Neue Sexgeschichten

Rollentausch nach der letzten Naht

Reife Frau · 24 Minuten lesen · 32 Minuten hören

Gelesen von Lana Weiss

Teil 3 der Serie Im besten Alter (5)

Der Tag hatte sich lang gezogen, und als die letzte Naht saß, spürte ich in den Schultern das Gewicht von Stunden, in denen ich nichts anderes gehört hatte als das leise Zischen der Geräte und seine Stimme am Kopfende. Ich war Chirurgin, sechsundvierzig Jahre alt, und Markus Elling, der Anästhesist, war einundvierzig. Wir arbeiteten seit drei Jahren im selben Saal, und seit einem knappen Jahr teilten wir etwas, das niemand auf der Station beim Namen nennen durfte. Im Saal führte ich. Ich sagte, wo das Licht hin sollte, wann er den Druck halten sollte, wann wir Pause machten. Er antwortete ruhig, knapp, verlässlich. Nach Feierabend war es monatelang ähnlich gewesen: ich bestimmte das Tempo, ich zog ihn an mich, ich sagte, was ich wollte. Vor zwei Wochen hatte er in der Teeküche, als niemand in der Nähe war, leise gefragt, ob ich einmal die Rollen tauschen wolle. Nicht im Saal. Nicht mit irgendeinem Mittel. Nur zwischen uns, bei vollem Bewusstsein, mit einem Wort, das alles stoppte, wenn ich es brauchte.

Ich hatte nicht sofort geantwortet. Die Frage war mir unter die Haut gegangen, weil sie genau die Stelle traf, an der ich mich sonst nie anfassen ließ. Ich war es gewohnt, den Raum zu halten. Meine Hände entschieden, mein Blick ordnete, meine Stimme schnitt Unklarheit ab, bevor sie wachsen konnte. Die Vorstellung, diese Stimme für eine Stunde abzulegen und seine zu hören, hatte mir den Mund trocken gemacht und zugleich eine Wärme in den Unterleib gelegt, die ich den ganzen Nachmittag nicht loswurde. Am nächsten Morgen hatte ich ihn auf dem Flur eingeholt und nur gesagt, dass ich es wolle, aber zu meinen Bedingungen. Er hatte genickt, als würde er einen Wert bestätigen, den er ohnehin nicht überschreiten wollte. Wir hatten das Wort gewählt, schlicht und ohne Dramatik: Naht. Sagte ich Naht, hörte er auf, trat zurück, fragte erst danach. Wir hatten ausgemacht, dass wir wach blieben, dass wir sprachen, dass nichts in diesem Zimmer einem Eingriff gleichen durfte, außer in dem Spiel, das wir beide wollten.

Heute war der Abend, den wir festgelegt hatten. Die letzte Visite lag hinter mir, die Übergabe war gesprochen, und das Haus wurde leiser, ohne je wirklich still zu werden. Ich duschte in der Personalumkleide länger als nötig. Das Wasser lief heiß über den Nacken, über die Stelle zwischen den Schulterblättern, wo der Kittel den ganzen Tag gescheuert hatte. Ich wusch mir den Geruch von Desinfektion aus den Händen, nicht weil ich mich schämte, sondern weil ich seine Haut an meiner riechen wollte und nicht die Station. Im Spiegel sah ich eine Frau, deren Gesicht die Jahre nicht versteckte: feine Linien an den Augen, ein Mund, der im Dienst selten weich wurde, Brüste, die schwerer geworden waren und die ich trotzdem mochte, Hüften, die ein Kittel nie ganz verbarg. Ich zog frische Wäsche an, eine schlichte, dunkle, und darüber wieder den Kasack, weil der Weg durch den Flur sonst Fragen gestellt hätte. Die Haare band ich nicht hoch. Sie fielen feucht auf die Schultern, und das allein fühlte sich schon nach einer kleinen Übertretung an.

