Drei Regeln vor Mitternacht
Reife Frau · 17 Minuten lesen · 23 Minuten hören
Gelesen von Lana Weiss
Teil 1 der Serie Im besten Alter (1)
Ich war fünfundvierzig, seit drei Wochen in der Abteilung und noch nicht ganz angekommen, als Tobias die letzte Lampe im Flur ausknipste und die Glastür hinter uns zuzog. Er war zweiunddreißig, Abteilungsleiter, und er trug die Ruhe eines Mannes, der Entscheidungen nicht laut ankündigte. Auf dem Konferenztisch lagen die ausgedruckten Folien für den Kundentermin am nächsten Morgen, eine angebrochene Flasche Mineralwasser und mein Notizbuch, in dem ich die Einwände des Einkäufers schon zum dritten Mal umformuliert hatte. Draußen war der Parkplatz fast leer. Drinnen roch es nach Papier, nach dem kalten Kaffee aus dem Automaten und nach dem holzigen Duft seines Hemdes, das er nach dem letzten Meeting aufgeknöpft hatte.
Wir stritten nicht. Wir maßen uns nur, Satz gegen Satz, und jedes Mal, wenn ich einen schärferen Einstieg vorschlug, lächelte er so, als hätte er die Pointe schon gehört. Ich kannte dieses Lächeln aus den ersten Tagen. Es war nicht herablassend. Es war neugierig, und genau das hatte mich von Anfang an unruhig gemacht. Eine neue Kollegin in meinem Alter fällt in einem jungen Team auf, und ein jüngerer Vorgesetzter, der einem in die Augen sieht, statt auf die Uhr, fällt noch mehr auf. Ich hatte mir vorgenommen, Abstand zu halten. Der Abstand hielt nicht.
„Du glaubst, du hältst ihn in den ersten fünf Minuten“, sagte er und tippte auf die Folie mit dem Preis. „Ich glaube, er unterbricht dich nach zwei.“
„Dann wetten wir“, sagte ich, bevor ich den Satz zu Ende gedacht hatte.
Er legte den Stift hin. Die Stille im Raum wurde enger. „Eine Wette braucht Regeln, Lena. Sonst ist es nur Gerede.“
Ich setzte mich auf die Tischkante, die Bluse noch zugeknöpft, die Schuhe ausgezogen, weil die Absätze nach zehn Stunden wehtaten. „Dann machen wir Regeln. Und sie gelten nur für heute Abend. Nicht für den Termin. Nicht für die Arbeit. Wenn einer von uns morgen so tut, als hätte das hier etwas mit Beförderung oder mit Schweigen zu tun, ist die Wette ungültig, bevor sie beginnt.“
Er nickte sofort, und das nahm mir die letzte Scheu. „Einverstanden. Drei Regeln. Erstens: Jeder darf jederzeit Pause sagen. Pause heißt aufhören, anziehen, nach Hause, ohne Erklärung und ohne Nachfragen. Zweitens: Nichts, was einer nicht laut und klar will. Drittens: Was hier passiert, bleibt in diesem Raum, und es ändert nichts an dem, was wir uns dienstlich schulden.“
Ich wiederholte die drei Sätze, langsam, damit sie zwischen uns lagen wie unterschriebene Zeilen. Dann fügte ich die vierte hinzu, obwohl er nur von dreien gesprochen hatte. „Und die Wette selbst: Wir lesen den Einstieg laut. Wer zuerst den Blick senkt oder den Faden verliert, hat verloren. Der Gewinner bekommt eine Stunde. In dieser Stunde bestimmt er das Tempo, nicht den Willen des anderen. Jede Berührung wird angesagt, bevor sie kommt. Ein Nein gilt, auch ohne das Wort Pause.“
„Eine Stunde“, sagte er. „Und du kannst die Stunde auch gewinnen, indem du mich aus dem Konzept bringst.“
„Genau das habe ich vor.“
Wir stellten die Stühle so, dass wir uns gegenübersaßen, Knie fast an Knie, die Folien zwischen uns wie ein Vorwand. Ich begann zu lesen. Meine Stimme war fest, der Preis stand, der Nutzen stand, und ich sah ihm dabei in die Augen, weil die Regel das verlangte. Er hielt stand. Beim zweiten Absatz hob er nur eine Braue, als ich das Wort Vertrauen länger zog, als es im Text stand. Ich spürte, wie die Wärme in meinem Nacken nach unten lief, unter den Kragen, zwischen die Schulterblätter. Er las seinen Teil. Seine Stimme war tiefer als am Tag, und als er bei der Stelle ankam, an der der Kunde nach Garantien fragen würde, stockte er nicht. Ich stockte auch nicht. Wir waren besser darin, als uns lieb sein konnte.
