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Ein letzter Tausch

Fremdgehen · 34 Minuten lesen · 45 Minuten hören

Gelesen von Meher

Ich war vierunddreißig und Markus neununddreißig, als wir uns an diesem Dienstag zum letzten Mal trafen. Das hatten wir am Sonntag so festgelegt, nüchtern und fast höflich, in einer Nachricht, die keiner von uns mit einem Herz beantwortet hatte. Die Affäre sollte enden. Wir hatten sie beide gewollt, monatelang, mit einer Gier, die uns klüger vorgekommen war, als sie war. Und wir hatten sie beide satt, nicht aus Abneigung, sondern weil sie zu schwer geworden war. Sie lag zwischen unseren eigentlichen Leben wie ein Möbelstück, das niemand mehr verrücken mochte und das doch jeden Raum eng machte.

Mein Mann hieß Jonas und war sechsunddreißig. Er arbeitete an diesem Nachmittag in der Kanzlei, wie immer, und er wusste nichts. Markus war verheiratet mit einer Frau, die ich nie gesehen hatte und deren Namen ich absichtlich selten aussprach. Wir waren keine jungen Leute, die sich in einer Ausrede verliefen. Wir waren Erwachsene, die eine Grenze kannten und sie trotzdem monatelang überschritten hatten. An diesem Tag wollten wir sie wieder aufrichten. Vorher aber hatten wir etwas anderes vereinbart, schriftlich, klar, ohne Zweideutigkeit. Einen Rollentausch. Ein letztes Mal, und diesmal nach meinen Regeln.

Sonst war immer er derjenige gewesen, der das Zimmer buchte, die Stunde nannte, die Tür öffnete und mir die Jacke von den Schultern nahm, als gehöre auch das zu seinem Recht. Ich war gekommen, wenn er schrieb. Ich hatte mich ausgezogen, wenn seine Hände es verlangten. Ich hatte geschwiegen, wenn draußen im Flur ein Wagen vorbeifuhr, und ich hatte mich seinem Rhythmus gefügt, weil dieser Rhythmus mir anfangs wie eine Erlösung vorgekommen war. Er entschied, ich folgte, und in diesem Folgen hatte ich eine Ruhe gefunden, die ich zu Hause nicht kannte. Das war die eine Wahrheit. Die andere war, dass ich irgendwann nur noch wartete. Auf seine Nachricht. Auf seine Erlaubnis. Auf das Ende eines Nachmittags, das er ebenfalls bestimmte, indem er als Erster aufstand und duschte.

Am Sonntag hatte ich geschrieben, dass ich so nicht mehr konnte. Er hatte geantwortet, dass er es auch nicht mehr wollte. Zwischen diesen beiden Sätzen lag eine lange Stille, in der keiner von uns das Wort Liebe benutzte, weil es nicht stimmte und weil es zu billig gewesen wäre. Dann hatte ich den Vorschlag gemacht. Ein letztes Mal. Nicht wie bisher. Ich würde kommen, wann ich wollte. Ich würde an der Tür stehen bleiben, bis er mich hereinbat, und danach würde er tun, was ich sagte. Er würde mich nicht anfassen, bevor ich es erlaubte. Er würde nicht in mich kommen, bevor ich ihn führte. Er würde nicht früher aufhören und nicht früher kommen. Wenn ich Stopp sagte, war es vorbei, ohne Diskussion, ohne Nachfragen in dem Moment. Er hatte nur geantwortet: Einverstanden. Sag mir die Uhrzeit. Ich hatte keine Uhrzeit gesagt. Ich hatte geschrieben, dass ich komme, wenn ich komme, und dass er warten solle.

Das Warten war der erste Tausch. Ich wusste, wie es sich anfühlte. Ich hatte es oft genug in diesem Wagen getan, mit laufendem Motor, zwei Straßen vom Hotel entfernt, bis sein kurzes Komm da war. An diesem Dienstag ließ ich ihn warten. Ich fuhr nicht sofort. Ich trank in der Küche ein Glas Wasser, stellte es ab, zog den Mantel an und wieder aus, weil mir warm wurde, und setzte mich auf die Kante unseres Bettes, das nach Jonas roch, nach seinem Waschmittel und nach der Ruhe eines Lebens, das ich nicht verlassen wollte. Ich wollte die Affäre beenden. Das war keine Pose. Ich wollte nur nicht, dass das letzte Mal noch einmal seine Choreografie war. Wenn wir schon logen, dann sollte die letzte Stunde wenigstens eine Wahrheit enthalten, die wir uns gegenseitig gegeben hatten.

Gegen halb vier fuhr ich los. Die Stadt war hell und gewöhnlich. An der Ampel vor der Brücke stand ein Lieferwagen, und ich sah mein Gesicht im Rückspiegel, nicht dramatisch, nur wach. Ich hatte ein dunkelblaues Kleid an, geschlossen bis zum Hals, und darunter nichts, was er erwartet hätte. Keine Wäsche, die sich leicht beiseiteschieben ließ. Ich hatte mich für ihn nicht hergerichtet wie sonst. Ich hatte mich für mich angezogen, langsam, vor dem Spiegel, und dabei laut gesagt, was ich von ihm wollte, nur um zu prüfen, ob die Sätze in meinem Mund hielten. Sie hielten. Meine Stimme war ruhig gewesen. Meine Hände nicht.

Das Hotel kannten wir. Ein Haus mit Teppich im Flur und einer Rezeption, die nicht hinsah, solange man bar zahlte oder eine Karte benutzte, die nicht zu Hause auf dem Kontoauszug auffiel. Markus hatte immer bar gezahlt. Auch das gehörte zu seinen Regeln, zu der sorgfältigen Art, mit der er die Affäre verwaltete, als könne man Untreue ordentlich führen, wenn man nur die Belege sortierte. Heute würde ich zahlen. Das hatte ich ihm nicht geschrieben. Manche Teile des Tauschs wollte ich erst im Raum sagen, damit er sie hörte und nicht nur las.

