Die Wette ohne Uhr
Für Frauen · 33 Minuten lesen · 44 Minuten hören
Gelesen von Ekaterina
Teil 1 der Serie Ihre Lust (2)
Am Freitag, als der Schlüssel im Schloss der Seehütte nachgab, war ich vierunddreißig und Markus siebenunddreißig. Wir kannten einander seit sechs Jahren, und trotzdem fühlte sich die Auffahrt an wie der Anfang von etwas, das wir uns noch nicht ganz zutrauten. Der See lag still hinter den Kiefern. Kein Nachbar, kein Motor, nur das leise Schlagen von Wasser gegen Pfähle. Markus stellte die Tasche ab und sah mich an, als wollte er prüfen, ob ich die Fahrt schon bereute. Ich bereute nichts. Ich wollte nur, dass die Regeln hielten, die wir uns gegeben hatten, bevor die Stadt hinter uns zurückblieb.
Wir hatten die Wette am Küchentisch zu Hause ausgesprochen, nüchtern und langsam, damit kein Satz später als Scherz gelten konnte. Ich hatte behauptet, ich würde ihn an diesem Wochenende nicht zuerst um den Akt bitten. Er hatte behauptet, ich würde es tun, noch bevor der zweite Morgen über dem See stand. Der Einsatz war kein Geld und keine Demütigung. Wer verlor, überließ dem anderen die Führung der Nacht, in der die Schachtel noch zu blieb: Tempo, Ort, Pausen, Worte. Alles blieb einvernehmlich. Ein Nein galt sofort, ohne Diskussion, und brach die Wette nicht. Wer Halt sagte, wurde gehalten, nicht überredet. Das hatten wir zweimal wiederholt, bis es sich anhörte wie ein Geländer und nicht wie eine Drohung.
In der Diele stand die Holzschachtel, die der Vermieter als Brotkasten gedacht haben mochte. Wir legten die Telefone hinein, seine Armbanduhr, meine kleine Uhr aus der Handtasche, den Laptop, sogar die Küchenuhr, die an einem Nagel über dem Herd gehangen hatte. Markus schraubte sie ab, ohne zu lächeln. Ich sah zu, wie der Zeiger still wurde, sobald die Batterie danebenlag. Der Schlüssel der Schachtel kam unter das lose Dielenbrett beim Schuhregal. Keiner von uns sollte ihn holen, bevor das Licht am Sonntag so flach wurde, dass die Kiefern schwarz standen. Bis dahin durfte niemand eine Uhrzeit aussprechen, niemand danach fragen, niemand laut raten. Essen, wenn der Hunger kam. Schlafen, wenn die Augen zufielen. Anfassen nur, wenn beide es wollten und es laut sagten.
Ich wiederholte die Sätze in der kühlen Diele, nicht weil ich sie vergessen hatte, sondern weil mein Mund sie noch einmal besitzen sollte. Markus nickte bei jedem Punkt. Seine Hand lag nicht an mir. Das gehörte schon zur Spannung: Er durfte mich wollen, er durfte es sagen, er durfte mich nicht in die Bitte hineindrängen, die ich selbst zu vermeiden geschworen hatte. Ich durfte ihn ansehen, ihn küssen, ihn neben mir haben. Ich durfte nur nicht zuerst um das bitten, was die Wette meinte. Wir waren uns einig gewesen, was dieses Bitten war. Ein Kuss war keiner. Eine Hand auf der Haut war keiner. Die Bitte begann dort, wo ich ihn aufforderte, in mich zu kommen, oder dort, wo ich ihn anflehte, mich zu nehmen. Alles davor blieb erlaubt, und gerade deshalb gefährlich.
Die Hütte roch nach Holz, das lange geschlossen gewesen war, und nach dem Seifenduft, den jemand in einem Schrank vergessen hatte. Ich öffnete die Fenster zum Steg. Luft kam herein, kühl und ein wenig nach Algen. Markus trug Wasser vom Hahn in einen Krug und stellte Brot, Käse und Tomaten auf den Tisch, ohne zu sagen, ob das Abendessen oder nur ein Halt sei. Ich merkte, wie schnell ich nach einem Namen für die Stunde suchte. Mein Kopf wollte ein Regal, in das er den Moment legen konnte. Es gab keins. Ich setzte mich, brach das Brot und hörte das Messer auf dem Holz. Draußen verlor der See sein Silber und wurde dunkler, ohne dass ich wusste, ob das früh oder spät war.
Wir aßen langsam. Markus erzählte von einer Baustelle, die er am Montag wieder betreten würde, und brach den Satz ab, als ihm auffiel, dass Montag schon wieder eine Uhr war, nur eine größere. Ich lachte leise und schob ihm eine Tomate hin. Seine Finger streiften meine, und die Berührung war so gewöhnlich, dass sie mich mehr traf als ein Griff. Ich kannte diese Hände. Ich kannte die Narbe am Knöchel, den ruhigen Druck, wenn er ein Glas hielt. Heute las ich in jedem kleinen Kontakt die Frage, wie lange ich durchhalten würde. Er las sie auch. Er sagte es nicht. Das Schweigen darüber war höflicher als jedes Necken.
Nach dem Essen wuschen wir ab, weil Arbeit den Körper beschäftigte. Das Wasser war heiß. Dampf legte sich an die Scheibe. Markus stand hinter mir, nicht an mir, und reichte mir Teller. Einmal beugte er sich vor, um ein Glas zu erreichen, und sein Atem traf meinen Nacken. Ich hielt das Handtuch fester und sagte nichts, was die Wette gefährdet hätte. Mein Puls tat es trotzdem. Ich spürte, wie sich zwischen meinen Beinen eine Wärme sammelte, die noch keinen Namen verlangte. Ich trocknete die Gabeln, eine nach der anderen, als könnte Ordnung das Verlangen aufschieben.