Dann legte er die Folie weg und sagte leise: „Du hast einen Knopf offen, den du heute Morgen geschlossen hattest.“
Ich sah hinunter. Es stimmte nicht. Der Knopf saß. Aber der Satz hatte seinen Zweck erfüllt: Ich lachte, kurz, und der Blick ging für einen Atemzug nach unten. Als ich wieder aufsah, war sein Gesicht ruhig und hell.
„Verloren“, sagte er.
„Um einen Atemzug.“
„Die Regel sagt nichts von der Länge.“
Ich hätte widersprechen können. Ich tat es nicht. Die Niederlage fühlte sich nicht wie eine Niederlage an. Sie fühlte sich wie eine Tür an, die ich selbst aufgestoßen hatte und nun nicht mehr zuschlagen wollte. „Dann gilt deine Stunde“, sagte ich. „Sag an, was du willst. Und ich sage, ob ich es will.“
Er stand nicht auf. Er blieb sitzen, die Hände auf den Knien, und das gefiel mir mehr als jede große Geste. „Ich will, dass du die Bluse öffnest. Langsam. Und dass du mir sagst, wenn dir die Luft im Raum zu eng wird.“
„Die Luft ist eng“, sagte ich. „Und ich will die Bluse trotzdem öffnen.“
Der Stoff gab Knopf für Knopf nach. Darunter trug ich einen schlichten Bügel, hautfarben, nichts für einen Auftritt und alles für einen langen Tag. Meine Brüste sind in diesem Alter schwerer als mit dreißig, weicher an den Seiten, und ich habe aufgehört, das zu bedauern. Als der letzte Knopf aufging, sah er nicht weg und auch nicht nur auf die Brust. Er sah mir ins Gesicht, als wollte er prüfen, ob die Regel noch stand.
„Darf ich die Träger anfassen?“, fragte er.
„Ja.“
Seine Finger waren warm. Er schob die Träger nicht herunter. Er fuhr nur daran entlang, von der Schulter zur Beuge, und die Berührung war so leicht, dass meine Haut ihr nachfolgte. Ich atmete aus, länger als nötig. Draußen fuhr ein Auto vorbei, Scheinwerfer streiften die Jalousie und verschwanden. Wir waren allein im Gebäude, soweit man das um diese Uhr wissen kann, und die verschlossene Tür war unsere eigene Entscheidung gewesen, nicht ein Versteck vor jemandem.
„Steh auf“, sagte er, dann korrigierte er sich, weil die Regel das Ankündigen verlangte und nicht den Befehl. „Ich möchte, dass du aufstehst, damit ich dich ansehen kann. Wenn du sitzen bleiben willst, bleiben wir sitzen.“
„Ich stehe auf.“
Die Bluse rutschte von den Armen und blieb auf dem Stuhl liegen. Ich öffnete den Verschluss des Bügels selbst, weil ich nicht warten wollte, bis er fragte, und hielt ihn einen Moment in der Hand, bevor ich ihn neben die Folien legte. Die kühle Luft der Klimaanlage traf die Brustwarzen. Sie zogen sich zusammen, dunkel und fest, und ein Ziehen lief von dort in den Bauch, tief und bekannt. Er betrachtete mich ohne Hast. Ich bin nicht mehr die Frau, deren Körper sich für fremde Blicke entschuldigt. Ich bin die Frau, die weiß, was dieser Körper kann, wenn man ihm Zeit lässt.
