Vier Abende, dann die Nacht
Reife Frau · 23 Minuten lesen · 30 Minuten hören
Gelesen von Lana Weiss
Teil 1 der Serie Im besten Alter (5)
Der Donnerstag roch in meinem Studio immer nach Kork, nach warmem Holz und nach dem stillen Öl, das ich vor dem Kurs auf die Handgelenke tupfte. Ich war achtunddreißig und unterrichtete seit neun Jahren, und die Stunde zwischen halb sieben und acht kannte ich so gut wie meinen eigenen Atem. An diesem Märzabend kam ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte, mit nassen Schuhen und einer neuen Matte unter dem Arm. Er blieb an der Tür stehen, bis ich ihm mit einem Nicken den Platz am Fenster zeigte. Sein Name war Andreas, und er sagte ihn leise, als wolle er den Raum nicht stören.
Ich sah ihn erst richtig, als alle in der Berghaltung standen und das Licht der Laterne durch die hohe Scheibe fiel. Er war groß und schmal in den Schultern, mit einem Gesicht, das weder hastig noch verbraucht wirkte, und mit Händen, die Arbeit kannten. In dieser ersten Stunde wusste ich noch nicht, dass er ebenfalls achtunddreißig war, im selben März geboren, nur elf Tage nach mir. Ich wusste nur, dass mein Blick an ihm hängen blieb, länger als es sich für eine Lehrerin gehörte.
Die Gruppe kannte den Ablauf. Wir atmeten in den Stand, senkten uns in die Vorbeuge und kamen in den herabschauenden Hund, und ich ging zwischen den Matten hindurch, ohne jemanden länger zu berühren als nötig. Bei Andreas stockte mein Schritt. Seine Hüfte kippte zu weit nach vorn, die hintere Ferse hob sich, und die Linie von Ferse zu Scheitel brach über dem unteren Rücken. Ich stellte mich seitlich an ihn, sagte leise, er solle das Becken nur um eine Idee zurücknehmen, und legte die flache Hand an seinen Hüftknochen.
Die Wärme seiner Haut kam durch den Stoff sofort. Er hielt den Atem an, nicht vor Anstrengung, sondern so, wie man innehält, wenn etwas Unerwartetes die Haut trifft. Ich spürte, wie sich der Knochen unter meiner Handfläche ausrichtete, und ich spürte zugleich, dass meine Finger eine Sekunde zu lang liegen blieben. Als ich die Hand wegnahm, blieb die Stelle in meiner Handfläche warm, als hätte der Stoff sie nicht hergegeben. Er sah nicht auf. Nur sein Nacken rötete sich leicht über dem Kragen.
Den Rest der Stunde unterrichtete ich, wie ich immer unterrichtete. Ich zählte Atemzüge, nannte die Übergänge und hielt die Stimme ruhig, auch als ich an seiner Matte vorbeiging und der Geruch von kalter Luft und Zedernholz an ihm hing. In der Schlussentspannung lag er still, die Handflächen offen, und ich saß am Kopfende des Raumes und sollte nichts anderes tun als wachen. Stattdessen sah ich die Linie seines Halses an und schämte mich ein wenig dafür, ohne den Blick gleich abzuwenden.
Als die anderen ihre Matten rollten und in die Nacht hinaustraten, blieb er einen Moment am Fenster stehen und band die Schnürsenkel neu. Er dankte mir für die Stunde, schlicht und ohne jenes Lächeln, mit dem manche Männer eine Lehrerin prüfen. Ich sagte, er solle die Ferse in der nächsten Stunde wieder sinken lassen, und hörte selbst, wie gewöhnlich das klang. Er nickte. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss, und das Studio war plötzlich zu groß für eine einzelne Frau mit einer warmen Handfläche.
