Rollentausch in der Hotelbar
Fremdgehen · 22 Minuten lesen · 30 Minuten hören
Gelesen von Ekaterina
Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (6)
Die Hotelbar lag eine halbe Etage unter der Lobby, und das Licht war so niedrig, dass die Gläser auf dem Tresen wie kleine Laternen wirkten. Ich war vierunddreißig Jahre alt, seit elf Jahren mit Lennart verheiratet, und ich saß auf einem Hocker, als gehörte dieser Platz mir schon lange. Das tat er nicht. Lennart war achtunddreißig und zu Hause in unserer Küche, und zwischen uns lag eine Absprache, die wir am Sonntagabend Satz für Satz festgehalten hatten.
Heute war Mittwoch. Die Dienstreise hatte mich in eine Stadt gebracht, deren Namen auf dem Zimmerschlüssel stand und die ich sonst nur aus Zugfenstern kannte. Mein Koffer stand oben im zehnten Stock. Das Kleid, das ich trug, hatte ich nicht für irgendeinen Kunden gewählt. Es war dunkel, schlicht, und der Stoff lag kühl auf den Schultern, während die Knie unter dem Tresen wärmer wurden, als mir lieb war.
Am Sonntag hatte Lennart den Tisch abgewischt, zwei Gläser hingestellt und gesagt, er wolle nicht mehr nur davon reden. Wir hatten monatelang um dasselbe Bild gekreist: ich auf einer Reise, er zu Hause, und eine Nacht, in der die Rollen nicht mehr so lagen wie in unserem Alltag. Er war derjenige, der sonst fuhr. Er war derjenige, der in fremden Bars saß und mir danach erzählte, wie das Licht war und wen er nicht angesprochen hatte. Ich war diejenige, die wartete, zuhörte und sich manchmal fragte, wie es sich anfühlte, die Tür von innen zu schließen.
Die Absprache war kein Spaß und kein Test. Wir hatten sie aufgeschrieben, nicht auf Papier, aber so klar, dass ich sie jetzt noch hersagen konnte. Eine Nacht. Ein Mann, den ich selbst wählte und der älter sein musste als ich, jedenfalls kein junger Kerl auf der Durchreise zwischen zwei Abenden. Keine Namen, die ich Lennart danach mitbrachte. Kein Bild, kein Film, kein Beweis außer meinem Wort. Ich durfte jederzeit aufhören, ohne dass daraus ein Vorwurf wurde. Und ich sollte diejenige sein, die führte: die anspricht, die entscheidet, die das Tempo setzt. Genau darin lag der Tausch. Nicht darin, dass ich ihn verletzen sollte, sondern darin, dass ich für ein paar Stunden die Rolle nahm, die sonst bei ihm lag, und er die Rolle, die sonst bei mir lag: warten, wissen, aushalten, wollen.
Er hatte mich gefragt, ob ich es wirklich wollte, nicht nur für ihn. Ich hatte lange auf den dunklen Garten geschaut und dann ja gesagt, mit einer Stimme, die ruhiger war als mein Puls. Ich wollte wissen, wie mein Körper sich anfühlte, wenn ich nicht die Wartende war. Ich wollte die Untreue, die wir verabredet hatten, nicht als Rutschen, sondern als Schritt. Untreu würde ich trotzdem sein, das hatten wir nicht schöngeredet. Der Ring blieb am Finger. Die Nacht gehörte nicht unserem Alltag. Danach würden wir wieder am selben Tisch sitzen und sehen, was von uns noch genau so war wie vorher.
In der Bar roch es nach Zitrusschale, nach poliertem Holz und nach dem warmen Hauch der Espressomaschine, die hinter dem Tresen zischte, obwohl kaum jemand Kaffee bestellte. Ein Pianist spielte in der Ecke etwas Langsames, ohne dass ich die Melodie kannte. Zwei Frauen in Kostümen redeten über einen Vertrag. Ein Mann las allein und blätterte nicht um. Ich bestellte ein Glas Wein, weiß und kalt, und hielt es so, dass meine Hand etwas zu tun hatte.