Ich parkte in der Tiefgarage und blieb noch einen Moment sitzen. Das Lenkrad war warm. Mein Herz schlug nicht schnell. Es schlug deutlich. Ich dachte an Jonas, der um sechs nach Hause kommen würde, und an die Einkaufsliste auf dem Kühlschrank, und daran, dass ich diese Liste heute Abend abarbeiten würde, als sei der Nachmittag ein Termin gewesen. Dann dachte ich an Markus, der oben wartete, und an die Nachricht von Sonntag, die ich noch einmal gelesen hatte, bevor ich losfuhr. Einverstanden. Sag mir die Uhrzeit. Ich hatte ihm keine gegeben. Das war der Anfang.

Im Aufzug roch es nach Metall und nach einem Reiniger, der Zitrone vorgab. Ich sah mich in der spiegelnden Wand, eine Frau von vierunddreißig, mit dem Mantel über dem Arm, weil mir auf der Treppe warm geworden war, und mit einer Ruhe, die neu war. Nicht kalt. Entschieden. Als die Tür im dritten Stock aufging, ging ich nicht schnell. Ich ging so, wie ich zu einem Gespräch gegangen wäre, das ich selbst angesetzt hatte.

Er öffnete, bevor ich klopfte. Er musste an der Tür gestanden haben. Das sah ich an der Art, wie er die Klinke schon in der Hand hatte, und an dem kurzen, unsicheren Lächeln, das sonst nicht zu ihm gehörte. Markus war groß, dunkles Haar, ein wenig Grau an den Schläfen, das Hemd ordentlich, die Ärmel hinunter, als habe er sich für ein Treffen zurechtgemacht und dann nicht gewagt, sich zu setzen. Hinter ihm war das Zimmer wie immer. Bett, Sessel, ein schmales Fenster zum Hof, das Licht eines Nachmittags, der noch nicht vorhatte, Abend zu werden.

„Du bist da“, sagte er.

„Ich bin da“, sagte ich. Ich trat ein, aber ich ließ die Tür nicht sofort los. „Hast du es noch so, wie wir es geschrieben haben?“

Er nickte. Seine Augen waren wach, nicht belustigt. „Ja. Du bestimmst. Ich fasse dich nicht an, bevor du es sagst. Wenn du Stopp sagst, hören wir auf. Und danach ist es vorbei. Die Affäre. Nicht nur die Stunde.“

Ich schloss die Tür. Das Geräusch war leise und endgültig. „Danach ist es vorbei“, wiederholte ich. „Heute nicht, weil einer von uns die Nerven verliert. Heute, weil wir es so wollen. Aber diese Stunde gehört mir. Nicht als Spiel, das du mir gönnst. Als das, was wir vereinbart haben.“

„Ich weiß“, sagte er. Seine Stimme war tiefer als sonst, vorsichtiger. „Sag, was ich tun soll.“

Ich legte den Mantel über den Sessel, nicht über das Bett. Ich stellte die Tasche ab. Ich zog die Schuhe aus, langsam, und stellte sie parallel, weil ich Zeit brauchte und weil ich sehen wollte, ob er die Hände bei sich behielt. Er behielt sie bei sich. Seine Finger öffneten und schlossen sich einmal, dann lagen sie still an seinen Seiten. Das gefiel mir mehr, als ich erwartet hatte. Nicht als Triumph. Als Beweis, dass die Absprache hielt.

„Zuerst sagst du mir, dass du es willst“, sagte ich. „Nicht die Affäre. Die willst du beenden, und ich auch. Diese Stunde. Mich so. Dich so.“

Er sah mich an, und in diesem Blick war keine Höflichkeit mehr. „Ich will es. Ich will, dass du mich führst. Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, seit Sonntag, und ich bin trotzdem hergekommen, um aufzuhören. Beides ist wahr.“

„Gut“, sagte ich. „Dann ziehst du das Hemd aus. Langsam. Und du setzt dich nicht. Du stehst, bis ich etwas anderes sage.“

Er gehorchte ohne das kleine Lächeln, mit dem er früher manchmal meinen Ernst abgefangen hatte. Knopf für Knopf. Das Hemd fiel über die Stuhllehne. Darunter war seine Brust, bekannt und an diesem Tag neu, weil ich sie ansah, ohne dass seine Hände meine Aufmerksamkeit lenkten. Ich trat näher, blieb aber auf Armlänge. Ich roch sein Haarwasser und die Wärme seiner Haut, und ich legte die flache Hand nicht auf ihn. Noch nicht.

„Die Hose“, sagte ich. „Alles. Du bist nackt, bevor ich es bin. Das ist neu für dich. Für mich auch.“

Er zog sich aus, ohne zu hetzen und ohne zu zögern. Als er nackt vor mir stand, sah ich, dass er schon hart war. Sein Schwanz lag schwer gegen den Bauch, die Spitze feucht, und er machte keine Bewegung, ihn zu verbergen oder mich damit zu berühren. Früher hätte er in diesem Moment gelacht, leise, und meine Hand genommen. Heute wartete er. Die Spannung in seinen Schultern war deutlich. Ich ließ sie stehen.

„Hände auf den Rücken“, sagte ich. „Und du bleibst so, während ich dich ansehe. Wenn dir etwas zu viel wird, sagst du Stopp. Nicht erst, wenn du es bereust.“

„Ich sage es, wenn ich es brauche“, antwortete er. „Im Moment brauche ich, dass du weitermachst.“

Ich ging um ihn herum. Der Teppich war rau unter meinen Sohlen. Sein Rücken war breit, die Wirbelsäule eine ruhige Linie, die Schulterblätter bewegten sich mit seinem Atem. Ich legte zwei Finger an seinen Nacken, nur kurz, und spürte, wie er die Luft anhielt. Dann nahm ich die Finger weg. „Atmen“, sagte ich. „Du hältst nichts zurück, was ich nicht verlange.“

Er atmete aus. Ich stellte mich wieder vor ihn. Mein Kleid war noch geschlossen. Der Stoff lag kühl an meinen Brüsten, und darunter war ich nackt, und dieses Wissen gehörte vorerst nur mir. Ich sah auf seinen Mund. Ich kannte diesen Mund. Er hatte mich oft geküsst, bevor ich fertig war mit Denken, und er hatte mich oft zwischen den Beinen geküsst, gut und zielsicher, aber immer dann, wenn er es für richtig hielt. Heute würde er warten, bis ich seinen Kopf dorthin führte.

