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Meine letzte Nacht als neue Kollegin

Reife Frau · 28 Minuten lesen · 38 Minuten hören

Gelesen von Meher

Teil 2 der Serie Im besten Alter (4)

Ich war sechsundvierzig, und dies war die letzte Nacht, bevor ich abreiste. Der Koffer lag offen auf dem zweiten Bett, halb gefüllt, und die Bluse vom ersten Arbeitstag lag noch ungefalten obenauf. Durch das gekippte Fenster kam Luft herein, die nach Wasser, Teer und warmem Stein roch. Unten im Hafen standen die Lichter der Kräne still, als hätte die Stadt für einen Augenblick den Atem angehalten. Morgen um kurz nach sieben würde mein Zug nach München fahren, und die sechs Wochen Abordnung wären vorbei.

Lukas Brenner war einunddreißig und seit zwei Jahren Abteilungsleiter. Ich war die neue Kollegin auf Zeit gewesen, mit einem klaren Auftrag und einem Schreibtisch am Fenster, den ich von Anfang an zu sehr gemocht hatte. Als ich ihn am ersten Morgen im Besprechungsraum sah, fiel mir nicht zuerst sein Alter auf, sondern die Ruhe, mit der er zuhörte, bevor er sprach. Er hatte dunkles Haar, ein wenig zu lang für die strenge Linie seines Hemdes, und Hände, die beim Erklären still blieben, bis sie einen Punkt in die Luft setzten. Ich sagte mir damals, ein Blick müsse nichts bedeuten, und glaubte mir nur halb.

In den Wochen danach wurde aus dem Blick eine Gewohnheit, die ich nicht abstellte. Er brachte mir in der zweiten Woche Kaffee, ohne ein Wort über die späte Stunde zu verlieren, und stellte die Tasse so hin, dass sie meine Unterlagen nicht berührte. Wir stritten einmal freundlich über eine Zahl in der Kalkulation, und er gab mir recht, ohne sein Gesicht zu verlieren. Abends, wenn die anderen gingen, blieb manchmal das Licht in seinem Büro an, und ich hörte das leise Tippen durch die halb offene Tür. Ich packte dann langsamer ein, als nötig gewesen wäre, und nannte diese Langsamkeit nicht beim Namen.

An einem Donnerstag im Juni standen wir allein an der Kaffeemaschine, während draußen ein kurzer Regen gegen die Scheiben schlug. Er fragte, ob in München jemand auf mich warte, und die Frage war so schlicht, dass sie keine Falle sein konnte. Ich sagte, ich sei seit drei Jahren geschieden und lebe allein, und er nickte, als hätte er etwas Wichtiges erfahren, ohne es zu besitzen. Seine Augen blieben einen Moment zu lange an meinem Mund. Ich spürte die Wärme im Gesicht und tat so, als gälte sie dem Kaffee.

Heute hatte die Projektleiterin die Abschlussmappe unterschrieben, und die Kollegen waren nacheinander gegangen, mit Händedrücken und den üblichen Sätzen über eine gute Zusammenarbeit. Lukas blieb am Ende des Tisches stehen, die Hände in den Taschen, und wartete, bis die Tür ins Schloss fiel. Er sagte, er wolle mich nicht mit einem Händedruck in den Zug setzen, wenn ich einen Abend übrig hätte. Ich hörte den Herzschlag in den Ohren und antwortete, ich hätte Hunger und kein Talent für würdige Abschiede im Flur. Er lächelte so, dass ich die Müdigkeit in seinen Augen vergaß.

Im Hotel zog ich die Arbeitsbluse aus und stand eine Weile vor dem Spiegel, nicht um mich zu prüfen, sondern um mich zu sehen. Mein Körper war der einer Frau von sechsundvierzig Jahren: die Brüste schwerer als mit dreißig, der Bauch weich, eine feine Linie unter dem Nabel, die ich längst nicht mehr versteckte. Ich mochte diese Haut, weil sie mir gehörte und weil sie Wärme halten konnte. Ich wählte ein dunkles Kleid, das an den Hüften saß, ohne zu bitten, und ließ das Haar offen, das an den Schläfen schon silbern wurde. Als ich die Schuhe anzog, dachte ich an den Weg und an seine Hände auf einem Tisch.

Der Abend war mild, und der Himmel über den Dächern hielt noch einen Rest Blau. Ich ging zu Fuß, weil das Hotel nur zehn Minuten vom kleinen Restaurant am Kanal entfernt lag, das er vorgeschlagen hatte. Die Straßen rochen nach dem Regen vom Nachmittag, obwohl die Steine schon wieder trocken waren. Ein Fahrrad fuhr vorbei, und irgendwo lachte jemand auf einem Balkon. Ich spürte das Kleid an den Oberschenkeln und die klare Entscheidung in der Brust, diesen Abend nicht kleiner zu machen, als er sein wollte.

