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Die Klausel nach Dienstschluss

Reife Frau · 18 Minuten lesen · 24 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 3 der Serie Im besten Alter (2)

Das Büro war nach achtzehn Uhr anders, als hätte jemand die Luft angehalten. Die Bildschirme an den Nachbarplätzen waren dunkel, die Rollos halb heruntergelassen, und durch die Milchglasscheibe der Abteilungsleitung fiel nur noch das warme Licht seiner Schreibtischlampe. Ich saß an meinem Platz und tat so, als läse ich die letzten Folien, obwohl die Zahlen längst stimmten. Draußen wurde der Parkplatz leer. Drinnen blieb das leise Summen der Klimaanlage und das Geräusch meines eigenen Atems, zu deutlich für einen Raum, der eigentlich Feierabend haben sollte.

Ich war sechsundvierzig und seit drei Wochen in dieser Abteilung, neu genug, dass mein Name noch nicht auf allen Türschildern stand, und alt genug, dass ich wusste, wann ein Blick mehr war als Höflichkeit. Florian Berger war dreiunddreißig, Abteilungsleiter, und er hatte mich am ersten Tag so angesehen, als müsse er sich das verbieten und als gelinge es ihm nur halb. Seither lag zwischen uns eine Regel, die niemand laut aussprach und die doch in jedem Gespräch mitlief. Keine privaten Beziehungen zwischen Führung und direkter Mitarbeit. So stand es in der Compliance-Richtlinie, die die Personalabteilung am Montag noch einmal an alle geschickt hatte.

Ich hätte gehen können. Die Präsentation war fertig, der Ordner geschlossen, meine Tasche stand schon neben dem Stuhl. Stattdessen blieb ich, weil ich hören wollte, ob er noch einmal zu mir herüberkam, und weil ich mir nicht länger einreden wollte, das sei nur Müdigkeit. Meine Bluse klebte leicht am Rücken. Ich hatte die Ärmel hochgeschoben, und an den Unterarmen fühlte ich die kühle Luft, während unter dem Stoff die Haut wärmer wurde, je länger ich an seine Hände dachte. Er hatte sie beim Erklären über die Tischkante gelegt, ruhig, mit einem Ring, den er nicht trug. Die Abwesenheit dieses Rings war mir aufgefallen, ohne dass ich sie hätte benennen wollen.

Die Tür zu seinem Glaskasten stand einen Spalt offen. Ich hörte Papier, dann das leise Klacken einer Tasse. Als ich aufstand, um die Folien doch noch einmal auszudrucken, kam er mir auf dem Flur entgegen, zwei Tassen in den Händen, die Krawatte gelockert, die obersten Knöpfe des Hemdes offen. Er blieb stehen, als hätte er nicht mit mir gerechnet und gleichzeitig nur auf mich gewartet. Der Kaffee roch stark und ein wenig verbrannt, so wie Kaffee riecht, wenn niemand mehr darauf achtet, weil etwas anderes wichtiger geworden ist.

Er sagte, die Küche sei leer und er habe zwei Tassen gemacht, falls ich noch da sei. Ich nahm eine entgegen. Unsere Finger berührten sich am Henkel, nur kurz, und doch lief die Wärme davon bis in mein Handgelenk. Wir standen zu nah für Kollegen, die eine Richtlinie ernst nahmen, und zu weit für das, was in meinem Bauch schon seit Tagen arbeitete. Ich dankte ihm und hörte selbst, wie ruhig meine Stimme klang, ruhiger als mein Puls.

In seinem Büro lag die ausgedruckte Klausel auf dem Schreibtisch, drei Seiten, am Rand eine gelbe Markierung bei dem Absatz über Führungskräfte und direkte Berichte. Er stellte die Tassen ab und schob das Papier nicht weg. Er ließ es liegen, als gehöre es zu dem, was wir beide schon wussten. Ich setzte mich nicht sofort. Ich blieb am Rand des Tisches stehen und las die markierte Stelle noch einmal, obwohl ich sie auswendig kannte. Keine Abhängigkeit ausnutzen. Keine Beziehung, die die Beurteilung trüben könnte. Der Text war nüchtern. Mein Körper war es nicht.

