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Solange die Dielen offen lagen

Fremdgehen · 29 Minuten lesen · 39 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (7)

Am Montagmorgen fiel die Wohnungstür ins Schloss, und das Geräusch blieb im Flur länger hängen, als es hätte sollen. Thomas zog den Koffer hinter sich her, sagte etwas von Hamburg, von Verhandlungen, von zwei Wochen, vielleicht länger, und küsste mich auf die Wange, als wäre die Wange ein Ort, an dem man etwas ablegt. Ich stand mit der Tasse in der Küche und hörte den Aufzug. Mit vierunddreißig Jahren und elf Jahren Ehe kannte ich dieses Weggehen. Es war nicht laut. Es war nur leer, und die Leere hatte in den letzten Monaten angefangen, einen eigenen Geruch zu haben, nach kaltem Kaffee und nach Bettwäsche, die nur auf einer Seite warm wurde.

Der Handwerker sollte um neun kommen. Die alten Dielen im Wohnzimmer und im Flur waren verzogen, und Thomas hatte den Auftrag erteilt, bevor er fuhr, als wäre ein neuer Boden eine Art Versprechen, das man hinterlassen kann. Ich hatte den Namen auf dem Zettel gelesen, Markus Brenner, und mir nichts dabei gedacht. Ich zog eine alte Hose an und ein Hemd, das an den Ellbogen dünn war, band das Haar hoch und öffnete die Fenster, weil der Morgen schon warm war. Dann klingelte es, früher als verabredet, und ich ging barfuß zur Tür.

Er war größer, als ich ihn mir vorgestellt hatte, und älter als die Stimme am Telefon. Zweiundvierzig, sagte er später, als wir über das Alter der Dielen sprachen und das Gespräch irgendwie auf Menschen kam. An diesem Morgen sagte er nur seinen Namen, zeigte den Auftrag und fragte, wo er die Werkzeuge abstellen dürfe. Seine Hände waren breit, die Nägel kurz, am linken Handgelenk ein heller Streifen, wo im Sommer eine Uhr gesessen haben musste. Er roch nach Holz und nach Seife, nicht nach dem scharfen Zeug, das manche Männer benutzen, wenn sie glauben, dass Geruch eine Meinung ist. Ich zeigte ihm das Wohnzimmer. Er ging langsam über die alten Bretter, drückte mit dem Fuß, hörte hin und nickte, als würde der Boden ihm etwas erzählen, das ich seit Jahren überhörte.

Wir tranken Kaffee, weil ich nicht wusste, wohin mit den Händen. Er stand an der Arbeitsplatte, nicht am Tisch, und hielt die Tasse so, dass der Henkel nach außen zeigte. Er fragte nach dem Aufbau der Wohnung, nach dem Estrich, nach Feuchtigkeit im Winter. Ich antwortete, was ich wusste, und merkte, dass ich mehr sagte, als nötig war. Dass Thomas oft fort sei. Dass ich von zu Hause aus arbeite, Übersetzungen, nichts Lautes. Dass die Wohnung tagsüber still sei. Er hörte zu, ohne das Gesicht zu einem Mitleid zu ziehen, das ich nicht wollte. Dann stellte er die Tasse ab und sagte, er werde die alten Dielen vorsichtig herausnehmen, damit der Staub nicht in jedes Zimmer ziehe. Seine Stimme war ruhig und etwas tief, und sie blieb im Raum, als er schon in die Knie gegangen war.

Den Vormittag über hörte ich das Brecheisen, das Knarren, das trockene Splittern von Holz, das zu lange an einem Ort gewesen war. Ich saß im Arbeitszimmer und starrte auf Sätze, die sich nicht fügen wollten. Immer wieder stand ich auf, angeblich wegen Wasser, wegen eines Fensters, wegen nichts. Er arbeitete mit hochgekrempelten Ärmeln. Unter dem Stoff bewegten sich die Unterarme, wenn er ein Brett anhob, und der Staub legte sich hell auf die dunklen Haare dort. Einmal richtete er sich auf, wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und sah mich in der Tür stehen. Er lächelte nicht sofort. Er sah nur, als prüfe er, ob ich etwas brauchte. Ich sagte, der Kaffee sei noch warm, und er sagte, später, und das Wort später hatte an diesem Montag noch keine Bedeutung.

Gegen Mittag aßen wir Brot am Küchentisch, weil es albern gewesen wäre, ihm einen Teller in den Flur zu stellen. Er erzählte wenig. Eine Werkstatt am Rand der Stadt, Aufträge in Altbauten, eine Wohnung über einer Bäckerei, in der es morgens nach Hefe roch. Keine Frau, sagte er, nicht mehr, seit drei Jahren, und er sagte es so, als lege er ein Werkzeug an den richtigen Platz, nicht als Einladung. Ich erzählte von Thomas, von seiner Genauigkeit, von den Reisen, und hörte selbst, wie dünn das klang. Markus nickte. Er fragte nicht nach. Draußen fuhr ein Wagen vorbei, und in der Wohnung war nur das Ticken der Küchenuhr und das leise Knacken der neuen Bretter, die er zum Akklimatisieren an die Wand gelehnt hatte.