Später saßen wir auf der Bank vor der Hütte. Die Mücken blieben aus, oder die Kälte hielt sie fort. Markus hatte eine Decke über unsere Knie gelegt. Unter der Wolle lag sein Schenkel an meinem, fest und warm. Ich lehnte den Kopf an seine Schulter und hörte den See. Irgendwo rief ein Vogel einmal und dann nicht wieder. Ich dachte daran, wie oft wir zu Hause nach der Uhr gelebt hatten: die letzte Bahn, der frühe Termin, das Licht im Schlafzimmer, das wir löschten, weil der nächste Tag schon wartete. Hier wartete nichts mit einem Namen. Das machte mich unruhig und zugleich weich. Ich sagte ihm, dass ich die Regeln noch wollte. Er antwortete, dass er sie auch noch wollte, und dass er mich nicht in eine Niederlage locken würde. Wenn ich verlor, sollte es daran liegen, dass ich ihn mehr wollte als den Sieg.
Im Bett lag eine dicke Decke, die nach Schrank roch. Wir zogen uns aus, ohne ein Spiel daraus zu machen, und legten uns nebeneinander. Ich hatte ein Hemd anbehalten, er eine Hose. Das war keine Scham. Es war ein Zaun, den wir beide sehen konnten. Markus küsste mich auf die Schläfe und dann auf den Mund, langsam, mit geschlossenen Lippen, bis ich den Kuss öffnete. Seine Zunge fand meine, und für einen Moment vergaß ich die Schachtel in der Diele. Ich zog ihn näher. Meine Hand lag auf seiner Brust, dort wo das Herz gleichmäßig schlug, als hätte es selbst keine Eile. Er küsste meinen Hals, blieb an der Stelle unter dem Ohr, die mich immer leiser machte, und hörte auf, bevor seine Hand unter das Hemd glitt.
Ich hätte ihn bitten können. Der Satz lag schon auf der Zunge, warm und dumm und ehrlich. Ich schluckte ihn. Stattdessen sagte ich, dass ich ihn küssen wollte und sonst nichts, noch nicht, und dass das kein Nein für immer sei. Er verstand den Unterschied. Seine Stirn ruhte an meiner. Er atmete aus, lang, und ich spürte, wie sehr auch er bereits hart war, durch den Stoff, gegen meine Hüfte. Er rückte ein wenig ab, nicht aus Zurückweisung, sondern damit die Nähe nicht zur Forderung wurde. Ich dankte ihm nicht mit einem Wort. Ich legte die Hand auf seinen Unterarm und ließ sie dort, bis der Schlaf kam, ungleichmäßig, voll von halben Bildern.
Ich wachte auf, ohne zu wissen, ob die Nacht kurz gewesen war. Grau lag im Fenster, dann ein blasses Gold auf den Dielen. Markus schlief noch, den Mund leicht geöffnet, einen Arm über der Decke. Ich sah ihn an und fühlte Zärtlichkeit, die nichts mit der Wette zu tun hatte, und darunter die andere Wärme, die sehr wohl damit zu tun hatte. Ich stand auf, ohne ihn zu wecken, und ging barfuß in die Küche. Der Herd hatte keine Uhr mehr. Der Wasserkessel wurde heiß, weil ich ihn beobachtete, nicht weil eine Zahl es sagte. Ich kochte Kaffee und trug zwei Tassen auf die Bank. Die Luft war kalt genug, dass der Dampf sofort stieg. Als Markus herauskam, barfuß, mit zerdrücktem Haar, setzte er sich so dicht neben mich, dass unsere Schultern sich berührten, und trank, ohne zu fragen, wie spät es sei. Ich war stolz auf uns beide und gleichzeitig misstrauisch gegen diesen Stolz.
Wir aßen Brot mit Butter und Honig. Der Honig lief mir über den Daumen. Markus nahm meine Hand, sah mich an und leckte den Tropfen ab, langsam, die Zunge flach an der Haut. Es war eine kleine Geste und zugleich eine, die mir bis in den Bauch fuhr. Ich zog die Hand nicht weg. Ich sagte, dass das erlaubt sei. Er sagte, dass er das wisse, und dass er aufhören würde, wenn ich es wollte. Ich wollte nicht, dass er aufhörte, und ich sagte auch das. Seine Zunge fand die Mulde zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich hörte mich leise ausatmen. Der Kaffee wurde kalt, während wir das taten, und das war mir gleich, weil kalt oder heiß hier keine Stunde mehr markierte.
Danach gingen wir zum Steg. Das Holz war feucht und dunkel an den Rändern. Ich ließ das Hemd fallen und stieg ins Wasser, das so kalt war, dass mir der Atem stockte. Markus folgte, fluchte einmal ohne Zorn und lachte dann, als die Kälte ihn bis zur Brust nahm. Wir schwammen nicht weit. Der See hielt uns, schwer und klar. Ich sah meine Füße unter mir, bleich, und die Steine am Grund. Als ich zurück zum Steg kam, half er mir hinauf, die Hände an meinen Hüften, nass und sicher. Ich stand vor ihm, tropfend, die Brustwarzen hart von der Kälte, und er sah mich an, ohne die Hände zu senken. Ich spürte seinen Blick wie eine zweite Wärme auf der nassen Haut.
