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Die Bitte nach der letzten Naht

Reife Frau · 19 Minuten lesen · 26 Minuten hören

Gelesen von Ekaterina

Teil 2 der Serie Im besten Alter (2)

Die letzte Naht saß, als das Licht über dem Tisch schon auf die halbe Stärke gedimmt war. Ich zog den Faden durch, knotete, schnitt, und für einen Atemzug war in dem großen Raum nichts als das leise Ticken der Geräte und das ruhige Atmen des Mannes, der seit Jahren an meinem Tisch stand. Henrik hielt die Narkose noch, die Hände ruhig an den Reglern, das Gesicht über der Maske schmal und wach. Ich war achtundvierzig, er fünfundvierzig, und wir hatten in dieser Zeit mehr Stunden miteinander verbracht als manche Ehen, ohne je etwas anderes getan zu haben als arbeiten. Der Saal roch nach Desinfektion und warmem Metall. Ich streifte die Handschuhe ab und spürte, wie die Haut darunter feucht war, nicht von Blut, sondern von der langen Spannung des Abends.

Die Pflege holte den Wagen, die Instrumente klirrten leise in die Siebe, jemand sagte etwas von der Übergabe auf der Station. Ich nickte, ohne den Satz wirklich zu hören. Henrik sah nicht zu mir herüber, und gerade das war das Merkwürdige: er sah nie zuerst, wenn der Tisch leer wurde. Er wartete, bis ich den Blick hob. Ich hob ihn. Über dem Rand seiner Maske trafen sich unsere Augen, und in diesem Blick lag dieselbe Frage, die seit Monaten zwischen uns lag, ohne dass einer von uns sie ausgesprochen hätte. Meine Knie waren müde. Meine Hände waren ruhig. In der Brust war nichts ruhig.

Wir sprachen nicht im Flur. Die Nachtschicht ging an uns vorbei, eine junge Ärztin mit einem Becher, ein Pfleger mit einem Stapel Decken, und niemand sah uns länger an als nötig. Ich ging voraus zum Bereitschaftszimmer am Ende des Trakts, dem kleinen Raum mit dem schmalen Bett, dem Waschbecken und dem Fenster zur dunklen Hofseite. Henrik folgte in einem Abstand, der noch kollegial war. Ich hörte seine Schritte und zählte sie nicht, aber ich wusste, dass er nicht umkehrte. Die Tür fiel hinter uns ins Schloss. Das Licht der Deckenlampe war zu grell, also ließ ich nur die kleine Lampe über dem Waschbecken an. Gelbes Licht legte sich auf die Kacheln und auf seine Schultern, als er den Kittel auszog und über den Stuhl hängte.

Ich blieb an der Tür stehen, die Hand noch am Griff, und hörte mein eigenes Blut. Draußen fuhr ein Aufzug. Drinnen roch es nach Seife und nach dem Stoff seines Hemdes, das er den ganzen Tag unter dem grünen Kittel getragen hatte. Henrik lehnte sich nicht an, er stellte sich nur hin, die Hände offen an den Seiten, und wartete. So hatte er immer gewartet, wenn eine Entscheidung bei mir lag: nicht drängend, nicht ausweichend, einfach da. Ich kannte dieses Warten aus dem Saal, wenn eine Blutung sich nicht sofort zeigte und er mir die Zeit ließ, die ich brauchte. Heute war die Zeit eine andere.

„Bleib“, sagte ich. Das Wort war klein und füllte trotzdem den Raum. Er nickte einmal, langsam, und in diesem Nicken lag schon mehr als Gehorsam. Ich löste die Hand vom Griff. Meine Handflächen waren trocken, obwohl ich innerlich zitterte, und ich trat zwei Schritte auf ihn zu, bis ich den Wärmeschleier spürte, der von seinem Körper ausging. Er war größer als ich, nicht viel, genug, dass ich den Kopf heben musste, wenn ich ihm ins Gesicht sehen wollte. Die Falten an seinen Augen waren tiefer als vor fünf Jahren. Ich mochte sie. Ich mochte, dass er nicht mehr der Mann war, der alles noch vor sich hatte, sondern einer, der wusste, was ein langer Tag mit einem Körper machte.

