Unter dem alten Spalier
Für Frauen · 32 Minuten lesen · 42 Minuten hören
Gelesen von Ekaterina
Teil 3 der Serie Ihre Lust (1)
Die Erde unter meinen Knien ist noch warm, obwohl die Sonne schon hinter die Hainbuchenhecke gesunken ist. Ich arbeite seit dem frühen Nachmittag im südlichen Beet und ziehe das zähe Gras aus dem lockeren Boden, den wir damals extra für die Blumen gemischt haben. Ich bin vierunddreißig. An Tagen wie diesem spüre ich das nicht als Zahl, sondern als Ruhe in den Händen: ich weiß, wo der Boden nachgibt, und ich weiß, wo eine Wurzel nur so tut, als hätte sie aufgegeben.
Die Besitzer des Hauses sind bis Montag in der Stadt. Sie haben mir den Schlüssel gelassen und gebeten, die Kanten zu stechen und die Birnbäume am Spalier auszulichten. Ein Spalier ist das flache Gerüst aus Holzleisten an der warmen Mauer, an dem die Bäume wie an einer Leiter wachsen. Ich kenne jede Leiste. Ich habe sie vor drei Jahren mitgebunden, als der Garten noch eine Baustelle aus Kies und nackter Erde war.
Mein Leinenhemd klebt im Nacken, dort wo das Haar aus dem Knoten gerutscht ist. Die Ärmel sind hochgeschoben. Die Arbeitshose gibt Erde ab, sobald ich mich bewege. Darunter trage ich nur einen einfachen Slip, weil der Tag zu heiß für mehr war und niemand hier sein sollte außer den Amseln. Jetzt, wo die Luft kühler wird, spüre ich den Stoff an den Brüsten, jedes Mal wenn ich mich nach vorn beuge. Die Brustwarzen sind empfindlich von der Wärme und von etwas, das ich seit dem Morgen nicht wegschieben kann.
Ich denke nicht mit Absicht an ihn. Das wäre eine kleine Lüge, und ich leiste mir solche Lügen nicht mehr. Sein Name steht auf dem Plan in der Gartenhütte, in schmaler Schrift am Rand: Abstände, Wurzeln, keine Eile. Elias zeichnet Gärten. Er sagt, wo welche Pflanze stehen soll, und damals hat er neben mir gekniet und den Boden mit denselben Händen angefasst, mit denen er die Linien gezogen hat. Ich habe die Schrift heute Morgen länger angesehen, als nötig gewesen wäre. Dann habe ich die Schere genommen und mit der Arbeit angefangen, als könnte Arbeit einen Namen aus dem Kopf schieben.
Es hat nicht funktioniert. Die Unruhe sitzt tief im Bauch, warm und ohne Eile, und sie wird stärker, wenn ich an seinen Mund denke. Ich habe diesen Mund nie geküsst. Das ist der Teil, der mich nach drei Jahren noch ärgert. Nicht die verpassten Briefe. Nicht Hamburg. Der Mund, den ich fast gehabt hätte, und die Tatsache, dass mein Körper sich daran erinnert, als wäre es gestern gewesen.
Damals, im ersten Sommer, haben wir dieses Gerüst zusammen gespannt. Er hat die Drähte gezogen. Ich habe die jungen Triebe geführt, vorsichtig, damit das Holz nicht bricht. Einmal ist seine Hand über meine gekommen, nur um einen Knoten zu korrigieren, und wir sind beide still geworden. Seine Handfläche war warm und ein wenig rau von der Baustelle. Ich habe den Atem angehalten, bis er die Hand weggenommen hat, zu langsam für einen Zufall und zu schnell für ein Geständnis.
Am letzten Abend standen wir unter den noch kahlen Leisten. Die Mauer gab die Hitze des Tages zurück. Er hat meinen Namen gesagt, Lena, ganz leise, und ich habe den Mund schon geöffnet. Dann hat sein Telefon geklingelt, ein Auftrag im Norden, und der Moment ist in die Dämmerung gefallen wie ein Werkzeug, das man am nächsten Morgen nicht wiederfindet. Er ist gefahren. Ich habe die restlichen Triebe allein gebunden und mir geschworen, nicht auf eine Nachricht zu warten. Die Nachricht kam nicht. Ich habe andere Gärten angenommen und diesen hier erst in diesem Jahr wieder, weil die Besitzer mich namentlich wollten und weil ich glaubte, drei Jahre seien genug Abstand.
Sie sind nicht genug. Das weiß ich, während ich eine lange weiße Wurzel aus der Erde ziehe und sie auf das Leinentuch neben mir lege. Meine Hände sind dunkel bis zu den Gelenken. Ich mag das. Es hält mich am Boden, im wörtlichen Sinn, und heute brauche ich den Boden, weil meine Gedanken sonst zu seinem Hals wandern, zu der Stelle unter dem Ohr, die damals in der Sonne glänzte, wenn er sich bückte. Ich schiebe die Erde mit den Fingern glatt und sage mir, dass er nicht kommen wird. Der Plan ist da. Der Mann muss nicht da sein.
Ein Motor auf dem Kies widerlegt mich. Ich hebe den Kopf. Das Tor steht offen, weil ich Erde aus dem Anhänger geholt habe. Ein dunkler Wagen rollt langsam bis zur Hecke und hält. Ich kenne das Auto nicht. Ich kenne die Art, wie die Tür aufgeht: bedächtig, als prüfe jemand zuerst den Boden, bevor er ihn betritt. Elias steigt aus. Er ist siebenunddreißig, das hat er mir damals in einem Satz über Bäume gesagt, die man nicht hetzen darf, und drei Jahre ändern eine Zahl, ohne einen Menschen unkenntlich zu machen. Er ist größer, als meine Erinnerung ihn gehalten hat, oder ich knie nur, und die Welt verschiebt sich.
