Mein Ex auf der Klassenfeier
Fremdgehen · 38 Minuten lesen · 51 Minuten hören
Gelesen von Ivanna
Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (8)
Ich sah meinen Ex auf der Klassenfeier, bevor er mich gesehen hatte, und der Abend kippte in die Richtung, die ich drei Tage vorher am Telefon schon gewählt hatte. Jonas stand im Türrahmen des Saals, 34 Jahre alt, so alt wie ich, das Haar dunkler als in meiner Erinnerung, das Hemd an den Unterarmen hochgeschoben. Acht Jahre lagen zwischen uns. Die Feier hatte uns trotzdem in denselben Raum gestellt, und mein Puls schlug in den Handgelenken, noch bevor sein Blick mich fand.
Stefan hatte mich am Morgen an der Wohnungstür geküsst und nach Kaffee und nach der Jacke gerochen, die er zur Frühschicht trug. Er sagte, ich solle bleiben, solange die Musik gut sei, und anrufen, falls es später würde, weil er um 5 Uhr wieder hinaus müsse und schlecht schlafe, wenn die Bettseite leer bleibe. Ich sagte, ich würde anrufen. Das war der erste Satz, der nicht ganz stimmte, und er lag mir glatt im Mund, weil ich ihn schon am Vorabend geübt hatte. In der kleinen Tasche, unter dem Lippenstift und dem Hausschlüssel, lag ein Kondom. Ich hatte es eingesteckt, als Stefan unter der Dusche stand, und die Scham dabei war hell und nutzlos. Ich wollte nicht, dass später jemand so tat, als hätte der Wein mir die Nacht aus der Hand genommen.
Die Fahrt zum Hotel dauerte 20 Minuten. Die Stadt war noch nass vom Nachmittag, und die Ampeln warfen rote Flecken auf die Straße. Ich parkte hinter dem Festsaal, prüfte im Rückspiegel den Mund und stieg aus. Meine Absätze klangen hart auf dem Asphalt. Drinnen war es warm, und jemand aus der alten Klasse umarmte mich, bevor ich den Mantel abgegeben hatte, und redete von einer Firma, einem Umzug, einem Hund. Ich lächelte an den richtigen Stellen. Mit den Augen suchte ich die Tür.
Jonas kam, als die ersten Gläser schon auf den Tischen standen. Das Licht über der Bar legte einen Streifen auf sein Haar, und alles in mir zog sich zusammen, nicht vor Angst, vor Wiedererkennen. Alle, die an diesem Abend Platz nahmen, waren über 30, ehemalige Mitschüler mit Berufen und Adressen und dem Blick von Leuten, die die Schulzeit längst hinter sich hatten. Niemand hier suchte eine alte Unschuld. Wir maßen, wer aus uns geworden war, und ich maß ihn mit einem Hunger, den ich Stefan gegenüber nie in diesem Ton gespürt hatte.
Der Saal roch nach warmem Wein und nach dem Holz der alten Stühle. Ich trug ein dunkelblaues Kleid, eng an der Taille, der Ausschnitt tief genug, dass ich mich darin gewollt fühlte und nicht verkleidet. Der Ring an meinem Finger war schmal und hell. Ich drehte ihn einmal mit dem Daumen und ließ ihn dann in Ruhe, weil ich nicht schon im Saal damit spielen wollte, als wäre die Entscheidung noch offen. Sie war nicht offen. Sie war nur noch nicht ausgesprochen, nicht hier, nicht laut.
Die Absprache stammte von einem Anruf am Dienstag, nüchtern, am Küchentisch, während Stefan bei der Arbeit war. Die Gästeliste der Klassenfeier war im Gruppenchat aufgetaucht, und Jonas hatte mir separat geschrieben, nur einen Satz: Ich komme, wenn du das aushältst. Ich hatte zurückgerufen, weil Schrift zu leicht wird, wenn man sich selbst belügen will. Am Telefon hatte ich gesagt, was ich wollte, in ganzen Sätzen, ohne Wein und ohne die alte Gewohnheit, ihn führen zu lassen.
In den Jahren, in denen wir zusammen gewesen waren, von meinem 23. bis zu meinem 26. Lebensjahr, hatte Jonas den Abend bestimmt, den Ort, das Tempo, die Stellung. Ich hatte gewartet, bis er mich anfasste, und ich hatte das damals gemocht, mit 24, in Wohnungen, die nach billigem Kaffee rochen. Am Telefon sagte ich, dass ich das heute nicht mehr wollte. Wenn wir uns auf der Feier begegneten und beide noch wollten, würde ich führen. Er würde fragen, bevor er mich berührte. Ein Wort würde alles stoppen: Pause. Keine Bilder. Kein Danach, das über diese Nacht hinausging. Er würde wissen, dass ich verheiratet war, und er würde nicht so tun, als könnte eine Stunde das auflösen.
Er hatte lange geschwiegen. Ich hörte eine Straße im Hintergrund, einen Laster, dann seinen Atem. Er sagte, er sei einverstanden, weil er mich so sehen wolle, wie ich jetzt sei, nicht wie ich mit 24 gewesen war. Er wiederholte die Regeln, Satz für Satz, damit ich hörte, dass er sie nicht nur gehört, sondern angenommen hatte. Ich sagte, dass ich fremdgehen würde, und dass ich das Wort benutzen wolle, damit es nicht als Missverständnis weiterleben konnte. Er sagte, er wisse das, und er werde mich nicht darum bitten, es schönzureden. Danach legten wir auf. Ich saß noch eine Weile am Küchentisch und spürte, wie die Entscheidung im Körper blieb, warm und schwer, nicht als Rausch, als Wahl.
Im Saal hielt er sich an den Abstand, den ich verlangt hatte. Er kam nicht an meinen Tisch. Er setzte sich zwei Reihen weiter, neben eine Frau, die früher neben mir in Chemie gesessen hatte und jetzt von einem Haus am See erzählte. Jonas nickte an den richtigen Stellen. Nur seine Hand am Glas verriet ihn, die Finger zu fest, das Gelenk hell. Ich kannte diese Hand. Früher hatte sie mich geführt, am Nacken, an der Hüfte, mit einer Sicherheit, die ich damals für Fürsorge gehalten hatte. Heute lag sie um ein Weinglas, und sie wartete.
