Was die Wette noch verlangte
Fremdgehen · 36 Minuten lesen · 48 Minuten hören
Gelesen von Ekaterina
Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (9)
Ich blieb auf dem Treppenabsatz stehen, obwohl der Schlüssel schon warm in meiner Hand lag. Es war nicht meiner. Jonas hatte ihn in einem schlichten Umschlag an den Blumenladen geschickt, und die Verkäuferin hatte ihn mir über den Tresen gereicht, ohne eine Frage zu stellen. Darin steckten die Adresse, der Schlüssel und die Serviette aus dem Café, weich an den Knicken, die Tinte an einer Ecke vom Regen angegriffen und trotzdem lesbar. Ich war vierunddreißig Jahre alt. Er war neununddreißig. Wir hatten beide jemanden zu Hause, und wir hatten beide geschworen, dass dieses Fremdgehen ein Ende haben müsse.
Der Hausflur roch nach feuchtem Putz und nach dem Essen von irgendwo unter mir. Ich zog den Ring vom Finger, langsam, damit er nicht gegen das Geländer schlug, und legte ihn in die Innentasche des Mantels. Das Metall war noch warm von der Haut. Ich tat das nicht zum ersten Mal, und gerade deshalb blieb die Bewegung schwer in der Hand. Wir hatten uns versprochen, dass es keine nächste Serviette geben würde, keinen nächsten Umschlag, keinen nächsten Abend, der sich als Abschied tarnte und dann doch nicht endete.
Die Tür im dritten Stock war hellgrau und ohne Namensschild. Jonas hatte die Wohnung für diese eine Nacht von einem Kollegen geliehen, der verreist war, und er hatte geschrieben, dass niemand sonst einen Schlüssel habe. Ich steckte den Bart ins Schloss, drehte ihn und blieb noch einen Atemzug lang im Flur stehen, die Hand auf der Klinke. Drinnen brannte Licht. Ich hörte keinen Fernseher, kein Radio, nur das leise Ticken einer Uhr, das durch das Holz drang, sobald ich die Klinke niederdrückte.
Er stand am Fenster, als ich eintrat, und drehte sich nicht sofort um. Das machte es leichter und schwerer zugleich. Sein Hemd war dunkel, die Ärmel hochgeschoben, und an seinem Hals lag der Schatten der Lampe. Auf dem Tisch standen zwei Gläser und eine Karaffe mit Wasser, sonst nichts, kein Wein, keine Blumen, nichts, was diesen Abend als Feier hätte ausgeben können. Er hatte sich an die Regeln gehalten, noch bevor ich den Mantel auszog. Ich schloss die Tür hinter mir und legte die Serviette neben die Gläser, als wäre sie ein Vertrag, den man nicht in der Tasche behalten durfte.
„Du bist pünktlich“, sagte er.
„Ich wollte nicht, dass die drei Stunden schon anlaufen, während ich noch im Regen stehe“, antwortete ich.
Er drehte sich um. Sein Blick ging zuerst zu meinem Gesicht, dann zu meinen Händen, dann wieder hinauf, und ich sah, wie er sich das Lächeln verkniff, das er in den ersten Monaten nicht hatte zurückhalten können. Wir waren beide schlecht im Beenden gewesen. Genau deshalb hatten wir die Wette überhaupt erst aufgesetzt, an einem Dienstag im Café, mit Kaffee, der kalt wurde, und mit einer Serviette, die eigentlich nur den Rand eines Glases hätte trocknen sollen. Dreißig Tage ohne Nachricht. Wer zuerst schrieb, schuldete dem anderen einen Abend, nicht mehr und nicht weniger, und dieser Abend sollte unter Regeln stehen, die wir beide laut vorgelesen und beide unterschrieben hatten, so gut man eine Papierserviette unterschreiben kann.
Ich hatte am siebenundzwanzigsten Tag geschrieben. Nicht viel. Nur dass ich nicht so tun könne, als sei es vorbei, ohne ihn noch einmal zu sehen, und dass ich die Wette verlöre, wenn er das als Nachricht gelten lasse. Er hatte es gelten lassen. Er hatte nicht geantwortet mit Zärtlichkeit und nicht mit Vorwurf, sondern mit einer Uhrzeit, einer Adresse und dem Satz, dass die Regeln unverändert gälten. Ich war trotzdem gekommen. Nicht weil ein verlorenes Spiel mich zwang, sondern weil ich ihn noch einmal wollte, mit offenen Augen und mit einem Ende, das wir nicht wieder aufweichen würden.
„Lies sie vor“, sagte ich und setzte mich nicht. „Beide. Laut. Sonst fange ich an, sie mir schöner zu machen, als sie sind.“
Er nahm die Serviette, strich sie mit dem Daumen glatt und las mit der Stimme, die er auch im Café gehabt hatte, ruhig und ohne Theater. Wer in dreißig Tagen zuerst schrieb, schuldete dem anderen drei Stunden an einem vereinbarten Ort. In diesen drei Stunden sagte jeder laut, was er wollte, und wer nein sagte, dem wurde nicht weiter gegangen. Ein Nein beendete den Abend sofort, ohne Erklärung und ohne späteren Vorwurf. Danach keine Nachricht, keine zweite Wette, keine Nummer, die man für den Notfall behielt. Wir löschten, bevor wir das Haus verließen. Er legte die Serviette zurück und sah mich an.
„Gilt das noch“, fragte er.
„Es gilt“, sagte ich. „Und es gilt auch der Satz, den du gerade gelesen hast. Wenn ich gehe, ist das kein Bruch. Wenn du gehst, auch nicht.“
„Ich will nicht gehen“, sagte er. „Aber ich will es von dir hören, nicht aus der Tatsache schließen, dass du den Schlüssel benutzt hast.“
Ich zog den Mantel aus und hängte ihn über die Stuhllehne, mit der Tasche nach innen, damit ich den Ring nicht sehen musste. Darunter trug ich das Kleid, das er kannte, dunkelblau, schlicht, mit einem Verschluss im Nacken, den man nicht im Vorbeigehen öffnete. Ich hatte es nicht gewählt, um ihn zu reizen, oder doch, aber nicht nur. Ich hatte es gewählt, weil ich darin gerade gehen konnte und weil der Stoff kühl auf der Haut lag, wenn ich nervös wurde. Meine Beine waren nackt. Die Schuhe hatten auf der Treppe leise geklungen. Ich stellte sie nebeneinander an die Wand, eine kleine Ordnung in einem Abend, der keine sein sollte.
