Neue Sexgeschichten

Der Concierge, der uns kannte

Dreier · 19 Minuten lesen · 25 Minuten hören

Gelesen von Ekaterina

Teil 1 der Serie Zu dritt (2)

Die Lobby roch nach Zedernholz und nach dem Regen, den wir von der Straße hereingetragen hatten. Ich war vierunddreißig, Markus sechsunddreißig, und der Zug hatte uns später abgesetzt, als der Fahrplan versprochen hatte. Ich zog den Mantel enger, nicht vor Kälte, sondern weil ich den Mann hinter dem Tresen erkannt hatte, noch bevor er den Kopf hob.

Julian. Einunddreißig, das wusste ich, weil er es mir damals in einer stillen Stunde gesagt hatte, als die Nacht noch harmlos schien. Drei Jahre lagen dazwischen. Sein Haar war kürzer, der Anzug dunkler, die Hände dieselben: schmal, ruhig, mit der feinen Narbe am linken Daumen, die ich nicht vergessen hatte.

Er hob den Blick, und für einen Atemzug stand die ganze Lobby still. Dann lächelte er, vorsichtig, als wollte er mir die Wahl lassen, ob dieses Wiedersehen wirklich stattfand. Ich nickte. Markus stellte die Tasche ab und sah von ihm zu mir, nicht misstrauisch, eher aufmerksam, so wie er immer wurde, wenn er etwas spürte, bevor es ausgesprochen war.

Julian sprach unseren Namen aus, als stünde er schon auf der Reservierung, und vielleicht tat er das auch. Seine Stimme war tiefer geworden, ruhiger, und doch lag darin derselbe warme Unterton, der mich damals im Aufzug länger hatte stehen lassen, als nötig gewesen wäre. Er schob uns die Karten über den Stein des Tresens. Seine Finger berührten meine nicht. Gerade das machte die Stelle zwischen uns heiß.

Wir sprachen über das Zimmer, über das Frühstück, über den Regen. Nichts davon war wichtig. Wichtig war, dass er mich ansah, als läge die alte Nacht noch zwischen uns auf dem Tresen, unausgesprochen und nicht verjährt. Markus legte eine Hand an meinen Rücken. Die Berührung war fest und freundlich, ein Versprechen, kein Anspruch. Ich atmete aus und merkte, dass ich die Luft angehalten hatte, seit Julian den Kopf gehoben hatte.

Im Aufzug sagte Markus nichts. Er betrachtete unser Spiegelbild in der Messingfläche, mich mit nassem Haar, ihn mit der Tasche über der Schulter, und dann fragte er leise, ob das der Mann sei, von dem ich ihm einmal erzählt hatte. Ich sagte ja. Mehr brauchte es nicht. Markus nickte, als hätte er eine Rechnung geprüft und für stimmig befunden, und küsste mich auf die Schläfe, während die Stockwerke an uns vorbeiglitten.

Das Zimmer lag hoch, mit einem Fenster auf den nassen Hof und einem Bett, das breiter war, als zwei Menschen es brauchten. Ich stellte die Schuhe ab und blieb am Fenster stehen. Unten glänzten die Pflastersteine. Irgendwo in diesem Haus ging Julian seiner Arbeit nach, sprach mit Gästen, reichte Schlüssel, und doch war er schon hier oben, in der Art, wie mein Puls nicht zur Ruhe kam.

Markus trat hinter mich und legte die Arme um meine Taille. Er fragte nicht sofort. Er wartete, bis ich den Kopf an seine Schulter legte, und dann sagte er, er habe es in meinem Gesicht gesehen, dieses alte Ziehen, und er wolle wissen, was ich davon hielt, nicht was ich für anständig hielt. Ich erzählte ihm die kurze Fassung, die er schon kannte, und die längere, die ich mir selbst selten zugestand.

Damals war ich allein hier gewesen, für drei Nächte, wegen einer Arbeit, die früher endete als geplant. Julian hatte Spätdienst. Wir hatten in der fast leeren Bar gesprochen, bis die Lichter gedimmt wurden. Er hatte mich nicht bedrängt. Er hatte zugehört, gelacht, einmal meine Hand genommen und wieder losgelassen, als hätte er sich an eine Grenze erinnert, die ich selbst noch nicht gezogen hatte. Im Aufzug, auf dem Weg zu meinem Zimmer, hatte er mich geküsst. Ein Kuss, lang und klar, und dann hatte er einen Schritt zurückgetan und gesagt, er wolle nichts, was ich am Morgen bereuen würde. Ich war in mein Zimmer gegangen. Ich hatte die Tür nicht abgeschlossen vor ihm, sondern vor mir.