Er fragte, ob ich die Mail gelesen habe. Ich sagte ja. Er nickte, als habe er nichts anderes erwartet, und sah mich dann so an, dass die Lampe in seinen Augen kleiner wurde. Dreiunddreißig, dachte ich, und sechsundvierzig, und zwischen uns eine Hierarchie, die auf dem Papier klarer war als in diesem Raum. Er war mein Vorgesetzter. Ich war neu. Beides stimmte, und beides erklärte nicht, warum meine Knie weich wurden, als er den Blick nicht senkte.

Ich sagte, die Regel sei eindeutig. Er antwortete, sie sei eindeutig und sie ändere nichts daran, dass er seit meinem zweiten Tag an meine Stimme denke, wenn das Büro leer sei. Er sagte es ohne Lächeln, ohne den Ton eines Mannes, der eine Grenze testen will, um sie danach als Scherz zu verkaufen. Es lag einfach da, zwischen der Tasse und der gelben Markierung. Ich spürte, wie sich in meiner Brust etwas löste, das ich drei Wochen lang festgehalten hatte.

Ich hätte die Tasche nehmen und gehen können. Stattdessen legte ich die Hand neben das Papier, nicht auf seine, und sagte, dass ich es auch wolle und dass ich es nicht wolle, weil er entscheide, ob ich bleibe. Ich wollte es, weil ich seinen Mund ansah, wenn er sprach, und weil ich nachts wach lag und mir vorstellte, wie seine Hände unter meiner Bluse wären, langsam, mit der Geduld eines Mannes, der eine reife Frau nicht überrumpeln muss. Ich sagte das nicht alles auf einmal. Ich sagte den Kern. Der Rest stand in meinem Atem.

Er wurde still. Dann schob er den Stuhl zurück, stand auf und blieb auf seiner Seite des Tisches, als wolle er den Abstand sichtbar machen, bevor er ihn aufgab. Er sagte, meine Stelle hänge nicht davon ab. Nicht von heute Abend, nicht von einem Nein, nicht von einem Ja. Wenn ich jetzt gehe, sei morgen eine normale Besprechung, und er werde sich daran halten. Ich glaubte ihm, weil seine Stimme dabei nicht weicher wurde, sondern klarer. Ein Mann, der drängt, redet anders. Er redete wie jemand, der die Tür offen lässt und hofft, dass ich durch sie gehe, aus eigenem Willen.

Ich ging um den Tisch herum. Nicht schnell. Der Teppich dämpfte meine Schritte, und in der Stille hörte ich das leise Reißen, mit dem die Richtlinie unter meinem Handballen verrutschte, als ich mich am Tisch abstützte. Ich blieb vor ihm stehen, nah genug, dass ich die Wärme seines Hemdes roch, Baumwolle und ein Rest von Aftershave, das am Abend schon fast vergangen war. Ich sagte, ich gehe nicht. Ich sagte, ich wolle ihn, hier, trotz der Klausel, wegen ihr, weil das Verbot schon seit Tagen zwischen uns liege wie eine dritte Hand. Er atmete aus, einmal, lang, und fragte, ob ich sicher sei. Ich sagte ja. Dann noch einmal, deutlicher, damit es nicht in der Luft hängen blieb.

Er hob die Hand und hielt sie an meiner Wange, ohne zu ziehen. Der Daumen lag unter meinem Jochbein, warm, ein wenig rau an der Kuppe. Ich lehnte mich in diese Hand, und erst da küsste er mich. Der erste Kuss war vorsichtig, fast prüfend, Lippen auf Lippen, kein Drängen. Ich öffnete den Mund, und er folgte, langsam, mit einer Zunge, die nicht nahm, sondern fragte. Ich antwortete. Der Kuss wurde tiefer, nasser, und ich hörte das leise Geräusch unserer Münder, unanständig laut in dem leeren Büro. Meine Hände fanden sein Hemd. Der Stoff war glatt und darunter fest der Körper eines Mannes, der jünger war als ich und der mich trotzdem so hielt, als sei mein Gewicht das, was er den ganzen Tag gesucht hatte.