Das Bereitschaftszimmer am Ende des Trakts stand auf seinem Namen. Er hatte den Dienst so gelegt, dass niemand sonst den Schlüssel brauchte. Ich klopfte zweimal, wie verabredet, und die Tür ging auf, bevor ich die Hand sinken ließ. Markus stand barfuß auf dem Linoleum, ebenfalls noch im Kasack, die Ärmel hochgeschoben, das Haar dunkel und ein wenig zerzaust, als hätte er sich mit nassen Händen hindurchgefahren. Er war nicht großsprecherisch gebaut. Breite Schultern, ein ruhiger Brustkorb, Hände, die ich aus dem Saal kannte: sicher, nie hastig, mit kurzen Nägeln und einer Wärme, die auch durch Handschuhe zu ahnen war. Er sah mich an und sagte nichts Zierliches. Er sagte meinen Namen, Lena, und dann fragte er, ob die Absprache noch gelte. Ich trat ein, schloss die Tür selbst und drehte den Riegel. Ja, sagte ich. Sie gilt. Ich bin wach, ich will das, und wenn ich Naht sage, ist Schluss. Er wiederholte das Wort, langsam, damit wir es beide im Raum hatten. Dann fragte er, ob ich bereit sei, ihm für diese Stunde die Führung zu geben. Nicht für immer. Nur hier. Ich spürte, wie mein Puls in der Kehle schlug, und nickte. In Worten, bat er. Ich will es hören. Ich will, dass du führst, sagte ich. Ich will mich hinlegen und nicht entscheiden müssen, außer wenn ich aufhören will.

Etwas in seinem Gesicht wurde weicher und zugleich fester. Er trat nicht sofort an mich heran. Er zog den einzigen Stuhl vor die Tür, nicht als Riegel, der Riegel war schon zu, sondern als Zeichen, dass dieser Abend einen Anfang hatte. Das Bett war schmal, bezogen mit Krankenhauslaken, die nach warmer Wäsche rochen. Eine Lampe brannte auf dem Nachttisch, gelb und niedrig, der Rest des Zimmers lag im Schatten. Durch das gekippte Fenster kam Nachtluft, kühl an den Knöcheln. Er stellte sich vor mich, nah genug, dass ich die Seife an ihm roch, dieselbe, die auch ich benutzt hatte, und doch anders auf seiner Haut. Heute, sagte er leise, hörst du auf meine Stimme, so wie ich im Saal auf deine höre. Du musst nichts leisten. Du musst nicht schön arrangieren, was als Nächstes kommt. Du sagst mir, wenn etwas zu viel ist, und du sagst mir, wenn du mehr willst. Alles andere übernehme ich. Ich schluckte. Die Erlaubnis, nichts zu leisten, war ungewohnter als jede Berührung, die ich mir ausgemalt hatte. Gut, sagte ich. Dann fang an.

Er hob die Hände nicht an meine Brüste. Er legte sie an meine Schultern, über den Stoff des Kasacks, und hielt sie dort, bis mein Atem sich seinem anpasste. Dann bat er mich, die Arme zu heben. Ich tat es. Der Kasack glitt über den Kopf, und die kühle Luft traf die feuchte Haut am Schlüsselbein. Er faltete den Stoff und legte ihn auf den Stuhl, als hätte Ordnung in diesem Zimmer denselben Wert wie im Saal. Darunter trug ich nichts Oberteiliges mehr. Meine Brüste lagen schwer in der Wärme der Lampe, die Warzen schon fest, nicht weil es kalt war, sondern weil sein Blick sie erreichte, bevor seine Hände es taten. Er sah hin, ohne zu grinsen, ohne die billige Bemerkung, die manche Männer für Pflicht halten. Du bist schön, wenn du nicht befiehlst, sagte er. Ich wollte widersprechen, aus Gewohnheit, und ließ es. Er umfasste eine Brust, wog sie, strich mit dem Daumen einmal über die Warze, langsam genug, dass ich die Bewegung von Anfang bis Ende mitbekam. Ein Laut löste sich aus meiner Kehle, klein und unwillig, sich zu verstecken. Noch einmal, sagte er, und tat es an der anderen Seite. Die Haut zog sich zusammen. Wärme lief abwärts, zwischen die Schenkel, als hätte er eine Leitung geöffnet, die ich sonst selbst bediente.

