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Die Bitte im Seitengang

Fremdgehen · 19 Minuten lesen · 26 Minuten hören

Gelesen von Meher

Teil 2 der Serie Verbotene Nächte (1)

Der Saal roch nach warmem Holz, nach Bier und nach dem Parfüm, das Frauen an Abenden tragen, an denen sie wiedererkannt werden wollen. Ich blieb in der Tür stehen, den Mantel noch über dem Arm, und suchte nicht sofort nach ihm. Ich suchte nach einem Platz, an dem ich atmen konnte. An den runden Tischen saßen Menschen, die ich seit Jahren nur auf Fotos gesehen hatte, alle über dreißig, manche schon grau an den Schläfen, die Stimmen lauter als früher, die Gesten sicherer. Über der Tanzfläche hing eine Lichterkette, die jemand schief gespannt hatte.

Ich war sechsunddreißig, seit acht Jahren verheiratet, und ich hatte mir auf der Fahrt eingeredet, dass ein Klassentreffen nur ein Abend mit alten Witzen sei. Thomas war auf einer Baustelle im Norden, sein Telefon lag vermutlich neben einem Hotelkissen, und ich hatte ihm nicht gesagt, dass ich herfahren würde. Nicht aus Berechnung. Aus einer Müdigkeit, die ich nicht in einen Satz pressen wollte. Der Ring an meiner linken Hand war warm von der Heizung im Auto.

Dann sah ich Lars.

Er stand am Ausschank, das Glas in der Hand, und lachte über etwas, das die Frau neben ihm sagte. Siebenunddreißig, das wusste ich, weil wir im selben Jahr geboren waren und er seinen Geburtstag immer eine Woche vor meinem gehabt hatte. Das Jackett saß ihm besser als die Hemden von damals. An der Schläfe lag ein feiner Strich, den ich nicht kannte. Er drehte den Kopf, als hätte mein Blick ein Geräusch gemacht, und unsere Augen trafen sich über die Köpfe hinweg.

Er hob das Glas nicht. Er nickte nur, knapp, und in diesem Nicken lag alles, was wir uns nie geschrieben hatten, nachdem es zu Ende gewesen war. Wir waren dreiundzwanzig gewesen, als wir uns in einer kleinen Wohnung mit schiefen Dielen zum ersten Mal ausgezogen hatten, und siebenundzwanzig, als ich die letzte Tasche in den Flur gestellt hatte. Danach: nichts. Kein Brief, kein Anruf, nur die stille Vereinbarung, dass manche Geschichten aufhören dürfen, ohne dass man sie zerlegt.

Ich hängte den Mantel an einen Haken, der schon voll war, und ging zu einem Tisch, an dem zwei Frauen aus meinem alten Jahrgang saßen. Sie zogen mich auf einen Stuhl, schenkten Wein ein, fragten nach der Arbeit, nach der Wohnung, nach Thomas. Ich antwortete, wie man antwortet, wenn man höflich bleiben will und innerlich woanders steht. Der Wein war zu warm. Meine Knie berührten sich unter dem Tisch, als müsste ich mich selbst festhalten.

Lars setzte sich nicht zu uns. Er blieb in der Nähe des Ausschanks, sprach mit einem Mann, den ich nur halb erkannte, und warf mir keinen zweiten Blick zu. Das war schlimmer als ein Blick. Ich kannte diese Ruhe an ihm. Früher hatte er gewartet, bis ich den ersten Schritt tat, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil er mir die Entscheidung lassen wollte. Ich hatte das damals für Rücksicht gehalten. Heute spürte ich, dass es auch eine Falle sein konnte: Wer wartet, muss den Satz nicht selbst sagen.

Die Musik wurde lauter. Jemand hatte eine Liste gemacht, Lieder aus den Jahren, in denen wir noch in kleinen Küchen getanzt hatten, barfuß, mit nassen Haaren. Ein langsames Stück kam, und die Tanzfläche füllte sich mit Paaren, die sich ungeschickt an den Hüften hielten und dazu lachten. Ich blieb sitzen. Meine Hand lag um das Glas, der Ring klirrte leise gegen den Stiel, und ich dachte an das Bett in unserer Wohnung, an Thomas’ Rücken, an die Art, wie er im Schlaf die Decke an sich zog. Es war kein schlechtes Bild. Es war nur ein Bild, das mich in diesem Saal nicht wärmte.