Am Nachmittag half ich ihm, die herausgenommenen Dielen zum Container zu tragen. Ein Brett war schwerer, als es aussah. Er nahm das andere Ende, und als wir uns in der engen Tür drehten, lagen unsere Hände für einen Atemzug auf demselben Holz, nicht aufeinander, nur nah. Ich spürte die Wärme seiner Haut durch die wenige Luft dazwischen und zog meine Hand nicht weg, bis das Brett im Container lag. Er sagte danke, als hätte ich etwas getan, das Mühe kostete. Ich ging ins Bad, wusch mir den Staub von den Fingern und sah im Spiegel eine Frau, deren Mund weicher war als am Morgen. Ich trocknete die Hände länger als nötig.

Er ging um sechs. An der Tür blieb er stehen und sagte, morgen gegen acht, wenn das recht sei. Ich sagte ja. Als die Tür zu war, stand ich im halbleeren Wohnzimmer und sah die offenen Stellen im Boden, die dunklen Balken, den Staub in den Lichtstreifen. Ich kochte etwas, das ich nicht aufaß. Ich schrieb Thomas eine Nachricht, dass der Anfang gemacht sei, und er antwortete mit einem Daumen und einem Satz über ein Meeting. Ich legte das Telefon mit dem Display nach unten auf den Tisch. In der Nacht lag ich auf meiner Seite des Bettes und hörte das Haus, das anders atmete, seit die Dielen fehlten. Ich dachte an seine Hände am Henkel der Tasse und schämte mich nicht sofort. Die Scham kam später, dünn, und darunter lag etwas Wärmeres, das ich nicht wegschob.

Am Dienstag kam er mit nassem Haar, weil es auf dem Weg vom Wagen geregnet hatte. Er stellte die Schuhe ordentlich neben die Matte und zog Arbeitsschuhe an, die er im Flur gelassen hatte. Ich hatte Kaffee gemacht, stärker als sonst, und ein Hemd angezogen, das ich sonst nur trug, wenn ich ausging. Ich sagte mir, es sei gewaschen gewesen und deshalb zur Hand. Er bemerkte es nicht, oder er tat so. Wir arbeiteten nebeneinander, ohne dass es so genannt wurde. Ich reichte ihm Nägel, hielt Latten, las Maße von einem Band ab, das er mir in die Hand drückte. Wenn er sich bückte, sah ich den Nacken, die Linie, wo das Haar kürzer wurde, einen kleinen hellen Fleck auf der Haut, den die Sonne nicht erreichte. Ich sah hin und sah weg und sah wieder hin.

Gegen zehn regnete es stärker. Er schloss das Fenster im Wohnzimmer, damit das Holz nicht zog, und blieb einen Moment davor stehen, die Hand am Rahmen. Das Licht war grau und weich. Er sagte, so ein Regen mache die Stadt leiser, und ich sagte, die Wohnung auch. Wir standen zu nah für zwei Menschen, die über Wetter sprechen. Ich roch die Seife wieder und darunter ihn, warm, salzig vom Arbeiten. Mein Puls saß hoch im Hals. Er drehte den Kopf, nicht ganz zu mir, und seine Augen blieben an meinem Mund einen Herzschlag länger, als Höflichkeit braucht. Dann trat er zurück, nahm das Maßband und sagte, die nächste Reihe müsse genauer sitzen. Ich nickte, als wäre Genauigkeit das, was mir fehlte.

Am Nachmittag schnitt er ein Brett zu, und ein Span sprang mir gegen den Unterarm. Es war nichts, ein roter Strich, kaum Blut. Er sah es trotzdem. Er kam herüber, nahm meinen Arm, nicht fest, und drehte ihn zum Licht. Seine Finger lagen unter meinem Ellbogen und am Handgelenk, warm und trocken vom Holzstaub. Er sagte, nur ein Kratzer, und holte aus seiner Tasche ein kleines Pflaster, das nach nichts roch. Während er es klebte, atmete ich flach. Seine Daumenkuppe strich einmal über die Haut neben dem Pflaster, langsam, als prüfe er, ob es hielt. Ich hätte den Arm wegziehen können. Ich ließ ihn liegen. Er ließ los, bevor es zu lange wurde, und sagte leise, passen Sie auf. Das Sie stand zwischen uns wie ein Möbelstück, das niemand umgestellt hatte.

Abends blieb er länger, weil eine Reihe nicht schließen wollte. Ich kochte Nudeln, zu viel, und stellte zwei Teller auf den Tisch, ohne zu fragen, ob er Hunger hatte. Er wusch sich die Hände am Spülbecken, lange, bis das Wasser klar lief, und setzte sich mir gegenüber. Wir aßen. Draußen tickte der Regen an die Scheibe. Er erzählte von einem Haus am See, das er vor Jahren mit ausgebaut hatte, von Böden, die im Winter arbeiten, von der Geduld, die Holz verlangt. Ich hörte seiner Stimme zu und vergaß zu essen. Er bemerkte es und schob mir das Brot hin, ohne einen Kommentar. Diese kleine Geste, das Brot, die Art, wie er wartete, bis ich nahm, setzte sich in mir fest.

