Die letzte Nacht an der Hotelbar
Fremdgehen · 24 Minuten lesen · 32 Minuten hören
Gelesen von Meher
Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (1)
Die Hotelbar lag eine halbe Etage unter der Straße, und das Licht fiel so warm und niedrig, dass die Flaschen hinter dem Tresen wie eine stille Reihe glühten. Ich saß am äußersten Hocker, die Beine übereinandergeschlagen, und hielt ein Glas Weißwein, an dem ich kaum nippte. Morgen früh fuhr mein Zug. Die Präsentation war gehalten, die Kollegen schon in ihren Wagen, und von der Stadt, die ich drei Tage lang kaum gesehen hatte, blieb nur noch diese eine Nacht.
Ich war dreiunddreißig und seit sechs Jahren mit Markus zusammen. Er hatte vor einer Stunde angerufen, müde und vertraut, und von der Waschmaschine erzählt, die wieder klapperte. Ich hatte an den richtigen Stellen gelacht und das Gespräch beendet, weil angeblich der Fahrstuhl zu laut gewesen war. Das stimmte nicht. Ich hatte aufgelegt, weil seine Stimme in diesem dunklen Raum zu eng geworden war, und weil ich mich zum ersten Mal seit Monaten wieder als jemand fühlte, der noch etwas wählen konnte.
Der Wein schmeckte nach Grün und nach zu viel Kühlung. Ich stellte das Glas ab und sah auf meine Hände. Der Ring, den ich im Alltag trug, lag im Necessaire oben im Zimmer. Ich hatte ihn am ersten Abend abgenommen, ohne mir einen Grund zu nennen, und seitdem nicht wieder angesteckt. Das war keine Entscheidung gewesen. Es war nur eine kleine, feige Geste, und ich kannte mich gut genug, um sie nicht zu beschönigen.
Er setzte sich zwei Hocker weiter, nicht direkt neben mich, und bestellte einen Whiskey ohne Eis. Seine Stimme war ruhig, ein wenig heiser, als hätte er den Tag über zu viel gesprochen. Ich schätzte ihn auf Ende dreißig. Später sagte er, er sei vierzig, und das passte zu den feinen Linien an seinen Augen und zu der Art, wie er das Glas hielt: nicht eilig, nicht zur Schau gestellt. Er trug ein dunkles Hemd, die oberen Knöpfe offen, und die Ärmel waren einmal umgeschlagen.
Eine Weile sprachen wir nicht. Der Mann hinter dem Tresen polierte Gläser und verschwand dann in eine Tür, aus der Geschirrklappern kam. In der Bar saßen noch zwei Frauen an einem Tisch und ein älterer Herr mit einer Zeitung, die er nicht las. Die Stadt draußen war nur ein gedämpftes Rauschen. Ich spürte den Blick des Fremden, bevor ich ihn erwiderte, und als ich den Kopf wandte, sah er nicht weg.
Er lächelte knapp, ohne die Zähne zu zeigen. Ich nickte, ebenso knapp, und wandte mich wieder meinem Glas zu. Mein Puls war trotzdem schneller geworden. Es war lächerlich und zugleich sehr klar. Drei Tage hatte ich in Besprechungsräumen gesessen, höflich gelächelt und Zahlen erklärt, und jetzt reichte ein Blick über poliertes Holz, um mir die Haut am Hals warm zu machen.
Er rückte nicht näher. Er trank, stellte das Glas ab und sagte, der Wein sehe aus, als wolle er nicht getrunken werden. Ich lachte leise, überrascht von der Genauigkeit. Dann sagte ich, der Wein sei in Ordnung und ich sei nur nicht hungrig auf ihn. Er nickte, als verstehe er den Unterschied, und fragte, ob ich auf jemanden warte. Ich sagte nein. Das Wort kam leichter heraus, als es hätte kommen dürfen.
Wir stellten uns vor. Ich hieß Anna. Er hieß Julian. Er war wegen einer Vertragsverhandlung in der Stadt, ebenfalls am letzten Abend, ebenfalls allein. Seine Kollegen waren schon fort. Er sprach nicht viel über die Arbeit, und ich war dankbar dafür. Ich hatte keine Lust, noch einmal die Folien zu erklären, die ich den ganzen Tag verteidigt hatte. Stattdessen sprachen wir über Züge, über Hotels, die alle gleich rochen, und über das seltsame Gefühl, in einer fremden Stadt plötzlich keine Aufgabe mehr zu haben.