„Darf ich dich küssen?“, fragte er.
„Auf den Mund zuerst.“
Er kam näher, ohne mich an die Tischkante zu drängen. Der Kuss begann trocken und genau, Lippe an Lippe, und wurde erst feucht, als ich den Mund öffnete und ihn einlud. Er schmeckte nach Minze und nach dem Wasser, das er vorhin getrunken hatte. Seine Hand lag an meiner Taille, über dem Rock, und fragte durch ihr Stillhalten mehr als durch Druck. Ich legte meine Hand in seinen Nacken. Das Haar dort war kurz und weich. Er war jünger, ja, und in diesem Kuss merkte ich den Unterschied nicht als Mangel, sondern als andere Geschwindigkeit: Er wartete, wo ein Mann in meinem Alter manchmal schon genommen hätte, was angeboten schien.
„Die Stunde läuft“, murmelte ich an seinem Mund. „Nutzen wir sie.“
„Ich möchte den Rock öffnen.“
„Tu es.“
Der Reißverschluss ging an der Seite auf. Der Stoff fiel, und ich stieg heraus, barfuß auf dem Teppich, in einem Slip, der nichts versprach und alles zeigte, sobald man hinsah. Er kniete nicht sofort. Er stellte sich hinter mich, Brust an meinem Rücken, und fragte, ob er die Brüste in die Hände nehmen dürfe. Ich sagte ja. Seine Handflächen waren breit genug. Er hob das Gewicht, strich mit den Daumen über die Spitzen, erst kaum, dann kreisend, bis ich den Kopf an seine Schulter legte und ein Geräusch machte, das im leeren Büro lauter klang, als ich erwartet hatte. Ich presste die Schenkel zusammen. Zwischen ihnen war ich bereits warm und gleitend, und jeder Kreis seiner Daumen zog diese Wärme enger zusammen.
„Sag mir, was du fühlst“, bat er.
„Ich fühle deine Hände. Ich fühle, dass ich dich in mir haben will, und ich fühle, dass wir noch nicht dort sind. Bleib bei den Regeln.“
Er küsste die Stelle unter meinem Ohr. „Ich möchte dich auf den Tisch setzen. Die Folien räumen wir weg.“
Wir räumten sie weg. Das Papier raschelte, ein Ordner fiel, wir lachten kurz, und das Lachen löste nichts von der Spannung, es machte sie nur bewohnbar. Ich setzte mich auf die Kante. Das Holz war kühl an den Oberschenkeln. Er stellte sich zwischen meine Knie und wartete, bis ich sie weiter öffnete. Dann fragte er, ob er den Slip ausziehen dürfe.
„Ja. Langsam.“
Er zog ihn an den Seiten herunter, über die Hüften, die Schenkel, die Knie, und ich hob erst das eine Bein, dann das andere. Als der Stoff auf dem Boden lag, war ich nackt, und er war noch vollständig angezogen, Hemd, Hose, Gürtel. Dieses Ungleichgewicht hätte mich früher gestört. An diesem Abend gefiel es mir, weil ich es gewählt hatte und weil ich wusste, dass ich es umkehren konnte, sobald ich das wollte.
Er sah mich an, offen, ohne den Blick höflich abzuwenden. Die Scham zwischen meinen Beinen war nicht rasiert bis zur Glätte, nur kurz gehalten, dunkelblond, und die Lippen darunter schon geschwollen und glänzend. Ich spreizte die Knie ein wenig mehr, nicht als Vorführung, sondern weil das Sitzen so ehrlicher war.
„Darf ich dich mit dem Mund berühren?“, fragte er.