Er bleibt am Wagen stehen und sieht mich an. Die Abendsonne trifft sein Gesicht von der Seite. An den Schläfen ist mehr Grau, als ich erwartet habe. Der Mund ist derselbe, ruhig und ein wenig ernst. In der Hand hält er eine Rolle Papier. Eine Weile sagt keiner von uns etwas. Die Amsel im Birnbaum übernimmt das Reden, scharf und ohne Rücksicht.
„Lena“, sagt er.
Meine Stimme kommt später als mein Körper. Ich stehe auf. Die Knie sind steif, die Hände voller Erde, und ich nicke, weil Nicken sicherer ist als der Satz, der mir auf der Zunge liegt. „Elias.“
Er kommt über den Kies, nicht schnell. Er trägt ein helles Hemd, die Ärmel ebenfalls hoch, und eine Hose, die schon Garten gesehen hat, nicht nur das Büro. Das beruhigt mich auf eine dumme Art. Er ist nicht als Fremder in einem sauberen Anzug hier. Er ist als der Mann hier, der neben mir in der Erde gekniet hat. Drei Jahre stehen trotzdem zwischen uns wie eine Hecke, die man noch nicht geschnitten hat.
„Die Besitzer haben mich gebeten, die Pflanzung mit dem Plan zu vergleichen, bevor der Herbst kommt“, sagt er. Seine Stimme ist tiefer, als ich sie im Kopf hatte, oder ich habe sie mir weicher gemerkt, um sie ertragen zu können. „Ich wusste nicht, ob du es bist. Ich habe gehofft.“
Das letzte Wort legt er nicht besonders hin. Es liegt einfach da, zwischen uns, und ich muss entscheiden, ob ich es aufhebe. Ich wische die Hände an der Hose ab, obwohl das nichts nützt, und sehe ihn an. „Ich habe den Plan heute Morgen gelesen. Deine Schrift ist noch dieselbe.“
Ein kleines Lächeln, nur an einer Seite. „Deine Kanten auch. Die hier ist gerade, ohne hart zu sein.“ Er nickt zum Beet. Es ist ein fachliches Kompliment, und es trifft mich trotzdem unter dem Hemd, weil er immer so gesehen hat: genau, ohne zu drängen. Ich spüre, wie die Wärme im Bauch sich sammelt, als hätte jemand eine Hand darauf gelegt.
„Willst du den Rundgang“, frage ich, „oder willst du erst Wasser? In der Hütte steht eine Flasche, und ich habe noch eine im Schatten.“
„Wasser später. Wenn du Zeit hast, gehe ich mit dir. Ich will sehen, was gehalten hat.“
Wir gehen nebeneinander, nicht zu nah. Der Kies knirscht. Ich zeige ihm die Stauden, die den ersten harten Winter überstanden haben, und die Stelle, an der eine Rose trotz seines Plans nach Westen gewachsen ist, weil die Sonne dort freundlicher war als auf dem Papier. Er hört zu. Er widerspricht nicht aus Stolz. Er fragt, warum ich die Rose gelassen habe, und ich sage, weil sie dort blüht und weil ein Plan ein Versprechen an den Ort ist, kein Käfig. Er nickt, langsam, und ich sehe, dass ihm die Antwort gefällt.
Am Lavendel bleibt er stehen. Die Blüten sind fast vorbei, der Duft noch im Kraut. Er streicht mit zwei Fingern über einen Stängel, und der Geruch steigt zwischen uns auf, trocken und süß. „Du hast den Abstand gehalten“, sagt er. „Ich hatte Angst, jemand würde sie zu dicht setzen, damit es im ersten Jahr voll aussieht.“
„Voller sieht im ersten Jahr gut aus und im dritten krank“, sage ich. „Das hast du mir damals erklärt. Ich habe es nicht vergessen, nur weil du nicht geschrieben hast.“
Der Satz ist draußen, bevor ich ihn milder machen kann. Ich bereue ihn nicht. Ich bereue nur, dass meine Stimme am Ende ein wenig rau wird. Elias sieht nicht weg. Das rechne ich ihm an. Er steckt die Hände in die Taschen, als müsste er sie irgendwo lassen, wo sie nichts anfassen, was nicht angeboten ist.