Zu Hause stellte ich die Teekanne auf den Herd und vergaß sie, bis das Wasser laut kochte. Ich stand am Spülbecken, die Ärmel hochgeschoben, und betrachtete meine Hände, als gehörten sie nach dieser Stunde jemand anderem. Es war nichts geschehen, sagte ich mir. Eine Korrektur, ein Knochen, ein Atem, der stockte. Trotzdem lag ich später wach und spürte die Stelle an meiner eigenen Hüfte, an der ich ihn berührt hatte, als hätte die Berührung den Weg zurückgesucht.
Am nächsten Abend kam er früher. Der Kurs war eine kurze Reihe, vier Abende hintereinander, und ich hatte nicht damit gerechnet, dass er die ganze Reihe nehmen würde. Er zog die Schuhe aus, stellte sie gerade an die Wand und fragte, ob er die Matte näher ans Fenster legen dürfe, weil ihm die Heizung am Rücken zu warm werde. Ich sagte ja. Während ich die Decken faltete, fragte er nebenbei, ob viele in seinem Alter anfingen, und nannte die Zahl achtunddreißig so beiläufig, dass ich lachen musste.
Ich sagte, ich sei es auch, elf Tage älter, und der Satz hing zwischen uns wie etwas, das man nicht zurücknehmen kann. Er sah mich an, zum ersten Mal richtig, und in diesem Blick lag keine Bewertung meines Körpers und keine Eile. Nur ein Erkennen. Dann kamen die anderen, und wir beide traten in die Rollen zurück, die der Raum von uns verlangte. Ich band mein Haar hoch. Er setzte sich auf die Matte und wartete, die Hände auf den Knien, als hätte das Erkennen nicht stattgefunden.
In der Drehung kniete ich neben ihm und legte eine Hand zwischen seine Schulterblätter, die andere leicht an die Rippen, damit er die Wirbelsäule lang ließ statt sie zu zwingen. Sein Atem ging gegen meine Hand. Ich erklärte der Gruppe den Unterschied zwischen Ziehen und Weiten, und meine Stimme blieb fest, obwohl ich unter der Handfläche seinen Herzschlag zu spüren glaubte. Als er sich tiefer in die Drehung gab, streifte sein Oberarm meine Brust, nur einen Augenblick, durch zwei Lagen Stoff. Keiner von uns entschuldigte sich. Entschuldigungen hätten die Berührung erst benannt.
Nach der Stunde half er, ohne gefragt zu werden, die Blöcke in die Kiste zu räumen. Unsere Finger trafen sich an einem Holzklotz, und wir ließen beide nicht sofort los. Der Klotz war leicht. Es gab keinen Grund, ihn zu zweit zu halten. Trotzdem standen wir so, bis im Flur eine Tür schlug und der Augenblick zerriss. Er sagte, bis morgen, und ich sagte, bis morgen, und beide Sätze meinten mehr als die Stunde.
In der Nacht träumte ich nicht von ihm. Ich lag wach und war ehrlicher als im Traum. Ich dachte an die Breite seiner Hände und daran, wie still er eine Korrektur annahm, ohne sich zu spreizen und ohne sich klein zu machen. Ich dachte an meinen eigenen Körper, der nach Jahren auf der Matte stark war und zugleich weich an Bauch und Hüfte, ein Körper von achtunddreißig, den ich kannte und mochte. Die Wärme zwischen meinen Schenkeln war deutlich. Ich schob die Decke beiseite und legte die Hand auf meinen Bauch, noch nicht tiefer.
Ich wartete, ob das Verlangen nachließ, wenn ich es nur benannte. Es ließ nicht nach. Ich strich über die weiche Haut unter dem Nabel, dann tiefer, durch das kurze Haar, und fand mich schon bereit, glatt und warm. Ich schloss die Augen und sah nicht ein verschwommenes Bild, sondern seine Hand an meiner Hüfte, so wie meine an seiner gewesen war. Zwei Finger kreisten langsam. Ich atmete durch den Mund und hielt mich zurück, weil ich die Spannung nicht in einer Minute verschenken wollte.