Er wartete vor der Tür, ohne auf die Uhr zu sehen, das Hemd am Kragen offen, die Ärmel noch so, wie er sie im Büro getragen hatte. Als er mich sah, blieb er einen Augenblick stehen, und dieses Stehen sagte mehr als ein Kompliment. „Du bist gekommen“, sagte er, und es klang nicht überrascht, nur dankbar. Ich sagte, ich hätte es ihm versprochen, und merkte, dass ich ihm eigentlich nur Hunger versprochen hatte. Wir gingen hinein, und die Wärme des Raums legte sich auf meine nackten Arme wie eine Hand.

Der Tisch stand am Fenster, mit Blick auf das dunkle Wasser und die gespiegelten Lampen. Er rückte mir den Stuhl zurecht und setzte sich so, dass seine Knie den meinen nicht zu nahe kamen, obwohl der Tisch schmal war. Wir bestellten Fisch und Brot und ein Glas Weißwein für jeden, nicht mehr, weil keiner von uns den Abend in einen Nebel legen wollte. Das Licht der Kerze lag auf seinem Handrücken, und ich sah die feine Ader dort, die ich in Besprechungen nie hatte ansehen dürfen, ohne mich zu verraten. Draußen fuhr ein Boot vorbei, und das Wasser schlug leise gegen die Mauer.

Eine Weile sprachen wir über die Mappe, über die Zahl, bei der ich recht behalten hatte, über die Kollegin aus der Buchhaltung, die immer zu früh lachte. Es war das sichere Gelände, und wir beide kannten es. Dann legte er die Gabel hin und sah mich an, ohne die Ruhe zu verlieren, die ich an ihm kannte. „Ich werde dich im Flur vermissen“, sagte er. „Nicht nur die Arbeit. Dich.“ Ich hielt das Glas fest und spürte, wie der Satz sich in mir setzte, warm und ohne Ausweg. Ich antwortete nicht sofort, weil ich den Satz ganz haben wollte, bevor ich ihn zurückgab.

„Ich habe dich auch angesehen“, sagte ich schließlich. „Nicht als Vorgesetzten. Als Mann. Und ich habe damit aufgehört, mich dafür zu schelten, ungefähr in der dritten Woche.“ Er atmete aus, als hätte er einen langen Weg hinter sich. Seine Finger lagen neben dem Brot, still, und ich hätte sie berühren können, wenn ich die Hand nur ein wenig verschoben hätte. Ich tat es nicht, noch nicht, weil ich wollte, dass die Worte zuerst vollständig waren. Der Kellner kam, schenkte Wasser nach und ging wieder, ohne die Luft zwischen uns zu stören.

Wir sprachen dann über das, was morgen endete. Die Abordnung war abgeschlossen, mein Schreibtisch würde leer sein, und er wäre nicht mehr der Mann, dem ich Bericht schuldete. Das sagte ich laut, weil es mir wichtig war, und er nickte, bevor ich den Satz zu Ende gebracht hatte. „Ich hätte dich nicht gefragt, solange du in meiner Abteilung gesessen hast“, sagte er. „Nicht zum Essen, nicht zu irgendetwas. Heute ist der Bericht geschrieben. Heute bist du frei, nein zu sagen, und es ändert nichts an deiner Arbeit, an deinem Ruf, an gar nichts.“ Ich glaubte ihm, weil er die Sätze nicht schön machte.

„Und wenn ich ja sage?“ fragte ich. Er sah mich an, und in diesem Blick lag Hunger, gehalten von einer Höflichkeit, die nicht kalt war. „Dann esse ich mit dir zu Ende“, sagte er, „und danach frage ich dich noch einmal, vor deiner Tür, ob du mich hineinlassen willst. Nicht früher. Nicht im Aufzug, nicht aus einem Schwung heraus.“ Ich lachte leise, nicht aus Spott, sondern weil die Sorgfalt mich rührte und zugleich erregte. „Du planst sogar das Begehren“, sagte ich. Er schüttelte den Kopf. „Ich plane nur, dass du wählen kannst.“

Wir aßen weiter, und das Essen hatte Geschmack, obwohl meine Aufmerksamkeit anderswo lag. Der Fisch war zart, das Brot noch warm, der Wein trocken und klar auf der Zunge. Ich erzählte ihm von meiner Wohnung in München, von dem Balkon, auf dem im Sommer die Tomaten zu groß wurden, und er erzählte von einer kleinen Wohnung über einer Bäckerei, in der es morgens nach Butter roch. Nichts davon war wichtig, und alles davon war es, weil wir uns die gewöhnlichen Dinge gaben, bevor wir uns die anderen gaben. Unter dem Tisch streifte mein Knie einmal seines, und keiner zog sich zurück.