„Ich bin hier, weil ich dich will“, sagte ich. „Nicht weil die Wette mich schuldig spricht. Die Wette hat nur verhindert, dass wir uns noch zehnmal halb verabschieden. Drei Stunden. Danach ist es vorbei. In diesen drei Stunden will ich nicht über zu Hause sprechen, nicht über Schuld und nicht über das, was wir uns einreden könnten. Ich will dich. Wenn du dasselbe willst, sag es. Wenn nicht, trinken wir Wasser, und ich gehe, bevor die Uhr uns etwas vormacht.“
Er schwieg einen Moment, und in diesem Schweigen lag alles, was wir in einem Jahr nicht richtig gesagt hatten. Dann nickte er, nicht hastig. „Ich will dich“, sagte er. „Ich wollte aufhören, und ich will dich trotzdem. Beides ist wahr. Ich werde dich fragen, bevor ich etwas tue, das wir nicht schon laut besprochen haben. Und du sagst es, wenn es dir zu viel wird, auch mitten darin. Besonders mitten darin.“
„Das werde ich“, sagte ich. „Und du auch.“
Wir standen uns gegenüber, mit dem Tisch zwischen uns, und niemand griff zuerst über das Holz. Draußen lief der Regen in feinen Bahnen über die Scheibe. Die Uhr an der Wand war eine einfache Küchenuhr mit einem lauten Sekundenzeiger, und ich verstand, warum er sie dort hatte hängen lassen. Drei Stunden brauchen ein Maß, sonst werden aus ihnen die halbe Nacht und aus der halben Nacht ein Versprechen, das niemand gehalten hätte. Er drehte sie so, dass wir beide das Zifferblatt sehen konnten. Es war kurz nach acht. Um elf würden wir aufhören, auch wenn der Körper etwas anderes verlangte. Das hatten wir auf die Serviette geschrieben, und ich war dankbar für die Härte dieser Zahl, weil sie mir erlaubte, in der Zeit dazwischen nicht zu rechnen.
„Komm her“, sagte ich.
Er kam um den Tisch, blieb aber auf Armlänge stehen. Ich roch ihn, Seife und darunter die Wärme, die ich aus zu vielen hotelähnlichen Stunden kannte, aus Wohnungen, die nicht uns gehörten, aus einem Auto im Winter, dessen Scheiben von innen blind geworden waren. Mein Puls saß hoch im Hals. Ich legte die Hand an seine Brust, nicht um ihn zu halten, sondern um zu prüfen, ob auch er zitterte. Das Hemd war glatt. Darunter schlug es schnell. Er atmete aus, als hätte er die Luft seit dem Flur angehalten.
„Küss mich“, sagte ich. „Langsam. Noch nicht die Hände unter dem Kleid.“
Er beugte sich vor und küsste mich so, wie ich es verlangt hatte, mit geschlossenem Mund zuerst, nur Druck und Wärme und das leichte Kratzen an seiner Oberlippe, wo der Bart von zwei Tagen stand. Ich öffnete die Lippen, und er folgte, ohne zu drängen. Seine Zunge traf meine, vorsichtig, dann sicherer, und der Geschmack war vertraut genug, dass mir die Knie nachgaben und fremd genug, dass ich die Augen offen ließ. Ich wollte ihn sehen. Beim letzten Mal, das wir uns als letztes eingeredet hatten, hatte ich die Augen zugemacht und danach so getan, als wäre das schon ein Abschied gewesen. Heute nicht. Heute sollte nichts unter einem Vorwand geschehen.
Seine Hände blieben an meinen Oberarmen, genau dort, wo der Stoff aufhörte. Die Daumen strichen einmal über die nackte Haut und hielten dann still. Ich spürte, wie sehr ihn das kostete. Jonas war kein Mann, der gern wartete, und gerade deshalb hatte ich die Regel laut gemacht. Ich wollte die Ungeduld in ihm arbeiten sehen, ohne dass sie über mich hinwegging. Ich stellte mich näher, bis mein Bauch seinen berührte, und der Kuss wurde tiefer, nasser, ein leises Geräusch zwischen unseren Mündern, das in dem stillen Zimmer größer wirkte, als es war. Zwischen meinen Beinen wurde es warm, schnell und eindeutig, und ich schämte mich nicht dafür. Scham hatte uns monatelang begleitet und nichts verhindert. Lust wenigstens war ehrlich.
„Hände jetzt“, sagte ich an seinem Mund. „Auf den Rücken. Über dem Kleid. Zieh mich an dich.“
Er tat es. Die Handflächen lagen breit auf meinem Kreuz, und er zog mich so dicht heran, dass ich den Druck seines Körpers durch den Stoff spürte, hart schon, deutlich, gegen meinen Unterleib. Ein Laut kam aus mir, kurz und heiser, und er antwortete mit einem tieferen Kuss, diesmal mit mehr Hunger. Ich grub die Finger in sein Haar. Es war dichter, als es aussah, und an den Schläfen ein wenig grau, was ich in den ersten Wochen übersehen und später gern berührt hatte. Ich zog leicht. Er stöhnte in meinen Mund, und das Geräusch lief mir den Rücken hinunter wie warmes Wasser.
„Sag, was du willst“, murmelte er.
„Ich will, dass du den Verschluss im Nacken öffnest“, sagte ich. „Dann das Kleid nach unten. Nicht reißen. Ich will zusehen, wie du es tust.“
Er trat einen halben Schritt zurück, damit seine Hände Platz hatten, und suchte den kleinen Haken mit den Fingerspitzen. Es dauerte einen Moment. Ich hörte seinen Atem, konzentriert, und dann das leise Metallgeräusch, als der Verschluss aufging. Der Stoff löste sich an den Schultern. Er schob ihn nicht sofort herunter, sondern sah mich an, eine stumme Frage, und ich nickte. Das Kleid glitt über die Brüste, über den Bauch, über die Hüften, und fiel mir um die Füße. Darunter trug ich nichts als einen schmalen dunklen Slip. Die Luft im Zimmer war wärmer, als ich gedacht hatte, und trotzdem zog sich die Haut an den Armen zusammen. Meine Brustwarzen wurden hart, sichtbar, und sein Blick blieb dort hängen, dann kehrte er zu meinen Augen zurück, als hätte er sich dabei ertappt, die Regeln schon zu vergessen.