Als ich schneller wurde, kam mir sein Nacken in den Sinn, die leichte Röte, und der Augenblick, in dem sein Arm meine Brust gestreift hatte. Ich bog den Rücken, drückte die Ferse in die Matratze und ließ die andere Hand an meiner Brustwarze, die hart geworden war unter der Berührung. Der Höhepunkt kam tief und rollend, nicht grell, und ich presste die Lippen zusammen, damit kein Laut in die stille Wohnung fiel. Danach lag ich mit feuchten Fingern auf dem Bauch und wusste, dass der nächste Abend schwerer werden würde, nicht leichter.
Der dritte Abend brachte Regen. Nur fünf Matten wurden ausgerollt, der Raum wirkte größer, und jedes Geräusch trug weiter. Andreas kam mit nassem Haar und einem dunklen Pullover, den er über die Lehne legte, bevor er das Shirt für die Stunde glatt zog. Ich roch den Regen an ihm, als ich vorbeiging, und darunter wieder das Zedernholz, das ich inzwischen seinem Mantel zuschrieb. Er grüßte mich mit einem Blick, der länger hielt als ein Gruß, und setzte sich dann, als wäre Disziplin eine Form von Höflichkeit zwischen uns.
Ich ließ die Gruppe in die Brücke gehen und kniete mich an sein Kopfende, um die Stellung der Füße zu prüfen. Aus diesem Winkel sah ich seinen Hals, den Ansatz der Brust unter dem Shirt, den ruhigen Bauch, der sich hob. Ich sagte, die Knie sollten über den Fersen bleiben, und legte zwei Finger an sein Schienbein, nur um die Richtung zu zeigen. Seine Augen waren offen und auf mich gerichtet, verkehrt herum, und in ihnen stand eine Frage, die er im Kurs nicht stellen durfte. Ich hielt dem Blick stand, bis ich merkte, dass meine Kehle trocken wurde.
Später, in der Vorbeuge im Stand, trat ich hinter ihn und setzte beide Hände an seine Hüften, um das Becken zu lösen. Mein Brustkorb war nah an seinem Rücken. Ich hätte einen halben Schritt zurücknehmen müssen. Ich tat es nicht sofort. Sein Atem veränderte sich, wurde flacher, und ich spürte durch die dünnen Stoffe die Wärme seines Rückens an meinen Brüsten. Eine Frau am anderen Ende des Raumes fragte nach dem Block, und ich trat weg, als hätte man mich bei etwas ertappt, das noch keinen Namen hatte. Meine Hände zitterten nicht. Sie waren nur zu wach.
Nach dem Kurs blieb er sitzen, bis die anderen gegangen waren, und stand dann auf, ohne die Matte zu rollen. Er sagte meinen Namen, Klara, zum ersten Mal ohne die Höflichkeit des Anmeldens. Ich antwortete mit seinem. Er suchte nach einem Satz und fand nur, der Regen sei stark, und ich sagte, ja, das sei er. Wir lachten beide kurz über die Armut dieser Worte. Dann nahm er seinen Pullover und ging, und an der Tür drehte er sich um, als wolle er noch etwas sagen, und ließ es bleiben.
Ich schloss das Studio ab und stand im Treppenhaus, die Stirn an der kühlen Wand. Vier Abende hatte ich für diese Reihe angesetzt, und drei waren um, und nichts war gesagt worden, was man vor anderen hätte wiederholen können. Trotzdem war mein Körper schon weiter als mein Vorsatz. Auf dem Heimweg spürte ich bei jedem Schritt die Stelle, an der sein Rücken mich gestreift hatte. Ich aß wenig, trank Wasser und legte das Telefon mit dem Display nach unten auf den Tisch, obwohl er meine Nummer nicht hatte und ich seine nicht.