Wir sprachen erst gegen 21 Uhr, an der Bar, als ich mir Wasser holte, weil ich den Wein nicht als Ausrede behalten wollte. Er blieb einen Schritt zu weit weg stehen, so wie wir es ausgemacht hatten, und sagte nur meinen Namen. Clara. Seine Stimme war tiefer als früher. Ich nickte, und wir redeten zuerst über die Fahrt, über das Hotel, über die Rede der alten Klassenlehrerin, die inzwischen pensioniert war und uns alle mit dem Blick von Erwachsenen ansah. Er fragte leise, ob ich noch bei der Absprache bleibe. Ich sagte ja. Er fragte, ob Stefan wisse, wo ich sei. Ich sagte, Stefan wisse von der Feier und nicht von ihm. Jonas nickte, ohne mich zu berühren, und sagte, er gehe nur mit, wenn ich es ausspreche. Nicht mit einem Blick. Mit einem Satz.
Ich brauchte den halben Abend, bis der Satz in mir fertig war. Das Warten war kein Zögern aus Unklarheit. Es war der Wunsch, die Spannung ganz zu haben, bis ich entschied, dass sie ein Ende hatte. Ich aß wenig. Ich lachte, wenn jemand einen alten Spitznamen rief. Ich erzählte von meiner Arbeit in der Verwaltung, von der Wohnung, von nichts, das Stefan zu nah kam, und schob das Gespräch weiter, bevor Fragen nach dem Ehering länger als ein Kompliment wurden. Jedes Mal, wenn ich die Beine übereinanderschlug, verschob sich der Stoff an den Innenseiten meiner Schenkel, und die Haut darunter wurde wach, als hätte sie den Anruf vom Dienstag noch im Gedächtnis.
Jonas sah mich an, wenn ich aufstand, und er sah weg, wenn ich es mit einem kurzen Blick verlangte. Einmal, als ich an seinem Tisch vorbeiging, um eine Serviette zu holen, die ich nicht brauchte, roch ich seine Seife und darunter ihn, und mein Schritt wurde einen Augenblick unsicher. Er hob nicht die Hand. Er sagte nicht meinen Namen in den Raum. Er ließ mich gehen, und diese Zurückhaltung traf mich härter als eine Berührung es getan hätte. Ich setzte mich wieder, trank Wasser und spürte, wie feucht ich schon war, ohne dass jemand außer mir davon wusste.
Die Reden zogen sich. Jemand zeigte Fotos von einer Reise. Gläser stießen an. Gegen 23 Uhr wurde die Musik lauter, und die ersten Gäste gingen zur Garderobe. Ich stand auf, strich das Kleid glatt und ging nicht zu ihm hin. Ich ging zum Ausgang des Saals, in den Gang, wo die Teppiche das Geräusch der Absätze schluckten. Dort blieb ich stehen, den Rücken an der Wand, und wartete. Wenn er nicht kam, war die Nacht vorbei, und ich würde nach Hause fahren, den Ring am Finger, und nichts wäre geschehen außer einem Blick und einem Satz, den ich nicht gesagt hatte. Wenn er kam, würde ich den Satz sagen, ganz, ohne ihn zu verkleinern.
Er kam. Er blieb wieder einen Schritt entfernt. Das Licht im Gang war gelb und etwas zu hell, und ich sah die Müdigkeit an seinen Augen und darunter die Aufmerksamkeit, die nur mir galt. Seine Hände hingen offen an den Seiten. Er wirkte nicht wie ein Mann, der sich etwas nehmen wollte. Er wirkte wie ein Mann, der auf eine Erlaubnis wartete, die nur in meinen Worten lag.
Ich sagte: Ich will mit dir nach oben, in dein Zimmer. Ich führe. Du fragst, bevor du mich anfasst. Wenn ich Pause sage, hörst du auf, sofort, und wir ziehen uns an. Einmal. Heute. Danach nichts. Ich bin verheiratet, und das bleibt so, und du versuchst nicht, es mir schönzureden.
Er wiederholte es, Satz für Satz, leise, damit ich hörte, dass er es hier noch einmal verstand und nicht nur am Telefon. Dann sagte er, dass er einverstanden sei. Seine Stimme war rau. Er fragte, ob ich sicher sei. Ich sagte ja, ich sei sicher, und ich wisse, was das mit meiner Ehe mache. Ich wolle es trotzdem. Er solle nicht die Rolle des Mannes spielen, der mich vor mir selbst rettet. Das sei nicht die Rolle, die wir getauscht hätten.
Jonas nickte. Ein Muskel an seinem Kiefer arbeitete, dann ließ er nach. Er sagte, er wolle geführt werden, und er wolle es nicht nur ertragen, er wolle es. Das war der Teil, den ich hören musste, nicht als Schmeichelei, als eigene Wahl. Er ging vor, nicht weil er führte, sondern weil ich ihm mit dem Kinn den Weg gezeigt hatte. Im Aufzug standen wir nebeneinander, ohne uns zu berühren. Die Zahlen kletterten. Mein Herz schlug so laut, dass ich glaubte, er müsse es hören. Ich dachte an Stefan in unserem Bett, an die Frühschicht, an das Versprechen, das ich brach, und der Gedanke machte mich nicht kalt. Er machte mich wach. Die Scham und das Wollen standen nebeneinander, und ich schob keines von beiden weg.
Zimmer 412. Er schloss auf und trat zur Seite, damit ich zuerst hineinging. Das hatte ich nicht verlangt, und doch passte es zu der Nacht. Ich trat ein. Die Tür fiel hinter uns ins Schloss, und der Lärm der Feier war mit einem Mal nur noch ein dumpfes Pochen unter den Dielen. Das Zimmer war schlicht: ein Bett mit weißer Decke, ein Sessel am Fenster, der Vorhang halb zugezogen, die Stadt dahinter dunkel bis auf ein paar Fenster. Auf dem Tisch lag seine Tasche, ordentlich, als hätte er nicht gewusst, ob diese Nacht stattfinden würde. Ich stellte meine kleine Tasche daneben. Dann drehte ich mich um.
Zieh die Schuhe aus, sagte ich.
Er tat es. Er stellte sie nebeneinander, und ich sah, wie sorgfältig er sich bewegte, als wäre jede Bewegung eine Frage. Ich trat näher, noch immer im Kleid, noch immer mit dem Ring am Finger. Das Gold kühlte die Haut, während der Rest von mir warm wurde. Ich zog den Ring ab. Das Metall löste sich mit einem leisen Widerstand. Ich legte ihn auf den Nachttisch, die Öffnung nach oben, damit ich ihn später nicht suchen musste. Jonas sah hin. Er sagte nichts. Ich war ihm dankbar dafür, denn ein Kommentar hätte die Untreue entweder verkleinert oder größer gemacht, als ich sie in diesem Moment halten konnte.
Setz dich auf die Bettkante, sagte ich.
