Die Wette gegen den Ring
Fremdgehen · 20 Minuten lesen · 27 Minuten hören
Gelesen von Meher
Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (14)
Der Regen hatte die Stadt den ganzen Tag nicht losgelassen, und die Hotelbar lag hinter der Lobby wie ein Raum, den jemand absichtlich leiser gestellt hatte. Ich war vierunddreißig Jahre alt, die Bluse vom Nachmittag klebte mir noch im Rücken, und der Ehering saß schwer an der Hand, mit der ich gleich das Glas halten würde. An der Theke roch es nach Zitrusschale, nassem Mantelstoff und poliertem Holz. Ich setzte mich ans dunkle Ende, bestellte einen Whiskey und ließ ihn zwischen den Handflächen warm werden, bevor ich den ersten Schluck nahm.
Thomas hatte um sieben geschrieben, drei Worte nur: Schlaf gut, Mara. Ich hatte ein Herz darunter gesetzt, ohne eine Antwort zu finden, die nicht gelogen hätte. Die Dienstreise war erst am zweiten Tag, der Kunde schwierig, mein Vortrag glatt, und trotzdem hatte ich mich in der Lobby dabei ertappt, wie ich die Bar suchte statt den Fahrstuhl. Oben wartete ein Zimmer mit zu weichen Kissen und dem Bild von Thomas auf dem Nachttisch, das ich selbst dorthin gestellt hatte, als eine Art Anstand. Ich wollte an diesem Abend keinen Anstand, sondern ein Glas, eine Stunde ohne Folien und die Erlaubnis, einen Gedanken zu Ende zu denken, den ich zu Hause immer abbrach.
Die Bar war nicht voll. Zwei Männer in Anzügen saßen am Fenster und stritten leise über Zahlen, eine Frau las allein, und der Barkeeper, deutlich älter als ich, polierte Gläser, ohne jemanden anzusehen. Ich nahm den zweiten Schluck und spürte den Whiskey als Wärme, nicht als Mut, obwohl ich mir Mut gern eingeredet hätte. Was ich hatte, war eine Unruhe, die seit Monaten unter dem Alltag lag, unter den gemeinsamen Abenden, den guten Manieren und dem Sex, der nicht schlecht war und mich trotzdem nicht mehr wach hielt. Ich drehte den Ring einmal um den Finger und legte die Hand dann flach auf das Holz.
Er setzte sich nicht sofort neben mich. Erst nahm er den Hocker mit einem Platz Abstand, bestellte ein Wasser und ein kleines Bier und legte das Telefon mit dem Display nach unten auf die Theke. Das gefiel mir, bevor ich sein Gesicht richtig ansah. Als ich es tat, sah ich einen Mann Anfang vierzig, mit müdem Mund und wachen Augen, die Krawatte schon gelöst, der Kragen offen. Er nickte mir zu, nicht wie jemand mit einer Methode, eher wie ein Mensch, der denselben langen Tag hinter sich hatte.
„Darf ich den Abstand aufgeben, wenn ich leise bin?" fragte er, und seine Stimme war tief, ohne die gespielte Heiserkeit, die Männer manchmal für interessant halten. Ich sagte ja, weil die Lücke zwischen uns ohnehin schon wie eine Frage aussah, die ich nicht gestellt hatte. Er nannte sich Jonas, ich nannte mich Mara, und als er fragte, ob das Du erlaubt sei, nickte ich, weil das Sie in dieser Wärme falsch gewesen wäre. Mehr Nachnamen brauchten wir nicht, und mehr wollte ich an diesem Abend nicht hergeben.
Wir sprachen zuerst über nichts, das wehtat: über den Regen, über den Zug, der zu spät gekommen war, über Konferenzräume, die immer zu kalt sind, und Hotelbars, die immer zu warm sind. Er hörte zu, ohne die Lücken mit sich selbst zu füllen, und das war gefährlicher als jedes Kompliment. Ich merkte, dass ich den Ring wieder drehte, und legte die Hand flach hin, damit er es sah und ich es selbst sah. Er blickte auf das Gold und dann in mein Gesicht, ohne eine Frage zu stellen, die ich mir nicht schon selbst gestellt hatte.