Er fragte, ob er mich trocknen dürfe. Ich sagte ja. Er holte das große Tuch und legte es um mich, rieb mir die Arme, den Rücken, die Seiten, langsam genug, dass die Reibung mehr war als Fürsorge. Als das Tuch über meine Brüste glitt, hielt er inne und suchte mein Gesicht. Ich nickte. Er trocknete sie mit dem Stoff, dann mit der bloßen Hand, der Daumen einmal über die Spitze, so leicht, dass ich die Zehen krümmte. Ein Laut kam aus mir, kurz, und verlor sich über dem Wasser. Er küsste mich dort nicht. Er wartete. Die Wette stand zwischen uns wie ein drittes, unsichtbares Möbel, und wir gingen beide darum herum, ohne es umzustoßen.
Zurück in der Hütte zog ich ein Kleid über die nackte Haut, weil Stoff sich sicherer anfühlte als die eigene Ungeduld. Markus zog eine Hose an und ließ den Oberkörper frei. Wir setzten uns auf den Boden vor dem kalten Ofen, Rücken an Rücken, und lasen, er ein Buch über Brücken, ich einen Roman, dessen Handlung ich nach drei Seiten nicht mehr hätte nacherzählen können. Sein Rücken war warm. Jedes Mal, wenn er umblätterte, bewegte sich der Muskel unter meiner Schulter. Ich legte irgendwann das Buch weg und drehte mich, setzte mich auf seine Oberschenkel, das Gesicht zu ihm, die Knie neben seinen Hüften. Das Kleid rutschte. Ich sagte, dass ich auf ihm sitzen wollte, nur sitzen, und ihn küssen. Er legte die Hände auf meine Taille und sagte ja.
Der Kuss wurde tiefer als der in der Nacht. Ich schmeckte Kaffee und Honig und ihn. Meine Hüften bewegten sich von allein, ein kleines Reiben über dem Stoff seiner Hose, und ich spürte, wie er darunter hart wurde. Ich hätte den Reißverschluss öffnen können. Ich tat es nicht. Ich presste mich nur fester an ihn und ließ den Kuss dauern, bis mein Atem ungleich wurde. Markus hielt mich, ohne mich zu führen. Seine Daumen lagen an den Knochen meiner Hüften, still. Als ich den Kopf in den Nacken legte, küsste er die Kehle, die Stelle über dem Schlüsselbein, den Ansatz der Brust über dem Kleid. Ich flüsterte seinen Namen. Das war noch keine Bitte. Wir hatten es so festgelegt, und ich klammerte mich an diese Grenze, während mein Körper sie schon als Unsinn empfand.
Er fragte, ob er unter das Kleid dürfe, mit der Hand, nur außen. Ich sagte ja, und dann, nach einem Atemzug, dass er auch die Haut berühren dürfe, solange er nicht in mich eindrang. Die Genauigkeit machte mich rot. Sie machte mich auch sicherer. Seine Hand glitt unter den Stoff, über den Oberschenkel, höher, bis die Finger die Wärme fanden, die ich nicht mehr verbergen konnte. Ich war nass, deutlich, und er atmete dagegen an meinen Mund, als hätte ihn das mehr getroffen als mich. Er strich langsam durch diese Nässe, nicht hinein, nur entlang, und ich musste die Stirn an seine Schulter legen, um nicht sofort den Satz zu sagen, der die Wette beendet hätte.
So blieben wir, ich weiß nicht wie lange, weil Länge hier kein Maß mehr hatte. Seine Finger kreisten, geduldig, manchmal fester, manchmal so leicht, dass ich ihm entgegenkam. Er beobachtete mein Gesicht, wenn ich es ihm zeigte. Einmal hielt er an, weil mein Atem zu hoch wurde, und fragte, ob das noch das sei, was ich erlaubt hatte. Ich sagte ja, und dass er nicht aufhören solle, und dass Aufhören etwas anderes sei als die Bitte, die ich nicht aussprechen wollte. Er verstand auch das. Seine freie Hand lag in meinem Nacken, warm, haltend. Ich bewegte mich auf seinen Fingern, suchte den Druck, fand ihn, verlor ihn, fand ihn wieder. Die Lust stieg in einer Welle, die ich hätte zu Ende reiten können. Ich zog seine Hand weg, bevor es so weit war. Nicht aus Scham. Aus dem Wunsch, die Wette noch ein Stück zu tragen, und aus der Angst, dass ein Höhepunkt mich weich genug machen würde, um sofort mehr zu wollen.
Markus widersprach nicht. Er küsste meine feuchten Finger nicht, obwohl ich sah, dass er es wollte. Er legte die Hand auf mein Knie und wartete, bis mein Atem wieder in den Bauch fand. Ich sagte ihm, dass ich nah dran gewesen sei und dass ich das selbst gestoppt hätte. Er nickte. In seinem Blick lag Hunger und auch etwas wie Respekt, und beides zusammen machte mich noch nässer, was ungerecht war und trotzdem stimmte. Wir standen auf, weil Sitzen nicht mehr half. Ich wusch mir das Gesicht mit kaltem Wasser. Im Spiegel sah ich eine Frau mit geröteten Lippen und einem Blick, der schon verloren hatte und es noch nicht zugeben wollte.
