der Monteur, und ich muss Kartons auspacken, und ich will nicht so tun, als wäre das hier ein Versehen im Treppenhaus gewesen.“
Wir standen noch einmal auf, nackt, und tranken Wasser in der Küche, weil der Tee kalt geworden war und die Münder salzig waren. Im Wohnzimmer lag das Handtuch auf dem Teppich, mein Kleid über der Sessellehne, ihr Leinenhemd hatte sie gar nicht mit heruntergebracht. Sie würde morgen in meinem Bademantel die Treppe hinaufgehen müssen, oder ich würde ihr etwas leihen. Der Gedanke war praktisch und gleichzeitig so nah an Zärtlichkeit, dass ich ihn nicht laut sagte. Sie lehnte sich an die Arbeitsplatte, das Glas in der Hand, und sah mich an, als messe sie, ob die Bitte das Licht der Küche aushielt. Sie hielt es aus. Ich auch.
Im Bett zog sie mich an sich, der Rücken an ihrer Brust, ihr Arm um meine Taille, die Hand flach auf dem Bauch. Über uns war die Dachwohnung leer für diese Nacht, die Kartons warteten, das Wasser wartete, und das Holz gab manchmal ein leises Knacken von sich, als setze sich das Haus. Ich hörte ihren Atem länger werden. Bevor sie einschlief, sagte sie noch, ganz leise, an meinem Haar: „Wenn du morgen anders darüber denkst, sagst du es. Ich halte das aus.“ Ich drehte den Kopf so weit, dass meine Lippen ihren Arm fanden. „Ich denke nicht anders“, sagte ich. „Ich denke genauer.“ Sie drückte mich einmal fester, und dann wurde es still, bis auf die Stadt hinter dem Fenster und das langsame, gemeinsame Ausatmen zweier Frauen, die eine Bitte nicht mehr zurücknehmen mussten, weil sie sie bereits beantwortet hatten.
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