Er setzte sich. Die Matratze gab nach. Seine Hände lagen auf den Oberschenkeln, offen, nicht zu Fäusten geschlossen. Ich blieb stehen, zwischen seinen Knien, ohne ihn zu berühren, und sah ihn an. Aus der Nähe war sein Mund derselbe und doch nicht. Eine feine Linie an der Oberlippe, die früher nicht da gewesen war. Die Augen dunkler im gelben Licht der Nachttischlampe. Er roch nach Seife und nach dem Wein von unten, und darunter nach seiner Haut, die ich noch kannte, auch nach acht Jahren, auch nach einer Ehe, die nicht seine war.
Darf ich dich ansehen, fragte er.
Ja, sagte ich. Nur ansehen.
Ich öffnete den Reißverschluss des Kleides an der Seite, langsam, damit das Geräusch im Zimmer blieb. Der Stoff löste sich von der Taille. Ich streifte die Träger von den Schultern und ließ das Kleid fallen, bis es um meine Füße lag. Darunter trug ich einen schlichten schwarzen BH und einen Slip aus demselben Ton, nichts, das nach einer Inszenierung für ihn aussah. Ich war 34, und mein Körper trug die Jahre ohne Entschuldigung. Die Brüste waren voller als mit 24. Die Hüften auch. Eine feine Linie zog sich über den unteren Bauch, vom Leben, nicht von einer Entschuldigung. Ich mochte das. Ich wollte, dass er es sah, ohne dass er die Hände hob, und ich wollte, dass er mich nicht mit der Frau verglich, die früher unter ihm gewartet hatte.
Jonas atmete aus, lang, als hätte er die Luft angehalten, seit ich den Saal verlassen hatte. Seine Augen gingen über meine Schlüsselbeine, über die Rundung der Brüste im BH, über den Bauch, über die Stelle, wo der Slip auf den Hüften saß. Er fragte nicht. Er wartete. Die Zurückhaltung spannte seine Schultern, und ich sah sie gern, weil sie von der Absprache kam und nicht von Gleichgültigkeit.
Hände auf die Matratze, sagte ich. Neben deine Beine. Nicht auf mich.
Er legte die Hände flach neben sich. Die Finger spreizten sich leicht. Ich trat aus dem Kleid, schob es mit dem Fuß beiseite und stellte mich wieder zwischen seine Knie. Die Wärme seines Körpers war nah. Ich spürte sie an den Innenseiten meiner Schenkel, obwohl noch Stoff zwischen uns lag. Mein Puls saß tief, zwischen den Beinen, ein schweres Klopfen. Ich war feucht, das merkte ich am Slip, der sich enger anfühlte als im Saal, und ich schämte mich nicht dafür vor ihm. Die Scham gehörte zur Ehe, nicht zu diesem Zimmer, und ich hielt beides auseinander, so gut es ging.
Ich beugte mich vor und küsste ihn. Nicht als Frage. Als Anfang. Sein Mund war warm, und er öffnete sich erst, als ich mit der Zunge dagegen drückte, vorsichtig, als erinnerte er sich daran, dass ich das Tempo bestimmte. Der Kuss wurde tiefer, weil ich ihn tiefer machte. Ich schmeckte Wein und ihn. Meine Hände lagen an seinem Kiefer, die Daumen an den Wangenknochen, und ich hielt sein Gesicht so, wie ich es wollte. Er stöhnte leise in meinen Mund, ein Geräusch, das ich früher von mir gekannt hatte, wenn er mich küsste, bis ich nachgab. Heute gab er nach. Seine Hände blieben auf der Matratze. Ich spürte, wie sehr ihn das kostete, an dem Zittern in seinen Schultern und an der Härte, die sich unter dem Stoff seiner Hose bereits abzeichnete.
Als ich mich löste, waren seine Lippen feucht. Er sah mich an, als warte er auf die nächste Anweisung, und das gefiel mir so sehr, dass ich einen Moment nur atmete und das Gefühl festhielt. Früher hätte er jetzt meine Taille genommen und mich auf das Bett gezogen. Heute saß er und wartete, und die alte Ordnung lag zwischen uns wie ein Kleidungsstück, das wir abgelegt hatten.
Hemd aus, sagte ich. Langsam. Knopf für Knopf. Ich will zusehen.
Er öffnete den ersten Knopf, dann den zweiten. Die Haut darunter kam zum Vorschein, Brust, ein dunkler Streifen Haar, der Bauch flacher als früher. Die Jahre hatten ihn nicht weich gemacht. Er zog das Hemd aus den Schultern und legte es gefaltet neben sich, weil ich nichts anderes gesagt hatte und er nicht raten wollte. Ich legte eine Hand auf seine Brust. Die Haut war heiß. Sein Herz schlug schnell unter meiner Handfläche. Ich strich abwärts, über den Bauch, bis zum Hosenbund, und blieb dort liegen, die Finger leicht gespreizt, nur um die Wärme zu halten.
Darf ich dich anfassen, fragte er.
Noch nicht, sagte ich. Du darfst mir sagen, was du willst. Anfassen kommt, wenn ich es sage.
Ich will deine Haut, sagte er. Ich will deinen Mund. Ich will, dass du mich nimmst, so wie du es am Telefon gesagt hast. Und ich will nicht raten.
Gut, sagte ich. Dann rate nicht.
Ich öffnete seinen Gürtel. Das Leder war glatt, die Schnalle kühl gegen meine Knöchel. Ich zog den Reißverschluss herunter und schob Hose und Shorts zusammen über die Hüften, und er hob sich, damit ich es konnte, ohne dass seine Hände mich berührten. Sein Glied war schon hart, schwer, die Spitze dunkel und feucht. Ich sah es an, ohne es sofort zu nehmen, und erinnerte mich daran, wie oft er es früher in meine Hand gelegt hatte, als wäre das der natürliche nächste Schritt. Heute lag es zwischen uns, und ich entschied, wann ich es anfasste. Die Entscheidung selbst war schon eine Berührung, auch bevor meine Finger sich schlossen.
Ich nahm ihn in die Hand. Warm, fest, die Haut seidig über der Härte. Jonas machte ein kurzes Geräusch, halb Atem, halb Stimme, und seine Finger gruben sich in die Matratze. Ich strich einmal von der Wurzel bis zur Spitze, langsam, und sah ihm dabei ins Gesicht. Seine Augen waren halb geschlossen. Der Mund stand ein wenig offen. Ein Tropfen benetzte meinen Daumen, klar und warm. Ich verteilte ihn mit einer kleinen Kreisbewegung und spürte, wie sein Oberschenkel unter mir zuckte, obwohl ich nicht auf ihm saß, nur zwischen seinen Knien stand.