Ich fragte, ob er abends oft allein esse. Er sagte ja. Er sagte, er habe sich daran gewöhnt, und dann, nach einer Pause, dass Gewöhnung nicht dasselbe sei wie Ruhe. Ich sah auf meinen Ring. Das Gold war dünn geworden an der Unterseite, vom vielen Tragen. Ich drehte ihn nicht. Ich ließ die Hand auf dem Tisch liegen, und er sah sie an, nicht den Ring allein, die ganze Hand, die Adern, den kurzen Nagel am Daumen. Als er ging, blieb er wieder an der Tür stehen. Diesmal sagte er nichts über den nächsten Morgen. Er sagte nur, danke für das Essen, Lena. Meinen Namen hatte er am Auftrag gelesen. Aus seinem Mund klang er anders, näher am Körper. Ich schloss die Tür und lehnte die Stirn einen Moment gegen das Holz.

In der Nacht träumte ich nicht von ihm. Ich lag wach und stellte mir vor, wie seine Hand wieder unter meinem Ellbogen lag, nur länger, wie der Daumen höher wanderte, über die Innenseite des Arms, wo die Haut dünn ist. Ich schob die eigene Hand unter das Shirt und ließ sie auf dem Bauch liegen, warm, unentschlossen. Ich dachte an Thomas in einem Hotelbett, an sein gleichmäßiges Atmen, an die Jahre, in denen wir uns geliebt hatten, ohne hinzusehen. Ich dachte daran, dass niemand mich zwang, die Tür morgen wieder zu öffnen. Dann dachte ich an Markus’ Nacken im grauen Licht und an das Wort später, das am Montag noch leer gewesen war. Ich schlief erst ein, als der Regen nachließ.

Am Mittwoch war die Luft nach dem Regen klar und schon wieder warm. Er kam pünktlich, nickte, stellte den Kaffee ab, den ich ihm reichte, und arbeitete, als hätte es den Abend nicht gegeben. Ich war enttäuscht und erleichtert zugleich und ärgerte mich über beides. Gegen Mittag bat er mich, ein langes Brett zu halten, während er die Nut prüfte. Wir knieten auf dem rohen Unterboden, Knie nah, Schultern fast in einer Linie. Seine Stimme erklärte etwas über Spannung im Holz. Ich hörte die Worte und hörte sie nicht. Ein Tropfen Schweiß lief ihm aus dem Haaransatz über die Schläfe. Ich hätte ihn wegwischen können. Ich tat es nicht. Er drehte den Kopf, und unsere Gesichter waren so nah, dass ich den Kaffee in seinem Atem roch.

Er hielt inne. Das Brett ruhte zwischen uns. Seine Augen waren braun, heller am Rand, und sie fragten, ohne dass der Mund sich bewegte. Ich spürte, wie mein Körper sich nach vorn neigte, ein kleines, unverantwortliches Stück. Dann setzte im Hof ein Presslufthammer ein, hart und dumm, und der Moment zerriss. Er räusperte sich, sagte, so halte ich das, und nahm mir das Brett aus den Händen, vorsichtig, damit ich nicht das Gleichgewicht verlor. Ich stand auf, die Knie staubig, das Herz zu schnell, und ging in die Küche, wo ich ein Glas Wasser trank, als wäre Durst das Problem. Im Spiegel der Mikrowelle sah ich meine Wangen. Sie waren rot. Ich lächelte nicht.

Am Nachmittag sprach er wieder von der Arbeit, nur von der Arbeit, und ich antwortete in demselben Ton. Es war eine Vereinbarung ohne Worte. Trotzdem blieb etwas im Raum, das sich nicht wegräumen ließ, so wenig wie der feine Staub, der auf jeder Fläche lag. Wenn ich an ihm vorbeiging, wich er nicht aus und wich doch so weit aus, dass unsere Arme sich nicht streiften. Diese Genauigkeit verriet ihn mehr als ein Versehen. Ich übersetzte drei Seiten und wusste am Ende nicht, wovon sie gehandelt hatten. Um fünf sagte er, morgen seien die letzten Bahnen dran, Freitag die Leisten, und dann sei er fertig. Das Wort fertig lag auf dem neuen Holz wie ein Nagel, den noch niemand eingeschlagen hatte.

Donnerstag zog ich ein Kleid an, leicht, dunkel, nichts, das nach Absicht schreien sollte, und bereute es in dem Augenblick, als er die Augen hob. Er sagte nichts. Sein Blick ging von meinem Gesicht zum Schlüsselbein und zurück, einmal, langsam, und dann war er wieder bei den Brettern. Ich fühlte diesen Blick den ganzen Vormittag auf der Haut, auch wenn er nicht hinsah. Die Wohnung war wärmer als an den Tagen zuvor. Ich öffnete Fenster und schloss sie wieder, weil der Straßenlärm mich störte und die Stille noch mehr.

