Die zwei Künstler der Vernissage
Dreier · 16 Minuten lesen · 21 Minuten hören
Gelesen von Ivanna
Teil 2 der Serie Zu dritt (2)
An dem Abend der Vernissage standen die zwei Künstler noch im letzten Licht des Saals, und die Spannung der vergangenen Tage lag zwischen uns wie eine Farbe, die niemand angerührt hatte. Ich war einunddreißig, Elias sechsunddreißig, Jonne vierunddreißig, und wir hatten fünf Tage lang Wände, Nägel und Schweigen geteilt. Die Gäste waren gegangen. Auf dem Boden lagen leere Gläser, und irgendwo tickte die Klimaanlage gegen die Wärme der Scheinwerfer.
Ich erinnere mich an den ersten Morgen, als sie kamen. Elias trug einen dunklen Mantel und roch nach Terpentin und kaltem Wetter. Jonne hatte Farbe unter den Nägeln und ein Lachen, das er zu schnell wieder einsteckte. Sie sollten sich den Saal teilen: große Leinwände auf der einen Seite, Zeichnungen auf Papier auf der anderen. Ich führte sie durch die Räume, nannte Maße, sprach von Licht und Abstand, und beide hörten mir zu, als wäre meine Stimme eine Linie, an der sie sich festhalten konnten.
Schon am zweiten Tag wurde die Nähe körperlich, ohne dass jemand sie aussprach. Elias stand auf der Leiter, und ich reichte ihm die Wasserwaage. Seine Finger streiften meine, länger als nötig, und er sah mich nicht an, als er danke sagte. Jonne kniete am Boden und maß den Abstand zwischen zwei Rahmen. Als ich mich neben ihn hockte, spürte ich die Wärme seiner Schulter durch den Stoff. Wir sprachen über Hängung und Schatten. Unter den Sätzen lag etwas anderes, ruhig und deutlich.
Am dritten Abend blieben wir länger als geplant. Der Hausmeister hatte den Schlüssel bei mir gelassen, und draußen regnete es gegen die Scheiben. Elias kochte Kaffee in der kleinen Küche hinter dem Büro. Jonne saß auf der Kante des Tisches und erzählte von einer Zeichnung, die er zweimal begonnen und zweimal verworfen hatte. Ich hörte zu und sah, wie Elias den Löffel ablegte, ohne zu trinken. Sein Blick ging von Jonnes Mund zu meinen Händen und wieder zurück, als suchte er eine Erlaubnis, die noch niemand gegeben hatte.
Wir sprachen in jenen Tagen viel über Arbeit und wenig über uns. Trotzdem wusste ich, wann einer von ihnen den Raum betrat, noch bevor ich ihn sah. Elias bewegte sich langsam, als prüfte er den Boden. Jonne war schneller, aber er blieb stehen, sobald er mich ansah. Einmal, beim Auspacken einer Kiste, hielt er ein Blatt hoch, und das Licht fiel so auf sein Gesicht, dass ich den Impuls hatte, die Linie seines Kiefers mit dem Finger nachzuziehen. Ich tat es nicht. Ich legte das Seidenpapier glatt und sagte, die Zeichnung brauche mehr Abstand zur Tür.
Elias bemerkte solche Momente. Er sagte nichts dazu, aber am vierten Tag, als Jonne kurz hinausging, um eine Rolle Papier zu holen, blieb er neben mir an der Wand stehen. Die Leinwand vor uns war noch leer an der Stelle, wo später ein dunkles Rot sitzen sollte. Er sagte leise, er male manchmal erst, wenn er wisse, wer zusehe. Ich fragte, ob er mich meine. Er nickte einmal. Dann kam Jonne zurück, und das Gespräch brach ab, als hätte jemand eine Tür nur angelehnt gelassen.
Die Nacht vor der Vernissage war die schwerste. Wir hängten die letzten Arbeiten, kontrollierten die Beleuchtung, schoben Sockel um wenige Zentimeter. Gegen elf saßen wir auf dem Boden zwischen den Wänden, die Schuhe ausgezogen, weil der frisch gewischte Stein kalt und sauber war. Jonne reichte mir ein Glas Wasser. Elias lehnte den Kopf an die Wand und schloss die Augen. Ich sah die beiden an und spürte, wie sich in mir etwas sammelte, das weder nur Zuneigung noch nur Neugier war. Es war Verlangen, klar und erwachsen, und es galt ihnen beiden.