„Du bist verheiratet", sagte er, und es klang nicht wie ein Vorwurf und nicht wie eine Einladung, eher wie eine Grenze, die er kennen wollte, bevor er weiterging. „Ja", sagte ich, „seit acht Jahren, er heißt Thomas, er ist zu Hause und glaubt, ich lege mich gleich hin." Jonas nickte langsam und sagte nur: „Und du sitzt hier." „Und ich sitze hier", antwortete ich und hörte selbst, wie ruhig das klang, ruhiger als ich war. In meiner Brust arbeitete etwas Schnelles, das mit dieser Ruhe nichts zu tun hatte.
Ich fragte ihn nach dem Alter, bevor er weiterfragen konnte, und die Frage kam schärfer heraus, als ich wollte. Er sagte, er sei einundvierzig, ohne zu lächeln, als wäre ihm klar, warum ich das wissen musste, und er gab die Frage zurück. „Vierunddreißig", sagte ich und hielt seinem Blick stand. „Ich bin nüchtern, das hier ist mein erstes Glas, und es bleibt das einzige, wenn das Gespräch dorthin geht, wohin es gerade geht." Er schob sein Bier einen Zentimeter von sich weg und sagte, dann trinke er auch nicht weiter, er wolle mich klar oder gar nicht.
Das Wort gar nicht hätte mich beruhigen sollen und beunruhigte mich, weil es mir eine Tür zeigte und gleichzeitig den Riegel in meine Hand legte. Ich sah seine Hände auf dem Holz, breit und ruhig, ein kleiner Schnitt an einem Knöchel, nichts Dramatisches. Ich stellte mir vor, wie diese Hände meine Taille finden würden, und der Gedanke war so deutlich, dass ich die Schenkel zusammendrückte, als könnte die Theke das sehen. Jonas wartete und drängte nicht. Das Drängen wäre leichter gewesen, weil ich dann hätte nein sagen können, ohne mich selbst zu meinen.
Nach einer Weile sagte er, Dienstreisen seien schlecht für Vorsätze, die Leute erzählten sich, eine Nacht in einer anderen Stadt zähle nicht, und er glaube das nicht: es zähle, es zähle nur anders. Ich lachte kurz, ohne Freude, und sagte, er werbe nicht gut für das, was er gerade tue. „Ich werbe nicht", sagte er. „Ich will keine Frau, die hinterher sagen kann, sie habe mich nicht verstanden: wenn du bleibst, dann mit offenen Augen, und wenn du gehst, halte ich dich nicht."
Ich hätte gehen können: der Fahrstuhl war zwanzig Schritte entfernt, das Zimmer bezahlt, die Nachricht von Thomas noch unbeantwortet in meiner Tasche. Stattdessen drehte ich das Glas und fragte, was er vorschlage, wenn er nicht werbe. Jonas sah mich an, als prüfe er, ob die Frage ein Spiel sei oder eine Öffnung, und sagte dann, er schlage eine Wette vor, mit Regeln, die wir vorher laut sagten. Nicht mit Andeutungen, nicht mit Alkohol als Ausrede: drei Regeln, ein Einsatz, und ich könne ablehnen, bevor ich den Einsatz höre.
Ich sagte, er solle die Regeln zuerst nennen, und meine Stimme blieb fest, obwohl meine Knie unter der Theke bereits weich waren. Er nickte, als hätte er genau diese Reihenfolge gewollt, und senkte die Stimme, damit die Männer am Fenster nichts hatten. „Regel eins", sagte er, „keine Berührung, solange wir hier sitzen: kein Knie, keine Hand, kein Zufall, die Wette wird mit Worten entschieden." Erst wenn ich danach noch einmal ja sagte, dürfe er mich anfassen, und bis dahin gelte der Abstand, den wir gerade noch hielten.