Er fragte nicht sofort nach einem Mann zu Hause. Ich sagte es trotzdem, irgendwann zwischen dem zweiten Schluck und dem Moment, in dem der Tresenmann unser beider Gläser nachfüllte, ohne gefragt zu werden. Ich sagte, es gebe jemanden, und dass ich morgen zurückfahre. Julian hörte zu, ohne das Gesicht zu verziehen. Er sagte, er wolle nichts, was ich nicht wolle. Dann schwieg er und ließ mir den Satz, statt ihn mit einem Scherz zuzudecken.
Ich hätte aufstehen können. Das Zimmer lag im vierten Stock, der Schlüssel in der Tasche, der Zug um sieben. Nichts hielt mich auf dem Hocker außer dem, was ich selbst dort ließ. Ich blieb. Ich drehte das Glas zwischen den Fingern und sah auf seine Hände, die ruhig auf dem Holz lagen, groß und trocken, mit einer kleinen Narbe am Knöchel. Ich fragte nicht, woher die Narbe kam. Ich wollte keine Geschichte, die ich mir später merken musste.
Er erzählte von einer Wohnung in einer anderen Stadt, die er seit einem Jahr allein bewohnte. Keine Klage, nur eine Tatsache. Ich erzählte von der Küche zu Hause, in der morgens immer das Radio lief, und davon, dass ich die Sender nicht mehr kannte, weil Markus sie einstellte. Während ich das sagte, merkte ich, wie fern das klang, als beschriebe ich die Wohnung einer Bekannten. Julian sah mich an und sagte nichts Tröstendes. Dafür mochte ich ihn in diesem Augenblick mehr, als vernünftig war.
Unsere Knie fanden sich, als ich mich etwas drehte. Es war kein Versehen. Der Stoff seiner Hose war warm, und ich zog das Bein nicht zurück. Ein kleines, elektrisches Ziehen lief mir vom Knie hinauf in den Oberschenkel. Ich atmete flacher. Er bemerkte es, denn sein Blick wurde dunkler und zugleich vorsichtiger, als wolle er die Bewegung nicht durch ein zu schnelles Wort zerstören.
Wir sprachen leiser. Er fragte, was ich an diesem Abend noch vorgehabt hätte, wenn er nicht gekommen wäre. Ich sagte, ich hätte den Wein ausgetrunken, eine Weile auf das dunkle Fenster gestarrt und dann schlecht geschlafen. Er lächelte zum ersten Mal richtig, und das Lächeln veränderte sein Gesicht. Es wurde jünger und zugleich müder. Ich dachte, dass ich dieses Lächeln morgen nicht mehr sehen würde, und der Gedanke machte mich nicht traurig genug, um aufzuhören.
Er legte die Hand nicht auf mein Knie. Er ließ sie auf dem Tresen, dicht neben meiner, und wartete. Ich schob meine Finger die letzten Zentimeter, bis die Außenseiten sich berührten. Seine Haut war wärmer als meine. Ich spürte den Puls in meinem eigenen Handgelenk und war sicher, dass er ihn auch spürte, obwohl das Unsinn war. Der Tresenmann kam zurück, sah die Gläser und ging wieder, ohne uns anzusprechen. Die beiden Frauen lachten über etwas, das uns nichts anging.
Julian sagte, er habe ein Zimmer im fünften Stock, mit einem Fenster zur Hofseite, wo es ruhiger sei. Er sagte es ohne Druck, fast beiläufig, und fügte hinzu, dass ich auch einfach hier sitzen bleiben könne, bis die Bar schloss. Ich sah ihn an und spürte, wie sich in mir etwas entschied, das schon den ganzen Abend entschieden gewesen war. Ich sagte, ich wolle mitkommen. Nur diese Nacht. Kein Frühstück, keine Nummer, kein Versprechen, das ich morgen nicht halten konnte.