Zieh die Hose aus, sagte er. Nicht grob. Klar. Ich hakte den Bund auf und schob den Stoff über die Hüften, zusammen mit der Wäsche. Es war kein Tanz. Es war Gehorsam in einer Form, die ich gewählt hatte, und genau das machte meine Knie weich. Ich stand nackt vor ihm, sechsundvierzig, mit dem Körper, den die Jahre und die Arbeit geformt hatten: fester Bauch, weiche Stellen an den Hüften, ein dunkler Streifen Haar, den ich nicht für ihn gestutzt hatte, weil er gesagt hatte, er wolle mich so, wie ich aus der Dusche kam. Er ging einmal um mich herum. Ich hörte seine Sohlen nicht, nur das leise Geräusch von Stoff, als er selbst den Kasack ablegte. Als er wieder vor mir stand, war auch er nackt. Sein Glied war schon schwer, nicht ganz hart, und hob sich, während er mich ansah. Ich wollte die Hand ausstrecken, wie ich es sonst tat, ihn umfassen, das Tempo setzen. Er fing mein Handgelenk ab, nicht fest, nur bestimmt, und legte meine Hand an meine eigene Seite zurück. Heute nicht, sagte er. Heute fasst du mich an, wenn ich dich darum bitte. Bis dahin gehören deine Hände dir, und du lässt sie, wo ich sie hinlege.

Er führte mich zum Bett. Die Matratze gab nach, das Laken war kühl an Rücken und Gesäß. Ich lag auf dem Rücken, die Arme erst unsicher neben dem Körper, bis er sie über den Kopf führte und die Handgelenke kreuzte, ohne sie zu binden. Lass sie dort, sagte er. Wenn du sie herunternimmst, ist das kein Fehler. Es ist nur ein Zeichen, dass du etwas anderes brauchst, und dann fragst du. Ich ließ sie liegen. Das Alleinsein der Arme über dem Kopf öffnete den Brustkorb, und ich fühlte mich länger, ausgelieferter, und zugleich sicherer, als ich es für möglich gehalten hätte, weil sein Gesicht über mir ruhig blieb. Er kniete sich neben das Bett, nicht auf mich, und begann bei der Stirn. Ein Kuss, trocken und warm. Dann die Schläfe. Dann der Mundwinkel, ohne den Mund zu nehmen. Ich drehte den Kopf, suchte ihn, und er wich einen Fingerbreit zurück. Nicht jagen, sagte er. Empfangen. Ich atmete aus, lang, und lag still. Erst dann küsste er mich richtig. Sein Mund war geduldig. Die Zunge kam spät, und als sie kam, war es kein Überfall, sondern eine Frage, die ich mit meiner eigenen beantwortete. Ich schmeckte Minze und ihn. Meine gefalteten Hände zuckten, blieben aber oben.

Er wanderte abwärts. Kinn, Hals, die Stelle über dem Schlüsselbein, wo der Puls sichtbar schlug. Er leckte dort einmal, und ich bog den Rücken, ohne es zu beschließen. Seine Hände lagen flach auf meinen Rippen, hielten mich nicht fest, erinnerten mich nur an ihr Gewicht. An den Brüsten wurde er gründlicher. Er nahm eine Warze zwischen die Lippen, saugte, ließ sie frei, blies kaum Luft darüber, sodass die Nässe kühl wurde, und saugte wieder. Die andere Hand knetete die zweite Brust im selben Takt, nicht hart, aber so, dass ich die Schwere spürte, die er mir abnahm und zurückgab. Ich hörte mich stöhnen, offen, in einem Zimmer, dessen Wände dünn genug waren, dass ich die Stimme dämpfen wollte, und er sagte, leiser, nicht weniger. Ich biss mir auf die Lippe und ließ den nächsten Laut trotzdem kommen, nur tiefer in der Kehle. Zwischen meinen Beinen wurde es feucht, ein langsames, deutliches Nasswerden, das ich nicht steuern konnte und nicht steuern wollte. Er bemerkte es, ohne hinzusehen, weil mein Becken sich hob. Noch nicht, sagte er. Bleib liegen.

