Die Bitte, die ich nicht zurücknahm
Fremdgehen · 26 Minuten lesen · 34 Minuten hören
Gelesen von Lana Weiss
Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (2)
Der Handwerker kam an einem Dienstag, und die Bitte, die ich ihm später stellte, ließ sich nicht zurücknehmen. Ich war 36, verheiratet seit acht Jahren, und seit drei Wochen allein in einem Haus, das nach kaltem Kaffee und unbenutzten Handtüchern roch. Mein Mann Stefan, 39, arbeitete in Hamburg an einem Auftrag, der sich immer wieder verlängerte. Am Telefon klang seine Stimme dünn, höflich, schon halb bei den Plänen auf seinem Tisch. Der Hahn über der Badewanne tropfte seit 11 Tagen. Jeder Tropfen traf das Email mit einem kleinen, geduldigen Schlag, und nach einer Weile war dieses Geräusch lauter als alles, was ich mir selbst sagte.
Ich hatte die Nummer aus dem Zettel genommen, den die Frau vom Baumarkt mir mitgegeben hatte, ohne dass ich sie darum gebeten hätte. Am Apparat meldete sich eine tiefe, ruhige Stimme. Markus Berger, 41, Installateur und Fliesenleger, könne am frühen Nachmittag kommen, wenn der Schaden nicht bis in die Wand gewandert sei. Ich sagte, ich wisse es nicht. Er lachte kurz, nicht spöttisch, und meinte, das sei der übliche Satz. Dann legte er auf, und ich stand in der Diele mit dem Hörer in der Hand und hörte nur noch das Ticken aus dem Bad.
Er kam um 14 Uhr, pünktlich, in einem grauen Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln und einer Werkzeugtasche, die beim Absetzen auf den Fliesen klirrte. Sein Gesicht war schmal, die Haut an den Unterarmen von der Arbeit gebräunt, die Hände sauber, obwohl die Nägel kurz und an den Rändern dunkel waren. Er grüßte, ohne mich lange anzusehen, und bat um den Weg zum Bad. Ich ging voraus und spürte, wie leer das Haus hinter mir wirkte: kein zweites Paar Schuhe an der Tür, kein Radio, nur das Tropfen, das uns entgegenschlug.
Er kniete sich vor die Wanne, drehte den Hahn auf und zu, hielt die Hand unter den Strahl und lauschte mit geneigtem Kopf. Ich lehnte am Türrahmen und sah auf seinen Rücken, auf die Linie zwischen Schulter und Nacken, auf das Hemd, das sich über den Schulterblättern spannte. Es war kein Blick, den ich mir erlaubte. Es war ein Blick, der einfach da war, ehe ich ihn wegschicken konnte. Er sagte, die Dichtung sei hin, aber das allein erkläre das Geräusch in der Wand nicht. Er müsse die Verkleidung öffnen. Ob das in Ordnung sei. Ich nickte, obwohl ich nicht wusste, was das für den Nachmittag bedeutete.
Er arbeitete ruhig. Das Stemmeisen setzte er erst an, als er die Fliesen abgeklopft und die weiche Stelle gefunden hatte. Staub stieg auf, fein und weiß, und legte sich auf den Wannenrand, auf seine Unterarme, auf den Stoff meiner Bluse, als ich zu nah stehen blieb. Er bat mich, ein Fenster zu öffnen. Ich tat es, und die Märzluft zog herein, kühl, mit dem Geruch von nasser Erde aus dem Garten. Eine Weile sprach keiner von uns. Nur das Metall, das auf Putz traf, und dazwischen das Tropfen, das noch nicht aufgehört hatte.
Gegen 16 Uhr richtete er sich auf, wischte sich die Stirn mit dem Handrücken und sagte, er brauche ein Ersatzteil, das er nicht im Wagen habe. Morgen früh könne er wiederkommen, wenn mir das passe. Ich sagte, es passe. Er trank das Wasser, das ich ihm in einem Glas hinstellte, in drei langen Zügen, und ich sah auf seinen Hals, auf das Schlucken, und schämte mich dafür erst, als er das Glas schon abgesetzt hatte. An der Tür blieb er kurz stehen. Ob jemand im Haus sei, falls er früher käme. Ich sagte, nein. Nur ich.