Der Tag, wenn es ein Tag war, dehnte sich. Wir kochten eine Suppe, weil der Hunger kam, nicht weil eine Tafel es vorschrieb. Zwiebeln, Kartoffeln, der Rest Käse, Lorbeer aus einem Glas. Der Duft füllte die Hütte. Markus schnitt, ich rührte. Einmal stellte er sich hinter mich, die Hände links und rechts auf der Arbeitsplatte, und küsste meinen Nacken, ohne den Körper anzudrücken. Ich lehnte mich trotzdem zurück, bis mein Rücken seine Brust fand. Wir standen so, während die Suppe leise kochte. Ich spürte seinen Herzschlag zwischen den Schulterblättern. Draußen wechselte das Licht von klar zu milchig und wieder zu klar, ohne dass Wolken uns eine Uhr schenkten.
Nach dem Essen lagen wir auf der Decke vor dem Fenster. Ich hatte den Kopf auf seinem Bauch, er die Hand in meinem Haar. Wir sprachen über die Wohnung in der Stadt, über den Nachbarn, der immer zu laut die Tür warf, über einen Film, den wir beide nur halb gesehen hatten. Gewöhnliche Sätze. Unter ihnen lief die andere Unterhaltung, die aus Atem und Haut bestand. Seine Finger wanderten von meinem Haar zu meinem Ohr, zum Kiefer, blieben dort. Ich drehte das Gesicht und küsste seinen Bauch, knapp über dem Hosenbund, einmal, zweimal, langsamer beim dritten Mal. Er wurde still. Ich öffnete den Knopf nicht. Ich ließ nur den Mund dort, warm, und hörte, wie sein Atem sich veränderte.
Er sagte meinen Namen und dann, dass er mich wollte, deutlich, ohne die Wette zu verdrehen. Er sagte nicht, ich solle bitten. Er sagte, was in ihm war. Das war erlaubt. Es war sogar nötig, damit ich nicht raten musste. Ich antwortete, dass ich ihn auch wollte, und dass ich noch nicht diejenige sein würde, die um das Letzte bat. Meine Stimme war heiser. Er lachte kurz, ohne Spott, und strich mir über die Wange. In diesem Lachen lag Zuneigung, und sie traf mich tiefer als die Berührung am Morgen. Ich dachte, dass ich diese Wette vielleicht verlieren wollte und nur noch einen Grund suchte, der sich wie meine eigene Entscheidung anfühlte. Der Grund war schon da. Ich schob ihn noch ein Stück vor mir her.
Wir gingen wieder hinaus, diesmal den Pfad entlang, der am Ufer blieb. Farne, nasse Erde, das Geräusch unserer Schritte. Markus ging vor mir, und ich sah seinen Rücken, die Art, wie die Hose auf der Hüfte saß, die ruhige Länge seines Schritts. Ich wollte die Hände unter den Stoff schieben und tat es nicht. Am Ende des Pfads lag ein flacher Stein, warm von dem Licht, das durch die Zweige fiel. Wir setzten uns. Er zog mich zwischen seine Beine, den Rücken an seine Brust, und hielt die Arme um mich, lose genug, dass ich gehen konnte. Ich blieb. Sein Kinn ruhte auf meinem Scheitel. So sahen wir den See an, der nichts von uns verlangte.
Ich fragte ihn, nicht nach der Zeit, sondern ob er bereue, die Uhren weggelegt zu haben. Er sagte nein. Er sagte, er merke erst jetzt, wie oft er Lust an einen Abend gebunden habe, an ein Danach, an ein Genug, das von einem Wecker kam. Hier gebe es nur das, was der Körper aushalte und wolle. Ich drehte den Kopf, sodass meine Schläfe an seinem Hals lag, und sagte, dass mein Körper schon lange wolle und mein Mund noch trotze. Er küsste mein Haar und antwortete, der Trotz dürfe bleiben, solange er ehrlich sei. Wenn er zur Strafe werde, sollten wir die Wette lösen, ohne Sieger. Ich dachte darüber nach und spürte, dass es keine Strafe war. Es war ein Spiel, das ich noch führen wollte, mit offenem Ausgang und offenem Begehren.
Als das Licht am Wasser kupfrig wurde, kehrten wir zurück. Ich wusste nicht, ob das der frühe Abend war oder nur eine Wolke. In der Hütte war es wärmer als draußen. Markus machte Feuer im Ofen, kniete davor, die Schultern im Schein. Ich sah ihm zu und fühlte eine Zärtlichkeit, die sich mit der Lust mischte, bis ich sie nicht mehr trennen konnte. Ich ging zu ihm, kniete mich neben ihn und legte die Hand auf seinen Nacken. Er wandte das Gesicht. Ruß war keiner da, nur Wärme. Ich küsste ihn, und diesmal war in dem Kuss schon die Richtung, die ich den ganzen Tag vermieden hatte. Er merkte es. Er hielt mich an den Oberarmen, fest genug zum Antworten, nicht fest genug zum Halten gegen meinen Willen, und fragte, was ich wolle.
Ich hätte noch ausweichen können. Ich tat es nicht. Die Worte kamen klar, weil wir sie uns schuldig waren. Ich sagte, dass ich ihn in mir wollte, jetzt, hier oder im Bett, und dass ich damit die Wette verlor. Ich sagte, dass ich das wisse und dass ich es trotzdem sage. Mein Herz schlug so laut, dass ich meinte, er müsse es im Raum hören. Markus schwieg einen Atemzug lang. Dann sagte er, dass er die Niederlage annehme, nicht als Triumph über mich, sondern als das, was wir vereinbart hatten. Die Führung der Nacht liege bei ihm. Ein Nein gelte weiter. Wenn ich Halt sagte, höre alles auf, sofort. Ich wiederholte das, damit es nicht nur sein Satz blieb. Dann sagte ich ja zu dem, was kam, und ja dazu, dass er das Tempo bestimme.