Jonne sprach es zuerst beinahe aus. Er sagte, die Tage hier fühlten sich an, als hielte jemand die Luft an. Elias öffnete die Augen und sah mich an, nicht ihn. Ich hätte lachen können oder das Thema zur Arbeit zurückbiegen. Stattdessen sagte ich, dass ich es auch spürte und dass wir morgen einen Saal voller Menschen haben würden. Elias antwortete, die Menschen gingen irgendwann. Jonne legte seine Hand flach auf den Stein zwischen uns, nicht auf mich, und diese Geste war vorsichtiger als jede Berührung.
Ich schlief in jener Nacht schlecht. Im Halbtraum mischten sich Leitern, rote Farbe und die Stimmen der beiden. Am Morgen zog ich ein Kleid an, das am Rücken offen war, und band die Haare hoch, weil ich wusste, dass Elias diesen Nacken schon zweimal angesehen hatte, ohne ein Wort zu verlieren. Jonne würde die kleinen Silberringe an meinen Ohren bemerken. Ich kannte ihre Blicke inzwischen so gut wie die Hängung.
Die Vernissage begann um sechs. Menschen füllten den Saal, Gläser klirrten, jemand hielt eine kurze Rede über Begegnung und Fläche. Ich stand zwischen den zwei Künstlern, während sie dankten, und spürte Elias links und Jonne rechts, ohne dass wir uns berührten. Die Wärme ihrer Körper reichte trotzdem. Ein Gast fragte mich nach den Maßen einer Zeichnung. Ich antwortete korrekt und hörte dabei Jonnes leises Atmen neben meinem Ohr, als er sich vorbeugte, um eine Signatur zu zeigen.
Elias sprach mit einer Sammlerin über das Rot in seiner großen Leinwand. Seine Hand beschrieb in der Luft eine Kurve, und ich dachte daran, wie dieselbe Hand am Vortag einen Nagel gehalten hatte, ruhig und sicher. Als die Sammlerin weiterging, fand sein Blick meinen. Es war kein Blick für einen öffentlichen Raum. Ich hielt ihn aus, bis jemand zwischen uns hindurchging und das Band für einen Moment zerriss.
Jonne war anders in der Menge. Er lachte leichter, erklärte geduldiger, und doch suchte er mich alle zwanzig Minuten, als müsste er sich vergewissern, dass ich noch da war. Einmal stand er hinter mir, während ich einem Journalisten die Raumfolge erklärte. Seine Finger streiften meinen Unterarm, kaum ein Kontakt, und er murmelte, er hole noch Wein. Die Stelle an meiner Haut blieb warm, lange nachdem er gegangen war.
Gegen neun lichtete sich der Saal. Die letzten Gäste holten Mäntel, die Galeristin, die nur für die Rede gekommen war, verabschiedete sich und ließ mir den Schlüssel. Sie sagte, wir sollten das Licht irgendwann löschen und die Tür zweimal prüfen. Elias nickte. Jonne stapelte Gläser auf ein Tablett. Ich begleitete die letzten Leute zur Tür, schloss ab und drehte mich um.
Der Saal war still. Die Scheinwerfer lagen noch auf den Arbeiten, warm und genau. Elias stand vor seiner großen Leinwand, die Hände in den Taschen. Jonne kam aus der Küche zurück und blieb in der Tür stehen. Niemand sprach sofort. Ich ging zu ihnen, nicht in die Mitte der Menge, sondern in den freien Raum zwischen den beiden Wänden, und sagte, dass die Gäste weg seien.
Elias fragte, ob ich bleiben wolle. Seine Stimme war tiefer als am Tag. Jonne fügte hinzu, dass nichts geschehen müsse, was ich nicht wolle, und dass wir auch einfach das Licht ausmachen und nach Hause gehen könnten. Ich sah sie beide an. Die Spannung der Tage war nicht mehr ein Verdacht. Sie war eine Frage, und ich wollte sie beantworten.
Ich sagte, dass ich bleiben wolle und dass ich sie beide wolle, in dieser Nacht, klar und ohne Spiel. Ich sagte auch, dass wir aufhören würden, sobald einer von uns es sagte, und dass niemand etwas tun müsse, um den anderen zu beeindrucken. Elias atmete aus, als hätte er lange die Schultern hochgezogen. Jonne nickte und fragte, ob er mich küssen dürfe. Ich sagte ja.