Er küsste den Bauch, die weiche Stelle unter dem Nabel, die Innenseite einer Hüfte. Seine Bartstoppeln, am Abend schon wieder spürbar, kratzten leicht und hinterließen eine Wärme, die nachbrannte. Er schob meine Schenkel auseinander, mit beiden Händen, und wartete, bis ich sie selbst weiter öffnete. Der Geruch meiner Erregung stieg auf, salzig und warm, und ich schämte mich nicht. Im Saal roch ich nach Arbeit. Hier roch ich nach Verlangen, und er atmete es ein, als wäre es eine Auskunft, die er brauchte. Er sah mich an, dort unten, lange genug, dass ich die Augen schließen wollte. Sieh mich an, sagte er. Ich öffnete die Augen. Sein Blick war dunkel und aufmerksam, derselbe Blick, mit dem er im Saal eine Kurve las, nur dass die Kurve jetzt ich war. Du bist nass, sagte er schlicht. Ich will dich schmecken. Darf ich? Ja, sagte ich, und das Wort kam schneller als mein Stolz. Ja, Markus. Bitte.

Seine Zunge traf mich nicht sofort an der empfindlichsten Stelle. Er leckte die Innenseite des einen Schenkels, dann des anderen, langsam nach oben, bis ich die Hüften unruhig drehte. Erst dann legte er den Mund auf meine Scham. Die erste Berührung war breit und warm, ein Streichen von unten nach oben, das alles einsammelte, was schon geflossen war. Ich keuchte. Er wiederholte es, fester, und die Lippen teilten sich unter seiner Zunge. Er fand die Klitoris nicht mit einem Stoß, sondern mit einem Kreisen, das erst weit war und enger wurde, bis jeder Kreis genau dort endete, wo das Gefühl sich sammelte. Meine Hände wollten herunter. Ich ließ sie oben, die Finger ineinander verhakt, und das Halten wurde selbst zu einer Lust, eine zweite Spannung neben der ersten. Er saugte leicht, ließ ab, leckte wieder, schob zwei Finger an den Eingang und wartete. Ich nickte, obwohl er meinen Kopf nicht sah, und sagte hinein. Er schob sie langsam, bis zu den Knöcheln, und krümmte sie, suchte, fand die Stelle innen, die mich jedes Mal zusammenziehen ließ. Gleichzeitig blieb die Zunge an der Klitoris, ruhig im Takt, nicht schneller, als ich atmen konnte.

Ich verlor das Zählen. Das Zimmer schrumpfte auf Mund, Finger, das kühle Laken unter dem Kreuz, die Nachtluft an den Fußsohlen. Er sprach zwischen den Zügen, kurze Sätze, die mich im Raum hielten. So ist es gut. Du musst nicht kommen, bevor du willst. Sag mir, wenn es zu viel wird. Es war nicht zu viel. Es war genau an der Kante, und er hielt mich dort, indem er das Tempo nicht steigerte, obwohl mein Becken darum bat. Ich sagte mehr, und er gab mehr Druck, nicht mehr Geschwindigkeit. Die Finger bewegten sich in einem gleichmäßigen Kommen und Gehen, nass, hörbar, und die Scham zog sich um sie zusammen, als wollte sie ihn nicht mehr hergeben. Der Höhepunkt baute sich nicht als Blitz auf, sondern als eine Welle, die von den Fußsohlen heraufkam, durch die Waden, durch den Bauch, und sich dann in der Klitoris sammelte, bis ich nicht mehr still liegen konnte. Ich sagte seinen Namen. Er hob den Mund nicht weg. Er blieb, und ich kam, lang, mit einem Laut, den ich in die Armbeuge gepresst hätte, wenn die Arme frei gewesen wären. Sie blieben oben. Der Körper zog sich um seine Finger, wieder und wieder, und er begleitete jede Welle, bis ich am Rand der Überempfindlichkeit zuckte und flüsterte, kurz, warte.

Er wartete sofort. Die Finger blieben in mir, still, die Zunge weg, nur seine Wange an der Innenseite des Schenkels, Atem warm auf nasser Haut. Ich lag da und zitterte in den Oberschenkeln, nicht vor Kälte. Das Nachbeben lief noch durch den Bauch, kleiner werdend, und mit jedem Atemzug kam ich ein Stück zurück in das schmale Zimmer, zu der Lampe, zu seinem Gewicht neben dem Bett. Gut, sagte er. Sehr gut. Du hast nichts entschieden, und du bist trotzdem gekommen. Ich lachte einmal, atemlos, und die Augen wurden feucht, nicht aus Trauer. Aus der seltsamen Erleichterung, geführt worden zu sein und dabei ganz da gewesen zu sein. Er zog die Finger langsam heraus. Ich sah, wie sie glänzten, und er leckte sie ab, ohne Theater, nur weil er den Geschmack nicht verlieren wollte. Dann stand er auf. Sein Glied war jetzt vollständig hart, die Spitze dunkel, ein Tropfen an der Öffnung. Ich wollte ihn. Ich wollte ihn in mir, und ich wollte zugleich, dass er es aussprach, weil das die Regel dieses Abends war.