Er stand auf und zog mich mit. Nicht zum Bett, noch nicht. Er führte mich zur Mitte des Raums, dorthin, wo das letzte Licht auf den Dielen lag, und stellte sich vor mich. Seine Hände rahmten mein Gesicht. Er küsste mich lange, ohne Eile, als hätte das Verlieren der Wette die Zeit nicht zurückgebracht, sondern nur die Erlaubnis verändert. Ich schmeckte ihn und das bisschen Rauch aus der Luft. Seine Zunge war langsam. Ich wollte schneller und drängte, und er löste den Kuss, sah mich an und sagte, dass schnell heute nicht die Regel sei. Die Regel sei, dass er bestimme, und dass er mich so lange ansehen wolle, bis ich aufhörte, die nächste Minute zu jagen. Ich nickte. Meine Knie waren weich. Das war keine Schwäche, die mich störte. Es war die Antwort des Körpers auf eine Führung, der ich zugestimmt hatte.
Er zog mir das Kleid über den Kopf. Darunter war ich nackt, wie schon den halben Tag, und jetzt gab es keinen Stoff mehr zwischen seinem Blick und mir. Er trat einen Schritt zurück, nicht weit, und sah. Ich ließ die Arme unten. Die Wärme aus dem Ofen lag an meiner linken Seite, die kühlere Luft an der rechten. Meine Brustwarzen waren hart, nicht von Kälte allein. Zwischen den Beinen spürte ich die Nässe, die sich bei jedem Atemzug bemerkbar machte. Markus sagte, dass ich schön sei, ohne das Wort zu dehnen, und dass er mich anfassen werde, wo er wolle, und dass ich ihm sagen solle, wenn eine Stelle heute nicht gewollt sei. Ich sagte, dass heute alles gewollt sei, was er schon kenne, und dass ich es laut sagen würde, wenn sich das ändere.
Seine Hände begannen an den Schultern, glitten die Arme hinab, wieder hinauf, über die Schlüsselbeine, dann um die Brüste, ohne die Spitzen gleich zu nehmen. Er wog sie, strich mit den Daumen darunter, und erst als ich mich ihm entgegenhob, nahm er die Brustwarzen zwischen die Finger, fest genug, dass ein scharfer Lustpunkt durch mich ging. Ich stöhnte. Er wiederholte den Druck, löste ihn, küsste die eine Spitze, saugte daran, während die Hand die andere hielt. Ich griff in sein Haar. Er ließ es zu. Seine Zunge war nass und gezielt, und ich spürte jede Bewegung bis tief in den Bauch. Als er die Seite wechselte, war die verlassene Brust kühl und empfindlich. Ich sagte seinen Namen, nicht als Bitte um mehr Geschwindigkeit, sondern weil der Name das Einzige war, was ich noch sicher aussprechen konnte.
Er ging auf die Knie. Das überraschte mich, obwohl ich ihn kannte. Die Führung, die er gewonnen hatte, nutzte er nicht, um mich sofort zu nehmen, sondern um sich Zeit an meinem Körper zu nehmen. Seine Hände strichen über die Hüften, die Außenseiten der Oberschenkel, dann die Innenseiten, und er bat mich, die Beine ein wenig zu öffnen. Ich tat es. Er küsste die weiche Haut hoch oben, erst links, dann rechts, und sein Atem traf die Nässe, bevor sein Mund es tat. Als die Zunge mich fand, musste ich mich an seiner Schulter festhalten. Er leckte langsam, von unten nach oben, flach, dann mit der Spitze um die Stelle, die mich am schnellsten zittern ließ. Er kannte sie. Er tat so, als entdecke er sie neu, und diese Geduld war fast grausam und genau das, was ich unter seiner Führung erwartet hatte, ohne es so klar gedacht zu haben.
Ich stand mit gespreizten Beinen über seinem Mund und hörte das Feuer und mein eigenes Atmen. Markus hielt meine Hüften, damit ich nicht zu früh in ihn hineinsank. Seine Zunge kreiste, verließ mich, kam zurück, schob sich ein kleines Stück in mich und zog sich wieder zurück, um oben zu bleiben, wo ich es am wenigsten aushielt. Ich sagte, dass ich kommen würde, wenn er so weitermache. Er hob den Blick, das Kinn nass, und sagte, dass ich noch nicht kommen solle. Die Worte waren ruhig. Sie waren keine Demütigung. Sie waren die Führung, der ich zugestimmt hatte. Ich nickte, obwohl mein Körper widersprach. Er verlangsamte die Zunge, bis die Welle sank, ohne ganz zu gehen, und küsste dann die Innenseite meines Schenkels, als wolle er mich dafür loben, dass ich geblieben war.
Er stand auf und küsste mich, und ich schmeckte mich auf seinem Mund, salzig und warm. Der Kuss war tief. Während er mich küsste, öffnete er seine Hose. Ich half ihm, weil er es zuließ, und schob den Stoff über seine Hüften. Er war hart, schwer in meiner Hand, die Haut heiß, die Spitze bereits feucht. Ich strich einmal der Länge nach und wollte auf die Knie. Er hielt mein Handgelenk, nicht grob, und sagte, später, wenn er es wolle, nicht jetzt. Jetzt wolle er mich im Bett, auf dem Rücken, damit er mein Gesicht sehe. Ich ließ ihn los. Das Loslassen war selbst eine Lust, eine, die ich nicht erwartet hatte. Ich ging vor ihm her ins Schlafzimmer, nackt, und hörte ihn hinter mir, und das Wissen, dass er mich ansah, machte jeden Schritt bewusster.