Sein Mund war warm und zuerst vorsichtig. Ich schmeckte Wein und die Minze, die er nach dem Gespräch mit dem Journalisten genommen hatte. Meine Hand lag an seinem Nacken. Hinter mir hörte ich Elias einen Schritt näher kommen. Ich löste mich von Jonne, drehte mich und sah Elias an. Er wartete. Ich sagte seinen Namen und dass er auch kommen solle. Dann küsste ich ihn, länger, und Jonnes Hand blieb an meiner Taille, leicht, als fragte sie noch einmal. Ich legte meine Hand auf seine und drückte sie fest.
Wir gingen nicht in den Saal zurück, um uns auf den Stein zu legen. Ich führte sie in das kleine Hinterzimmer, wo eine alte Couch stand, eine Decke über der Lehne, und wo das Licht der Schreibtischlampe weicher war als die Scheinwerfer. Die Tür ließen wir einen Spalt offen, sodass das Rot der großen Leinwand noch zu sehen war. Elias schloss die Tür zum Flur. Jonne fragte, ob das Licht bleiben solle. Ich sagte ja, ich wolle sie sehen.
Elias stellte sich vor mich und öffnete den Reißverschluss meines Kleides langsam, Zentimeter für Zentimeter. Der Stoff fiel von den Schultern. Jonne küsste die Stelle zwischen meinen Schulterblättern, und ich spürte seinen Atem, bevor ich seine Lippen spürte. Ich sagte, dass es gut sei, dass sie nicht hetzen sollten, und beide hörten. Elias strich mit dem Daumen über mein Schlüsselbein. Jonne löste den Verschluss meines BHs und wartete, bis ich die Arme senkte, damit er ihn weglegen konnte.
Ich stand zwischen ihnen, die Haut kühl von der Luft und warm von ihren Händen. Elias betrachtete mich, ohne zu sprechen, und diese Aufmerksamkeit war so dicht wie eine Berührung. Jonne kniete sich, nicht theatralisch, sondern weil er meine Strumpfhose und den Slip ausziehen wollte und mich vorher ansah. Ich nickte. Seine Finger waren sicher. Als der Stoff an meinen Knöcheln lag, küsste er die Innenseite meines Oberschenkels, einmal, und fragte, ob er weitermachen solle. Meine Stimme war heiser, als ich ja sagte.
Elias küsste mich wieder, während Jonnes Mund höher wanderte. Ich hielt mich an Elias' Schulter fest. Die Mischung aus seinem Kuss und Jonnes Zunge an meiner Scham war so unmittelbar, dass ich einen Laut nicht zurückhielt. Jonne leckte langsam, lernte mich, wechselte Druck und Tempo, und jedes Mal, wenn ich die Hüfte bewegte, folgte er. Elias sprach leise an meinem Ohr, fragte, ob es gut sei. Ich sagte, es sei mehr als gut, und zog ihn näher, damit er nicht nur zusehe.
Ich wollte sie nicht nur empfangen. Ich öffnete Elias' Hemd, Knopf für Knopf, und legte die Hand flach auf seine Brust. Sein Herz schlug schnell. Jonne stand auf, als ich ihn am Haar berührte, und ich küsste ihn, schmeckte mich auf seinen Lippen und sagte, dass ich ihn ausziehen wolle. Er half, das Hemd über den Kopf zu ziehen. Elias ließ die Hose fallen, nachdem ich den Gürtel gelöst hatte. Sie waren beide erregt, deutlich, und keiner verbarg es. Ich sah sie an und spürte, wie das Verlangen in mir schwerer wurde, nicht nervös, sondern entschieden.
Wir setzten uns auf die Couch, ich zwischen ihnen. Elias' Hand lag auf meinem Oberschenkel, Jonnes an meinem Rücken. Ich nahm Elias in die Hand, dann Jonne, und spürte den Unterschied: Elias dicker, Jonne etwas länger, beide warm und hart. Ich sagte, dass ich sie schmecken wolle. Elias lehnte sich zurück und strich mir das Haar aus dem Gesicht, während ich ihn in den Mund nahm. Jonne küsste meinen Nacken und ließ zwei Finger zwischen meine Beine gleiten, langsam, bis ich feucht genug war, dass sie leicht eindrangen.