Der vierte Abend begann wie die anderen und war doch von der ersten Minute an anders. Andreas kam als Letzter und als einer, der nicht mehr so tat, als sei er nur wegen des Rückens hier. Er grüßte die Gruppe, rollte die Matte aus und sah mich an, während ich die Kerze am Fenster anzündete, eine kleine Flamme, die ich immer erst kurz vor dem Schluss anzündete und an diesem Abend zu früh. Ich ließ sie brennen. Meine Hände brauchten eine Beschäftigung, die nicht seine Haut war.
Ich unterrichtete kürzer in den Erklärungen und länger in der Stille. In der seitlichen Dehnung kam ich zu ihm und korrigierte den oberen Arm, indem ich sein Handgelenk nur mit zwei Fingern anhob. Die Innenseite seines Gelenks war heiß. Er sagte sehr leise, dass er das spüre, und meinte nicht die Dehnung. Ich antwortete ebenso leise, er solle trotzdem atmen. Es war die ehrlichste Anweisung, die ich an diesem Abend geben konnte. Um uns herum senkten sich andere Körper, ahnungslos und friedlich, und das machte die Spannung zwischen uns noch schmaler und schärfer.
In der Schlussentspannung setzte ich mich nicht an meinen gewohnten Platz. Ich blieb auf den Fersen neben der Tür, die Hände im Schoß, und hörte den Regen an der Scheibe. Andreas lag mit offenen Augen. Das sah ich, weil das Kerzenlicht sich darin fing. Als ich die Stunde beendete und die Stimme durch den Raum schickte, setzte er sich langsamer auf als die anderen. Die Leute dankten, zogen Jacken an, sprachen über den Bus. Ich lächelte, gab Schlüsselworte für den Nacken, öffnete die Tür. Einer nach dem anderen trat hinaus. Dann war der Flur leer.
Andreas rollte seine Matte nicht. Er stand in der Mitte des Raumes, den Pullover in der Hand, und wartete, bis ich den Riegel vorlegte. Ich tat es nicht sofort. Ich fragte, ob er noch eine Frage zur Stunde habe, und gab uns beiden die Möglichkeit, beim Üben zu bleiben. Er sagte, die Frage habe nichts mit der Ferse zu tun. Ich lehnte den Rücken an die Tür, spürte das Holz und sagte, dann solle er sie stellen, bevor ich den Mut verlor, sie zu hören. Draußen fuhr ein Wagen durch eine Pfütze. Drinnen war es still genug, um das Dochtknistern der Kerze zu hören.
Er sagte, seit dem ersten Abend denke er an meine Hand an seiner Hüfte, und es sei ihm wichtig, dass ich das nicht als Ungeschick eines Schülers missverstehe. Er sei ein erwachsener Mann, achtunddreißig, und er könne den Kurs verlassen und nie wiederkommen, wenn mir das lieber sei. Die Worte waren ruhig. Sie drängten nicht. Ich spürte, wie etwas in meiner Brust nachgab, das ich drei Abende lang festgehalten hatte. Ich sagte, ich sei seine Lehrerin in diesem Raum und wolle keine Unklarheit, und ich wolle zugleich nicht so tun, als hätte ich ihn nicht ebenso gespürt.
Wir standen uns gegenüber, noch angezogen, noch mit dem ganzen Abstand einer Mattenlänge. Ich sagte, wenn wir jetzt aufhörten, bleibe der Kurs ein Kurs, und ich werde ihm morgen nicht anders begegnen als heute. Er nickte und sagte, das wisse er. Dann fragte er, ob ich aufhören wolle. Ich sah seine Hände an, die den Pullover hielten, ohne ihn zu kneten, und ich sah den Mund, der die Frage ohne Druck gestellt hatte. Ich sagte nein. Ich wolle nicht aufhören. Ich wolle, dass er bleibt, und ich wolle, dass alles, was nun komme, von uns beiden gewollt sei.