Ich hatte mir vorgenommen, nicht den Ersten zu nehmen, der mich ansah. Die Absprache verlangte keine Eile. Sie verlangte eine Wahl. Also saß ich und ließ den Raum an mir vorbeiziehen, während der Wein meine Zunge kühlte und die Wärme unter dem Kleid nicht nachließ. Mein Telefon lag mit dem Display nach unten neben der Serviette. Lennart und ich hatten ausgemacht, dass ich ihm vor dem Aufstehen vom Hocker eine kurze Nachricht schickte, nicht danach erst. Ein Satz, mehr nicht: Ich gehe jetzt hinein. Er sollte wissen, wann das Warten begann, und ich sollte den Satz tippen, solange ich noch klar genug war, ihn zu meinen.
Gegen neun setzte sich jemand zwei Hocker weiter. Er bestellte ein Wasser und ein kleines Bier, was mich mehr beruhigte als jedes Lächeln es getan hätte. Als der Barkeeper das Wasser hinstellte, sah der Mann zu mir herüber, nicht lange, nur lang genug, um zu fragen, ob der Hocker zwischen uns frei sei oder ob ich auf jemanden warte. Seine Stimme war tief und unaufgeregt. Er trug ein Hemd ohne Krawatte, die Ärmel einmal umgeschlagen, und an den Schläfen lag ein Grau, das nicht gespielt wirkte.
Ich sagte, der Hocker sei frei, und ich warte auf niemanden, den er sehen könne. Er nickte, als hätte er diese Art von Satz schon gehört und als wolle er ihn trotzdem ernst nehmen. Er setzte sich nicht näher, als ich angeboten hatte. Das gefiel mir. Nähe, die man sich nimmt, ohne zu fragen, hätte ich an diesem Abend nicht gebrauchen können. Nähe, die man anbietet, konnte ich führen.
Wir redeten zuerst über nichts, das Gewicht hatte: die Stadt, den Regen, der gegen sieben eingesetzt und wieder aufgehört hatte, die Tatsache, dass Hotelbars immer ein wenig nach Abreise rochen, auch wenn man gerade erst angekommen war. Er hieß Henrik und sagte ohne Umschweife, er sei zweiundvierzig, geschieden seit drei Jahren, beruflich oft unterwegs und an diesem Abend ohne Verabredung. Ich nannte meinen Vornamen, Clara, und sagte, ich sei vierunddreißig, verheiratet, und mein Mann wisse, dass ich hier sitze. Ich sagte es früh, weil ich keine Lust auf ein Missverständnis hatte, das später teuer würde.
Henrik stellte das Bierglas ab und sah mich an, nicht erschrocken, eher aufmerksam. Er fragte, ob das eine Einladung sei oder eine Warnung. Ich sagte, es sei beides, und wenn ihn das Warnende mehr interessiere als das andere, dann könnten wir über den Regen weiterreden und danach jeder in sein Zimmer gehen. Er schwieg einen Moment. Dann sagte er, er wolle hören, was genau gemeint sei, bevor er irgendetwas anderes wolle.
Also sagte ich es ihm in der Bar, leise, aber ohne die Worte zu verstecken. Mein Mann und ich hatten ausgemacht, dass ich auf dieser Reise einen Mann wählen durfte, für eine Nacht, mit klaren Grenzen. Ich würde führen. Es gab kein Foto, keinen zweiten Abend, keinen Anspruch danach. Er durfte nein sagen, und ich durfte jederzeit gehen. Wenn er ja sagte, dann nicht, weil er eine heimliche Ehefrau bekam, sondern weil er eine verabredete Stunde mit einer Frau bekam, die wusste, was sie tat, und deren Mann zu Hause auf ihren Anruf wartete. Henrik hörte zu, ohne zu grinsen. Das war der Moment, in dem ich ihn überhaupt erst als Möglichkeit sah.