„Ich will etwas von dir, das ich nicht zurücknehmen kann“, sagte ich. Meine Stimme war leiser, als ich sie haben wollte, und klarer, als ich erwartet hatte. „Wenn ich es ausspreche, ist es zwischen uns, auch morgen im Saal, auch wenn wir so tun, als wäre nichts gewesen. Ich will es trotzdem sagen.“ Henrik atmete aus, ein langer Zug, und seine Augen wurden dunkler, nicht hart. Er hob eine Hand, hielt sie aber in der Luft, als warte er auf die Erlaubnis, mich zu berühren. Ich gab sie noch nicht. Ich wollte, dass die Worte zuerst da waren, nackt und unwiderruflich, bevor Haut auf Haut kam.

„Sag es“, sagte er. Nicht als Befehl. Als Angebot, die Last mitzutragen. Ich spürte, wie sich in meinem Unterleib etwas zusammenzog, alt und neu zugleich, ein Ziehen, das nichts mit Müdigkeit zu tun hatte. Ich war eine Frau, die seit Jahren wusste, was sie wollte, und die es trotzdem selten so geradeheraus verlangt hatte. Heute Abend war das Verlangen größer als die Vorsicht. Ich sah auf seinen Mund, auf die Linie seines Halses, auf die Ader, die dort schlug, und ich sagte den Satz, der sich nicht mehr einsammeln ließ.

„Ich will, dass du mich hier nimmst. Nicht später, nicht in einer Wohnung, nicht nach einem Essen, bei dem wir beide so tun, als hätten wir Zeit. Ich will deinen Mund auf mir, ich will dich in mir, ich will, dass du mich ansiehst, während du es tust. Und ich will, dass du nur bleibst, wenn du es genauso willst.“ Die Sätze standen im gelben Licht und ließen sich nicht zurückholen. Ich hörte sie nachklingen und schämte mich nicht. Scham wäre eine Lüge gewesen. Was ich spürte, war Hitze, und darunter eine klare, fast nüchterne Freude, endlich nicht mehr nur gedacht zu haben.

Henrik schwieg einen Moment, lang genug, dass ich die Ehrlichkeit darin erkannte. Dann sagte er: „Ich will es. Ich will dich so, seit du im letzten Winter in diesem Saal gestanden und mich über den Tisch hinweg angesehen hast, als wüsstest du schon, dass ich bleiben würde. Aber ich will es nur, wenn du jeden Augenblick nein sagen kannst und ich sofort aufhöre.“ Ich nickte. Meine Kehle war eng, mein Schoß war es nicht. „Das gilt“, sagte ich. „Und es gilt auch für dich. Wenn du gehst, gehe ich nicht hinterher.“ Er schüttelte kaum merklich den Kopf. „Ich gehe nicht.“

Er senkte die Hand, die noch in der Luft gewesen war, und legte sie an meine Wange. Die Handfläche war warm, die Finger trocken, der Daumen strich einmal unter meinem Auge entlang, als wolle er eine Müdigkeit wegwischen, die nicht die seine war. Ich lehnte mich in diese Berührung und schloss für eine Sekunde die Augen. Als ich sie wieder öffnete, war sein Gesicht näher. Er küsste mich nicht sofort. Er sah mich an, als prüfe er, ob der Satz noch stand, und ich hielt seinem Blick stand, weil er stand. Dann beugte er sich herab, und sein Mund traf meinen.

Der Kuss war zuerst langsam, fast vorsichtig, Lippen auf Lippen, ein Kosten, kein Nehmen. Ich öffnete den Mund und ließ ihn ein, und seine Zunge fand meine mit einer Sicherheit, die mich weich in den Knien machte. Er schmeckte nach Minze und nach dem langen Tag, und ich schmeckte mich selbst in diesem Kuss wieder, hungrig, nicht mehr nur die Chirurgin, die den Faden gehalten hatte. Meine Hände gingen an seine Taille, unter den Saum des Hemdes, auf die warme Haut über dem Hosenbund. Er atmete gegen meinen Mund, ein leises Geräusch, das keine Worte mehr brauchte. Ich zog ihn näher, bis seine Brust an meiner lag und ich die Härte spürte, die sich in seiner Hose gegen meinen Bauch drückte.

„Hier“, sagte ich an seinen Lippen, und meinte das Bett, das schmale, bezogen mit einem gestreiften Laken, das nach Waschmittel roch. Wir gingen die drei Schritte, ohne uns ganz loszulassen. Ich setzte mich auf die Kante, und er kniete sich vor mich, nicht theatralisch, einfach so, dass sein Gesicht auf der Höhe meiner Brust war. Seine Hände lagen auf meinen Knien. Durch den dünnen Stoff der Hose spürte ich die Wärme seiner Handflächen, und ich spreizte die Beine ein wenig, damit er dazwischen Platz hatte. Er sah hinauf. In diesem Blick lag kein Spott über mein Alter und kein Mitleid. Da lag Begehren, offen und ungeduldig unter der Ruhe, die er sich noch auferlegte.

