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Licht im gemeinsamen Flur

Nachbarin · 22 Minuten lesen · 29 Minuten hören

Gelesen von Meher

Teil 2 der Serie Nebenan (5)

Der Hausflur in unserem Altbau war schmal, und das Licht fiel nur durch ein Milchglasfenster am Ende, das im August milchig warm blieb, auch wenn draußen schon Abend war. Ich war vierunddreißig und wohnte seit zwei Jahren links. Die Tür gegenüber hatte lange einer älteren Dame gehört, die im Frühjahr fortgezogen war. Dann kamen die Kartons, und mit ihnen Johanna.

Sie war siebenunddreißig. Das sagte sie mir nicht am ersten Tag. Am ersten Tag sah ich eine Frau mit dunklem Haar, das sie nachlässig hochgesteckt hatte, und mit einem Gesicht, das müde war, ohne hart zu sein. Sie stellte einen Mantel über die Lehne eines Stuhls, den sie in den Flur geschoben hatte, weil in der Wohnung kein Platz mehr für Dinge war, die nicht bleiben sollten. Ich trug eine Tüte mit Brot und Tomaten und musste an ihr vorbei. Dabei roch ich Seife und den Staub von Papier.

Ihre Hand lag auf einem Karton. Die Knöchel waren ein wenig gerötet, als hätte sie den ganzen Nachmittag getragen. Sie sah mich an, nicht lange, aber genau, und etwas in diesem Blick blieb an mir hängen wie ein Faden, den man nicht gleich bemerkt. Sie sagte nur, der Flur sei eng und sie sei gleich fertig. Ich sagte, es sei in Ordnung. Meine Stimme klang ruhiger, als ich mich fühlte.

In den nächsten Tagen wurde der Flur zu einem Ort, an dem wir uns nicht ausweichen konnten. Morgens hörte ich ihre Tür, wenn ich den Schlüssel suchte. Abends lag manchmal ein Paar Schuhe ordentlich an der Wand, und ich wusste, dass sie da war, auch wenn ich sie nicht sah. Einmal stand ihre Tür einen Spalt offen. Musik kam heraus, leise, und darunter das Klappern von Geschirr. Ich blieb einen Atemzug lang stehen und ging dann in meine Wohnung.

Am dritten Abend begegneten wir uns an den Briefkästen. Sie hielt einen Stapel Umschläge, die sie nicht öffnete, und lächelte, als wäre das Lächeln eine Höflichkeit, die sie noch üben musste. Ich fragte, ob der Umzug schwer sei. Sie sagte, es sei kein Umzug. Es sei ein Auseinandernehmen. Ihr Mann sei vor drei Wochen ausgezogen, in eine andere Stadt, und sie habe die Wohnung behalten, weil die Fenster nach dem Hof gingen und weil sie das Licht mochte.

Sie sprach ohne Bitterkeit, nur mit einer Müdigkeit, die ehrlich war. Ich nickte und sagte, ich heiße Mira. Sie sagte, Johanna. Unsere Hände berührten sich nicht. Trotzdem war da eine Wärme zwischen uns, die der Flur festhielt, als hätte das alte Holz ein Gedächtnis für Dinge, die noch keinen Namen hatten. Ich ging die Treppe hinauf und spürte ihren Blick im Rücken, bis die Biegung mich verbarg.

Am nächsten Morgen regnete es. Der Flur roch nach nassem Stein, weil jemand das Fenster gekippt hatte und der Wind den Hof hereintrug. Johanna stand barfuß vor ihrer Tür und hielt eine Lampe, deren Kabel sich ringelte wie etwas Lebendiges. Sie sah mich an und lachte kurz, ein wenig verlegen. Die Fassung sei lose, sagte sie, und sie habe keinen Schraubenzieher, der klein genug sei. Ich holte meinen aus der Schublade. Als ich ihn ihr reichte, lagen unsere Finger einen Moment auf demselben Griff.

Es war nichts. Es war alles, was an diesem Morgen möglich war. Sie drehte die Schraube, die Zunge zwischen den Zähnen, konzentriert, und ich stand im Rahmen und sah zu, wie sich eine Strähne aus dem Knoten löste und an ihrer Wange klebte. Ich hätte sie hinter ihr Ohr streichen können. Ich tat es nicht. Sie dankte mir und gab den Schraubenzieher zurück, wärmer, als er gewesen war. In meiner Wohnung legte ich ihn nicht sofort weg. Ich hielt ihn noch eine Weile in der Hand, als könnte Wärme so aufbewahrt werden.