Er fragte, ob Lennart wirklich ja gesagt habe oder ob ich mir das ja zurechtlege, weil die Reise lang sei und das Kleid neu. Die Frage war scharf, und sie war richtig. Ich sagte, Lennart habe es nicht nur gesagt, er habe mich gebeten, es nicht zu tun, wenn ich es nur für ihn täte. Ich täte es auch für mich. Henrik nickte langsam. Er sagte, er sei zweiundvierzig, allein in diesem Hotel, und er habe keine Lust, der Ausrutscher in einer Geschichte zu sein, die jemand anders am nächsten Morgen bereue. Wenn ich bereuen wolle, solle ich jetzt aufstehen. Wenn ich bleiben wolle, solle ich ihm sagen, was ich von ihm erwarte, nicht was mein Mann sich ausmale.
Ich spürte, wie sich etwas in mir ordnete. Das war der Tausch, nicht nur der Satz auf dem Küchentisch: ich musste diejenige sein, die den nächsten Schritt aussprach. Ich sagte, ich erwarte einen Mann, der mit mir nach oben geht, der ein Kondom benutzt, der mich fragt, bevor er etwas tut, das über einen Kuss hinausgeht, und der geht, wenn ich es sage. Ich erwarte keine Zärtlichkeit für morgen und keine Rohheit für heute. Ich erwarte, dass er mich Clara nennt und nicht so tut, als kenne er mich länger als eine Stunde. Henrik sah auf meine Hand, auf den Ring, dann wieder in mein Gesicht. Er sagte ja. Er sagte es ohne Eile, und er wiederholte es, als wolle er, dass ich es höre und nicht nur deute: Ja, ich komme mit, unter diesen Bedingungen, und ich kann auch selbst gehen.
Wir blieben noch eine Weile am Tresen, weil ich nicht aus der Bar stürzen wollte wie aus einer Pflicht. Henrik erzählte von einer Konferenz am nächsten Morgen, die ihn nicht interessierte, und von einer Tochter, die studierte und ihn selten anrief. Ich hörte das und legte es beiseite. Es gehörte nicht in diese Nacht, und ich wollte keine Familie in den Raum holen, die nicht hier war. Ich erzählte von der Arbeit, die mich hergebracht hatte, einem Gespräch mit einem Kunden, das länger gedauert hatte als nötig, und davon, dass ich sonst abends im Hotelzimmer Berichte schrieb, bis die Buchstaben vor den Augen schwammen. Heute nicht. Heute lag der Bericht ungeöffnet auf dem Tisch oben, und das war auch eine kleine Untreue, diesmal an meinem Terminkalender.
Irgendwann legte ich die Hand auf den Tresen, die Fläche nach oben, nicht auf seine Hand, sondern daneben. Er verstand es und legte seine Finger leicht auf meine, so dass ich sie wegziehen konnte, ohne eine Bewegung erklären zu müssen. Seine Haut war warm und trocken. Ich ließ die Hand liegen. Der Pianist spielte eine Phrase, die sich wiederholte, und der Barkeeper polierte ein Glas, als ginge ihn nichts an, was an seinem Tresen entschieden wurde. Vielleicht ging es ihn auch nichts an. Ich spürte den Ring unter Henriks Fingern und zog die Hand nicht weg.
Ich sagte, ich wolle noch einen Satz an meinen Mann schicken, bevor wir aufstanden. Henrik nickte und wandte den Blick absichtlich zum Pianisten, damit ich den Bildschirm für mich hatte. Ich tippte: Ich gehe jetzt hinein. Ein Mann, zweiundvierzig, einverstanden, ich führe. Dann legte ich das Telefon wieder mit dem Display nach unten. Die Antwort kam nach weniger als einer Minute, kurz genug, dass ich sie lesen konnte, ohne in ein Gespräch zu geraten: Ich bin hier. Ich warte. Tu es, wenn du es willst. Ich las den Satz zweimal. Er enthielt keine Eile und keinen Befehl. Er enthielt das, was wir ausgemacht hatten: er wartete, und der Wille blieb bei mir.