Er legte den Pullover auf die Bank und kam nicht sofort näher. Er fragte, ob er mich küssen dürfe. Ich sagte ja. Das Wort war klein und füllte den Raum. Er überwand die Mattenlänge langsam, blieb eine Handbreit vor mir stehen und hob eine Hand an meine Wange, ohne sie gleich zu legen. Ich neigte das Gesicht in seine Handfläche. Seine Haut war warm und ein wenig rau an der Kuppe des Daumens. Als sein Mund meinen traf, war der Kuss zuerst nur ein Verweilen, Lippe an Lippe, Atem vermischt, kein Drängen.
Ich öffnete den Mund, und er folgte, vorsichtig, dann sicherer, als ich die Hände in sein Shirt legte und ihn näher zog. Der Kuss wurde tiefer. Ich schmeckte Minze und den langen Abend, und ich hörte, wie er leise in meinen Mund atmete, als hätte er diesen Atem seit Tagen zurückgehalten. Meine Brust berührte seinen Brustkorb. Die Spannung der vier Abende lief an dieser einen Stelle zusammen und wurde zu einem klaren, körperlichen Hunger. Ich löste mich nur so weit, dass ich sprechen konnte, und sagte, die Tür.
Er trat zurück, ohne mich loszulassen, eine Hand noch an meiner Taille. Ich drehte den Riegel vor, löschte die Deckenlampe und ließ die Kerze und die Laterne von der Straße. Der Raum wurde zu einem warmen Dunkel mit einem Streifen Licht auf den Korkmatten. Ich kam zu ihm zurück und sagte noch einmal, dass ich das wolle, hier, heute Nacht, und dass er jederzeit stoppen könne, so wie ich. Er sagte, dasselbe gelte für ihn. Dann küsste er mich wieder, und diesmal lag in dem Kuss schon die Nacht und nicht mehr nur die Frage.
Wir zogen uns nicht hastig aus. Ich schob sein Shirt hoch und legte die Handflächen auf seinen Bauch, der unter der Berührung kurz zuckte und sich dann in meine Hände gab. Er hob die Arme, und ich streifte ihm das Shirt über den Kopf. Seine Brust war schmal, die Haut heller als im Gesicht, die Brustwarzen dunkel und schon fest. Ich küsste die eine, langsam, und hörte, wie er die Luft einzog. Seine Hände fanden den Saum meines Oberteils und warteten. Ich nickte an seiner Haut und hob selbst die Arme.
Als der Stoff fiel, stand ich vor ihm in dem einfachen Bustier, das ich unter der Unterrichtskleidung trug. Er sah mich an, nicht gierig im Sinne eines Griffes, sondern aufmerksam, und sagte, ich sei schön. Ich glaubte ihm, weil er es sagte wie eine Feststellung und nicht wie eine Münze. Er öffnete den Verschluss in meinem Rücken, und meine Brüste lagen frei in der kühlen Luft des Studios, voll, mit weichen Unterseiten, die Brustwarzen schon zusammengezogen. Er umfasste sie mit beiden Händen, hob sie leicht und senkte den Mund auf die linke, und die Wärme seiner Zunge lief mir bis in den Bauch.
Ich hielt seinen Kopf und gab ihm das Gewicht meiner Brust, während er saugte und mit der Zunge kreiste. Die andere Hand lag an meiner Taille und glitt dann über die Hüfte, dorthin, wo bei ihm alles begonnen hatte. Ich spürte, wie feucht ich bereits war, ein ziehendes Pochen zwischen den Schenkeln, und ich drückte mich an seinen Oberschenkel, ohne die Bewegung zu verstecken. Er hob den Kopf, sah mich an und fragte, ob er mich weiter ausziehen dürfe. Ich sagte ja und half ihm, die Leggings über die Hüften zu schieben, dann das Höschen, bis beides an meinen Knöcheln lag und ich heraustrat.