Markus hörte zu, ohne mich zu unterbrechen. Seine Hände lagen warm auf meinem Bauch. Als ich fertig war, sagte er, das klinge nicht nach einer Geschichte, die abgeschlossen sei. Es klinge nach einer, die auf eine ehrliche Frage warte. Ich drehte mich zu ihm um. In seinem Blick lag keine Eifersucht, die mich klein machen wollte, sondern eine Neugier, die mich ernst nahm. Er sagte, wenn ich Julian wiedersehen wolle, und wenn Julian das auch wolle, dann wolle er dabei sein, nicht als Wächter, sondern als der Mann, mit dem ich lebte. Drei Erwachsene, ein klares Ja, und sonst nichts.

Mir wurde heiß im Gesicht, und zugleich wurde mir leicht. Ich hatte nicht gewusst, wie sehr ich genau diese Sätze gebraucht hatte. Ich küsste Markus, langsam, dankbar, und spürte, wie die Spannung in meinem Körper die Richtung wechselte. Sie lief nicht mehr nur nach unten in die Lobby. Sie lief zwischen uns, in das Zimmer, in die Möglichkeit, die wir gerade beim Namen genannt hatten.

Wir aßen im Hotel, an einem kleinen Tisch nahe der Bar. Julian kam einmal vorbei, nicht als Kellner, sondern weil ein Gast nach dem Weg fragte und er zufällig in der Nähe war. Er blieb einen Augenblick länger stehen, als die Auskunft brauchte. Markus hob das Glas ein wenig, eine stille Einladung, kein Befehl. Julian sah mich an. Ich sagte, sein Dienst ende doch um zehn, wenn ich mich recht erinnerte. Er lächelte, knapp und echt, und sagte, heute ende er um zehn, und er habe danach keine Pflicht mehr gegenüber dem Haus, nur gegenüber sich selbst.

Um kurz nach zehn klopfte es. Ich öffnete. Julian stand im Flur, ohne Jackett, die Krawatte gelöst, ein Tablett mit einer Flasche und drei Gläsern in den Händen. Er fragte, ob er störe. Ich sagte nein und trat zur Seite. Markus erhob sich vom Sessel und reichte ihm die Hand, nicht förmlich, sondern wie jemand, der einen Gast willkommen heißt, den er schon halb kennt. Julian stellte das Tablett ab. Für einen Moment waren wir drei nur Menschen in einem stillen Zimmer, und der Regen tickte gegen die Scheibe.

Wir tranken wenig. Der Wein war trocken und kühl, und er gab den Händen etwas zu tun, während die Worte den eigentlichen Weg suchten. Julian setzte sich auf die Kante des Sessels, nicht zu nah, und sagte, er habe mich erkannt, sobald ich durch die Tür gekommen sei, und er habe den ganzen Abend überlegt, ob er so tun solle, als sei nichts gewesen. Ich sagte, nichts zu tun wäre die größere Lüge gewesen. Markus nickte. Er sprach ruhig, ohne Eile, und erklärte, was wir uns unten schon gesagt hatten: dass das alte Knistern noch da sei, dass er es nicht fürchten wolle, und dass nichts geschehe, was nicht alle drei wollten.

Julian sah mich lange an. Dann fragte er mich direkt, nicht Markus. Ob ich das wolle. Ob ich ihn wolle, heute, in diesem Zimmer, zusammen mit dem Mann, den ich liebte. Ich sagte ja. Ich sagte es ohne Ausflucht, weil Ausflüchte hier nur Verwirrung gestiftet hätten. Ich wollte seine Hände wieder, den Kuss, der damals abgebrochen war, und ich wollte Markus dabei, seine Wärme, sein Wissen um mich, die Sicherheit, dass diese Nacht uns nicht auseinanderriss, sondern etwas Altes zu Ende brachte, ohne das Neue zu beschädigen.

Julian atmete aus, als hätte er eine Last abgesetzt. Er sagte, er wolle das auch, und er wolle, dass wir jederzeit aufhören könnten, ohne Erklärung, ohne gekränkte Gesichter. Markus stimmte zu. Ich stimmte zu. Wir wiederholten es nicht wie eine Formel. Wir ließen es im Raum stehen, klar genug, dass jeder es anfassen konnte. Dann stellte Julian sein Glas ab, und die Stille wurde dichter.