Lars kam, als das Lied schon halb vorbei war. Er blieb vor meinem Stuhl stehen, die Hand nicht ausgestreckt, nur offen an der Seite. „Ein Tanz“, sagte er. Keine Frage, und doch eine. Die Frauen am Tisch taten, als sähen sie auf ihre Teller. Ich stand auf, weil Sitzen in diesem Moment feige gewesen wäre, und weil mein Körper schon ja gesagt hatte, bevor mein Mund es tat.

Seine Hand lag auf meinem Rücken, knapp über dem Reißverschluss des Kleides, warm durch den Stoff. Wir bewegten uns langsam, nicht eng, aber nah genug, dass ich seinen Atem an der Schläfe spürte. Er roch nach Seife und nach dem Bier, das er nicht ausgetrunken hatte. „Du siehst aus, als wärst du nicht sicher, ob du hier sein willst“, sagte er nah an meinem Ohr. Seine Stimme war tiefer als in meiner Erinnerung, ruhiger, ohne den Eifer, mit dem er früher Sätze begonnen hatte.

„Ich bin sicher“, sagte ich, und es war die erste Lüge des Abends, oder die erste Wahrheit, ich wusste es nicht. Seine Finger verschoben sich einen Zentimeter, nicht tiefer, nur fester. Unter dem Kleid spannte sich meine Haut, als hätte sie auf genau diese Stelle gewartet. Wir drehten uns, und die Lichterkette zog einen goldenen Strich über sein Gesicht. Ich sah den Mund, den ich gekannt hatte, die Unterlippe ein wenig voller, ein kleiner Schnitt am Kinn von einer Rasur, die zu hastig gewesen war.

„Thomas ist nicht hier“, sagte er. Es war keine Anklage. Er hatte den Namen irgendwo aufgeschnappt, vielleicht von einer der Frauen, vielleicht von einem Foto, das jemand herumgezeigt hatte. „Nein“, sagte ich. „Er arbeitet.“ Lars nickte. Seine Hand blieb, wo sie war. Wir tanzten das Lied zu Ende, und als die schnellere Musik einsetzte, ließ er mich nicht sofort los. „Draußen ist es kühler“, sagte er. „Wenn du Luft willst.“

Ich wollte Luft. Ich wollte auch das Gegenteil von Luft. Wir gingen nicht durch die Mitte des Saals, sondern am Rand entlang, vorbei an der Garderobe, in einen Seitengang, den das Personal benutzte. Die Tür fiel hinter uns ins Schloss, und der Lärm wurde zu einem dumpfen Pochen. Der Gang war schmal, die Wände grau gestrichen, an einer Seite hingen vergessene Mäntel über einer Bank. Eine Notleuchte brannte gelb. Hier roch es nach Staub und nach dem Reinigungsmittel, mit dem jemand den Boden gewischt hatte.

Lars lehnte sich nicht an die Wand. Er blieb stehen, die Hände in den Taschen, und sah mich an, als warte er auf eine Richtung. Ich spürte den Ring. Ich spürte das Kleid an den Oberschenkeln. Ich spürte, wie mein Mund trocken wurde und zugleich etwas in mir weich und schwer nach unten zog. Die Jahre zwischen uns waren nicht weg. Sie standen im Gang wie Möbel, die man nicht verrücken kann, ohne Lärm zu machen.

„Ich habe dich nicht vergessen“, sagte er. „Das ist keine Bitte. Das ist nur wahr.“ Ich nickte. Meine Stimme kam später als mein Entschluss. Ich hatte auf der Tanzfläche schon gewusst, welchen Satz ich sagen würde, und ich hatte gehofft, der Gang würde ihn mir ausreden. Der Gang tat das Gegenteil. Er machte den Satz kleiner und damit gefährlicher, weil kleine Sätze sich nicht mehr verstecken lassen.

„Komm mit mir weg von hier“, sagte ich. „Nicht zum Reden. Ich will, dass du mich anfasst, so wie früher, und weiter. Ich will, dass du mit mir schläfst. Heute. In deinem Zimmer, wenn du eines hast.“ Die Worte standen zwischen uns, klar und ohne Schmuck. Ich hörte sie selbst, und ich wusste im selben Atemzug, dass ich sie nicht zurücknehmen konnte. Eine Bitte dieser Art lässt sich nicht in ein Missverständnis verwandeln. Sie bleibt im Raum, auch wenn man danach lacht oder schweigt oder den Mantel holt.

