Die letzte Nacht vor der Abreise
Reife Frau · 34 Minuten lesen · 46 Minuten hören
Gelesen von Lana Weiss
Teil 2 der Serie Im besten Alter (6)
Die Galerie war seit einer Stunde geschlossen, und der Regen lag wie ein feiner Vorhang vor den hohen Scheiben. Ich hatte das Licht über den verbliebenen Arbeiten auf die niedrigste Stufe gedreht, weil Armin die Blätter noch einmal sehen wollte, bevor die Kiste am Morgen abgeholt wurde. Er stand mit dem Rücken zu mir vor der großen Kohlezeichnung, die Hände in den Taschen des dunklen Mantels, den er nicht ausgezogen hatte, obwohl es in den Räumen warm war. Mit siebenundvierzig kannte ich diese Art von Zögern. Es war kein Zweifel am Kauf. Es war der Wunsch, die Nacht nicht schon als Abschied zu behandeln.
Armin war einundfünfzig. Er sammelte seit mehr als zwanzig Jahren, sprach leise und sah länger hin, als die meisten Käufer es für nötig hielten. Drei Tage hatte er in der Stadt verbracht, jeden Abend in diesen Räumen, und jedes Mal war er geblieben, bis ich den Schlüssel schon in der Hand hatte. Heute war die letzte Nacht vor seiner Abreise. Der Flug ging kurz nach neun. Die Spedition kam um sieben, und zwischen diesen beiden Uhrzeiten lag nur das, was wir uns noch nahmen oder nicht nahmen.
Die Ausstellung war fast abgebaut. An der linken Wand hingen noch zwei kleinere Blätter, Akte in dünner Rötelkreide, daneben eine Landschaft, die keine Landschaft war, sondern ein Feld aus grauen Strichen, in dem man trotzdem Wege zu erkennen glaubte. Die große Zeichnung, die er gekauft hatte, blieb bis zuletzt. Eine Frau saß darin auf einem niedrigen Schemel, den Rücken dem Betrachter zugewandt, das Haar aufgesteckt, die Schultern schwer und ruhig. Kein Gesicht. Nur der Körper einer reifen Frau, gezeichnet ohne Beschönigung und ohne Spott. Ich hatte sie in der ersten Woche oft angesehen und gedacht, dass jemand endlich eine Haltung getroffen hatte, die ich selbst kannte.
"Sie hängen sie gegenüber dem Fenster", sagte er, ohne sich umzudrehen. "In Hamburg ist das Licht grauer. Die Zeichnung wird dort ruhiger wirken."
"Sie wird dort auch einsamer wirken", sagte ich. "Hier hat sie Gesellschaft."
Er lachte kurz, ein trockenes Geräusch, das ich in den letzten Tagen zu oft gehört hatte, um es noch für Gleichgültigkeit zu halten. "Gesellschaft hatte sie hier vor allem durch Sie."
Ich stellte zwei Gläser auf den schmalen Tisch zwischen den Säulen und öffnete den Wein, den ich für den Abschluss einer Ausstellung aufhob, wenn jemand blieb, der die Arbeit wirklich gesehen hatte. Der Korken gab nach. Der Geruch von dunklen Beeren mischte sich mit dem von Papier und dem schwachen Hauch von Leinöl aus dem Atelier nebenan, das seit Wochen leer stand. Ich goss ein und trug ihm ein Glas hin. Meine Absätze klangen auf dem Steinboden lauter als am Tag, weil keine Stimmen sie mehr deckten.
Als er das Glas nahm, berührten sich unsere Finger länger, als der Austausch es verlangte. Seine Hand war warm und trocken, die Haut an den Knöcheln ein wenig rauer, als sein Anzug vermuten ließ. Ich zog meine Hand nicht sofort zurück. Er auch nicht. Draußen schlug der Regen gegen das Glas, und irgendwo im Haus knackte das alte Gebälk, als setze es sich für die Nacht.
"Ich fahre nicht gern", sagte er. "Nicht weil ich die Arbeit bereue. Weil die Tage hier eine Form hatten, die ich in Hamburg nicht wiederfinde."
"Die Form hieß Öffnungszeiten und kleine Gespräche über Rahmen", sagte ich, obwohl ich wusste, dass das nicht stimmte.
"Die Form hieß, dass Sie abends den Schlüssel langsamer drehten."
Ich trank. Der Wein war schwer und ein wenig zu warm, weil ich die Flasche zu nah an die Heizung gestellt hatte. Ich schmeckte ihn trotzdem gern. Auf meiner Zunge lag die Woche: die Eröffnung, die Stimmen, sein Blick, wenn er dachte, ich sähe ihn nicht, mein eigenes Spiegelbild in der Scheibe, wenn ich die Lichter löschte. Darin stand eine Frau von siebenundvierzig Jahren, mit dem Haar, das ich nicht mehr färbte, und dem Kleid, das an den Hüften ehrlicher saß als vor zehn Jahren. Ich hatte aufgehört, dieses Bild zu verbessern. Es genügte, wenn es wahr war.