„Du darfst hinsehen“, sagte ich. „Das ist erlaubt. Anfassen erst, wenn ich es sage.“
„Du bist schön“, sagte er, und es klang nicht wie eine Floskel, sondern wie etwas, das ihm im Hals gesessen hatte. „Ich habe das zu oft gedacht und zu selten so gesagt, ohne gleich die Hände dazuzunehmen.“
Ich stieg aus dem Kleid und legte es über den Stuhl, ordentlich, weil ich später nicht danach suchen wollte, wenn die Zeit um war. Dann stand ich vor ihm in diesem einen Stück Stoff und spürte, wie der Slip schon feucht an mir klebte. Ich sagte es nicht mit einem billigen Wort. Ich nahm seine Hand und führte sie an die Innenseite meines Oberschenkels, nicht höher, nur so weit, dass er die Wärme merkte. Seine Finger zuckten. Er schluckte.
„Ich bin schon nass“, sagte ich. „Seit der Treppe. Das heißt nicht, dass du irgendetwas überspringen darfst. Zieh dein Hemd aus. Ich will deine Haut.“
Er öffnete die Knöpfe von oben nach unten, ohne Hast, die ich ihm nicht befohlen hatte, und warf das Hemd nicht auf den Boden, sondern legte es neben mein Kleid. Darunter war er, wie ich ihn kannte, breit in der Brust, mit einem dunklen Streifen Haar, der zum Bauch hin schmaler wurde, und mit der Narbe an der linken Rippe, von einem Sturz vor Jahren, die ich mit der Zunge entlanggefahren war, als wir noch so taten, als hätten wir Zeit. Ich legte die flache Hand darauf. Die Haut war heiß. Er schloss kurz die Augen.
„Hose auch“, sagte ich. „Und dann will ich auf das Bett. Nicht auf den Tisch. Ich will liegen können.“
Er öffnete den Gürtel, schob Hose und Shorts zusammen herunter und stieg heraus. Sein Schwanz stand schwer gegen den Bauch, die Spitze schon feucht, und der Anblick traf mich tiefer, als ich für den ersten Teil des Abends eingeplant hatte. Ich kannte dieses Gewicht in der Hand, diesen Geschmack, das Zucken, wenn ich die Zunge flach darunter legte. Das Wissen machte mich nicht kühler. Es machte mich ungeduldig auf eine Art, die ich laut machen musste, sonst hätte sie die Regeln gefressen.
„Bett“, wiederholte ich, und meine Stimme war rauer als eben.
Das Bett stand an der Wand unter der Uhr, bezogen mit fremder Wäsche, die nach nichts roch als nach Waschmittel. Er schlug die Decke zurück. Ich legte mich auf den Rücken, den Slip noch an, und er kniete sich neben mich, nackt, die Hände auf den eigenen Oberschenkeln, wartend. Das Warten stand ihm gut und schlecht zugleich. Gut, weil ich die Kontrolle spürte, die ich verlangt hatte. Schlecht, weil ich sie schon teilen wollte. Ich nahm seine Hand und legte sie auf meine Brust.
„Hier“, sagte ich. „Fest, aber nicht grob. Die Nippel zwischen den Fingern. Ich sage dir, wenn es zu viel ist.“
Er umfasste die Brust, der Daumen strich über die harte Spitze, dann nahm er sie zwischen zwei Finger und drückte, gerade genug, dass ein süßer Stich bis zwischen meine Beine fuhr. Ich bog den Rücken. Er beugte sich herunter und nahm die andere Brustwarze in den Mund, saugte, ließ die Zunge kreisen, und die Nässe seines Mundes auf der empfindlichen Haut war so genau das, was ich wollte, dass ich die Hand in sein Haar schob und ihn dort hielt. Er saugte stärker. Ich stöhnte, offen, ohne den Laut zu dämpfen. In dieser Wohnung musste niemand höflich sein. Nur ehrlich.
„Die andere auch“, sagte ich.
Er wechselte, und die kühle Luft auf der feuchten Brustwarze ließ mich zusammenzucken, während sein Mund die zweite warm machte. Seine freie Hand lag auf meinem Bauch, schwer, und der kleine Finger ruhte knapp über dem Bund des Slips. Er fragte nicht mit Worten. Er fragte, indem er dort anhielt. Ich hob die Hüften ein wenig.
„Zieh ihn aus“, sagte ich. „Langsam. Und dann sieh mich an, bevor du mich anfasst.“
Er hakte die Finger unter den Stoff an beiden Hüften und zog. Der Slip löste sich von der feuchten Haut mit einem leisen Gefühl von Kühle und Entblößung, das mir durch den ganzen Körper ging. Er streifte ihn über die Knie, über die Füße, und legte ihn nicht aus dem Blick, sondern auf den Nachttisch, als gehöre auch das zur Ordnung des Abends. Dann setzte er sich auf die Fersen und sah mich an, wirklich, von den Brüsten über den Bauch bis zwischen die gespreizten Schenkel. Ich ließ die Beine offen. Ich wollte nicht so tun, als wäre Scham jetzt noch eine Tugend. Die Scham gehörte nach Hause, in ein anderes Zimmer, zu einem anderen Leben. Hier gehörte die Nässe hin, die ich spürte, das Glänzen, das er sehen musste, die Klitoris, die schon geschwollen unter seiner Aufmerksamkeit pochte, ohne dass er sie berührt hatte.
„Darf ich dich anfassen“, fragte er.
„Ja“, sagte ich. „Zwei Finger, außen, von unten nach oben. Noch nicht hinein. Ich will erst deinen Mund, aber nicht sofort. Erst die Hand, damit ich mich an dich gewöhne und nicht schon beim ersten Lecken komme, als hätte ich ein Jahr gewartet.“
„Du hast gewartet“, sagte er leise.