„Ich hätte schreiben sollen“, sagt er. „Ich habe in Hamburg angefangen und mir gesagt, ein Brief nach zwei Wochen wäre ehrlicher als ein Brief nach zwei Tagen, in dem ich etwas verspreche, das ich nicht halten kann. Dann wurden aus zwei Wochen Monate, und ein Brief fühlte sich an wie eine Entschuldigung, die zu spät kommt, um noch eine zu sein. Das ist keine gute Erklärung. Es ist nur die wahre.“
Ich atme den Lavendel ein und lasse den Ärger da sein, ohne ihn zur einzigen Stimme zu machen. „Ich war wütend“, sage ich. „Und ich habe dich trotzdem gewollt. Beides kann in einem Menschen wohnen. Ich habe andere Arbeit genommen, damit ich nicht an dieser Mauer stehe und auf ein Auto warte, das nicht kommt.“
„Und heute stehst du hier.“
„Heute habe ich einen Auftrag. Dass du kommst, war eine Möglichkeit, keine Verabredung.“ Ich sehe ihn an. „Aber ich habe das Hemd heute Morgen zweimal angezogen, bevor ich das alte genommen habe. Das kannst du wissen. Es ändert nichts an den drei Jahren. Es sagt nur, dass ich nicht so gleichgültig bin, wie ich ausgesehen habe, als du aus dem Wagen gestiegen bist.“
Er lässt die Luft aus, als hätte er sie seit dem Tor gehalten. „Du hast nicht gleichgültig ausgesehen. Du hast ausgesehen wie jemand, der entscheidet, ob er einen Menschen nah genug heranlässt, um ihn zu erkennen.“
Wir gehen weiter, am Rand des Rasens entlang, bis die Mauer uns aufnimmt. Das Spalier wirft schon längere Schatten. Die Birnen sind klein und hart und duften trotzdem, grün und ein wenig nach Sonne, die im Holz steckt. Ich bleibe unter der mittleren Leiste stehen, genau dort, wo wir damals gestanden haben. Mein Herz schlägt so deutlich, dass ich es im Hals spüre. Ich lege die Hand an eine Leiste, nicht weil ich Halt brauche, sondern weil ich etwas tun muss, das nicht das Berühren seines Arms ist.
„Hier“, sagt er leise. Er muss nicht mehr sagen. Er erinnert sich an die Stelle, und das macht mich weicher, als ich vor einer Minute sein wollte.
„Hier hat dein Telefon geklingelt“, sage ich. „Ich habe danach noch eine Stunde gebunden und mir eingebildet, ich sei froh, dass nichts angefangen hat. Ich war nicht froh. Ich war nur allein mit einem halben Satz.“
Elias stellt die Planrolle an die Mauer. Er kommt nicht näher, als ich es zulasse. Zwischen uns ist noch eine Armlänge, und in dieser Armlänge liegt die ganze Frage. „Ich bin nicht vergeben“, sagt er. „Ich sage das, weil ich es nicht zwischen uns stehen haben will, unausgesprochen. Wenn du jemanden hast, gehe ich den Plan mit dir durch und fahre, und ich werde freundlich sein und dich nicht anfassen.“
„Ich habe niemanden“, sage ich. „Nicht seit dem Frühjahr, und auch davor niemanden, der diesen Platz hier besetzt hätte. Ich will keine Umwege mehr. Nicht heute.“
Er nickt. Seine Augen sind dunkel in dem Licht, das von der Mauer zurückkommt. „Dann frage ich dich geradeheraus, Lena. Darf ich näher kommen? Nicht für den Plan. Für dich.“
„Ja.“ Das Wort ist klein und vollständig. Ich sage es noch einmal, weil ich will, dass er es zweimal hört. „Ja. Komm her.“
Er tritt in die Armlänge. Er hebt nicht sofort die Hände. Er sieht mich an, als wolle er sicher sein, dass das Ja noch da ist, wenn er nah genug ist, um meinen Atem zu spüren. Ich nehme seine Hand und lege sie an meine Taille, über das Leinen, dort wo die Wärme meiner Haut durch den Stoff geht. Seine Finger schließen sich, vorsichtig zuerst, dann fester, als ich mich nicht zurückziehe. Ein Laut bleibt in meiner Kehle, kein Wort, nur das Eingeständnis, dass mein Körper auf diese Hand gewartet hat, länger als mein Stolz zugeben wollte.
„Wenn du willst, dass ich aufhöre, sagst du es“, sagt er. „Jederzeit. Auch mitten in etwas. Ich höre.“
„Ich sage es, wenn ich es will“, antworte ich. „Im Moment will ich, dass du mich küsst. Nicht fast. Wirklich.“
Er beugt sich herunter. Der erste Kuss ist kein Sturz. Er ist ein Ankommen. Seine Lippen sind warm und ein wenig trocken von der Fahrt, und sie werden weich, sobald ich den Mund öffne. Ich schmecke Minze und den Staub der Straße und darunter ihn, einen Geschmack, den ich nicht benennen kann und der mir sofort vertraut vorkommt. Meine erdigen Hände bleiben einen Moment in der Luft, weil ich sein Hemd nicht verschmutzen will. Dann denke ich, dass er in Gärten arbeitet und Erde nicht fürchtet, und ich lege die Hände an seinen Nacken. Die Körner unter meinen Nägeln stören ihn nicht. Er zieht mich näher, bis meine Brüste gegen seine Brust drücken und das Leinen zwischen uns fast nichts mehr ist.
Der Kuss wird tiefer. Seine Zunge trifft meine, langsam, fragend, und ich antworte, indem ich ihn einlade, nicht indem ich hetze. Ein Ziehen läuft von meinem Mund in den Bauch und von dort zwischen die Schenkel, so klar, dass ich die Beine ein wenig enger zusammennehme und es dadurch nur stärker spüre. Er merkt es. Seine Hand an meiner Taille rutscht eine Spur tiefer, auf die Hüfte, und der Daumen streicht über den Knochen, hin und her, eine kleine Bewegung, die mich atemloser macht als der Kuss allein.