Er nickte langsam. Dann fragte er noch einmal, ob ich sicher sei, und ich sagte ja, mit einer Stimme, die fester war als mein Magen. Ich wollte das. Ich wollte seine Hände, seinen Mund, den fremden Raum und die Stunde, in der niemand von mir eine vernünftige Version erwartete. Dass ich damit Markus betrog, wusste ich genau. Ich schob das Wissen nicht weg. Ich nahm es mit, wie man einen Mantel mitnimmt, den man im Flur nicht ablegen will.
Wir zahlten getrennt. Ich bestand darauf, und er widersprach nicht. Im Fahrstuhl standen wir zuerst mit Abstand, die Zahlen kletterten, und das Licht war grell nach der Bar. Ich sah uns im Spiegel: mein Kleid dunkelblau, die Träger schmal, das Haar aus dem Knoten gelöst, weil ich die Nadeln schon am Tresen herausgezogen hatte. Er stand halb hinter mir. Unsere Blicke trafen sich im Glas, und dann drehte ich mich um und küsste ihn.
Der Kuss war zuerst vorsichtig, nur Mund auf Mund, ein Fragen. Ich öffnete die Lippen, und er folgte, langsam, mit einer Zunge, die nicht drängte, sondern kostete. Er schmeckte nach Whiskey und nach etwas Sauberem, nach Minze vielleicht, die er vor der Bar benutzt hatte. Seine Hand legte sich an meine Taille, nicht tiefer, und ich spürte durch den Stoff die Wärme seiner Handfläche. Der Fahrstuhl hielt im dritten Stock. Wir lösten uns, atmeten, und niemand stieg ein. Als die Tür wieder zuging, zog ich ihn zurück an mich.
Im Flur roch es nach Teppichreiniger und nach der kühlen Luft der Klimaanlage. Seine Schlüsselkarte klickte, die Tür fiel hinter uns ins Schloss, und das Zimmer war dunkel bis auf die Stadt, die durch einen Spalt der Vorhänge hereinkam. Er machte kein großes Licht. Eine kleine Lampe neben dem Bett reichte, gelb und schmal. Ich stellte meine Tasche auf den Stuhl und zog die Schuhe aus. Der Teppich war weich unter den Sohlen. Mein Herz schlug so laut, dass ich glaubte, er müsse es hören.
Julian kam nicht sofort auf mich zu. Er zog das Hemd aus der Hose, öffnete aber die Knöpfe nicht, und sah mich an, als wolle er sich das Bild merken, bevor es sich bewegte. Ich sagte noch einmal, dass ich das wolle. Er sagte, er auch. Dann kam er heran, legte beide Hände an mein Gesicht und küsste mich länger als im Fahrstuhl. Diesmal war mehr Hunger darin. Ich stellte mich auf die Zehen, obwohl ich die Schuhe schon aus hatte, und presste mich an seine Brust.
Seine Hände wanderten über meine Schultern, die Arme hinab, wieder hinauf zu den Trägern. Er fragte, ob er das Kleid öffnen dürfe. Ich sagte ja und drehte mich um. Der Reißverschluss lief langsam, Zahn um Zahn, und kühle Luft traf meinen Rücken. Er küsste die Stelle zwischen den Schulterblättern, dann den Nacken, und ich schloss die Augen. Das Kleid rutschte, ich half mit den Armen, und es fiel um meine Füße. Darunter trug ich einen schlichten schwarzen BH und einen ebenso schlichten Slip. Nichts für einen fremden Blick gewählt, und gerade das machte mich heiß vor Scham und vor Lust zugleich.
Er drehte mich wieder zu sich. Sein Blick ging über meine Brüste, meinen Bauch, die Hüften, ohne zu hetzen. Ich war nicht mehr die Frau aus den Folien. Ich war Haut und Atem und ein nasser Anfang zwischen den Beinen. Er strich mit dem Daumen über die Kante des BH, fragte mit den Augen, und ich nickte. Der Verschluss ging auf. Meine Brüste fielen ein wenig, schwer und warm, die Warzen schon hart von der Luft und von seinem Blick. Er umfasste sie, wog sie, und senkte den Mund auf die linke.