Er löste sich nur so weit, dass er mich ansehen konnte. Seine Pupillen waren dunkel. Er sagte meinen Namen, Maren, und dann, dass er aufhören werde, sobald ich es sage, egal wann. Ich nickte und zog ihn wieder an mich, weil Worte in diesem Moment weniger wahr waren als mein Mund an seinem. Wir küssten uns, bis meine Lippen brannten und mein Schoß schwer wurde, ein tiefes, warmes Ziehen, das ich seit Jahren kannte und das an diesem Abend schärfer war, weil es verboten war und weil wir es beide wollten.

Ich öffnete die Knöpfe seiner Hemdes, einen nach dem anderen, und schob den Stoff von seinen Schultern. Seine Brust war warm, die Haut unter meinen Handflächen glatt, mit einem schmalen Streifen Haar, der zum Bauch hin dunkler wurde. Ich legte die Lippen an seine Kehle und schmeckte Salz. Er stöhnte leise, ein Ton, den er sofort zu schlucken versuchte, als könnte die leere Etage ihn verraten. Ich lächelte an seiner Haut und biss nicht, ich saugte nur, gerade fest genug, dass er die Hände in mein Haar schob und sie dort liegen ließ, ohne zu drücken.

Seine Finger fanden die Knöpfe meiner Bluse. Er fragte noch einmal, mit dem Mund an meiner Schläfe, ob er weitermachen solle. Ich sagte ja und half ihm, weil meine Hände ungeduldiger waren als seine Vorsicht. Die Bluse fiel über die Stuhllehne. Darunter trug ich einen schlichten Bügel-BH, hautfarben, nichts, was für einen Abend wie diesen gekauft worden war, und gerade das machte mich heiß: dass er mich so sah, wie ich nach einem Arbeitstag war, sechsundvierzig, mit dem weichen Gewicht meiner Brüste und der Linie unter dem Bund, die kein Filter glättete. Er sah hin, lange, und sein Blick war nicht höflich. Er war hungrig auf eine Art, die mich nicht kleiner machte.

Er öffnete den Verschluss, und die Träger glitten von meinen Schultern. Meine Brüste lagen frei in der warmen Luft, die Warzen schon hart, dunkler als in meiner Erinnerung an jüngere Jahre, voll und schwer. Er nahm sie in beide Hände, wog sie, strich mit den Daumen über die Spitzen, bis ich die Augen schloss. Dann beugte er sich und nahm eine Warze in den Mund. Die Hitze seiner Zunge war ein Schock und eine Erleichterung zugleich. Er saugte, langsam, dann fester, und die andere Hand hielt die zweite Brust, der Daumen kreiste, bis ein Ziehen von der Brustwarze direkt in meinen Schoß lief. Ich stützte mich an seinen Schultern ab und hörte mich selbst, ein tiefes, ungeschütztes Geräusch, das ich im Büro nie von mir erwartet hätte.

Er ging in die Knie. Nicht theatralisch, sondern so, als gehöre sein Mund dorthin, zwischen meinen Bauch und den Bund meiner Hose. Er küsste die weiche Stelle unter dem Nabel, die Linie, an der die Haut nachgibt, und ich spannte mich nicht. Ich ließ ihn sehen. Seine Hände öffneten Knopf und Reißverschluss, schoben Hose und Slip zusammen über meine Hüften, und die kühle Luft traf die feuchte Haut zwischen meinen Schenkeln. Ich stieg aus dem Stoff, eine Hand an seinem Schreibtisch, und stand vor ihm, nackt bis auf die offenen Schuhe, die ich abstreifte, weil ich den Teppich unter den Sohlen spüren wollte.

Er sah zu mir auf. In diesem Blick lag nichts von Bewertung und alles von Wunsch. Er sagte, ich sei schön, und es klang nicht wie eine Floskel, die man einer älteren Frau schenkt, damit sie sich nicht schämt. Es klang, als meine er die Schwere meiner Hüften, die Innenseite meiner Oberschenkel, den Glanz, der schon an ihnen hinablief. Ich legte eine Hand in sein Haar und sagte, er solle mich anfassen. Er tat es. Zwei Finger strichen durch die Nässe, teilten mich, fanden die geschwollene Stelle oben und rieben sie so leicht, dass ich nach vorn kippen wollte. Dann senkte er den Mund.