Das Bett war noch ungemacht von der Nacht. Die Decke lag zur Seite. Markus zog mich darauf, nicht geworfen, sondern geführt, und kam über mich, gestützt auf die Unterarme, sodass sein Gewicht mich nicht erdrückte. Er küsste mich wieder, lange, während sein Glied an meinem Bauch lag, heiß und deutlich. Ich hob die Hüften. Er wich so weit zurück, dass ich ihn nicht in mich ziehen konnte, und lächelte knapp, als ich frustriert ausatmete. Er sagte, er wisse, was ich wolle, und er werde es mir geben, nur nicht in dem Tempo, in dem die Stadt uns sonst leben lasse. Ich legte die Hände an sein Gesicht und sagte, dass ich ihm vertraue und dass ich ihn trotzdem jetzt spüren wolle. Er küsste meine Handfläche und antwortete, Vertrauen sei genau der Grund, warum er mich noch ein wenig warten lasse.
Seine Hand glitt zwischen uns. Zwei Finger strichen durch die Nässe, dann ein Finger in mich, langsam, bis zum Ansatz, und wieder heraus. Ich war so bereit, dass es keinen Widerstand gab, nur Wärme und das enge Ziehen, das mehr wollte. Er nahm einen zweiten Finger dazu, bewegte sie ruhig, krümmte sie, fand die Stelle innen, die mich den Rücken heben ließ. Sein Daumen lag oben, nicht kreisend, nur als Gewicht. Ich stöhnte in seinen Mund. Er fragte, ob das gut sei. Ich sagte ja, mehr als gut, und dass er nicht aufhören solle. Er hörte nicht auf. Er hielt das Tempo gleich, bis meine Schenkel zitterten, und zog die Finger dann heraus, nass, und führte sie an meinen Mund. Ich leckte sie, weil ich es wollte, und sah, wie sich seine Pupillen weiteten.
Dann richtete er sich auf, kniete zwischen meinen Beinen und strich mit der Spitze seines Glieds durch mich, auf und ab, ohne einzudringen. Jedes Mal, wenn er die empfindliche Stelle oben traf, zuckte ich. Er tat es wieder, absichtlich, und hielt mich an den Hüften fest, damit ich ihn nicht selbst in mich schieben konnte. Ich fluchte leise, ohne Zorn, und er lachte einmal, dunkel, und sagte, dass genau das der Preis der verlorenen Wette sei: nicht weniger Lust, sondern weniger Eile. Ich bat ihn nicht noch einmal mit dem Satz, der die Wette schon beendet hatte. Ich bat mit dem Körper, offen, die Knie angezogen, die Hände im Laken. Er sah das und nickte, als hätte er genug gewartet, um sicher zu sein, dass das Warten noch Freude war und keine Qual.
Er drang ein, langsam, in einem einzigen langen Zug, und ich nahm ihn ganz auf. Die Dehnung war voll, vertraut und trotzdem neu, weil nichts uns hetzte. Ich hörte mich laut ausatmen. Markus blieb still in mir, die Stirn an meiner, und ließ mich sich an ihn gewöhnen, obwohl es keiner Gewöhnung bedurfte, nur des Genusses, ihn so tief zu haben. Ich spürte ihn pochen. Meine inneren Muskeln zogen sich um ihn, ohne dass ich es befahl. Er stöhnte dagegen, ein kurzer Laut, den er selten so ungefiltert ließ. Dann begann er sich zu bewegen, nicht schnell, sondern mit einem Rhythmus, der aus dem See hätte kommen können: hinein, eine Pause, hinaus bis fast zum Verlust, wieder hinein. Jeder Stoß war ganz. Ich hob ihm die Hüften entgegen und er ließ es zu, solange ich sein Tempo nicht brach.
Das Licht im Zimmer wurde blauer. Ich sah sein Gesicht über mir, den konzentrierten Mund, die Augen, die mich nicht verließen. Er verlagerte das Gewicht, fasste ein Knie und legte es höher, und der Winkel änderte sich so, dass jeder Stoß die Stelle innen traf, die seine Finger schon gefunden hatten. Ich sagte ihm das, bruchstückhaft, und er behielt den Winkel bei. Seine freie Hand lag an meiner Brust, der Daumen über der Spitze, im Takt. Ich war laut. Die Hütte gab den Laut an das Holz zurück. Es schämte mich nicht. Hier war niemand, der eine Uhr oder eine Wand zwischen uns und der Nacht brauchte.
Er zog sich zurück, ganz, und ich klagte über die Leere, bevor ich den Satz zu Ende gedacht hatte. Er drehte mich auf den Bauch, nicht hart, mit den Händen an meinen Hüften, und bat mich, die Knie unter mich zu ziehen. Ich tat es. Er strich mit der flachen Hand über meinen Rücken, vom Nacken bis zum Steiß, und fragte, ob diese Lage heute recht sei. Ich sagte ja, deutlich, und dass ich ihn so tief wollte. Er drang wieder ein, von hinten, und die Fülle war anders, voller, sodass ich das Gesicht ins Kissen drückte und gleich wieder hob, weil ich atmen und ihn hören wollte. Seine Hände hielten meine Hüften. Er bewegte sich stetig, ein wenig fester als zuvor, und das Geräusch unserer Körper war nass und klar.