Lars atmete aus. Seine Schultern senkten sich, als hätte er etwas Schweres abgestellt. „Du bist verheiratet“, sagte er. „Ja.“ „Und du willst das trotzdem.“ „Ja.“ Er trat einen Schritt näher, nicht an meinen Mund, nur so nah, dass ich die Wärme seines Körpers spürte. „Ich will es auch“, sagte er. „Ich habe es gewollt, seit du in der Tür standest. Aber ich frage dich noch einmal, hier, wo uns niemand hört: Willst du, dass ich dich mitnehme? Willst du, dass ich dich ausziehe und dich nehme, obwohl du morgen wieder in dein Leben zurückgehst?“

„Ja“, sagte ich. „Ich nehme den Satz nicht zurück.“ Er sah mir in die Augen, lange genug, dass ich hätte wegsehen können. Ich sah nicht weg. Dann hob er die Hand und legte sie an meine Wange, der Daumen an meinem Mundwinkel, leicht, fragend. Ich öffnete die Lippen einen Spalt und ließ die Zungenspitze gegen seinen Daumen stoßen. Das war keine große Geste. Es war die Bestätigung, die er brauchte, und die ich brauchte, um zu spüren, dass mein Körper nicht nur geredet hatte.

„Ich habe ein Zimmer im Haus gegenüber“, sagte er. „Fünf Minuten, wenn wir nicht rennen.“ „Dann gehen wir.“ Er nahm meine Hand nicht sofort. Er wartete, bis ich sie ihm gab. Im Gang war es still genug, dass ich das Blut in den Ohren hörte. Wir holten die Mäntel, ohne in den Saal zurückzukehren, durch eine Seitentür, die auf den Hof führte. Die Nacht war kühl und klar. Hinter uns lachte jemand. Vor uns lag die Straße, nass von einem Regen, der schon aufgehört hatte.

Im Hotelflur roch es nach Teppich und nach der Heizung, die zu hoch stand. Lars schloss die Tür, legte den Schlüssel auf den Tisch und blieb mit dem Rücken zum Holz stehen, als wolle er mir den Ausgang nicht versperren und ihn doch markieren. Das Zimmer war schlicht: ein Bett, eine Lampe, ein Stuhl, ein Fenster auf den Hof. Mein Mantel glitt von den Schultern. Ich hängte ihn über die Stuhllehne und drehte mich zu ihm.

„Noch immer ja“, sagte ich, bevor er fragen konnte. Er kam zu mir. Der erste Kuss war langsam, fast vorsichtig, Lippen auf Lippen, ein Kosten, kein Nehmen. Ich öffnete den Mund, und seine Zunge fand meine, warm, vertraut und doch fremd genug, dass mir die Knie weich wurden. Seine Hände lagen an meiner Taille, dann höher, an den Rippen, und warteten. Ich führte eine davon an meine Brust. Durch den Stoff spürte er die harte Spitze. Ein leises Geräusch kam aus seiner Kehle, nicht laut, nur ehrlich.

Er drehte mich, sodass mein Rücken an seiner Brust lag, und zog den Reißverschluss hinunter, Zahn für Zahn. Kühle Luft lief über meine Wirbelsäule. Das Kleid fiel bis zu den Hüften, und er schob es weiter, bis es um meine Füße lag. Ich stieg heraus. Der BH war schlicht, hautfarben, und er öffnete ihn mit einer Geduld, die mich ungeduldig machte. Als seine Hände meine Brüste umfassten, nackt, die Daumen über die Warzen zogen, legte ich den Kopf an seine Schulter und atmete seinen Namen.

„Sag mir, wenn etwas nicht stimmt“, murmelte er an meinem Hals. „Es stimmt“, sagte ich. „Mach weiter.“ Er küsste die Stelle unter meinem Ohr, dann die Schulter, dann drehte er mich wieder zu sich und nahm eine Brust in den Mund. Die Zunge kreiste, die Lippen schlossen sich, ein leichter Zug, der bis zwischen meine Beine lief. Ich hielt seinen Kopf, die Finger in seinem Haar, und spürte, wie feucht ich schon war, wie der Stoff meines Slips an mir klebte. Er wechselte zur anderen Brust, ebenso gründlich, und seine freie Hand strich über meinen Bauch, blieb am Bund stehen, fragte ohne Worte.