In der Nacht lag ich auf meiner Seite des Bettes und hörte das Tropfen durch die Wand. Stefans Kissen roch noch nach seinem Waschmittel, aber der Geruch wurde dünner, je länger ich das Gesicht hineindrückte. Ich dachte an die Unterarme des Handwerkers, an den Staub, an die Frage, ob jemand im Haus sei. Ich dachte daran, dass ich 36 war und seit Monaten niemanden mehr so angesehen hatte, nicht einmal meinen Mann, wenn er müde aus dem Zug stieg und den Koffer in die Diele stellte, als gehöre er schon nicht mehr ganz hierher. Ich schlief schlecht. Um 3 Uhr stand ich auf, trank Wasser am Spülbecken und legte die Hand auf die kühle Keramik, als könnte die Kälte die Unruhe aus den Fingern ziehen.
Am nächsten Morgen kam er um 9 Uhr. Diesmal trug er ein dunkleres Hemd und roch nach Seife und schwach nach Metall. Er grüßte mich mit meinem Vornamen, den ich ihm am Vortag genannt hatte, und das eine Wort, Lena, klang in seinem Mund anders als in Stefans: tiefer, ohne Eile. Ich kochte Kaffee, weil ich nicht wusste, wohin mit den Händen. Er nahm die Tasse entgegen, blieb aber im Bad stehen, einen Fuß auf der Schwelle, und trank, während er die geöffnete Stelle in der Wand betrachtete. Der Kaffee war zu stark. Er sagte das nicht. Er sagte, die Leitung habe einen feinen Riss, nicht dramatisch, aber genug, um das Holz dahinter auf Dauer zu verderben.
Ich setzte mich auf den geschlossenen Toilettendeckel, weil Stehen sich auf einmal albern anfühlte, und sah ihm zu. Er erklärte mit wenigen Sätzen, was er schneiden, löten, dichten müsse. Seine Stimme blieb ruhig, auch wenn das Werkzeug klirrte. Einmal streifte sein Ärmel meine Knie, als er sich nach der Tasche bückte. Es war nichts. Es war ein Stoff auf einem Stoff. Trotzdem blieb die Stelle warm, lange nachdem er sich wieder der Wand zugewandt hatte. Ich zog die Knie nicht weg. Ich zog sie auch nicht näher. Ich saß einfach da und ließ den Augenblick größer werden, als er war.
Gegen Mittag machte ich Brote, ohne gefragt zu haben, ob er Hunger habe. Er aß im Stehen an der Arbeitsplatte, Käse und Gurke, und erzählte auf meine Frage hin, dass er seit vier Jahren allein wohne, über einer Werkstatt am anderen Ende der Stadt. Keine Klage lag in dem Satz. Nur eine Tatsache, abgelegt wie ein Werkzeug, das man nicht mehr braucht. Ich sagte, mein Mann sei in Hamburg. Drei Wochen, vielleicht vier. Markus nickte, kaute, sah auf den Garten hinter dem Fenster. Der Rasen war zu lang. Stefan hatte vor der Abreise gesagt, er werde ihn mähen, und dann war der Zug früher gefahren als das Versprechen.
Am Nachmittag wurde die Arbeit lauter. Er schnitt ein Stück Rohr heraus, und das Metall sang kurz und schrill. Ich hielt ihm das neue Teil, weil er beide Hände brauchte, und unsere Finger trafen sich an dem kalten Kupfer. Er dankte, ohne aufzusehen. Ich blieb neben ihm knien, der Staub auf meinen Strümpfen, der Geruch von Flussmittel scharf in der Nase. Als die Flamme der Lötlampe aufleuchtete, warf sie ein kleines, blaues Licht auf seine Wange. Ich dachte, wie leicht es wäre, die Hand auf seinen Nacken zu legen. Ich tat es nicht. Die Bitte war noch nicht im Raum. Sie lag nur irgendwo hinter meinen Zähnen und wartete.
Er wurde um 17 Uhr fertig mit dem, was an diesem Tag möglich war. Die Stelle musste trocknen, die neue Dichtung sitzen, am Donnerstag die Fliese zurück. An der Tür zog er die Jacke an, langsam, als gäbe es keinen Grund zur Eile und auch keinen, zu bleiben. Ich dankte ihm für die Ruhe, mit der er arbeitete. Er sah mich da zum ersten Mal länger an, grau die Augen, müde an den Rändern, aufmerksam. Er sagte, Ruhe sei bei Wasser das Einzige, was helfe. Hetze mache Risse größer. Dann ging er, und das Haus fiel wieder in das Tropfen zurück, leiser jetzt, aber nicht fort.