Ich griff nach hinten und fand sein Handgelenk. Er verstand das als Bitte um Nähe, nicht um Halt im Sinne des Stoppworts, weil wir das Wort klar getrennt hatten von jedem anderen Griff. Er beugte sich über mich, die Brust an meinem Rücken, und küsste meine Schulter, während er weiter in mich stieß. Sein Atem war heiß an meinem Ohr. Er sagte, dass ich mich anfühle, als hätte der ganze Tag in mir gewartet. Ich antwortete, dass er das getan habe, und dass ich froh sei, verloren zu haben. Er lachte gegen meine Haut, kurz, und der Laut ging in ein Stöhnen über, als ich mich fester um ihn schloss.
Seine Hand glitt unter mich, zwischen meine Beine, und fand die Stelle, die seine Stöße jedes Mal mitnahmen. Er rieb sie im gleichen Rhythmus, nicht schneller, und die doppelte Empfindung zog mir den Boden weg. Ich sagte, dass ich jetzt kommen würde, wenn er so bleibe. Er sagte, ich solle kommen, diesmal, und dass er mich dabei ansehen wolle. Er zog sich zurück, drehte mich wieder auf den Rücken, und war in mir, bevor die Leere mehr als ein Herzschlag dauern konnte. Sein Daumen blieb an mir. Er stieß tief und gleichmäßig, den Blick auf meinem Gesicht, und ich ließ die Welle nicht mehr sinken. Sie brach. Ich kam mit einem Laut, der seinen Namen trug, die Schenkel zitternd, die Hände an seinen Schultern, und er hielt das Tempo, bis die Zuckungen nachließen und ich weich unter ihm wurde, überempfindlich und immer noch offen.
Er fragte, ob er weitermachen solle. Ich sagte ja, leise und klar, und dass er kommen dürfe, wann er wolle, in mir, so wie wir es sonst auch taten und heute Morgen noch einmal bejaht hatten, als wir die Regeln durchgingen. Er küsste mich, dankbar und hungrig zugleich, und ließ die Führung nicht fallen, nur weil ich schon gekommen war. Seine Stöße wurden tiefer, ein wenig schneller, immer noch nicht gehetzt. Ich hielt sein Gesicht und sah ihm zu, wie die Kontrolle, die er für mich aufrechterhalten hatte, an den Rändern nachgab. Schweiß stand auf seiner Stirn. Ich strich ihn weg. Ich sagte, dass ich ihn sehen wolle, wenn er komme. Das schien ihn mehr zu treffen als jede engere Bewegung. Er stöhnte, stieß noch ein paar Mal ganz in mich und kam, das Gesicht offen, die Augen an meinen, der Körper einen Moment lang schwer und zitternd über mir.
Er blieb in mir, gestützt, bis der Atem sich beruhigte. Dann legte er sich neben mich und zog mich an seine Brust, eine Hand im Kreuz, die andere in meinem Haar. Zwischen meinen Beinen war ich nass von uns beiden, warm, empfindlich. Ich spürte das Nachziehen der Lust in kleinen Wellen, die keine neue Forderung mehr waren. Markus küsste meine Stirn. Er fragte, ob alles recht gewesen sei, nicht als Floskel, sondern als die Frage, die zu unseren Regeln gehörte. Ich sagte ja. Ich sagte, dass die Führung sich nicht wie ein Verlust angefühlt habe, obwohl ich die Wette verloren hatte, sondern wie ein Geschenk, das ich ihm mit dem Verlieren gegeben und von ihm zurückbekommen hatte. Er schwieg einen Moment und sagte dann, dass er den Sieg nur so habe wollen: wenn ich ihn frei aus der Hand gab.
Wir lagen, bis die Haut kühl wurde, und zogen die Decke über uns. Draußen war es dunkel, ein Dunkel ohne Bezeichnung. Kein Turm schlug. Kein Telefon lag in Reichweite, um die Nacht in Zahlen zu schneiden. Ich hörte den Ofen im anderen Raum noch leise ticken und den See, wenn der Wind ihn gegen den Steg drückte. Markus strich über meinen Arm, langsam, als zeichne er eine Linie, die nirgends ankommen musste. Ich drehte mich, sodass ich ihn ansehen konnte. Im wenigen Licht war sein Gesicht weich. Ich küsste ihn ohne Absicht auf mehr, und er erwiderte den Kuss auf dieselbe Weise. Das genügte. Mein Körper war satt und trotzdem wach genug, um die Nähe zu genießen, ohne sie gleich wieder in eine Forderung zu verwandeln.
Irgendwann stand ich auf und ging in die Küche, nackt, die Dielen kühl unter den Füßen. Ich trank Wasser am Hahn, lange, und brachte ihm ein Glas. Er setzte sich auf, trank und stellte es auf den Boden. Als ich wieder ins Bett kam, zog er mich an sich, den Rücken an seine Brust, die Knie in meine Kniekehlen. Seine Hand lag auf meinem Bauch, ruhig. Ich dachte an die Schachtel in der Diele und an den Schlüssel unter dem Brett. Ich wollte sie nicht öffnen. Nicht aus Trotz gegen die verlorene Wette, sondern weil die Nacht sich größer anfühlte, solange niemand ihr einen Namen gab. Ich sagte das. Markus antwortete, dass die Schachtel bis zum flachen Licht am Sonntag zu bleibe, wie vereinbart, und dass meine Niederlage daran nichts ändere. Ich lächelte in die Dunkelheit. Die Regeln hielten noch. Das tröstete mich mehr, als ich erwartet hatte.