Er öffnete die Knöpfe meiner Bluse, einen nach dem anderen, und schob den Stoff von meinen Schultern. Die Luft im Zimmer war nicht kalt, aber meine Haut zog sich zusammen, als sie frei lag. Mein Büstenhalter war schlicht, hautfarben, nichts für einen Auftritt, und gerade das machte mich für einen Herzschlag verlegen. Henrik strich mit dem Finger über den Rand der Schale, dann über die Stelle, an der meine Brust darüberquoll, weich und schwer, wie sie mit den Jahren geworden war. „Du bist schön“, sagte er, und es klang nicht wie eine Höflichkeit. Es klang wie eine Feststellung, die er lange für sich behalten hatte. Ich glaubte ihm, weil seine Stimme dabei rauer wurde.

Er öffnete den Verschluss im Rücken, und der Büstenhalter fiel nach vorn. Meine Brüste lagen in seinen Händen, voll, die Warzen schon dunkel und fest, bevor sein Mund sie berührte. Er nahm zuerst die linke zwischen die Lippen, saugte langsam, die Zunge flach und dann spitz, und ein Strom lief von dort gerade hinab zwischen meine Schenkel. Ich legte die Hand in sein Haar, das an den Schläfen schon grau war, und hielt ihn nicht fest, ich hielt mich nur. Er wechselte zur anderen Brust, biss ganz leicht, gerade so, dass ein süßer Schmerz aufflammte und sofort in Wärme überging. Ich hörte mich selbst, ein kurzes, heiseres Lautgeben, das ich nicht zurückhielt.

„Mehr“, sagte ich. Er verstand es als das, was es war: keine Ungeduld mit ihm, sondern die Bitte, die schon im Raum stand und jetzt Körper wurde. Seine Hände gingen an den Bund meiner Hose, öffneten Knopf und Reißverschluss, und ich hob die Hüften, damit er den Stoff hinunterziehen konnte, mitsamt dem Slip. Kühle Luft traf meine Scham. Ich war nass, deutlich, die Schenkel innenseitig schon glänzend, und ich sah, wie sein Blick dorthin ging und sich verfinsterte vor Lust. Er strich mit zwei Fingern durch die Nässe, langsam, von der Öffnung hinauf zur Knospe, und ich zuckte, weil die Berührung genau und nicht zu fest war. „So feucht“, murmelte er, und diesmal war es kein Satz für mich, sondern einer, der ihm selbst entfuhr.

Er beugte sich vor und küsste die Innenseite meines linken Oberschenkels, dann des rechten, dann die weiche Stelle, an der Schenkel und Schoß sich trafen. Sein Atem war heiß. Ich lehnte mich auf die Ellbogen zurück, die Beine weiter geöffnet, und sah auf seinen gesenkten Kopf, auf die Linie seines Nackens, auf die Hände, die meine Hüften hielten. Als seine Zunge mich das erste Mal teilte, war es ein langer, flacher Strich, von unten nach oben, und ich musste die Zähne zusammenbeißen, um nicht laut zu werden. Er wiederholte es, langsamer, und blieb dann an der Knospe, kreiste, saugte, ließ ab, kam wieder. Meine Hüften hoben sich ihm entgegen, ohne dass ich es beschloss. Das Laken raschelte unter mir. Draußen im Flur ging jemand vorbei und sprach in ein Telefon, und die Stimme war so fern, als gehöre sie einer anderen Etage.

Henrik leckte mich, als habe er Zeit, obwohl wir beide wussten, dass die Nacht im Haus nie ganz uns gehörte. Zwei Finger glitten in mich, gekrümmt, suchend, und fanden die Stelle, an der der Druck mich enger um ihn machte. Ich stöhnte jetzt offen, den Kopf in den Nacken, die Haare am Waschbeckenlicht klebend vor Schweiß am Ansatz. „Ja“, sagte ich, „genau da, hör nicht auf.“ Er hörte nicht auf. Seine Zunge arbeitete im selben Takt wie die Finger, und die Spannung in meinem Bauch zog sich zu einem Knoten, der jeden Augenblick reißen konnte. Ich hielt ihn am Haar, nicht um ihn zu lenken, sondern weil ich etwas brauchte, das wirklich war. Der erste Höhepunkt kam schnell und tief, ein Rollen, das in den Oberschenkeln begann und mich um seine Finger zusammenzog, wieder und wieder, bis ich zitternd ausatmete und die Hand auf seine Schulter legte, damit er wusste, dass ich eine Pause brauchte und keine Flucht.