Nackt vor ihm zu stehen, im eigenen Studio, auf dem Holz, das ich jeden Abend fegte, war seltsam und richtig zugleich. Ich war nicht einundzwanzig und nicht darauf aus, einen Körper zu spielen, den ich nicht hatte. Mein Bauch war weich, die Schenkel kräftig, die Haut an den Brüsten zeigte die feinen Linien der Jahre. Er kniete sich, ohne dass ich ihn darum bat, und küsste den Bauch unter dem Nabel, dann die Hüftbeuge, dann die Innenseite eines Schenkels. Ich legte eine Hand in sein Haar. Er fragte an meiner Haut, ob er mich mit dem Mund berühren dürfe. Ich sagte, ja, bitte, und spreizte die Füße auf dem warmen Boden.
Sein Mund fand mich ohne Eile. Zuerst nur die äußere Wärme, ein Kuss, dann die Zunge, die die feuchte Linie entlangglitt und oben verharrte, wo das Pochen am deutlichsten war. Ich stöhnte leise und musste mich an seinem Haar festhalten, weil die Knie nachgeben wollten. Er legte eine Hand an meinen Hintern und hielt mich, während er langsamer wurde, kreiste, saugte, wieder weiterstrich. Ich sagte seinen Namen. Er antwortete nicht mit Worten, sondern mit einem gleichmäßigen Rhythmus, der mich höher trieb und mich doch nicht über die Kante stieß. Ich wollte ihn sehen, nicht nur spüren, und zog ihn sanft nach oben.
Wir küssten uns, und ich schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und klar. Ich öffnete seine Hose und schob sie mit der Unterhose über die Hüften. Sein Glied sprang frei, hart, warm, die Haut seidig über der festen Mitte, die Spitze schon feucht. Ich umfasste ihn und strich einmal von der Wurzel bis zur Kuppe, langsam, um das Gewicht und die Wärme zu lernen. Er fluchte leise, kein grobes Wort, nur ein Atem, der zum Laut wurde. Ich führte ihn zur Matte am Fenster, die noch ausgebreitet lag, und sagte, er solle sich setzen.
Er setzte sich, den Rücken leicht gegen die Wand unter der Scheibe, die Beine lang. Ich kniete mich zwischen seine Schenkel, küsste die Innenseite, dann den Ansatz, und nahm ihn in den Mund. Ich ging nicht tief auf Anhieb. Ich ließ die Zunge um die Spitze kreisen, nahm ihn dann weiter auf, eine Hand an der Wurzel, die andere auf seinem Oberschenkel, und fand einen ruhigen Takt. Sein Geschmack war sauber, ein wenig salzig. Er legte die Hand nicht auf meinen Hinterkopf, um zu drücken. Er legte sie an meine Wange und strich mit dem Daumen, während er mit gepresster Stimme sagte, dass er das nicht lange aushalte, wenn ich so weitermache.
Ich ließ von ihm ab, küsste die feuchte Spitze und sagte, ich wolle ihn in mir, aber nicht, bevor wir uns geschützt hätten. Er griff nach der Jacke auf der Bank, ohne Hast, die den Moment zerstört hätte, und holte ein kleines Päckchen hervor. Er sagte, er habe es seit gestern dabei, nicht als Anspruch, nur als Möglichkeit, falls wir beide wollten. Ich nahm es ihm aus der Hand, öffnete es und rollte den Schutz über ihn, langsam, die Finger fest, und sah ihm dabei ins Gesicht. Er beobachtete meine Hände, als wäre auch das eine Berührung, die zählte.
Ich stellte mich über ihn, ein Knie neben seiner Hüfte, und führte ihn mit der Hand an meinen Eingang. Die erste Berührung war heiß, auch durch den dünnen Schutz. Ich senkte mich nur um eine Idee, spürte, wie er mich dehnte, und hielt inne, die Hände auf seinen Schultern. Er fragte, ob es gut sei. Ich sagte ja, mehr als gut, und nahm ihn tiefer, Zentimeter um Zentimeter, bis ich saß und er ganz in mir war. Wir atmeten beide aus, als hätten wir einen langen Weg hinter uns. Die Dehnung war voll, ein süßes Ziehen, kein Schmerz.