Nicht kommen, sagte ich. Noch lange nicht. Wenn du nah bist, sagst du es. Du entscheidest nicht allein, wann diese Nacht ihren Höhepunkt hat.
Ja, sagte er. Ich sage es.
Ich ließ ihn los und trat einen Schritt zurück. Die kühle Luft des Zimmers lag zwischen uns, und sein Glied blieb hart, gegen den Unterbauch gerichtet, als ich ihn ansah und nichts tat. Das Nichttun gehörte mir. Früher hätte die Stille ihn dazu gebracht, mich zu sich zu ziehen. Heute füllte er sie mit Warten, und ich sah, wie das Warten ihn erregte, an dem Flackern in seinen Augen, an dem Atem, der nicht ruhig werden wollte.
Zieh den Rest aus, sagte ich. Dann knie dich auf den Teppich, vor mich. Hände auf deine eigenen Oberschenkel. Du leckst mich erst, wenn ich es sage. Bis dahin siehst du zu, wie ich den Slip ausziehe.
Er stand auf, streifte die Hose ganz ab, faltete sie nicht, weil ich es nicht verlangt hatte, und kniete sich auf den Teppich, die Hände auf den Oberschenkeln, der Rücken gerade. Nackt wirkte er größer und zugleich gehalten, nicht gedemütigt. Es war keine Strafe. Es war die Rolle, die er mir gegeben hatte, weil ich sie verlangt hatte, und die er trug, weil er sie wollte. Sein Glied stand von seinem Körper ab. Er versuchte nicht, es zu verbergen. Er versuchte auch nicht, mich damit zu drängen.
Ich öffnete meinen BH. Die Träger glitten von den Schultern, und die Brüste fielen in ihre natürliche Schwere. Die Brustwarzen waren schon fest, empfindlich in der Luft. Ich streifte den Slip ab und stand einen Moment nackt vor ihm, damit er mich ganz sah. Zwischen meinen Beinen glänzte die Feuchtigkeit, ein klarer Beweis, den ich nicht wegwischte. Jonas Blick blieb dort, dann hob er sich zu meinem Gesicht, als bitte er um Erlaubnis, weiterzusehen.
Sieh hin, sagte ich. Das darfst du. Hände bleiben, wo sie sind.
Ich trat näher, bis meine Knie fast seine Brust berührten, und legte eine Hand in sein Haar, nicht um ihn zu ziehen, sondern um mich zu halten. Darf ich dich schmecken, fragte er, die Stimme tief und belegt. Ja, sagte ich. Zunge flach. Langsam. Ich gebe das Tempo mit den Hüften vor. Keine Zähne. Wenn ich mich zurückziehe, folgst du nicht.
Er beugte sich vor und leckte einen langen Strich durch meine Spalte, von unten nach oben, und blieb an der Klitoris, weich, kreisend, so wie ich es mit einem kleinen Rollen der Hüften verlangte. Ich stöhnte, offen, ohne es zu dämpfen. Unten im Saal lief noch Musik. Hier oben war nur sein Mund und mein Atem und das leise Nass seiner Zunge. Er schmeckte mich, das hörte ich an dem tiefen Laut in seiner Kehle, und er fragte nicht, ob es ihm gefiel. Er zeigte es, indem er blieb, indem er dem Tempo meiner Hüften folgte, langsamer, wenn ich langsamer wurde, fester, wenn ich mich ein wenig tiefer gegen seinen Mund drückte.
Die erste Welle war sofort da, weil ich den ganzen Abend schon auf diesem Punkt gestanden hatte. Meine Schenkel zitterten. Ich hielt sein Haar fester und sagte seinen Namen, nicht als alte Gewohnheit, als Anspruch. Jonas. Genau da. Bleib. Er blieb. Seine Hände blieben auf seinen Oberschenkeln, die Knöchel hell vor Anstrengung, die Schultern gespannt. Ich sah hinunter und sah seine Augen, offen, auf mein Gesicht gerichtet, während sein Mund zwischen meinen Beinen arbeitete. Der Anblick war so direkt, dass mir die Knie weich wurden.
Ich kam nicht sofort. Ich hielt mich am Rand, weil ich den Rand unter meiner eigenen Führung kennenlernen wollte, nicht unter seiner. Als das Ziehen zu scharf wurde, trat ich einen halben Schritt zurück, und er folgte nicht. Er wartete, der Mund feucht, die Lippen gerötet, der Atem heiß in der Luft zwischen uns. Sein Gehorsam war kein Erlöschen des Wollens. Es war das Wollen in einer Form, die ich bestimmt hatte, und sie machte mich noch nasser.
Weiter, sagte ich, und trat wieder an ihn heran.
Diesmal ließ ich es zu. Die Lust sammelte sich tief, zog sich zusammen, und ich bewegte die Hüften in kurzen, ehrlichen Stößen gegen seine Zunge. Mein Bauch spannte sich. Die Brustwarzen waren so empfindlich, dass die Luft darüber schon fast zu viel war. Ich kam mit einem Laut, der in der Kehle begann und im Zimmer endete, die Schenkel fest, die Hand in seinem Haar, der Körper in einer Welle, die ich nicht schön machen wollte und die trotzdem durch mich ging, lang und ehrlich. Er leckte mich durch den Höhepunkt, weicher, als ich nachließ, bis ich mich zurückzog und sagte: Genug.
Er ließ sofort los. Sein Gesicht glänzte. Er atmete schwer, noch auf den Knien, die Hände wieder auf den Oberschenkeln, ohne dass ich es wiederholen musste. Er fragte nicht, ob es gut gewesen sei. Ich sagte es trotzdem, weil ich es sagen wollte, und weil Lob in dieser Nacht zu meiner Führung gehörte, nicht zu seiner Belohnung als Selbstzweck.
Das war gut. Du hast zugehört.
Ein Lächeln ging über seinen Mund, kurz, fast schüchtern, und verschwand, als sein Blick an meinem Körper hinunterglitt und an seinem eigenen Glied hängen blieb. Ein Tropfen glänzte an der Spitze und zog einen feinen Faden zur Haut seines Bauches. Ich sah ihn an und spürte, wie die Lust nach dem ersten Kommen nicht aufhörte, sondern tiefer wurde, wärmer, bereit für mehr. Meine Beine waren weich. Ich wollte das Bett, aber ich wollte den Tausch nicht ablegen, nur weil wir die Stellung wechselten.
Steh auf, sagte ich. Leg dich auf den Rücken. Hände über dem Kopf, an das Kissen. Du lässt sie dort, bis ich etwas anderes sage.
