Im Gewölbe der alten Anziehung
Reife Frau · 36 Minuten lesen · 48 Minuten hören
Gelesen von Meher
Teil 1 der Serie Im besten Alter (2)
Der Abend roch nach nassem Stein und nach Most, der noch in den Leitungen hing. Ich stand im Hof der Kellerei und hielt das schwere Schlüsselbund in der Hand, als hätte ich vergessen, wozu Schlüssel da waren. Über den Reben lag das letzte Licht, dünn und kupfern, und der Wind kam vom Fluss herauf und kühlte mir den Nacken. Ich war 47 und seit dem frühen Morgen auf den Beinen, und trotzdem war da diese Unruhe, die nichts mit Müdigkeit zu tun hatte.
Jonas sollte um sieben kommen. Der Sommelier. Der Mann, mit dem ich vor 12 Jahren aufgehört hatte, als wäre Aufhören eine Entscheidung und nicht ein Riss. Damals war ich 35 gewesen und er 39, beide längst erwachsen, beide schon gezeichnet von anderen Leben, und trotzdem hatten wir uns benommen, als gäbe es nur diesen einen Sommer zwischen Fass und Bett. Er hatte eine Stelle in einer anderen Stadt angenommen. Ich hatte die Kellerei nicht verlassen wollen. Wir hatten uns nicht angeschrien. Wir hatten uns nur immer seltener geschrieben, bis die Stille ordentlicher aussah als jede Erklärung.
Jetzt kam er wegen einer privaten Fassprobe. Ein Händler hatte ihn geschickt, oder er hatte sich schicken lassen. Die Nachricht war knapp gewesen, höflich, mit seinem vollen Namen darunter, als kennten wir uns nur vom Papier. Ich hatte ja geantwortet. Ein einziges Wort, dann die Uhrzeit. Danach hatte ich schlecht geschlafen und am Morgen die Bluse gewählt, die am Hals offen blieb, was ich sonst bei Verkostungen nicht tat.
Ich hörte den Wagen, bevor ich ihn sah. Kies unter Reifen, dann das leise Ausgehen eines Motors. Die Tür. Schritte. Ich blieb unter der Laterne stehen und zwang meine Hände, still zu sein. Der Körper hatte das Warten schon verstanden, bevor der Kopf es zuließ: ein Ziehen tief im Bauch, die Brustwarzen empfindlich unter dem Stoff, die Haut am Nacken wach von der Kühle und von der Erinnerung.
Er war größer in meiner Erinnerung gewesen, oder ich war aufrechter geworden. Das Haar an seinen Schläfen war heller, fast silbern im Kupferlicht, und der Mantel saß ihm, als hätte jemand ihn für genau diese Schultern geschnitten. Er blieb am Rand des Hofs stehen und sah mich an. Einen Moment sagte keiner von uns etwas, weil das Sehen schon zu viel war. Sein Blick ging über mein Gesicht, blieb am Mund, sank nicht gleich auf den Körper und kam doch dort an, ohne sich zu verstecken.
»Marlene«, sagte er.
»Jonas.«
Seine Stimme war tiefer als früher, rauer an den Rändern, und sie traf mich trotzdem an derselben Stelle, irgendwo unter dem Brustbein. Er kam näher. Keine Umarmung zuerst. Nur die Hand, die er mir hinhielt, und ich nahm sie, und die Wärme seiner Handfläche war so vertraut, dass mir der Atem kurz stockte. Der Druck seiner Finger war derselbe wie damals, wenn er mich nachts an der Tür festgehalten hatte, nicht um mich zu hindern, sondern um den Abschied um eine Minute zu verlängern.
»Danke, dass du Zeit hast«, sagte er. »Ich weiß, dass die Lese noch in den Knochen sitzt.«
»Die Lese sitzt immer irgendwo«, sagte ich. »Komm rein, bevor der Hof dich auskühlt.«
Wir gingen durch die niedrige Tür in den Vorraum, wo die Kittel hingen und der Boden nach Kalk roch. Ich gab ihm keinen Kittel. Er zog den Mantel aus und legte ihn über den Haken, an dem früher sein Schal gehangen hatte, und diese kleine Geste machte mich wütend und weich zugleich. Er erinnerte sich an den Haken. Natürlich erinnerte er sich. Ich sah seine Hände am Stoff und dachte daran, wie diese Hände früher meine Hüften gehalten hatten, geduldig und genau, und der Gedanke allein reichte, um mich zwischen den Schenkeln wärmer zu machen.
Im Gewölbe war es kühler. Die Fässer standen in Reihen, dunkel und bauchig, und zwischen ihnen lief der schmale Gang, den ich seit Jahren allein ging, wenn ich nachts nicht schlafen konnte. Ich schaltete nur die kleinen Lampen ein. Das Licht blieb honigfarben und sparsam. Auf dem Eichentisch hatte ich Gläser gestellt, einen Spucknapf aus Stein, Wasser, Brot. Alles ordentlich. Alles so, als wäre dies ein Geschäft und nicht ein Wiedersehen, das mir seit der Nachricht im Magen lag.
»Riesling vom oberen Hang«, sagte ich und zog den ersten Hahn. »12 Monate im Stückfass. Noch nicht auf der Flasche. Du wolltest etwas, das man nicht im Laden findet.«
»Ich wollte etwas, das du gemacht hast«, sagte er.
Ich hielt inne, die Karaffe in der Hand. Der Wein lief klar und blassgold ins Glas. Ich stellte die Karaffe ab und reichte ihm das Glas nicht sofort. Ich hielt es einen Moment, damit meine Finger aufhörten zu zittern, und erst dann gab ich es ihm. Unsere Finger berührten sich am Stiel. Kurz. Absichtlich von seiner Seite, das spürte ich, und von meiner nicht weniger. Die Berührung war klein und trotzdem lief sie mir den Arm hinauf wie eine angekündigte Hand.
Er roch, bevor er trank. Das hatte er immer getan, mit einer Aufmerksamkeit, die mich früher rasend gemacht hatte, weil sie so vollständig war. Er schloss die Augen. Die Linie seines Mundes wurde weicher. Ich kannte dieses Gesicht. Ich hatte es über mir gesehen, unter mir, im Halbdunkel eines Zimmers, das es nicht mehr gab, und ich hatte es auch gesehen, wenn er lachte und der Ernst für einen Moment aus ihm wich. Beides wollte ich wieder. Nicht die Wohnung. Ihn.