Wir setzten uns auf die niedrige Bank unter dem mittleren Fenster. Er legte den Mantel endlich ab und faltete ihn über die Lehne, als müsse auch dieser Gegenstand noch eine Weile bleiben dürfen. Ich erzählte ihm, wie die Zeichnung in die Galerie gekommen war, von der Künstlerin, die wenig sprach und viel stehen ließ, von den Sammlern, die den Preis gehört und dann das Gesicht vermisst hatten. Er hörte zu, ohne zu nicken wie ein Mann, der schon die nächste Frage bereithält. Als ich schwieg, sagte er, dass er das fehlende Gesicht gerade gebraucht habe. Manche Bilder, sagte er, schauten einen an, bis man sich rechtfertigen müsse. Dieses hier lasse einen einfach daneben sitzen.
"So habe ich Sie auch empfunden", sagte er dann, und der Satz lag zwischen uns wie ein Gegenstand, den man nicht sofort aufheben muss. "Nicht kalt. Nur ohne die Eile, jemanden zu überreden."
"Ich überrede ungern", sagte ich. "Wer ein Bild kauft, weil man ihn drängt, bringt es nach zwei Jahren zurück oder hängt es in einen Flur, den niemand betritt. Beides ist schade um die Arbeit."
"Und um die Nacht, in der man es zum ersten Mal richtig gesehen hat."
Ich sah ihn an. Das Licht fiel von der Seite auf sein Gesicht, auf die Falte zwischen den Brauen, auf den Mund, der im Sprechen selten lächelte und im Zuhören weicher wurde. Drei Abende lang hatte ich diesen Mund beobachtet und mir gesagt, dass Aufmerksamkeit zu meinem Beruf gehöre. Am zweiten Abend hatte ich gewusst, dass das eine bequeme Lüge war. Mit siebenundvierzig belügt man sich nicht mehr lange. Man weiß, wann ein Blick Arbeit ist und wann er Hunger ist.
"Sie können die Nacht hier verbringen", sagte ich. "Das Hotel ist unnötig, wenn der Wagen Sie ohnehin von dieser Adresse abholt. Oben ist ein Gästezimmer. Oder mein Bett, wenn Sie die Höflichkeit leid sind."
Er stellte das Glas ab. Zum ersten Mal an diesem Abend sah er mich ganz an, nicht die Zeichnung, nicht den Raum. Seine Augen waren grau und müde auf eine Art, die nichts mit Schlaf zu tun hatte. "Sagen Sie das, weil die Nacht kurz ist, oder weil Sie es wollen?"
"Weil ich es will", sagte ich. "Und weil Sie es auch wollen. Wenn ich mich irre, trinken wir aus und ich rufe Ihnen ein Taxi. Es ist keine Pflicht und kein Abschiedsgeschenk. Es ist eine Einladung, die Sie ablehnen können, ohne dass die Kiste deshalb schlechter gepackt wird."
"Sie irren sich nicht", sagte er. "Und ich will nicht ablehnen. Ich will nur sicher sein, dass wir beide denselben Satz gehört haben."
"Wir haben ihn gehört."
Er zog den Mantel nicht wieder an. Darunter trug er ein Hemd ohne Krawatte, der oberste Knopf offen, der Stoff an der Brust ein wenig zerknittert von den Stunden im Zug am Vormittag und dem langen Stehen vor den Wänden. Ich nahm den Mantel von der Lehne und hängte ihn neben meinen eigenen an den Haken bei der Tür. Als ich zurückkam, hatte er das Glas wieder in der Hand, aber er trank nicht. Er wartete, bis ich neben ihm stand, und dann legte er die freie Hand an meine Taille, leicht, als prüfe er, ob der Stoff und die Frau darunter dieselbe Einladung meinten.
"Ja", sagte ich, bevor er fragen konnte.
Der erste Kuss war kein Überfall. Er beugte sich herab, und ich kam ihm entgegen, und unsere Münder trafen sich mit einer Vorsicht, die nach drei Tagen Begehren fast übertrieben war und doch richtig. Seine Lippen waren trocken vom Wein und dann feucht, als er den Kuss vertiefte. Ich schmeckte ihn und den Wein und einen Hauch von Minze, den er vermutlich aus Gewohnheit mit sich trug. Meine Hand lag an seinem Nacken. Das Haar dort war kurz und ein wenig grau, die Haut warm. Er zog mich näher, nicht hart, nur entschieden, und ich spürte durch das Kleid die Linie seines Körpers, größer als meiner, fest an den Stellen, wo Männer in diesem Alter entweder nachgeben oder sich halten.
Ich hielt mich. Er auch.
Wir küssten uns zwischen den Säulen, unter dem gedämpften Licht, und die Zeichnung an der Wand sah zu, ohne uns zu stören. Seine Zunge fand meine, langsam, und ein Ziehen lief mir vom Mund in die Brust und tiefer, in den Bauch, dorthin, wo ich seit dem zweiten Abend schon unruhig wurde, wenn er sich zum Gehen anschickte und dann doch blieb. Ich öffnete den Mund weiter. Er verstand es als das, was es war, und küsste mich gründlicher, eine Hand zwischen meinen Schulterblättern, die andere noch an der Taille, der Daumen in kleinen Bewegungen über den Stoff. Ich spürte, wie meine Brustwarzen hart wurden gegen das Futter des Kleides, und ich schämte mich nicht dafür. Der Körper sagte früher ja als der Satz, und der Satz war schon gesagt.