Den Abend verbrachte ich mit einem Buch, das ich nicht las, und mit dem Telefon, das nicht klingelte. Stefan schrieb um 21 Uhr eine kurze Nachricht: Sitzung lang, Hotel laut, schlaf gut. Ich antwortete mit einem Satz über den Handwerker und die Leitung. Drei Worte kamen zurück: Gut, danke, müde. Ich legte das Telefon mit dem Display nach unten auf den Tisch und ging ins Bad. Die offene Stelle in der Wand sah aus wie ein Mund, der etwas sagen wollte und es nicht herausbrachte. Ich strich mit dem Finger über den frischen Lot und zog ihn zurück, weil das Metall noch warm war. In dieser Wärme lag etwas, das mir nicht gehörte und das ich trotzdem behalten wollte.
Am Donnerstag kam er später, gegen 16 Uhr, weil ein anderer Auftrag sich gezogen hatte. Das Licht im Haus war schon golden, die Heizung tickte, und ich hatte mich umgezogen, ohne es mir einzugestehen: ein dunkles Kleid, nicht festlich, nur weicher als die Jeans der Vortage, die Ärmel bis zu den Ellbogen. Er bemerkte es nicht, oder er tat so. Er setzte die Fliese, strich die Fuge, wischte den Staub von der Wanne mit einem Lappen, den er aus der Tasche zog. Das Tropfen war fort. Als er den Hahn aufdrehte, lief das Wasser klar und ohne Schlag. Er hielt die Hand darunter, nickte, drehte wieder zu. Fertig, sagte er. Ich sollte es in den nächsten Tagen beobachten, aber er rechne nicht mit Ärger.
Ich bot ihm Kaffee an, diesmal nicht aus Verlegenheit, sondern weil ich nicht wollte, dass er die Tasche schon schloss. Er zögerte eine Sekunde, dann sagte er ja. Wir saßen am Küchentisch, die Rechnung noch nicht geschrieben, die Tasse zwischen seinen Händen. Draußen wurde es dunkel. Drinnen roch es nach Kaffee und nach dem Lösungsmittel, das an seinen Fingern hing. Er fragte, ob die Stille im Haus mich störe. Ich sagte, sie störe mich nicht. Sie mache mich nur deutlich. Er verstand das, ohne nachzufragen, und dieses Verstehen war gefährlicher als jedes Kompliment.
Ich sah auf seine Hände und sagte, ich sei es nicht gewohnt, dass jemand so lange in diesen Räumen arbeite und dabei nicht an mir vorbeisähe. Der Satz war ungenau. Er war auch wahr. Markus stellte die Tasse ab. Er sagte, er sehe schon. Er habe nur nicht vorgehabt, daraus etwas zu machen, solange ich verheiratet in einem Haus säße, dessen Leitung er gerade gerichtet habe. Die Ehrlichkeit traf mich härter als eine Berührung. Ich hätte lachen können. Ich hätte das Thema schließen können. Stattdessen spürte ich, wie die Bitte sich aufrichtete, endgültig, nicht mehr hinter den Zähnen, sondern schon auf der Zunge.
Ich sagte, ich wolle, dass er bleibe. Nicht für den Kaffee. Nicht für eine zweite Tasse und ein höfliches Gespräch über Fugen und Risse. Ich wolle, dass er mich anfasse, hier, heute, solange das Haus leer sei und das Wasser endlich still. Die Worte standen im Raum, klarer als ich sie geplant hatte. Ich hörte sie selbst und wusste im selben Atemzug, dass ich sie nicht zurücknehmen konnte. Eine Bitte dieser Art lässt sich nicht in den Mund zurückholen. Sie verändert die Luft, auch wenn der andere aufsteht und geht.
Er sah mich an, lange, ohne zu lächeln. Dann fragte er, ob ich wisse, was ich da sage. Ich sagte ja. Er fragte, ob mein Mann davon wisse. Ich sagte nein. Er fragte, ob ich es trotzdem wollen würde, wenn er jetzt aufstünde und die Jacke anzöge. Ich sagte, ich würde es wollen, und ich würde es auch dann noch wollen, wenn er bliebe. Meine Stimme zitterte nicht. Das überraschte mich. Innen war alles laut, aber die Sätze kamen eben, wie Wasser aus einem Hahn, den man endlich ganz aufgedreht hat.