„Auf die Knie“, sagte ich.

Er ging auf die Knie. Das Geräusch war weich. Sein Gesicht war auf der Höhe meines Bauches, und er hob den Blick, nicht fordernd, sondern fragend. Ich legte die Hand in sein Haar, nicht ziehend, nur haltend, und spürte die Wärme seiner Kopfhaut. „Du küsst mich nicht, bevor ich das Kleid öffne“, sagte ich. „Du siehst zu. Und du sagst mir, was du siehst, wenn ich dich frage. Nicht, was du willst. Was du siehst.“

„Ich sehe dich angezogen“, sagte er leise. „Und ich sehe, dass du nicht zitterst. Ich schon ein bisschen.“

„Das darf sein“, sagte ich. Ich öffnete den ersten Knopf am Hals. Der Stoff gab nach. Darunter zeigte sich die Haut über meinem Schlüsselbein, dann, Knopf für Knopf, der Ansatz meiner Brüste. Ich trug keinen Bügel, keinen Spitzenrand, nichts, was die Geste leicht gemacht hätte. Als das Kleid bis zur Taille offen war, lagen meine Brüste frei in der kühlen Zimmerluft. Die Brustwarzen waren schon fest. Ich schämte mich nicht dafür. Ich wollte, dass er es sah, ohne es sich zu nehmen.

„Was siehst du?“, fragte ich.

„Deine Brüste“, sagte er. Seine Stimme war rau. „Die linke ein wenig höher. Die Warzen dunkel und hart. Du atmest flach. Du willst, dass ich warte, und du willst auch, dass ich nicht warte. Beides steht in deinem Gesicht.“

„Stimmt“, sagte ich. „Und du wartest trotzdem.“

„Ja.“

Ich ließ das Kleid von den Schultern. Es fiel bis zu den Hüften und blieb dort, weil ich es so wollte, ein Ring aus Stoff, der mich noch nicht ganz freigab. Ich trat einen halben Schritt näher. Seine Augen waren auf meiner Haut, sein Mund leicht geöffnet, seine Hände noch auf dem Rücken. Ich nahm seine rechte Hand, führte sie nach vorn und legte sie auf meine Hüfte, über dem Stoff. „Hier darfst du mich halten. Nicht höher. Nicht tiefer. Wenn deine Finger wandern, nehme ich die Hand weg, und du kniest weiter, bis ich mich anders entscheide.“

Seine Hand lag warm und still. Der Druck war genau so, wie ich ihn gesetzt hatte. Ich spürte, wie sich etwas in mir löste, nicht die Vorsicht, sondern die alte Gewohnheit, mich seinem Tempo anzupassen. Mein eigener Puls saß tief zwischen den Beinen, deutlich, ein Ziehen, das ich nicht mehr verstecken musste. Ich schob das Kleid über die Hüften und ließ es fallen. Ich stand nackt vor ihm, im Nachmittagslicht, mit den Füßen auf dem Teppich und seinem Atem an meinem Bauch.

Er sagte nichts. Das war richtig. Ich hatte nicht gefragt.

Ich setzte mich auf die Bettkante, die Knie auseinander, nicht weit, nur so, dass er den Weg sah. Die Matratze gab nach. Meine Schamlippen waren schon geschwollen, feucht, und die kühle Luft dort war ein eigener Reiz. Ich legte die Hand wieder in sein Haar. „Komm her“, sagte ich. „Mit dem Mund. Langsam. Du leckst mich nicht, um mich schnell zum Kommen zu bringen. Du leckst mich, wie ich es dir sage. Zunge flach, erst außen. Wenn ich mehr will, sage ich mehr.“

Er rutschte näher. Seine Hände blieben auf seinen Oberschenkeln, bis ich nickte, dann legte er sie rechts und links von meinen Knien auf die Matratze, ohne meine Beine zu umfassen. Sein Mund berührte die Innenseite meines linken Schenkels, ein Kuss, trocken und genau. Dann die andere Seite. Ich spürte den Bartschatten, ein feines Kratzen, und danach die Wärme seiner Lippen, höher, näher, noch nicht dort. Mein Atem ging tiefer. Ich hielt seinen Kopf nicht fest. Ich hielt ihn nur orientiert.

„Jetzt“, sagte ich.

Seine Zunge legte sich flach an mich, von unten nach oben, langsam, über die äußeren Lippen, ohne einzudringen, ohne die Klitoris zu suchen. Die Nässe, die er dort fand, war meine. Ich hörte das leise Geräusch, und ich schämte mich nicht davor. Es gehörte zu dem, was ich ihm heute zeigen wollte, nicht als Geschenk an seine Eitelkeit, sondern als Tatsache. Ich war erregt, weil ich führte, und weil er folgte, und weil sein Mund gut war, wenn man ihm sagte, wie.

„Noch einmal so“, sagte ich. „Gleicher Druck. Nicht schneller.“

Er wiederholte die Bewegung. Wärme breitete sich aus, nicht als Stoß, sondern als Fläche. Meine Oberschenkel wollten sich schließen und öffnen zugleich. Ich ließ sie, wo sie waren. „Jetzt die innere Seite. Links. Dann rechts. Du kommst nicht in die Mitte, bevor ich es sage.“

Er gehorchte. Die Zungenspitze zeichnete die weiche Falte, und ich spürte, wie mein Körper sich ihm entgegenhob, ohne dass ich es geplant hatte. Ein Laut kam aus meiner Kehle, kurz, nicht gespielt. Ich legte den Kopf in den Nacken und sah die Zimmerdecke, den Riss im Putz, den wir schon oft angesehen hatten, und zum ersten Mal störte er mich nicht. „Mitte“, sagte ich. „Langsam. Die Klitoris mit der flachen Zunge. Nicht saugen. Noch nicht.“

Sein Mund fand sie. Der erste Kontakt war so deutlich, dass ich die Hand in seinem Haar fester schloss. Nicht um ihn zu stoßen. Um mich zu halten. Er leckte in einem ruhigen Kreis, dann in einer geraden, kurzen Bahn, und ich sagte, welche von beiden blieb. Die gerade. Immer wieder. Der Druck genau so. Mein Becken begann, sich in diesem Takt zu bewegen, klein, nicht wild. Feuchtigkeit lief an mir herab, auf seinen Mund, auf sein Kinn. Er stöhnte einmal, gedämpft, und die Vibration ging durch mich hindurch.