Als der Teller leer war, lehnte ich mich ein wenig vor. „Ich will nicht nur essen“, sagte ich. „Ich will die Nacht mit dir. Nicht als Abschiedsgeschenk und nicht aus Dank. Weil ich deinen Mund seit Wochen kenne, ohne ihn geküsst zu haben, und weil ich wissen will, wie du dich anhörst, wenn du aufhörst, leise zu sein.“ Er wurde still auf eine Weise, die nichts mit Ablehnung zu tun hatte. Seine Hand lag endlich auf meiner, warm, trocken, mit einem leichten Druck, der fragte und nicht nahm. „Dann gehen wir langsam zurück“, sagte er. „Und du darfst unterwegs alles zurücknehmen.“

Wir zahlten und traten hinaus in die milde Luft. Der Kanal lag dunkel neben uns, und unsere Schritte fanden einen gemeinsamen Takt, ohne dass wir ihn verabredet hätten. Eine Weile schwiegen wir, und das Schweigen war nicht leer. Seine Hand blieb in meiner, der Daumen strich einmal über meinen Handrücken und blieb dann still, als wolle er mich nicht drängen. Ich roch sein Hemd, einen Rest von Seife und den Tag darunter, und dieser Geruch ging mir tiefer, als ein Parfüm es getan hätte. Am Geländer blieb ich stehen und sah auf das Wasser, bis ich sicher war, dass mein Ja noch dasselbe Ja war.

„Ich nehme nichts zurück“, sagte ich. Er drehte sich zu mir, und das Licht einer Laterne lag auf seiner Wange. „Gut“, sagte er leise. „Ich auch nicht.“ Wir gingen weiter, vorbei an geschlossenen Läden und einem Hund, der irgendwo hinter einer Tür bellte und wieder schwieg. Vor dem Hotel blieb er stehen, nicht aus Zögern, sondern weil er es versprochen hatte. Die Drehtür warf unser Spiegelbild kurz durcheinander. In der Lobby roch es nach Teppich und Zitronenöl, und der Nachtportier nickte, ohne aufzusehen.

Im Aufzug standen wir nebeneinander, nicht gegenüber, und die Nähe war fast schlimmer als eine Berührung. Ich sah unser Bild in der blanken Wand: eine Frau Mitte vierzig in einem dunklen Kleid, ein Mann Anfang dreißig mit offenem Kragen, beide wach und ohne Eile. Die Etage kam zu schnell. Auf dem Flur lag der Teppich weich unter den Schuhen, und vor meiner Tür blieb er wieder stehen, die Hände sichtbar, nichts versteckt. „Darf ich mit hineinkommen?“ fragte er. Ich sah ihn an und sagte ja, deutlich, mit der Stimme, die ich in Besprechungen benutzte, wenn eine Sache feststand.

Die Tür fiel hinter uns ins Schloss, und einen Moment lang taten wir nichts als atmen. Das Zimmer war so, wie ich es verlassen hatte: der offene Koffer, die ungefaltene Bluse, das gekippte Fenster, die Stadt dahinter. Er sah das alles und dann mich. „Komm her“, sagte ich, und er kam, nicht hastig, sondern mit den drei Schritten, die zwischen Tür und Bett lagen, und blieb dicht vor mir stehen. Ich legte die Hände an seinen Kragen. Sein Atem streifte meine Stirn. „Küss mich“, sagte ich, „und hör nicht nach dem ersten Mal auf.“

Der erste Kuss war vorsichtig und schon zu viel. Seine Lippen waren warm, ein wenig trocken vom Wein, und sie öffneten sich, als ich mich öffnete. Ich schmeckte ihn, Salz und einen Rest Zitrone, und die Woche, die wir nicht ausgesprochen hatten, löste sich in diesem Geschmack auf. Seine Hände lagen an meiner Taille, fest genug, dass ich den Druck kannte, leicht genug, dass ich hätte zurücktreten können. Ich trat nicht zurück. Ich zog ihn näher, und der zweite Kuss war tiefer, mit Zunge, mit einem leisen Laut aus seiner Kehle, den ich sofort wieder hören wollte.

Wir küssten uns, bis mein Nacken warm wurde und meine Knie nachgaben, nicht aus Schwäche, sondern weil der Körper beschlossen hatte, das Stehen aufzugeben. Ich lehnte mich an die Wand neben dem Fenster, und er folgte, die Stirn an meiner, der Mund an meinem Mund, an meiner Wange, an der Stelle unter dem Ohr, wo die Haut dünn ist. Ich spürte seine Zähne dort nur als Andeutung und dann seine Lippen, die sich entschuldigten und zugleich baten. „Hier“, sagte ich und neigte den Kopf, damit er mehr Platz hatte. Er lachte leise gegen meine Haut, und dieses Lachen ging mir durch den ganzen Rücken.

Seine Hände fanden den Reißverschluss des Kleides und blieben liegen. „Darf ich?“ fragte er. Ich sagte ja und hob die Arme ein wenig, damit der Stoff nachgeben konnte. Das Kleid öffnete sich im Rücken, kühle Luft auf warmer Haut, und er schob es mir von den Schultern, langsam, als wollte er sehen, was er tat. Es fiel bis zu den Hüften und blieb dort hängen, und er küsste die freigelegte Schulter, dann die andere, dann die Vertiefung über dem Schlüsselbein. Ich schloss die Augen und hörte das Wasser draußen und seinen Atem und das leise Geräusch des Stoffes, der endlich zu Boden ging.