Ich bewegte mich zuerst kaum. Ich rollte das Becken, spürte ihn an jeder inneren Stelle und sah, wie seine Augen dunkel wurden. Seine Hände lagen an meinen Hüften, genau dort, wo meine Hand am ersten Abend gelegen hatte, und der Kreis schloss sich in dieser Wärme. Ich hob mich und senkte mich, langsam, dann mit einem deutlicheren Takt, und meine Brüste schwangen leicht vor seinem Mund. Er nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen, während ich ritt, und das doppelte Gefühl ließ mich lauter werden, als ich es in diesem Haus sonst gewesen wäre. Der Regen deckte uns.
Er sagte, ich solle das Tempo bestimmen, und ich tat es. Mal flach und kreisend, sodass die Reibung oben saß, mal tiefer, sodass er mich ganz ausfüllte und ich die Stirn an seine legen musste. Schweiß entstand zwischen unseren Bäuchen. Ich roch uns, Haut und Öl und das Holz des Raumes, und der Geruch gehörte plötzlich nicht mehr zum Unterricht, sondern zu dieser Nacht. Als meine Schenkel zu zittern begannen, lachte ich kurz und atemlos und sagte, ich wolle ihn auch anders, nicht weil dies nicht genüge, sondern weil ich seinen Körper über mir spüren wolle.
Wir lösten uns vorsichtig. Ich legte mich auf die Matte, den Rücken auf dem Kork, ein Knie angewinkelt, und er kam über mich, gestützt auf die Unterarme, damit sein Gewicht mich nicht erdrückte, sondern umgab. Er küsste mich, fragte noch einmal mit einem Blick, und ich führte ihn selbst zurück in mich. Der Winkel war tiefer. Ich schlang ein Bein um seine Hüfte und zog ihn heran, und er begann sich zu bewegen, lange Züge, nicht hart, sondern vollständig. Bei jedem Stoß traf er eine Stelle, die mir die Augen schließen ließ. Ich öffnete sie wieder, weil ich ihn sehen wollte.
Sein Gesicht über mir war ernst vor Lust, der Mund leicht offen, das Haar an der Stirn dunkel. Ich strich über seinen Rücken, spürte die Muskeln arbeiten und kratzte leicht mit den Nägeln, nicht um zu verletzen, sondern um ihn näher zu haben. Er verstand es und wurde eine Idee bestimmter, der Takt fester, das Geräusch unserer Körper leise und feucht im Raum. Ich griff zwischen uns und berührte mich selbst, zwei Finger im Kreis, während er in mir war. Er sah hinunter, sah meine Hand, und ein Laut kam aus seiner Kehle, der mich noch nässer machte.
Die Spannung stieg nicht mehr in Wellen, die man zurückhalten kann. Sie zog sich zusammen, tief im Becken, in den Brüsten, in der Kehle. Ich sagte, dass ich komme, und er hielt den Takt genau so, nicht schneller, nicht flacher, während meine Finger weiterkreisten. Der Höhepunkt brach über mich mit einem langen, offenen Laut. Ich zog mich um ihn zusammen, wieder und wieder, die Ferse in seinen Rücken gedrückt, und für ein paar Atemzüge gab es nur dieses Zucken und sein Gesicht und das Licht der Laterne auf der Wand. Er flüsterte meinen Namen und bewegte sich weiter, sanft durch das Nachbeben, bis ich die Hand aus dem Zwischenraum nahm und sein Gesicht mit beiden Händen hielt.