Die erste Berührung seiner Zunge war breit und warm, ein langsamer Strich von unten nach oben, der mich die Zähne zusammenbeißen ließ. Er leckte mich, als habe er Zeit, als sei die Richtlinie auf dem Tisch nur Papier und die Etage uns gehört. Seine Zunge kreiste um meine Klit, druckvoll, dann wieder weich, und zwei Finger schoben sich in mich, gekrümmt, suchend, bis sie den Punkt fanden, an dem mein Becken von selbst entgegenkam. Ich war nass, hörbar nass, und das Geräusch seiner Finger in mir mischte sich mit meinem Atem. Ich hielt seinen Kopf nicht fest. Ich hielt mich am Tisch fest und ließ die Hüften in kleinen Bewegungen gegen seinen Mund arbeiten, weil mein Körper das besser wusste als jede Zurückhaltung.

Er stöhnte an mir, und die Vibration lief durch mein Fleisch. Ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog, zu früh, zu heftig, und ich sagte seinen Namen, warnend und bittend zugleich. Er wurde nicht schneller. Er blieb bei dem Rhythmus, den meine Hüften ihm gaben, Finger tief, Zunge stetig, die freie Hand an meinem Oberschenkel, der Daumen in die weiche Innenseite gedrückt. Der Orgasmus kam nicht als Blitz, sondern als Welle, die unten anfing und nach oben stieg, bis meine Knie nachgaben und ich mich auf die Tischkante sinken ließ, die Beine weiter geöffnet, sein Mund noch an mir, während ich kam und kam und ein langes, heiseres Geräusch nicht mehr zurückhielt.

Als es nachließ, küsste er die Innenseite meines Schenkels, einmal, zweimal, und stand auf. Sein Mund glänzte. Ich zog ihn an mich und küsste ihn, schmeckte mich selbst, salzig und warm, und das machte mich von neuem unruhig, obwohl meine Beine noch zitterten. Ich öffnete seine Hose. Sein Glied sprang gegen meine Hand, hart, heiß, die Eichel schon feucht. Ich umschloss ihn und strich langsam von der Wurzel bis zur Spitze, spürte das Pochen, das Gewicht. Er legte die Stirn an meine und atmete durch den Mund. Ich sagte, ich wolle ihn in mir. Nicht später. Jetzt.

Er holte aus der Schublade ein Kondom, und die Alltäglichkeit dieser Bewegung, das Reißen der Folie, das Abrollen über seinen Schaft, machte die Szene wirklicher als jedes Fantasieren. Er fragte ein letztes Mal, leise, ob das noch das sei, was ich wolle. Ich setzte mich weiter auf die Tischkante, zog ihn zwischen meine Schenkel und sagte ja, mit der Stimme einer Frau, die weiß, was sie nimmt. Die Richtlinie lag neben meiner Hüfte, eine Ecke unter meinem Oberschenkel, das gelbe Markieren halb verdeckt. Ich schob sie nicht weg. Ich wollte sie spüren, dieses dünne Papier unter mir, während er eindrang.

Er setzte die Spitze an meine Öffnung und schob sich langsam hinein. Ich war eng und sehr nass, und das erste Stück brannte auf eine gute Art, ein Dehnen, das ich mit einem tiefen Atemzug annahm. Er hielt inne, die Hände an meinen Hüften, und wartete, bis ich nickte. Dann glitt er tiefer, Zentimeter um Zentimeter, bis er ganz in mir war und wir beide still wurden, nur unser Atem und das leise Knarren des Tisches. Er füllte mich so vollständig, dass ich die Stirn an seine Schulter legte und die Augen schloss. Dreiunddreißig Jahre in seinen Hüften, sechsundvierzig in meinen, und dazwischen kein Abstand mehr, den eine Klausel hätte messen können.