Er stand nicht auf. Er schob die Tasse beiseite, stand langsam auf und kam um den Tisch. Vor meinem Stuhl blieb er stehen und legte eine Hand an die Lehne, nicht an mich. Er sagte, er werde gehen, sobald ich es sage. Jederzeit. Auch mitten darin. Ich nickte. Ich sagte, dass ich das gehört habe und dass ich es genau so will: mit der Möglichkeit, aufzuhören, und mit dem Wunsch, nicht aufzuhören. Erst dann hob er die Hand und legte sie an meine Wange. Die Hand war warm, rau an der Innenfläche, und sie roch schwach nach Metall und Seife. Ich drehte das Gesicht hinein und schloss die Augen.
Der erste Kuss war kein Sturz. Er war ein Prüfen. Seine Lippen lagen auf meinen, trocken zuerst, dann weicher, und ich öffnete den Mund, weil ich den Geschmack von Kaffee und von ihm wissen wollte. Er küsste langsam, mit der gleichen Ruhe, mit der er Rohre gerichtet hatte. Keine Eile, kein Griff, der zu früh kam. Ich stand auf, der Stuhl scharrte, und unser Körper traf sich an Brust und Hüfte. Durch das Kleid spürte ich die Wärme seines Hemdes, die Härte seines Oberschenkels, das leise Nachgeben seines Atems an meinem Mund. Ich legte die Hände an seine Taille und zog ihn näher, nicht grob, nur entschieden. Er verstand auch das.
Wir küssten uns in der Küche, bis meine Lippen brannten und mein Rücken die Kante der Arbeitsplatte fand. Seine Hände blieben an meinen Schultern, an meinem Nacken, an der Stelle, wo das Kleid aufhörte und die Haut begann. Er fragte leise, ob er das Kleid öffnen dürfe. Ich sagte ja, und das Wort fiel zwischen zwei Küssen, heiser, eindeutig. Er fand den Reißverschluss an der Seite, zog ihn hinunter, und die kühle Luft legte sich auf den Streifen Haut, der freikam. Ich half ihm, die Träger von den Schultern zu schieben. Der Stoff rutschte bis zu den Hüften und blieb dort, ein dunkler Ring, während oben nur noch der BH war, schlicht, hautfarben, nichts, was ich für einen Gast gewählt hätte, und doch jetzt das Einzige zwischen seinem Blick und meiner Brust.
Er sah mich an, und in diesem Blick lag keine Bewertung, nur Hunger, der sich zurückhielt. Ich griff nach hinten, öffnete den Verschluss selbst und ließ den BH fallen. Meine Brüste waren schwer vom Atem, die Brustwarzen schon fest, empfindlich in der Küchenluft. Er hob beide Hände und legte sie darunter, wog sie, strich mit den Daumen langsam über die Spitzen. Ein Ziehen lief von dort bis in den Bauch, tief und warm. Ich stöhnte, leise, und schämte mich nicht dafür. Er beugte den Kopf und nahm eine Brustwarze in den Mund, saugte sanft, dann fester, die Zunge kreisend, während die andere Hand die zweite Brust hielt und den Nippel zwischen zwei Fingern rollte. Meine Knie wurden weich. Ich griff in sein Haar, kurz, dicht, und hielt ihn dort, wo der Mund war.
Er wechselte die Seite, gleich aufmerksam, gleich langsam, und ich spürte, wie feucht ich zwischen den Beinen wurde, ein Glühen, das sich nicht mehr verstecken ließ. Das Kleid hing noch an den Hüften. Er richtete sich auf, küsste mich wieder, und ich schmeckte meine eigene Haut auf seiner Zunge, salzig, warm. Ich knöpfte sein Hemd auf, Knopf für Knopf, und schob es von den Schultern. Darunter war ein Körper, der von Arbeit kam, nicht von einem Spiegel: Brust mit dunklem Haar, Bauch fest, eine Narbe klein und blass über der linken Rippe. Ich küsste diese Narbe, ohne zu fragen, woher sie stammte. Er atmete aus, ein Laut, der fast ein Lachen war und keines.
Ich sagte, ich wolle ihn sehen. Er nickte, öffnete den Gürtel, die Hose, schob alles hinunter und stieg heraus. Sein Glied war schon hart, dick, die Eichel dunkel und glänzend, die Adern deutlich unter der Haut. Ich nahm ihn in die Hand, spürte das Gewicht, die Hitze, das leichte Zucken, als mein Daumen über die Spitze strich. Er schloss kurz die Augen. Ich fragte, ob das gut sei. Er sagte, sehr, und seine Stimme war tiefer als am Telefon, rauer. Ich streichelte ihn langsam, von der Wurzel bis zur Spitze, und sah zu, wie ein klarer Tropfen austrat und an meinem Daumen hängen blieb. Ich führte den Daumen an meinen Mund und leckte ihn ab. Salz, Haut, er. Markus fluchte leise, kein hässliches Wort, nur ein Ausatmen, das die Form eines Fluchs hatte.