Er aß mittags nicht mit. Er sagte, er müsse etwas aus dem Wagen holen, und blieb zwanzig Minuten weg. Ich stand am Fenster und sah ihn unten auf dem Bürgersteig, das Telefon am Ohr, eine Hand im Nacken. Er lachte nicht. Als er zurückkam, war sein Gesicht ruhiger und zugleich angespannter, als hätte er mit jemandem gesprochen, der ihn kannte. Er sagte, seine Schwester, ein tropfender Hahn, nichts Dringendes. Ich nickte. Wir sprachen eine Weile über nichts, über einen Laden an der Ecke, über den Sommer, der zu früh kam. Unter den Sätzen lief etwas anderes, stetig, wie Wasser unter Dielen.

Am späten Nachmittag reichte ich ihm ein Glas Wasser. Unsere Finger berührten sich am Glas, diesmal wirklich, Haut auf Haut, kurz und deutlich. Er nahm das Glas nicht sofort. Er hielt es mit mir, zwei Hände, ein Gefäß, und sah mich an. Ich sagte seinen Namen, leise, nur Markus, und wusste nicht, was danach kommen sollte. Er stellte das Glas auf die Fensterbank, ohne zu trinken. Seine Hand hob sich, zögerte in der Luft neben meiner Wange, und ich neigte den Kopf in diese Leere hinein, bis seine Finger meine Haut fanden. Der Daumen lag an meinem Wangenknochen. Er war warm. Er roch nach Harz. Ich schloss die Augen.

Er küsste mich nicht. Er ließ die Hand liegen, und ich hörte ihn atmen, tiefer als sonst. Dann sagte er, sehr leise, ich bin hier, um Ihren Boden zu legen, Lena, und wenn ich Sie jetzt küsse, höre ich morgen nicht auf, daran zu denken, und übermorgen auch nicht. Ich öffnete die Augen. Sein Gesicht war nah, ernst, nicht spielerisch. Ich hätte sagen können, dann küssen Sie mich nicht. Ich sagte, ich denke seit Dienstag daran. Die Wahrheit stand zwischen uns, nackter als ein Kuss. Er strich mit dem Daumen einmal über meine Wange, nahm die Hand weg und trat zurück. Er sagte, dann warten wir, bis die Arbeit getan ist, und Sie sagen mir, ob Sie es noch wollen, wenn der Staub sich gelegt hat. Ich nickte, weil meine Stimme nicht zuverlässig war. Er trank das Wasser in drei Zügen und arbeitete weiter, die Schultern straff, und ich ging ins Schlafzimmer, setzte mich auf die Bettkante und presste die Handflächen auf die Oberschenkel, bis das Zittern nachließ.

Freitagmorgen war hell und schon heiß. Er kam mit einem frischen Hemd unter der Arbeitsjacke, die er an der Tür auszog. Wir grüßten uns, als wäre der Donnerstag ein Raum, den man betreten und wieder verlassen konnte. Die letzten Bahnen lagen schneller, als ich gehofft hatte. Das Holz war hell, fast honigfarben, und roch süß, wenn die Säge es öffnete. Ich half, wo er mich ließ. Unsere Körper bewegten sich umeinander herum mit einer Vorsicht, die selbst schon eine Berührung war. Einmal, als ich mich bückte, um eine Leiste zu reichen, legte er die Hand flach auf meinen Rücken, nur um mich zu halten, damit ich nicht gegen die frische Kante stieß. Die Hand blieb eine Sekunde. Durch den Stoff hindurch brannte sie. Er nahm sie weg und sagte, Vorsicht, die Kante ist scharf. Ich sagte, ich weiß.

Gegen drei waren die Flächen gelegt. Es fehlten die Abschlussleisten, die Silikonfugen an den Türrahmen, das Feine, das eine Wohnung wieder bewohnbar macht. Er setzte sich auf die Fersen, wischte sich die Stirn und sagte, das könne er am Montag in zwei Stunden beenden. Montag. Das Wort öffnete eine Lücke, in der das Wochenende lag, leer und lang, und dahinter seine Abwesenheit. Ich stand barfuß auf dem neuen Boden, der noch nicht begangen werden sollte, und spürte die Glätte unter den Sohlen. Ich sagte, können Sie heute fertig werden. Er sah mich an. Nicht den Boden. Mich. Er sagte, das wird spät. Ich sagte, ich habe Zeit. Er nickte einmal, langsam, und holte die Leisten aus dem Flur.

Wir arbeiteten, bis das Licht im Wohnzimmer gold wurde und dann honigfarben nachließ. Er erklärte wenig. Ich hielt, reichte, wischte Staub mit einem feuchten Tuch, das er mir in die Hand gab. Unsere Bewegungen fanden einen Takt. Wenn er eine Leiste ansetzte, kniete ich neben ihm und drückte das andere Ende, und manchmal lag sein Knie an meinem Oberschenkel, durch zwei Lagen Stoff, eine Wärme, die sich nicht wegdiskutieren ließ. Ich spürte, wie mein Körper antwortete, tief und deutlich, ein Ziehen im Unterleib, das ich seit Monaten nicht so klar gefühlt hatte. Ich verlagerte das Gewicht nicht. Ich blieb, wo seine Wärme war.