Ich wechselte, nahm Jonne in den Mund und hielt Elias mit der Hand. Jonne fluchte leise, nicht grob, eher überrascht, und legte die Hand nicht auf meinen Kopf, bis ich sie selbst dorthin führte und den Druck vorgab. Elias beobachtete uns, die Augen dunkel, und sagte, er habe die ganze Woche an meinen Mund gedacht, wenn ich über Abstände gesprochen hätte. Ich lachte kurz um Jonne herum, und das Lachen wurde zu einem Stöhnen, als Elias sich vorbeugte und meine Brust küsste, die Zunge an der Brustwarze, die Zähne nur als Andeutung.
Ich wollte sie in mir. Ich sagte es deutlich, setzte mich auf und sah beide an. Elias fragte, ob ich Kondome dabei hätte. Ich hatte welche in der Tasche, aus einer Vorsicht, die ich mir in den letzten Tagen nicht hatte eingestehen wollen. Jonne holte sie. Wir sprachen kurz, wer zuerst, und ich sagte, ich wolle Elias in mir und Jonne an meinem Mund, und danach wechseln, wenn es sich richtig anfühle. Beide stimmten zu. Niemand drängte.
Elias setzte sich und zog mich auf seinen Schoß, das Gesicht zu ihm. Ich führte ihn an meinen Eingang und senkte mich langsam. Die Dehnung war voll und gut, ein Druck, der mich für einen Moment die Augen schließen ließ. Er hielt meine Hüften, nicht um das Tempo zu bestimmen, sondern um mich zu stützen. Ich bewegte mich, erst klein, dann tiefer, bis er ganz in mir war. Jonne kniete neben uns auf der Couch, und ich drehte den Kopf und nahm ihn wieder in den Mund, so gut es die Haltung erlaubte.
Die drei Körper fanden einen Rhythmus, der nicht perfekt war und gerade deshalb echt. Elias stieß von unten, flach und kontrolliert. Jonnes Hand lag an meiner Wange. Ich hörte meinen eigenen Atem, das leise Geräusch der Couch, Elias' unterdrücktes Stöhnen. Wenn es zu viel wurde, hob ich den Kopf, sagte langsamer, und beide folgten sofort. Dieses Folgen machte mich noch erregter als die Reibung selbst.
Ich kam das erste Mal so, auf Elias, mit Jonnes Fingern an meiner Klitoris, weil er die Hand zwischen uns geschoben hatte und kleine Kreise zog, genau dort, wo ich sie haben wollte. Die Welle lief durch Bauch und Schenkel. Ich presste die Stirn an Elias' Schulter und sagte ihren Namen, erst den einen, dann den anderen. Elias hielt still, bis das Zittern nachließ, und küsste mein Haar. Jonne fragte, ob ich Wasser wolle oder weitermachen. Ich trank einen Schluck aus dem Glas auf dem Tisch und sagte, ich wolle weitermachen, aber die Stellung wechseln.
Wir legten die Decke auf den Teppich, weil die Couch zu schmal wurde. Ich kniete mich, die Hände auf dem Stoff, und sagte Jonne, er solle jetzt von hinten kommen, langsam. Er tat es, die Hände an meinen Hüften, und das Gefühl war anders als bei Elias, tiefer im Winkel, ein Ziehen, das mich die Finger in die Decke krallen ließ. Elias kniete vor mir. Ich küsste ihn, dann nahm ich ihn in den Mund, und die beiden Bewegungen trafen sich in mir. Jonne fragte leise, ob der Druck gut sei. Ich nickte und stöhnte um Elias herum, und Elias strich mir über die Wange, als wollte er sicher sein, dass das Nicken ehrlich war.
Es war ehrlich. Ich wollte beide, nicht als Idee, sondern als Gewicht, Wärme und Atem. Jonne beugte sich über meinen Rücken und küsste die Wirbelsäule. Elias sprach meinen Namen. Ich spürte, wie nah Jonne war, an der Art, wie seine Stöße kürzer wurden. Ich löste mich von Elias und sagte Jonne, er solle nicht in mir kommen, sondern auf meinem Rücken, wenn er so weit sei, und dass er vorher sagen solle. Er sagte es, zog sich zurück, und die Wärme landete zwischen meinen Schulterblättern, begleitet von einem langen, offenen Laut. Elias reichte ihm ein Tuch vom Stuhl, ohne Eile, und Jonne wischte mich ab, küsste danach meine Schulter und dankte mir, als wäre das selbstverständlich.