Er schob das Kleid über meine Hüften, hakte die Finger in den Bund meines Slips und sah mich an. Ich hob die Hüften ein wenig vom Schrank, an dem ich lehnte, und er zog den Stoff hinunter, über die Schenkel, die Knie, bis ich heraustreten konnte. Nackt in der eigenen Küche zu stehen, mit dem Fenster dunkel und der Heizung im Rücken, war auf einmal das Ehrlichste, was ich seit Monaten getan hatte. Er kniete sich nicht sofort. Er stellte sich wieder dicht vor mich, Haut an Haut, sein Glied an meinem Bauch, seine Hände an meinen Hüften, und küsste mich, bis ich mich an ihm rieb, ohne Plan, nur weil die Reibung linderte und zugleich schlimmer machte.
Dann ging er auf die Knie. Die Fliesen waren kalt, das sah ich an der Gänsehaut auf seinen Schenkeln, aber er beklagte sich nicht. Er küsste die Innenseite meines linken Oberschenkels, dann des rechten, langsam nach oben, und hielt mich mit beiden Händen an den Hüften fest, als meine Beine nachgeben wollten. Sein Atem traf meine Scham, heiß, und ich spreizte die Beine, so weit der Stand es erlaubte. Er sah kurz hoch. Darf ich, fragte er. Ich sagte, bitte, und das Wort war diesmal keine neue Bitte, sondern die alte, die schon im Raum stand und nur noch eine Richtung brauchte.
Seine Zunge legte sich flach an mich, ein langer Strich von unten nach oben, und ich musste mich an der Arbeitsplatte festhalten. Er leckte mich aufmerksam, nicht hastig, fand die Stelle, an der ich zusammenzuckte, und blieb dort, kreisend, dann saugte er leicht an meiner Klitoris, während zwei Finger meine Schenkel spreizten und der Daumen ruhig an der äußeren Haut lag. Ich war nass, deutlich, und er nahm das ohne Kommentar, nur mit einem tieferen Laut in der Kehle, der an mir vibrierte. Ich sah hinunter auf seinen Nacken, auf die Schultern, auf das dunkle Haar zwischen meinen Beinen, und der Anblick war so direkt, dass mir die Knie wieder weich wurden.
Er schob einen Finger in mich, langsam, und fragte an meiner Haut, ob das gehe. Ich sagte ja, mehr, und er nahm einen zweiten dazu, krümmte sie, suchte, fand den Punkt, der ein helles Ziehen auslöste, und leckte gleichzeitig weiter. Das Zusammentreffen von Zunge und Fingern war zu viel und genau richtig. Ich bewegte die Hüften gegen seinen Mund, erst schüchtern, dann offener, und er ließ mich, folgte, hielt das Tempo, das ich vorgab. Mein Atem wurde laut. Ich sagte seinen Namen, einmal, dann noch einmal, und er antwortete nur mit dem Druck seiner Zunge, fester jetzt, gleichmäßig, ohne abzusetzen.
Der erste Höhepunkt kam schnell und tief, ein Zusammenziehen, das in den Oberschenkeln begann und sich nach oben warf. Ich hielt seinen Kopf, nicht um ihn zu zwingen, sondern weil ich sonst gefallen wäre, und ritt die Wellen gegen seinen Mund, bis das Zittern nachließ und ich ihn sanft wegzog. Er küsste die Innenseite meines Schenkels, stand auf, das Gesicht feucht von mir, die Lippen gerötet. Ich küsste ihn und schmeckte mich selbst, süßlich, salzig, unverkennbar. Er fragte, ob ich aufhören wolle. Ich sagte nein. Ich sagte, ich wolle ihn in mir, und ich wolle es nicht auf dem Küchenboden, nicht gegen die Kante, die mir schon in den Rücken schnitt.