»Pfirsichhaut«, sagte er leise. »Nasser Schiefer. Und etwas Warmes, das noch keinen Namen hat. Du lässt ihn atmen.«
»Er ist noch nicht fertig«, sagte ich. »Aber er lügt nicht.«
Er trank einen kleinen Schluck, behielt ihn auf der Zunge, und ich sah, wie sein Hals sich bewegte, als er schluckte. Ein dünner Rest blieb an seiner Unterlippe. Er wischte ihn nicht weg. Ich wollte ihn wegwischen. Ich wollte den Mund auf diese Stelle setzen und schmecken, was der Wein an ihm geworden war. Stattdessen schenkte ich mir selbst ein. Der erste Schluck war vertraut und trotzdem neu, weil er zusah. Säure, Stein, eine Süße, die sich nicht vordrängte. Ich stellte das Glas ab und merkte, dass meine Bluse am Rücken am Körper klebte, obwohl der Keller kühl war.
»Du siehst aus, als gehörtest du hierher«, sagte er.
»Ich gehöre hierher. Das war nie die Frage.«
»Nein.« Er stellte sein Glas neben meines. Die beiden Füße berührten sich auf dem Holz. »Die Frage war immer, ob ich bleiben konnte, ohne dich kleiner zu machen. Ich konnte es nicht. Also bin ich gegangen. Das war kein Edelmut. Das war Angst.«
Ich hatte auf Vorwürfe gewartet oder auf Charme. Nicht auf diesen Satz. Er stand zwischen den Fässern, die Hände leer, und sah mich an, als hätte er 12 Jahre geübt, genau das zu sagen, und als wäre die Übung am Ende nutzlos gewesen, weil die Wahrheit trotzdem zitterte. Ich spürte keinen Drang, ihn zu retten vor dem, was er sagte. Ich spürte den Drang, näher zu treten, und ich blieb trotzdem noch einen Atemzug lang, wo ich war, weil ich das Nähewollen selbst ansehen wollte, bevor ich ihm folgte.
»Ich war nicht klein«, sagte ich. »Ich war wütend. Und ich habe die Wut in die Arbeit gesteckt, bis sie nach Wein schmeckte und nicht mehr nach dir. Das hat lange gedauert. Es hat funktioniert. Meistens.«
»Meistens«, wiederholte er.
»Heute weniger.«
Er nickte, als hätte er nichts anderes erwartet. Eine Weile tranken wir den zweiten Wein, einen Spätburgunder aus einem kühleren Jahr, dunkler, mit einer Herbe, die im Abgang länger blieb als höflich. Ich erklärte ihm den Boden, die Handlese, die Entscheidung, weniger einzugreifen. Er hörte zu, wie man zuhört, wenn man nicht verkaufen, sondern verstehen will. Zwischendurch sah er nicht auf das Glas. Er sah auf meine Hände. Auf den Ausschnitt der Bluse. Auf die Stelle an meinem Hals, wo der Puls sichtbar wurde, wenn ich etwas zurückhielt.
Ich erzählte vom Jahr, von der Hitze im August, von der Nacht, in der ich allein im Keller geblieben war, weil ein Fass nicht ruhig werden wollte. Ich sagte nicht, dass ich in solchen Nächten manchmal an seinen Mund gedacht hatte. Das musste ich nicht sagen. Er hörte es trotzdem, oder er hörte etwas Nahverwandtes, denn sein Blick wurde stiller und direkter. Als ich das dritte Glas einschenkte, einen restsüßen Ausbau, den ich selten herzeigte, streifte sein Handrücken meinen Unterarm. Kein Versehen. Ich ließ den Arm, wo er war. Die Härchen stellten sich auf. Unter der Haut wurde es eng und warm zugleich.
»Du bist schöner geworden«, sagte er, und es klang nicht wie eine Höflichkeit.
Ich lachte kurz, ohne Spott. »Ich bin älter geworden. Das ist nicht dasselbe, auch wenn Männer es manchmal so sagen, wenn sie nicht wissen, wohin mit dem, was sie sehen.«
»Ich weiß, wohin«, sagte er. »Ich sehe eine Frau von 47, die ihren Körper nicht bittet, jünger zu sein. Die Schultern sind ruhiger. Der Mund ist klarer. Die Jahre sitzen in dir, und ich will dich trotzdem so, dass mir die Fachworte ausgehen. Das ist keine Höflichkeit. Das ist ein Problem, das ich seit dem Hof habe. Ich bin 51 und nicht mehr der Mann, der so tut, als wäre Begehren ein Versehen.«
Die Luft im Gewölbe schien enger zu werden, obwohl die Decke hoch war. Ich spürte die Kühle an den Unterarmen und die Wärme unter dem Stoff, dort, wo mein Körper bereits antwortete, bevor mein Mund es tat. Meine Brüste fühlten sich schwerer an in der Bluse. Zwischen den Schenkeln wurde es warm, ein langsames, deutliches Ziehen, und der Stoff der Hose lag auf einmal zu nah an der Haut. Ich verlagerte das Gewicht und spürte, wie feucht ich schon war. Das Wissen darum machte mich nicht verlegen. Es machte mich ehrlich.
»Wenn das ein Problem ist«, sagte ich, »dann haben wir es beide.«
Er stellte das Glas ab. Diesmal ohne den Steinrand zu treffen, leise, kontrolliert. »Marlene. Ich bin nicht hergekommen, um etwas zu nehmen, das du nicht geben willst. Die Probe war echt. Der Wein ist echt. Und wenn du sagst, wir bleiben bei den Gläsern, dann bleiben wir bei den Gläsern, und ich fahre nachher in die Stadt und werde die halbe Nacht wach liegen und das trotzdem achten.«
Ich trat einen Schritt näher. Der Steinboden war hart unter meinen Schuhen. Sein Atem roch nach dem Burgunder und nach ihm, nach dieser trockenen, warmen Note, die kein Fass hergibt. Ich legte die Hand nicht sofort an ihn. Ich ließ ihn sehen, dass ich ihn ansah: den Mund, die Kehle, die Stelle, an der das Hemd über der Brust spannte, die Hände, die er offen hielt, als wollte er nichts greifen, bevor ich es erlaubte.