„Ich habe das gewollt, seit du meinen Namen gesagt hast“, murmelt er an meinem Mund. „Und davor. Seit dem Knoten im Draht. Ich habe nachts daran gedacht, wie deine Hand unter meiner still geworden ist.“
„Ich auch“, sage ich. „Ich habe daran gedacht, wenn ich andere Gärten gebunden habe und die Hände nicht die richtigen waren. Das ist ärgerlich und wahr.“
Er lacht leise, nur ein Hauch, und küsst mich wieder, diesmal an den Mundwinkel, dann an die Wange, dann unter das Ohr, genau an die Stelle, die ich heute in der Erde gesucht habe, ohne es mir einzugestehen. Seine Lippen dort lassen meine Knie weich werden. Ich halte mich an seinen Schultern fest. Er riecht nach Baumwolle, nach warmer Haut und ein wenig nach dem Lavendel, den er berührt hat. Ich drehe den Kopf und gebe ihm mehr Hals. Er versteht es. Er küsst langsamer, mit offenem Mund, und die feuchte Wärme seiner Zunge an meiner Haut schickt ein Schaudern bis in die Brustwarzen.
„Nicht hier auf dem Kies“, sage ich, obwohl mein Körper schon ja sagt, egal wo. „Hinter der Mauer, unter dem Gerüst, liegt mein Arbeitstuch. Es ist nicht schön. Es ist sauber genug, und niemand kommt. Die Besitzer sind fort. Das Tor kann ich schließen.“
„Dann schließ es“, sagt er. „Ich warte. Ich gehe nicht weg.“
Ich gehe zum Tor, barfuß in den Schuhen, die plötzlich zu fest sind, und schiebe den Riegel vor. Das Metall ist kühl. Als ich zurückkomme, hat er das Leinentuch aus dem Beet geholt, ausgeschüttelt und im Schatten der Mauer ausgebreitet, dort wo das Gras weich ist und die Birnenblätter uns von der Straße decken. Die Planrolle liegt daneben, vergessen auf eine Art, die mich mehr erregt als jedes absichtliche Wort. Er sieht mich kommen und streckt die Hand aus. Ich nehme sie. Wir sinken nicht sofort. Wir stehen noch einen Atemzug, Stirn an Stirn, und ich spüre, wie hart er schon ist, durch die Hose, an meinem Bauch. Das Wissen macht mich nass, deutlich, zwischen den Beinen, und ich schäme mich nicht dafür.
„Ich will dich sehen“, sage ich. „Nicht alles auf einmal, wenn du langsam willst. Aber ich will dein Hemd auf und meine Hände auf der Haut.“
„Langsam ist gut“, sagt er. „Langsam heißt nicht weniger.“
Er öffnet die Knöpfe selbst, von oben, und ich schiebe den Stoff von seinen Schultern. Seine Brust ist warm, mit dunklem Haar, das zum Bauch schmaler wird. Ich lege die flache Hand darauf und spüre das Herz, schnell trotz seiner ruhigen Stimme. Er schließt die Augen für eine Sekunde, als meine erdigen Finger über die Brustwarze streichen. Ich mache es noch einmal, absichtlich, und sehe, wie sein Mund sich öffnet. Dann küsse ich die Stelle, die ich berührt habe, und schmecke Salz. Er greift in mein Haar, nicht ziehend, nur haltend, und sein Atem geht schwerer.
„Darf ich dein Hemd aufmachen“, fragt er.
„Ja. Und du darfst anfassen. Ich will deine Hände auf den Brüsten. Ich habe den ganzen Nachmittag den Stoff gespürt und an dich gedacht. Das ist fast unanständig für eine Frau mit einer Schere in der Hand, und es ist trotzdem so gewesen.“
Er lächelt, diesmal ganz, und das Lächeln fällt in sich zusammen, sobald er das Leinen öffnet und meine Brüste frei sind. Die Abendluft ist kühl auf der erhitzten Haut. Meine Brustwarzen sind schon fest, dunkelrosa, empfindlich. Er sieht mich an, nicht nur den Körper, und wartet, bis ich nicke. Dann legt er beide Hände um mich, groß und warm, und die Daumen streichen über die Spitzen, einmal, zweimal, mit einem Druck, der genau an der Grenze zwischen zu wenig und genug liegt. Ich stöhne, leise, und der Laut überrascht mich nicht. Er gehört hierher.
„Schöner, als ich es mir ausgemalt habe“, sagt er. „Und ich habe es mir oft ausgemalt. Das darf ich dir sagen, oder?“
„Du darfst. Ich will hören, dass du mich gewollt hast. Nicht nur jetzt. Auch in den Jahren, in denen du nicht geschrieben hast. Das macht die Jahre nicht gut. Es macht diesen Abend wahr.“
Er senkt den Kopf und nimmt eine Brustwarze in den Mund. Die Hitze seiner Zunge, das sanfte Saugen, das leichte Streichen der Zähne, das er sofort milder macht, als ich zusammenzucke: alles davon läuft als heller Strich in meinen Schoß. Ich halte seinen Kopf und drücke mich ihm entgegen, nicht grob, deutlich. Er wechselt zur anderen Brust und lässt die erste nicht allein. Seine Hand bleibt, der Daumen kreist, feucht von seinem Mund. Meine Knie geben nach. Er fängt mich und wir gehen zusammen auf das Tuch, ich auf dem Rücken, er über mir, gestützt auf einen Arm, damit sein Gewicht ein Versprechen bleibt und keine Last.
Ich ziehe ihn zu einem Kuss herunter und schmecke mich selbst auf seiner Zunge, salzig und warm. Meine Hände wandern über seinen Rücken, die Muskeln, die sich bewegen, wenn er sich hält. Ich will mehr von ihm. Ich öffne seinen Gürtel, langsam genug, dass er mich stoppen könnte, und er stoppt mich nicht. Er hebt die Hüften, hilft, und dann ist seine Hose offen und sein Schwanz liegt schwer und heiß in meiner Hand. Die Haut ist glatt, die Härte darunter eindeutig. Ich streiche von der Wurzel bis zur Spitze und wieder zurück, und er flucht leise in meinen Mund, ein Wort ohne Schärfe, nur Überraschung darüber, wie gut das ist.