Komm her, sagte ich trotzdem, aus alter Gewohnheit, und er schüttelte den Kopf, freundlich, nicht strafend. Heute bitte ich. Er setzte sich auf die Bettkante, das Glied schwer auf dem Oberschenkel, und strich mir das feuchte Haar aus der Stirn. Wenn du mich im Mund haben willst, dann komm auf die Knie, vor mir, und ich sage dir, wie. Wenn du mich lieber in dir haben willst, dann sag es, und ich lege dich so, wie ich dich haben will. Beides ist richtig. Du wählst nur die Tür, nicht den Weg dahinter. Ich setzte mich auf. Die Arme kribbelten vom Liegen. Ich sah sein Glied an, den Bauch, die ruhigen Hände, und wusste, dass ich beides wollte, in dieser Reihenfolge, solange er führte. Erst der Mund, sagte ich. Dann du in mir. Er nickte. Dann knie dich hin. Nicht auf den harten Boden ohne Schutz: er zog das zweite Kissen herunter und legte es vor seine Füße. Auch das war Führung, eine, die an meine Knie dachte. Ich kniete mich darauf, zwischen seine gespreizten Beine, und die Höhe stimmte. Sein Geruch war hier stärker, warm, nach Haut und nach der Erregung, die ich an ihm sehen konnte.

Hände auf meine Schenkel, sagte er. Nicht an mich, bis ich es sage. Ich legte die Handflächen auf seine Oberschenkel, spürte die Muskeln darunter, das feine Haar. Mund auf, Zunge heraus, und warte. Ich tat es. Er führte sich selbst an meine Lippen, rieb die feuchte Spitze über die Zunge, einmal, zweimal, und der Geschmack war salzig, klar, vertraut und an diesem Abend neu, weil ich nicht zugegriffen hatte. Dann sagte er, nimm mich. Ich schloss die Lippen um ihn und ließ ihn in den Mund gleiten, so weit, wie es angenehm blieb, und hielt dort. Langsam, sagte er. Du setzt nicht das Tempo. Ich bewege mich, oder ich sage dir, wann du dich bewegst. Er blieb zuerst still, und ich lernte das Gewicht auf der Zunge, die Wärme, den Puls, den ich gegen den Gaumen spürte. Dann hob er die Hüften ein wenig, ein kurzer Stoß, und zog sich zurück, bis nur die Spitze zwischen den Lippen blieb. Wieder hinein. Ich atmete durch die Nase, entspannte den Kiefer, und Speichel lief mir am Kinn herab, warm, auf seine Haut. Er wischte ihn nicht weg. Er sah auf mich herab mit einem Blick, der nicht herrisch war, nur gesammelt, und strich mit dem Daumen über meine Wange. Du machst das gut, weil du aufhörst, es zu machen, sagte er, und ich verstand ihn: ich hörte auf, die Chirurgin zu sein, die auch im Bett noch den Schnitt führte.

Er bat mich, die Hand um die Wurzel zu legen, fest, und mit dem Mund nur die obere Hälfte zu nehmen, im Takt, den er mit einer Hand in meinem Haar angab. Nicht ziehend. Nur führend, ein leichter Druck nach vorn, ein Nachlassen, wenn ich zurück durfte. Ich fand den Rhythmus. Die andere Hand blieb auf seinem Schenkel, als Anker. Er wurde noch härter, die Haut spannte sich, und aus seiner Kehle kam ein tiefer Laut, den ich im Saal nie gehört hatte. Dort war seine Stimme ein Instrument der Ruhe. Hier brach sie ein wenig, und das brach auch etwas in mir auf. Ich wollte ihn zum Ende bringen, aus Stolz, aus Lust, aus der alten Gewohnheit, eine Sache abzuschließen. Er merkte es, weil ich schneller wurde, und hielt meinen Kopf sanft an. Nicht so, sagte er. Ich will in dir kommen, wenn du das noch willst. Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, die Lippen nass, und sah auf. Ich will das, sagte ich. Ich will dich in mir, und ich will, dass du entscheidest, wie. Er half mir hoch. Meine Knie waren weich, der Geschmack von ihm lag noch auf der Zunge, und zwischen den Beinen war ich wieder so nass, dass die Innenseiten der Schenkel glitten, als ich mich bewegte.