Die Zunge war feucht und genau. Er sog nicht grob, er umkreiste die Warze, nahm sie zwischen die Lippen und ließ sie wieder los, nur um sie gleich neu zu finden. Ein Ziehen lief von der Brust direkt in meinen Schoß. Ich griff in sein Haar, das kurz und dicht war, und hielt ihn dort. Mit der anderen Hand öffnete ich sein Hemd, Knopf für Knopf, bis ich die Haut seiner Brust unter den Fingern hatte. Er war fest, nicht übertrieben trainiert, mit dunklem Haar, das sich zur Mitte hin verjüngte. Ich strich darüber und spürte, wie sein Atem an meiner Brust stockte.
Er ging in die Knie. Das überraschte mich, obwohl ich es gewollt hatte, sobald seine Hände an meinen Hüften lagen. Er küsste den Bauch, den Rand des Slips, die Innenseite des Oberschenkels. Ich stellte die Beine etwas auseinander, die Knie weich. Er zog den Stoff zur Seite, nicht sofort herunter, und atmete gegen mich. Die Wärme seines Atems auf der schon feuchten Haut ließ mich leise aufstöhnen. Ich sagte seinen Namen, einmal, damit er wusste, dass ich da war und dass er weitergehen sollte.
Er zog den Slip über die Hüften und die Beine hinab. Ich stieg heraus. Dann war sein Mund auf mir, offen und geduldig. Die Zunge teilte mich, fand die Klitoris und blieb dort, nicht wild, sondern in einem gleichmäßigen, nassen Kreis. Meine Hände suchten Halt am Bettpfosten. Ich sah hinunter und sah seinen Nacken, die geschlossenen Augen, die Hände, die meine Oberschenkel hielten, als wolle er mich nicht drängen und zugleich nicht loslassen. Das Bild brannte sich ein. Ich würde es morgen im Zug noch sehen, das wusste ich schon.
Er wechselte den Druck. Mal flach und breit, mal mit der Zungenspitze, mal sog er sanft, bis meine Hüften von selbst gegen seinen Mund gingen. Zwei Finger kamen dazu, langsam, und glitten in mich hinein. Ich war nass genug, dass es leicht ging, und das Geräusch war leise und eindeutig. Er krümmte die Finger, suchte, fand die Stelle, an der es tiefer wurde, und hielt den Rhythmus mit der Zunge. Ich biss mir auf die Lippe und ließ sie wieder los. Hier musste niemand höflich sein.
Die Spannung zog sich zusammen, eng und heiß, von den Zehen bis unter die Rippen. Ich sagte, dass ich komme, und er blieb genau dort, ohne das Tempo zu ändern. Der Orgasmus kam in einer langen, zitternden Welle. Meine Schenkel schlossen sich um seinen Kopf, dann öffneten sie sich wieder, weil es zu viel war und zugleich nicht genug. Ich stöhnte offen, den Kopf in den Nacken, und spürte, wie ich um seine Finger pulsierte. Er küsste mich durch das Nachbeben, leichter jetzt, bis ich seine Haare packte und ihn nach oben zog.
Sein Mund schmeckte nach mir. Ich küsste ihn trotzdem, hungrig, und öffnete seinen Gürtel. Die Hose rutschte, die Shorts folgten, und sein Schwanz sprang gegen meinen Bauch, hart, warm, schwerer als ich erwartet hatte. Ich umfasste ihn. Die Haut war seidig über der Härte, die Spitze schon feucht. Er atmete scharf aus, als ich die Hand einmal von der Wurzel bis zur Eichel führte. Ich wollte ihn sehen. Ich wollte ihn schmecken. Die Scham von vorhin war noch da, aber sie hatte die Seite gewechselt und machte mich nur noch williger.
Ich drückte ihn auf die Bettkante und kniete mich zwischen seine Beine. Der Teppich war weich an den Knien. Ich sah zu ihm auf, und er strich mir das Haar aus dem Gesicht, eine Geste, die fast zärtlich war und mich für eine Sekunde an etwas erinnerte, das ich nicht denken wollte. Dann nahm ich ihn in den Mund. Zuerst nur die Spitze, die Zunge darunter, salzig und glatt. Dann tiefer, so weit ich konnte, die Hand um das, was nicht hineinpasste. Er stöhnte leise, ein dunkler Laut, und seine Finger blieben in meinem Haar, ohne zu drücken.