Ich stand in Unterwäsche vor ihm, und er trat einen halben Schritt zurück, nicht um Abstand zu gewinnen, sondern um mich anzusehen. Sein Blick war offen und ohne die Hast, die junge Männer manchmal für Begehren halten. Er sah die schweren Brüste im dunklen Stoff, den weichen Bauch, die Hüften, die Linie der Schenkel, und nichts in seinem Gesicht wich aus. „Du bist schön“, sagte er, und es klang nicht wie eine Formel. Ich glaubte ihm, weil er nicht lächelte, während er es sagte. Ich griff nach seinem Hemd und begann, die Knöpfe zu öffnen, einen nach dem anderen, mit Fingern, die ruhiger waren, als ich mich fühlte.

Unter dem Hemd war seine Haut warm und glatt über dem Brustbein, mit einem dunklen Streifen Haar, der zum Bauch hin schmal wurde. Ich legte die flache Hand dorthin und spürte den Herzschlag, schnell, ehrlich. Er half mir mit den Ärmeln und ließ das Hemd fallen, wo mein Kleid lag. Dann stand er still, während ich den Gürtel öffnete, und als ich zögerte, nur eine Sekunde, legte er seine Hand über meine. „Nur wenn du willst“, sagte er. Ich wollte. Ich öffnete Hose und Stoff und schob beides hinunter, und er stieg heraus, barfuß auf dem Teppich, ganz da.

Sein Schwanz war schon hart, schwer in meiner Hand, als ich ihn umfasste, warm und lebendig, die Haut seidig über der Festigkeit darunter. Ich strich einmal von der Wurzel bis zur Spitze und sah, wie seine Bauchmuskeln sich kurz zusammenzogen. Er atmete durch den Mund und hielt meine Hüfte, als brauche er einen Halt, der nicht meine Hand war. „Bett“, sagte ich, weil ich liegen wollte, mit dem ganzen Gewicht und der ganzen Zeit. Er nickte und führte mich die wenigen Schritte, und wir legten uns nebeneinander auf die kühle Decke, die ich am Morgen noch glatt gezogen hatte.

Eine Weile küssten wir uns nur, Haut an Haut, sein Oberschenkel zwischen meinen, mein Bein über seinem. Ich spürte seinen Schwanz an meinem Bauch, heiß und geduldig, und die Nässe in meinem Slip, die ich nicht länger überspielte. Seine Hand lag auf meiner Brust, über dem Stoff, der Daumen fand die Brustwarze und rieb sie, bis sie sich fest gegen seine Finger drückte. Ich stöhnte in seinen Mund, ein tiefer Laut, den ich nicht kannte von mir in hellen Räumen. Er schob den Stoff beiseite und nahm die Brust in den Mund, saugte, leckte, hielt die andere in der Hand, und ich bog den Rücken, damit er mehr bekam.

Er wechselte von einer Brust zur anderen, langsam, mit einer Aufmerksamkeit, die mich fast ungeduldig machte und zugleich festhielt. Die Brustwarzen waren empfindlich, jeder Zug seiner Lippen ein heller Strich bis zwischen die Beine. Ich grub die Finger in sein Haar und hielt ihn dort, nicht fest, nur gegenwärtig. „So“, sagte ich, als er die Zunge flach über die Spitze zog, und er blieb bei diesem So, bis ich die Hüften gegen seinen Schenkel drückte und die Reibung suchte. Er verstand und legte die Hand zwischen meine Beine, über den feuchten Stoff, und der Druck war genau genug, dass ich den Namen vergaß, den ich ihm im Büro gegeben hatte.

Er zog mir den Slip aus, Zentimeter für Zentimeter, und warf ihn nicht achtlos weg, sondern legte ihn neben das Kissen, als gehöre auch das noch zur Sorgfalt. Dann kniete er sich zwischen meine Schenkel und sah mich an, fragend, die Hände auf meinen Knien. Ich spreizte die Beine und sagte: „Ja. Mit dem Mund. Ich will deinen Mund.“ Er küsste die Innenseite des einen Schenkels, dann des anderen, langsam nach oben, und die Bartstoppeln an seinem Kinn kratzten leicht, ein guter Gegensatz zu den Lippen. Als seine Zunge schließlich über meine Scham strich, flach und warm, entfuhr mir ein Laut, den das offene Fenster sicher nach draußen trug, und es war mir gleich.