„Wir haben beide gewartet und so getan, als wäre Warten dasselbe wie Aufhören“, sagte ich. „Fass mich an.“
Seine Finger waren warm und ein wenig rau an den Kuppen. Er strich durch die Nässe, langsam, von der Öffnung hinauf, teilte mich, ohne einzudringen, und als er über die Klitoris glitt, zuckte mein ganzes Becken ihm entgegen. Er wiederholte die Bewegung, gleichmäßig, mit genau dem Druck, den ich ihm in anderen Nächten beigebracht hatte, nicht zu leicht, nicht kreisend wie in einem schlechten Film, sondern als langer Strich, der unten begann und oben weicher wurde. Ich atmete durch den Mund. Die zweite Bahn war schon besser als die erste, die dritte ließ mich die Ferse in die Matratze drücken. Er beobachtete mein Gesicht, nicht nur meinen Körper, und das war das, was mich am meisten öffnete. Jonas hatte immer hingesehen. Das war der Anfang von allem gewesen, in einem Raum voller Leute, ein Blick, der nicht wegrutschte, und meine Dummheit, ihn zu erwidern.
„Gut“, sagte ich. „Genau so. Noch ein wenig fester oben. Ja. Da.“
Er gehorchte, und das Wort Gehorchen war falsch und richtig. Er tat, was ich sagte, weil er es wollte, nicht weil die Wette ihn klein machte. Seine Finger wurden sicherer, glitten durch mehr Nässe, und ein leises, nasses Geräusch entstand, das mich die Lippen beißen ließ. Ich wollte seinen Mund. Ich wollte ihn noch ein wenig hinhalten. Beides stritt in mir, und die Lust gewann schneller, als mein Stolz vorgesehen hatte.
„Jetzt der Mund“, sagte ich. „Leg dich zwischen meine Beine. Zunge flach zuerst. Hände an meinen Hüften, damit ich mich nicht wegdrehe, wenn es zu gut wird. Und sieh immer wieder hoch. Ich will dein Gesicht.“
Er legte sich auf den Bauch, schob meine Schenkel mit den Schultern weiter auseinander und küsste zuerst die Innenseite des einen, dann des anderen, nah genug, dass sein Atem auf die feuchte Haut traf. Ich erschauerte. Dann legte er die Zunge flach an mich und leckte in einem langen Zug von unten nach oben. Die Wärme, die Breite, der Druck, alles kam auf einmal, und ich griff ins Laken. Er wiederholte es, langsam, wie die Finger vorher, und jedes Mal wurde ich empfindlicher. Als er die Zungenspitze um die Klitoris legte, nicht direkt auf den empfindlichsten Punkt, sondern knapp daneben, entfuhr mir ein Laut, der fast ein Lachen war und keines. Er sah hoch. Seine Augen waren dunkel, der Mund nass von mir, und der Anblick war so unverstellt, dass ich die Hand ausstreckte und über seine Wange strich.
„Ja“, sagte ich. „Bleib da. Kreise. Kleine. Nicht schneller werden, nur weil ich stöhne.“
Er blieb bei dem Tempo, das ich verlangte, und das war eine eigene Form von Gemeinheit, eine gute. Die Lust baute sich nicht als Stoß auf, sondern als Wärme, die sich ausbreitete, in den Bauch, in die Brüste, in die Fußsohlen. Ich bewegte die Hüften gegen seinen Mund in einem kleinen Rhythmus, und seine Hände hielten mich, fest genug, dass ich den Halt spürte, nicht fest genug, dass ich mich gefangen fühlte. Einmal rutschte seine Zunge tiefer, in mich hinein, und ich keuchte, überrascht von der Weichheit und von dem Wunsch, mehr davon zu haben. Er spürte es und tat es wieder, stieß mit der Zunge ein, leckte dann wieder hinauf, und die Abwechslung machte mich unruhig auf die beste Art.
„Finger dazu“, sagte ich. „Einen. Langsam. Krümm ihn, wenn du drin bist. Du weißt, wo.“
Er schob einen Finger in mich, und ich war so nass, dass es kaum Widerstand gab, nur die süße Dehnung und dann diesen Druck nach vorn, gegen die Stelle, die mich jedes Mal die Stimme verlieren ließ. Er fand sie. Natürlich fand er sie. Er hatte Monate gehabt, sie zu lernen, und er hatte sie nicht vergessen, auch nicht in den dreißig Tagen, in denen wir so getan hatten, als könnten wir vergessen. Seine Zunge blieb an der Klitoris, kleine Kreise, und der Finger bewegte sich in einem ruhigen Takt dagegen. Ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog, nicht schon der Höhepunkt, aber die Straße dahin, breit und unausweichlich.
„Nicht aufhören“, sagte ich. „Wenn ich komme, bleibst du, bis ich deine Haare ziehe. Dann hörst du auf. Nicht vorher aus Höflichkeit.“
Er brummte eine Zustimmung an mir, und die Schwingung der Stimme traf genau den Punkt, an dem seine Zunge lag. Meine Oberschenkel begannen zu zittern. Ich versuchte, die Augen offen zu halten, weil ich ihn sehen wollte, und schaffte es in Stößen, sein Haar, seine Stirn, die Konzentration in seinem Gesicht. Der Regen wurde lauter oder mein Blut, ich hätte es nicht unterscheiden können. Die Lust stieg nicht höflich. Sie kippte. Ich sagte seinen Namen, einmal, dann noch einmal, höher, und dann kam ich, mit einem langen, offenen Laut, die Hüften gegen seinen Mund gedrückt, die innere Muskulatur eng um seinen Finger, Welle nach Welle, so stark, dass ich für ein paar Atemzüge nichts sah als das Weiß der Decke und das Nachbild der Lampe.
Er blieb, wie ich es gesagt hatte, leckte mich durch das Zucken, langsamer, als die Empfindlichkeit stieg, bis ich die Hand in sein Haar krallte und ihn wegzog. Er hob den Kopf sofort. Sein Kinn glänzte. Er atmete schwer, als hätte er selbst etwas getan, das Kraft kostete, und das hatte er. Ich lag da und spürte das Nachbeben in den Beinen, den Puls zwischen den Schenkeln, die absurde Zärtlichkeit, die nach einem solchen Höhepunkt immer kam und die heute gefährlicher war als die Lust, weil Zärtlichkeit Versprechen webte, wenn man sie nicht bewachte.