„So“, sage ich. „Ich will wissen, wie du dich anfühlst. Ich habe drei Jahre nur die Hand auf dem Draht gehabt.“
„Du hast mehr als das“, sagt er, und seine Stimme bricht ein wenig, als ich den Daumen über die feuchte Spitze ziehe. „Lena. Wenn du so weitermachst, wird dieser Abend kürzer, als ich ihn will.“
„Dann sage ich dir, wann ich aufhöre. Noch nicht.“
Ich richte mich auf, schiebe ihn sanft auf den Rücken und knie neben ihm. Das Tuch ist rau unter meinen Knien, vertraut von der Arbeit, und diese Vertrautheit neben seiner nackten Haut macht mich noch erregter. Ich beuge mich hinunter und nehme ihn in den Mund, nicht tief auf einmal, sondern mit der Zunge zuerst, die Unterseite entlang, langsam, damit ich seinen Geschmack lerne. Er ist salzig und sauber und warm. Seine Hand findet mein Haar und bleibt dort, ohne zu drücken. Ich sehe zu ihm hoch. Seine Augen sind halb geschlossen, der Mund offen, und er sieht aus wie ein Mann, der etwas bekommt, das er sich nicht zu nehmen getraut hat. Das gefällt mir. Ich nehme ihn tiefer, die Lippen fest, eine Hand an der Wurzel, die andere auf seinem Bauch, wo die Muskeln springen.
„Gott, Lena“, sagt er. „Dein Mund. Ich habe nicht gewusst, dass es sich so anfühlen kann, nur weil du es bist.“
Ich arbeite langsam, dann ein wenig schneller, und höre auf seinen Atem, nicht auf eine Vorstellung davon, wie das aussehen soll. Als seine Hüften sich heben wollen und er sie mit sichtbarer Mühe still hält, lasse ich ihn aus dem Mund gleiten und küsse die Spitze, einmal, zart. „Noch nicht“, sage ich. „Ich will dich in mir, aber nicht, bevor du mich angefasst hast. Ich bin schon so weit, dass ich es kaum aushalte, und ich will, dass du es spürst.“
„Komm her“, sagt er. „Leg dich hin. Ich will dich schmecken. Wenn das zu viel ist, sagst du es, und ich bleibe bei den Händen.“
„Es ist nicht zu viel. Es ist genau das, was ich will.“
Er zieht mir die Arbeitshose aus, Schuhe zuerst, dann den Stoff, der an den Schenkeln Erde hinterlässt. Der Slip ist dunkel vor Nässe, und ich sehe, dass er es sieht. Ein Muskel in seinem Kiefer arbeitet. Er streift den Slip über meine Beine, langsam, und wirft ihn nicht achtlos weg, sondern legt ihn neben das Tuch, als gehöre auch das zu der Sorgfalt, mit der er Gärten anfasst. Dann kniet er zwischen meinen Schenkeln und sieht mich an, offen, ohne Hast. Die Abendluft auf meiner nassen Haut ist ein Schock und eine Liebkosung zugleich. Ich spreize die Beine ein wenig mehr, weil ich nicht will, dass er raten muss.
„Du bist wunderschön“, sagt er. „Und du bist nass für mich. Darf ich?“
„Ja. Mit dem Mund. Und mit den Fingern, wenn du merkst, dass ich es brauche. Ich sage dir, was gut ist.“
Er küsst die Innenseite eines Schenkels, dann die andere, und kommt näher, bis sein Atem auf meiner empfindlichsten Haut liegt. Die erste Berührung seiner Zunge ist breit und langsam, von unten nach oben, und ich wölbe den Rücken, ein Laut fällt aus mir, der in den Birnenblättern hängen bleibt. Er macht es noch einmal, derselbe Weg, und dann findet er die Klitoris und umkreist sie, nicht direkt auf der Spitze, sondern dort, wo es hell und erträglich und trotzdem fast zu viel ist. Ich greife ins Tuch. Meine andere Hand liegt in seinem Haar. Ich ziehe nicht. Ich halte nur, damit er weiß, dass ich hier bin und dass er bleiben soll.
„Da“, sage ich, als er einen Punkt trifft, der mir die Zehen krümmt. „Genau da. Nicht schneller. Ein bisschen fester mit der Zunge. Ja. So.“
Er hört. Das ist das Erregendste daran, mehr noch als die Geschicklichkeit: er hört und bleibt bei dem, was ich nenne, statt zu beweisen, dass er es besser weiß. Zwei Finger legen sich an meinen Eingang, gleiten durch die Nässe, und er wartet. Ich nicke, unfähig zu einem langen Satz. Er schiebt einen Finger in mich, dann den zweiten, langsam, und krümmt sie, während seine Zunge weiter kreist. Die Fülle und das Saugen und der kühle Abend auf meinen Brüsten kommen zusammen. Ich spüre, wie sich alles in mir sammelt, tief und eng und unaufhaltsam.
„Elias. Ich komme, wenn du so bleibst. Bleib. Bitte bleib genau so.“
Er bleibt. Seine Finger bewegen sich in einem ruhigen Rhythmus, seine Zunge nicht wild, sondern treu an der Stelle, die ich ihm gezeigt habe. Die Spannung zieht sich zusammen, hält einen Herzschlag lang auf der Kante, und dann bricht sie. Ich komme mit einem Schrei, den ich in den Unterarm drücken will und nicht ganz schaffe. Die Wellen laufen durch den Bauch, durch die Schenkel, durch die Stelle, an der seine Finger mich halten. Er mildert den Druck, sobald ich zucke, und küsst mich durch das Nachbeben, leichter, bis ich seine Schulter anfasse und ihn hochziehe, weil die direkte Berührung jetzt zu hell ist und ich trotzdem seinen Mund will.