„Ja. Und sieh mich dabei an, wenn du kannst.“
Er beugte sich vor. Der erste Kuss landete auf der Innenseite des Oberschenkels, dann höher, dann auf dem weichen Hügel, und erst danach teilte seine Zunge mich. Sie war breit und warm und fand ohne Suchen die Stelle, an der alles zusammenlief. Ich stützte mich auf die Hände, den Rücken leicht gewölbt, und sah auf seinen Scheitel, auf die konzentrierte Stirn, auf die Art, wie seine Schultern unter dem Hemd arbeiteten. Er leckte nicht hastig. Er lernte mich, Druck und Pause, flach und spitz, und als ich die Hüften anhob, folgte er, statt mich festzuhalten. Ein Finger fragte an meinem Eingang, die Kuppe nur, und ich sagte ja, bevor er die Frage ganz ausgesprochen hatte.
Er schob den Finger hinein, langsam, bis zum zweiten Glied, und krümmte ihn nach vorn, während die Zunge weiter über die Knospe strich. Ich war eng und nass zugleich, die Muskeln zogen sich um ihn, und das Geräusch, das dabei entstand, war leise und eindeutig. Ich biss mir auf die Lippe, dann ließ ich es. Es gab niemanden, für den ich leise sein musste, außer uns, und wir wollten es hören.
„Noch ein Finger“, sagte ich. „Wenn du willst.“
„Ich will.“
Zwei Finger füllten mich besser. Er bewegte sie in einem gleichmäßigen Takt, nicht schnell, und der Mund blieb an mir, saugte nun etwas fester, gerade so viel, dass die Lust einen hellen Rand bekam. Meine Brüste bewegten sich mit dem Atem. Ich nahm eine in die Hand, drückte die Spitze zwischen zwei Fingern, und die doppelte Empfindung schoss mir in den Unterleib. Ich war nah, näher als ich nach so kurzer Zeit erwartet hatte, und ich sagte es ihm, weil die Regeln Ehrlichkeit verlangten und weil ich nicht kommen wollte, ohne dass er es wusste.
„Dann komm“, sagte er an meiner Haut. „Die Stunde gehört uns beiden, nicht nur mir.“
Ich ließ los. Es kam in Wellen, nicht als einzelner Schlag, sondern als ein Ziehen, das im Becken begann und in die Schenkel auslief, dann zurück, dann noch einmal, während seine Finger still in mir blieben und seine Zunge weicher wurde, damit es nicht zu viel wurde. Ich hörte mich selbst, einen langen Ton, der in ein Lachen überging, weil der Körper manchmal keine andere Sprache hat. Als es abebbte, lag meine Hand in seinem Haar, nicht drückend, nur haltend.
Er richtete sich auf. Sein Mund glänzte. Ich zog ihn zu mir und küsste ihn, schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und das gefiel mir so sehr, dass ich den Kuss verlängerte, bis uns die Luft ausging.
„Jetzt du“, sagte ich. „Ich möchte dich ausziehen. Darf ich?“
„Die Stunde ist meine, aber ja. Ich will das.“
Ich öffnete sein Hemd Knopf für Knopf, schob es von den Schultern, und darunter war ein Körper, der arbeitete und nicht posierte: glatte Brust, ein schmaler Streifen Haar zum Nabel, Arme, die Akten ordneten und nicht Gewichte stemmten. Ich küsste die Mitte seiner Brust, die Rippen, den Bauch, und spürte, wie sein Atem stockte. Der Gürtel gab nach. Die Hose auch. Er half nur, indem er die Hüften anhob, als ich Stoff und Shorts zusammen herunterzog.
Er war hart, dick genug, dass meine Hand ihn nicht ganz umschloss, die Eichel schon feucht, die Haut heiß. Ich hielt ihn einen Moment nur, ohne zu bewegen, und sah ihm ins Gesicht. „Ich möchte dich in den Mund nehmen. Sag, wenn der Druck nicht stimmt.“
„Der Druck wird stimmen“, sagte er, und die Stimme war rauer als vorhin. „Und wenn nicht, sage ich es.“
Ich rutschte vom Tisch, kniete auf den Teppich, der unter den Knien nachgab, und nahm ihn zuerst nur mit der Zunge auf, von der Wurzel zur Spitze, langsam, damit ich seinen Geschmack lernte. Dann schloss ich die Lippen um ihn und ging so tief, wie es angenehm blieb, eine Hand an der Basis, die andere an seiner Hüfte. Er stöhnte leise, ein kontrollierter Laut, und seine Finger legten sich in mein Haar, ohne zu führen. Ich mochte das. Ich mochte, dass er auch jetzt fragte, indem er nicht nahm. Ich bewegte den Kopf in einem ruhigen Takt, die Zunge unter der Eichel, wo er am empfindlichsten war, und jedes Mal, wenn ich ihn fast ganz freigab, sah ich zu ihm hoch. Sein Blick war dunkel und dankbar und ein wenig fassungslos, als hätte er nicht damit gerechnet, dass eine Frau in meinem Alter so unverschämt geduldig sein konnte.