„Komm her“, sagte ich, heiser. „Küss mich. Ich will mich schmecken.“
Er kam neben mich, und ich küsste ihn tief, schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und das war nicht abstoßend, sondern eine weitere Art, bei der Sache zu bleiben. Meine Hand fand seinen Schwanz, hart, heiß, die Haut seidig über der Härte, und er zuckte in meiner Faust. Ein Tropfen Feuchtigkeit benetzte meinen Daumen. Ich strich ihn über die Eichel, langsam, und er stöhnte in meinen Mund.
„Ich will dich im Mund“, sagte ich. „Aber ich will nicht, dass du kommst. Noch nicht. Wenn es zu nah wird, sagst du es, und ich höre auf. Danach will ich dich in mir. Mit Kondom. Hast du welche.“
„In der Schublade“, sagte er. „Zwei. Ich habe nicht so getan, als würden wir nur reden.“
„Gut“, sagte ich. „Leg dich auf den Rücken.“
Er tat es. Ich kniete mich zwischen seine Beine und betrachtete ihn einen Moment, den flachen Bauch, der sich hob, den Schwanz, der gegen ihn lag und dann in meiner Hand stand, die Adern, die Hoden, schwer in der anderen Handfläche, als ich sie vorsichtig umfasste. Ich beugte mich hinunter und leckte einmal von der Wurzel bis zur Spitze, langsam, und er fluchte leise, ein Wort ohne Ziel. Dann nahm ich ihn in den Mund, nicht alles auf einmal, erst die Eichel, die Zunge darunter, die Lippen fest, und saugte, während meine Hand den Rest umschloss. Er schmeckte nach Haut und nach dem salzigen Vorbote, und ich mochte das, mochte das Gewicht auf der Zunge, mochte, wie seine Hüfte zuckte und wie er sie trotzdem unten hielt, weil er wusste, dass ich das Tempo wollte.
Ich nahm ihn tiefer, bis er hinten an den Gaumen stieß, und zog mich zurück, bevor der Würgereiz kam, dann wieder hin, in einem Rhythmus, den meine Hand aufnahm. Speichel machte alles gleitend. Ich sah zu ihm hoch, wie er es bei mir getan hatte, und sein Gesicht war offen, der Mund halb geöffnet, die Augen dunkel und fest auf mir. Seine Hand lag in meinem Haar, nicht drückend, nur da, und als ich einmal nickte, wurde der Griff ein wenig fester, ein Halt, kein Stoß. Ich stöhnte um ihn herum, weil die eigene Erregung zurückkam, schneller als ich gedacht hatte, ein Ziehen im noch empfindlichen Fleisch zwischen meinen Beinen.
„Klara“, sagte er, und meine Name in diesem Ton war eine Warnung. „Nah. Wirklich nah. Hör auf, wenn du ihn noch in dir haben willst.“
Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, langsam, mit einem letzten Strich der Zunge über die Spitze, und er atmete aus wie jemand, der knapp vor einem Sturz anhält. Sein Schwanz zuckte in der Luft, rot, nass von meinem Mund. Ich küsste die Innenseite seines Oberschenkels, einmal, damit der Abbruch nicht wie eine Strafe wirkte, und richtete mich auf.
„Schublade“, sagte ich.
Er griff hinüber, ohne sich ganz aufzusetzen, und fand die kleine Folie. Ich nahm sie ihm ab. Meine Finger waren nicht ganz ruhig, aber sie gehorchten. Ich riss die Packung auf, setzte das Kondom an und rollte es über ihn, aufmerksam, damit es nicht knickte, die Hand fest um ihn, während ich es nach unten schob. Er sah mir zu, die Zähne leicht auf der Unterlippe. Als ich fertig war, strich ich einmal über die bedeckte Länge, und er hob die Hüften.
„Wie willst du mich“, fragte er.
„Zuerst ich auf dir“, sagte ich. „Ich will das Tempo. Danach, wenn ich es sage, du über mir, damit ich dein Gewicht habe. Und du kommst nicht, bevor ich es dir erlaube, außer du kannst nicht mehr, dann sagst du es, und wir entscheiden neu. Kein Heldentum. Ein Nein gilt auch für dich.“
„Verstanden“, sagte er, und in dem Wort lag Erleichterung, nicht nur Gehorsam.
Ich stieg über ihn, ein Knie auf jeder Seite, und hielt ihn an der Wurzel, während ich mich senkte. Die Spitze teilte mich, stumpf und breit durch das dünne Material, und ich ließ mich langsam darauf nieder, Zentimeter um Zentimeter, bis er ganz in mir war und mein Becken auf seinem ruhte. Die Dehnung war voll, vertraut, ein wenig zu viel nach dem Höhepunkt und genau deshalb richtig. Ich blieb einen Moment still, die Hände auf seiner Brust, und spürte ihn in mir pochen. Er hatte die Hände an meinen Hüften, die Daumen in den Mulden neben den Knochen, und er bewegte sich nicht.
„Gut“, flüsterte ich. „Du füllst mich aus. Bleib noch so.“
Ich begann mich zu bewegen, nicht auf und ab zuerst, sondern kreisend, damit ich ihn überall spürte, gegen die noch empfindliche Vorderwand, tief, wo ein süßer Druck entstand, der keine Eile hatte. Sein Atem ging schwer. Ich sah auf sein Gesicht und ließ ihn zusehen, wie ich den Rhythmus fand, wie meine Brüste sich bewegten, wie mein Mund sich öffnete, wenn der Winkel stimmte. Dann hob ich mich und senkte mich, langsam, der nasse Laut leise und deutlich, und jedes Herabkommen trieb ihn bis zum Anschlag in mich. Meine Klitoris streifte bei der Bewegung seinen Unterleib, nicht genug, aber als Versprechen. Ich griff nach seiner Hand und legte sie dorthin, zwischen uns.