Ich sagte, er solle nun nicht mehr zurückhalten. Er küsste mich hart und dankbar und nahm einen tieferen Takt auf, noch immer auf den Armen gestützt, noch immer bei mir. Ich hob ihm das Becken entgegen und sah, wie die Beherrschung aus seinen Schultern wich. Sein Atem wurde kurz. Er sagte, er sei soweit, und ich hielt ihn an den Hüften und sagte, ja, ich wolle das spüren. Er kam mit einem gepressten Laut, die Stirn an meiner, die Stöße kurz und tief, und ich spürte das Pulsieren in mir, obwohl der Schutz zwischen uns lag. Danach blieb er in mir, zitternd, und ich strich ihm über den Nacken, bis der Atem länger wurde.
Wir lagen eine Weile so, sein Gewicht nun mehr auf mir, mein Bein noch um ihn, der Schweiß kühlend auf der Haut. Die Kerze war niedriger geworden. Draußen rauschte der Regen gleichmäßiger, als hätte auch er sich gelegt. Andreas hob den Kopf und küsste mich auf die Augenbraue, eine seltsam zärtliche Stelle nach allem, was wir getan hatten. Er fragte, ob ich friere. Ich sagte, ein wenig, und er zog sich vorsichtig aus mir, entsorgte den Schutz in ein Tuch, das ich ihm reichte, und holte seinen Pullover. Er legte ihn über meine Brust und meinen Bauch, nicht als Versteck, sondern als Wärme.
Ich setzte mich auf, den Pullover um die Schultern, und er setzte sich neben mich, nackt, die Schulter an meiner. Wir sprachen nicht sofort. Es gab nichts zu erklären, das der Körper nicht schon gesagt hätte, und doch wollte ich die Nacht nicht in Schweigen enden lassen, das am Morgen missverstanden werden konnte. Ich sagte, dass dies kein Versehen gewesen sei und dass ich es nicht bereue. Er sagte, er auch nicht. Er fragte, ob er morgen noch in den Kurs kommen solle oder ob das für mich den Raum zerstöre. Ich dachte an die Matten, an die anderen, an meine Hand, die wieder korrigieren würde, und an die Grenze, die wir nun kennen mussten.
Ich sagte, der Kurs sei morgen zu Ende, die Reihe sei vorbei, und danach seien wir zwei Erwachsene, die sich außerhalb dieses Raumes treffen könnten, wenn wir das wollten. Kein Schüler, keine Lehrerin, nur Klara und Andreas, beide achtunddreißig, beide klar im Kopf. Er lächelte zum ersten Mal an diesem Abend richtig, ein ruhiges Lächeln, das die Augen erreichte. Er sagte, er wolle mich am Samstag zum Kaffee treffen, bei Tageslicht, mit Schuhen an den Füßen und ohne Matte zwischen uns. Ich sagte ja. Das Wort war wieder klein und wieder groß genug.
Wir zogen uns an, ohne die Eile von Menschen, die sich schämen. Ich band das Haar neu, er half mir, eine Matte gerade zu legen, die wir verrutscht hatten, und die gewöhnliche Geste rührte mich mehr, als ich erwartet hatte. Ich löschte die Kerze mit zwei feuchten Fingern. Er stand an der Tür, die Jacke über dem Arm, und wartete, bis ich den Riegel zurückzog. Im Treppenhaus roch es nach Regen und altem Stein. Er küsste mich noch einmal, kurz, auf den Mund, und sagte, er werde am Samstag um elf an der Ecke sein. Ich sagte, ich werde kommen.
Als er gegangen war, blieb ich noch einen Moment im dunklen Studio und legte die Hand auf die Matte am Fenster, die noch die Wärme unserer Körper hielt. Vier Abende lang hatte die Spannung in diesem Raum gewohnt, in einer Hüfte, in einem Blick, in einem Atem, der stockte. Nun war sie nicht verschwunden, sondern zu etwas geworden, das einen Namen und eine Uhrzeit hatte. Ich schloss ab, trat in den Regen und spürte zwischen den Schenkeln das süße Nachklingen der Nacht, klar und gewollt, während ich nach Hause ging.
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