Ich stand auf. Henrik zahlte sein Bier und mein zweites Glas, nachdem er gefragt hatte, ob er das dürfe. Ich ließ es zu, nicht weil ich geführt werden wollte, sondern weil ein Streit um eine Rechnung der falsche Anfang gewesen wäre. Im Aufzug standen wir mit Abstand, obwohl niemand sonst mitfuhr. Die Spiegel zeigten uns nebeneinander, nicht ineinander. Ich sah mein Gesicht und erkannte die Frau, die am Sonntag am Küchentisch gesessen hatte, nur dass die Schultern jetzt bloßer waren und der Mund entschlossener. Henrik fragte, in welchem Stock. Ich sagte es. Er drückte nicht auf den Knopf, bevor ich genickt hatte. Auch das merkte ich mir.
Auf dem Gang roch es nach Teppichreiniger und nach der kühlen Luft der Klimaanlage. Vor meiner Tür hielt ich die Karte in der Hand und drehte mich zu ihm um. Ich sagte, dass er jetzt noch gehen könne, ohne dass ich es als Kränkung nähme. Er sagte, er wolle nicht gehen, und er wolle, dass ich die Tür öffne, wenn ich es auch nicht wolle. Ich öffnete. Das Zimmer war so, wie ich es verlassen hatte: der Koffer offen, die Bluse von der Arbeit über dem Stuhl, die Stadt hinter der Scheibe als Streifen aus Licht. Ich hängte das Schild außen an die Klinke, schloss ab und ließ den Riegel einrasten. Das Geräusch war klein und endgültig.
Henrik blieb stehen, bis ich ihn bat, die Schuhe auszuziehen und das Hemd aufzuknöpfen, aber noch nicht auszuziehen. Er tat es ohne Theater. Ich zog die Schuhe selbst aus, stellte sie nebeneinander und ging barfuß über den Teppich, der unter den Sohlen rau war. Dann trat ich zu ihm und legte die Hände an seine Brust, über dem Stoff, und spürte den Herzschlag, schneller als seine Stimme es verraten hatte. Ich küsste ihn zuerst. Das war wichtig für mich. Nicht er beugte sich herab und nahm sich den Anfang. Ich hob das Gesicht, fand seinen Mund und blieb dort, bis der Kuss nicht mehr eine Absprache war, sondern ein Geschmack.
Er schmeckte nach dem Bier und nach Minze, schwach, als hätte er vor der Bar noch einen Kaugummi gehabt und ihn weggeworfen. Seine Hände hingen an seinen Seiten, bis ich eine davon nahm und an meine Taille legte. Dann erst hielt er mich. Der Kuss wurde tiefer, und ich spürte, wie mein Körper antwortete, nicht höflich, sondern deutlich: die Brustwarzen zogen sich unter dem Kleid zusammen, zwischen den Schenkeln wurde es warm und gleitend, und der Atem ging kürzer, ohne dass ich ihn dazu aufforderte. Ich löste mich und sagte, er solle mich aus dem Kleid helfen, aber nur den Reißverschluss, den Rest wolle ich selbst.
Er fand den Reißverschluss im Rücken und zog ihn langsam herunter, die Fingerknöchel streiften die Wirbelsäule. Als das Kleid nachgab, hielt ich es an der Brust fest und trat einen Schritt zurück. Ich ließ es fallen, als ich soweit war, nicht früher. Darunter trug ich nichts Ausgefallenes: einen schlichten Büstenhalter in Hautfarbe und einen Slip, den ich am Morgen gewählt hatte, weil er nicht drückte, nicht weil ich ihn jemandem zeigen wollte. Jetzt zeigte ich ihn doch. Henrik sah mich an und sagte leise, dass er warten würde, bis ich sage, was als Nächstes komme. Die Geduld in seiner Stimme machte mich ungeduldiger, und das gefiel mir, weil die Ungeduld meine war.