„Hände bleiben, wo sie sind“, sagte ich, weil seine rechte Hand gezuckt hatte. „Du fasst dich nicht an. Du fasst mich nicht anders an. Dein Mund arbeitet. Dein Schwanz wartet.“

„Ja“, sagte er gegen meine Haut, und das Wort war kaum ein Wort.

Ich ließ ihn eine Weile so. Die Zeit verlor ihre Kanten. Es gab nur die Zunge, den gleichmäßigen Strich, die Wärme, das Nass, meinen Atem, der nicht mehr flach war. Als das Ziehen zu scharf wurde, zu nah am Kippen, sagte ich: „Stopp. Nicht aufhören ganz. Nur weg von der Klitoris. Darunter. Breite Zunge. Ich will nicht jetzt schon kommen.“

Er wich sofort aus. Kein Nachfassen, kein Trotzen. Das allein hätte mich fast über die Kante gebracht. Ich lachte kurz, atemlos, und strich ihm über die Wange. Seine Haut war feucht von mir. „Gut“, sagte ich. „So bleibt es. Du nimmst dir nicht mein Tempo.“

„Ich nehme es nicht“, sagte er. Seine Augen waren dunkel. „Sag mir, wann ich zurückdarf.“

„Noch nicht. Komm hoch. Küss mich. Du schmeckst nach mir, und ich will das.“

Er richtete sich auf, immer noch auf den Knien, und ich beugte mich zu ihm. Der Kuss war tief und salzig und ohne die alte Hast. Ich hielt sein Gesicht in beiden Händen. Seine Lippen öffneten sich, als ich es wollte, nicht früher. Ich schmeckte mich selbst, warm und deutlich, und ich spürte, wie hart er gegen meinen Schenkel drückte, ohne die Hüften zu bewegen. Er hielt sich. Ich küsste ihn länger, als ich vorgehabt hatte, weil der Kuss nicht mehr ein Übergang zu seiner Choreografie war. Er war ein Ort, an dem ich bleiben konnte.

Als ich mich löste, legte ich die Stirn an seine. „Aufs Bett“, sagte ich. „Auf den Rücken. Arme über den Kopf. Du hältst das Kissen, nicht mich. Wenn du die Arme herunternimmst, halte ich an.“

Er legte sich hin. Das Bett knarrte vertraut. Sein Schwanz stand schwer auf seinem Bauch, die Haut gespannt, eine Ader deutlich an der Unterseite. Ich kniete mich neben ihn, noch nicht über ihn. Ich sah ihn an, den ganzen Körper, die Brust, die sich hob, den Bauch, der sich anspannte, die Oberschenkel, die er nicht spreizte, bis ich mit der Hand dagegen drückte. „Weiter“, sagte ich. Er öffnete die Beine. Ich legte die Hand um seinen Schwanz, fest, aber nicht pumpend. Er zuckte in meiner Faust. Ein Tropfen trat aus der Spitze. Ich strich ihn mit dem Daumen fort und führte den Daumen an meinen Mund, nicht für ihn, für mich, um zu wissen, wie er heute schmeckte. Salzig, vertraut, ein wenig anders, weil ich nicht in Eile war.

„Sieh mich an“, sagte ich. „Nicht an meine Hand. An mein Gesicht. Du kommst nicht, während ich dich so halte. Wenn du nah bist, sagst du es. Dann lasse ich los. Verstanden?“

„Verstanden.“

Ich bewegte die Hand einmal, langsam, von der Wurzel bis unter die Spitze, mit genug Druck, dass sein Mund sich öffnete. Dann hielt ich still. Sein Becken wollte nach oben. Ich legte die andere Hand auf seine Hüfte und drückte sie in die Matratze. „Nein. Du bleibst liegen. Früher hast du mich genommen, sobald du hart warst. Heute bleibt das hart sein eine Weile nur hart sein.“

Er lachte einmal, gepresst. „Das ist schwerer, als es von außen aussieht.“

„Ich weiß“, sagte ich. „Ich habe oft genug unter dir gelegen und auf ein Tempo gewartet, das nicht meins war. Nicht immer. Aber oft genug. Heute lernst du das Warten am eigenen Körper.“

Ich beugte mich hinunter und nahm ihn in den Mund, nur die Spitze, warm und langsam, die Zunge darunter. Er stöhnte laut, und seine Hände krallten sich ins Kissen, wie ich es gesagt hatte. Ich ließ ihn nicht tiefer. Ich hielt ihn an der Grenze, Lippen geschlossen, Atem durch die Nase, und spürte, wie sein Oberschenkel zitterte. Dann ließ ich ihn aus dem Mund gleiten und setzte mich aufrecht. „Nah?“, fragte ich.

„Nah“, sagte er. „Wenn du noch zweimal so machst, halte ich es nicht.“

„Dann mache ich es nicht zweimal.“ Ich strich nur mit den Fingernägeln leicht an der Unterseite entlang, kaum Berührung, und sah, wie er die Zähne zusammenbiss und trotzdem liegen blieb. Eine Zärtlichkeit stieg in mir auf, unerwartet mitten in der Erregung. Er betrog seine Frau, und ich betrog Jonas, und nichts daran war sauber. Aber in diesem Zimmer hielt er ein Versprechen. Das machte die Stunde nicht moralisch. Es machte sie wahr.