Ich fand einen Rhythmus. Lippen fest, Zunge beweglich, die andere Hand an seinen Hoden, die sich schwer und warm anfühlten. Er sagte meinen Namen. Er sagte, dass es gut sei, dass ich aufhören solle, wenn ich wolle, und dass er sonst nicht lange durchhalte. Ich wollte ihn noch nicht kommen lassen. Ich wollte ihn in mir. Also ließ ich ihn aus dem Mund gleiten, küsste die feuchte Spitze und stand auf. Meine Knie zitterten ein wenig. Er zog mich auf seinen Schoß, und wir küssten uns, während sein Schwanz zwischen uns lag, heiß an meinem Bauch.
Er griff nach seiner Tasche, die neben dem Bett stand, und holte ein Kondom heraus. Die Geste war nüchtern und richtig. Ich nahm ihm die Packung ab, riss sie auf und rollte das Gummi über ihn, langsam, damit ich die Härte unter den Fingern behielt. Er beobachtete meine Hände. Als ich fertig war, fragte er, wie ich ihn wolle. Ich sagte, zuerst so, ich über ihm, damit ich das Tempo bestimme. Er legte sich zurück, die Hände an meinen Hüften, und wartete.
Ich setzte mich über ihn und führte ihn an meinen Eingang. Die erste Dehnung war deutlich, ein langsames Auseinandergehen, das mich den Atem anhalten ließ. Ich sank Millimeter um Millimeter, bis er ganz in mir war. Voll. Warm trotz des Gummis, oder vielleicht bildete ich mir die Wärme nur ein, weil alles andere so heiß war. Ich blieb einen Moment still, die Hände auf seiner Brust, und gewöhnte mich an die Fülle. Er streichelte meine Oberschenkel und sagte nichts. Sein Gesicht war offen, die Lippen leicht getrennt, die Augen dunkel.
Dann bewegte ich mich. Zuerst klein, ein Kreisen, das ihn in mir verschob, ohne dass ich ihn verlor. Die Reibung traf genau dort, wo ich empfindlich war, und ein neues Ziehen baute sich auf, tiefer als vorhin. Ich richtete mich auf und ritt ihn in längeren Zügen, hob das Becken und ließ es wieder sinken. Meine Brüste bewegten sich mit. Er umfasste sie, die Daumen an den Warzen, und jedes Mal, wenn ich mich senkte, stieß ein leises Geräusch aus mir heraus, das ich nicht mehr kontrollierte.
Das Zimmer war nur noch Lampe, Atem und das leise Schlagen der Haut. Ich beugte mich vor und küsste ihn, während ich weiterbewegte, flacher jetzt, die Klitoris an seinem Schambein. Er stöhnte in meinen Mund. Seine Hände glitten auf meinen Hintern und halfen dem Rhythmus, ohne ihn zu übernehmen. Ich spürte, wie sich alles wieder zusammenzog, schneller diesmal, weil ich schon einmal gekommen war und der Körper keine Umwege mehr brauchte. Ich sagte ihm, er solle bleiben, genau so, und er blieb.
Der zweite Orgasmus war schärfer. Er riss mir ein heiseres Keuchen aus der Kehle, und ich presste mich auf ihn, die Innenmuskeln eng um seinen Schwanz, die Stirn an seiner Schulter. Wellen liefen durch den Bauch, durch die Schenkel, bis in die Fingerspitzen. Ich zitterte und lachte einmal, kurz und ungläubig, weil es so gut war und weil ich nicht erwartet hatte, in einem Hotelzimmer über einer Bar so vollständig zu verschwinden. Er hielt mich, küsste meine Schläfe und wartete, bis das Zittern nachließ.