„Lena“, sagte er. „Wenn du so weitermachst, ist die Stunde zu Ende, bevor ich in dir war.“
Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die feuchte Spitze und stand auf. Meine Knie waren warm vom Teppich. „Dann sag an, was als Nächstes kommt. Ich will dich in mir. Aber ich will hören, wie du es willst.“
Er holte aus der Jacke, die über dem Stuhl hing, ein kleines Päckchen, und hielt es hoch, damit ich es sah. „Kondom. Ich hatte nicht geplant, dass es heute passiert. Ich hatte nur gehofft, dass ich vorbereitet bin, falls wir beide ja sagen.“
„Gut“, sagte ich. „Hoffnung mit Verpackung ist mir lieber als Hoffnung ohne.“
Ich nahm ihm das Päckchen ab, öffnete es und rollte das Kondom über ihn, fest und gleichmäßig, während er die Zähne zusammenbiss und trotzdem lächelte. Dann setzte ich mich wieder auf die Tischkante, zog ihn zwischen meine Beine und führte ihn selbst an meinen Eingang. Die Eichel drückte gegen die nasse Öffnung. Ich war bereit, weit genug von seinen Fingern und von meinem eigenen Wunsch, und trotzdem hielt ich inne.
„Langsam“, sagte ich. „Ganz hinein, aber langsam. Und küss mich dabei.“
Er küsste mich und schob sich vor, Zentimeter um Zentimeter. Das Dehnen war deutlich, ein süßes Ziehen, kein Schmerz, und als er ganz in mir war, blieben wir so, Stirn an Stirn, und atmeten denselben Atem. Er füllte mich vollständig. Ich spürte ihn an jedem Punkt, den inneren Schlag seines Pulses, die Wärme durch das dünne Material, das Gewicht seiner Hüften an meinen. Meine Beine lagen um ihn, Fersen an seinen Waden. Die Brüste drückten sich an seine Brust, die Spitzen hart an seiner Haut.
„Beweg dich“, sagte ich. „Noch nicht schnell.“
Er zog sich zurück und kam wieder, ein langer Stoß, dann noch einer, und jeder davon traf eine Stelle tief in mir, die nach dem ersten Kommen noch empfindlich und schon wieder hungrig war. Ich hielt seinen Nacken. Unsere Münder fanden sich zwischen den Stößen, unordentlich, mit Zähnen und Atem. Der Tisch knarrte leise. Irgendwo im Gebäude summte die Lüftung. Alles andere war Haut, Nässe, der Rhythmus, den wir gemeinsam hielten.
„Härter?“, fragte er.
„Ein wenig. Und deine Hand zwischen uns. Ich will noch einmal kommen, während du in mir bist.“
Er legte den Daumen auf die Knospe, kreiste im Takt seiner Hüften, und der zweite Aufbau war schneller, schärfer, weil der erste den Weg schon geöffnet hatte. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte ja. Ich sagte, dass er nicht aufhören solle, und er hörte auf das ja und nicht auf irgendeine Vorstellung davon, wie eine Frau in meinem Alter zu nehmen sei. Er nahm mich so, wie ich es verlangte: tief, stetig, mit der Hand, die nicht vergaß, was sie tat. Als es kam, zog ich mich um ihn zusammen, die Fersen drückten in seine Waden, und ich verbarg das Gesicht nicht. Ich wollte, dass er sah, wie eine reife Frau kommt, wenn sie nicht spielt und nicht bittet, sondern nimmt, was sie sich ausgemacht hat.