Ich küsse ihn und schmecke mich, moschusartig und süß, und es stört mich nicht. Es gehört zu diesem Abend. Mein Atem geht noch schnell. Seine Erektion liegt heiß an meinem Oberschenkel, und das Verlangen, das der Höhepunkt hätte stillen können, kehrt sofort zurück, anders, tiefer, auf Fülle aus.
„In meiner Tasche, Seitentasche, sind Kondome“, sage ich. „Ich habe sie dabei, weil ich erwachsen bin und weil ich heute Morgen, gegen jede Vernunft, gehofft habe, dass dieser Plan dich herbringt. Hol eines. Ich will dich in mir. Jetzt, wenn du auch willst.“
„Ich will“, sagt er, und die Rauheit in seiner Stimme lässt mich erneut zusammenziehen. Er findet die Tasche, das kleine Päckchen, und kommt zurück. Ich nehme es ihm ab, reiße es auf und rolle das Kondom über ihn, langsam, die Hand fest, weil ich sehen will, wie seine Augen dabei dunkel werden. Er ist dick in meiner Faust, die Ader an der Unterseite deutlich, die Spitze schon wieder feucht unter dem dünnen Material. Ich streiche einmal die ganze Länge und sehe, wie er die Zähne zusammenbeißt.
„Komm“, sage ich. „Langsam hinein. Ich will jeden Zentimeter spüren. Und ich will dein Gesicht dabei.“
Er legt sich zwischen meine Schenkel. Eine Hand stützt ihn, die andere führt ihn an meinen Eingang. Die erste Berührung ist stumpf und heiß und richtig. Er drückt vor, nur die Spitze, und hält inne. Ich atme aus und öffne mich um ihn. Es zieht ein wenig, auf die gute Art, die Fülle nach dem Orgasmus empfindlich und willkommen. Er sieht mich an. Ich nicke. Er gleitet tiefer, Zentimeter für Zentimeter, bis er ganz in mir ist und unsere Hüften sich treffen. Wir bleiben so, still, nur der Atem und das ferne Auto auf der Straße hinter der Hecke, das nichts mit uns zu tun hat.
„Du fühlst dich unglaublich an“, sagt er. „Eng und warm. Sag mir, wenn ich mich bewegen soll.“
„Beweg dich. Langsam. Tief. Ich will dich nicht hetzen, und ich will dich auch nicht schonen.“
Er zieht sich fast ganz zurück und kommt wieder, ein langer Stoß, der mich ausfüllt, bis ich die Augen schließen muss. Beim zweiten Mal halte ich die Augen offen, weil ich sein Gesicht sehen will: die Konzentration, die Zärtlichkeit, das Hungrige, das er nicht versteckt. Seine Hüften finden einen Rhythmus, nicht schnell, gründlich. Jedes Mal, wenn er tief ist, streift etwas in mir eine Stelle, die nachglüht und neu aufleuchtet. Ich hebe ihm die Hüften entgegen. Meine Fersen liegen an seinen Waden. Die Mauer im Rücken der Welt gibt noch Wärme ab, und über uns rascheln die Blätter, wenn ein kleiner Wind durch das Gerüst geht.
„Härter“, sage ich nach einer Weile, und das Wort ist klar, kein Flüstern aus Scham. „Nicht grob. Härter. Ich will spüren, dass du mich willst und nicht nur vorsichtig bist.“
Er gibt mir, was ich verlange. Die Stöße werden bestimmter, das Geräusch von Haut auf Haut leise und eindeutig unter den Birnen. Eine Hand schiebt sich unter meinen Rücken und hebt mich ein wenig an, sodass er noch tiefer kommt. Ich stöhne seinen Namen. Meine Brüste bewegen sich mit jedem Stoß, und er senkt den Kopf und nimmt eine Brustwarze in den Mund, ohne den Rhythmus zu verlieren. Die doppelte Empfindung, Mund und Fülle, bringt mich schnell wieder an den Rand. Ich halte ihn an den Schultern und sage es ihm, weil ich gelernt habe, dass er bleibt, wenn ich spreche.
„Ich bin nah. Fass mich an, während du in mir bist. Mit den Fingern, oben. So wie vorhin, nur leichter, ich bin empfindlich.“
Seine Hand findet die Stelle zwischen uns, zwei Finger, feucht von mir, leichte Kreise. Er stößt weiter, tief und gleichmäßig, und die Kreise bleiben bei meinem Takt, nicht bei seinem Ehrgeiz. Es ist fast zu genau. Ich komme zum zweiten Mal, enger als beim ersten, um ihn herum, die inneren Muskeln ziehen sich zusammen und lassen nicht sofort los. Er flucht wieder, sanft, und hält still in mir, während ich zucke, die Stirn an meiner, der Atem heiß auf meinem Mund. Ich küsse ihn mitten im Nachbeben, unordentlich, dankbar, noch immer voll von ihm.