Als ich wieder sehen konnte, wollte ich mehr von ihm, nicht nur von mir. Ich stieg von ihm herunter, drehte mich auf die Knie und stützte die Unterarme auf die Matratze. Das Laken war kühl an der Haut. Ich sah über die Schulter. Julian kniete sich hinter mich, die Hände an meinen Hüften, und strich einmal mit der Eichel durch meine Nässe, bevor er wieder eindrang. Der Winkel war anders, tiefer, und ich drückte das Gesicht ins Kissen, um nicht zu laut zu werden. Die Wände in solchen Häusern sind dünn. Es war mir nicht gleichgültig genug, um das zu vergessen, und zugleich war es mir gleichgültig genug, um weiterzumachen.
Er stieß langsam, dann fester, als ich ihm mit dem Becken entgegenkam. Jeder Stoß traf eine Stelle, die mich die Zehen krümmen ließ. Seine Hand fand meine Klitoris von vorn, zwei Finger, nass von mir, und rieb im Takt. Ich war empfindlich, fast zu sehr, und sagte es. Er wurde leichter mit den Fingern und blieb fest mit den Hüften. Das Gleichgewicht war genau richtig. Ich hörte seinen Atem, rau und nah, und das leise Klatschen, das ich sonst vielleicht geniert hätte und das mich jetzt nur noch nasser machte.
Er beugte sich über meinen Rücken, küsste das Schulterblatt und fragte, ob das so gut sei. Ich sagte ja. Ich sagte, er solle nicht aufhören. Meine Stimme klang fremd, tiefer, belegt. Er griff mit der freien Hand in mein Haar, nicht hart, nur haltend, und ich drückte den Rücken durch, damit er tiefer kam. Eine Weile war nichts mehr in mir außer diesem Rhythmus, dem Druck seiner Finger und dem Wissen, dass ein fremder Mann in mir war, während zu Hause ein anderes Leben auf mich wartete. Der Gedanke hätte mich stoppen müssen. Er machte die Lust nur schärfer und schmutziger, und ich hasste das ein wenig und wollte es trotzdem.
Julian wurde ungleichmäßiger. Seine Stöße kamen kürzer, drängender. Er sagte, er sei nah. Ich sagte, er solle kommen. Ich wollte es spüren, auch durch das Gummi, das Zucken, das Nachgeben. Er stieß noch ein paar Mal tief, hielt sich dann in mir und kam mit einem gepressten Laut, der an meinem Nacken zerbrach. Sein Körper spannte sich, die Hand an meiner Hüfte wurde fest, und ich spürte das Pulsieren in mir. Ich blieb still, damit er den Moment hatte, und atmete mit ihm, bis seine Stirn zwischen meine Schulterblätter sank.
Wir blieben so, verbunden, bis die Beine nachgaben. Er zog sich vorsichtig zurück, entsorgte das Kondom und kam mit einem feuchten Handtuch aus dem Bad zurück. Die Geste war praktisch und rührend zugleich. Ich lag auf der Seite, die Knie angezogen, und ließ ihn mich abtupfen, dort, wo ich nass und empfindlich war. Er war behutsam. Danach legte er sich hinter mich, nicht sofort umfassend, sondern mit ein wenig Abstand, die Hand auf meiner Taille, als frage er noch einmal. Ich zog seinen Arm um mich.
Eine Weile sprachen wir nicht. Die Klimaanlage summte. Draußen hupte ein Auto, weit weg. Mein Körper fühlte sich schwer und weich an, die Innenseiten der Schenkel glänzten noch, und zwischen den Beinen pochte ein angenehmes Nachgeben. Ich roch uns: Haut, Schweiß, den Rest von Whiskey an seinem Atem, mein Parfüm, das sich mit allem vermischt hatte. Julian strich langsam über meinen Bauch. Er fragte, ob es mir gut gehe. Ich sagte ja. Das war nicht die ganze Wahrheit, aber der Teil, der den Körper betraf, stimmte.
Er bot mir Wasser an. Ich trank aus der Flasche auf dem Nachttisch, lauwarm, und gab sie ihm zurück. Wir lagen im gelben Licht und sahen nicht auf die Uhr. Ich wusste trotzdem, dass es spät war. Der Zug wartete nicht. Irgendwann würde ich aufstehen, duschen, das Kleid vom Boden heben und in mein eigenes Zimmer gehen, weil ich nicht in seinem Bett einschlafen wollte. Noch nicht. Noch lag ich da und spürte seinen Schwanz, der halbweich an meinem Gesäß ruhte, und die Wärme seiner Brust an meinem Rücken.