Ich öffnete seinen Gürtel, dann den Knopf, dann den Reißverschluss, und schob Hose und Shorts zusammen über die Hüften. Er half mit den Füßen, stolperte halb aus dem Stoff und lachte einmal, kurz, nicht spöttisch. Sein Glied war schon hart, schwer, die Haut warm, als ich die Hand darum legte, nicht fest, nur um das Gewicht zu kennen. Er atmete aus, ein Laut dicht an einem Stöhnen, und hielt sich zurück. Ich sagte, er dürfe laut sein, wenn er wolle, die Wände seien dick genug oder auch nicht, das sei mir in diesem Moment gleich. Er lachte wieder, diesmal heiser, und der Laut ging mir durch den Bauch.
Ich führte ihn zum Bett und drückte ihn an der Schulter, bis er saß. Dann stellte ich mich zwischen seine Knie und ließ ihn den Büstenhalter öffnen, nachdem ich es gesagt hatte. Seine Hände waren groß und nicht ungeschickt. Als der Stoff fiel, nahm er nicht sofort die Brüste in den Mund, obwohl sein Blick dort hing. Er wartete. Ich legte seine Hand selbst an die linke Brust und sagte, er solle saugen, langsam, und die andere mit der freien Hand halten. Er tat es. Die Wärme seines Mundes, die leichte Kante der Zähne, die er zurückhielt, das Ziehen, das von der Brustwarze nach unten lief, bis es sich zwischen den Beinen sammelte: ich stand und hielt seinen Kopf und merkte, wie die Knie weicher wurden.
Ich schob ihn nach hinten auf die Matratze und stieg über ihn, noch im Slip. Durch den Stoff spürte ich seine Härte an mir, und ich rieb mich einmal, zweimal, nicht um ihn zu quälen, sondern um zu fühlen, wie nass ich schon war. Der Stoff klebte. Ich zog ihn selbst aus, warf ihn neben das Bett und kniete mich über Henriks Gesicht, nicht schwer, die Hände am Kopfende. Ich sagte, er solle mich lecken, bis ich es ihm verbiete oder bis ich komme, und er solle die Hände an meinen Hüften lassen, nicht an meinem Hals, nicht in meinen Haaren, es sei denn, ich führe sie. Er sagte ja, gedämpft, und dann war sein Mund an mir.
Die erste Berührung seiner Zunge war breit und warm, von unten nach oben, und ich musste die Stirn gegen das kühle Holz des Kopfendes legen, weil die Empfindung zu schnell klar wurde. Er leckte nicht hastig. Er fand die Stelle, an der es zog, und blieb dort, mit kleinen Kreisen, dann mit einem flacheren Strich, dann wieder enger. Ich sagte leiser, was ich wollte: langsamer, jetzt fester, nicht die Zunge wegnehmen. Er gehorchte, nicht unterwürfig, sondern aufmerksam, und das war besser. Meine Schenkel begannen zu zittern. Ich ritt seinen Mund in einem kleinen Takt, den ich selbst setzte, und hörte das nasse Geräusch, das wir machten, ohne mich dafür zu schämen. Scham hatte ich am Küchentisch durchgesprochen. Hier war nur noch der Körper, der nahm, was er bestellt hatte.