„Regel zwei", fuhr er fort, „wenn du verlierst und ja sagst, kommst du für eine Stunde mit in mein Zimmer, oder wir nehmen deins, das ist mir gleich." In dieser Stunde, sagte er, bitte er und ich, und jedes Mal brauche es ein eigenes Ja, ohne dass ein erstes Ja die übrigen schlucke. „Das Wort Genug beendet alles, mitten im Satz, mitten in allem, ohne Nachfrage und ohne Erklärung, und es gilt für uns beide." Ich wiederholte das Wort laut, einmal, damit es im Raum war, und er sagte es ebenfalls, ruhig, als sei es damit besiegelt.
„Regel drei", sagte er, „was heute Nacht geschieht, bleibt in diesem Haus: keine Fotos, keine Nachrichten morgen, keine Namen gegenüber irgendwem." Er werde mich nicht suchen, und wenn die Stunde um sei, gehe, wer gehen müsse, je nachdem, wessen Zimmer es sei. Dann hielt er inne und sagte das mit dem Ring extra und ohne Ausweichen. „Ich weiß, dass du verheiratet bist, ich bitte dich nicht, das zu vergessen, ich bitte dich nur, es nicht als Nebel zu benutzen: wenn du mitkommst, dann als Frau, die das weiß und es trotzdem will."
Ich schwieg so lange, dass der Barkeeper in unsere Richtung sah und dann höflich wieder wegblickte. In mir stritten zwei Sätze, der eine hieß, steh auf, der andere hieß, du willst das seit dem Moment, in dem er das Telefon umgedreht hat, und vielleicht schon länger, nur nicht mit ihm, sondern mit der Möglichkeit eines solchen Abends. Ich sah Jonas an und wiederholte die Regeln mit eigener Stimme: keine Berührung hier, eine Stunde, jedes Mal ein Ja, Genug beendet alles, nichts verlässt das Haus. Ich sagte dazu, ich sei vierunddreißig, nüchtern, verheiratet und entscheide selbst. Er atmete aus, als hätte er die Luft angehalten, und sagte nur: genau so.
Dann verlangte ich den Einsatz, und ein kleines Lächeln ging über seinen Mund und verschwand wieder, bevor er sprach. „Ich erzähle dir langsam und genau, was ich mit dir tun würde, wenn die Regeln uns nach oben lassen, und du hältst meinen Blick, nicht meine Schulter, nicht dein Glas, nicht die Tür, sondern meine Augen, bis ich fertig bin." Wenn ich den Blick hielte, zahle er die Gläser, stehe auf, und wir sprächen nie wieder. Wenn ich wegsähe, hätte ich verloren, und verlieren heiße nicht, dass ich mitkommen müsse, sondern nur, dass er mich frage und ich ja oder nein sage.
Das war eine saubere Wette, sauberer, als ich verdient hatte, und gerade deshalb gefährlich, weil ich verlieren konnte, ohne zu fallen, und gewinnen, ohne zu bekommen, was ich plötzlich hören wollte. Ich fragte, wie lange er reden werde, und er sagte, so lange, wie es brauche, um ehrlich zu sein, ein paar Minuten, nicht laut. Ich legte beide Hände auf die Theke, sichtbar und leer, und sagte, ich sei einverstanden, er solle anfangen. Dann setzte ich noch eine Bedingung dahinter: wenn ich gewinne, gehe er wirklich. Er sagte ja, dann gehe er wirklich.
Er begann nicht mit einem Körperteil, er begann mit der Tür: er würde mich vor der Tür küssen, bevor das Licht ganz an sei, langsam, damit ich Zeit hätte, Genug zu sagen, und lange genug, dass ich es nicht sagen wolle. Er würde meine Bluse aufknöpfen, Knopf für Knopf, und die Hände flach an meine Seiten legen, bis ich mich ihm entgegenbiegen würde. Ich hielt den Blick. Die Sätze waren noch höflich, mein Körper war es nicht, und Wärme sammelte sich tief, ein Ziehen, das ich nicht wegatmen konnte, während die Bar um uns herum weiter so tat, als geschehe nichts.