Um acht war die letzte Leiste gesetzt. Er strich mit der Hand über die Fuge, prüfte, nickte. Der Boden war ganz. Die Wohnung sah aus, als hätte sie ausgeatmet. Staub lag noch in den Ecken und auf unseren Armen, in meinem Haar, auf seiner Wange. Er stand auf, streckte den Rücken, und ein leises Knacken ging durch seine Schulter. Ich holte zwei Gläser und eine Flasche Wein, die Thomas und ich zu einem Geburtstag bekommen und nie geöffnet hatten. Ich stellte sie auf den Küchentisch und sagte, der Boden darf noch nicht belastet werden, also trinken wir hier. Er wusch sich die Hände, dann das Gesicht, und kam mit feuchtem Haaransatz zurück. Er setzte sich nicht sofort. Er stand am Tisch und sah mich an, und in diesem Blick war die Frage von Donnerstag noch einmal, klarer, ohne Staub dazwischen.

Ich schenkte ein. Der Wein war dunkel und roch nach Kirsche und nach etwas Herbem. Wir stießen nicht an. Wir tranken. Ich sagte, Thomas kommt in neun Tagen zurück, vielleicht früher. Ich sagte es, weil ich nicht wollte, dass irgendetwas zwischen uns auf einer Auslassung stand. Markus stellte das Glas ab. Er sagte, ich weiß, dass Sie verheiratet sind. Ich habe den Ring gesehen, und ich habe gehört, wie Sie von ihm sprechen. Er beugte sich nicht vor. Er ließ mir den Raum. Er sagte, wenn Sie wollen, dass ich jetzt gehe, gehe ich. Die Leisten halten auch ohne dieses Glas. Ich sah ihn an, den Mann, der seit fünf Tagen in meiner Wohnung atmete, der meine Wange berührt und dann gewartet hatte. Mein Herz schlug hart. Zwischen den Beinen war ich schon feucht, seit dem Nachmittag, und das Wissen darum machte die Entscheidung nicht kleiner, nur wahrer.

Ich sagte, ich will nicht, dass Sie gehen. Ich will, dass Sie bleiben, heute Nacht, und ich will, dass Sie mich anfassen, weil ich es will, nicht weil die Wohnung leer ist und nicht weil der Wein offen steht. Er hörte zu Ende zu. Dann stand er auf, kam um den Tisch und blieb vor mir stehen, nah genug, dass ich den Kopf heben musste. Er fragte, ganz ruhig, ob ich sicher sei. Ich sagte ja. Er fragte, ob ich aufhören dürfe, Sie zu sagen. Ich sagte, sag du. Er lächelte zum ersten Mal an diesem Abend, kurz, und dann legte er beide Hände an mein Gesicht und küsste mich.

Der Kuss war nicht vorsichtig in dem Sinn, dass er zögerte. Er war aufmerksam. Sein Mund war warm, der untere Lippenrand ein wenig rau, und er öffnete sich erst, als ich mich ihm entgegenhob. Ich schmeckte Wein und darunter ihn, salzig, vertraut nach diesen Tagen und doch neu. Meine Hände fanden seine Hüften, den festen Stoff der Arbeitshose, die Wärme darunter. Er küsste mich tiefer, die Zunge langsam, nicht fordernd, und ein Laut löste sich aus meiner Kehle, den ich nicht geplant hatte. Er antwortete mit einem tieferen Atemzug und zog mich näher, bis mein Körper an seinem lag, Brust an Brust, und ich spürte, dass er schon hart war. Das Wissen fuhr mir durch den Bauch wie eine warme Hand.

Wir küssten uns lange in der Küche, stehend, die Hüften in einem langsamen Druck, der noch kein Rhythmus war und doch schon einer. Seine Hände wanderten von meinem Gesicht in mein Haar, lösten das Band, ließen die Strähnen über meine Schultern fallen. Er küsste die Stelle unter meinem Ohr, den Hals, die Mulde über dem Schlüsselbein, und jedes Mal fragte sein Mund mehr, als er nahm. Ich öffnete die Knöpfe seines Hemdes, einen nach dem anderen, und legte die Handflächen auf seine Brust. Die Haut war heiß. Dunkles Haar lief schmal nach unten und verschwand im Hosenbund. Ich strich hindurch, spürte das Herz darunter, schnell wie meines. Er sagte meinen Namen gegen meinen Hals, Lena, und dann, sag mir, was du willst. Ich sagte, ich will dich ausgezogen sehen, und ich will, dass du mich ausziehst, und ich will dich in mir. Die Sätze kamen klar. Ich erschrak nicht über sie.