Ich schwang ein Bein über ihn und setzte mich auf seine Oberschenkel, nicht auf seinen Schwanz. Mein Gewicht drückte ihn in die Matratze. Meine Nässe lag auf seiner Haut, warm, deutlich, und er spürte sie, das sah ich an seinem Blick. Ich rieb mich einmal an ihm, längs, sodass sein Schwanz zwischen meinen Schamlippen lag, ohne einzudringen. Die Reibung war stumpf und gut. Meine Klitoris glitt über die heiße Härte, und ich musste die Augen schließen, einen Atemzug lang, um nicht das Tempo zu verlieren, das ich selbst gesetzt hatte.

„Hände bleiben oben“, sagte ich, obwohl er sie nicht bewegt hatte. Ich wollte die Worte im Raum haben. „Du kommst nicht in mich, bevor ich dich hineinführe. Und wenn du drin bist, bewegst du dich nicht, bis ich es sage. Kein Stoß aus Gewohnheit. Kein Griff an meine Hüften, um mich schneller zu machen.“

„Ja“, sagte er. „Lena. Bitte.“

Meinen Namen so zu hören, ohne Befehl dahinter, nur als Bitte, traf mich tiefer als der Körperkontakt. Ich hob das Becken, nahm ihn in die Hand und setzte die Spitze an mich. Die Hitze war sofort da. Ich senkte mich nur einen Zentimeter, spürte, wie ich mich um ihn öffnete, und hielt inne. Das Dehnen war vertraut und neu zugleich, weil ich die Tiefe wählte. Ich atmete. Unten im Hof fuhr ein Wagen. Irgendwo schlug eine Tür. Das Zimmer roch nach unserer Haut und nach dem neutralen Waschmittel der Hotellaken.

„Sieh her“, sagte ich. „Du siehst, wie ich dich aufnehme. Nicht wie du mich nimmst.“

Er sah hinunter, zwischen uns, und sein Gesicht wurde offen, fast schutzlos. Ich senkte mich weiter, langsam, bis er halb in mir war. Die Fülle war genau an der Grenze zwischen Druck und Hunger. Ich blieb dort. Meine Schenkel zitterten vor Anstrengung, nicht vor Schwäche. Innere Muskeln schlossen sich um ihn, unwillkürlich, und er stöhnte, die Arme noch über dem Kopf, die Finger weiß am Kissenbezug.

„Nicht stoßen“, erinnerte ich ihn, weil seine Hüfte gezuckt hatte.

„Ich stoße nicht“, sagte er heiser. „Du bist so eng so. Ich spüre jeden Zentimeter, den du mir gibst und den du mir noch nicht gibst.“

Ich gab ihm den Rest. Ich setzte mich ganz, bis ich auf seinem Becken saß und er tief in mir war, warm, vollständig, an einer Stelle, die mir den Atem nahm. Ich bewegte mich nicht. Ich ließ nur das Gewicht wirken und das Pochen meiner eigenen Erregung um ihn herum. Meine Hände lagen auf seiner Brust. Seine Brustwarzen waren hart unter meinen Daumen. Ich rieb sie leicht, und er bog den Rücken, ohne die Hüften zu heben.

„So bleibst du“, sagte ich. „Ich bewege mich. Du hältst aus.“

Ich hob mich und senkte mich, ein kurzer Weg, nicht der ganze. Dann noch einmal, tiefer. Der Rhythmus war meiner, ungleichmäßig mit Absicht, mal drei langsame Hübe, dann eine Pause, in der ich ihn nur in mir spürte und meine Klitoris mit zwei Fingern berührte, kreisend, so wie ich es brauchte, nicht so, wie es für ihn ausgesehen hätte. Früher hatte er meine Hand dort manchmal weggeschoben, nicht grob, nur in dem Glauben, sein Schwanz reiche. Heute sah er zu, wie ich mich selbst anfasste, während er in mir war, und er sagte nichts dagegen. Sein Blick war hungrig und gehorsam zugleich.

„Gefällt dir das?“, fragte ich.

„Ja.“

„Sag es genauer.“

„Es gefällt mir, dass du dich anfasst, während ich in dir bin, und dass ich nichts daran ändern darf“, sagte er. „Es gefällt mir, dass du langsam bist. Es macht mich verrückt. Ich will dich packen und schneller nehmen, und ich tue es nicht, weil du es nicht willst. Das ist das Schwerste und das Beste daran.“

Ich belohnte den Satz nicht mit Tempo. Ich blieb langsam. Meine Finger auf der Klitoris wurden sicherer, der Kreis enger, der Druck genauer. Jedes Senken rieb ihn an einer Stelle in mir, die warm aufleuchtete, und jedes Heben ließ eine Leere, die ich sofort wieder füllte. Schweiß stand auf meiner Brust. Ein Tropfen lief zwischen meinen Brüsten hinab. Er sah ihm nach und leckte sich die Lippen, ohne zu bitten. Ich beugte mich vor, bis meine Brustwarze seinen Mund berührte. „Du darfst saugen“, sagte ich. „Nur das. Nicht die Hände.“

Sein Mund schloss sich um mich, warm, vorsichtig zuerst, dann fester, als ich nicht zurückwich. Das Saugen ging als heller Strich hinunter in meinen Bauch, dorthin, wo er in mir steckte. Ich bewegte die Hüften in kleinen Kreisen, nicht auf und ab, und die Kombination aus seinem Mund, meinen Fingern und seiner reglosen Härte wurde schnell zu viel, um sie noch als Kontrolle zu beschreiben. Kontrolle war nicht mehr das Gegenteil von Hingabe. Sie war die Form, in der ich mich hingab.