Er sprach weiter, die Augen fest in meinen, und sagte, er würde mich aufs Bett setzen und den Rock hochschieben, nicht reißen, nur so weit, dass er mich ansehen könne. Er würde fragen, ob er mich mit dem Mund berühren dürfe, und wenn ich ja sagte, würde er sich Zeit lassen, die Zunge flach, dann genauer, bis meine Hüften nicht mehr höflich seien. Meine Wangen wurden heiß, und ich sah nicht weg. Ich sah in das Dunkle seiner Augen und hörte jedes Wort, und zwischen meinen Beinen wurde ich nass, deutlich, gegen den Stoff, den niemand an der Bar sehen konnte.
Er hob die Stimme nicht, als er weitersprach: er würde mich so lange mit dem Mund halten, bis ich käme oder bis ich ihn an den Haaren hochzöge, weil ich ihn in mir haben wolle. Er habe Kondome im Zimmer, er würde eines vor meinen Augen nehmen und warten, bis ich noch einmal ja sagte. Dann würde er langsam in mich gehen, die Stirn an meiner, und sich nicht bewegen, bis ich es verlangte. Ich schluckte und hielt den Blick noch, die Finger weiß auf der Thekenkante, weil sie sonst nach ihm gegriffen hätten, und Regel eins galt, auch jetzt, wo ich sie am liebsten gebrochen hätte.
„Wenn du es verlangst", sagte er, „würde ich dich so nehmen, wie du es mir sagst, nicht wie ich es mir ausdenke: tiefer, wenn du tiefer sagst, langsamer, wenn deine Stimme bricht." Er würde meine Brust in der Hand halten und den Daumen über die Brustwarze ziehen, während er in mir sei, und er würde nicht kommen, bevor ich es erlaubte. Ein Mann am Fenster lachte über etwas, das uns nichts anging, und das Lachen rettete mich nicht. Ich spürte meinen eigenen Puls zwischen den Schenkeln, hart und regelmäßig, als hätte Jonas ihn mit den Sätzen dorthin gelegt, ohne die Regel zu brechen.
Er sprach vom Ende, ohne laut zu werden, und sagte, er würde mich ansehen, wenn ich käme, nicht aus Stolz, sondern weil er sehen wolle, ob ich in dem Moment noch wisse, dass ich es gewollt hätte. Danach würde er bleiben, bis mein Atem ruhig sei, und dann gehen, wie die Regel es sage, kein Zettel, keine Nummer, nur die Stunde. Dann setzte er noch einen Satz dahinter, leiser als die anderen: wenn ich ihn vorher in den Mund nehmen wolle, würde er die Hand in mein Haar legen, nicht drücken, nur halten, und mich machen lassen, bis er nicht mehr höflich bleiben könne. Ich brach den Blick ab, nicht er den Satz.
Mein Blick rutschte von seinen Augen auf seinen Mund, auf die Unterlippe, die sich bei dem letzten Wort kaum bewegt hatte, und die Wette war verloren, ehe er zu Ende gesprochen hatte. Jonas sprach nicht weiter. Er sah mich an, und in seinem Gesicht war kein Triumph, nur eine Frage, die er noch nicht stellte, während die Stille zwischen uns lauter wurde als das Glasgeklirr. Ich hätte sagen können, es sei ein Versehen gewesen, aber die Regeln, die wir laut gemacht hatten, ließen mir diese Lüge nicht durch. „Ich habe verloren", sagte ich, heiser und klar, „frag mich."