Als es kam, kam es nicht als höfliche Welle, sondern als ein Zusammenziehen, das mir den Atem aus der Kehle drückte. Ich presste mich an seinen Mund, sagte seinen Namen einmal, dann keinen Namen mehr, nur ein langes, raues Ausatmen, und die Lust lief durch den Bauch, durch die Brüste, bis in die Fußsohlen, die sich auf der Matratze krümmten. Henrik hielt mich an den Hüften, wie ich es gesagt hatte, und leckte mich durch den Höhepunkt, bis ich seine Stirn wegstieß, weil es zu viel wurde. Ich blieb einen Moment über ihm knien, nass, offen, der Geschmack meiner selbst sicher auf seinen Lippen, und sah auf sein Gesicht. Er sah nicht triumphierend aus. Er sah hungrig aus und ein wenig erstaunt, als hätte er nicht erwartet, dass ich so deutlich kommen würde.
Ich stieg von ihm herunter, holte aus der Nachttischschublade das Kondom, das ich am Nachmittag dort hingelegt hatte, und riss die Hülle auf. Henrik lag auf dem Rücken, das Glied hart gegen den Bauch, die Spitze feucht. Ich rollte das Kondom über ihn, langsam, mit der Hand fest genug, dass er die Zähne zusammenbiss. Dann setzte ich mich auf ihn, führte ihn mit der Hand an meinen Eingang und ließ mich sinken, Zentimeter für Zentimeter, bis er ganz in mir war. Die Dehnung war voll und richtig. Ich blieb still, die Hände auf seiner Brust, und spürte, wie mein Körper sich um ihn schloss, noch nachklingend vom ersten Höhepunkt, schon wieder bereit.
Ich sagte, er solle liegen bleiben. Ich würde mich bewegen. Er nickte, die Hände an meinen Oberschenkeln, die Daumen still. Ich hob das Becken und senkte es, zuerst flach, dann tiefer, und fand den Winkel, in dem jeder Stoß von unten gegen die Stelle drückte, die mich schnell wieder eng werden ließ. Das Zimmer war nur noch Atem, das leise Schlagen des Kopfendes gegen die Wand, das nasse Gleiten, mein eigenes leises Stöhnen, das ich nicht mehr zurückhielt. Henrik stöhnte unter mir, tiefer, und seine Hüften zuckten einmal nach oben, bevor er sich wieder fing. Ich legte eine Hand auf seinen Bauch und drückte ihn in die Matratze. Nicht hart. Bestimmt. Er verstand und ließ mich reiten.
Ich beugte mich vor, die Brüste an seiner Brust, und küsste ihn, schmeckte mich auf seiner Zunge, und der Kuss wurde unordentlich, weil ich nicht aufhören konnte, mich zu bewegen. Jeder Zug nach oben ließ ihn fast aus mir gleiten, jeder Fall nahm ihn wieder ganz. Die Lust baute sich anders auf als vorhin, tiefer, mit einem Druck, der sich im ganzen Becken sammelte. Ich richtete mich wieder auf, stützte mich auf seine Schultern und ritt schneller. Schweiß lief mir zwischen den Brüsten herab. Henrik sah mich an, den Mund offen, und sagte, ich sei schön, nicht als Floskel, eher als etwas, das ihm herausrutschte. Ich nahm es und legte es nicht auf die Goldwaage. In dieser Stunde durfte ein Satz wahr sein, ohne dass er ein Versprechen wurde.
Ich spürte den zweiten Höhepunkt kommen und sagte es ihm, damit er nicht das Tempo wechselte. Er blieb liegen, die Hände fest an meinen Hüften, und ließ mich nehmen, was ich brauchte. Als es mich erreichte, warf ich den Kopf zurück, der Laut aus meiner Kehle war heller als vorhin, und innen zog sich alles um ihn zusammen, wieder und wieder, so stark, dass ich einen Moment lang nichts sah außer dem Lichtstreifen der Stadt an der Decke. Ich bewegte mich durch die Wellen, kleiner jetzt, mahlend, bis das Zittern nachließ und ich auf seiner Brust zusammen sank, sein Glied noch in mir, beide atemlos.