Er hob den Kopf. Sein Mund glänzte. Er wischte sich nicht ab. Er küsste meinen Bauch, die weiche Stelle unter dem Nabel, die Narbe einer alten Laparoskopie, die Linie, an der die Haut sich mit den Jahren gesammelt hatte, und jede dieser Küsse sagte, dass er den Körper wollte, der hier lag, nicht einen jüngeren aus der Erinnerung. Ich zog ihn zu mir herauf und küsste ihn, schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und dieses Schmecken machte mich von neuem hungrig. Meine Hände gingen an seinen Gürtel. „Jetzt du“, sagte ich. „Ich will dich sehen. Ich will dich im Mund, bevor du in mir bist.“

Er stand auf, und ich öffnete Gürtel, Knopf, Reißverschluss mit Fingern, die wieder ruhig waren, weil sie etwas tun durften, das sie wollten. Die Hose sank, die Shorts mit ihr. Sein Glied sprang frei, dick, schon ganz hart, die Spitze feucht, die Adern unter der Haut deutlich. Ich umfasste ihn mit der Hand, spürte das Gewicht, die Hitze, das leichte Zucken, als mein Daumen über die Eichel strich. Henrik legte eine Hand an den Türrahmen des kleinen Schranks neben dem Bett, als brauche er Halt, und sah auf mich herab. Ich beugte mich vor und nahm ihn in den Mund, zuerst nur die Spitze, die Zunge kreisend, dann tiefer, bis er an meinen Gaumen stieß und ich mich zurückzog, um Luft zu holen und wieder zu kommen.

Er schmeckte sauber und salzig, nach Haut und nach dem langen Stehen im Saal. Ich saugte langsam, die Hand an der Wurzel im Takt meines Mundes, die andere an seinem Oberschenkel, wo die Muskeln hart wurden. Henrik fluchte leise, meinen Namen, Elena, nicht den Titel, und das allein ließ mich die Schenkel zusammenpressen. Ich nahm ihn tiefer, entspannte den Hals, ließ Speichel seine Länge glänzend machen, und hörte, wie sein Atem abriss. „Wenn du so weitermachst, komme ich“, sagte er heiser. Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, einen letzten Kuss auf die Spitze, und sah hinauf. „Noch nicht. Ich will dich in mir, wenn du kommst. Und ich will noch einmal kommen, mit dir.“

Er nickte, die Kiefermuskeln angespannt, und half mir, mich auf das Bett zu legen. Das Laken war kühl an meinem Rücken. Er zog das Hemd über den Kopf, und ich sah seinen Oberkörper, nicht den eines Jünglings, sondern den eines Mannes, der arbeitete und aß und schlief, wenn die Dienste es zuließen: Brust mit dunklem Haar, Bauch weich über der Härte darunter, Schultern breit. Ich öffnete die Arme. Er kam über mich, stützte sich auf die Unterarme, und sein Glied lag schwer auf meinem Bauch, heiß und feucht von meinem Mund. Wir küssten uns wieder, länger jetzt, ohne Eile an den Rändern und mit Eile in der Mitte. Meine Beine schlangen sich um seine Hüften. Die Spitze seines Gliedes rutschte durch meine Nässe, stieß an die Knospe, glitt tiefer, fand den Eingang und verharrte.

„Ja“, sagte ich, bevor er fragen konnte. „Jetzt. Ich will dich.“ Er schob sich in mich, Zentimeter um Zentimeter, und die Dehnung war voll, genau an der Grenze zwischen zu viel und genau richtig. Ich atmete gegen seinen Mund, die Nägel leicht in seinen Schultern, und als er ganz in mir war, blieben wir einen Moment still. Ich spürte ihn pulsieren. Ich spürte mich um ihn schließen, nass, eng, bereit. Sein Stirn lag an meiner. „Du fühlst dich unglaublich an“, sagte er. Ich lächelte, ein kleines, echtes Lächeln, das in ein Stöhnen überging, als er sich das erste Mal zurückzog und wieder in mich stieß.