Er nahm meine Hand und führte mich ins Schlafzimmer. An der Tür blieb er stehen und sah auf das Bett, auf die eine Seite, die unberührt war, auf Thomas’ Kissen. Er sagte, hier, oder woanders. Ich sah das Bett an und spürte einen Stich, scharf und ehrlich. Dann sagte ich, hier, weil ich nicht so tun will, als wäre das ein anderes Leben. Er nickte. Er küsste mich wieder, langsamer, und begann, das Kleid zu öffnen. Der Reißverschluss lief leise. Luft traf meinen Rücken. Er schob den Stoff von den Schultern, und das Kleid fiel um meine Füße. Ich stand in Unterwäsche vor ihm, schlicht, dunkel, und er sah mich an, als würde er sich etwas merken wollen. Seine Hände legten sich auf meine Taille, die Daumen an den Hüftknochen, und er sagte, du bist schön, nicht als Floskel, sondern wie ein Befund, den er nicht erwartet hatte und nicht zurückgab.

Ich öffnete seinen Gürtel. Die Schnalle klirrte leise. Ich schob Hose und Shorts hinunter, und er stieg heraus, zog die Socken ab, stand nackt vor mir. Sein Körper war der eines Mannes, der arbeitet, nicht geformt für Blicke, sondern für Lasten: breite Schultern, ein Bauch, der nicht flach war und nicht weich, starke Oberschenkel. Sein Schwanz stand schwer gegen den Unterbauch, die Spitze schon feucht. Ich nahm ihn in die Hand, nur um das Gewicht zu fühlen, die Wärme, die Haut, die sich unter meinen Fingern bewegte, als ich langsam strich. Er atmete aus, ein tiefer Laut, und seine Stirn sank an meine. Er sagte, warte, ich will dich auch sehen. Er hakte meinen BH auf, streifte ihn ab, und seine Hände schlossen sich um meine Brüste, voll, warm, die Daumen über die Nippel, die sich sofort zusammenzogen. Ich bog den Rücken. Er senkte den Mund und nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen, saugte sanft, dann fester, die Zunge kreisend, und ich griff in sein Haar und hielt ihn dort.

Er ging in die Knie, küsste den Bauch, den Nabel, den Rand des Slips. Seine Finger schoben den Stoff nach unten, und ich stieg heraus. Er blieb knien und sah mich an, von nahem, ohne Hast. Ich war nass, das wusste ich, und er sah es. Er legte die Hände an meine Oberschenkel und spreizte sie ein wenig, nur so weit, dass ich sicher stand. Dann küsste er die Innenseite des einen Schenkels, hoch, höher, und schließlich legte er den Mund auf mich. Die erste Berührung seiner Zunge war langsam, ein langer Strich durch die Nässe, und ich musste mich an seiner Schulter festhalten. Er leckte mich aufmerksam, als lerne er eine Fläche, fand die Klitoris und umkreiste sie, nicht direkt zuerst, dann genauer, mit flachem Druck, der mich zum Zittern brachte. Ich sagte seinen Namen. Er antwortete mit einem tieferen Laut, der in mich hineinging, und schob zwei Finger in mich, langsam, bis zum Knöchel, krümmte sie, suchte, fand die Stelle, an der mein Atem brach.

Ich kam schneller, als ich wollte, stehend, eine Hand in seinem Haar, die andere am Türrahmen, den ich irgendwann gepackt hatte. Es war kein kleiner Höhepunkt. Es lief durch die Oberschenkel, durch den Bauch, hinauf in die Brust, und ich hörte mich, offen, ohne die Stimme zu dämpfen. Er blieb bei mir, verlangsamte die Zunge, ließ die Finger in mir, bis die Wellen nachließen, und küsste dann die Innenseite meines Oberschenkels, als würde er sich bedanken. Als er aufstand, glänzte sein Mund. Ich küsste ihn und schmeckte mich, salzig und süß, und das machte mich von neuem hungrig, obwohl die Knie weich waren.

Wir legten uns aufs Bett. Ich zog ihn über mich, dann drehte ich uns, weil ich ihn sehen wollte und weil ich die Führung einen Moment behalten wollte. Ich setzte mich auf seine Oberschenkel, nicht noch auf ihn, und strich mit der nassen Mitte über die Unterseite seines Schwanzes, langsam, hin und her, bis er die Zähne zusammenbiss und die Hände an meine Hüften legte, nicht drückend, nur haltend. Er sagte, ich habe Kondome im Wagen. Ich hielt inne. Ich sagte, ich nehme die Pille, und ich war beim Arzt im Frühjahr, alles in Ordnung, aber wenn du eines willst, holst du eines. Er sah mich an, klar, trotz der Erregung. Er sagte, ich bin gesund, letzter Test im Winter, seitdem niemand. Ich sagte, dann so. Ich wollte ihn ohne etwas zwischen uns, und ich sagte das auch, leise. Er nickte und strich mit dem Daumen über meine Hüfte, eine kleine Zustimmung, die mehr wog als ein Satz.