Er begann sich zu bewegen, langsame Stöße, jeder bis zum Anschlag, jeder mit einer Pause, in der er mich küsste oder meine Unterlippe zwischen die Zähne nahm, ohne zu beißen. Ich schlang die Beine um ihn. Die Tischkante drückte in meine Oberschenkel, ein klarer, irdischer Schmerz, der die Lust schärfer machte. Seine Hände wanderten von meinen Hüften zu meinen Brüsten, hoben sie, drückten sie zusammen, und er beugte sich, um wieder an einer Warze zu saugen, während er in mich stieß. Jeder Stoß schob mich ein Stück über das Papier. Ich hörte es rascheln und lachte einmal, kurz, atemlos, und er lachte mit, ein dunkles Geräusch an meiner Brust, bevor der nächste Stoß das Lachen in ein Stöhnen verwandelte.

Ich wollte mehr Gewicht, mehr Reibung. Ich sagte es ihm, ohne schön zu formulieren. Er zog sich zurück, half mir vom Tisch und drehte mich, nicht grob, die Hände fest genug, dass ich mich gehalten fühlte. Ich beugte mich über die Tischplatte, die Unterarme auf dem kühlen Holz, die Richtlinie jetzt unter meiner Brust. Er trat hinter mich, strich mit der flachen Hand über meinen Rücken, über die Rundung meines Hinterns, und schob sich wieder in mich. Aus diesem Winkel war er tiefer. Ich keuchte und drückte mich ihm entgegen, bis unsere Körper mit einem feuchten Klatschen aufeinandertrafen. Er fand einen Rhythmus, stetig, kräftig, und eine Hand glitt um meine Hüfte nach vorn, zwischen meine Schenkel, zwei Finger an meiner Klit, im Takt seiner Stöße.

Die Doppeltheit war fast zu viel. Sein Glied füllte mich, seine Finger rieben die geschwollene Stelle, und mein ganzer Unterleib zog sich in kurzen, unwillkürlichen Wellen zusammen. Ich sagte ihm, er solle nicht aufhören. Er hörte nicht auf. Sein Atem ging schwer an meinem Nacken, seine freie Hand lag flach zwischen meinen Schulterblättern, hielt mich unten, nicht als Zwang, sondern als Gewicht, das ich wollte. Ich drückte den Rücken durch und nahm ihn tiefer. Schweiß lief zwischen meinen Brüsten. Der Raum roch nach uns, nach Haut und Sex und dem schwachen Kaffee, der auf dem Sideboard kalt wurde.

Er wurde schneller, als ich es verlangte, die Stöße kürzer, härter, das Geräusch unserer Körper deutlich in der Stille der Etage. Ich dachte einen Herzschlag lang an die offene Tür und den leeren Flur und wollte sie nicht schließen. Das Risiko gehörte zu dem, was uns beide heiß machte, nicht weil jemand zusehen sollte, sondern weil das Verbot in dem Rascheln des Papiers unter meiner Brust noch lebendig war. Ich griff nach hinten, fand seinen Oberschenkel und zog ihn näher. Er verstand. Er beugte sich über mich, Brust an meinem Rücken, und stieß tief, während seine Finger nicht von meiner Klit wichen.

Der zweite Orgasmus baute sich anders auf als der erste, enger, von innen und von außen zugleich. Ich spürte, wie meine inneren Muskeln um ihn fluteten, wie die Spannung in meinen Schenkeln bis in die Waden lief. Ich sagte ihm, dass ich komme. Er fluchte leise, einen einzelnen, rauen Laut, und hielt den Rhythmus, genau den, nicht schneller, nicht sanfter. Dann brach es über mich, ein langes Zucken, das mich auf die Tischplatte drückte, den Mund offen, die Stirn am Holz. Ich kam um ihn herum, eng und nass, und hörte ihn stöhnen, als meine Muskeln ihn hielten.

Er folgte kurz darauf. Seine Stöße wurden unregelmäßig, seine Hand an meiner Hüfte krallte sich fest, und er sagte meinen Namen, einmal, gepresst, bevor er tief in mir stillhielt und kam, das Kondom zwischen uns, sein Körper zitternd an meinem Rücken. Ich spürte das Pochen seines Glieds, das Nachgeben seiner Knie, das Gewicht, mit dem er sich auf die Unterarme stützte, um mich nicht zu erdrücken. Wir blieben so, verbunden, atmend, bis die Wellen flacher wurden und nur noch das Summen der Klimaanlage und unser Puls übrig waren.