Ich öffnete seinen Gürtel. Die Schnalle klirrte. Seine Hose saß tief auf den Hüften, als ich den Reißverschluss aufzog, und darunter war er schon hart, schwer gegen den Stoff der Shorts. Ich schob alles nach unten und nahm ihn in die Hand. Heiß, glatt, die Ader an der Unterseite unter meinen Fingern. Er stöhnte in meinen Mund, als ich ihn langsam streichelte, vom Ansatz bis zur Spitze, den Daumen über die feuchte Öffnung. „Bett“, sagte er heiser. „Sonst stehe ich das nicht lange.“

Wir legten uns hin. Die Decke war kühl, dann warm von unseren Körpern. Er zog mir den Slip aus, langsam, über die Knie, über die Füße, und warf ihn nicht achtlos weg, sondern legte ihn auf den Stuhl, als gehöre auch das zur Sorgfalt. Dann kniete er sich zwischen meine Schenkel und sah mich an. Das Licht der Lampe lag auf meinem Bauch, auf den Innenseiten der Beine, auf der dunklen Feuchte, die ich nicht verbergen konnte und nicht verbergen wollte. „Darf ich dich schmecken“, fragte er. „Ja“, sagte ich. „Bitte.“

Sein Mund war warm und genau. Er küsste zuerst die Innenseite des Oberschenkels, dann die andere, dann die Stelle, an der ich schon offen war. Die Zunge glitt durch die Nässe, langsam von unten nach oben, und als sie die kleine harte Knospe fand, zuckte ich. Er hielt meine Hüften, nicht fest, nur sicher, und leckte in einem Rhythmus, der nicht hetzte. Ich griff ins Laken. Mein Atem wurde kurz. Er schob zwei Finger in mich, vorsichtig, und krümmte sie, während seine Zunge weiter kreiste. Das Gefühl war so dicht, dass ich die Augen schließen musste.

„Lars“, sagte ich, und es klang wie eine Warnung und wie ein Wunsch. Er hob den Kopf nicht sofort. Er machte weiter, bis meine Schenkel zitterten und ich seine Haare packte, nicht um ihn wegzuziehen, sondern um ihn dort zu halten. Der erste Höhepunkt kam schnell und tief, eine Welle, die mich aus dem Rücken hob und wieder ins Kissen drückte. Ich hörte mich selbst, einen Laut, den ich in meiner Wohnung selten machte. Er leckte mich durch das Zittern, langsamer, bis ich seine Schulter berührte und „komm her“ flüsterte.

Er kam nach oben, der Mund feucht von mir, und küsste mich. Ich schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und es machte mich nicht verlegen. Es machte mich hungrig. Ich drehte uns, setzte mich auf seine Oberschenkel und nahm ihn wieder in die Hand. Er lag unter mir, die Brust hob sich, die Augen dunkel. „Ich will dich im Mund“, sagte ich. „Wenn du das willst.“ „Ich will alles, was du gibst“, sagte er. „Und ich will dich danach in mir haben. Das ist immer noch die Bitte.“

Ich rutschte tiefer, küsste seinen Bauch, die Linie unter dem Nabel, und nahm ihn zwischen die Lippen. Er füllte meinen Mund, schwer und warm, und ich bewegte mich langsam, die Zunge an der Unterseite, die Hand am Ansatz. Sein Atem wurde rau. Eine Hand lag in meinem Haar, nicht drückend, nur da, und die andere krallte sich ins Laken. Ich nahm ihn tiefer, bis mir die Augen tränten, und zog mich zurück, um die Spitze zu umkreisen, dann wieder hinab. Er sagte meinen Namen, einmal, zweimal, und dann: „Wenn du so weitermachst, komme ich. Ich will in dir kommen. Nur wenn du das auch willst.“

Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, die Lippen feucht, und stieg wieder über ihn. „Ich will dich in mir“, sagte ich. „Ohne etwas zwischen uns, wenn du gesund bist und wenn du mir sagst, dass du bei niemand anderem warst, seit du dich hast testen lassen. Ich nehme die Pille. Ich will dich spüren.“ Er hielt meine Hüften an, bevor ich mich senkte. „Ich bin gesund“, sagte er. „Letzter Test im Frühjahr, seitdem niemand. Wenn du sicher bist.“ „Ich bin sicher.“ Ich führte ihn an meinen Eingang, rieb die Spitze durch meine Nässe, und senkte mich langsam.

Er füllte mich in einem langen, gedehnten Zug. Ich blieb einen Moment still, die Hände auf seiner Brust, und gewöhnte mich an die Dehnung, an die Hitze, an das Gefühl, ganz aufgenommen zu sein. Dann begann ich mich zu bewegen, kleine Kreise, dann ein Heben und Senken, das ihn fast hinausließ und wieder tief nahm. Sein Kopf fiel zurück. Die Sehnen an seinem Hals traten hervor. Ich sah auf den Ring an meiner Hand, der im Lampenlicht blinkte, und ich zog ihn nicht ab. Ich wollte nicht so tun, als wäre ich eine andere Frau. Ich war diese Frau, in diesem Zimmer, auf diesem Mann, und die Bitte aus dem Gang war jetzt ein Körper.