Wir gingen ins Schlafzimmer. Das Bett war gemacht, Stefans Seite unberührt, die Decke glatt. Ich schlug sie zurück und dachte eine Sekunde an die Nachricht von gestern, an das Hotel, an die müde Antwort. Der Gedanke blieb, aber er hielt mich nicht auf. Ich legte mich auf den Rücken, zog Markus mit, und er kam über mich, stützte sich auf die Unterarme, sein Gewicht warm und gegenwärtig. Wir küssten uns wieder, länger, und ich griff zwischen uns, führte ihn an meinen Eingang, hielt ihn dort. Er verharrte. Bist du sicher, fragte er noch einmal, die Stimme nah an meinem Ohr. Ich sagte ja. Ich sagte, ich will dich jetzt, und ich will, dass du mich ansiehst, während du in mich kommst.
Er drang langsam ein. Die Dehnung war deutlich, ein Brennen, das sofort in Fülle überging, und ich atmete gegen seinen Mund, bis er ganz in mir war. Wir lagen still, Stirn an Stirn, und ich spürte ihn pochen, tief, ausgefüllt bis an den Rand dessen, was angenehm war. Er bewegte sich erst, als ich die Hüften hob. Dann zog er sich zurück und kam wieder, ein langer Stoß, kontrolliert, und noch einer. Das Bett gab nach. Die Matratze kannte ein anderes Gewicht, ein anderes Tempo, und dieses neue Gewicht schrieb sich darüber, ohne das alte auszulöschen. Ich wusste das. Ich wollte es trotzdem.
Er fand einen Rhythmus, der nicht hastete: hinein, kurz halten, hinaus, wieder hinein. Jeder Stoß traf eine Stelle, die seine Finger vorhin schon geweckt hatten, und ich schlang die Beine um seine Hüften, um ihn tiefer zu nehmen. Seine Brust rieb an meinen Brüsten, die Brustwarzen empfindlich, jeder Kontakt ein kleiner Strom. Ich kratzte leicht über seinen Rücken, nicht um zu markieren, nur um ihn näher zu haben. Er stöhnte an meinem Hals, küsste das Ohr, fragte, ob der Winkel gut sei. Ich sagte, etwas höher, und er schob eine Hand unter mein Kreuz, hob mich an, und der nächste Stoß war genauer, heller. Ich sagte, da, genau da, und er blieb bei diesem Winkel, geduldig wie bei einer Leitung, die man nicht mit Gewalt richtet.
Schweiß stand auf seiner Stirn und auf meiner. Das Zimmer roch nach uns, nach Haut und nach dem schwachen Rest von Kaffee, der an seinem Atem hing. Ich drehte den Kopf und sah uns im dunklen Fenster gespiegelt: zwei Körper, ineinander, die Vorhänge halb zugezogen, die Lampe auf dem Nachttisch warm und niedrig. Der Anblick machte mich noch nasser. Ich sagte ihm das, ohne Scham, und er antwortete mit einem tieferen Stoß, dann mit einem Kuss, der unordentlich wurde, Zähne leicht an meiner Unterlippe, Zunge wieder im Mund.
Ich wollte ihn schmecken, ehe ich ihn wieder in mir haben würde, und sagte es. Er zog sich zurück, langsam, und ich drehte uns, schob ihn auf den Rücken, kniete mich zwischen seine Beine. Sein Glied lag schwer auf seinem Bauch, glänzend von mir. Ich nahm ihn in den Mund, erst die Spitze, kreiste mit der Zunge, dann tiefer, so weit ich konnte, ohne zu würgen. Er legte eine Hand in mein Haar, nicht drückend, nur haltend, und sagte, ich solle das Tempo bestimmen. Ich tat es. Langsame Züge, die Hand an der Wurzel, die andere an seinem Oberschenkel, der unter mir spannte. Ich sah zu ihm hoch. Seine Augen waren halb geschlossen, der Mund offen, und dieses Gesicht, sonst so beherrscht über Rohren und Fugen, war offen auf eine Weise, die mich wieder feucht werden ließ.
Ich leckte die Unterseite, nahm die Hoden vorsichtig in die Hand, massierte sie, während der Mund an der Eichel blieb und saugte. Er warnte mich, die Stimme brüchig, er sei nah. Ich ließ von ihm ab, küsste die Hüfte, die Narbe noch einmal, und stieg über ihn. Ich wollte kommen, während er in mir war, und ich wollte sehen, wie er kam. Ich setzte mich auf ihn, führte ihn ein, und sank hinunter, bis ich saß und er mich ganz ausfüllte. Der Winkel war anders, direkter auf den vorderen Punkt, und ich musste einen Moment stillhalten, die Hände auf seiner Brust, weil das Gefühl zu scharf war, um sofort zu reiten.