Der Rhythmus war zuerst langsam, tief, jeder Stoß bis zum Anschlag, sodass ich ihn im ganzen Becken spürte. Das Bett knarrte leise gegen die Wand. Ich hob ihm die Hüften entgegen, suchte den Winkel, in dem seine Scham an meiner Knospe rieb, und fand ihn. Henrik verstand die Bewegung und hielt sie, die Stöße kürzer und fester, die eine Hand unter meinem Kreuz, die andere neben meinem Kopf. Schweiß sammelte sich in der Kuhle seines Halses. Ich leckte ihn dort, salzig, und er lachte einmal kurz und atemlos, bevor der Laut in einem Keuchen unterging. „Härter“, sagte ich. „Ich bin nicht aus Glas.“ Er gab mir, was ich verlangte. Die Stöße wurden tiefer, das Geräusch von Haut auf Haut füllte den kleinen Raum, und ich hörte mich selbst, offen, ohne den Gedanken an den Flur.

Er richtete sich auf die Knie, zog meine Hüften an sich, und in dieser Stellung traf er mich so, dass jeder Stoß einen hellen Punkt hinter meinen Augen aufleuchten ließ. Meine Brüste bewegten sich mit dem Rhythmus, schwer, die Warzen noch empfindlich von seinem Mund. Er sah auf die Stelle, an der er in mich glitt, und dann in mein Gesicht, als wolle er beides nicht verlieren. „Sieh mich an“, sagte ich, und er sah mich an. In diesem Blick war die Bitte noch einmal ganz da, die Worte, die sich nicht zurücknehmen ließen, und zugleich das einfache, körperliche Ja, das wir uns gaben. Ich griff zwischen uns und rieb meine Knospe im Takt seiner Stöße, zwei Finger, fest und kreisend, und die zweite Welle baute sich schneller auf als die erste.

„Ich komme“, sagte ich, und diesmal war die Stimme brüchig. Henrik beugte sich wieder über mich, stieß tiefer, langsamer, genau dort, wo ich ihn brauchte, und küsste mich, während der Orgasmus mich fasste. Es war länger als der erste, ein Ziehen und Öffnen zugleich, das mich um ihn flattern ließ, die Schenkel zitternd, der Rücken vom Laken gelöst. Ich hielt seinen Nacken und sagte seinen Namen, wieder und wieder, nicht als Ruf um Hilfe, sondern als Anker. Er bewegte sich durch die Wellen hindurch, nicht hastig, bis das Zittern nachließ und ich weich unter ihm lag, noch voll von ihm, noch nicht fertig mit ihm.

„Dreh mich“, flüsterte ich. „Ich will dich von hinten spüren, und ich will deine Hand an meiner Brust.“ Er zog sich zurück, und die Leere war kurz und fast schmerzhaft. Ich drehte mich auf die Knie, die Unterarme auf dem Laken, den Rücken durchgedrückt, und spürte seine Hände an meinen Hüften, dann eine an meiner Taille, dann die andere, die nach vorn griff und meine Brust umfasste, die Warze zwischen den Fingern. Er drang wieder in mich ein, in einem langen Stoß, und der Winkel war anders, tiefer, roher. Ich drückte das Gesicht ins Laken und stöhnte hinein, dann hob ich den Kopf, weil ich hören wollte, was er hörte: unser Atmen, das nasse Geräusch, das Knarren, das leise Fluchen, wenn er sich zurückhielt.

„Nicht zurückhalten“, sagte ich. „Ich will, dass du kommst. Ich will es spüren.“ Henrik beugte sich über meinen Rücken, die Brust an meinen Schulterblättern, der Mund an meinem Ohr. „Bist du sicher?“ „Ja. Ganz sicher. Komm in mir.“ Er stieß schneller, die Hand an meiner Brust fester, die andere an meiner Hüfte, die Finger in die weiche Stelle über dem Knochen gedrückt. Ich schob mich ihm entgegen, nahm jeden Stoß, spürte, wie seine Kontrolle nachließ, wie der Rhythmus ungleich wurde, schöner dadurch. Sein Atem brach an meinem Nacken. Er sagte meinen Namen, einmal, rau, und dann kam er, tief in mir, die Hüften fest an meine gepresst, ein langes, gepresstes Stöhnen, das ich im ganzen Körper fühlte. Die Wärme seiner Entladung füllte mich, und ich hielt still, damit er den letzten Stoß ganz auskosten konnte, die Stirn zwischen meinen Schulterblättern, der Körper schwer und zitternd.