Gegen Abend klopfte sie. Sie brachte einen Teller mit Pflaumen, die sie auf dem Markt gekauft hatte und die zu viele waren für eine Person. Sie stand auf der Schwelle und fragte, ob ich welche wolle. Ich nahm den Teller und bat sie nicht herein, weil ich nicht wusste, ob sie das wollte, und sie trat nicht von selbst über die Linie. Wir aßen jede eine Pflaume im Flur, der Saft an den Fingern, und lachten leise, weil es albern war, so zu stehen, zwischen zwei Türen, mit nassen Händen und nichts, woran man sie abwischen konnte.

Sie leckte sich den Daumen ab, ohne mich dabei anzusehen, und ich spürte dieses kleine Geräusch tiefer, als es höflich gewesen wäre. Dann ging sie. Der Teller blieb bei mir. Ich wusch ihn sehr langsam und stellte ihn auf den Tisch, als wäre er ein Gast, der noch nicht gehen durfte. In der Nacht träumte ich nicht von ihr. Ich wachte nur einmal auf und hörte, wie auf der anderen Seite eine Tür ins Schloss fiel, sanft, als wollte jemand niemanden stören.

Am fünften Tag trafen wir uns wieder an den Briefkästen, und diesmal blieb sie. Sie fragte, ob ich schon lange hier wohne, und ich erzählte von der Arbeit in der Buchhandlung, von den frühen Schichten, von dem Fenster in meiner Küche, das im Winter beschlägt. Sie hörte zu, als wäre das keine kleine Auskunft, sondern etwas, das man sich merken muss. Sie selbst restaurierte Möbel in einer Werkstatt am Kanal. Deshalb die Hände, sagte sie und zeigte mir eine feine Narbe am Daumen, alt und hell. Ich sah länger hin, als nötig war. Sie zog die Hand nicht weg.

Wir standen so, bis eine Nachbarin aus dem zweiten Stock die Treppe herunterkam und grüßte. Der Moment zerbrach nicht. Er zog sich nur zusammen, wie Licht, wenn eine Wolke vor die Sonne tritt. Johanna lächelte mir zu, knapp und warm, und verschwand in ihrer Wohnung. Ich blieb noch einen Augenblick vor meinem Briefkasten, obwohl ich ihn schon geleert hatte, und hörte mein eigenes Herz, als hätte der Flur es lauter gemacht.

Zwei Tage lang sahen wir uns nur im Vorbeigehen. Das war schlimmer als gar nichts. Sie trug ein graues Kleid, das an den Schultern ein wenig zu weit war, und das Haar offen. Ich sagte guten Morgen. Sie sagte guten Morgen. Unsere Arme streiften sich an der engen Stelle neben dem Fenster, Stoff an Stoff, und danach brannte die Stelle an meinem Unterarm, als hätte die Haut ein eigenes Gedächtnis. Abends saß ich am Tisch und las denselben Absatz dreimal, ohne ihn zu behalten.

Am achten Abend fand ich sie auf der Treppe. Sie saß auf der dritten Stufe, die Knie angezogen, ein Glas in der Hand, und der Flur war dunkel bis auf die Lampe über dem Fenster, die summte. Sie sah auf, als ich kam, und ihr Gesicht wurde weicher. Drinnen rieche es noch nach ihm, sagte sie, nicht nach Parfum, nur nach der Art, wie ein Mensch einen Raum bewohnt, und sie könne das heute nicht ertragen. Ob es mich störe, wenn sie hier sitze. Ich sagte nein und setzte mich eine Stufe tiefer, so dass unsere Schultern nicht auf einer Höhe waren und doch nah.

Wir tranken nicht aus demselben Glas. Ich holte meines, Rotwein, den ich offen hatte, und wir redeten über nichts Großes. Über den Hof, in dem eine Kastanie stand. Über den Hund aus dem Erdgeschoss, der jeden Morgen bellte, als gelte es, die Stadt zu wecken. Über die Werkstatt, in der sie einen alten Schrank schliff und dabei an nichts denken musste. Ihre Stimme wurde im Flur tiefer. Ich hörte ihr zu und sah, wie das Licht auf ihrem Schlüsselbein lag, dort, wo das Kleid ein wenig verrutscht war.