Er kam zu mir, langsam, und blieb einen Schritt vor mir stehen. Ich roch ihn: Seife, ein Hauch von der Lobby, darunter seine eigene Wärme. Er hob eine Hand und wartete, bis ich mein Gesicht hineinschob. Die Narbe am Daumen lag an meiner Wange. Drei Jahre fielen in diesem Kontakt zusammen, nicht als Vergangenheit, sondern als etwas, das endlich ankommen durfte. Markus stand hinter mir. Seine Brust an meinem Rücken sagte, ich bin hier, und seine Lippen an meinem Nacken sagten, ich sehe dich.

Julian küsste mich. Es war nicht der hastige Kuss aus dem Aufzug. Es war ein Kuss, der Zeit hatte, der fragte und Antwort bekam, Mund auf Mund, weich zuerst, dann tiefer, als ich die Lippen öffnete. Seine Zunge traf meine, vorsichtig und dann sicherer, und ein Laut stieg in mir auf, den ich nicht zurückhielt. Markus’ Hände glitten an meinen Seiten hinab und wieder hinauf, über den Stoff des Kleides, und die doppelte Berührung machte mich weich in den Knien.

Ich drehte den Kopf und küsste Markus, während Julians Mund an meinem Hals blieb. Markus schmeckte nach Wein und nach dem Abend, den wir geteilt hatten. Er lächelte an meinen Lippen, ein kleines, echtes Lächeln, und flüsterte, dass ich schön sei, wenn ich aufhörte, mich zu zügeln. Julian lachte leise gegen meine Haut, nicht spöttisch, sondern erleichtert, als hätte auch er auf genau diesen Ton gewartet.

Wir zogen uns nicht in Eile aus. Julian öffnete den Reißverschluss meines Kleides, und Markus schob den Stoff von meinen Schultern. Kühle Luft traf meine Haut, dann warme Hände. Ich stand zwischen ihnen in Unterwäsche, der dunkle Stoff schmiegte sich an Brust und Hüfte, und beide sahen mich an, ohne zu greifen, bis ich selbst die Träger hinabschob. Meine Brüste lagen frei. Die Nippel zogen sich zusammen, nicht nur von der Luft. Julian strich mit dem Daumen über einen, langsam, und ich bog mich ihm entgegen. Markus nahm die andere Brust in die Hand, wog sie, küsste die Rundung, und das gleichzeitige Gefühl ließ mich die Augen schließen.

Ich öffnete Julians Hemd, Knopf für Knopf, und fand die Brust, die ich damals nur erahnt hatte: fest, mit einem leichten dunklen Haaransatz, die Haut warm unter meinen Handflächen. Markus zog sich das eigene Hemd über den Kopf. Ich kannte seinen Körper, die breite Schulter, die Narbe unter dem Schlüsselbein von einem alten Sturz, und gerade diese Vertrautheit machte das Neue schärfer. Zwei Männer, beide über dreißig, beide hier, weil sie es wollten, und ich zwischen ihnen, vierunddreißig und endlich ohne den alten Abbruch im Körper.

Wir fanden zum Bett. Julian setzte sich, und ich kniete mich über seinen Schoß, das Kleid längst auf dem Stuhl, die Unterwäsche noch an den Hüften. Markus kniete hinter mir auf der Matratze und küsste meine Wirbelsäule hinab, Wirbel für Wirbel, bis ich zitterte. Julian hielt mein Gesicht und küsste mich wieder, tiefer jetzt, und seine Hände lagen an meiner Taille, als wollte er mich halten und zugleich nichts erzwingen. Ich spürte ihn unter mir, hart durch den Stoff der Hose, und rieb mich langsam daran, nicht um zu hetzen, sondern um zu fühlen, wie sein Atem stolperte.

Markus hakte meine Unterwäsche zur Seite und strich mit zwei Fingern durch die Nässe zwischen meinen Schenkeln. Er sagte leise, wie bereit ich sei, und die Worte gingen mir durch den ganzen Leib. Julian sah an mir hinab, sah Markus’ Hand, und ein raues Geräusch kam aus seiner Kehle. Er fragte, ob er mich anfassen dürfe. Ich führte seine Hand selbst dorthin, neben Markus’ Finger, und beide Männer berührten mich zugleich, einer vertraut, einer neu, beide aufmerksam. Ich stöhnte in Julians Mund und bewegte die Hüften, suchte Druck, suchte Rhythmus.