Er strich mir über den Rücken, langsam, und fragte, ob ich genug habe oder ob ich mehr wolle. Die Frage war genau richtig. Ich hatte nicht genug, nicht ganz. Ich wollte ihn kommen sehen, aber ich wollte das Tempo nicht aus der Hand geben, bevor ich es selbst abgab. Ich sagte, er solle mich auf den Rücken legen und mich nehmen, langsam zuerst, und er solle mir in die Augen sehen, wenn er schneller werde. Wenn ich stopp sage, hört er auf, auch dann. Er sagte ja, küsste mich einmal auf den Mundwinkel und drehte uns, ohne aus mir zu gleiten, mit einer Vorsicht, die mich mehr erregte als jede Heftigkeit es getan hätte.
Auf dem Rücken spürte ich sein Gewicht, gut verteilt, seine Unterarme neben meinem Kopf. Er zog sich zurück und stieß wieder hinein, lang und tief, und ich hob ihm das Becken entgegen. Der Winkel war neu. Jeder Stoß traf mich so, dass ich die Zehen in das Laken krallte. Ich sagte, fester, und er wurde fester, nicht grob, der Rhythmus klar, das Kondom glatt, mein Körper nass genug, dass es kein Reißen gab, nur Fülle. Ich hielt seinen Nacken, nicht um ihn zu zwingen, sondern um ihn nah zu haben. Sein Atem ging gegen mein Ohr. Er fragte, ob das so richtig sei. Ich sagte ja, genau so, und dann sagte ich seinen Namen, weil ich wollte, dass er hörte, wer ihn rief.
Die Lust stieg ein drittes Mal, unglaublicher als ich es für eine Nacht gehalten hatte, in der ich die Fremde war und zugleich diejenige, die bestellt hatte. Ich schlang die Beine um seine Hüften und sagte, er solle nicht aufhören, bis ich komme, und dann dürfe er selbst kommen, in mir, im Kondom, nicht auf mir, nicht irgendwo anders. Er stöhnte eine Zustimmung und hielt den Takt. Ich kam mit einem langen, gebrochenen Laut, das Gesicht an seiner Schulter, die Nägel in seinem Rücken, nicht tief genug, um ihn zu verletzen, tief genug, um mich festzuhalten. Er folgte wenige Stöße später. Ich spürte, wie er in mir pochte, wie sein ganzer Körper sich spannte und dann nachgab, ein tiefer Laut an meinem Hals, sein Gewicht für einen Moment schwerer, dann von ihm selbst wieder abgefangen, damit er mich nicht erdrückte.
Wir blieben so, ineinander, bis der Atem sich ordnete. Henrik stützte sich auf die Ellbogen und sah mich an, fragend, ohne Worte. Ich nickte. Es war gut. Es war genug. Er zog sich vorsichtig zurück, hielt das Kondom fest, stand auf und ging ins Bad, um es zu entsorgen. Ich hörte das Wasser laufen. Ich lag auf dem Rücken, die Knie noch leicht geöffnet, die Haut kühl, wo der Schweiß trocknete, zwischen den Beinen ein Pochen, das nicht sofort aufhörte. Die Stadt hinter der Scheibe war dieselbe wie vor einer Stunde. Ich war es nicht, und ich war es doch. Der Ring saß noch am Finger. Das Laken war zerwühlt. Nichts davon widersprach dem anderen, solange ich bei der Absprache blieb.
Als Henrik zurückkam, hatte er ein Glas Wasser in der Hand und hielt es mir hin, bevor er sich selbst eines nahm. Wir tranken, ohne viel zu reden. Er setzte sich auf die Bettkante, nicht wieder auf mich, und fragte, ob ich wolle, dass er bleibe, bis ich eingeschlafen sei, oder ob die Absprache das Gehen meine. Ich sagte, die Absprache meine das Gehen, nicht aus Kälte, sondern weil die Nacht eine Form habe und ich diese Form halten wolle. Er nickte. Er zog sich an, ohne Hast und ohne den Blick eines Mannes, der bestohlen worden war. Am Hemd blieb ein Knopf offen. Ich sagte es ihm. Er schloss ihn und lächelte kurz.