»Ich will nicht bei den Gläsern bleiben«, sagte ich. »Ich will, dass du mich anfasst. Hier. Heute. Nicht als Wiedergutmachung und nicht als Versprechen für ein Leben, das wir nicht führen. Als das, was es ist. Ich bin einverstanden. Sag mir, ob du es auch bist, mit allem, was dazugehört, und mit dem Recht, jederzeit aufzuhören.«
»Ich bin einverstanden«, sagte er sofort, und seine Stimme war belegt. »Mit allem. Und wenn du stopp sagst, höre ich auf. Dasselbe gilt für mich. Ein Wort reicht. Ich will dich. Nicht eine jüngere Ausgabe von dir und nicht eine Erinnerung. Dich, so wie du jetzt vor mir stehst.«
»Gut.«
Ich legte die Hand an seine Brust. Das Hemd war fein, das Herz darunter nicht. Es schlug schnell. Er hob die Hand und legte sie an meine Wange, fragend noch in der Bewegung, und ich neigte den Kopf in seine Handfläche, damit die Frage beantwortet war, bevor der Kuss kam. Sein Daumen strich einmal über meine Unterlippe. Ich öffnete den Mund einen Spalt und ließ die Zungenspitze seinen Daumen berühren, nur kurz, und sein Atem stockte so hörbar, dass mir ein heißes Ziehen durch den Unterleib ging.
Der Kuss war kein Höflichkeitskuss. Er war langsam und tief und schmeckte nach Stein und nach der Süße, die im Wein noch keinen Namen gehabt hatte. Ich öffnete den Mund, und er folgte, und seine Zunge traf meine mit einer Vertrautheit, die wehtat und gleichzeitig alles in mir lockerte. 12 Jahre fielen nicht weg. Sie wurden nur unwichtig für die Dauer dieses Mundes. Ich griff in sein Haar, fühlte die weicheren Stellen an den Schläfen, zog ihn näher. Er stöhnte in den Kuss, leise, als hätte er nicht vorgehabt, ein Geräusch zu machen. Seine andere Hand fand meine Taille, dann den Rücken, dann den Ansatz meines Pos durch den Stoff. Er drückte nicht grob. Er hielt mich, als wollte er sich vergewissern, dass ich wirklich da war.
Ich drängte mich an ihn. Seine Erektion war deutlich gegen meinen Bauch, heiß selbst durch die Schichten, und das Wissen darum machte mich noch feuchter. Ich rieb mich einmal langsam an ihm und spürte, wie er die Hüften antworten ließ, kontrolliert, fragend. Ich wollte ihn sehen. Ich wollte ihn in mir. Aber ich wollte auch die Langsamkeit, weil Langsamkeit bei uns früher das gewesen war, was aus Hunger etwas Genaues gemacht hatte.
»Warte«, sagte ich an seinem Mund. »Nicht weil ich aufhören will. Weil ich dich ansehen will.«
Er ließ die Hände sinken, nicht weit, nur so, dass ich Raum hatte. Ich öffnete seine Hemdknöpfe, eine nach der anderen, und schob den Stoff von seinen Schultern. Seine Brust war breiter als in meiner Erinnerung, das Haar darauf dunkler mit einzelnen hellen Fäden, die Haut warm und an den Schultern fester von Jahren, die nicht im Keller verbracht worden waren. Ich legte den Mund auf sein Schlüsselbein und küsste mich hinab, bis ich eine Brustwarze mit der Zunge fand. Er atmete scharf ein. Seine Hand lag in meinem Haar, nicht drückend, nur da. Ich leckte über die kleine harte Spitze, sog daran, und er fluchte leise meinen Namen, als wäre der Name selbst schon eine Berührung.
»Darf ich dich ausziehen?« fragte er.
»Ja.«
Er öffnete meine Bluse mit derselben Sorgfalt, die er dem Wein gegeben hatte. Jeder Knopf ein kleines Geräusch im Gewölbe. Als der Stoff auseinanderfiel, stand ich im honigfarbenen Licht in einem einfachen dunklen BH, und ich schämte mich nicht. Meine Brüste waren nicht mehr die von 35. Sie waren voller, weicher, die Haut an den Seiten zeigte die Jahre, und ich mochte sie, weil sie zu dem Leben gehörten, das ich ohne ihn geführt hatte und das trotzdem gut gewesen war. Sein Blick sagte, dass er sie auch mochte. Mehr als mochte. Er sah aus, als hätte ihm jemand etwas zurückgegeben, das er für verloren gehalten hatte, und als wäre das Zurückgegebene besser als die Erinnerung.
»Darf ich?« fragte er, die Finger am Verschluss.
»Ja. Und hör auf, bei jedem Knopf zu fragen, wenn ich schon ja gesagt habe. Frag, wenn du unsicher bist. Sonst fass mich an.«
Er lachte einmal, heiser, und öffnete den BH. Meine Brüste fielen in seine Hände. Die Daumen strichen über die Nippel, die bereits hart waren, empfindlich von der Kühle und von ihm. Ich bog den Rücken durch. Ein Laut kam aus mir, tiefer, als ich erwartet hatte. Er senkte den Kopf und nahm eine Brustwarze in den Mund, saugte, leckte, ließ die Zunge kreisen, während die andere Hand die zweite Brust hielt und den Nippel zwischen den Fingern rollte. Die Empfindung zog gerade hinab zwischen meine Beine. Ich stand mit offener Bluse zwischen den Fässern und hielt mich an seinen Schultern fest, und der Stein unter mir war das Einzige, was noch nüchtern blieb.
Er wechselte die Seite, gab der anderen Brust dieselbe Aufmerksamkeit, und ich spürte, wie meine Knie weicher wurden. Seine Zähne streiften einmal ganz leicht, und ich zuckte nicht weg. Ich drückte mich ihm entgegen und sagte leise, dass das gut war, dass er bleiben sollte, dass er fester saugen durfte. Er tat es. Der Zug an der Brustwarze ging mir durch den ganzen Körper, und ich hörte mich stöhnen, offen, ohne den Laut kleiner zu machen, nur weil die Wände aus Stein waren.