Er fragte, ob ich mit nach oben kommen wolle, nach den drei Regeln, die ich wiederholt hatte: eine Stunde, jedes Ja einzeln, Genug gelte, nichts verlasse das Haus. Ich dachte an die drei Worte von Thomas auf dem Telefon und an acht Jahre, die nicht schlecht gewesen waren und die ich trotzdem in diesem Moment beiseiteschob, mit offenen Augen, wie Jonas es verlangt hatte. „Ja", sagte ich, „ich will, nicht weil die Wette mich zwingt, die Wette hat mich nur dazu gebracht, es auszusprechen." Ich wollte ihn, und ich wollte das, was er beschrieben hatte, soweit ich es oben noch einmal einzeln bejahen würde. Er nickte, als sei das die einzige Antwort, die er angenommen hätte.
Er stand nicht sofort auf, sondern sagte leise das Wort Ring und dass er ihn nicht anfassen werde, das sei meins, aber ich solle wissen, was ich damit täte, bevor wir in den Fahrstuhl gingen. Ich nickte und zog den Ehering vom Finger. Er war wärmer als meine Hand und kam leicht, was mich mehr erschütterte als alles, was Jonas an der Bar gesagt hatte. Ich legte ihn in das kleine Fach der Handtasche, unter den Hotelausweis, und schloss den Reißverschluss, und das Geräusch war klein und endgültig. „So", sagte ich, „jetzt ist es eine Entscheidung und kein Schmuck."
Wir gingen nebeneinander durch die Lobby, ohne uns zu berühren, und diese Lücke zwischen unseren Armen war das Letzte, was von Regel eins noch galt. Der Portier nickte, ich nickte zurück, und in der Glastür erkannte ich mein Gesicht kaum: eine Frau von vierunddreißig in einer dunklen Bluse, die gerade ihren Mann betrog und dabei sehr gerade ging. Im Fahrstuhl standen wir an gegenüberliegenden Wänden, Jonas drückte die Sieben und sagte, es sei sein Zimmer, der Fahrstuhl halte in jedem Stock, wenn ich umkehre. „Ich kehre nicht um", sagte ich, „noch nicht, frag mich an der Tür noch einmal."
Vor der Tür blieb er stehen, die Karte in der Hand, und sah mich an, als wäre die Wette noch nicht ganz entschieden. Er sagte, das sei das letzte Mal, bevor er aufschließe, ja oder nein, und ich könne in einer Minute Genug sagen, ohne dass die Stunde ein Vorwurf werde. Der Flur roch nach Teppichreiniger und warmer Heizung, irgendwo lief ein Fernseher zu laut, und ich trat nah genug, dass er meinen Atem hören musste, ohne ihn schon zu berühren. „Ja", sagte ich, „schließ auf, ich will, dass du mich küsst, sobald die Tür zu ist, das ist mein erstes Ja für drinnen."
Die Tür fiel ins Schloss, das Licht ließ er auf der kleinen Lampe beim Bett, und dann war sein Mund auf meinem, so wie er es versprochen hatte: langsam am Anfang, eine Frage in der Bewegung. Ich beantwortete sie, indem ich den Kuss öffnete und ihn tiefer ließ, und er schmeckte nach fast nichts, nach Wasser und einem Hauch Bier und nach der Wärme eines Mannes, der sich zurückhielt. Meine Hände gingen an seinen Nacken, seine blieben an meiner Taille, fest und nicht wandernd, bis ich den Kuss löste. „Hände unter die Bluse", sagte ich, „ja."
Er knöpfte nicht sofort, er schob die Hände unter den Stoff und legte sie flach auf meine nackte Seite, genau wie in seiner Erzählung, und die Wirklichkeit war schärfer als der Satz an der Bar. Seine Handflächen waren heiß, ich bog mich ihm entgegen, und er küsste meinen Hals, die Stelle unter dem Ohr, und fragte gegen die Haut, ob die Bluse aus solle. „Ja", sagte ich. Die Knöpfe gingen einer nach dem anderen, kühle Luft traf mich, und dann lagen seine Augen auf meinem Brustkorb, auf dem einfachen schwarzen BH, den ich am Morgen ohne jeden Gedanken an diese Nacht gewählt hatte.