Irgendwann schwieg sie. Dann sagte sie, sie habe Angst, zu schnell wieder jemanden zu wollen. Nicht irgendjemanden. Sie sah mich an, als sie das sagte, und das Wort blieb zwischen uns stehen wie ein Gegenstand, den man abstellen kann. Ich sagte, ich wolle sie nicht überrumpeln und nicht die sein, die eine Lücke füllt, nur weil sie da ist. Sie nickte. Ihre Hand lag auf der Stufe zwischen uns, die Finger leicht gespreizt. Ich legte meine daneben, nicht darauf. Der Abstand war ein Fingerbreit. Wir ließen ihn so.

Sie ging irgendwann hinein, und ich blieb sitzen, bis der Wein warm wurde und das Summen der Lampe mich nervös machte. In meiner Wohnung zog ich mich aus und legte mich auf das Laken, das noch die Hitze des Tages hielt. Ich dachte an ihre Hand auf der Stufe. Ich dachte an die Narbe an ihrem Daumen. Ich berührte mich nicht. Es fühlte sich an diesem Abend falsch an, als würde ich etwas nehmen, das wir noch nicht ausgesprochen hatten. Ich schlief spät ein und träumte von einem Flur, der länger war als unserer und an dessen Ende ein offenes Fenster stand.

Am Morgen stellte sie den leeren Teller vor meine Tür, gewaschen, und darauf einen Zettel. Danke für die Pflaumen und für die Stufe. Kein Name. Ich kannte die Schrift trotzdem, klar und ein wenig schräg. Ich steckte den Zettel in ein Buch und trug ihn den Tag über mit mir herum, ohne ihn noch einmal zu lesen. In der Buchhandlung stellte ich Regale ein und roch an meinen Fingern noch den Wein, obwohl ich sie gewaschen hatte. Das bildete ich mir vielleicht nur ein. Es genügte, um mich den ganzen Vormittag unruhig zu machen.

Am Abend klopfte ich bei ihr. Ich hatte einen Vorwand, den Schraubenzieher, falls die Lampe wieder locker sei, und sie durchschaute ihn sofort und ließ mich trotzdem herein. Die Wohnung war heller als meine, die Wände frisch, ein Schrank fehlte, und auf dem Boden lag eine Decke, weil das Sofa noch nicht da war. Sie kochte Tee. Wir saßen auf der Decke, die Knie fast berührend, und redeten über die Stadt, über Bücher, über die Stille nach einem Ende, das niemand dramatisch genannt hatte. Es war einfach zu Ende gewesen, sagte sie. Zwei Menschen, die sich nicht mehr fanden. Kein Kampf. Nur das langsame Erlöschen.

Ich sagte, das klinge schwerer als ein Kampf, weil man niemandem die Schuld geben könne. Sie sah mich lange an. Dann strich sie mir eine Haarsträhne aus der Stirn, ganz leicht, und ihre Finger blieben an meiner Schläfe. Darf ich, fragte sie, obwohl sie es schon tat. Ich sagte ja. Wir küssten uns nicht. Sie zog die Hand zurück, als hätte sie sich selbst erschreckt, und lachte leise, und ich lachte mit, obwohl mir die Haut brannte. Als ich ging, standen wir im Flur zwischen unseren Türen, und sie sagte, morgen. Nur das eine Wort. Ich nickte, als verstünde ich einen ganzen Satz.

Der nächste Tag war lang und heiß. Ich arbeitete, kam spät, und der Flur hielt die Wärme wie ein geschlossener Mund. Unter ihrer Tür lag ein Streifen Licht. Ich blieb davor stehen, die Tüte in der Hand, und hörte nichts. Dann öffnete sie, als hätte sie mich gespürt. Sie trug ein helles Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, und ihre Füße waren nackt auf dem Holz. Sie sagte meinen Namen. Nicht als Frage. Ich sagte ihren. Wir standen so, und die Luft zwischen uns war dünn.