Dann bewegte ich mich. Vor und zurück zuerst, die Klitoris an seinem Schambein, ein Reiben, das sich mit der Fülle innen verband. Er hielt meine Hüften, half, ohne zu übernehmen, die Daumen an den Knochen, die Finger gespreizt über meinem Hintern. Ich richtete mich auf, stützte mich nach hinten auf seine Oberschenkel und ritt ihn in längeren Zügen, hob mich, bis fast nur noch die Spitze in mir war, und sank wieder. Jedes Hinabsinken zog ein Geräusch aus mir, das ich nicht kannte und nicht zurückhielt. Er sah auf die Stelle, an der wir verbunden waren, dann in mein Gesicht, und sagte, ich sei schön so. Das Wort traf mich unerwartet. Nicht hübsch, nicht heiß. Schön. Ich beugte mich vor und küsste ihn, während ich weiter die Hüften kreisen ließ.
Er setzte sich auf, ohne aus mir zu gleiten, und plötzlich waren wir Brust an Brust, ich auf seinem Schoß, seine Arme um meinen Rücken, meine Beine um seine Taille. So war die Bewegung kleiner, tiefer, ein Wiegen statt eines Reitens. Seine Hand glitt zwischen uns, fand meine Klitoris, rieb sie mit zwei Fingern im Takt unseres Wiegens. Ich vergrub das Gesicht an seinem Hals und sagte, nicht aufhören. Er hörte nicht auf. Der zweite Höhepunkt baute sich langsamer auf als der erste, von weiter unten, und als er kam, war er länger: ein Ziehen, das sich wellenweise durch den Bauch warf, die Innenmuskeln um ihn krampften, und ich hielt mich an seinen Schultern fest, den Mund offen an seiner Haut, unfähig, mehr zu sagen als seinen Namen und ein Ja, das sich wiederholte, bis das Zittern nachließ.
Er hielt mich, während ich nachatmete, immer noch in mir, immer noch hart. Ich fragte, ob er kommen wolle. Er sagte ja, aber er wolle wissen, wo. Ich dachte einen Herzschlag lang an das Bett, an die Wäsche, an den Morgen. Dann sagte ich, in mir, ich nehme die Pille, und ich will es spüren. Er suchte meinen Blick. Sicher, fragte er. Ich sagte sicher. Er legte mich wieder auf den Rücken, kam über mich, drang ein, und diesmal war das Tempo seines. Nicht grob, aber nicht mehr das geduldige Prüfen von vorhin. Längere Stöße, fester am Ende, sein Atem an meinem Ohr, eine Hand in meinem Haar, die andere unter meinem Knie, das er höher schob. Ich nahm ihn, offen, empfindlich nach dem zweiten Kommen, und jedes Hineingleiten war fast zu viel und trotzdem willkommen.
Er sagte, er sei gleich soweit. Ich hielt sein Gesicht zwischen den Händen und sagte, sieh mich an. Er sah mich an, grau, dunkel, die Kontrolle am Ende, und stieß noch dreimal tief, dann blieb er in mir und kam. Ich spürte das Pulsieren, das warme Auslaufen, sein Stöhnen, das er nicht mehr dämpfte, den Namen, den er an meinen Mund drückte. Lena. Nicht Frau, nicht Kunde, nicht die Ehefrau aus dem leeren Haus. Lena. Ich hielt ihn, während er zuckte und dann schwerer wurde, das Gesicht an meinem Hals, der Atem heiß und unregelmäßig.
Wir blieben so, bis sein Gewicht zu viel wurde und er sich zur Seite rollte, noch mit einer Hand auf meinem Bauch. Zwischen meinen Beinen war es nass, warm, sein Samen und meine eigene Feuchte, ein Gefühl, das ich nicht sofort wegwischen wollte. Er strich mit dem Daumen über meine Hüfte und fragte, ob es mir gut gehe. Ich sagte ja. Dann sagte ich, es gehe mir zu gut für das, was das bedeute, und er verstand auch das, ohne es klein zu reden. Er stand auf, holte ein Handtuch aus dem Bad, ohne zu fragen, welches, und reichte es mir. Ich trocknete mich ab, langsam, und er setzte sich auf die Bettkante, nackt, die Ellbogen auf den Knien, und sah auf den Boden, nicht weg von mir, nur in die Stille hinein, die nach dem Lärm kam.