Ich führte ihn an meinen Eingang und ließ mich sinken, Zentimeter um Zentimeter. Er war dick genug, dass ich den Atem anhalten musste, und lang genug, dass ich ihn tief spürte, als ich ganz saß. Wir blieben so, ineinander, und sahen uns an. Sein Gesicht war offen, die Lippen getrennt, die Augen dunkel. Ich bewegte mich zuerst nur wenig, ein Kreis mit dem Becken, und spürte, wie er in mir gegen jede Bewegung drückte. Dann fand ich einen Rhythmus, langsam, das Gewicht auf den Knien, die Hände auf seiner Brust. Er kam mir entgegen, nicht hastig, jedes Heben der Hüften genau dann, wenn ich mich senkte. Das Geräusch unserer Körper war leise und nass und ehrlich. Ich beugte mich vor und küsste ihn, und der Winkel änderte sich, rieb an der Stelle, die seine Finger vorher gefunden hatten. Ich stöhnte in seinen Mund.

Er setzte sich auf, ohne aus mir zu gleiten, und plötzlich saßen wir einander gegenüber, meine Beine um seine Hüften, seine Arme um meinen Rücken. So war es enger, tiefer, und jeder Stoß war kurz und voll. Er küsste meinen Hals, meine Schulter, sagte, du fühlst dich unglaublich an, und ich sagte, hör nicht auf. Seine Hand glitt zwischen uns, der Daumen fand die Klitoris und rieb sie im Takt, fest genug, dass ich die Stirn an seine Schulter drückte und die Zähne in die Haut setzte, nicht hart, nur haltend. Ich spürte den zweiten Höhepunkt kommen, größer als der erste, von innen und von außen zugleich. Ich sagte es ihm. Er hielt den Takt, wurde nicht schneller, blieb genau dort, und ich kam um ihn herum, die Muskeln zogen sich rhythmisch zusammen, und er fluchte leise, warm, an meinem Ohr, ein Wort ohne Schärfe, nur Überwältigung.

Er ließ mich ausklingen und drehte uns dann, vorsichtig, sodass ich auf dem Rücken lag und er über mir, immer noch in mir. Er stützte sich auf die Unterarme, das Gesicht nah, und begann sich zu bewegen, lange Züge, fast heraus und dann tief hinein. Ich schlang die Beine um ihn und zog ihn bei jedem Stoß näher. Der neue Boden nebenan knackte einmal, das Haus setzte sich, und wir lachten kurz ineinander hinein, atemlos, und das Lachen machte es nicht kleiner. Es machte es wirklicher. Er küsste mich zwischen den Stößen, dann nicht mehr, weil der Atem nicht reichte, und sah mich an, während er schneller wurde. Ich hielt seinen Blick. Ich wollte, dass er sah, wen er nahm, und ich wollte sehen, wie er kam.

Er sagte, ich bin gleich so weit, und fragte, wo. Ich sagte, in mir, ich will es spüren. Er stöhnte, ein tiefer, gebrochener Laut, und stieß noch dreimal, hart und genau, dann blieb er tief und kam. Ich spürte das Pulsieren, die Wärme, die sich in mir ausbreitete, und hielt ihn mit Beinen und Armen fest, das Gesicht an seinem Hals, während er zitterte. Sein Gewicht lag auf mir, nicht ganz, er fing sich noch ab, und ich wollte dieses Gewicht. Ich strich über seinen Rücken, über den Schweiß dort, über die Muskeln, die langsam nachgaben. Wir atmeten. Draußen fuhr ein später Bus vorbei. In der Wohnung war nur unser Atem und das leise Ticken der Heizung, die niemand brauchte.

Er blieb in mir, bis er weicher wurde, und zog sich dann langsam zurück. Nässe lief aus mir auf das Laken, warm, und ich spürte sie ohne Eile. Er legte sich neben mich, eine Hand auf meinem Bauch, und küsste meine Schläfe. Eine Weile sprachen wir nicht. Meine Haut kühlte ab, wo der Schweiß trocknete, und er zog die Decke über uns, bis zu den Hüften, nicht höher, weil die Nacht warm war. Ich drehte mich zu ihm. Im Halbdunkel sah ich die Linie seines Mundes, die Augen, die offen blieben. Er fragte, geht es dir gut. Ich sagte ja, und es war wahr, in dem Sinn, den der Körper kennt, und zugleich lag unter dem Ja etwas Schwereres, das ich nicht weglog. Ich sagte, ich habe das gewollt, und ich will es nicht ungeschehen machen, und ich weiß, was es ist. Er nickte an meinem Haar. Er sagte, ich auch. Er sagte nicht, dass es nichts bedeute. Er sagte nicht, dass es alles ändere. Er ließ die Hand auf meinem Bauch liegen, der Daumen in einem langsamen Kreis, und das war genug.