Ich schlief ein mit seinem Atem im Nacken und wachte einmal auf, weil ein Ast gegen die Wand tickte. Für einen Moment suchte meine Hand nach dem Nachttisch, nach dem Telefon, nach der kleinen Gewohnheit, die Nacht zu prüfen. Die Hand fand nur Holz. Ich ließ sie liegen und lauschte. Markus schlief. Sein Arm war schwer über meiner Taille. Ich schob mich enger an ihn und spürte, wie er im Schlaf die Hand fester zog, nicht wach genug für ein Wort, wach genug für diesen Griff. Die Lust war still geworden, ein Nachglühen unter der Haut. Ich dachte an seine Stimme, als er gesagt hatte, ich solle noch nicht kommen, und an die spätere Erlaubnis, und daran, wie beides sich richtig angefühlt hatte, weil ich es gewollt und gesagt hatte. Dann schlief ich wieder.
Das nächste Licht kam grau und dann golden, ein zweiter Morgen, der sich nicht als Zahl ankündigte, sondern als Wärme auf der Decke. Markus war schon wach und sah mich an, als ich die Augen öffnete. Er fragte nicht, ob ich die Wette bereue. Er fragte, ob ich Kaffee wolle. Ich sagte ja und blieb noch liegen, während er aufstand. Ich hörte den Kessel, das leise Klirren, seine Schritte. Als er zurückkam, setzte er sich an den Bettrand und reichte mir die Tasse. Seine andere Hand lag auf meinem nackten Knie, das aus der Decke ragte. Die Berührung war alltäglich und voll von der Nacht. Ich trank und spürte, wie der Körper sich an ihn erinnerte, nicht als Schmerz, sondern als eine süße Müdigkeit in den Schenkeln und ein Ziehen, das ich nicht loswerden wollte.
Wir aßen auf der Bank, in Decken gewickelt, Brot und den Rest der Suppe, kalt und trotzdem gut. Der See lag blank. Ein Fisch sprang einmal und zog einen Kreis, der sich wieder schloss. Ich lehnte den Kopf an Markus und sagte, dass ich nicht wisse, ob dies der Vormittag sei oder schon mehr, und dass mich das nicht mehr jucke. Er küsste mein Haar und sagte, ihn auch nicht. Wir sprachen nicht viel. Die Stille war nicht leer. Sie war der Raum, den die weggelegten Uhren hinterlassen hatten, und er füllte sich von allein mit Atem, Holzgeruch, dem Geschmack von Kaffee und der Erinnerung an seinen Mund.
Später, im Haus, wusch ich mich am Waschbecken, langsam, und er kam dazu, fragte, ob er bleiben dürfe. Ich sagte ja. Er seifte mir den Rücken ein, die Hände groß und ohne Eile, und spülte das Wasser mit einem Becher über die Haut. Es war keine neue Runde der Wette. Die Wette war entschieden. Es war Fürsorge, und darunter lag immer noch Begehren, ruhiger als am Vortag. Ich drehte mich, nass, und küsste ihn, die Hände an seiner Brust. Er wurde hart gegen meinen Bauch. Ich lächelte an seinem Mund und sagte, dass ich ihn wieder wollen könne, später, ohne Regeln außer denen, die immer galten. Er sagte, später sei ein Wort, das hier endlich nichts mehr mit einer Uhr zu tun habe. Wir lachten beide, leise, und das Lachen löste etwas, das die Nacht noch festgehalten hatte.
Am Nachmittag, wenn das Wort stimmte, lagen wir auf dem Steg in der Sonne, die Kleider halb ab, die Haut warm. Markus las. Ich döste mit dem Kopf auf seinem Bauch und hörte das Wasser unter den Brettern. Einmal strich er mir über die Wange, nur so, und ich fing seine Hand und küsste die Innenfläche. Kein Spiel, kein Einsatz. Nur wir. Ich dachte daran, wie klar die Regeln gewesen waren und wie sehr gerade diese Klarheit die Nacht weit gemacht hatte. Ohne sie hätte ich mich gehetzt, hätte nach der Uhr gesehen, hätte den Akt in ein vorgegebenes Abendstück gepresst. Mit ihnen hatte ich verloren und dabei gewonnen, was ich eigentlich gewollt hatte: dass jemand, dem ich traute, das Tempo hielt, während ich aufhörte, es zu jagen.
Als das Licht flach wurde und die Kiefern dunkel standen, holten wir den Schlüssel unter dem Dielenbrett hervor. Die Schachtel öffnete sich mit einem kleinen Laut. Die Telefone lagen still, die Uhren ohne Anspruch, solange wir sie nicht ansahen. Markus nahm seine Armbanduhr nicht sofort. Er sah mich an. Ich sagte, wir könnten noch warten, bis wir im Auto säßen, oder bis der Morgen in der Stadt uns wieder einteile. Er nickte und legte den Deckel wieder auf, ohne den Schlüssel abzuziehen, nur angelehnt. Die Regeln der Wette waren erfüllt. Die der Zärtlichkeit nicht, die brauchten kein Ende an einem Sonntag.
In der letzten Helligkeit gingen wir noch einmal zum Wasser. Markus stellte sich hinter mich, die Arme um meine Taille, das Kinn an meiner Schläfe. Ich legte die Hände auf seine. Der See nahm das letzte Licht und gab es nicht als Zahl zurück, sondern als einen langen Streifen. Ich sagte, dass ich die Wette fair verloren hätte und sie wieder verlieren würde, wenn er mich wieder so führe. Er antwortete, er würde sie wieder annehmen, und dass er mich auch dann fragen würde, an jeder Schwelle. Ich drehte mich in seinen Armen und küsste ihn, langsam, mit dem ganzen müden, satten Körper. Hinter uns wartete die Schachtel. Vor uns lag das Wasser. Zwischen beidem standen wir, ohne Uhr, und das genügte.
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