Er leckte mich, als hätte er Zeit, die wir eigentlich nicht hatten, und gerade deshalb nahm er sie. Die Zunge teilte mich, fand die Nässe, strich über die inneren Lippen, kehrte immer wieder zum Kitzler zurück, ohne ihn zu hetzen. Zwei Finger lagen an meinem Eingang und warteten, bis ich die Hüften hob, und dann glitten sie in mich, langsam, bis zu den Knöcheln, und krümmten sich, während sein Mund oben blieb. Ich hielt das Laken fest und sah an die Decke, dann auf seinen dunklen Kopf zwischen meinen Schenkeln, und dieses Bild, sein Eifer, seine Ruhe, zog mir den Bauch zusammen. „Nicht aufhören“, sagte ich, und er hörte nicht auf.

Die Lust stieg nicht wie ein gerader Weg, sondern in Wellen, die jedes Mal ein wenig höher kamen. Sein Daumen ersetzte einen Moment die Zunge, kreiste, während er mich ansah, und dann war der Mund wieder da, saugend, weich, genau. Ich spürte, wie die Schenkel zu zittern begannen, wie die Ferse sich in die Matratze grub, wie der Atem kurz wurde und dann ganz aussetzte. „Lukas“, sagte ich, und der Name brach. Der Orgasmus kam tief und lang, nicht als einzelner Schlag, sondern als ein Ziehen, das vom Kitzler in den Bauch und in die Brüste lief, und ich presste mich an seinen Mund und ließ es durch mich gehen, laut, ohne die Hand vor den Mund zu nehmen.

Er blieb bei mir, bis die Wellen nachließen, und küsste dann den weichen Bauch, das Brustbein, den Mund, und ich schmeckte mich auf seinen Lippen, salzig und vertraut. Ich lag einen Moment nur da und lachte leise, erschöpft und hell. „Komm her“, sagte ich noch einmal, anders jetzt, und drehte ihn auf den Rücken. Sein Schwanz lag hart auf seinem Bauch, die Spitze feucht, und ich nahm ihn in die Hand, strich, sah ihm ins Gesicht. Er biss sich auf die Lippe und hielt meine Hüfte, als wäre das sein Anker. Ich beugte mich hinunter und nahm ihn in den Mund, nicht tief auf einmal, sondern mit der Zunge zuerst an der Unterseite, dann die Lippen um die Eichel, langsam, bis er einen heiseren Laut von sich gab.

Ich mochte das Gewicht auf der Zunge, den Geschmack, das leichte Zucken, wenn ich saugte. Ich nahm ihn tiefer, die Hand an der Wurzel, und bewegte mich in einem Rhythmus, den ich selbst bestimmte. Seine Finger lagen in meinem Haar, nicht drückend, nur da, und als ich aufsah, waren seine Augen dunkel und dankbar und ein wenig fassungslos. „Wenn du so weitermachst“, sagte er rau, „dann ist es zu schnell vorbei.“ Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten und küsste die Spitze, einmal, wie ein Versprechen für später. „Ich will dich in mir“, sagte ich. „Jetzt. Und ich will, dass du mich ansiehst, wenn du in mich kommst.“

Er griff nach seiner Hose, nach der kleinen Folie in der Brieftasche, und ich nahm sie ihm aus der Hand und rollte das Kondom über ihn, langsam, mit der gleichen Aufmerksamkeit, die er mir gegeben hatte. Dann legte ich mich zurück und zog ihn über mich. Sein Gewicht war gut, nicht zu viel, die Unterarme neben meinem Kopf, sein Schwanz an meinem Eingang, wartend. „Ja?“ fragte er noch einmal, obwohl mein ganzer Körper schon ja sagte. „Ja“, sagte ich. „Komm.“ Er schob sich in mich, Zentimeter für Zentimeter, und die Dehnung war voll, warm, genau an der Grenze zwischen viel und richtig, bis er ganz in mir war und wir beide den Atem anhielten.

Einen Moment bewegte sich niemand. Ich spürte ihn tief, das Pochen, die Wärme, meine eigenen Muskeln, die sich um ihn schlossen, als wollten sie ihn behalten. Sein Gesicht war nah, die Stirn feucht, die Augen offen. Ich hob das Becken ein wenig, und er verstand und zog sich zurück, fast ganz, und kam wieder, langsam, ein langer Stoß, der mich ausfüllte. Wir fanden den Rhythmus nicht sofort, und das war mir lieb, dieses Suchen, das leise Lachen, als unsere Hüften einmal danebenlagen, und dann das Treffen, bei dem alles stimmte. Er stieß tief und gleichmäßig, und jeder Stoß rieb mich dort, wo ich noch empfindlich war vom ersten Kommen.

Ich schlang die Beine um seine Hüften und änderte den Winkel, bis die Reibung am Kitzler heller wurde. „So“, sagte ich wieder, und er blieb bei diesem So, die Stöße etwas kürzer, etwas fester, der Atem an meinem Ohr. Ich hörte das leise Klatschen von Haut, das Rascheln der Decke, meinen eigenen Laut, der nicht mehr Worte war. Seine Hand fand meine Brust, der Daumen die Brustwarze, und die beiden Empfindungen liefen zusammen, unten und oben, bis ich die Nägel in seinen Rücken setzte und ihn näher zog. „Härter“, sagte ich, und er gab mir härter, ohne grob zu werden, ein tieferes Stoßen, das das Bett leicht gegen die Wand schob.