Ich sagte, den auch, bevor er fragen musste, und das war schon ein Ja, deutlich genug für uns beide. Er öffnete den Verschluss, strich die Träger von den Schultern und sah mich an, als wolle er sich das Bild merken, obwohl die dritte Regel ihm das Erinnern nicht verbot, nur das Erzählen. Seine Daumen strichen unter die Brüste, hoben sie leicht, und als er eine Brustwarze in den Mund nahm, ging ein kurzer heiserer Laut aus mir, den ich nicht kannte. Ich hielt seinen Kopf und sagte, nicht nur dort, aber dort noch, ja, genau so, und er blieb, die Zunge langsam kreisend, bis meine Knie nachgaben und er mich zum Bett führte.
Ich setzte mich auf die Kante, der Rock spannte über den Schenkeln, und Jonas kniete sich nicht sofort, er blieb stehen, die Hände an meinen Knien, und wartete. Ich sagte, er solle den Rock hochschieben und ausziehen, was im Weg sei, ich wolle, dass er mich ansehe, und dann wolle ich seinen Mund, das sei ein Ja, ein deutliches. Er schob den Rock hoch, hakte die Finger unter den Slip und zog ihn mir aus, ohne Eile, die Augen auf meinem Gesicht, bis ich die Schenkel selbst öffnete. Dann erst sah er hin, sein Atem veränderte sich, und er sagte, ich sei schön, schlicht, und es klang nicht wie eine Floskel, weil seine Stimme dabei brach.
Sein Mund traf mich zuerst an der Innenseite des Oberschenkels, ein Kuss, dann noch einer, höher, und die Ungeduld in mir wurde fast ärgerlich, bis ich seinen Namen sagte und er verstand. Er legte die Zunge endlich dorthin, wo ich nass und empfindlich war, flach und breit, ein langer Strich, der mich zusammenzucken ließ, und dann wurde er genauer. Er fand die Stelle, an der das Gefühl spitz wurde, und blieb dort, nicht hektisch, in einem Rhythmus, den er an meinem Atem maß. Meine eine Hand lag in seinem Haar, nicht drückend, nur haltend, die andere krallte sich ins Laken, und ich sagte ja, obwohl er nicht gefragt hatte, ja, so, nicht aufhören.
Er hörte nicht auf, nahm zwei Finger zu Hilfe und fragte mit einem Blick nach oben, und ich sagte ja, bevor er sie langsam in mich schob, gekrümmt und suchend, während seine Zunge weiterarbeitete. Das Gefühl wurde groß, eng und weit zugleich, ein Druck, der sich nach oben zog und mir den Gedanken an die Bar nahm, an den Ring in der Tasche, an alles außer seinen Mund. Meine Hüften bewegten sich ohne Höflichkeit, und ich ließ sie, weil Höflichkeit hier eine Lüge gewesen wäre. „Ich komme", sagte ich, warnend und bittend, und er blieb genau dort, die Finger stetig, die Zunge im Wechsel weich und fest, bis es mich erfasste.
Der Orgasmus kam nicht als sauberer Höhepunkt, sondern als Welle, die mir den Rücken vom Bett hob und einen Laut aus der Kehle riss, den das Kissen nicht ganz schluckte. Meine Schenkel schlossen sich um seinen Kopf, er ließ es geschehen und hielt mich, arbeitete mich durch das Zittern, bis ich zu empfindlich wurde und sagte, er solle kurz warten, es sei zu viel. Er hob sofort den Mund und fragte, atemlos, die Lippen glänzend, ob das eine Pause sei oder das Wort Genug. „Pause", sagte ich, „komm herauf, ich will dich küssen und dich sehen." Er kam, ich schmeckte mich auf seinem Mund, salzig und warm, und schämte mich nicht dafür.