»Jonas«, sagte ich. »Die Hose. Meine. Deine. Ich will Haut.«
Wir zogen uns gegenseitig aus, ungeduldig jetzt, aber nicht hastig im schlechten Sinn. Schuhe, Hose, seine Unterhose, meine. Als ich nackt war, fror ich einen Moment an den Armen und war überall sonst heiß. Er trat einen halben Schritt zurück und sah mich ganz an. Ich ließ es zu. Die weiche Stelle am Bauch, die stärkeren Schenkel, die Narbe an der Hüfte von einem Fassreifen vor Jahren, das dunkle Haar zwischen den Beinen, schon feucht, das spürte ich an der Luft. Sein Schwanz stand hart gegen seinen Bauch, dick, die Spitze glänzend. Ich hatte ihn nicht vergessen. Der Anblick traf mich trotzdem neu, weil der Mann darum herum gealtert war und die Begierde nicht.
»Du bist so schön, dass es unanständig ist«, sagte er.
»Dann sei unanständig«, sagte ich. »Aber komm her. Und lass mich dich auch anfassen, bevor du auf die Knie gehst. Ich will deinen Schwanz in der Hand. Ich will wissen, wie du jetzt darauf reagierst.«
Er kam. Wir küssten uns wieder, nackt, Brust an Brust, sein Schwanz an meinem Bauch, meine Nippel an seiner Haut. Ich schloss die Hand um ihn, fest, und strich langsam von der Wurzel bis zur Spitze. Er war heiß, schwer, die Haut seidig über der Härte, und an der Spitze war er schon feucht. Ich verrieb das mit dem Daumen, und er stöhnte in meinen Mund, die Hüften zuckten einmal nach vorn, dann hielt er sich, weil ich den Takt vorgab. Ich mochte das. Ich mochte die Macht, die keine Demütigung war, sondern Aufmerksamkeit. Ich pumpte ihn langsam, drehte die Hand an der Spitze, und mit der anderen Hand umfasste ich seine Hoden, vorsichtig, dann fester, als er »ja, so« sagte.
»Ich will dich im Mund«, sagte ich. »Nicht lange. Lange genug, dass du weißt, dass ich das will und nicht nur erwidere. Sag mir, wenn ich zu viel werde.«
»Du wirst nicht zu viel«, sagte er. »Aber ich sage es, wenn ich nah bin. Ich will nicht in deinem Mund kommen, wenn du mich danach in dir haben willst. Nicht heute, es sei denn, du änderst das.«
»Gut. Dann merk dir das.«
Ich ging nicht auf die Knie auf den kalten Stein. Ich setzte mich auf die Kante des Tisches, zog ihn näher und beugte mich vor. So hatte ich ihn auf der Höhe meines Mundes, und meine Brüste hingen schwer zwischen uns, und er konnte mich ansehen, während ich ihn aufnahm. Ich leckte einmal über die Spitze, schmeckte Salz und Haut, und nahm ihn dann in den Mund, langsam, so weit, wie es mir gut tat. Meine Zunge lag unter ihm. Meine Lippen schlossen sich fest. Ich bewegte den Kopf und die Hand zusammen, und über mir ging sein Atem kaputt.
Seine Hand lag in meinem Haar, offen, nicht drückend. »Marlene. Das ist… sieh mich an, wenn du kannst.«
Ich sah hoch. Der Anblick seines Gesichts, offen und fast ungläubig, während mein Mund an ihm arbeitete, machte mich so erregt, dass ich die Schenkel zusammenpressen musste. Ich ließ ihn tiefer gleiten, nicht bis zur Grenze, nur bis zu der Stelle, an der ich noch genießen konnte, und summte einmal leise um ihn herum. Er fluchte. Seine Oberschenkel spannten sich. Ich spürte, wie er dicker wurde, wie der Geschmack stärker wurde, und ich löste mich, bevor er mich warnen musste, mit einem letzten langsamen Strich der Zunge.
»Genug«, sagte ich und wischte mir mit dem Handrücken über die Lippe. »Jetzt du. Ich will deinen Mund. Ich bin schon so weit, dass ich nicht mehr höflich darum bitten will.«
Auf dem Tisch stand noch der Wein. Ich schob die Gläser vorsichtig beiseite, nicht weil ich ordentlich sein wollte, sondern weil ich nicht wollte, dass etwas zerbrach und uns aus dem herausriss. Dann setzte ich mich weiter zurück auf die Kante, spreizte die Beine und sah ihn an. Die kühle Luft traf meine feuchten Schamlippen. Ich schämte mich nicht für das Glänzen, das er sehen musste. Es war die ehrlichste Antwort, die mein Körper hatte.
»Koste«, sagte ich. »Nicht den Wein.«
Er verstand. Er kniete sich auf den Stein, und der Anblick dieses Mannes mit den silbernen Schläfen zwischen meinen Schenkeln, im Gewölbe meiner Kellerei, war so direkt, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. Er küsste die Innenseite eines Knies. Dann höher. Langsam, als hätte er Zeit, obwohl sein Atem schon schnell ging. Seine Hände lagen auf meinen Oberschenkeln, die Daumen strichen kleine Kreise, und er sah zwischendurch hoch, um mein Gesicht zu lesen. Ich legte eine Hand in sein Haar und hielt ihn nicht fest. Ich zeigte ihm nur, dass ich blieb.
»Ja«, sagte ich, bevor er fragen konnte. »Genau da. Mit dem Mund.«
Er küsste mich dort, wo ich bereits offen und feucht war. Zuerst nur die Lippen auf meine Schamlippen, ein warmer, deutlicher Druck. Dann die Zunge, breit, von unten nach oben, langsam, und ich stöhnte so laut, dass es im Gewölbe nachhallte. Er leckte mich mit einer Aufmerksamkeit, die nicht spielte: wiederholt, mit kleinen Änderungen, wenn mein Körper ihm sagte, was blieb. Er fand die Klitoris und umkreiste sie, nicht zu hart, nicht zu flüchtig. Meine Hüften hoben sich ihm entgegen. Ich roch uns schon, Wein und Haut und Sex, und der Geruch machte mich noch offener.