Leg dich auf die Seite, sagte er, mit dem Rücken zu mir. Knie anziehen, nur ein wenig. Ich gehorchte. Das Bett war schmal, und als er sich hinter mich legte, füllte sein Körper die ganze restliche Breite aus. Brust an meinem Rücken, sein Glied heiß an meiner Gesäßfalte, ein Arm unter meinem Kopf, der andere über meiner Taille. So kann ich dich halten und trotzdem in dir sein, sagte er an meinem Ohr. So musst du nichts tragen. Wenn die Stellung nicht geht, sagst du es, und wir wechseln. Ich nickte, und er verlangte das Wort. Ja, sagte ich. So. Er hob mein oberes Bein ein wenig an, griff zwischen uns, führte sich an den Eingang. Die Spitze drückte gegen die nasse Öffnung, und ich öffnete mich ihm entgegen, ohne zu stoßen. Er wartete einen Atemzug, dann schob er sich hinein, Zentimeter um Zentimeter, und die Dehnung war voll, vertraut, und doch anders, weil ich sie empfing, statt sie zu nehmen. Ein langer Seufzer kam aus uns beiden zugleich. Er blieb tief, ohne sich zu bewegen, und die Hand auf meinem Bauch lag flach, warm, als würde er mich von außen und innen zugleich halten.

Beweg dich noch nicht, sagte er. Spür nur. Ich spürte ihn: die Dicke, die Wärme, das leichte Zucken, wenn er sich zurückhielt, die Nässe, die uns beide benetzte, das Gewicht seines Arms unter meinem Nacken. Draußen auf dem Flur ging jemand vorbei, Schritte, die verklangen, und das erinnerte mich daran, dass die Welt noch da war und uns nichts anging. Er begann sich zu bewegen, sehr langsam, ein Zurückweichen, das mich fast leer ließ, und ein Wiedereintritt, der bis zum Anschlag ging. Jeder Stoß war eine ganze Bewegung, kein Hacken. Seine Hüfte traf mein Gesäß mit einem leisen, feuchten Klatschen, das ich in diesem stillen Zimmer laut fand und das mich trotzdem tiefer öffnete. Die Hand auf dem Bauch glitt abwärts, zwei Finger legten sich um die Klitoris, nicht reibend zuerst, nur da, im Takt des Stoßes ein wenig drückend. Ich griff nach hinten, wollte seinen Hintern ziehen, ihn schneller machen. Er fing die Hand ab und legte sie auf meine eigene Brust. Halt dich hier, sagte er. Fass dich an, wenn du willst, aber das Tempo bleibt bei mir.

Ich umfasste meine Brust, die Warze hart zwischen den Fingern, und überließ ihm den Rest. Es war eine Übung in Vertrauen, die mich mehr erregte als jede schnellere Reibung es getan hätte. Er stieß gleichmäßig, tief, und die Finger an der Klitoris nahmen denselben Takt auf, kleine Kreise, nass von dem, was aus mir lief und an seinem Glied herabrann. Mein zweiter Höhepunkt kündigte sich schneller an als der erste, schärfer, weil ich schon offen war. Ich sagte es ihm. Er wurde nicht hastig. Er wurde nur ein wenig fester, der Winkel änderte sich, weil er das obere Knie höher schob, und plötzlich traf er innen eine Stelle, die jeden Stoß in ein helles Ziehen verwandelte. Ja, dort, sagte ich, und er blieb dort, ohne die Stelle zu verlieren, als hätte er sie markiert. Die Finger kreisten schneller, nur die Finger, während die Hüfte ihren langen Takt hielt. Ich kam zum zweiten Mal, enger als beim ersten, ein Zusammenziehen um sein Glied, das ihn stöhnen ließ, und ich presste die Brust in meine eigene Hand, den Mund offen am Kissen, das nach Waschmittel roch. Er bewegte sich durch den Höhepunkt hindurch, nicht darüber hinweg, und verlangsamte erst, als ich am ganzen Körper zuckte und seinen Namen in das Laken sagte.