Er gehorchte. Auf dem weißen Laken wirkte er lang, der Bauch angespannt, das Glied gegen den Unterbauch gerichtet. Er legte die Arme über den Kopf, die Handgelenke gekreuzt, nicht gefesselt, nur gehalten von dem, was wir abgemacht hatten. Ich stieg auf das Bett und setzte mich auf seine Oberschenkel, nicht auf sein Glied, noch nicht. Meine Knie rahmten seine Hüften. Die Wärme seiner Haut drang in meine. Ich beugte mich vor und küsste seinen Hals, die Stelle unter dem Ohr, dann die Schulter, dann die Brust. Meine Zunge zog eine langsame Linie über eine Brustwarze, und er zuckte, die Arme blieben aber oben. Ich nahm die andere Brustwarze zwischen die Lippen und saugte leicht, bis er meinen Namen sagte, nicht als Befehl, als Bitte.
Clara. Darf ich die Hände runternehmen.
Nein, sagte ich an seiner Haut. Noch nicht. Du hältst das aus. Ich will dich so.
Ich rutschte höher, bis meine Mitte über seinem Bauch lag, und rieb mich langsam an ihm, ohne ihn in mich zu lassen. Die Reibung war direkt, Haut auf Haut, und ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich war nass genug, dass die Bewegung glatt wurde, und das Geräusch war leise und eindeutig im stillen Zimmer. Jonas hob die Hüften ein wenig, instinktiv, und ich drückte eine Hand auf seinen Bauch und hielt ihn unten.
Nicht stoßen, sagte ich. Ich bewege mich. Du bleibst. Das ist der Tausch. Früher hast du das Tempo gesetzt, und ich habe mich danach gerichtet. Heute richtest du dich nach mir, weil du es so wolltest, als du ja gesagt hast.
Er blieb. Sein Atem ging schneller. Ich sah auf sein Gesicht hinunter, auf den offenen Mund, auf die Augen, die mich suchten, und ich spürte eine Macht, die nichts mit Grausamkeit zu tun hatte. Der Gedanke an die alte Ordnung und an ihren Bruch machte mich noch feuchter. Ich rieb mich fester, die Klitoris gegen die festen Muskeln seines Bauchs, und ein scharfes Ziehen lief durch mich, nicht der Höhepunkt, nur die Ankündigung, dass der erste nicht der letzte sein würde.
Ich wollte ihn in der Hand, bevor ich ihn in mir hatte. Ich rutschte zurück, kniete mich neben seine Hüfte und schloss die Finger wieder um sein Glied. Langsame Striche, fest am Schaft, leichter an der Spitze, dort, wo er am empfindlichsten war. Jonas fluchte leise, ein Wort ohne Richtung. Seine Hüften wollten nach oben. Ich drückte sie mit der freien Hand nieder und sagte: Still. Sag mir, wenn du nah bist. Nicht später. In dem Moment, in dem es kippt.
Nach einer Weile, in der ich das Tempo wechselte, mal drei langsame Striche, mal eine Pause, in der ich nur die Wärme hielt, sagte er heiser: Nah. Jetzt. Clara, ich bin nah.
Ich ließ los. Sofort. Seine Hüften zuckten ins Leere, und er atmete durch den Mund, die Augen zu, die Hände noch immer über dem Kopf, die Finger im Kissen vergraben. Ich wartete, bis das Zittern nachließ, und strich dann nur einmal, ganz leicht, über die Unterseite, nicht genug, um ihn wieder an den Rand zu werfen, genug, um ihm zu zeigen, dass ich noch da war. Er lachte einmal, kurz, gequält und einverstanden.
Du bist grausam, sagte er, und es klang nicht wie ein Vorwurf.
Ich bin genau, sagte ich. Und du hast zugestimmt. Willst du Pause.
Nein, sagte er sofort. Ich will, dass du weitermachst. Ich will nur, dass du weißt, wie nah das war.
Ich weiß es, sagte ich. Deshalb habe ich aufgehört.
Ich griff in meine Tasche und holte das Kondom heraus, das ich eingesteckt hatte, bevor ich das Haus verlassen hatte. Die Entscheidung war drei Tage alt, und ich wollte sie nicht im letzten Moment neu verhandeln. Ich riss die Hülle auf, kniete mich neben ihn und rollte das Kondom über sein Glied, langsam, fest genug, dass er die Luft einzog. Seine Hüften wollten wieder nach oben. Ich drückte sie nieder.
Still, sagte ich. Hände bleiben oben. Ich will dich in mir. Nicht du in mir, als wärst du der, der nimmt. Ich nehme dich.
Er nickte. Seine Stimme war heiser, als er sagte: Ja. Nimm mich.
Ich setzte mich über ihn, die Knie im Laken, eine Hand an seiner Brust, die andere führte ihn an meinen Eingang. Die Spitze drückte gegen mich, breit, und ich war so feucht, dass der Widerstand klein war und trotzdem spürbar. Ich senkte mich Stück für Stück. Die Dehnung war voll, heiß, genau. Ich hielt inne, als er halb in mir war, und atmete, die Augen zu, damit ich nur das Gefühl hatte: ausgefüllt, gehalten, und doch diejenige, die das Maß bestimmte. Der Ring fehlte an meinem Finger. Ich spürte die nackte Stelle, und ich schob den Gedanken nicht weg. Er gehörte zu der Nässe, zu der Dehnung, zu der Wahl.
Jonas fluchte wieder, leiser diesmal, und seine Hände krallten sich in das Kissen über seinem Kopf. Er stieß nicht. Er wartete, der Körper eine einzige angespannte Linie. Ich sank tiefer, bis ich auf seinen Hüften saß und er ganz in mir war. Der Druck reichte bis in den Bauch. Ich blieb still, nur um zu spüren, wie er in mir pochte, wie mein eigener Körper sich um ihn schloss, wie die Empfindlichkeit nach dem ersten Höhepunkt die Fülle fast zu viel machte und dann genau richtig.
Sieh mich an, sagte ich.
Er sah mich an. In seinem Blick lag Hunger und Gehorsam und etwas Älteres, das nach den Jahren roch, die zwischen uns lagen. Ich begann mich zu bewegen. Langsam zuerst, ein Heben und Senken, die Schenkel arbeitend, die Hände auf seiner Brust, um mich zu stützen. Jedes Mal, wenn ich mich senkte, traf er eine Stelle in mir, die noch wund und wach war, und ich stöhnte ohne Zurückhaltung. Das Kondom machte die Reibung ein wenig matter, und ich kompensierte mit Druck, mit dem Winkel meiner Hüften, mit dem festen Sitz auf ihm. Ich kreiste, wenn ich die Reibung an der Klitoris gegen seinen Unterleib wollte. Ich hob mich fast ganz, wenn ich die Spitze spüren wollte, und sank dann in einem Zug, bis ein Laut aus uns beiden kam.