„Langsamer“, bat er, und ich wurde langsamer, ritt ihn in einem tiefen Takt, bei dem jeder Stoß unten ankam. Er setzte sich auf, ohne aus mir zu gleiten, und nahm eine Brust in den Mund, während seine Hände meinen Hintern hielten und mich führten. Unsere Stirnen berührten sich. Der Schweiß machte unsere Haut glatt. Ich spürte, wie er in mir zuckte, wenn ich mich besonders tief setzte, und ich drückte mich bewusst so, dass die Reibung an der Vorderwand mich wieder aufbaute.

Er drehte uns, vorsichtig, und lag über mir. „So“, sagte er. „Ich will dein Gesicht sehen.“ Er stützte sich auf die Unterarme, zog sich fast ganz zurück und stieß wieder hinein, langsam, dann fester, als ich die Beine um seine Hüften schlang und „ja, so“ sagte. Das Bett gab ein leises Geräusch. Draußen fuhr ein Auto vorbei. Im Zimmer war nur unser Atem, das nasse Geräusch unserer Körper, das Klatschen, wenn er tiefer ging. Er küsste mich zwischen den Stößen, offen, hungrig, und eine Hand glitt zwischen uns, der Daumen an meiner Knospe, im Takt.

Ich kam ein zweites Mal, enger als das erste, die Muskeln zogen sich um ihn, und ich presste das Gesicht an seinen Hals, damit der Laut nicht durch die dünne Wand ging. Er hielt still in mir, während ich zuckte, und flüsterte, dass ich schön sei, dass er mich spüre, dass er noch könne, wenn ich wolle. „Ich will“, sagte ich, als ich wieder sprechen konnte. „Dreh mich. Ich will dich von hinten, tief. Und ich will, dass du mir sagst, wenn du kommst.“

Er zog sich zurück. Ich kniete mich aufs Bett, die Unterarme auf dem Kissen, der Rücken durchgedrückt, und er kniete sich hinter mich. Seine Hände strichen über meine Hüften, über den Rücken, dann fasste er mich und führte sich wieder ein. Der Winkel war anders, voller, und ich stöhnte in die Matratze. Er begann zu stoßen, erst gemessen, dann härter, so wie ich es mit einem „mehr“ und einem Nicken verlangte. Eine Hand griff in mein Haar, nicht ruckartig, nur haltend, und die andere lag an meiner Hüfte, der Daumen in der Kuhle über dem Knochen.

„Ist das noch das, was du wolltest“, fragte er, atemlos, ohne den Takt zu verlieren. „Ja“, sagte ich. „Genau das. Hör nicht auf.“ Er beugte sich über mich, die Brust an meinem Rücken, und küsste mein Schulterblatt. Seine Stöße wurden kürzer, tiefer, und ich spürte, wie sich alles in ihm spannte. „Ich komme“, sagte er an meinem Ohr. „Jetzt. In dir.“ „Ja“, sagte ich. „Komm.“ Er stieß noch dreimal, fest, und dann hielt er sich tief in mir, während er kam, heiß, in Schüben, ein Laut an meinem Nacken, den er nicht dämpfte. Ich drückte mich ihm entgegen und nahm alles, die Hand zwischen meinen Beinen, und rieb mich, bis ein drittes, kleineres Beben durch mich lief, während er noch in mir pulsierte.

Wir blieben so, atmend, bis seine Arme nachgaben und er uns zur Seite legte, noch verbunden, sein Bauch an meinem Rücken, sein Arm um meine Taille. Das Zimmer roch nach uns. Die Lampe brannte weiter. Draußen lachte niemand mehr, oder wir hörten es nicht. Sein Atem wurde gleichmäßiger an meinem Haar. Ich spürte, wie er weicher wurde und schließlich aus mir glitt, ein warmes Nachlaufen an der Innenseite des Schenkels. Er zog ein Tuch vom Nachttisch, das er vorhin hingelegt haben musste, ohne dass ich es gesehen hatte, und reichte es mir. Die Geste war so alltäglich, dass mir die Kehle eng wurde.