Wir küssten uns, bis mein Atem wieder mir gehörte, und seine Erektion drückte durch die Hose an meinen nackten Schenkel, eine Ungeduld, die jetzt tiefer saß als vorhin. Ich zupfte an seinem Gürtel und sagte, er solle das ausziehen, ich wolle ihn ansehen, das sei ein Ja zum Ausziehen und noch nicht zu allem. Er lachte leise, ein echtes Lachen, und entkleidete sich ohne Theater, stand dann fest und schwer in der eigenen Hand, eher gesammelt als zur Schau gestellt. Ich setzte mich auf, nahm ihn in die Hand, heiß und lebendig, und sagte, er solle das Kondom holen, bevor er in meinem Mund oder in mir sei, ich wolle das klar vor Augen haben.
Er holte das Kondom aus der Jacke über dem Stuhl, riss die Hülle nicht sofort auf und fragte, ob ich zusehen wolle, und ich sagte ja und sah zu, wie er es überrollte, der Blick bei mir. Dann nahm ich ihn in den Mund, langsam, die Zunge unter dem Schaft, die Lippen fest, und seine Hand lag in meinem Haar, ohne zu drücken, genau wie versprochen. Er sagte meinen Namen in einem Ton, der mir durch den ganzen Körper ging, und als ich zu ihm aufsah, bat er, in mir sein zu dürfen, weil es sonst zu schnell vorbei sei. Ich legte mich zurück, zog ihn mit und sagte ja, klar, in sein Gesicht: komm in mich, langsam.
Er drang ein, Zentimeter um Zentimeter, und die Dehnung war voll und süß, ein Brennen am Rand der Lust, das sich in Wärme auflöste, als er ganz in mir war. Wir hielten still, seine Stirn an meiner, und ich spürte ihn pochen, während ich sagte, er solle sich noch nicht bewegen. In dieser Sekunde wusste ich genau, dass ich meinen Mann betrog, und das Wissen machte die Enge nicht kleiner, sondern schärfer, weil ich keinen Nebel darüber legte. Dann sagte ich jetzt, langsam und tief, und er zog sich zurück und kam wieder, ein langer Zug, dem ich die Hüften entgegenhob.
Der Rhythmus fand uns, tief und nicht grob, und jedes Mal, wenn er ganz in mir war, heftete sich ein Funke an die Stelle, an der ich schon einmal gekommen war. Ich bat um seine Hand an der Brust, er zog den Daumen über die Brustwarze im Takt, und ich sagte schneller, während ich ihn ansah, weil keiner von uns diesmal den Blick verlieren sollte. Als seine Finger zwischen uns kreisten, kam ich noch einmal, härter als zuvor, die Stimme offen, die Schenkel zitternd, und ich hielt seine Schultern fest. „Komm", sagte ich, „in mir, jetzt", und er stieß noch ein paar Mal, der Kontrolle ledig, und kam mit einem gepressten Laut an meinem Hals, den ich mit der Hand an seinem Rücken auffing.
Er blieb auf den Unterarmen, küsste meine Schläfe und fragte, ob es mir gut gehe, und ich sagte ja, was nicht die ganze Wahrheit war und keine Lüge. Seine Hand lag noch auf meinem Bauch, der Regen tickte an die Scheibe, und die Stunde neigte sich, bis er aufstand, ohne Hast und ohne zu bleiben. An der Tür dankte er mir, dass ich kein Versehen aus der Nacht gemacht hätte: keine Nachricht, kein Name nach draußen, die Regeln hielten. Ich dankte ihm, dass er mich nicht überredet hatte, und dann war er weg, bevor der Flur mich noch einmal ansehen konnte.
Ich blieb liegen, bis sein Schritt verklungen war, dann holte ich den Ring aus der Tasche, und das Gold war kalt. Am Fenster sah ich auf die nasse Straße und auf Taxilichter, eine Stadt, die nichts von meiner Wette wusste. Die Nachricht von Thomas lag oben, drei Worte, die ich am Morgen beantworten würde, ohne die Wahrheit. Ich schob den Ring zurück auf den Finger, spürte das vertraute Gewicht und darunter noch seine Hände, und ließ beides gelten, weil die Nacht geschlossen war.
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