Nicht die Hüften heben, sagte ich, als er es doch tat, ein kleiner Stoß, aus Gewohnheit. Ich bleibe oben. Du gibst mir das, was ich nehme. Die alte Rolle ist heute nicht deine.
Er ließ die Hüften sinken. Es kostete ihn sichtbar. Schweiß stand auf seiner Brust, unter meinen Händen, salzig, als ich mich vorbeugte und die Haut dort küsste. Ich ritt ihn in einem Tempo, das ich für mich wählte, nicht für sein Kommen. Mal langsam, kreisend. Mal kürzer, härter, wenn ich die Tiefe wollte. Das Bett gab nach. Die Lampe warf unser Schattenbild an die Wand, meinen Rücken, mein Haar, das sich gelöst hatte, seine Arme noch immer über dem Kopf. Unten lachte jemand auf dem Gang. Die Tür blieb zu. Die Welt der Klassenfeier war ein Stockwerk unter uns und gehörte uns nicht mehr.
Ich beugte mich vor und küsste ihn, während er in mir war, und schmeckte mich selbst auf seiner Zunge. Der Kuss war nass und offen. Ich sagte an seinem Mund: Du darfst die Hände jetzt auf meine Hüften legen. Nur halten. Nicht steuern. Wenn du steuerst, kommen sie wieder nach oben.
Seine Hände kamen herunter, warm, groß, und legten sich auf meine Hüften, genau so, wie ich es gesagt hatte. Die Daumen strichen nicht weiter. Er hielt mich, während ich mich bewegte, und das Halten war eine Frage, die ich mit meinem Körper beantwortete. Ich wurde schneller. Die Lust baute sich anders auf als auf seinem Mund, tiefer, mit einem Druck, der sich bei jedem Senken verstärkte. Meine Brüste schwangen mit der Bewegung, und er sah sie an, den Mund halb offen, ohne zu fragen, ob er sie anfassen dürfe. Das Nichtfragen, wo ich noch nichts erlaubt hatte, gefiel mir fast so sehr wie die Berührung, die ich gleich geben würde.
Du darfst sie anfassen, sagte ich. Mund oder Hände. Sanft. Ich sage, wenn es zu viel ist.
Er hob den Oberkörper, soweit meine Position es zuließ, und nahm eine Brustwarze in den Mund. Die Wärme, das Saugen, der leichte Zug, alles traf auf die Stelle, wo er in mir war, und ich stöhnte laut. Meine Hand lag in seinem Nacken. Ich drückte ihn nicht weg. Ich hielt ihn dort, solange ich es wollte, und als der Reiz zu scharf wurde, sagte ich: Nur die Hände jetzt.
Er ließ die Brustwarze los, sofort, ein feuchter Kuss noch auf der Spitze, und legte die Hände wieder auf meine Hüften, dann, als ich nickte, eine Hand an meine Brust, der Daumen über die feuchte Spitze, leicht, so wie ich es brauchte. Ich ritt ihn weiter. Der Schweiß lief mir zwischen den Brüsten hinunter. Das Zimmer roch nach uns, nach Haut und Sex und der sauberen Seife aus dem Bad, die nichts mehr zu sagen hatte. Ich spürte, wie er näher kam, an der Art, wie sein Glied in mir noch härter wurde, an dem abgerissenen Atem, an den Fingern, die sich fester in meine Hüften gruben, ohne mich zu führen.
Er sagte meinen Namen. Er sagte, dass er gleich so weit sei. Er fragte, ob er kommen dürfe.
Noch nicht, sagte ich. Halt es. Ich bin noch nicht fertig mit dir. Wenn du Pause brauchst, um nicht zu kommen, sag Pause. Das Wort gilt auch für dich.
Ich brauche keine Pause, sagte er, die Zähne zusammen. Ich brauche nur einen Moment ohne Bewegung.
Ich hielt still, ihn tief in mir, die Muskeln um ihn bewusst etwas gelockert, damit der Reiz nachließ. Wir atmeten aneinander. Seine Stirn lag an meiner, als ich mich vorbeugte. Der Schweiß kühlte auf meinem Rücken. In der Stille hörte ich sein Herz und meines, nicht im Gleichklang, nah genug, dass der Unterschied selbst erregend war. Als sein Atem länger wurde, begann ich wieder, sehr langsam, und er stöhnte, als hätte ich ihn neu angefasst.
Ich will dich von hinten, sagte ich. Nicht weil du dann führst. Weil ich mich so gegen dich bewegen will, und deine Hände dahin lege, wo ich sie haben will. Du stößt erst, wenn ich es sage. Vorher hältst du still und lässt mich das Tempo mit dem Rückwärtsdrücken setzen.
Ja, sagte ich mir selbst noch einmal, leise, und dann zu ihm: Ja. So machen wir das. Komm mit, wenn ich mich umdrehe. Nicht vorher herausziehen, als wäre es deine Idee.
Ich hob mich von ihm, langsam, und er glitt aus mir, das Kondom glänzend. Ich drehte mich auf Hände und Knie, den Rücken nicht durchgedrückt zur Schau, sondern so, wie es meinem Körper bequem war, die Stirn einen Moment auf dem Unterarm. Jonas kniete sich hinter mich. Er fragte: Darf ich dich anfassen, an den Hüften, nur zum Halten.
Ja, sagte ich. Halten. Nicht ziehen.
Seine Hände legten sich warm auf meine Hüften. Er führte sich an meinen Eingang und wartete. Ich drückte mich zurück, nahm ihn selbst, in dem Tempo, das meine Knie und mein Wunsch hergaben. Die neue Stellung war tiefer, der Winkel anders, ein Druck, der mir den Atem kurz nahm und dann in Lust umschlug. Ich blieb einen Moment still, gewöhnte mich, und sagte dann: Stillhalten. Ich bewege mich.
Ich wiegte mich vor und zurück, langsam, die Hände im Laken, und jedes Mal, wenn ich mich zurückdrückte, füllte er mich bis zu dem Punkt, den ich zuließ. Wenn ich zu viel Tiefe spürte, ging ich ein Stück vor, und er folgte nicht. Seine Finger hielten, sie zogen nicht. Ich hörte seinen Atem hinter mir, abgerissen, und das leise Nass unserer Körper. Meine Brüste schwangen. Eine seiner Hände wollte nach vorn, zur Klitoris, ich spürte das Zögern in den Fingern.