„Ich komme gleich“, sagte ich, und meine Stimme klang fremd, tief. „Du bewegst dich nicht. Du kommst nicht mit. Du bleibst tief und still, auch wenn ich mich zusammenziehe. Wenn du mitkommst, ist das nicht das, was wir vereinbart haben. Hast du mich verstanden?“

„Ja“, sagte er an meiner Brust. „Ich halte es. Komm.“

Ich richtete mich wieder auf, damit der Winkel stimmte, und ritt ihn in kurzen, dichten Bewegungen, die Finger fest auf der Klitoris, der andere Arm auf seinem Brustkorb abgestützt. Das Geräusch unserer Körper war nass und deutlich. Ich schämte mich nicht. Ich hörte mich selbst, ein wiederholtes, leises Keuchen, und ich hörte ihn, der die Zähne zusammenbiss und die Hüften in die Matratze drückte, statt nach oben. Der Orgasmus kam nicht als Überfall. Er kam, weil ich ihn holte, Stufe um Stufe, bis die letzte Stufe nachgab. Es zog sich zusammen, tief, dann hell, dann in Wellen, die mir die Schenkel weich machten. Ich presste mich auf ihn, ganz, und hielt ihn dort, während ich kam, die innere Muskulatur eng um seinen Schwanz, mein Mund offen, kein schöner Laut, ein wahrer.

Er stöhnte mit, aber er stieß nicht. Seine Arme blieben oben. Ich spürte, wie sehr ihn das kostete, an dem Zittern unter mir, an dem harten Pochen in mir, das nicht meins allein war. Ich blieb sitzen, bis die Wellen flacher wurden, die Stirn an seiner Schulter, der Atem heiß auf seiner Haut. Mein Körper zuckte noch nach. Er lag still, hart, ungekommen, genau wie vereinbart.

Als ich wieder sprechen konnte, sagte ich: „Gut. Du hast nicht genommen, was nicht dran war.“

„Ich bin nah“, sagte er. „Sehr nah. Wenn du dich noch einmal so zusammenziehst, weiß ich nicht, ob ich es schaffe.“

„Dann warte ich einen Moment“, sagte ich. Ich hob mich von ihm, langsam, und das Herausgleiten war ein eigener Verlust, kühl an der Öffnung, nass an den Schenkeln. Sein Schwanz lag dunkel und glänzend auf seinem Bauch. Ich legte mich neben ihn, nicht weg, und legte die Hand flach auf seine Brust, über dem Herzen. Es schlug schnell. „Arme darfst du jetzt herunternehmen. Aber du fasst mich nicht zwischen den Beinen an. Noch nicht. Halt mich nur.“

Er nahm die Arme herunter, vorsichtig, als könnten sie ihn verraten, und legte einen um meine Schultern. Die andere Hand blieb auf meinem Rücken, zwischen den Schulterblättern, ein Ort, den ich erlaubt hatte, indem ich mich dorthin lehnte. Wir atmeten. Draußen wurde das Licht ein wenig goldener. Ich dachte nicht an Jonas. Ich dachte nicht an das Ende. Ich dachte an den Geschmack auf meiner Zunge und an das Gewicht seines Arms und daran, dass mein Körper noch offen war, noch hungrig, obwohl ich schon gekommen war.

„Ich bin nicht fertig“, sagte ich nach einer Weile. „Das war meiner. Deiner kommt, wenn ich es sage, und nicht, indem du mich umdrehst und zu Ende bringst, wie du es kennst. Wir machen es noch einmal. Anders. Du liegst nicht mehr. Du kniest hinter mir. Aber du bewegst dich nur, wenn ich die Zahl sage. Ein Stoß pro Zahl. Nicht mehr.“

Er drehte den Kopf und sah mich an. In seinen Augen war Erleichterung und neue Anspannung. „Ein Stoß pro Zahl“, wiederholte er. „Und Stopp gilt weiter.“

„Stopp gilt immer“, sagte ich. „Auch wenn wir schon so weit sind. Auch wenn du in mir bist. Auch wenn ich selbst nicht mehr klar klinge. Wenn ich Stopp sage, ziehst du dich zurück. Einverstanden, noch einmal, laut?“

„Einverstanden“, sagte er. „Laut und ohne Vorbehalt.“

Ich küsste ihn dafür, kurz, und stand dann auf. Meine Beine trugen mich, weich, aber sicher. Ich trank einen Schluck Wasser aus dem Glas auf dem Tisch, das er hingestellt hatte, bevor ich kam. Auch das war eine alte Geste von ihm, fürsorglich und zugleich Teil seiner Regie. Heute trank ich, weil ich durstig war, nicht weil er es vorgesehen hatte. Ich stellte das Glas ab und kehrte zum Bett zurück.

„Auf die Knie, hinter mich“, sagte ich. „Ich gehe auf alle viere. Du wartest, bis ich zurückgreife und dich anlege. Dann die Zahl. Nicht vorher.“

Ich kniete mich aufs Bett, die Unterarme auf der Matratze, der Rücken nicht durchgedrückt wie in einer Pose, sondern so, wie es meinem Körper passte. Die Luft strich über meine nasse Haut. Ich hörte, wie er sich hinter mir aufsetzte, wie die Matratze sich verlagerte, wie sein Atem näher kam. Seine Hände schwebten neben meinen Hüften, ohne zuzugreifen. Ich spürte die Wärme, bevor die Berührung kam.

„Hände auf meine Hüften“, sagte ich. „Halten, nicht ziehen.“

Er legte sie hin. Der Griff war fest und still. Ich griff zwischen meine Beine zurück, fand seinen Schwanz, führte die Spitze an mich und hielt sie dort. „Eins“, sagte ich.

Er stieß einmal, tief, kontrolliert, und blieb. Die Fülle von hinten war anders, voller an der vorderen Wand, und ich musste die Stirn auf den Unterarm legen, um nicht sofort die nächste Zahl zu nennen. „Bleib“, sagte ich, obwohl das schon in der Regel lag. Er blieb. Sein Daumen strich einmal über meine Hüfte, eine Frage. „Das darfst du“, sagte ich. „Streichen ja. Ziehen nein.“

„Zwei“, sagte ich, nachdem mein Atem sich gesetzt hatte.