Die Lust war nicht ganz vorbei. Sie lag tiefer, müde und neugierig. Ich drehte mich zu ihm, küsste ihn langsamer als vorhin und legte das Bein über seine Hüfte. Er war nicht sofort wieder hart, und das war mir recht. Ich wollte die Zwischenzeit, das Küssen ohne Ziel, seine Hand, die meinen Rücken hinabfuhr und auf dem Hintern liegen blieb. Wir sprachen in halben Sätzen. Er sagte, ich sei schön, als er mich auf ihm gesehen habe. Ich sagte, sein Mund habe mich um den Verstand gebracht. Es klang schlicht und war trotzdem wahr.
Seine Finger fanden wieder zwischen meine Beine. Ich war geschwollen und glitschig, und die Berührung ließ mich zusammenzucken, dann seufzen. Er rieb langsam, kaum Druck, nur ein Gleiten über die Klitoris, und küsste mich dabei. Ich wurde wieder nass, oder ich war nie aufgehört zu sein. Mein Becken bewegte sich gegen seine Hand. Er schob zwei Finger in mich, der Daumen blieb außen, und ich ritt diese Hand im Liegen, klein und gierig, das Gesicht an seinem Hals. Es dauerte nicht lange. Ein dritter Orgasmus, kürzer, fast schmerzhaft süß, lief durch mich, und ich biss ihm sacht in die Schulter, um nicht zu laut zu sein.
Danach lag ich atemlos auf ihm und lachte leise in seine Haut. Er lachte auch, ein dunkles, zufriedenes Geräusch. Sein Schwanz war wieder hart an meinem Bauch. Ich griff hinunter und streichelte ihn, langsam, ohne Eile. Er fragte, ob ich noch einmal wolle. Ich sagte ja, aber anders, auf dem Rücken, damit ich sein Gesicht sehe. Er holte ein zweites Kondom. Ich half ihm wieder, und dann lag ich in den Kissen, die Beine geöffnet, und er kam über mich.
Diesmal war es langsamer. Er stützte sich auf die Unterarme, sah mir in die Augen und drang in einem langen Zug ein. Ich schlang die Beine um seine Hüften. Der Winkel war tief und nah, Brust an Brust, und jeder Stoß rieb meine Klitoris an ihm. Wir küssten uns zwischen den Atemzügen. Ich hielt sein Gesicht, strich über die Stoppeln an seiner Wange und dachte, dass ich diesen Mann morgen nicht wiedersehen würde und dass genau das die Bedingung war. Er bewegte sich stetig, nicht hetzend, als hätte er die ganze Nacht, obwohl wir beide wussten, dass das nicht stimmte.
Ich sagte ihm, was sich gut anfühlte. Tiefer. Langsamer. Dort bleiben. Er hörte zu. Das allein hätte mich fast wieder an den Rand gebracht, dieses Gehörtwerden, das im Alltag so selten geworden war, dass ich es in einem fremden Bett deutlicher spürte als zu Hause. Ich schob den Vergleich weg und zog ihn enger an mich. Seine Stöße wurden tiefer. Ich kam nicht noch einmal ganz, aber eine lange, warme Welle trug mich, und ich stöhnte in seinen Mund, während er schneller wurde.
Er fragte, ob er kommen dürfe. Ich sagte ja, in mir, so. Er stieß noch ein paar Mal, das Gesicht verzogen vor Lust, und kam mit einem tiefen Laut, die Hüften fest an meine gepresst. Ich hielt ihn mit den Beinen und den Armen und spürte das Zucken, das Nachgeben, das Gewicht, das er mir einen Moment lang ganz überließ. Dann stützte er sich wieder ab, damit er mich nicht erdrückte, und küsste meine Stirn, meine Nase, meinen Mund, leicht und außer Atem.