Ich drehte mich auf den Rücken und zog Elias zu mir. Meine Beine lagen um seine Hüften. Er fragte noch einmal, ob ich ihn so wolle. Ich sagte ja, tiefer, und er kam in mich, diesmal von vorn, das Gesicht nah an meinem. Jonne lag neben uns, eine Hand auf meinem Bauch, die andere in meinem Haar, und küsste meine Schläfe, während Elias sich bewegte. Ich sah zwischen ihnen hin und her. Es gab keinen Wettbewerb in ihren Gesichtern, nur Aufmerksamkeit und Erregung.
Elias' Tempo wurde drängender. Ich sagte ihm, er solle kommen, ich wolle es sehen und spüren, aber außerhalb, auf meinem Bauch. Er nickte, die Stirn an meiner, und zog sich im letzten Moment zurück. Sein Samen war warm auf meiner Haut, sein Stöhnen kurz und heiser. Jonne strich mit den Fingern durch die Feuchtigkeit auf meinem Bauch, nicht besitzergreifend, eher staunend, und fragte, ob ich noch einmal wolle. Ich war empfindlich und trotzdem nicht fertig. Ich sagte, mit dem Mund und den Fingern, nicht mehr innen, und beide verstanden.
Jonne legte sich zwischen meine Beine und leckte mich wieder, diesmal geduldiger, weil er wusste, wo ich schnell zu viel wurde. Elias küsste meine Brüste, meine Kehle, meinen Mund. Ich hielt Jonnes Kopf und führte ihn, sagte höher, sagte dort bleiben, und er blieb. Der zweite Orgasmus kam langsamer, baute sich in Wellen auf und brach dann so stark, dass ich die Augen zukniff und Elias' Hand fest umklammerte. Jonne hörte nicht sofort auf, sondern wurde weicher, bis ich ihn an der Schulter berührte und sagte, dass es genug sei.
Wir lagen danach eine Weile auf der Decke, verschlungen, ohne zu sprechen. Mein Herz beruhigte sich. Elias holte Wasser und ein feuchtes Tuch und reichte beides, ohne eine Bemerkung, die den Moment kleiner gemacht hätte. Jonne deckte meine Füße zu, weil der Stein unter dem Teppich kalt wurde. Ich sah zur Tür, durch den Spalt, und das Rot der Leinwand war noch da, unverändert und doch anders, weil wir es jetzt mit dieser Nacht teilten.
Elias fragte, ob es mir gut gehe, nicht als Floskel, sondern als echte Frage. Ich sagte ja. Ich sagte auch, dass die Tage davor schwer gewesen seien und dass die Nacht sie nicht billig mache. Jonne nickte an meiner Schulter. Er sagte, er habe Angst gehabt, die Arbeit und das Verlangen zu vermischen und eines von beiden zu verderben. Ich antwortete, dass beides noch da sei: die Bilder an den Wänden und wir hier. Nichts sei ersetzt worden.
Wir zogen uns langsam an. Elias fand meinen zweiten Ohrring unter der Couch und legte ihn in meine Hand. Jonne knöpfte mein Kleid nicht zu, sondern hielt den Stoff, während ich es selbst tat, weil ich das so wollte. Im Saal löschten wir die Scheinwerfer einzeln. Die Arbeiten verschwanden nicht im Dunkeln, sie wurden nur ruhiger. An der Tür blieb ich zwischen den zwei Künstlern stehen, der Schlüssel in der Hand, und keiner von uns tat so, als wäre nichts gewesen.
Draußen war die Straße leer und die Luft kühl. Elias fragte, ob wir uns morgen sehen würden, nicht nur wegen der Ausstellung. Jonne sagte, er wolle nichts fordern, was diese Nacht nicht hergebe. Ich sah sie an, beide, und sagte, dass wir uns morgen sehen würden, im Saal, bei Licht, und dass wir danach in Ruhe sprechen könnten, was diese Nacht für uns bedeute. Sie stimmten zu. Es war kein Versprechen für immer und kein Wegwischen. Es war ein Schluss, der offen genug blieb, um wahr zu sein.
Ich schloss die Tür zweimal, wie es mir aufgetragen worden war. Hinter dem Glas lagen die Arbeiten der zwei Künstler im letzten Restlicht der Straßenlaterne. Meine Haut trug noch ihre Wärme. Die Spannung, die sich über Tage gesammelt hatte, war nicht verschwunden wie ein Fleck. Sie hatte eine Form bekommen, in einer Nacht, zwischen drei Menschen, die ja gesagt hatten und dabei geblieben waren.
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