Der zweite Stoß war genauso tief, nicht schneller. Ich schob mich ihm ein wenig entgegen, nur so weit, wie ich es wollte, und spürte, wie seine Finger sich spannten und wieder lockerten. Er zog mich nicht. „Drei.“ Diesmal ließ ich ihn nicht ganz in mir ruhen. „Und zurück, langsam, bis du fast draußen bist. Dann wartest du.“

Er zog sich zurück. Die Leere war scharf. Die Spitze blieb in mir, ein Versprechen, das er nicht einlöste, bevor ich es sagte. Meine Klitoris pochte unberührt. Ich ließ eine Hand dort hinunter und rieb sie, während er wartete, und das Warten wurde zu einem Teil der Lust, nicht zu ihrer Unterbrechung.

„Vier. Langsam hinein. Fünf sofort danach, aber nicht härter. Sechs erst, wenn ich es sage.“

Er folgte. Vier war ein langes Gleiten. Fünf ein zweiter Hub, dicht daran, noch immer ohne die Wucht, die er früher für Leidenschaft gehalten hatte. Dann hielt er, zitternd, halb in mir, und wartete auf sechs. Ich rieb mich schneller. Das Geräusch meiner Finger war leise und nass. „Sechs“, sagte ich, und als er kam, tief, traf es genau auf den Druck meiner eigenen Hand. Ich stöhnte in die Matratze.

Wir machten so weiter, nicht bis zu einer hohen Zahl, sondern bis die Zahlen selbst zu einem Körper wurden. Sieben blieb lange in mir. Acht war kurz. Neun ließ ich aus, nur um zu sehen, ob er trotzdem stieß. Er stieß nicht. Er atmete meinen Namen und wartete, und diese Lücke war erregender als ein ungebetener Stoß es je gewesen war. „Neun“, sagte ich schließlich, und er füllte sie aus, gehorsam, zitternd, am Rand.

„Ich bin sehr nah“, sagte er. „Wenn du zehn sagst und mich nicht anhalten lässt, komme ich. Ich sage es jetzt, damit du entscheiden kannst.“

Ich hielt inne. Mein eigener Körper war wieder nah, nicht ganz so nah wie seiner, aber nah genug, dass ich die Entscheidung nicht aus Kalkül traf, sondern aus Wunsch. Ich wollte ihn so. Ich wollte den Moment, in dem er kam, weil ich die Zahl gesagt hatte, nicht weil sein Rhythmus ihn dorthin getragen hatte. Und ich wollte selbst noch einmal kommen, nicht als Nachgedanke.

„Du kommst nicht bei zehn“, sagte ich. „Du kommst, wenn ich es dir danach erlaube. Zehn ist für mich. Du hältst ihn zurück. Kannst du das?“

„Ich versuche es“, sagte er ehrlich. „Wenn ich es nicht schaffe, sage ich Stopp für mich selbst, bevor ich es breche. Nicht um aufzuhören ganz. Um mich zurückzuziehen, eine Sekunde, und zu warten.“

„Das ist erlaubt“, sagte ich. „Das ist sogar richtig. Zehn.“

Er stieß, tief, und blieb, und ich spürte, wie knapp es für ihn war, an dem harten Puls, an dem Laut, den er in die Zähne biss. Ich rieb meine Klitoris in dem Rhythmus, den sein Stillhalten mir ließ, und schob mich selbst auf ihm vor und zurück, kleine Bewegungen, die nicht seine Stöße waren. „Nicht kommen“, sagte ich, atemlos. „Halt. Halt noch.“

„Ich halte“, presste er hervor.

Der zweite Orgasmus war kürzer und schärfer als der erste. Er kam aus der Reibung meiner Finger und aus der reglosen Fülle in mir, und er machte meine Knie weich. Ich sagte nichts Schönes. Ich sagte seinen Namen, einmal, und dann: „Jetzt. Du darfst. Einmal, tief, und du kommst. Nicht mehr als das.“

Er zog sich kaum zurück und stieß einmal, genau einmal, und kam. Ich spürte es deutlich, das Zucken, die Wärme, die plötzliche Nachgiebigkeit in seinem Griff, der trotzdem nicht zog. Er stöhnte lang, mit der Stirn zwischen meinen Schulterblättern, und sein Körper bebte gegen meinen. Ich blieb auf den Knien, trug sein Gewicht nicht ganz, aber genug, und ließ ihn ausklingen, ohne mich wegzuziehen, bis sein Atem brüchig wurde und er selbst sich zurücknahm.

„Danke“, sagte er, heiser, und es klang nicht wie eine Floskel. Es klang wie jemand, der eine Grenze gehalten hatte und dafür dankbar war, dass sie gehalten werden durfte.

Ich ließ mich auf die Seite sinken. Er sank hinter mich, nicht in mich, die Brust an meinem Rücken, eine Hand auf meinem Bauch, fragend. Ich legte meine darüber. „Das darfst du“, sagte ich. „Bleib so. Nicht schon aufstehen. Früher bist du immer zuerst aufgestanden. Heute bleibst du, bis ich gehe.“

„Ich bleibe“, sagte er.

Wir lagen eine Weile ohne zu sprechen. Das Zimmer war warm. Meine Haut kühlte langsam. Zwischen meinen Beinen war ich feucht von uns beiden, empfindlich, nicht unangenehm. Sein Samen lief ein wenig an meinem Schenkel herab, warm, dann kühler, und ich wischte ihn nicht sofort weg. Es gehörte noch zu der Stunde. Draußen im Flur rollte ein Koffer vorbei. Jemand lachte, fern, ohne uns zu meinen. Die Welt war nicht stehen geblieben. Das hatte sie nie getan, auch nicht in den Monaten, in denen wir so getan hatten, als gehöre uns ein Nachmittag ganz.

Ich drehte mich zu ihm um. Sein Gesicht war nah, die Augen müde und klar. Ich strich ihm das Haar aus der Stirn. „Es ist vorbei“, sagte ich. Nicht hart. Nicht als nachgeschobene Moral. Als der Satz, den wir am Sonntag schon geschrieben hatten und den der Körper jetzt nicht mehr aufschieben durfte.