Wir blieben so, bis sein Gewicht zu viel wurde und er sich vorsichtig zur Seite zog und mich mit sich nahm, sodass ich auf der Seite lag, den Rücken an seiner Brust, sein Arm um meine Taille. Sein Glied glitt aus mir, und ein warmer Schwall folgte, lief über meinen Schenkel auf das Laken. Ich schämte mich nicht dafür. Ich lag und atmete und spürte sein Herz an meinem Rücken, schnell, dann langsamer. Seine Hand strich über meinen Bauch, nicht zielgerichtet, einfach da, die Finger in der weichen Haut, als wolle er sich vergewissern, dass ich noch wirklich war. Ich legte meine Hand auf seine. Draußen war der Hof dunkel. Die kleine Lampe über dem Waschbecken summte leise.

„Die Bitte steht noch“, sagte ich nach einer Weile. Meine Stimme war heiser und ruhig. „Ich nehme sie nicht zurück. Auch nicht, wenn wir morgen die Masken wieder aufsetzen und so tun, als kennten wir nur die Namen auf dem Plan.“ Henrik küsste meine Schulter, eine Stelle, die noch nach seinem Mund schmeckte, wenn ich daran dachte. „Ich will sie nicht zurück“, sagte er. „Ich will nur, dass du weißt: wenn du im Saal nur die Chirurgin sein willst, bin ich nur der Anästhesist. Und wenn du danach wieder diese Tür zumachst, komme ich.“ Ich drehte den Kopf, so weit ich konnte, und fand seinen Mund für einen kurzen, salzigen Kuss. „Dann komm“, sagte ich. „Nicht jeden Abend. Aber wenn ich dich bitte, dann meine ich es so, wie ich es heute gemeint habe.“

Wir lagen noch, bis die Haut abkühlte und der Schweiß auf meinen Schlüsselbeinen trocknete. Henrik stand auf, holte ein Handtuch, machte es am Waschbecken nass und warm und wischte mich behutsam zwischen den Schenkeln ab, ohne Eile, ohne dass die Geste klinisch wurde. Ich ließ es geschehen, die Augen halb geschlossen, und spürte, wie die Empfindlichkeit nach dem Kommen in ein sattes, schweres Wohlgefühl überging. Er trocknete mich, warf das Tuch in den Korb und zog seine Shorts wieder an, nicht aus Distanz, sondern weil der Flur jeden Moment einen von uns rufen konnte. Ich setzte mich auf, zog die Bluse über die Schultern, ohne sie gleich zu knöpfen, und sah ihn an. Sein Haar war zerzaust. An seinem Hals war ein leichter roter Fleck von meinem Mund. Ich berührte ihn mit dem Finger und lächelte.

„Das sieht man morgen“, sagte ich. „Gut“, sagte er, und das eine Wort war frecher, als ich ihn kannte, und genau richtig. Ich knöpfte die Bluse, stand auf, fand Slip und Hose, und während ich mich anzog, spürte ich ihn noch in mir, ein Nachhall, der beim Gehen bleiben würde. Henrik reichte mir das Haargummi, das vom Bett gefallen war. Unsere Finger berührten sich, und diesmal war es keine Frage mehr, sondern eine Antwort, die schon gegeben war. Ich band das Haar wieder hoch, so wie ich es im Saal trug, und im Spiegel über dem Waschbecken sah ich eine Frau von achtundvierzig Jahren, mit geröteten Lippen und ruhigen Augen, die eine Bitte ausgesprochen hatte und sie nicht bereute.

Wir öffneten die Tür nicht gleichzeitig. Ich ging zuerst, den Kittel über dem Arm, die Schritte gleichmäßig, das Gesicht das einer Oberärztin nach einem langen Dienst. Henrik wartete, wie er gesagt hatte, und würde später denselben Flur entlanggehen, mit demselben Abstand, der von außen noch kollegial aussah. In mir war nichts mehr kollegial an diesem Abstand. Die Worte lagen zwischen uns, unwiderruflich, warm wie seine Hand an meiner Wange gewesen war, deutlich wie sein Körper in meinem. Ich bog um die Ecke zur Station, nickte der Nachtschwester zu und spürte, wie sich mein Mund zu einem kleinen, privaten Lächeln verzog, das niemand deuten musste. Die Bitte war gesagt. Sie blieb. Und ich wollte sie behalten.

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