»So«, sagte ich. »Ein bisschen fester mit der Zunge. Ja. Jonas. Genau so. Nicht hetzen. Ich will es spüren, nicht nur hinter mich bringen.«
Er hörte zu und machte es besser. Zwei Finger strichen an meinem Eingang entlang, fragend in der Bewegung, und ich nickte, unfähig zu mehr als diesem Nicken und einem heiseren »rein«. Er schob zwei Finger in mich, langsam, und ich war so feucht, dass es leicht ging und trotzdem voll war. Er krümmte sie, suchte, fand die Stelle, die mich enger werden ließ um seine Finger, und leckte gleichzeitig weiter. Das Zusammenspiel war unverschämt gut. Ich hörte das nasse Geräusch seiner Finger und seines Mundes und schämte mich nicht dafür. Es gehörte zu mir. Es gehörte zu dem, was ich ihm gab.
Die Spannung stieg schnell, dann hielt er sie, wurde langsamer, wenn ich zu nah kam, und ich fluchte leise, lachte sogar einmal, atemlos, und zog ihn an den Haaren näher. Meine Brüste hoben und senkten sich. Eine Hand ließ ich in seinem Haar, die andere knetete meine eigene Brust, weil ich die zusätzliche Empfindung wollte und weil er hochsehen und das sehen sollte. Er sah es. Sein Stöhnen vibrierte direkt an meiner Klitoris.
»Nicht aufhören«, sagte ich. »Ich will kommen. An deinem Mund. Jetzt darfst du mich nicht mehr schonen.«
Er hörte auf, mich zu schonen. Die Zunge wurde genauer, die Finger gleichmäßiger, und ich ließ den Kopf in den Nacken fallen, stützte mich auf eine Hand, spreizte die Schenkel weiter. Der Orgasmus kam nicht wie ein Blitz aus dem Nichts. Er kam wie eine Welle, die ich kommen sah und trotzdem nicht aufhalten wollte. Sie erfasste mich vom Unterleib her, zog sich zusammen, löste sich, und ich kam mit einem langen, offenen Laut, die Schenkel zitternd an seinen Schultern, die inneren Muskeln um seine Finger gepresst. Er blieb bei mir, leckte mich durch die Wellen, bis ich seine Stirn berührte und »genug, kurz« sagte, weil alles zu empfindlich wurde.
Er hob den Kopf. Sein Mund glänzte. Er wischte sich nicht sofort ab. Er küsste die Innenseite meines Oberschenkels und stand dann auf, und ich zog ihn an den Hüften zwischen meine Beine. Sein Schwanz streifte meine feuchte Haut, und ich zuckte, überempfindlich und trotzdem schon wieder hungrig. Ich wollte die Leere gefüllt haben. Ich wollte sein Gewicht.
»Ich will dich in mir«, sagte ich. »Hast du etwas dabei, oder sollen wir ohne, und ich sage dir, wie das bei mir ist?«
Er atmete schwer. »Ich habe Kondome im Mantel. Im Vorraum. Ich hole sie, wenn du das willst. Ohne geht bei mir nur, wenn du es ausdrücklich willst und es für dich sicher ist. Ich war vorsichtig in den letzten Jahren. Trotzdem ist das deine Entscheidung, und ich werde sie nicht schöner reden, als sie ist.«
»Hol sie«, sagte ich. »Nicht weil ich dir misstraue. Weil ich es heute so will. Und beeil dich nicht so, dass du im Dunkeln fällst. Ich laufe nicht weg. Ich sitze hier und warte mit offenen Beinen, und das ist keine Drohung. Das ist eine Einladung, die stehen bleibt.«
Er lachte, kurz und echt, und ging nackt in den Vorraum. Ich blieb auf dem Tisch sitzen, eine Hand auf dem Holz, die andere leicht zwischen meinen Schenkeln, nicht um mich weiterzutreiben, nur um die Nässe zu spüren und bei mir zu bleiben. Das Gewölbe hielt die Wärme unserer Körper nicht lange. Die Kühle legte sich auf meine Brustwarzen, auf den feuchten Mund zwischen meinen Beinen, und ich atmete tief und ließ das Zittern zu. Als er zurückkam, hatte er die kleine Folie in der Hand und diesen Blick, der fragte, ohne zu betteln.
Ich nahm ihm die Folie ab, öffnete sie und rollte das Kondom über seinen Schwanz, langsam, die Hand fest um ihn. Er stöhnte, die Stirn an meiner. Ich strich noch einmal die Länge entlang, prüfte den Sitz, und küsste ihn dabei, tief, damit er schmeckte, was er mit mir gemacht hatte, und damit ich schmeckte, dass er noch da war.
»Immer noch ja?« fragte er.
»Immer noch ja. Komm her. Langsam am Anfang. Ich will das Dehnen spüren und dich dabei ansehen.«
Er setzte die Spitze an meinen Eingang. Ich war empfindlich vom ersten Orgasmus und trotzdem bereit, weit, nass, hungrig auf eine Art, die nichts mit Jugend zu tun hatte und alles mit Wahl. Er schob sich in mich, Zentimeter für Zentimeter, und ich hielt seinen Blick. Das Dehnen war deutlich, gut, ein Brennen, das sofort in Fülle überging. Als er ganz in mir war, blieben wir einen Moment so. Seine Hände an meinen Hüften. Meine Beine um ihn. Der Wein irgendwo neben uns, vergessen. Ich spürte ihn pochen in mir und legte die Stirn an seine.
»Beweg dich«, sagte ich.
Er zog sich zurück und stieß wieder hinein, zuerst maßvoll, dann tiefer, als ich die Fersen in seinen Rücken drückte. Der Tisch knarrte. Ich mochte das Geräusch. Es machte das Geschehen wirklich: Holz, Stein, Haut, Atem. Er nahm mich mit einer Aufmerksamkeit, die nicht vorsichtig war und nicht grob. Jeder Stoß traf mich so, dass die Reibung an meiner Klitoris durch den Winkel seines Beckens mitkam, nicht immer, aber oft genug, dass ich anfing, ihm entgegenzukommen. Meine Brüste bewegten sich. Er sah sie an, dann mein Gesicht, und senkte einmal den Kopf, um einen Nippel in den Mund zu nehmen, ohne den Rhythmus zu verlieren.