Ich legte das Handtuch beiseite und setzte mich neben ihn. Unsere Schultern berührten sich. Draußen fuhr ein Auto vorbei, das Licht strich über die Decke und verschwand. Im Bad tropfte nichts mehr. Diese Stille war neu und zugleich schwerer als das alte Geräusch. Ich sagte, ich werde das nicht erzählen. Er sagte, er werde es auch nicht erzählen. Keiner von uns nannte das Wort Betrug, und doch saß es zwischen uns auf der Matratze, nicht als Vorwurf, sondern als Tatsache, die man nicht wegwischt wie Staub von einer Wanne. Ich hatte ihn gebeten. Er hatte gefragt. Ich hatte ja gesagt, mehr als einmal. Die Bitte ließ sich nicht zurücknehmen, und der Abend ließ sich nicht ungeschehen machen, auch wenn wir jetzt wieder angezogen aus diesem Zimmer gehen würden.
Er zog sich im Schlafzimmer an, ich im Bad, vor dem Spiegel, in dem mein Mund noch gerötet war und die Haut an meinem Hals eine leichte Röte trug, wo sein Kinn gewesen war. Ich strich mit den Fingern darüber und ließ sie liegen. Als ich herauskam, stand er in der Diele, die Werkzeugtasche in der Hand, die Rechnung auf dem Schuhschrank, mit der Summe und seiner Unterschrift. Er sagte, die Leitung halte. Wenn doch etwas sei, solle ich anrufen, und er meine damit den Hahn, nicht die Nacht, es sei denn, ich wolle beides. Ich nickte. Ich wusste nicht, ob ich anrufen würde. Ich wusste nur, dass die Nummer jetzt eine andere Bedeutung hatte als am Dienstag.
An der Tür küsste er mich noch einmal, kurz, ohne die Tasche abzusetzen, ein Kuss, der nicht neu anfing und doch nicht nur ein Abschied war. Dann ging er über den Kies zur Straße, der Wagen sprang an, die Scheinwerfer schnitten durch die Hecke, und er war fort. Ich schloss die Tür, drehte den Schlüssel und blieb in der Diele stehen, barfuß, das Kleid wieder am Körper, die Haut darunter noch wach. Aus dem Bad kam kein Tropfen. Ich ging hinein, drehte den Hahn auf, hielt die Hand unter das Wasser, wie er es getan hatte, und drehte wieder zu. Nichts schlug nach. Die Fuge um die neue Fliese war noch weich an einer Stelle. Ich berührte sie nicht.
Im Schlafzimmer roch das Bett nach uns. Ich zog die Laken ab, nicht aus Reue, sondern weil ich morgen nicht in diesem Geruch aufwachen und so tun wollte, als sei nur ein Traum gewesen. Ich stopfte sie in die Maschine, stellte sie an, und das Brummen füllte die Küche, wo vor einer Stunde noch seine Tasse gestanden hatte. Ich spülte die Tasse aus. Der Kaffeesatz zeichnete einen Ring, den ich mit dem Daumen löste. Danach setzte ich mich an den Tisch, an denselben Stuhl, und legte die Hände flach auf das Holz. Sie zitterten nicht mehr. Sie waren nur warm.
Stefans Nachricht kam um 23 Uhr. Eine Zeile: Schlafe schon fast, morgen wieder früh. Ich schrieb zurück, die Leitung sei repariert, der Handwerker fertig, das Haus still. Drei Wahrheiten, und zwischen ihnen die eine, die nicht in eine Nachricht passte. Ich legte das Telefon weg und löschte das Licht in der Küche. Im Dunkeln hörte ich die Waschmaschine, das Wasser in den Rohren, ein anderes Wasser als das, welches elf Tage lang auf Email geschlagen hatte. Ich dachte an Markus' Hände an meinem Gesicht, an die Frage, ob ich sicher sei, an mein Ja, das ich nicht zurückholen konnte und nicht zurückholen wollte.
Ich ging ins Bett, auf meine Seite, das frische Laken kühl, Stefans Kissen unberührt am anderen Rand. Der Körper erinnerte sich genauer als der Kopf: an die Dehnung, an die Zunge, an das Pulsieren, als er in mir gekommen war, an das Wort schön. Zwischen den Beinen war ein leichtes Ziehen, nicht Schmerz, nur die Spur von etwas, das stattgefunden hatte. Ich legte eine Hand auf den Bauch und ließ sie dort. Draußen regnete es an, fein, gegen das Fenster. Drinnen blieb der Hahn still. Die Bitte stand trotzdem im Haus, nicht laut, nicht tropfend, sondern fest wie eine neue Fuge, die man nicht mehr öffnet, ohne die Wand erneut aufzubrechen.
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