Wir liebten uns noch einmal, später, als die Stadt schon fast still war. Diesmal langsamer, auf der Seite, er hinter mir, ein Arm unter meinem Hals, der andere um meine Hüfte, seine Finger an meiner Klitoris, während er sich in kurzen, tiefen Bewegungen in mir bewegte. Ich führte seine Hand, zeigte ihm den Druck, den ich brauchte, und er lernte schnell. Ich kam leise, das Gesicht im Kissen, und er folgte mir, den Mund an meiner Schulter, mein Name nur noch ein Atem. Danach lagen wir ineinander verhakt, seine Brust an meinem Rücken, und ich hörte sein Herz langsamer werden. Ich dachte an Thomas, nicht als Bild, das mich aus dem Bett warf, sondern als Tatsache, die im Zimmer blieb. Der Ring lag auf dem Nachttisch. Ich hatte ihn abgenommen, bevor wir uns das zweite Mal liebten, und das Gold blinkte schwach im Licht der Straßenlaterne. Ich bereute den Ring nicht und das Ablegen nicht. Beides gehörte zu dieser Nacht.

Gegen vier stand er auf, um Wasser zu holen. Ich hörte seine nackten Füße auf dem neuen Boden, vorsichtig, als wollte er die Arbeit nicht wecken. Er kam mit zwei Gläsern zurück, setzte sich an die Bettkante und reichte mir eines. Wir tranken. Im fahlen Licht sah ich die Kratzer an seinen Unterarmen, den Staub, der noch in den Härchen hing, einen roten Abdruck an seiner Schulter, wo meine Zähne gewesen waren. Er sah meinen Körper an, die Brüste, den Bauch, die Schenkel, nicht gierig, eher so, wie er am Montag den Boden angesehen hatte, aufmerksam, als wolle er verstehen, was hält. Ich zog ihn nicht zurück ins Bett und schickte ihn nicht weg. Ich sagte, die Leisten sind fertig. Er sagte, ja. Eine Pause. Er sagte, ich kann Monday die Fugen noch einmal prüfen, oder ich schicke jemanden, wenn dir das lieber ist. Ich hörte das Angebot darin, die Tür, die er offen ließ und nicht aufstieß.

Ich setzte mich auf, das Laken um die Hüften, und legte die Hand an seine Wange. Die Haut war rau vom Tag. Ich sagte, komm Montag selbst. Nicht wegen der Fugen. Weil ich dich sehen will, und weil ich dann weiß, ob diese Nacht nur diese Nacht war oder der Anfang von etwas, das ich noch nicht benennen kann. Er drehte den Kopf und küsste meine Handfläche. Er sagte, ich komme Montag. Und wenn du bis dahin anders denkst, schreibst du mir, und ich schicke den Kollegen, ohne Fragen. Ich sagte, das werde ich nicht vergessen. Wir küssten uns, langsam, nach Wein und nach Salz und nach Schlaf, der nicht gekommen war. Es war kein Abschied, der etwas zuschlug. Es war ein Kuss, der etwas auf dem Tisch liegen ließ.

Er zog sich an, als der Himmel hinter den Häusern grau wurde. Ich blieb im Bett, das Laken um mich, und sah zu, wie das Hemd die Brust bedeckte, die ich geküsst hatte, wie der Gürtel sich schloss, wie er die Schuhe im Flur suchte. An der Schlafzimmertür blieb er stehen, wie an all den anderen Türen dieser Woche, nur dass jetzt nichts mehr zwischen uns ungesagt im Holz steckte. Er sagte, der Boden braucht noch ein paar Tage, bevor schwere Möbel darauf dürfen. Ich sagte, ich weiß. Er lächelte, klein, und ging. Die Wohnungstür fiel ins Schloss, leiser als am Montag, oder ich hörte sie anders.

Ich stand auf, als seine Schritte im Treppenhaus verklungen waren. Der neue Boden war kühl unter den Füßen und glatt, und er trug mich, ohne zu knarren. In der Küche standen die zwei Gläser, in einem ein Rest Wein, dunkel wie eine geschlossene Tür. Ich wusch sie nicht sofort. Ich öffnete das Fenster. Die Straße roch nach warmem Stein und nach Brot aus der Frühschicht. Mein Körper trug die Nacht noch, ein Ziehen in den Oberschenkeln, die Nässe an den Schenkeln, die empfindlichen Brustwarzen, den Geschmack von ihm im Mund. Ich legte die Hand auf den Bauch und atmete. Schuld war da, klar und ohne Ausrede, und darunter, nicht kleiner, das Wissen, dass ich gewählt hatte, mit offenen Augen, und dass die Wahl nicht aufhörte, nur weil der Morgen kam.

Ich schrieb Thomas nicht. Nicht an diesem Morgen. Ich schrieb Markus eine Zeile, nur dass er gut angekommen sein solle und dass Montag bleibe. Er antwortete nach einer Minute mit einem einzelnen Wort: Montag. Ich legte das Telefon neben den Ring. Draußen wurde es hell über den Dächern, und in der Wohnung lag der Geruch von frischem Holz, von Haut, von einer Woche, die sich in einer Nacht entladen hatte und doch nicht zu Ende war. Ich ging barfuß über die neuen Dielen, langsam, von Zimmer zu Zimmer, und hörte zum ersten Mal, wie still ein Boden sein kann, der hält.

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