Sie fragte, ob ich gegessen hätte. Ich sagte nein. Sie sagte, sie auch nicht, und ob ich kommen wolle, es gebe Brot und Tomaten und sonst nichts, aber die Fenster seien offen. Ich ging hinein. Wir aßen am Fensterbrett, weil der Tisch noch in der Werkstatt stand, und die Stadt draußen war ein fernes Rauschen. Ihre Schulter berührte meine, als sie sich nach dem Salz drehte. Diesmal blieb sie dort. Ich spürte die Wärme durch den Stoff und den ruhigen Gang ihres Atems.

Nach dem Essen wuschen wir die Teller in ihrer kleinen Küche, Seite an Seite, und das Wasser war zu heiß. Sie zuckte, lachte, und ich hielt ihr Handgelenk unter den kalten Strahl. Meine Finger schlossen sich um den schmalen Knochen. Sie wurde still. Ich auch. Das Wasser lief. Draußen fuhr ein Fahrrad über das Kopfsteinpflaster. Sie drehte die Hand in meiner, so dass unsere Handflächen aufeinanderlagen, nass und warm, und sah mich an.

Ich will das, sagte sie. Nicht weil die Wohnung leer ist. Nicht weil ich heute nicht allein sein will, obwohl das auch stimmt. Ich will dich. Seit dem Stuhl im Flur, glaube ich, oder seit den Pflaumen. Wenn du das nicht willst, sag es, und wir trinken noch Tee und du gehst, und morgen grüßen wir uns, und es ist nicht kaputt. Ich hörte jedes Wort. Mein Mund war trocken. Ich sagte, ich wolle es. Ich wolle sie. Nicht als Lücke. Als sie.

Sie küsste mich zuerst. Es war kein vorsichtiger Kuss, obwohl er langsam begann. Ihre Lippen waren weich und schmeckten nach Tomate und nach dem Salz, das wir vergessen hatten abzuwaschen. Ich öffnete den Mund, und ihre Zunge fand meine, warm, suchend, und ein Laut stieg in mir auf, den ich an ihrem Mund erstickte. Ihre Hände lagen an meinem Gesicht, die Daumen an meinen Wangenknochen, und ich spürte die feine Narbe und die Schwielen von der Werkstatt. Ich zog sie näher, an der Taille, und ihr Hemd knitterte unter meinen Handflächen.

Wir küssten uns, bis mir schwindlig wurde von der Hitze und von dem Stehen. Sie lachte in den Kuss hinein, atemlos, und sagte, die Decke, oder mein Bett, wo du willst, nur nicht die Küche, der Boden ist hart. Ich sagte, meine Wohnung, das Bett sei gemacht, und sie nickte, als wäre das ein Geschenk. Wir gingen barfuß durch den Flur. Das Milchglasfenster war dunkel. Die Lampe summte. Unsere Türen standen einen Moment beide offen, zwei Rechtecke Licht, und dann schloss sie ihre und kam mit mir in meine.

In meinem Schlafzimmer war das Fenster gekippt, und der Vorhang bewegte sich kaum. Ich machte nur die kleine Lampe an. Johanna stand mitten im Raum und sah sich um, nicht neugierig, eher als wollte sie sich den Ort merken. Dann kam sie zu mir und knöpfte mein Kleid auf, Knopf für Knopf, und fragte bei jedem zweiten mit den Augen, ob es noch recht sei. Ich nickte. Das Kleid fiel. Darunter trug ich nichts Besonderes, ein schlichtes Hemdchen und einen Slip, und sie sah mich an, als wäre das genug, um den Atem zu verlieren.

Darf ich dich ansehen, fragte sie. Ich sagte ja. Sie strich über meine Schultern, die Arme hinab, die Seiten entlang, langsam, als lese sie eine Maserung. Ihre Finger waren warm. Als sie die Träger des Hemdchens herunterschob, küsste sie die Stelle, an der der Stoff gelegen hatte, erst links, dann rechts, und meine Brustwarzen zogen sich zusammen, bevor sie sie überhaupt berührt hatte. Sie bemerkte es und lächelte, nicht spöttisch, eher froh. Dann nahm sie eine Brustwarze in den Mund, ganz leicht, die Zunge flach und warm, und ich griff in ihr Haar.