Er nickte. „Ja. Ich werde dir nicht mehr schreiben. Nicht in einer Woche, nicht wenn es mir schlecht geht, nicht wenn ich das Zimmer schon gebucht habe und es schade finde. Wenn ich schwach werde, ist das mein Problem, nicht deins. Du musst nicht diejenige sein, die noch einmal Nein sagt.“

„Ich werde auch nicht schreiben“, sagte ich. „Nicht um zu prüfen, ob du es ernst meinst. Nicht um eine freundliche Version zu retten. Es gibt keine freundliche Version von dem, was wir unseren Leuten antun. Es gibt nur ein Ende, oder es gibt die Fortsetzung. Ich will die Fortsetzung nicht.“

Er schwieg einen Moment. Seine Hand lag noch auf meiner Taille. „War der Tausch dafür da? Damit das Ende sich anders anfühlt?“

„Nein“, sagte ich. „Der Tausch war dafür da, dass die letzte Stunde nicht noch einmal deine ist. Ich wollte wissen, ob ich bei dir auch die sein kann, die sagt, wie es geht. Nicht nur die, die kommt, wenn du rufst. Das weiß ich jetzt. Es ändert nichts an Jonas. Es ändert nichts an deiner Frau. Es ändert etwas an mir, und das reicht als Grund.“

Er lächelte nicht. Das war richtig. „Du warst klar“, sagte er. „Klarer als ich in all den Monaten. Ich habe das genossen. Nicht nur den Körper. Das Gehorchen. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so trifft.“

„Es hat mich auch getroffen“, sagte ich. „Deshalb ist es gut, dass wir aufhören. Wenn wir daraus eine neue Gewohnheit machen, sind wir nur auf eine andere Art nicht fertig.“

Ich stand auf, bevor die Wärme des Bettes mich umstimmen konnte. Im Bad wusch ich mich, nicht hastig, nicht rituell, einfach sauber genug für den Weg nach Hause. Im Spiegel war mein Gesicht weich um den Mund und fest um die Augen. Ich zog das Kleid wieder an, Knopf für Knopf, diesmal ohne Zuschauer, und als ich zurück ins Zimmer kam, saß er auf der Bettkante, angezogen bis auf die Schuhe, die Hände zwischen den Knien. Er sah aus wie ein Mann, der auf einen Zug wartet, nicht wie einer, der mich zurückrufen will. Dafür war ich ihm dankbar, und die Dankbarkeit tat weh, weil sie noch eine Bindung war.

„Ich zahle“, sagte ich.

Er hob den Blick. „Das habe ich immer gemacht.“

„Eben“, sagte ich. „Heute nicht. Es steht auf meinem Namen, für eine Stunde, und dann ist der Name wieder nur meiner.“

Er widersprach nicht. Ich nahm die Karte aus der Tasche, ging hinunter, zahlte an der Rezeption ohne Erklärung und kam nicht wieder hinauf. Das hatten wir nicht extra vereinbart, aber es folgte aus dem Rest. Er würde das Zimmer verlassen, wenn er so weit war. Ich würde nicht an der Tür stehen und den Abschied in die Länge ziehen, bis einer von uns die Absprache weichklopfte. Im Aufzug sah ich mich noch einmal in der spiegelnden Wand. Dieselbe Frau wie auf dem Weg nach oben. Nicht unverändert. Nur nicht mehr unterwegs zu ihm.

In der Tiefgarage roch es nach Beton und nach kaltem Metall. Ich setzte mich ins Auto und legte die Hände auf das Lenkrad, ohne den Motor zu starten. Zwischen meinen Beinen war noch ein Echo, ein dumpfes, angenehmes Pochen, und auf meiner Zunge lag noch der Geschmack des Kusses. Ich ließ beides da sein, ohne es zu einer Geschichte zu machen, die ich morgen weitererzählen könnte. Es gab niemanden, dem ich sie erzählen durfte. Das gehörte zur Untreue dazu, und ich hatte es lange genug mitgemacht, um es nicht mehr romantisch zu finden.

Ich fuhr nach Hause durch den beginnenden Feierabend. An der Ampel vor der Brücke stand wieder ein Lieferwagen, oder einer, der ihm glich. Die Einkaufsliste wartete am Kühlschrank. Jonas würde um sechs kommen, nach Brot und nach dem Geruch der Kanzlei, und ich würde ihm die Wahrheit über diesen Nachmittag nicht sagen. Das war die Grenze, die ich nicht überschritt, und die andere Grenze, die ich schon zu oft überschritten hatte. Beides nebeneinander zu halten, machte mich nicht gut. Es machte mich nur genau.

Zu Hause stellte ich die Tasche ab, wusch die Hände und öffnete den Kühlschrank. Milch. Eier. Nichts, was nach einem Hotelzimmer roch. Ich begann mit der Liste, Punkt für Punkt, und während das Wasser für die Kartoffeln heiß wurde, dachte ich nicht an seinen Gehorsam und nicht an meine Stimme, die Zahlen gesagt hatte. Ich dachte daran, dass ich nicht schreiben würde. Dass er nicht schreiben würde. Dass die Absprache gehalten hatte, im Bett und danach, und dass ein gehaltenes Ende immer noch ein Ende war.

Als Jonas die Tür aufschloss, war das Essen auf dem Herd. Er küsste mich auf die Schläfe, müde, vertraut, ohne zu prüfen, wo ich gewesen war. Ich hielt ihn eine Sekunde länger als sonst, nicht aus Schuldgeständnis, sondern weil ich bleiben wollte, in diesem Leben, in dieser Küche, bei diesem Mann, den ich betrogen hatte und den ich nicht verlassen wollte. Er merkte die Sekunde und lächelte, ein wenig überrascht, und fragte, ob der Tag lang gewesen sei.

„Lang genug“, sagte ich. „Er ist vorbei.“

Das stimmte auf mehr als eine Weise. Ich sagte es nicht genauer. Draußen wurde es dunkel, gewöhnlich und pünktlich. In meiner Tasche lag das Telefon mit einer Nachricht, die ich nicht öffnen würde, weil keine kommen sollte, und als später doch keine kam, stand ich am Fenster, die Hände um eine Tasse, und ließ das Ausbleiben ein Ende sein, nicht eine Pause.

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