An der Tür blieb er stehen. Er sagte, es sei eine gute Stunde gewesen, und er werde sie nicht weitererzählen, nicht mit meinem Namen und nicht mit dem Hotel. Ich dankte ihm, nicht überschwänglich, und ich meinte es. Er fragte ein letztes Mal, ob alles in Ordnung sei. Ich sagte ja. Er ging. Der Riegel fiel hinter ihm ins Schloss, von innen, weil ich ihn selbst wieder vorlegte, nachdem die Tür zu war. Der Gang draußen war still. Ich stand einen Moment barfuß auf dem Teppich und spürte noch seine Hände an den Hüften, als Echo, nicht als Griff.
Ich duschte nicht sofort. Ich wollte den Geruch noch eine Weile, das Salz auf der Haut, die leichte Wundheit, die keine Verletzung war, nur die Spur von etwas, das ich gewollt und bekommen hatte. Ich zog das Hoteldeckbett über mich, nackt, und nahm das Telefon. Es war kurz vor elf. Lennart nahm beim zweiten Klingeln ab. Seine Stimme war wach, leise, als sitze er noch am Küchentisch, und vielleicht tat er das. Ich sagte, es sei geschehen. Ich sagte, ich habe geführt, er sei zweiundvierzig gewesen, er sei gegangen, ich sei allein, und es sei gut gewesen, nicht leicht im Kopf und gut im Körper. Ich sagte auch, dass ich ihn vermisse, und das war keine Höflichkeit. Es stimmte in demselben Atem, in dem die andere Wahrheit stimmte.
Lennart schwieg einen Moment. Ich hörte ihn atmen. Dann sagte er, er habe auf den Satz gewartet und ihn zugleich gefürchtet, und jetzt, da er da sei, wolle er mich nicht ausfragen. Er fragte nur, ob ich sicher sei, dass ich nicht mehr von ihm gebraucht hätte in dieser Stunde, einen Anruf vorher, ein Wort. Ich sagte, sein Satz vor der Bar habe gereicht. Ich sagte, der Tausch habe gehalten: ich hatte gewählt, ich hatte genommen, er hatte gewartet. Ob wir das noch einmal wollten, würden wir nicht im Telefon entscheiden. Wir würden es am Sonntag am Tisch entscheiden, bei Licht, mit Kaffee, nicht mit dem Nachgeschmack einer Hotelbar.
Er sagte, er liebe mich. Ich sagte es zurück und meinte beide Teile der Nacht damit: die Frau, die zu Hause auf ihn wartete, wenn er reiste, und die Frau, die heute nicht gewartet hatte. Wir legten auf, ohne die Stille zu füllen. Ich lag noch eine Weile und sah auf die Stadt. Das Pochen zwischen den Beinen wurde ruhiger. Irgendwann stand ich auf, duschte warm, wusch mir das Haar nicht, nur den Körper, und zog ein frisches Shirt aus dem Koffer. Das Kleid hing ich über den Stuhl, neben die Bluse von der Arbeit. Morgen würde ich Berichte schreiben und einen Kunden treffen und so tun, als sei die Nacht ein ganz normaler Abend in einem ganz normalen Hotel gewesen. Das war auch eine Rolle. Die hatte ich schon oft gespielt.
Bevor ich das Licht löschte, schrieb ich Lennart noch einen Satz, keinen Bericht, nur die Wahrheit, die in eine Zeile passte: Ich bin gut angekommen, auf beiden Wegen. Er antwortete mit einem einzelnen Wort, das wir seit Jahren für Abende benutzten, an denen mehr nicht nötig war: Hier. Ich legte das Telefon auf den Nachttisch, den Ring noch am Finger, und schlief ein, während die Klimaanlage ein gleichmäßiges Geräusch machte und die Stadt hinter der Scheibe nicht fragte, wen ich in diesem Zimmer geführt hatte.
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