Ich wollte sie auch. Ich öffnete ihr Hemd und fand darunter nackte Haut, die Brüste schwerer als meine, die Brustwarzen dunkel und schon hart. Ich küsste sie dort, sog vorsichtig, und sie stöhnte, ein tiefer Laut, den sie an meiner Schulter dämpfte. Wir sanken auf das Bett. Das Laken war kühl an meinem Rücken und wurde schnell warm. Sie lag halb auf mir, ein Schenkel zwischen meinen, und küsste meinen Hals, das Ohr, den Mund wieder, tiefer jetzt, hungriger.

Warte, sagte sie einmal, und ich hielt inne, die Hände an ihren Hüften. Sie atmete. Alles gut, sagte sie. Ich will nur langsam, nicht weil ich zweifle. Weil ich es fühlen will. Ich sagte, wir haben Zeit. Sie küsste mich dafür, dankbar und heiß, und dann schob sie die Hand zwischen uns und in meinen Slip. Ihre Finger fanden mich feucht, und sie hielt einen Moment still, als müsste sie das begreifen. Dann strich sie langsam durch die Nässe, auf und ab, nicht direkt auf die empfindlichste Stelle, sondern daneben, bis ich die Hüften hob.

So, fragte sie. Ich sagte, ein wenig höher, und sie fand es, den kleinen harten Punkt, und kreiste mit zwei Fingern, nass und gleichmäßig. Ich bog den Rücken. Es war viel, schnell, und ich sagte ihren Namen, damit sie wusste, dass es Lust war und kein Rückzug. Sie küsste meine Brust, während ihre Hand arbeitete, und ich spürte, wie sich alles in mir sammelte, zu früh, zu hell. Ich hielt ihr Handgelenk. Nicht aufhören, sagte ich, nur langsamer, ich will dich auch anfassen, bevor ich komme.

Sie ließ von mir ab, nicht ganz, die Hand blieb warm auf meinem Schoß, und ich drehte uns, so dass sie auf dem Rücken lag. Ich zog ihr Hemd ganz aus, dann die Hose, dann den Slip, und sie half, die Hüften hebend, die Augen dunkel und offen. Zwischen ihren Schenkeln war sie glänzend, die Haut gerötet, die inneren Lippen weich unter meinem Blick. Ich küsste die Innenseite eines Schenkels, dann des anderen, und sie öffnete die Beine weiter, eine Einladung ohne Worte, die sie trotzdem noch aussprach. Bitte, sagte sie. Ich will deinen Mund.

Ich legte mich zwischen ihre Schenkel und küsste sie dort zuerst zart, die äußere Haut, den Ansatz, dann die Zunge flach durch die Feuchte, von unten nach oben. Sie schmeckte salzig und süß, nach Haut und nach Erregung, und ich nahm mir Zeit, sie kennenzulernen. Wenn ich zu schnell wurde, presste sie die Ferse in die Matratze. Wenn ich die Zungenspitze um ihre Klitoris kreisen ließ, griff sie in das Laken und dann in mein Haar, nicht um zu drücken, nur um Halt zu haben. Ja, so, sagte sie, genau so, nicht aufhören.

Ich leckte sie in einem ruhigen Rhythmus, die Lippen um den empfindlichen Punkt geschlossen, die Zunge weich und stetig, und schob dabei einen Finger in sie, langsam, bis zum Knöchel. Sie war eng und heiß und sehr nass. Ich krümmte den Finger ein wenig, suchte, und als sie scharf einatmete, blieb ich dort und bewegte mich in kleinen Stößen, während mein Mund nicht nachließ. Ein zweiter Finger, als sie darum bat, und sie nahm ihn mit einem tiefen Laut, die Wände um mich zuckend.

Ihr Atem wurde kürzer. Sie sagte meinen Namen, dann nur noch Bruchstücke, ja, dort, fester, und ich gab ihr, was sie verlangte, Mund und Hand im selben Takt. Ihre Schenkel begannen zu zittern. Sie warnte mich nicht. Sie kam mit einem langen, offenen Stöhnen, die Hüften gegen mein Gesicht gedrückt, die innere Muskulatur in Wellen um meine Finger, und ich blieb bei ihr, leichter jetzt, bis sie meine Schulter berührte und sagte, zu viel, komm herauf.