„Reib mich“, sagte ich. „Mit zwei Fingern, während ich reite. Gleichmäßig. Ich komme so noch einmal, wenn du nicht hetzt.“
Er fand den Rhythmus meiner Hüften und legte seinen dagegen, die Finger nass von mir, kreisend auf der Klitoris, während ich ihn ritt. Die doppelte Empfindung war fast zu viel und gerade noch zu halten. Ich wurde schneller, nicht weil ich die Regel vergessen hatte, sondern weil der Körper die Regel überholte und ich es zuließ. Das Bett gab ein leises Geräusch von sich. Die Uhr tickte. Irgendwo im Haus schlug eine Tür, weit weg, und das erinnerte mich für eine Sekunde daran, dass die Welt nicht aus diesem Zimmer bestand, dass irgendwo ein Mann auf mich wartete, der nichts von der Serviette wusste, und dass Jonas eine Frau hatte, die seine Abwesenheit für Arbeit hielt. Der Gedanke hätte mich stoppen können. Er tat es nicht. Er machte die Haut nur heißer, die Schuld zu einem scharfen Rand an einer Lust, die ich nicht mehr als Versehen ausgeben konnte. Ich hatte den Schlüssel gedreht. Ich hatte die Regeln laut bestätigt. Ich ritt ihn, weil ich es wollte, und das Wissen darum war der eigentliche Stich.
„Sieh mich an“, sagte ich, als seine Augen zufielen. „Bis zum Schluss siehst du mich an. Das ist die einzige Sentimentalität, die ich heute erlaube.“
Er öffnete die Augen. In ihnen lag so viel, dass ich fast den Takt verlor, Zuneigung, Hunger, das Wissen um das Ende, und keine Lüge, die das Ende aufschieben wollte. Ich beugte mich vor und küsste ihn, ohne die Bewegung der Hüften ganz aufzugeben, kürzere Stöße jetzt, tief, und seine Finger gerieten nicht aus dem Konzept. Die Lust zog sich wieder zusammen, anders als beim ersten Mal, breiter, aus der Tiefe und von außen zugleich. Ich richtete mich auf, stützte die Hände auf seine Brust und nahm ihn in langen Zügen, jedes Mal bis zum Grund.
„Ich bin nah“, sagte ich. „Bleib genau so. Fester mit den Fingern. Ja. Jonas. Ja.“
Der zweite Höhepunkt kam weniger als Blitz und mehr als ein langes Überlaufen. Ich zog mich um ihn zusammen, wieder und wieder, ein Stöhnen, das in ein Keuchen überging, die Nägel in seiner Haut, die Hüften stockend und dann weiter, weil das Nachgeben noch Lust war. Er hielt den Druck auf der Klitoris, bis ich seine Hand wegnahm, überempfindlich, lachend und nicht lachend, die Stirn an seiner Schulter, während die letzten Zuckungen durch mich liefen und ihn in mir noch härter wirken ließen.
„Jetzt du über mir“, sagte ich an seinem Hals. „Ich will dein Gewicht. Nicht hart am Anfang. Tief. Und küss mich dabei.“
Er drehte uns mit einer Sorgfalt, die mich rührte und die ich nicht kommentierte, weil Rührung heute eine schlechte Beraterin war. Ich lag auf dem Rücken, er zwischen meinen Beinen, noch in mir, und das Gewicht seiner Brust auf meiner war genau das, worum ich gebeten hatte, warm, ein wenig schweißfeucht, der Herzschlag gegen meinen. Er küsste mich, langsam, und begann sich zu bewegen, lange Stöße, die mich jedes Mal ausfüllten und wieder freigaben, nicht schnell, nicht zur Schau gestellt. Ich schlang die Beine um seine Hüften und die Arme um seinen Nacken. Der Winkel war tiefer so. Bei jedem Stoß strich er an der Stelle vorbei, die sein Finger vorher gefunden hatte, und ein Nachglühen der beiden Höhepunkte mischte sich mit einer neuen, ruhigeren Erregung, die nicht sofort zum dritten Gipfel drängte und gerade deshalb schön war.
„Härter jetzt“, sagte ich nach einer Weile. „Ich will es hören. Ich will dich spüren, auch morgen noch, wenn ich so tue, als wäre nichts gewesen.“
Er gehorchte, und die Stöße wurden kräftiger, das Geräusch von Haut auf Haut klar im Zimmer, sein Atem an meinem Ohr. Ich nahm sein Gesicht in beide Hände, damit er mich nicht verlor, und hielt seinen Blick, während er in mich stieß. Es war roh und gleichzeitig nicht roh, weil jede Bewegung noch in dem Rahmen lag, den wir laut gemacht hatten. Ich sagte ja, mehr als einmal, nicht als Floskel, sondern weil ich wollte, dass das Wort im Raum blieb, neben den anderen Worten, die wir uns verboten hatten. Kein Für immer. Kein Wir finden einen Weg. Nur ja, und tiefer, und so.
„Dreh mich“, sagte ich. „Auf die Seite. Von hinten, aber nah. Ich will deine Hand an der Brust und deinen Mund an meinem Nacken. Und du fragst, bevor du schneller wirst als jetzt.“
Er glitt aus mir, nur für den Moment, den die Drehung brauchte, und die Leere war kurz und unangenehm, dann lag ich auf der Seite, er hinter mir, und er führte sich wieder ein, eine Hand an meiner Hüfte, die andere um meine Brust gelegt, der Mund an der Stelle unter dem Ohr, wo die Haut dünn ist. Der neue Winkel traf anders, voller von hinten, und ich schob mich ihm entgegen, bis er ganz in mir war. Er bewegte sich in dem Tempo, das ich noch nicht hatte ändern lassen, tief und gleichmäßig, und küsste meinen Nacken, biss leicht, fragte mit einem Laut, und ich sagte ja zu dem Biss, ja zu dem festeren Griff um die Brust, ja zu dem Daumen, der über den Nippel rieb, bis ich wieder kleine Laute von mir gab, die ich nicht steuerte.
„Schneller“, sagte ich dann. „Aber nicht außer Kontrolle. Ich will, dass du kurz davor bleibst, bis ich es sage.“
Er wurde schneller, der Atem heiß an meinem Ohr, die Hand von der Brust hinunter zwischen meine Beine, und ich führte seine Finger selbst an die Klitoris, weil ich wusste, wie wenig noch fehlte, wenn er dort blieb, während er mich von hinten nahm. Es war viel. Fast zu viel nach zwei Höhepunkten, ein helles, beinahe schmerzhaftes Wohlgefühl, das ich trotzdem wollte, weil es zu diesem Abend gehörte, alles zu nehmen, was die drei Stunden hergaben, und nichts darüber hinaus. Ich drückte seine Hand fester auf mich.