Wir blieben verbunden, bis er weich wurde. Er zog sich zurück, kümmerte sich um das Kondom und kam ins Bett zurück, diesmal unter die Decke, die er über uns beide zog. Ich lag auf dem Rücken und starrte an die Decke, wo das Licht einen warmen Kreis warf. Mein Körper summte. Zwischen den Beinen war ich wund auf eine gute Art, die mich an jede Bewegung erinnern würde, wenn ich morgen die Treppen zum Bahnsteig hinaufging. Julian lag auf der Seite, den Kopf auf der Hand, und sah mich an, ohne zu fragen, was jetzt komme.
Ich sagte, ich müsse in mein Zimmer. Nicht sofort, aber bevor ich einschliefe. Er nickte. Er sagte, er verstehe das. Kein Versuch, mich zu halten, kein Vorschlag, Nummern zu tauschen, kein Satz darüber, dass das etwas bedeuten müsse. Dafür war ich dankbar und zugleich ein wenig getroffen, was unvernünftig war, weil ich selbst die Regeln gesetzt hatte. Er strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und sagte, die Nacht sei gut gewesen. Ich sagte, ja. Mehr wollte ich nicht sagen, weil mehr gelogen oder zu wahr gewesen wäre.
Wir standen auf. Ich ging ins Bad, duschte kurz und heiß, wusch ihn von mir, so gut das Wasser das konnte, und zog mich mit dem Handtuch ab. Im Spiegel sah ich rote Stellen an den Brüsten, ein leichter Abdruck an der Hüfte, das Haar feucht an den Schläfen. Mein Gesicht war weicher als am Nachmittag und zugleich wacher. Ich erkannte mich. Das war das Unbequeme. Es war keine andere Frau gewesen, die das gewollt hatte.
Als ich zurückkam, hatte er mein Kleid aufgehoben und über den Stuhl gelegt, den Slip daneben, ordentlich, fast rührend. Er trug die Hose wieder, das Hemd offen. Wir küssten uns an der Tür, lang und ohne Eile, ein Abschied, der nicht so tat, als sei er keiner. Ich sagte seinen Namen. Er sagte meinen. Dann trat ich in den Flur, barfuß in den Schuhen, die ich erst im Fahrstuhl richtig anzog, und fuhr in den vierten Stock.
Mein Zimmer war kühl und unberührt. Das Bett war gemacht, die Präsentationsmappe lag auf dem Tisch, der Ring glänzte im Necessaire, als ich die Tasche öffnete. Ich setzte mich auf die Bettkante und hielt ihn eine Weile in der Hand, ohne ihn anzustecken. Markus schlief jetzt vermutlich, das Radio aus, die Waschmaschine still. Ich würde ihm morgen schreiben, dass der Zug pünktlich sei. Ich würde ihn umarmen, wenn ich ankäme. Ich würde nicht erzählen, was in der Bar begonnen und in einem fremden Zimmer geendet hatte.
Ich legte mich angezogen auf die Decke, weil Ausziehen sich nach einem zweiten Anfang angefühlt hätte. Der Körper erinnerte sich trotzdem. Die Innenseite der Schenkel brannte leicht. Die Lippen waren wund vom Küssen. Wenn ich die Augen schloss, sah ich Julians Nacken zwischen meinen Beinen, sein Gesicht über mir, die gelbe Lampe. Die Lust war vorbei, aber sie hatte eine Spur gelegt, die nicht mit dem Wasser abgewaschen war. Ich bereute nicht in dem einfachen Sinn, den ich mir vielleicht gewünscht hätte. Ich wusste nur, dass ich eine Grenze überschritten hatte und dass ich sie mit offenen Augen überschritten hatte.
Gegen fünf wurde es hinter den Vorhängen grau. Ich stand auf, packte, steckte den Ring an und fuhr mit dem Koffer durch die Lobby. Die Bar unten war dunkel, die Stühle hochgestellt, der Tresen leer. Niemand sah mich an, als wäre die Nacht noch an mir zu lesen. Draußen war die Luft kühl und roch nach der Stadt, die ich nicht kennengelernt hatte. Ich ging zum Bahnhof, den Koffer hinter mir, und spürte bei jedem Schritt, was ich getan hatte: nicht als Drama, sondern als eine warme, genaue Erinnerung zwischen den Beinen und als ein Schweigen, das ich nun nach Hause trug.
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