Danach lag ich weich und überempfindlich, und er blieb in mir, still, küsste die Schulter, die feuchte Linie am Hals. Ich kann aufhören, sagte er. Oder ich kann zu Ende kommen, langsam, wenn du mich noch haben willst. Beides ist ein guter Schluss. Ich wollte ihn noch. Nicht als Leistung, die ich ihm schuldete, sondern weil die Vorstellung, ihn in mir kommen zu spüren, während ich nichts tat als daliegen und empfangen, der eigentliche Tausch war. Bleib, sagte ich. Komm in mir. Langsam, wie du gesagt hast. Und wenn es zu viel wird, sage ich Naht. Er drückte die Stirn an meinen Nacken und dankte mir, leise, als wäre das Geschenk nicht selbstverständlich. Dann begann er wieder, flacher zuerst, damit die überempfindliche Haut sich beruhigen konnte, und als ich mich ihm entgegen schob, tiefer. Sein Atem wurde unregelmäßiger. Die Hand auf meinem Bauch hielt mich fest an ihn gezogen, nicht um mich zu zwingen, sondern damit wir nicht auseinanderglitten auf dem schmalen Bett. Ich hörte das Nasswerden bei jedem Stoß, roch uns beide, schmeckte noch eine Spur von ihm im Mund, und das alles gehörte zusammen: der Abend, die Absprache, der Mann, der im Saal meine Ruhe war und hier meine Unruhe in eine Form brachte, die ich aushalten konnte.

Er sprach nicht mehr in ganzen Sätzen. Nur noch ja, und Lena, und so. Ich antwortete mit dem Körper, öffnete mich, legte die Hand über seine auf meinem Bauch, nicht um zu führen, sondern um dabei zu sein. Sein Rhythmus verlor die Gleichmäßigkeit, wurde kürzer, drängender, und ich spürte, wie sein Glied noch einmal anzuschwellen schien, hart bis zum Rand. Ich komme, sagte er an meinem Ohr, eine Warnung und eine Bitte zugleich. Ja, sagte ich. Ich will es spüren. Er stieß tief und blieb, und dann kam er, in mehreren Schüben, heiß, deutlich, ein Pulsieren, das ich innen zählte, ohne es zu wollen, drei, vier, fünf, während sein Arm mich festhielt und ein gebrochener Laut in meinen Haaren verging. Ich hielt still und empfing ihn, die Augen offen, die Lampe als gelben Fleck an der Wand, und fühlte, wie er in mir nachließ, schwer und warm, und wie ein Teil von ihm aus mir herauslief, an der Stelle, wo wir noch verbunden waren, über die Innenseite meines Schenkels auf das Laken.

Wir blieben so, bis sein Atem sich glättete. Er zog sich langsam zurück, und die Leere danach war groß und eigenartig tröstlich. Samen und meine eigene Nässe liefen weiter, ein warmes Rinnsal, und er griff, ohne dass ich darum bat, nach dem Handtuch, das er vorher auf den Stuhl gelegt hatte, und trocknete mich behutsam, von außen, ohne zu reiben, wo ich empfindlich war. Dann drehte er mich zu sich um. Das Bett war zu schmal für Würde, unsere Knie stießen, seine Stirn lag an meiner, und wir lachten beide einmal, leise, über die Enge und über uns. Er fragte, ob alles stimmte. Ob irgendetwas zu weit gegangen war. Ich sagte nein. Ich sagte, dass das Wort nicht gebraucht worden war und dass ich es trotzdem die ganze Zeit im Mund gehabt hatte, wie einen Schlüssel in der Tasche. Das schien ihn zu beruhigen, mehr als jedes Lob. Er strich mit dem Daumen über meine Unterlippe, die noch ein wenig geschwollen war vom Knien, und küsste mich, diesmal ohne Führung, nur Mund auf Mund, salzig von uns beiden.