„So“, sagte ich. „Genau so. Ich komme noch einmal mit dir, wenn du wartest. Kannst du warten.“
„Knapp“, sagte er, die Stimme zerstört. „Sag es bald. Bitte.“
Das Bitte traf mich stärker als der Stoß davor. Ich drehte den Kopf, so gut es ging, und fand seinen Mund in einem ungeschickten Kuss, Zähne, Atem, kein Stil. Meine eigene Lust kletterte wieder, unglaublich und wahr, die Muskeln um ihn herum schon im Vorspiel des Kommens. Ich wollte sein Gesicht nicht verlieren, auch nicht in dieser Haltung. Ich wollte, dass er mit mir kam, nicht nach mir und nicht in einem höflichen Abstand.
„Jetzt“, sagte ich. „Komm. Mit mir. Jetzt.“
Er stieß tiefer, einmal, zweimal, und dann spürte ich, wie er in mir hart wurde und sich ergoss, das Pulsieren deutlich trotz des Kondoms, sein Stöhnen an meinem Mund, sein ganzer Körper dicht an meinem Rücken. Gleichzeitig kippte ich über die dritte Kante, kürzer als die anderen, scharf, ein Zusammenziehen, das ihn noch fester hielt, und ein Laut, der in seinem Kuss unterging. Wir bewegten uns durch das Nachgeben hindurch, kleiner, unregelmäßiger, bis nur noch das Zittern blieb und sein Arm um meine Taille, fest, als müsste er sich vergewissern, dass wir beide noch im Zimmer waren.
Eine Weile sagte niemand etwas. Die Uhr tickte. Der Regen hatte nachgelassen oder ich hörte ihn nur nicht mehr. Sein Schwanz wurde in mir weicher, und die Nässe kühlte an den Stellen, wo Haut auf Haut lag. Ich spürte seinen Herzschlag am Rücken, schnell, dann langsamer. Meine eigenen Beine zitterten in einem feinen, unwillkürlichen Rhythmus. Ich hätte bleiben können, genau so, bis die drei Stunden von selbst verrotteten. Das war der gefährliche Teil, gefährlicher als der Höhepunkt, diese Stille, in der der Körper so tat, als wäre Frieden dasselbe wie Erlaubnis.
„Bleib noch einen Moment in mir“, sagte ich leise. „Nur einen. Dann zieh dich zurück, bevor es unangenehm wird, und wir liegen nebeneinander, ohne Pläne zu machen.“
Er küsste meine Schulter, einmal, und wartete, bis ich selbst die Hüfte ein wenig nach vorn schob. Dann glitt er heraus, vorsichtig, und ich hörte, wie er das Kondom abzog, es verknotete, aufstand und ins Bad ging. Das Wasser lief kurz. Ich blieb auf der Seite liegen, die Hand zwischen den eigenen Schenkeln, nicht um weiterzumachen, sondern weil die Haut dort noch pochte und die Berührung der eigenen Finger eine Art Beweis war, dass das alles gerade geschehen war und nicht nur in dem alten Film in meinem Kopf. Als er zurückkam, roch er nach Seife an den Händen. Er legte sich hinter mich, diesmal ohne einzudringen, die Brust an meinem Rücken, eine Decke über uns beide gezogen, weil die Luft auf der feuchten Haut kühl wurde.
„Wie spät“, fragte ich.
„Halb zehn“, sagte er. „Wir haben noch Zeit. Wir müssen sie nicht füllen.“
„Gut“, sagte ich. „Ich will nicht noch einmal anfangen, nur damit die Uhr einen Sinn hat. Ich bin wund auf eine Art, die ich behalten will, nicht auf eine, die wir übergehen sollten.“
Er lachte leise an meinem Haar, ein kurzer Laut ohne Spott. „Dann liegen wir. Darf ich dich halten.“
„Ja“, sagte ich. „Halten ist erlaubt. Versprechen nicht.“
Seine Arme lagen um mich, eine Hand unter meiner Brust, die andere auf meinem Bauch, und ich legte meine darüber, nicht verschlingend, nur damit die Wärme eine Form hatte. Wir sprachen eine Weile nicht. Ich hörte die Uhr und dachte an die Serviette auf dem Tisch, an die Tinte, an den Satz, den wir beide unterschrieben hatten, als wäre Papier stärker als Gewohnheit. Vielleicht war es das nicht. Vielleicht war nur die Entscheidung stärker, und das Papier ein Zeuge, den man danach wegwerfen konnte. Ich dachte an den Ring in der Manteltasche und an das Gewicht, das er wieder haben würde, sobald ich ihn überstreifte. Ich dachte nicht seinen Namen. Das hatte ich mir für diesen Abend verboten, und ich hielt das Verbot, nicht aus Edelmut, sondern weil der Name eine Tür geöffnet hätte, durch die Schuld in einem Schwall gekommen wäre, und Schuld wollte ich nicht als Ersatz für Abschied benutzen.
„Es tut mir nicht leid, dass ich geschrieben habe“, sagte ich irgendwann. „Es tut mir leid, dass wir es so weit haben kommen lassen, dass eine Wette nötig war. Das ist nicht dasselbe.“
„Ich weiß“, sagte er. „Mir tut es auch nicht leid, dass du verloren hast. Mir tut leid, dass ich in den dreißig Tagen dreimal das Telefon in der Hand hatte und nur deshalb nicht geschrieben habe, weil ich gewinnen wollte. Das ist eine hässliche Art von Disziplin.“
„Sie hat funktioniert“, sagte ich. „Hässlich und klar. Ich nehme klar.“
Er schwieg, und ich spürte, dass er etwas sagen wollte, das nach Zukunft klang, und dass er es schluckte. Dafür war ich ihm dankbar auf eine Weise, die wehtat. Seine Finger zeichneten nichts auf meinen Bauch, keine Buchstaben, keine Kreise, die man hätte deuten können. Sie lagen nur da. Draußen fuhr ein Auto durch eine Pfütze. Das Geräusch zog vorbei und ließ das Zimmer wieder allein.