Ich küsste mich an ihrem Bauch entlang nach oben, an den Brüsten vorbei, und fand ihren Mund. Sie schmeckte sich auf meinen Lippen und schien das zu mögen, denn sie küsste mich tief und langsam, noch außer Atem. Ihre Hand fand mich wieder. Diesmal zog sie mir den Slip ganz aus und legte sich auf die Seite, ein Bein über meines, so dass wir uns ansehen konnten. Ihre Finger glitten in mich, zwei auf einmal, weil ich schon so bereit war, und ihr Daumen lag auf meiner Klitoris, fest genug, um mich zu halten.

Sie sah mir ins Gesicht, während sie mich fickte, langsam und tief, und das Wort war in meinem Kopf, roh und richtig, obwohl sie es nicht aussprach. Sie sagte nur, du bist so schön so, und ich glaubte es, weil ihre Augen nicht logen. Ich bewegte mich ihren Fingern entgegen. Die Lust stieg nicht mehr als Welle, die man zurückhalten kann. Sie war schon da, dicht unter der Haut, und jeder Stoß ihrer Hand zog sie höher. Ich klammerte mich an ihre Schulter. Meine Stirn lag an ihrer. Ich kam mit einem Laut, der in ihrer Kehle endete, weil sie mich küsste, während es durch mich ging, lang und zitternd, die Schenkel um ihr Handgelenk geschlossen.

Danach lagen wir still. Ihre Finger ruhten noch in mir, ohne sich zu bewegen, und das war beinahe zärtlicher als alles davor. Als sie sie herauszog, seufzten wir beide. Sie wischte die Hand am Laken ab und lachte leise über diese kleine, notwendige Geste. Ich lachte mit, heiser. Draußen war die Stadt leiser geworden. Der Vorhang bewegte sich endlich, ein kühler Zug, und er strich über unsere feuchte Haut wie eine dritte, gleichgültige Hand.

Ich dachte, das sei der Bogen, der sich schließt. Johanna dachte anders. Sie küsste meine Schulter, die Mulde unter dem Schlüsselbein, und sagte, ich bin noch nicht fertig mit dir, wenn du noch willst. Ich wollte. Mein Körper war empfindlich, fast zu sehr, und gerade deshalb zog mich die Vorstellung wieder an. Ich sagte ja. Sie bat mich, mich auf den Bauch zu legen, und ich tat es, das Gesicht im Kissen, die Arme darüber. Sie setzte sich auf meine Oberschenkel, nicht mit dem ganzen Gewicht, und ihre Hände glitten über meinen Rücken, die Wirbelsäule hinab, über das Gesäß, langsam, als gehöre die Nacht uns wirklich.

Sie beugte sich herunter und küsste mein Kreuz. Ihre Brüste streiften meinen Rücken, weich und schwer, und die Brustwarzen zogen eine heiße Spur. Dann schob sie eine Hand unter mich, zwischen meine Beine, und fand mich noch nass, geschwollen, offen. Sie rieb mich von hinten, zwei Finger auf der Klitoris, die andere Hand fest an meiner Hüfte, und ich drückte mich in die Matratze und gegen ihre Hand zugleich. Es war anders so, dunkler, der Druck tiefer. Ich stöhnte in das Kissen. Sie sagte, ich will dich hören, und ich drehte das Gesicht zur Seite und ließ die Laute heraus.

Sie glitt mit den Fingern wieder in mich, von hinten, und der Winkel war neu, voller. Ich spreizte die Knie ein wenig. Sie fand einen Rhythmus, der nicht hetzte, und beugte sich so über mich, dass ihr Atem an meinem Ohr lag. Ich spürte ihre Feuchte an meinem Oberschenkel, dort, wo sie sich an mir rieb, klein und unwillkürlich, und das Wissen, dass sie sich selbst dabei erregte, zog mich schneller hoch, als ich gedacht hatte. Ich sagte ihr das. Sie lachte, atemlos, und rieb sich deutlicher an mir, während ihre Finger in mir blieben.

Wir fanden einen gemeinsamen Takt. Mein zweiter Höhepunkt kam schärfer, kürzer, ein helles Zusammenziehen, das mich zum Zittern brachte, und sie hielt mich fest, die freie Hand auf meinem Rücken, bis es abebbte. Dann drehte ich mich um, noch ungeschickt, und zog sie auf mich. Ich wollte sie noch einmal schmecken, aber sie schüttelte den Kopf, lächelnd, und setzte sich so, dass sie sich an meinem Schenkel reiben konnte, die Hände auf meiner Brust. Ich hielt ihre Hüften. Sie bewegte sich, erst scheu, dann sicherer, die Nässe eine heiße Spur auf meiner Haut, und ich sah ihr zu, wie das Gesicht sich öffnete, der Mund, die geschlossenen Augen, die Stirn, die sich krauste.