Sie zogen mir den letzten Stoff aus. Ich lag auf dem Rücken, Markus an meiner rechten Seite, Julian an meiner linken, und für einen Augenblick sahen sie mich nur an. Kein Griff, kein Drängen. Das Alleinsein mit zwei Blicken war fast mehr, als die Berührung gewesen wäre. Dann beugte sich Julian hinab und nahm einen Nippel in den Mund, saugte, ließ die Zunge kreisen, während Markus den anderen mit den Fingern rollte und meinen Mund küsste, wenn ich nach Luft schnappte. Ich griff in Julians Haar und in Markus’ Nacken und hielt beide, weil ich beide wollte und weil mein Körper das endlich sagen durfte.

Julian wanderte tiefer. Er küsste meinen Bauch, die weiche Stelle über dem Nabel, die Innenseite eines Schenkels, und hielt inne, den Mund nah an mir, den Atem heiß. Er sah auf. Ich nickte. Er senkte den Kopf und leckte mich, langsam, von unten nach oben, die Zunge breit und geduldig. Ein Schauer lief mir über die Haut. Markus beobachtete, eine Hand an meiner Brust, die andere in meinem Haar, und sein Blick war dunkel vor Lust, nicht vor Ärger. Er sagte meinen Namen, nur das, und ich kam dem Laut entgegen, während Julian mich genauer fand, die Stelle, die mich die Hüften heben ließ.

Ich wollte nicht nur empfangen. Ich setzte mich auf, zog Julian zu mir und öffnete seine Hose. Sein Schwanz lag schwer in meiner Hand, warm, die Haut glatt über der Härte, die Spitze schon feucht. Ich beugte mich hinab und nahm ihn in den Mund, erst die Spitze, dann mehr, im Takt meines eigenen Atems. Julian fluchte leise, eine höfliche Fassung von einem Wort, das er sonst an der Rezeption nie gesagt hätte, und seine Hand lag in meinem Haar, ohne zu drücken. Markus kniete neben mir. Ich wandte den Kopf, küsste ihn, schmeckte mich und den Wein, und nahm dann auch ihn in die Hand, vertraut, dicker in meiner Erinnerung an tausend Nächte, jetzt neben dem neuen Gewicht in der anderen Hand.

Eine Weile war das Zimmer nur Atem, nasse Laute, das leise Schaben von Knien auf Laken. Ich wechselte, Mund an Markus, Hand an Julian, dann umgekehrt, und beide Männer hielten sich zurück, warteten auf mich, statt mich zu führen. Das machte mich mutiger. Ich sagte, was ich wollte: Julian in mir, Markus an meinem Mund, und danach, was der Körper noch verlangte, ohne Plan, nur mit Ja. Beide stimmten zu. Julian suchte in seiner Hosentasche nach einem kleinen Päckchen, das er mitgebracht hatte, nicht als Annahme, sondern als Vorsicht, und ich war ihm dankbar dafür. Markus hatte unsere eigenen dabei, im Necessaire auf dem Nachttisch. Wir lachten kurz, ein echtes Lachen, weil Vorsicht in diesem Moment keine Störung war, sondern Teil der Sorgfalt.

Julian rollte den Schutz über sich. Ich legte mich auf die Seite, den Rücken an Markus’ Brust, ein Bein angewinkelt, und Julian kam von vorn zu mir. Er führte sich langsam ein. Die Dehnung war voll und genau, ein Ziehen, das in Wärme umschlug, als er ganz in mir war und stillhielt. Ich atmete gegen seine Schulter. Markus küsste meinen Nacken und strich über meine Hüfte, seine eigene Härte an meinem Gesäß, noch nicht in mir, nur da, eine zweite Wärme. Julian begann sich zu bewegen, lange Züge, nicht hastig, und jeder Zug traf eine Stelle in mir, die mich die Finger in sein Hemd krallen ließ, das er noch halb an den Armen trug.

Ich zog ihm das Hemd ganz aus. Haut auf Haut, sein Brustkorb an meinen Brüsten, wenn er sich vorbeugte, um mich zu küssen. Markus griff zwischen uns und fand meine Klit, rieb sie im Takt von Julians Stößen, und die doppelte Reizung zog mir die Stimme aus der Kehle. Ich sagte ihren Namen, beide, und bat nicht um schneller, sondern um genau so, noch ein wenig, noch. Julian gehorchte dem Klang, nicht einem Befehl. Er hielt den Rhythmus, tief, gleichmäßig, und sein Gesicht war offen, ohne die Höflichkeit des Tresens, nur Mann, nur Lust, nur die Frage in den Augen, ob es gut sei. Es war gut.