Ich lag mit dem Kopf an seiner Brust und hörte sein Herz, das schneller ging als seine Stimme im Saal und doch demselben Mann gehörte. Die Haut unter meiner Wange war feucht, die Härchen klebten, und ich mochte das, weil es bewies, dass auch er sich nicht geschont hatte. Draußen summte die Lüftung. Irgendwo piepste ein Monitor in einem anderen Zimmer, fern und gleichgültig. Meine Schultern, die den ganzen Tag das Gewicht der Stunden getragen hatten, lagen jetzt weich auf der Matratze. Ich dachte daran, wie ich morgen wieder diejenige sein würde, die das Licht richtete und die Naht setzte, und dass er wieder am Kopfende sitzen würde, ruhig, mit Zahlen und mit einer Stimme, die den Raum hielt. Nichts davon war zerstört. Es war nur für eine Stunde umgedreht gewesen, mit Absprache, mit einem Wort, mit zwei erwachsenen Menschen, die genau wussten, wer sie waren. Ich war sechsundvierzig und hatte mich hinlegen dürfen. Er war einundvierzig und hatte die Führung getragen, ohne sie zu missbrauchen.

Willst du das wieder, fragte er irgendwann, als die Lampe schon wärmer schien und die Nachtluft kühler. Nicht jede Woche. Nicht als neue Ordnung. Nur manchmal, wenn du es brauchst. Ich dachte an die Teeküche, an mein Zögern, an das Ja auf dem Flur, an die zwei Höhepunkte, die ich nicht organisiert hatte, und an das Gefühl, danach klarer zu sein statt leerer. Ja, sagte ich. Manchmal. Und manchmal will ich wieder die sein, die dich auf den Rücken legt und dir sagt, wo deine Hände hin sollen. Er lächelte an meinen Haaren. Das bleibt, sagte er. Beides bleibt. Wir stehen auf, wenn du willst, duschen getrennt, und morgen im Saal siezt du mich nicht plötzlich, nur weil ich dich heute geleckt habe, bis du den Namen verloren hast. Ich lachte, richtig diesmal, und der Laut lockerte den letzten Rest Anspannung im Zwerchfell. Ich habe den Namen nicht verloren, sagte ich. Ich habe ihn nur eine Weile nicht benutzen müssen, um etwas zu erreichen.

Wir standen auf, als die Beine es wieder hergaben. Er half mir in den Kasack, nicht weil ich mich nicht allein anziehen konnte, sondern weil die Geste zum Abend gehörte und danach aufhörte. Ich band die Haare hoch, wusch mir das Gesicht am kleinen Becken, trank Wasser aus dem Becher, den er gefüllt hatte, ohne dass ich es gesehen hatte. Meine Schenkel waren noch glitschig, wenn ich die Beine zusammendrückte, und das erinnerte mich auf dem Weg zur Tür an ihn, konkret und ohne Romantik, die sich selbst nicht glauben würde. An der Tür blieb ich stehen. Der Riegel war kalt unter der Hand. Danke, sagte ich, und meinte nicht nur den Höhepunkt. Er verstand es. Er legte die Hand kurz an meinen Nacken, dort, wo vor Stunden noch der Kittel gescheuert hatte, und die Berührung war jetzt ohne Auftrag. Morgen führst du wieder, sagte er. Heute hast du abgegeben, und es war richtig. Ich öffnete die Tür einen Spalt, prüfte den Flur, der leer war und nach Bohnerwachs roch, und trat hinaus als die Frau, die das Haus kannte. Hinter mir schloss sich die Tür leise. In der Tasche des Kasacks lag kein Instrument. Nur der Schlüssel zu meiner eigenen Umkleide, und das Wort Naht, das ich nicht gebraucht hatte und das trotzdem den ganzen Weg mit mir ging, ruhig, verfügbar, meins.

Mehr zum Thema Reife Frau

TitelThemaMinuten
Drei Regeln vor MitternachtReife Frau17
Die Regeln aus meiner HandReife Frau17
Die Umkehr nach der letzten StundeReife Frau18
Im Gewölbe der alten AnziehungReife Frau36
Die Bitte nach der letzten NahtReife Frau19
Die Klausel nach DienstschlussReife Frau18