Die Lust baute sich zum zweiten Mal auf, dichter als die erste, weil er in mir war und weil ich sein Gesicht sah, die Konzentration, die Zärtlichkeit, das Begehren, das er nicht mehr höflich hielt. Ich griff zwischen uns und rieb mich selbst, zwei Finger im Takt seiner Stöße, und er sah hinunter, sah meine Hand, und stöhnte so offen, dass mir die Kehle eng wurde. „Ich will dich oben“, sagte er atemlos. „Ich will sehen, wie du dich nimmst.“ Ich nickte, und wir drehten uns, ungeschickt und lachend, bis ich auf ihm saß und er unter mir lag, die Hände an meinen Hüften, der Schwanz noch in mir, tief und aufrecht.

Ich setzte die Knie fest und begann, mich zu bewegen, zuerst langsam, ein Kreisen, das ihn in mir spürbar machte bis zum letzten Zentimeter. Meine Brüste schwangen mit, und er hob die Hände und hielt sie, die Daumen an den Brustwarzen, der Blick auf meinem Gesicht, dann auf dem Punkt, wo wir verbunden waren. Ich ritt ihn in einem Tempo, das mir gehörte, mal flach, mal so, dass ich mich ganz auf ihn sinken ließ und einen Moment sitzen blieb, ausgefüllt, zitternd. Die Kraft in meinen Schenkeln war die einer Frau, die ihren Körper kennt, und ich genoss es, ihm dieses Tempo zu geben, statt es zu empfangen. Er ließ mich, die Finger fest, der Mund halb offen, und sagte meinen Namen, als wäre er ein Ort.

„Sabine“, sagte er, und dann noch einmal, rauer. Ich beugte mich vor, die Hände auf seiner Brust, und rieb mich an ihm, der Kitzler an seinem Schambein, sein Schwanz tief und kaum bewegt, nur der Druck, die Wärme, das Reiben. Das war es. Die Lust kippte, schnell jetzt, und ich bewegte mich kürzer, härter gegen ihn, bis der Orgasmus mich fasste und ich auf ihm kam, die Schenkel zitternd, die Stimme laut in seinem Namen, die inneren Muskeln zuckend um seinen Schwanz. Er hielt mich an den Hüften und stieß von unten ein paar Mal mit, tief, und trug mich durch die Wellen, bis ich auf seine Brust sank und nur noch atmen konnte.

Wir blieben so, verbunden, mein Ohr an seinem Herzen, sein Herz schnell. Seine Hände strichen über meinen Rücken, langsam, von den Schultern bis zur Taille, und diese Striche waren fast so intim wie das, was vorher gewesen war. „Ich bin noch nicht fertig mit dir“, sagte ich gegen seine Haut, und spürte, wie er in mir zuckte, noch hart, noch da. Er lachte leise, ein wenig heiser. „Gut“, sagte er. „Ich auch nicht. Aber ich will dich noch einmal fragen, weil ich kurz davor bin und nicht über dich hinwegkommen will.“ Ich hob den Kopf und küsste ihn, langsam, mit dem Geschmack von uns beiden. „Komm in mir“, sagte ich. „Ich will es spüren. Nicht hetzen. Noch einmal, langsamer.“

Er drehte uns auf die Seite, blieb in mir, ein Bein von mir über seiner Hüfte, die Körper eng, das Gesicht nah. So bewegte er sich kaum, ein tiefes, langsames Schieben, das keine Show war, nur Nähe. Ich spürte jeden Zentimeter, die Eichel, die sich in mir verschob, den Schaft, die Wärme, und dazwischen seinen Atem an meinem Mund. Wir küssten uns zwischen den Stößen, unordentlich, mit Zähnen an der Unterlippe, mit Lachen, das in Stöhnen überging. Seine Hand lag an meinem Hintern und zog mich bei jedem Stoß näher, und ich legte die meine an seine Wange und hielt ihn im Blick, wie ich es verlangt hatte.

„Sieh mich an“, sagte ich, als seine Augen sich schließen wollten. Er sah mich an. In diesem Blick lag nichts von dem Abteilungsleiter, nichts von der Mappe, nur der Mann, der seit Wochen gewartet hatte und jetzt nicht mehr wartete. Seine Stöße wurden tiefer, immer noch langsam, aber mit einem Zittern in den Hüften, das ich kannte. Ich spannte mich um ihn, absichtlich, und er fluchte leise, ein gutes Wort, das ich ihm verzieh, indem ich es noch einmal tat. „Ich komme“, sagte er, die Stimme dünn. „Ja“, sagte ich. „Ich will es.“ Er stieß noch dreimal, tief und haltend, und dann kam er, das Gesicht offen, der Laut in meinen Mund geküsst, der Körper zuckend, während ich ihn festhielt und zusah.