Wir wechselten, weil mein Körper mehr wollte und weil ich beide spüren wollte, ohne dass einer nur zusah. Ich kniete mich auf das Bett, die Hände im Laken, und Markus kam von hinten in mich, vertraut, tief, ein Stoß, der mich nach vorn trug. Julian kniete vor mir. Ich nahm ihn wieder in den Mund, und der Rhythmus der beiden Männer fand sich, nicht perfekt, aber lebendig. Markus’ Hände an meinen Hüften, Julians Geschmack auf der Zunge, das nasse Geräusch unseres Körpers, der Regen am Fenster. Ich war ganz in dieser einen Szene, nicht in der Lobby, nicht in der alten Nacht, sondern hier, vierunddreißig, gewollt, wollend.

Julian zog sich zurück, bevor es zu viel wurde, und küsste mich, obwohl ich ihn eben im Mund gehabt hatte, ohne Zögern. Das rührte mich mehr, als ich erwartet hatte. Markus verlangsamte, glitt heraus, und wir lagen einen Moment ineinander, drei Körper, schwitzend, lachend leise über nichts. Julian strich mir das Haar aus der Stirn. Markus küsste meine Schulter. Ich sagte, ich wolle sie beide noch, anders, näher. Sie warteten auf die genauere Form. Ich setzte mich auf Julian, führte ihn wieder in mich, und lehnte mich zurück gegen Markus, der hinter mir kniete und meine Brüste hielt, während ich mich auf Julian bewegte.

So ritt ich ihn, langsam zuerst, dann mit mehr Gewicht, die Knie im Laken, Julians Hände an meinen Schenkeln, Markus’ Mund an meinem Ohr. Markus fragte, ob ich ihn auch wollte, zugleich, nicht in derselben Öffnung, sondern dort, wo wir es schon kannten und mochten, mit Öl und Geduld. Ich sagte ja. Wir hielten an. Julian blieb in mir, still, die Hände beruhigend an meinen Hüften, während Markus das Öl wärmte und mich mit einem Finger, dann mit zweien öffnete, langsam, bis das Brennen in ein volles, bekanntes Ziehen überging. Ich atmete. Ich sagte, wann es genug war. Er hörte.

Als Markus in mich eindrang, von hinten, während Julian vorn in mir blieb, war das Gefühl so dicht, dass ich einen Augenblick nur die Stirn an Julians Schulter legen und atmen konnte. Beide hielten still. Julian fragte, ob es zu viel sei. Ich sagte nein. Ich sagte, sie sollten sich kaum bewegen, bis ich den Takt fand. Sie taten es. Ich hob die Hüften ein wenig, senkte sie, und beide füllten mich, jeder in seinem Raum, die Reibung zwischen ihnen durch mich hindurch spürbar. Ein Laut kam aus mir, tief und unbeholfen, und keiner lachte. Markus küsste meinen Nacken. Julian hielt mein Gesicht und sah mich an, als wäre genau dieser Ausdruck das, worauf er drei Jahre gewartet hatte.

Wir fanden einen kleinen Rhythmus. Nicht wild. Tief. Julian stieß nach oben, wenn ich mich senkte, Markus folgte, kürzer, vorsichtiger, seine Hand an meiner Klit, weil er wusste, dass ich dort die Welle brauchte, um das Volle auszuhalten und zu wollen. Die Lust stieg nicht als Blitz, sondern als Flut, von den Zehen her, durch die Schenkel, in den Bauch, in die Brust. Ich sagte, ich komme. Ich sagte es zweimal, damit sie es hörten und nicht aufhörten. Sie blieben in dem Takt. Die Welle brach. Ich zog mich um beide zusammen, zitterte, presste die Stirn an Julian, und der Orgasmus lief lang, wellenweise, bis meine Arme nachgaben und sie mich hielten, damit ich nicht fiel.