„Danke“, sagte ich, und meinte das Tuch und mehr als das Tuch. Er küsste meine Schulter. „Du musst nichts erklären“, sagte er. „Der Satz im Gang reicht. Er steht. Ich nehme ihn nicht als Ausrutscher.“ Ich drehte mich zu ihm. Sein Gesicht war nah, die Augen müde und klar. „Ich gehe zurück zu Thomas“, sagte ich. „Das weißt du.“ „Ich weiß es.“ Er strich eine Haarsträhne aus meiner Stirn. „Und ich werde dich nicht anrufen, um den Abend kleiner zu machen. Wenn du mich willst, weißt du, wo der Satz liegt. Er lässt sich nicht ungesagt machen. Das ist das Risiko, das du genommen hast. Ich habe es mitgenommen.“

Wir lagen noch eine Weile, ohne zu reden. Ich hörte die Heizung klicken. Mein Körper war schwer und wund auf eine Art, die nicht wehtat, sondern erinnerte. Die Innenseiten der Schenkel brannten leicht. Meine Lippen waren geschwollen. Auf seiner Schulter lag ein feuchter Abdruck meines Mundes. Ich dachte an den Saal, an die Lichterkette, an die Frauen, die vielleicht schon nach mir suchten, und an Thomas, der in einem anderen Hotel schlief und nichts von diesem Zimmer wusste. Die Schuld kam nicht als Schlag. Sie kam als Klarheit. Ich hatte gebeten. Ich war gegangen. Ich hatte genommen und gegeben. Daran ließ sich nichts rückwärtsdrehen.

Ich stand auf und ging ins Bad. Im Spiegel war mein Gesicht gerötet, das Haar durcheinander, die Augen größer als am Abend. Ich wusch mich, langsam, mit warmem Wasser, und zog das Kleid wieder an. Der Reißverschluss hakte. Lars kam hinter mich, noch nackt, und zog ihn zu, die Finger kurz an meinem Nacken. „Soll ich dich zum Auto bringen“, fragte er. „Nein“, sagte ich. „Ich gehe allein. Das gehört dazu.“ Er nickte. Er zog sich an, während ich die Schuhe fand, und als ich den Mantel nahm, stand er an der Tür, nicht davor.

Im Flur war es still. Vor dem Hotel lag die Straße leer, die Pfützen spiegelten eine Laterne. Der Saal auf der anderen Seite war noch beleuchtet, die Fenster gelb, dahinter bewegten sich Schatten. Ich blieb auf dem Bürgersteig stehen und spürte die Nacht an den Beinen, dort, wo das Kleid endete. In der Manteltasche lag mein Telefon. Ich nahm es nicht heraus. Es gab keine Nachricht, die diesen Abend in einen harmlosen Satz verwandelt hätte.

Lars stand in der Hoteltür, das Jackett offen, die Hände in den Taschen, und sah mich an, ohne zu winken. Ich hob die Hand nicht. Ich nickte, so knapp wie er es im Saal getan hatte, und der Kreis schloss sich nicht. Er blieb offen, weil eine Bitte, einmal gesagt und einmal erfüllt, nicht wieder in den Mund zurückkriecht. Ich ging zu meinem Auto, setzte mich hinter das Lenkrad und ließ den Motor noch aus. Zwischen den Beinen war ich wund und warm. Auf der Zunge lag noch sein Geschmack. Der Ring drückte, als ich das Lenkrad umfasste.

Ich fuhr nicht sofort los. Ich sah auf das beleuchtete Fenster im ersten Stock, hinter dem er vielleicht schon das Licht gelöscht hatte, und ich wiederholte den Satz nicht laut. Er brauchte keine Wiederholung. Er war im Gang gesagt worden, zwischen grauen Wänden und vergessenen Mänteln, und er hatte uns in ein Bett gebracht, in dem nichts gespielt worden war. Morgen würde ich Thomas anrufen und nach der Baustelle fragen. Meine Stimme würde halten. Mein Körper würde sich erinnern. Beides war wahr, und keines hob das andere auf.

Als ich endlich den Schlüssel drehte, war der Seitengang schon weit weg und doch näher als das Haus, in das ich zurückfuhr. Die Straße glänzte. Die Stadt war still. Ich ließ das Fenster einen Spalt offen, damit die kühle Luft an mein Gesicht kam, und ich fuhr, ohne die Bitte zu bereuen und ohne sie zu verkleinern. Sie blieb, was sie gewesen war: ein Satz, den eine Frau von sechsunddreißig Jahren zu einem Mann von siebenunddreißig gesagt hatte, klar, gewollt, und für immer ausgesprochen.

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