Komm so, sagte ich. Sie nickte, unfähig zu mehr, und ich schob eine Hand zwischen uns, die Finger an ihrer Klitoris, während sie sich bewegte. Es dauerte nicht lange. Sie kam mit einem gepressten Laut, die Nägel leicht an meinen Schultern, der ganze Körper einen Moment starr und dann weich, und sie sank auf mich, das Gesicht an meinem Hals, das Herz schnell an meiner Brust. Ich hielt sie. Der Schweiß kühlte. Irgendwo im Haus schlug eine Tür, weit weg, und der Flur draußen blieb still.

Wir sprachen eine Weile nicht. Ich strich über ihr Haar, das sich ganz gelöst hatte und über meine Brust fiel. Sie küsste die Stelle unter meinem Ohr, einmal, ohne Absicht auf mehr. Dann sagte sie, ich habe Angst, dass das morgen komisch wird, im Flur, mit den Briefkästen und der Frau aus dem zweiten Stock. Ich sagte, dann grüßen wir uns, und wenn wir allein sind, dürfen wir wissen, was wir wissen. Sie hob den Kopf. Ihre Augen waren müde und klar. Das ist ein guter Satz, sagte sie. Darf ich ihn behalten.

Ich sagte ja. Wir standen irgendwann auf, nackt, und ich holte Wasser. Sie trank aus meinem Glas, und das erinnerte mich an den Wein auf der Treppe, an den Fingerbreit Abstand, der jetzt keiner mehr war. Wir duschten nicht. Wir wischten uns mit einem feuchten Tuch ab, lachend, unbeholfen, und legten uns wieder hin, diesmal unter das Laken, weil die Nacht kühler wurde. Sie lag auf der Seite, ich hinter ihr, die Hand auf ihrem Bauch. Ihr Atem wurde langsamer. Ich blieb wach und hörte den Hof, einen späten Vogel, das Knacken des Holzes im Flur, das ich sonst nie bemerkte.

Gegen Morgen wurde das Milchglas draußen hell, das sah ich durch den Spalt meiner Tür, die wir nicht ganz geschlossen hatten. Johanna wachte auf, drehte sich zu mir und sah mich an, als prüfe sie, ob die Nacht noch da sei. Sie war da. Sie küsste mich, der Mund warm vom Schlaf, ohne Eile. Kein neues Feuer, nur die Bestätigung, dass wir uns nicht geträumt hatten. Wir zogen uns an, sie in mein Hemd, das zu lang war, ich in das Kleid von gestern, und wir traten zusammen in den Flur.

Er roch nach Staub und nach dem kühlen Stein des Morgens. Die Lampe über dem Fenster war aus. Unsere Türen standen sich gegenüber wie immer, zwei alte Flächen Holz, und zwischen ihnen der schmale Weg, den wir seit Tagen geteilt hatten. Johanna stellte sich barfuß auf die Stelle, an der der Läufer dünn war, und sah mich an. Ihre Hand fand meine, nur für einen Moment, die Finger verschränkt, die Narbe am Daumen an meiner Haut. Dann ließ sie los, nicht aus Furcht, sondern weil der Tag begann und der Flur wieder allen gehörte.

Ich gehe Tee machen, sagte sie. Wenn du willst, ist die Tür offen. Ich sagte, ich komme, sobald ich das Fenster geschlossen habe. Sie lächelte, das gleiche Lächeln wie an den Briefkästen, nur ohne die Mühe darin. Sie ging hinüber. Ich blieb einen Atemzug lang im Flur stehen, die Hand noch warm, und hörte, wie in ihrer Wohnung der Wasserhahn lief. Das Licht im Milchglas wurde weiß. Irgendwo unten bellte der Hund. Ich schloss meine Tür nicht ganz, nur anlehnend, und der Spalt blieb, schmal und hell, zwischen dem, was gewesen war, und dem, was wir uns gerade erlaubten.

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