»Härter«, sagte ich. »Ich zerbreche nicht. Ich bin 47 und ich weiß, was ich haben will. Fass mich an der Hüfte fest und nimm mich so, dass ich es morgen noch spüre, wenn ich durch diesen Gang gehe.«
Er nahm mich härter. Die Stöße wurden kürzer, tiefer, und ich klammerte mich an seine Schultern, den Mund an seinem Hals, und schmeckte Salz. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte ja. Ich sagte, dass er nicht aufhören sollte, und er hörte nicht auf. Eine Hand glitt unter meinen Po und hob mich ein wenig, und der neue Winkel ließ mich aufschreien, kurz und echt. Er hielt inne.
»Zu viel?« fragte er.
»Nein. Genau das. Wieder. Und bleib bei mir, wenn ich laut werde. Laut heißt nicht stopp. Stopp heißt stopp.«
»Verstanden.«
Er fand den Stoß wieder, und ich ließ den Kopf nach hinten sinken, den Hals offen, und er küsste mich dort, während er in mir war, Zähne leicht an der Haut, nicht um zu markieren, sondern um mich noch eine Stelle mehr spüren zu lassen. Ich zog ihn am Haar zurück, nur um ihn zu küssen, schmutzig und tief, und bewegte die Hüften in kleinen Kreisen, wenn er tief in mir blieb. Das rieb meine Klitoris an seinem Körper. Ich jagte die Empfindung nicht. Ich baute sie.
Irgendwann wollte ich mehr Kontrolle über den Winkel. »Warte«, sagte ich. »Ich will mich umdrehen. Von hinten. An der Tischkante. Ist das für dich gut? Wenn der Stein deinen Knien vorhin zu hart war, sag es. Wir können anders.«
»Der Stein ist egal«, sagte er. »Von hinten will ich, wenn du es willst. Ich ziehe mich kurz zurück.«
Er glitt aus mir, vorsichtig mit der Hand am Kondom. Ich stieg vom Tisch, drehte mich, stützte die Hände auf das Holz und stellte die Füße auseinander. Die Kühle der Luft an meinem Rücken, seine Wärme hinter mir. Er legte eine Hand auf meine Hüfte und die andere flach zwischen meine Schulterblätter, nicht drückend, nur da, und ich schob mich ihm entgegen, bis seine Spitze wieder an mir lag.
»Rein«, sagte ich.
Er drang wieder in mich ein, und in dieser Stellung war es tiefer, voller, fast zu viel und genau richtig. Ich senkte den Oberkörper ein wenig, hob das Becken, und der nächste Stoß riss mir ein Geräusch heraus, das ich nicht kannte und sofort wieder haben wollte. Er fand den Takt. Seine Hüften trafen meinen Po. Eine Hand glitt nach vorn, zwischen meine Beine, und zwei Finger legten sich auf meine Klitoris, kreisten im Rhythmus seiner Stöße. Die andere Hand hielt meine Hüfte fest, genau so fest, wie ich es verlangt hatte.
»Da«, sagte ich. »Bleib da. Die Finger genau so. Nicht schneller werden, nur weil du näher kommst. Ich bestimme das Tempo mit. Wenn ich zurückdrücke, tiefer. Wenn ich mich zurückziehe, folgst du.«
Er folgte. Ich war nicht nur die, die genommen wurde. Ich bewegte mich mit ihm, sagte ihm, wenn er zu hoch oder zu seitlich war, und er korrigierte sofort, ohne gekränkt zu sein. Das war das Erotische daran, mehr noch als die Tiefe: ein Mann, der zuhörte, während er mich nahm, und dessen Zuhören mich nicht kleiner machte. Ich spürte jeden Zentimeter, das Gleiten, die Fülle, das nasse Geräusch zwischen uns, seinen Atem an meinem Rücken, wenn er sich vorbeugte und meinen Nacken küsste.
Der zweite Orgasmus baute sich anders auf, breiter, vom Druck in mir und von seinen Fingern zugleich. Ich spürte, wie ich enger wurde, wie die Schenkel zitterten, wie der Laut in meiner Kehle höher wurde. Meine Hände rutschten auf dem Holz. Ich stemmte mich fester dagegen und schob mich ihm entgegen, hart, weil ich die Welle selbst holen wollte und nicht nur empfangen.
»Ich komme«, sagte ich. »Hör nicht auf. Genau so. Jonas. Ja.«
Er hörte nicht auf. Ich kam mit der Stirn fast auf dem Holz, die Hände zu Fäusten geballt, der ganze Unterleib in Wellen, und er nahm mich durch den Orgasmus, die Finger noch an mir, bis ich »langsam, langsam« sagte, nicht stopp, nur langsam, weil ich die Empfindung halten wollte und nicht über die Kante in etwas Scharfes kippen. Er wurde langsamer, blieb in mir, beugte sich über meinen Rücken und küsste meine Schulter. Sein Atem war heiß an meinem Ohr. Sein Schwanz zuckte in mir, noch nicht gekommen, hart und geduldig auf eine Art, die mich fast wieder an den Rand zog.
»Ich bin nah«, sagte er. »Willst du, dass ich so komme, oder willst du mich sehen?«
»Ich will dich sehen«, sagte ich. »Und ich will, dass du in mir kommst, mit dem Kondom, und dass du mich dabei anschaust. Nicht mein Gesicht als Ziel. Mein Gesicht als der Ort, an dem du ankommst. Ist das klar genug?«
»Klar genug«, sagte er, und seine Stimme brach ein wenig. »Ich will das auch.«
Wir lösten uns. Ich drehte mich, setzte mich wieder auf die Tischkante, zog ihn zwischen meine Schenkel und führte ihn selbst zurück in mich. Diesmal sahen wir uns an. Sein Gesicht war offen, die Kontrolle dünn, die Zuneigung darunter nicht versteckt. Ich legte eine Hand an seine Wange und die andere an seinen Nacken und bewegte die Hüften mit ihm, kleinere Stöße jetzt, dicht, weil er nicht mehr viel brauchte. Meine Beine hielten ihn. Meine Fersen lagen an seinem unteren Rücken. Ich spürte, wie nah er war, an der Art, wie sein Rhythmus unregelmäßiger wurde, an dem Laut, den er nicht mehr schluckte.