Er zog sich langsam zurück. Ich hörte das leise Geräusch, mit dem er das Kondom abnahm und entsorgte, praktisch, ohne die Zärtlichkeit zu zerbrechen, die danach in seinen Händen lag. Er holte sein Hemd nicht sofort. Er nahm die Decke, die über der Lehne des Besucherstuhls lag, eine dünne Wolldecke für lange Abende, und legte sie um meine Schultern, bevor er mich zu sich drehte. Ich stand nackt in dieser Decke vor ihm, die Schenkel noch feucht, die Knie weich, und er küsste mich auf die Stirn, dann auf den Mund, diesmal ohne Hunger, nur mit Wärme.

Wir setzten uns auf den Teppich, Rücken an die Front seines Schreibtisches, weil die Stühle zu amtlich waren für das, was unsere Körper gerade gewesen waren. Er zog die Hose nicht ganz hoch. Ich behielt die Decke. Seine Schulter war warm an meiner. Eine Weile sagten wir nichts. Draußen fuhr ein spätes Auto über den Parkplatz, Scheinwerfer streiften die Jalousie und verschwanden. Ich spürte das Nachbeben in meinem Schoß, ein süßes, überempfindliches Pochen, und die Stelle an der Tischkante, die morgen einen blauen Schatten an meinem Oberschenkel lassen würde. Ich bereute ihn nicht.

Er fragte, ob es mir gut gehe, nicht als Floskel, sondern so, dass eine ehrliche Antwort Platz hatte. Ich sagte ja. Ich sagte auch, dass die Klausel noch auf dem Tisch liege und dass sie morgen immer noch gelte. Er nickte. Er sagte, er werde mich nicht anders behandeln in Besprechungen, nicht weicher, nicht härter, und wenn ich wolle, dass dieser Abend ein einzelner bleibe, werde er das achten. Ich legte die Hand auf seinen Oberschenkel, die Haut dort noch warm vom Sex, und sagte, ich wisse noch nicht, was morgen sei. Ich wisse nur, dass ich es gewollt habe und dass ich es wieder wollen würde, wenn er mich so ansähe wie vor einer Stunde. Er drehte den Kopf und küsste meine Schläfe. Sein Mund war trocken jetzt, menschlich, nach dem Glanz von vorhin.

Ich stand irgendwann auf und suchte meine Kleider. Der Slip war feucht, die Bluse zerknittert, der BH hing über der Stuhllehne wie ein Beweis, den niemand außer uns sehen würde. Ich zog mich an, ohne mich zu verstecken. Er sah zu, angezogen bis auf die offenen Knöpfe, und in seinem Blick lag noch das, was er zwischen meinen Schenkeln getan hatte, aber auch etwas Ruhigeres, das mich mehr beruhigte als jede Versicherung. Als ich die Richtlinie glatt strich und auf seinen Stapel legte, lächelte er nicht. Er legte nur seine Hand für einen Moment auf meine, über dem Papier, und nahm sie wieder weg.

Wir löschten die Lampe. Im Flur roch es nach Reinigungsmittel und abgestandener Luft, nach einem gewöhnlichen Büro, das nichts von uns wusste. Am Aufzug blieb er auf seiner Seite der Türschwelle stehen, als gäbe er mir den letzten Meter zurück. Ich drückte den Knopf. Die Kabine kam leer. Bevor ich einstieg, sagte ich, dass ich morgen pünktlich sei und dass die Folien auf dem Laufwerk lägen. Er sagte, er werde sie lesen. Nichts an diesen Sätzen war falsch, und nichts an ihnen war die ganze Wahrheit. Die Türen schlossen sich zwischen uns, und in der verspiegelten Wand sah ich eine Frau von sechsundvierzig, das Haar zerzaust, die Lippen dunkler, die Augen klar. Zwischen meinen Beinen pochte es noch, leise und lebendig, als die Kabine nach unten fuhr und die Klausel oben auf seinem Tisch liegen blieb, gelesen, überschrieben und keineswegs vergessen.

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