Sie bewegten sich noch ein wenig, sanft, während ich nachzitterte, und dann bat ich sie, zu sich zu kommen, wenn sie wollten, ich wolle es sehen und spüren. Julian kam zuerst, mit einem gepressten Laut, die Hände fest an meinen Hüften, der Körper unter mir gespannt und dann weich. Markus zog sich zurück, nahm den Schutz ab, und ich drehte mich, nahm ihn in die Hand und in den Mund, bis er kam, warm auf meiner Zunge, sein Stöhnen mein Name. Ich schluckte, weil ich es wollte, und küsste ihn danach, und er hielt mein Gesicht, als wäre ich etwas Kostbares, das er nicht verloren hatte.

Wir lösten uns langsam. Julian entsorgte den Schutz, Markus auch, ohne Eile, ohne dass einer sich abwandte, als wäre der praktische Teil eine Scham. Ich lag auf dem Rücken und atmete, die Haut klebrig, die Schenkel weich, ein süßes Ziehen dort, wo beide gewesen waren. Julian holte ein feuchtes Tuch aus dem Bad, warm, und reichte es mir, statt mich zu säubern, als wäre ich nicht bei mir. Ich nahm es, wischte mich ab, und er tat dasselbe für sich, ruhig, noch immer nackt, noch immer hier. Markus zog die Decke über meine Beine, nicht bis zum Hals, nur so weit, dass die kühle Luft des Zimmers nicht auf der feuchten Haut biss.

Eine Weile sprach niemand. Der Regen hatte nachgelassen. Unten im Hof ging ein Licht aus. Julian lag auf der einen Seite, Markus auf der anderen, und ich in der Mitte, eine Hand auf Julians Brust, den Kopf an Markus’ Schulter. Es war nicht unbeholfen. Es war still auf eine Art, die ich nicht erwartet hatte, als wäre das laute Begehren nur die eine Hälfte gewesen und diese Ruhe die andere.

Julian sagte, er müsse nicht bleiben, wenn wir das Zimmer wieder für uns wollten. Markus sagte, er könne bleiben, bis er gehen wolle, nicht aus Pflicht. Ich sagte, ich wolle, dass er noch ein wenig blieb, nicht für eine zweite Runde, sondern weil ein sofortiges Gehen die Nacht zu einem Auftrag gemacht hätte. Julian lächelte, das kleine Lächeln von vorhin an der Bar, und blieb. Er erzählte nichts Großes. Er sagte nur, der Kuss im Aufzug habe ihn lange begleitet, und er habe nie bereut, damals stehen geblieben zu sein. Ich sagte, ich hätte die Tür nicht aus Ablehnung geschlossen. Er nickte, als hätte er das schon gewusst und als täte es gut, es zu hören.

Wir küssten uns noch einmal, alle drei, nicht als Anfang von Neuem, sondern als Abschluss. Julians Mund war weich. Markus’ war vertraut. Ich schmeckte beide und mich und den trockenen Wein, und nichts davon stritt miteinander. Als Julian sich anzog, tat er es ohne Hast und ohne Theater. An der Tür drehte er sich um. Er sagte, morgen früh stehe er nicht an der Rezeption, ein Kollege übernehme die Frühschicht, und das sei ihm lieb, weil er uns nicht mit der Höflichkeit des Hauses begegnen wolle, nachdem er uns so gesehen hatte. Ich verstand. Markus auch. Wir wünschten ihm eine ruhige Nacht, und er wünschte uns dasselbe, und die Tür fiel leise ins Schloss.

Markus und ich blieben liegen. Er fragte nicht, ob es mir leidtue. Er fragte, wie es mir gehe. Ich sagte, satt, wund auf eine gute Art, und näher bei ihm, nicht ferner. Er lachte leise und zog mich an sich, die Nase in meinem Haar, und sagte, er habe mich gesehen, ganz, und das sei kein Verlust gewesen. Draußen wurde der Hof dunkel. Im Zimmer roch es nach Haut, nach Öl, nach dem Zedernholz, das irgendwie mit uns heraufgekommen war. Ich schloss die Augen. Die alte Nacht im Aufzug war nicht mehr unvollendet. Sie hatte ihre Fortsetzung bekommen, einvernehmlich, klar, und sie lag jetzt hinter uns, warm, abgeschlossen, während der Mann, den ich liebte, meinen Atem an seiner Brust zählte, bis auch ich in den Schlaf fand.

Mehr zum Thema Dreier

TitelThemaMinuten
Die Nacht gehörte uns dreienDreier20
Nach dem letzten GastDreier28
Drei im letzten LichtDreier13
Die zwei Künstler der VernissageDreier16
Die letzte Wette hinter der ThekeDreier25
Drei und der offene KofferDreier20