Ich spürte das Pochen in mir, das Nachgeben seiner Muskeln, das Gewicht, das er mir ein wenig mehr gab und dann wieder auffing. Er blieb in mir, die Stirn an meiner, und atmete, als hätte er einen Berg hinter sich und zugleich einen sehr nahen Raum. Ich strich ihm das feuchte Haar aus der Stirn und küsste die Augenlider, eines nach dem anderen. Draußen hupte ein fernes Auto und verstummte. Das Laken war zerdrückt unter uns, die Decke halb auf dem Boden, und nichts davon störte. Wir lagen in dem schmalen warmen Raum zwischen zwei Atemzügen und ließen ihn weit werden.

Nach einer Weile zog er sich vorsichtig zurück, hielt das Kondom, küsste mich auf die Schulter und stand auf, um es zu entsorgen. Ich hörte das Wasser im Bad, kurz, und dann kam er zurück, nackt, mit einem Glas Wasser, das er mir reichte, bevor er selbst trank. Diese Reihenfolge rührte mich mehr, als ich erwartet hatte. Ich trank, das Wasser kühl in der trockenen Kehle, und stellte das Glas auf den Nachttisch neben die ungefaltene Bluse, die irgendwann vom Koffer gerutscht war. Er legte sich wieder zu mir, zog das Laken über unsere Hüften und ließ die Brüste frei, weil die Luft vom Fenster gut war auf der Haut.

„Geht es dir gut?“ fragte er, und die Frage war keine Floskel. Ich drehte mich auf die Seite, ihm zugewandt, ein Knie zwischen seinen. „Ja“, sagte ich. „Besser als gut. Ich bin wund auf die richtige Art, und ich bin froh, dass du gefragt hast, bevor du gekommen bist, und froh, dass du nicht gefragt hast, ob eine Frau in meinem Alter das noch will. Das wäre der einzige Satz gewesen, der mich aus diesem Bett gebracht hätte.“ Er lächelte, ernst und warm. „Ich habe nie gedacht, dass du etwas nicht mehr willst“, sagte er. „Ich habe gedacht, dass du mehr weißt als ich, und dass ich aufpassen muss, nicht zu nehmen, was du nicht gibst.“

Wir sprachen leise, wie Menschen sprechen, die den Lärm schon gehabt haben und ihn nicht bereuen. Ich erzählte ihm, dass ich in der dritten Woche nachts wach gelegen und mir seine Hände vorgestellt hatte, genau so, wie sie dann gewesen waren, und er erzählte, dass er nach dem Regen an der Kaffeemaschine eine Stunde lang keine brauchbare Mail geschrieben hatte. Wir lachten, nicht laut, und das Lachen legte sich auf die Haut wie eine zweite Decke. Seine Finger zeichneten die Linie unter meinem Nabel nach, ohne sie zu kommentieren, und ich ließ es zu, weil die Linie zu mir gehörte und er sie nicht als Fehler las.

Irgendwann wurde die Müdigkeit größer als das Reden, und wir dösten, nicht tief, die Stadt noch im Ohr. Ich wachte davon auf, dass seine Hand auf meiner Brust lag, im Schlaf, warm und schwer, und dass mein Körper schon wieder antwortete, ein langsames Ziehen, kein Befehl. Ich schob mich näher und küsste seinen Hals, bis er die Augen öffnete. „Noch einmal?“ fragte er, die Stimme rau vom Schlaf. „Nur wenn du willst“, sagte ich, und meinte es. Er wollte. Wir nahmen uns diesmal ohne viele Worte, er hinter mir, ich auf der Seite, sein Arm um meine Mitte, sein Mund an meinem Nacken, der neue Schutz über ihm, und das Eindringen war langsamer, vertrauter, ein Nachhausekommen in einem Zimmer, das keinem von uns gehörte.

Er bewegte sich tief und gemessen, die Hand zwischen meinen Beinen, zwei Finger am Kitzler, im Takt, und ich führte diese Hand einmal, bis der Druck stimmte, und ließ sie dann. Die Lust war diesmal nicht laut, sondern breit, ein Wärmeziehen, das mit jedem Stoß wuchs. Ich griff nach hinten und hielt seinen Oberschenkel, spürte die Muskeln, die arbeiteten, und drückte mich ihm entgegen. „Bleib so“, sagte ich, und er blieb, der Atem heiß an meinem Ohr, der Schwanz ein gleichmäßiges Füllen, die Finger geduldig. Ich kam leiser als zuvor, ein langes inneres Zittern, das ich in seine Handfläche atmete, und er folgte kurz darauf, mit einem erstickten Laut an meiner Schulter und einem letzten tiefen Stoß, der uns beide still machte.