„Ich will oben sein“, sage ich, als ich wieder Worte habe. „Ich will das Tempo. Und ich will dich ansehen, wenn du kommst.“
Wir drehen uns, ungeschickt und lachend auf die kurze, echte Art, die nichts kaputt macht. Er liegt auf dem Rücken. Ich setze mich über ihn und führe ihn wieder in mich, diesmal in meinem Tempo, hinunter, bis ich sitze und die Fülle anders ist, tiefer von oben, ein Druck, der mir den Atem für einen Moment nimmt. Seine Hände liegen an meinen Hüften, die Daumen streichen über die Knochen. Er sieht zu mir auf, als wäre das Licht unter dem Spalier nur für dieses Bild gemacht: meine Brüste, mein offener Mund, das Haar, das sich ganz gelöst hat und über die Schultern fällt, Erde noch an einem Handgelenk.
Ich bewege mich, erst kreisend, damit ich die Stelle finde, dann auf und ab, langsam, die Schenkel arbeiten, die Knie auf dem rauen Tuch. Er kommt mir entgegen, nicht übernehmend, nur begegnend. Eine seiner Hände wandert zu meiner Brust, hält sie, der Daumen über der Brustwarze, und ich lege meine Hand auf seine, damit er den Druck hält, den ich brauche. Die andere Hand lasse ich zwischen meinen Beinen, neben der Stelle, an der er in mir verschwindet, und ich reibe mich selbst, weil ich weiß, wie, und weil ich will, dass er zusieht.
„Sieh mich an“, sage ich. „Ich will, dass du siehst, wie ich dich nehme.“
„Ich sehe dich“, sagt er. Seine Stimme ist kaum noch glatt. „Ich sehe alles. Du bist so schön, wenn du das tust. Lena, ich halte nicht mehr sehr lange. Sag mir, wo du mich willst, wenn ich komme.“
„In mir. Das Kondom ist da. Komm in mir. Ich will es spüren, so gut es geht, und ich will dein Gesicht.“
Ich reite ihn fester, nicht wild, aber ohne Zurückhaltung. Der dritte Höhepunkt baut sich anders auf, aus den Oberschenkeln, aus dem Reiben meiner Finger, aus der Art, wie er jedes Mal nach oben stößt, wenn ich hinunterkomme. Sein Griff an meiner Hüfte wird fester. Er warnt mich mit meinem Namen, einmal, zweimal. Ich beuge mich vor, die Hände neben seinem Kopf, und küsse ihn, während ich mich weiterbewege, kürzere Bewegungen, tief. Er kommt mit einem rauen Laut in meinen Mund, die Hüften gehoben, der Körper unter mir gespannt und dann zitternd. Ich spüre das Pulsieren, gedämpft und trotzdem deutlich, und die Vorstellung, dass er sich in mir löst, wirft mich über die letzte Kante. Ich reibe schneller, zwei, drei Kreise, und komme mit ihm noch in mir, die Stirn an seiner, ein langes, leises Stöhnen, das kein Schrei mehr sein muss, weil niemand hier etwas beweisen muss.
Wir bleiben so, ineinander, bis die Empfindlichkeit uns zwingt, uns zu lösen. Ich hebe mich vorsichtig. Er hält das Kondom, knotet es mit der praktischen Ruhe eines Menschen, der auch sonst aufräumt, was er benutzt hat, und legt es in eine Tüte aus meiner Tasche, die ich ihm reiche, ohne dass einer von uns die Zärtlichkeit dafür verliert. Dann zieht er mich an seine Seite. Das Tuch ist zerknittert. Ein Birnenblatt klebt an meiner Schulter. Er nimmt es ab und legt es ins Gras, als wäre auch das eine kleine Geste der Ordnung in einem Abend, der sonst keine braucht.
Die Luft ist kühler geworden. Meine Haut, eben noch heiß, bekommt eine Gänsehaut an den Armen. Elias zieht sein Hemd über mich, nicht über sich, und der Stoff riecht nach ihm und nach dem Tag. Ich schmiege mich an seine Brust. Sein Herz schlägt noch schnell. Meine Hand liegt auf seinem Bauch, die Finger entspannt, Erde in den Linien der Haut, und er scheint das nicht fortwischen zu wollen. Über uns hält das alte Gerüst die kleinen harten Birnen in die Dämmerung. Irgendwo in der Hecke singt die Amsel einen letzten Satz und hört dann auf.