Frag, sagte ich.
Darf ich dich dort anfassen, fragte er. Mit der Hand. So, wie du es vorhin selbst gemacht hast, nur wenn du es willst.
Zwei Finger, sagte ich. Kreisen, nicht reiben, als müsstest du mich überholen. Ich sage schneller, wenn ich schneller will.
Seine Hand kam nach vorn, vorsichtig, und zwei Finger fanden meine Klitoris, feucht von allem, was schon geschehen war. Er kreiste, leicht, und ich drückte mich im selben Takt zurück auf ihn. Der doppelte Reiz war sofort dicht. Ich stöhnte in den Unterarm. Das Bett knarrte. Ich sagte: Etwas schneller mit der Hand. Mit den Hüften bleibst du still. Ich nehme die Stöße selbst.
Er gehorchte. Die Finger wurden sicherer, nicht härter, nur gleichmäßiger, und ich nahm ihn in kurzen, tiefen Bewegungen, die ich mit dem Rückwärtsdrücken setzte. Die Lust zog sich zusammen, anders als auf seinem Mund, anders als im Sitzen, eine Welle, die von der Stelle ausging, wo seine Finger lagen, und von der Fülle in mir zugleich gespeist wurde. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte, er solle genau so bleiben. Er blieb. Das war der Tausch in seiner klarsten Form: sein Körper stark, seine Kraft verfügbar, und doch an mein Wort gebunden, weil er es so gewollt hatte und weil ich es so verlangte.
Ich kam zum zweiten Mal, breiter als beim ersten, die Stirn auf dem Arm, die Hüften in unregelmäßigen Stößen gegen seine Hand und gegen ihn. Der Laut, den ich machte, war nicht hübsch. Er war wahr. Mein Körper zog sich um ihn zusammen, wieder und wieder, und er hielt still, wie ich es gesagt hatte, die Finger weicher, als die Welle zu scharf wurde, ohne dass ich es eigens sagen musste, weil er zugehört hatte, als ich vorhin zu viel gesagt hatte. Als es nachließ, blieb ich auf Händen und Knien, zitternd, und er blieb in mir, ohne sich zu bewegen, die Hand jetzt nur noch auf meiner Hüfte.
Jetzt darfst du, sagte ich, als ich wieder sprechen konnte. Stoß. Nicht hart um des Harten willen. So tief, wie ich es aushalte, und ich sage weniger, wenn es zu viel ist. Du darfst kommen. Ich will es hören.
Er fragte noch einmal, knapp: Darf ich.
Ja, sagte ich. Jetzt.
Er begann zu stoßen, kontrolliert, in ein Maß, das er an meinem Atem prüfte. Ich drückte mich ihm entgegen, nicht mehr als Führung jeder einzelnen Bewegung, aber als Teilnahme, und das Geräusch unserer Körper war nass und regelmäßig. Ich war empfindlich, fast zu empfindlich, und ich sagte weniger, und er wurde sofort kürzer in der Bewegung, ohne aufzuhören. Das war es, was ich gewollt hatte: nicht dass er schwächer war, sondern dass mein Wort das Tempo blieb, auch wenn er der war, der sich jetzt bewegte. Die alte Rolle kehrte nicht zurück, nur weil er hinter mir kniete. Sie blieb getauscht, weil die Absprache hielt.
Er kam mit einem tiefen, abgerissenen Laut, die Stirn zwischen meinen Schulterblättern, die Hüften in drei letzten Stößen, die ich mit einem Nachgeben meines Körpers freigab. Ich spürte das Pochen in mir, gedämpft durch das Kondom, und hielt mich auf den Händen, während er zitterte. Ich sagte nichts Beschwichtigendes. Ich ließ ihn ausatmen, bis der letzte Stoß nachließ und er still wurde, schwer, warm an meinem Rücken, sein Mund offen an meiner Haut.
Wir blieben so, eine Weile, dann zog er sich zurück, langsam, und fragte, ob er das Kondom entsorgen solle. Ich sagte ja. Er knotete es, warf es in den kleinen Mülleimer neben dem Tisch und kam zurück ins Bett, nicht über mich, neben mich, auf den Rücken, die Hände sichtbar auf dem Laken. Ich hatte mich auf die Seite gedreht. Meine Schenkel brannten angenehm. Zwischen den Beinen pochte es noch, ein Nachhall, nicht unangenehm. Die Haut an meinen Hüften erinnerte sich an seine Finger, ohne dass ein Schmerz blieb, den ich nicht gewollt hätte.
Darf ich dich anfassen, fragte er. Nur den Arm. Nichts weiter.
Ja, sagte ich.
Seine Finger legten sich um mein Handgelenk, leicht, und blieben dort. Die Berührung war warm und ohne Anspruch. Ich lag mit dem Gesicht ihm zugewandt und spürte die Nacht auf der Haut trocknen. Ich dachte an den Ring auf dem Nachttisch. Ich dachte an Stefan, der um 5 Uhr aufstehen würde und nicht wissen würde, warum ich später kam, als ich gesagt hatte. Der Gedanke war schwer. Er löschte nicht, was ich gerade gefühlt hatte. Beides stand nebeneinander, und ich tat nicht so, als wäre das eine das andere wert. Ich war fremdgegangen, mit Absprache gegenüber Jonas und ohne Absprache gegenüber dem Mann, der in unserem Bett lag. Das war die Wahrheit der Nacht, und ich ließ sie im Zimmer stehen, statt sie mit einem Kuss zuzudecken.
Jonas fragte leise, ob ich Pause sagen wolle, jetzt, für alles, was noch kommen könnte. Ich sagte, die Nacht sei vorbei, nicht weil etwas schiefgegangen sei, sondern weil wir genau das abgemacht hatten: einmal. Er nickte. Er fragte nicht nach einer Wiederholung. Er fragte nicht, ob ich Stefan verlassen würde. Das hatte ich am Telefon schon ausgeschlossen, und er hielt sich daran, auch jetzt, nackt, mit meinem Geschmack noch auf dem Mund. Diese Treue zur Absprache rührte mich mehr, als ich erwartet hatte, und sie machte die Untreue nicht kleiner. Sie machte nur klar, dass zwei Erwachsene eine Grenze halten konnten, die eine andere Grenze bereits überschritten hatte.