Gegen zehn stand ich auf, nicht weil die Lust zurückkam, sondern weil ich nackt auf fremder Wäsche nicht einschlafen wollte und weil Schlaf der sicherste Weg gewesen wäre, die Uhr zu betrügen. Im Bad wusch ich mich mit warmem Wasser, langsam, zwischen den Beinen vorsichtig, wo alles empfindlich und ein wenig geschwollen war. Im Spiegel sah ich eine Frau mit gerötetem Mund und einem Mal an der Brust, klein, von seinem Mund, das bis morgen verblassen würde, wenn ich ein anderes Kleid wählte. Ich trocknete mich ab und ging zurück. Er hatte sich aufgesetzt, die Decke über den Hüften, und sah nicht aus wie ein Mann, der einen Sieg eingeholt hatte. Er sah aus wie jemand, der etwas abgibt und die Hände noch nicht wieder schließen kann.
Ich zog den Slip an, dann das Kleid, und er schloss den Haken in meinem Nacken, weil ich ihn darum bat, eine letzte praktische Berührung, seine Finger kühl am Verschluss, kein Kuss danach. Er zog sich ebenfalls an, Hemd, Hose, ohne die Langsamkeit von vorhin, aber auch ohne Eile, die wie Flucht ausgesehen hätte. Wir tranken Wasser. Es schmeckte nach nichts, und das war richtig. Auf dem Tisch lag die Serviette, zerknitterter als bei meiner Ankunft. Ich faltete sie einmal und steckte sie nicht ein.
„Wir werfen sie weg“, sagte ich. „Nicht als Symbol. Einfach weil sie sonst liegen bleibt und jemand sie liest, der nichts damit zu tun hat.“
Er nickte, nahm sie, ging in die kleine Küche und warf sie in den Müll unter der Spüle, unter Kaffeesatz, der nicht von uns stammte. Als er zurückkam, holte er sein Telefon aus der Manteltasche. Ich holte meines aus dem Kleid, wo es die ganze Zeit stumm gelegen hatte, das Display dunkel, keine Nachricht, die ich hätte erklären müssen, weil ich zu Hause gesagt hatte, ich sei bei einer Freundin und käme spät. Die Lüge war alt. Heute sollte sie zum letzten Mal für ihn benutzt werden, und das machte sie nicht sauberer, nur endgültig.
„Zusammen“, sagte er.
Wir löschten die Nummern voreinander, nicht mit einem dramatischen Tastendruck, sondern in den gewöhnlichen Menüs, die man auch benutzte, um einen falschen Kontakt zu entfernen. Sein Name verschwand aus meiner Liste. Meiner aus seiner. Er zeigte mir das Display. Ich zeigte ihm meines. Danach löschte ich den Nachrichtenverlauf, der ohnehin kurz gewesen war, weil wir selten etwas Schriftliches riskiert hatten, und er tat dasselbe. Es blieb nichts, was ein Suchlauf am Morgen noch hätte finden sollen. Ich steckte das Telefon weg und spürte eine Leere, die nicht nur traurig war. Sie war auch weit. In dieser Weite konnte ich atmen, ohne den nächsten Satz schon zu planen.
„Die Schlüssel“, sagte ich.
Er legte seinen auf den Tisch, für den Kollegen, in einem Umschlag, den er schon beschriftet hatte. Meinen, den aus dem Blumenladen, legte ich daneben. Zwei Schlüssel, die nicht mehr zu uns gehörten. Ich zog den Mantel an. Der Ring in der Innentasche stieß gegen meine Finger, als ich die Knöpfe schloss. Ich nahm ihn nicht heraus, solange ich noch in der Wohnung war. Das gehörte auf die Treppe oder auf die Straße, nicht hierher, wo die Luft noch nach uns roch.
An der Tür blieben wir stehen. Die Uhr zeigte zwanzig vor elf. Wir hätten noch bleiben können. Die Regeln hätten es gedeckt. Ich wollte nicht. Nicht aus Trotz, sondern weil der Abschied, wenn man ihn dehnt, wieder zu einem Anfang wird. Er schien dasselbe zu denken. Seine Hand lag auf der Klinke und öffnete nicht.
„Darf ich dich noch einmal küssen“, fragte er. „Ohne dass daraus etwas wird. Ein Kuss, dann gehst du.“
Ich überlegte, nicht lange. „Ja. Einer. Und dann mache ich die Tür auf, nicht du.“
Er küsste mich, und es war kein Anfangskuss und kein Kuss aus der Mitte des Abends. Es war geschlossen, warm, mit einer Trauer, die nicht nach mehr griff, und mit dem Nachgeschmack von allem, was wir gerade getan hatten. Ich ließ ihn einen Herzschlag länger dauern, als ich vorgehabt hatte, dann löste ich mich. Meine Hand legte sich über seine auf der Klinke. Ich drückte sie nieder. Die Tür ging auf, der Flur war kühler, das Licht dort nüchterner.
„Geh nicht mit hinunter“, sagte ich.
„Werde ich nicht“, sagte er.
Ich trat in den Flur. Er blieb in der Wohnung, eine Hand am Rahmen, das Gesicht im Halbschatten der Lampe. Ich sagte seinen Namen nicht noch einmal. Er sagte meinen nicht. Das war keine Kälte. Das war die letzte Regel, die wir nicht auf die Serviette geschrieben hatten und trotzdem beide verstanden. Ich ging die Treppe hinunter, Stufe um Stufe, und im zweiten Stock blieb ich stehen, holte den Ring aus der Tasche und schob ihn auf den Finger. Er war kalt geworden. Er passte wie immer. Oben fiel keine Tür ins Schloss, während ich noch im Haus war, und ich war ihm dankbar dafür, dass er wartete, bis ich draußen sein würde.
Auf der Straße roch es nach Regen und nach dem Asphalt, der den Tag abgegeben hatte. Ich zog den Mantel enger und ging in die Richtung der Haltestelle, ohne zum dritten Stock hinaufzusehen. Zwischen den Beinen spürte ich ihn noch, ein dumpfes, ehrliches Echo, und auf der Zunge lag kein Versprechen, nur der Geschmack von Wasser und von einem Kuss, der nichts mehr eröffnen durfte. Die Wette war bezahlt. Die Regeln hatten gehalten. Was danach kam, gehörte nicht mehr ihm, und zum ersten Mal seit einem Jahr ging ich nach Hause, ohne in der Tasche nach einem Telefon zu suchen, das noch seinen Namen trug.
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