„Ich habe nicht nur wegen des Plans angehalten“, sagt er nach einer Weile. „Ich habe die Besitzer gefragt, wer den Garten pflegt. Als sie deinen Namen gesagt haben, habe ich den Termin auf heute gelegt, nicht auf nächste Woche. Das ist kein Zufall gewesen. Ich wollte dich sehen, auch wenn du mich nur das Beet hättest zeigen lassen.“
„Ich weiß“, sage ich. „Nicht das mit dem Termin. Das mit dem Wollen. Man sieht es, wenn ein Mensch nur höflich ist. Du warst nicht nur höflich, schon am Tor nicht.“ Ich hebe den Kopf und sehe ihn an. Sein Gesicht ist weich im letzten Licht, der Mund ein wenig geschwollen von den Küssen. „Ich bin nicht mehr die Frau, die auf einen halben Satz wartet und dann ein Jahr so tut, als wäre Warten eine Tugend. Wenn du morgen fährst und wieder nichts sagst, werde ich nicht drei Jahre höflich bleiben. Ich werde dich anrufen und fragen, was das hier war. Oder ich werde es lassen und den Garten trotzdem gut pflegen. Beides kann ich. Ich will nur nicht noch einmal im Ungefähren stehen.“
Er streicht mir das Haar aus der Stirn. Die Geste ist so einfach, dass sie mich mehr trifft als manches Wort in der Hitze. „Dann sage ich es jetzt, solange wir noch nackt sind und die Ausreden keine Kleider anhaben. Ich will dich wiedersehen. Nicht nur in diesem Garten. Ich will wissen, wie du Kaffee trinkst und wie du morgens bist, bevor die Arbeit die Stimme glättet. Ich will dich wieder so anfassen, wenn du es willst, und ich will auch die Tage, an denen wir nur nebeneinander Beete ansehen. Hamburg ist vorbei. Ich bin hier, in der Stadt, seit dem Winter. Ich habe es dir nicht geschrieben, weil ich keinen Anspruch aus einem Fast-Kuss ableiten wollte. Das war feige. Heute ist es das nicht mehr.“
Ich lege das Ohr wieder auf seine Brust und höre, dass der Herzschlag zu den Worten passt, nicht hetzt und nicht lügt. „Dann komm morgen“, sage ich. „Nicht im Morgengrauen. Ich schlafe aus, und ich will duschen, bevor du Erde an mir kommentierst, die von heute ist. Gegen zehn. Wir gehen das nördliche Beet durch, wirklich, mit dem Plan, weil die Arbeit echt ist und ich sie nicht als Vorwand benutze. Danach koche ich Kaffee in der Hütte, wenn die Besitzer nichts dagegen haben, und sie haben nichts dagegen, solange ich nichts anzünde. Und wenn du mich dann noch küssen willst, sagst du es, und ich entscheide neu, mit wachem Kopf. Heute habe ich schon entschieden. Morgen darf ich es noch einmal tun.“
„Gegen zehn“, sagt er. „Ich bringe den Plan mit, diesmal aufgeschlagen, nicht als Rolle, die ich vergesse, sobald du den Mund aufmachst.“
Ich lache, kurz, in seine Haut hinein. Es ist kein Witz, den man weiterträgt. Es ist nur das Glück, dass der Körper und der Verstand im selben Abend Platz haben. Wir liegen noch, bis die Mauer ihre Wärme abgibt und meine Füße kalt werden. Dann ziehen wir uns an, ohne Eile und ohne die Verlegenheit, die ich befürchtet hatte. Er reicht mir den Slip, ich reiche ihm den Gürtel. Unsere Hände treffen sich dabei und bleiben einen Moment, schmutzig und warm, als müssten sie sich vergewissern, dass die drei Jahre wirklich hinter uns liegen und nicht nur für die Dauer eines Orgasmus.
Ich schließe die Hütte, nachdem wir die Flasche geteilt haben, Wasser, das nach Plastik und trotzdem nach Rettung schmeckt. Er trägt die Planrolle zum Wagen. Ich bleibe am Tor, die Hand am Riegel, das Haar noch offen. Er küsst mich einmal, am Wagen, kürzer als unter dem Spalier und nicht weniger ernst. In dem Kuss ist keine Frage mehr, nur das Versprechen, dass zehn Uhr ein echter Zeitpunkt ist und kein höflicher Nebel.
„Fahr vorsichtig“, sage ich.
„Schlaf“, sagt er. „Und lass die Erde an den Händen, bis du zu Hause bist, wenn du magst. Sie steht dir.“
Ich sehe seinen Wagen durch das Tor und höre den Kies, dann die Straße. Ich schiebe den Riegel vor und gehe noch einmal unter das Spalier, nicht aus Sentimentalität, die ich mir nicht leisten will, sondern weil ich das Tuch holen muss und weil ich den Ort noch einmal mit dem Körper betreten will, der jetzt anders ist als heute Mittag. Das Leinen riecht nach uns, nach Haut und Gras und ein wenig nach dem Gummi, den wir benutzt haben, und nach der Erde, die nie ganz weg war. Ich falte es zusammen. Über mir halten die alten Leisten die Birnen in die einsetzende Dunkelheit. Ich lege die Hand an das Holz, dasselbe Holz, an dem vor drei Jahren ein Telefon uns unterbrochen hat, und diesmal ist kein Ton da, der etwas wegnimmt.
Im Auto, bevor ich den Motor starte, sitze ich einen Moment mit den Händen auf dem Lenkrad und spüre das Nachglühen zwischen den Beinen, müde und zufrieden und ein wenig wund auf die Art, die ich morgen noch bemerken werde, wenn ich in die Hocke gehe. Ich bin vierunddreißig, und ich habe einen Mann von siebenunddreißig unter einem Birnenspalier geliebt, mit klarem Ja und mit offenem Mund und mit einem Termin um zehn, der kein Traum sein muss, um wahr zu sein. Die Stadtlichter kommen mir auf der Rückfahrt entgegen. Ich fahre nicht schnell. In der Tasche liegt der Plan, den er mir dagelassen hat, aufgeschlagen in einer Ecke, mit einem neuen Satz an der Seite, in derselben schmalen Schrift: Morgen, nördliches Beet. Und darunter, kleiner, nur für mich: Danke, dass du ja gesagt hast.
Ich lache nicht laut. Ich lege zwei Finger auf die Schrift, Erde auf Papier, und lasse sie dort, bis die Ampel grün wird. Dann fahre ich nach Hause, das Fenster einen Spalt offen, Lavendel noch im Haar oder nur in der Erinnerung, und der Abend schließt sich, nicht als offene Wunde und nicht als Märchen, sondern als etwas, das wirklich geschehen ist: seine Hände, mein Ja, das Holz über uns, und die Ruhe danach, die nach Schweiß und nach Birne schmeckt und nach einer Entscheidung, die ich nicht mehr zurücknehme, nur weil die Nacht kommt.
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