»Komm«, sagte ich. »Ich will es sehen. Du darfst. Ich bin hier. Ich halte dich.«
Er stieß noch ein paar Mal, tiefer, dann hielt er inne, ganz in mir, und kam mit einem rauen, fast überraschten Laut, die Stirn an meiner, die Hände fest an meinen Hüften, der Körper zuckend. Ich hielt ihn. Ich spürte das Pulsieren, gedämpft durch das Kondom und trotzdem deutlich, und ich küsste ihn, während er kam, langsam, damit er irgendwo ankam und nicht nur fiel. Seine Augen blieben offen, bis sie es nicht mehr konnten, und als er sie wieder öffnete, war da keine Flucht darin. Nur Atem und mein Name, leise, als wäre der Name das Einzige, was er noch sicher aussprechen konnte.
Danach blieben wir so, ineinander, atmend, die Stirnen zusammen. Der Gewölbekeller roch nach Stein, nach Wein, nach Sex, nach unserer Haut. Irgendwo tickte eine Leitung. Draußen war vermutlich der Wind noch da. Hier war nur das. Meine Schenkel zitterten noch. Meine Brustwarzen waren empfindlich an seiner Brust. Zwischen uns klebte Schweiß, und ich mochte das, weil es bewies, dass wir nicht nur geredet hatten.
»Ich ziehe mich zurück«, sagte er leise. »Langsam.«
»Ja.«
Er glitt aus mir, hielt das Kondom fest, und ich spürte die Leere und die Nässe und ein Nachzittern in den Oberschenkeln. Er entsorgte es ordentlich, und ich musste trotz allem kurz lächeln, weil selbst das zu uns passte: Begehren und eine Sorgfalt, die nicht aus Scham kam, sondern aus Respekt vor dem Ort und voreinander. Er kam zurück und holte nicht sofort den Mantel. Er holte das Wasser und ein sauberes Tuch von der Seite, das ich für die Gläser dort liegen hatte, und reichte mir beides, ohne zu übernehmen, was ich selbst tun wollte.
Ich trank. Das Wasser war kalt und klar und tat gut an der Kehle, die vom Stöhnen rau war. Ich wischte mich ab, langsam, und er tat dasselbe an sich, schlicht, ohne Theater. Dann stand er zwischen meinen Knien, immer noch nackt, und legte die Hände leicht auf meine Oberschenkel, da, wo kein Druck mehr nötig war. Sein Daumen strich eine kleine Linie, nicht fordernd. Ich legte meine Hände auf seine und hielt sie dort.
»Wie geht es dir?« fragte er.
»Gut«, sagte ich, und es war die Wahrheit, keine Höflichkeit. »Ein bisschen wund auf die richtige Art. Warm. Die Knie werden mich morgen an den Stein erinnern, und der Tisch an meine Hände. Ich bereue nichts. Dir?«
»Mir geht es so, als hätte ich etwas Richtiges getan und gleichzeitig etwas angerichtet, das ich nicht kleinreden will.« Er strich mit dem Daumen über meine Haut. »Ich bin nicht hergekommen, um dich zu überrumpeln und dann zu verschwinden, als wäre das eine Anekdote für eine Spätmesse. Ich bin auch nicht hergekommen, um ein Leben zu verlangen, das du nicht anbietest. Ich weiß nicht, was morgen ist. Ich weiß, dass ich dich wollte und dass du mich wolltest und dass das echt war. Du schmeckst noch nach dir und nach dem Wein, und ich werde das nicht wegtrinken, nur damit die Fahrt leichter wird.«
Ich zog ihn näher, bis seine Stirn wieder an meiner lag. Meine Brüste berührten seine Brust, weicher jetzt, die Nippel noch empfindlich. »Morgen ist die Kellerei. Übermorgen auch. Ich fahre nicht mit dir in eine andere Stadt, und ich bitte dich nicht, hier einzuziehen, nur weil wir miteinander geschlafen haben. Das wäre eine Lüge über das, was gerade passiert ist. Aber du kannst bleiben, bis der Wein in den Gläsern warm wird. Und du kannst wiederkommen, wenn du wiederkommen willst, nicht als Gast mit Auftrag, sondern als der Mann, der fragt, bevor er nimmt, und der bleibt, wenn ich ja sage.«
»Ich will wiederkommen«, sagte er. »Nicht morgen früh mit einem Plan, den ich mir auf der Rückfahrt zurechtlege, damit ich weniger Angst habe. In ein paar Tagen, mit einer ehrlichen Frage. Und ohne so zu tun, als hätte ich den Haken im Vorraum vergessen.«
»Der Haken bleibt«, sagte ich. »Das ist kein Versprechen für ein ganzes Leben. Das ist ein Haken. Und ein Ja, das heute gilt und das ich wieder geben kann, wenn ich es wieder geben will. Nicht weniger. Nicht mehr, als wir beide tragen können.«
Er lachte leise an meinem Mund und küsste mich, diesmal ohne die Dringlichkeit von vorhin, mit einer Zärtlichkeit, die mich fast mehr erschütterte als der Orgasmus. Wir zogen uns nicht sofort an. Wir blieben noch eine Weile so, Haut an Haut, und ich ließ den Kopf an seine Schulter sinken und hörte seinen Atem ruhiger werden. Meine Hand lag auf seinem Rücken, dort, wo die Muskeln nach der Anspannung nachgaben. Ich dachte nicht an die 12 Jahre als an eine Wunde, die endlich geschlossen war. Sie waren nicht geschlossen. Sie waren nur nicht mehr das Einzige im Raum. Zwischen den Fässern stand ein Tisch, auf dem wir uns genommen hatten, und der Wein daneben war immer noch Wein, und beides durfte wahr sein.
Als die Kühle des Gewölbes sich durch die Wärme unserer Körper schob, hob ich den Kopf. »Wir sollten uns anziehen, bevor einer von uns auf dem Stein friert und das dann für Romantik hält. Ich will dich wiedersehen, nicht mit einer Erkältung als Andenken.«
»Einverstanden«, sagte er.