Danach wuschen wir uns gemeinsam, nicht verspielt, sondern nah, das warme Wasser über den Schultern, seine Hände in meinem Haar, meine an seinem Rücken. Im Spiegel über dem Waschbecken sah ich uns: eine Frau von sechsundvierzig mit nassem, an den Schläfen silbernem Haar, ein Mann von einunddreißig mit müden Augen und einem Mund, der noch gerötet war. Wir sahen nicht aus wie ein Fehler. Wir sahen aus wie zwei Menschen, die eine Nacht gewählt hatten und sie nicht kleiner redeten, als sie war. Er küsste meine nasse Schulter und stellte das Wasser ab, und wir trockneten uns mit den großen Hotelhandtüchern, die nach nichts rochen als nach Wärme.

Zurück im Bett zog ich das Laken bis zur Taille und ließ das Fenster gekippt. Er lag auf dem Rücken, ich mit dem Kopf auf seiner Schulter, und die Kräne draußen waren immer noch stille Lichter. „Ich werde dich nicht bitten zu bleiben“, sagte er nach einer Weile. „Dein Zug ist deiner. Dein Leben in München ist deins. Wenn du schreiben willst, schreibe ich zurück. Wenn du nicht schreibst, war diese Nacht trotzdem ganz.“ Ich lag still und spürte, wie der Satz sich richtig anfühlte, ohne dass er weh tat auf die billige Art. „Ich werde schreiben“, sagte ich. „Nicht morgen in der Aufregung. Wenn ich zu Hause bin und weiß, dass ich es noch will, und nicht nur die Erinnerung an deinen Mund.“ Er drückte meine Schulter, einmal, und sagte nichts mehr, was die Sache schmücken sollte.

Wir schliefen ein paar Stunden, dicht, ohne uns festzuhalten wie Menschen, die Angst vor dem Morgen haben. Als der Wecker um halb sechs klingelte, war das Licht hinter dem Vorhang schon grau. Ich stand zuerst auf, duschte allein, weil die Zeit knapp war, und zog die Reisekleidung an, Hose, Bluse, die Schuhe, die ich im Zug würde ausziehen wollen. Er saß auf der Bettkante, angezogen, das Haar feucht von seiner eigenen kurzen Dusche, und sah mir zu, wie ich den Koffer schloss. Die Bluse vom ersten Tag lag jetzt gefaltet ganz oben. Ich ließ sie so. Es gab nichts mehr, das ich vor mir verstecken musste.

Im Taxi sprachen wir wenig. Seine Hand lag auf meinem Knie, über dem Stoff, und meine lag darauf, und die Stadt wurde heller, die Straßen noch leer, der Geruch von Brot aus irgendeiner Frühschicht. Am Bahnhof trug er den Koffer bis zum Gleis und stellte ihn ab, als der Zug schon auf dem Bahnsteig stand, die Türen offen, die Luft darin kühl und nach Polster riechend. Menschen gingen an uns vorbei mit Kaffeebechern und gesenkten Köpfen. Er nahm mein Gesicht in beide Hände und küsste mich, nicht lang, aber vollständig, vor allen, die nicht hinsahen. „Gute Fahrt, Sabine“, sagte er. „Danke für die Nacht. Danke, dass du ja gesagt hast, und danke, dass du es so gesagt hast, dass ich es glauben konnte.“

„Danke, dass du vor der Tür noch einmal gefragt hast“, sagte ich. Ich stieg ein, stellte den Koffer ab und drehte mich im Gang noch einmal um. Er stand auf dem Bahnsteig, die Hände in den Taschen, das Hemd am Kragen offen wie am Abend, und hob eine Hand, nicht winkend, nur zeigend, dass er noch da war. Die Tür schloss sich. Der Zug setzte sich in Bewegung, langsam zuerst, dann mit dem gleichmäßigen Ziehen, das alle Abreisen haben. Ich setzte mich ans Fenster und sah die Stadt zurückweichen, den Hafen irgendwo hinter den Dächern, das Hotel, das ich nicht mehr sehen konnte.

In meinem Körper war die Nacht noch da: ein leichtes Ziehen in den Schenkeln, die empfindliche Haut, der Geschmack, den das Wasser nicht ganz fortgenommen hatte, die Erinnerung an sein Gewicht und an seine Frage. Ich legte die Hand auf den Bauch, über die Bluse, und lächelte in das frühe Licht, ohne dass jemand es sehen musste. Ich war sechsundvierzig, ich hatte gewählt, und die Wahl war einvernehmlich und vollständig gewesen, von der Tür bis zum letzten Stoß und bis zu diesem Gleis. Der Zug nahm Geschwindigkeit auf. Irgendwo vor mir lag München, der Balkon, die zu großen Tomaten, ein Schreibtisch, der nicht seiner war. Hinter mir lag eine Nacht, die nicht kleiner wurde, je weiter die Schienen liefen. Ich würde schreiben. Nicht aus Pflicht. Weil ich den Mund noch kannte, und die Hände, und den Mann, der gewartet hatte, bis ich frei war, ja zu sagen.

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