Er hielt noch, die Stirn feucht, die Arme zitternd vor Zurückhaltung. „Ich bin nah“, sagte er. „Darf ich?“
„Ja. Komm. Ich will es spüren.“
Seine Stöße wurden kürzer, drängender, und dann blieb er tief in mir, ein gepresster Laut an meinem Hals, der ganze Körper einen Moment lang starr und dann weich. Ich hielt ihn, die Arme um seinen Rücken, die Beine noch um seine Hüften, und strich langsam über die feuchte Haut zwischen seinen Schulterblättern, bis sein Atem wieder in einen normalen Takt fand. Wir blieben so, verbunden, ohne zu sprechen, weil Sprechen in dieser Minute nur gestört hätte.
Als er sich zurückzog, tat er es vorsichtig. Er entsorgte das Kondom, kam mit Tüchern aus der kleinen Küche nebenan zurück und half mir, ohne daraus eine Geste zu machen. Das Wasser war kühl auf der erhitzten Haut. Ich zuckte und lachte, und er lachte mit, leiser jetzt, der Mann nach der Stunde und nicht der Mann in der Wette.
Wir zogen uns an, nicht hastig und nicht feierlich. Die Bluse, der Rock, sein Hemd, der Gürtel. Die Folien lagen wieder auf dem Tisch, ein wenig verschoben, und ich strich sie glatt, weil der Termin am Morgen trotzdem stattfinden würde. Meine Beine waren weich. Zwischen ihnen pochte ein Nachhall, angenehm und deutlich, und jedes Mal, wenn ich mich bewegte, erinnerte mich der Körper an die letzten Minuten, ohne dass ich ihn darum bitten musste.
„Die Stunde ist um“, sagte er und sah auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht. „Regel drei: nichts davon ändert, was wir uns dienstlich schulden. Ich werde dich morgen im Meeting nicht anders behandeln als heute Vormittag.“
„Und ich dich nicht“, sagte ich. „Wenn ich den Kunden in fünf Minuten halte, ist das Können und nicht diese Wette. Wenn er mich nach zwei Minuten unterbricht, auch.“
Er nickte. An der Tür blieb er stehen, die Hand am Rahmen, und fragte nicht, ob wir das wiederholen würden. Das gefiel mir. Eine Wiederholung, die man sofort einfordert, macht aus einer freien Stunde eine Gewohnheit mit Anspruch. Ich legte die Hand auf seine, kurz, Haut an Haut, ohne den Kuss zu wiederholen.
„Pause haben wir nicht gesagt“, sagte ich. „Das heißt nicht, dass die Tür immer offen steht. Es heißt nur, dass sie heute offen war und dass wir beide den Schlüssel hatten.“
„Drei Regeln“, sagte er. „Sie haben gehalten.“
„Sie haben gehalten, weil wir sie laut gesagt haben, bevor wir die Kleidung ausgezogen haben. Merk dir das, falls du jemals wieder wetten willst.“
Wir löschten das Licht im Konferenzraum. Im Flur roch es wieder nur nach Reinigungsmittel und nach der Nacht. Draußen war der Parkplatz dunkel bis auf zwei Laternen. Er ging zu seinem Wagen, ich zu meinem, und wir hoben die Hand, so wie Kollegen das tun, die morgen dieselbe Besprechung haben. In meinem Auto saß ich einen Moment mit den Händen am Lenkrad und spürte noch seinen Mund, seine Finger, das Gewicht, mit dem er in mir gewesen war. Ich war fünfundvierzig, neu in der Abteilung, und ich hatte eine Wette verloren, die ich vielleicht auch hätte gewinnen können. Der Verlust störte mich nicht. Die Regeln hatten den Abend getragen, klarer als jedes Versprechen, und der Nachklang in meinem Körper war ehrlich genug, um mich lächeln zu lassen, während ich den Motor startete und nach Hause fuhr.
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