Ich stand auf und ging ins Bad. Im Spiegel sah ich eine Frau von 34, das Haar durcheinander, die Lippen gerötet, einen Fleck an der Brust, wo sein Mund gewesen war. Ich wusch mich, nicht hastig, nicht als könnte Wasser die Entscheidung aus der Haut lösen. Das Wasser war warm. Meine Schenkel zitterten noch ein wenig, wenn ich das Gewicht verlagerte. Ich trocknete mich ab und ging zurück. Jonas hatte die Hose wieder an, das Hemd noch nicht, und er saß auf der Bettkante, so wie am Anfang, nur ruhiger. Sein Blick fragte nicht nach mehr. Er wartete, ob ich noch etwas zu sagen hatte.
Ich zog den Slip an, den BH, das Kleid. Der Reißverschluss ging schwerer als beim Öffnen. Ich nahm den Ring vom Nachttisch und steckte ihn an den Finger. Das Gold war noch kühl. Es brauchte einen Moment, bis es die Temperatur meiner Haut annahm. Jonas sah zu, ohne Kommentar. Ich war ihm dafür dankbar, ein zweites Mal. Ein Satz über Schuld hätte mich entweder in eine Rolle gedrängt, die ich nicht wollte, oder in eine Absolution, die er mir nicht geben konnte.
Im Gang roch es nach Teppich und nach dem Essen von unten. Wir fuhren nicht zusammen hinunter. Das hatte ich so gesagt, bevor ich die Tür öffnete: Er sollte 5 Minuten warten. Er sagte, er werde warten. An der Tür blieb ich stehen, die Hand an der Klinke, und sah ihn an. Er stand barfuß auf dem Teppich, das Hemd offen, und wirkte nicht wie der Mann, der mich mit 24 durch Wohnungen geführt hatte. Er wirkte wie jemand, der eine Absprache gehalten hatte, bis zum letzten Satz.
Danke, dass du gefragt hast, sagte ich. Jedes Mal.
Danke, dass du geführt hast, sagte er. Und dass du Pause nicht als Drohung benutzt hast, sondern als Wort, das wirklich gilt.
Ich nickte. Es gab keinen Kuss zum Abschied, weil ich keinen mehr wollte, und er trat nicht näher, um einen zu holen. Ich ging in den Gang. Der Aufzug kam. Die Zahlen fielen, während ich das Kleid glattstrich und den Ring mit dem Daumen drehte, einmal, zweimal, bis das Metall wieder warm war. Im Spiegel der Kabine sah ich eine Frau, die von einer Feier kam, das Haar notdürftig geordnet, der Mund noch ein wenig voller als am Abend. Niemand unten würde die Einzelheiten kennen. Die Einzelheiten gehörten in Zimmer 412 und in den Anruf vom Dienstag.
Unten war der Saal halb leer. Jemand rief meinen Namen und fragte, wo ich gewesen sei. Ich sagte, ich hätte Luft gebraucht, und das war nicht ganz gelogen und nicht die Wahrheit. Ich holte meinen Mantel. Eine alte Mitschülerin umarmte mich zum Abschied und sagte, wir sollten uns nicht wieder acht Jahre Zeit lassen. Ich lächelte und sagte nichts, das ein Versprechen war. Draußen hatte der Regen eingesetzt, während wir oben gewesen waren. Der Parkplatz glänzte. Die Luft war kühl an den Stellen meiner Haut, die das Kleid freiließ, und warm darunter, wo der Körper die Nacht noch hielt.
Ich setzte mich ins Auto und ließ den Motor einen Moment aus. Meine Schenkel erinnerten sich an seine Hüften, an den Teppich, an das Laken. Mein Mund erinnerte sich an seinen. Unter dem Kleid war ich noch empfindlich, ein leises Pochen, das mit jedem Atemzug nachließ und doch nicht verschwand. Ich dachte an die Absprache, an das Wort Pause, das ich nicht gebraucht hatte und das er auch nicht gebraucht hatte, an seine Hände an der Leiste des Bettes, an mein eigenes Tempo, an den Moment, in dem ich weniger gesagt hatte und er sofort kürzer gestoßen hatte. Der Tausch war keine Spielerei gewesen, die man am Morgen abstreift wie ein Kleid. Er hatte mir gezeigt, wie klar mein Wollen sein konnte, wenn ich es aussprechen musste, um es zu bekommen.
Ich dachte an Stefan, der schlief oder schon wach war, und an die Lüge, die ich ihm bringen würde, klein und glatt, über eine Feier, die länger gedauert hatte. Die Scham saß neben der Befriedigung, nicht darüber und nicht darunter. Ich startete den Motor nicht sofort. Ich legte die Hände auf das Lenkrad und spürte den Ring am Finger, warm jetzt, gewöhnlich, als hätte er das Zimmer nicht gesehen. Er hatte es gesehen. Er hatte auf dem Nachttisch gelegen, die Öffnung nach oben, während ich einen anderen Mann in mich genommen hatte, in einem Tempo, das ich bestimmt hatte. Das Bild blieb. Ich schob es nicht in eine hübsche Form.
Als ich den Motor startete, zogen die Scheibenwischer zwei klare Bahnen durch den Regen. Ich fuhr los, die Stadt hinunter, an Ampeln vorbei, die um diese Stunde fast nur noch für mich sprangen. Die Wohnung würde dunkel sein, bis auf das Licht im Flur, das Stefan immer anließ. Ich würde mich leise ausziehen, den Ring auf die Ablage legen, wie jeden Abend, und mich auf meine Seite des Bettes legen, mit einem Körper, der noch nach einer anderen Haut roch, auch wenn ich mich gewaschen hatte. Am Morgen würde er fragen, ob die Feier schön gewesen sei. Ich würde sagen, sie sei lang gewesen. Das würde stimmen und nicht stimmen.
Auf der Brücke über den Fluss wurde der Regen dichter. Ich dachte ein letztes Mal an Jonas in Zimmer 412, barfuß, das Hemd offen, die 5 Minuten noch nicht um, die ich ihm gegeben hatte. Er würde hinuntergehen, wenn sie um waren, und niemandem erzählen, was wir getauscht hatten. Das gehörte zur Absprache, und ich glaubte ihm, nicht aus Romantik, aus dem, was er heute gehalten hatte: jede Frage, jedes Innehalten, jedes Ja, das er nur sagte, wenn es seines war. Ich glaubte auch mir. Ich hatte geführt. Ich hatte fremdgegangen. Ich hatte das Wort dafür nicht gescheut, und ich scheute es auch jetzt nicht, im Auto, im Regen, auf dem Weg in eine Ehe, die von dieser Nacht nichts wusste und doch von ihr verändert war, leise, ohne dass jemand außer uns beiden die Rollen kannte, die wir für diese eine Stunde getauscht hatten.
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