Wir suchten die Kleidung zusammen, Stück für Stück, und halfen uns, ohne daraus eine zweite Zeremonie zu machen. Er reichte mir die Bluse. Ich hielt ihm das Hemd hin, und er fand die Ärmel nicht beim ersten Griff, weil seine Hände noch unruhig waren. Das rührte mich mehr, als ein glatter Abgang es getan hätte. Er schloss den letzten Knopf meiner Bluse nicht. Ich ließ ihn offen, einen einzigen, und er sah es und sagte nichts, nur mit den Augen, dass er es gesehen hatte. Ich schenkte den Burgunder nach, der noch im Glas gewesen war, und reichte ihm seins. Der Wein war wärmer geworden. Er schmeckte trotzdem nach dem Hang und nach dem Jahr und nach etwas, das wir nicht auf ein Etikett würden schreiben können.
Wir tranken im Stehen, angezogen, barfuß noch auf dem Stein, und das Schweigen war nicht die alte Stille, die uns auseinandergebracht hatte. Es war ein Schweigen mit Platz darin. Ich spürte ihn noch in mir, als Nachhall, als leichte Wundheit, als Wärme, die der Stoff nicht sofort vergessen machte. Meine Lippen waren geschwollen. Sein Mund auch. Wenn jemand jetzt zur Tür hereingekommen wäre, hätte er nicht raten müssen. Niemand kam. Der Keller gehörte in dieser Stunde uns, und ich war froh darum, nicht aus Scham, sondern weil das, was wir getan hatten, keinen Zuschauer brauchte, um wirklich zu sein.
»Der Riesling lügt nicht«, sagte er nach einer Weile.
»Nein«, sagte ich. »Und ich auch nicht. Das hier war keine Verkostung, die man abrechnet. Das hier war ich, die dich wollte. Merk dir das, wenn du in der Stadt bist und anfängst, es kleiner zu machen, damit es leichter zu tragen ist. Ich bin eine erwachsene Frau, und ich habe dich mit offenen Augen in mich gelassen. Das musst du nicht schonen und nicht erhöhen. Du musst es nur nicht verdrehen.«
»Ich mache es nicht kleiner«, sagte er. »Ich trage es so, wie es ist. Schwer und gut. Und ich werde schreiben, nicht heute Nacht einen klugen Text, sondern morgen, wenn ich noch dasselbe will. Ein Satz. Oder ich komme und klopfe. Du erkennst das Klopfen, hast du früher gesagt. Ich hoffe, das gilt noch.«
»Es gilt«, sagte ich. »Heute habe ich es nicht gesagt. Ich sage es jetzt. Ein Satz reicht. Oder das Klopfen. Beides ist ein Fragen, und Fragen darfst du.«
Er stellte das Glas ab und nahm meine Hand, nicht um mich irgendwohin zu ziehen, nur um sie zu halten. Seine Finger waren warm. Draußen wartete der Hof, der Wagen, die Straße in die Stadt. Drinnen warteten die Fässer, die noch Monate brauchen würden, bis sie bereit waren. Ich brauchte keine Monate, um zu wissen, was in mir nachklang: nicht nur das Nachziehen in den Schenkeln und die empfindlichen Brustwarzen unter der Bluse, sondern die klare, ruhige Tatsache, dass ich gewählt hatte und gewählt worden war, mit offenen Augen, in einem Körper, der älter war als die Erinnerung und trotzdem begehrt wurde, ohne dass jemand ihn jünger hätte lügen müssen.
Wir zogen die Schuhe an. Ich löschte nicht alle Lampen. Eine ließ ich brennen, weil ich noch bleiben würde, und weil Dunkelheit jetzt nicht nötig war. Im Vorraum nahm er den Mantel vom Haken und hielt inne, die Hand am Holz, als wollte er sich die Stelle noch einmal merken. Ich trat zu ihm und legte die Hand auf seine Brust, über dem Mantel diesmal, und spürte trotzdem das Herz.
»Fahr vorsichtig«, sagte ich. »Die Straße am Fluss ist eng, und du bist nicht so nüchtern im Kopf, wie der Wein im Glas es vielleicht vermuten lässt. Wir haben wenig getrunken. Wir haben viel anderes getan.«
»Ich fahre vorsichtig«, sagte er. »Und ich komme wieder, Marlene. Nicht als der Mann von vor 12 Jahren. Als der, der heute hier war. Wenn du dann nein sagst, nehme ich das nein mit und mache kein Drama daraus. Wenn du ja sagst, bleibe ich so lange, wie das Ja reicht.«
»Das ist ein anständiger Satz«, sagte ich. »Behalt ihn. Verzier ihn nicht.«
An der Tür küsste er mich noch einmal, kurz, fest, mit der Hand an meinem Nacken, und ich erwiderte es und ließ ihn dann gehen, weil Festhalten in diesem Moment weniger wahr gewesen wäre als das Gehenlassen. Sein Mund schmeckte noch nach mir und nach dem Burgunder. Ich blieb im Türrahmen stehen, bis die Rücklichter hinter der Kurve verschwanden. Der Hof roch nach nassem Stein und nach Most. In mir roch alles noch nach ihm, und der Körper trug die Stunde weiter: wund, zufrieden, wach, nicht leer.
Ich schloss die Kellerei nicht sofort ab. Ich ging zurück ins Gewölbe, stellte die Gläser zusammen, wischte den Tisch ab, an dessen Kante meine Hände gelegen hatten, und legte die Hand einen Moment flach auf das Holz. Die Wärme war schon fort. Das musste sie nicht bleiben. Ich trug sie selbst. Zwischen den Fässern war es still, aber nicht auf die alte Art. Die Stille hatte einen Nachklang, wie ein Wein, der im Mund bleibt, nachdem man das Glas abgesetzt hat, und der einen nicht belügt über das, was man getrunken hat.
Ich löschte die letzte Lampe, schloss die Tür und stand noch einen Atemzug im Hof, die Schlüssel in der Hand, den offenen Knopf der Bluse kühl an der Haut. Irgendwo auf der Straße in die Stadt fuhr ein Mann, der meinen Geschmack noch auf der Zunge hatte und das Recht, wiederzukommen, nicht als Diebstahl, sondern als etwas, das ich ihm gegeben hatte, weil ich es geben wollte. Der Wind ging durch die Reben. Ich ging hinauf, mit dem Körper einer Frau, die genau wusste, was sie in dieser Nacht gewählt hatte, und die nichts davon zurücknehmen musste, um am nächsten Morgen wieder die Kellerei zu öffnen.
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