Seine Hand glitt an meine Hüfte und blieb dort, als warte sie auf ein weiteres Wort. Ich legte meine darüber und führte sie ein Stück tiefer, auf die Rundung, die das Kleid nicht verbarg. Er atmete gegen meinen Mund aus. Der Druck seiner Finger war fest und aufmerksam, kein Griff, der etwas nehmen wollte, sondern einer, der etwas hielt, das sich ihm anbot. Ich drückte mich näher an ihn und spürte durch den Stoff seiner Hose, dass er bereits hart war. Das Wissen lief mir warm durch den Unterleib. Drei Tage Vorsicht hatten dieses eine deutliche Zeichen fast rührend gemacht.
"Oben", sagte ich an seinem Mund. "Hier sind die Scheiben zu groß, und ich will dich nicht als Silhouette für die Straße. Und ich will dich du nennen, wenn du mich ausziehst. Das Sie hat seine Arbeit getan."
"Oben", sagte er. "Und du."
Wir löschten die letzten Lampen im Ausstellungsraum, ließen den Wein stehen und stiegen die schmale Treppe hinauf, die in meine Wohnung führte. Die Stufen knarrten unter unserem Gewicht. Ich ging voraus und spürte seinen Blick auf meinem Rücken, auf den Hüften, auf den Waden. Es machte mich nicht verlegen. Es machte mich wach. Auf dem Absatz blieb ich stehen, drehte mich um und küsste ihn noch einmal, kürzer, nur damit die Treppe nicht schon zum Ziel wurde und der Weg selbst noch etwas war. Er hielt sich am Geländer fest und an mir, und wir lachten leise, weil die Stufe zu schmal war für zwei Menschen, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie gehen oder bleiben sollten.
Oben roch es nach dem Brot, das ich am Nachmittag gebacken und kaum angerührt hatte, nach Seife und nach dem alten Holz der Fensterrahmen. Ich schloss die Wohnungstür nicht ab. Es war niemand sonst im Haus. Im Wohnzimmer brannte nur die Stehlampe, und der Regen war hier lauter, weil das Dach schräg über uns lag. Ich drehte mich zu ihm um. Er stand im Türrahmen, das Hemd schon ein wenig offen vom Kuss, die Augen dunkel vor Aufmerksamkeit.
"Komm her", sagte ich.
Er kam. Diesmal küsste ich ihn zuerst, beide Hände an seinem Gesicht, die Daumen an den Wangenknochen, und ich spürte, wie er ausatmete, als hätte er den ganzen Tag die Luft angehalten. Seine Hände fanden meine Hüften und dann den Reißverschluss an meinem Rücken. Er hielt inne.
"Darf ich?"
"Ja. Langsam. Ich will spüren, wie das Kleid aufgeht."
Der Reißverschluss ging Zahn um Zahn auf. Kühle Luft traf meine Haut, dann seine Handfläche, warm, flach zwischen meinen Schulterblättern. Er strich die Wirbelsäule hinab, bis der Stoff nachgab, und küsste die Stelle zwischen den Schultern, die der Ausschnitt den ganzen Tag bedeckt hatte. Das Kleid rutschte von den Armen. Ich ließ es fallen und stieg heraus, barfuß auf dem Teppich, in Unterwäsche, die ich am Morgen ohne Publikum gewählt hatte und die nun trotzdem richtig war: schlicht, dunkel, der Stoff weich an den Brüsten und zwischen den Beinen. Mein Körper war der einer Frau, die siebenundvierzig Jahre getragen hatte, die Brüste schwerer als in der Jugend, der Bauch weich unter dem Nabel, die Hüften breit, die Schenkel fest vom vielen Stehen in der Galerie. Ich verbarg nichts davon. Er sah mich an, als sei das Sehen seine eigentliche Arbeit.
"Du bist schön", sagte er, und es klang nicht wie eine Höflichkeit, die man einer reifen Frau schuldet, sondern wie ein Befund, den er nicht für sich behalten wollte.
"Sag das noch einmal, wenn du mich ganz siehst", sagte ich. "Zieh das Hemd aus."
Er tat es. Knopf für Knopf, ohne Eile, und ich half ihm bei den Manschetten, weil ich seine Handgelenke anfassen wollte. Die Adern traten dort leicht hervor. Ich küsste die Innenseite eines Gelenks und spürte den Puls unter den Lippen, schneller, als seine ruhige Art vermuten ließ. Unter dem Hemd war seine Brust mit grauem Haar bedeckt, die Haut warm, die Schultern breit, der Bauch nicht flach und nicht nachlässig. Ich legte die Hand darauf und spürte, wie er die Muskeln kurz anspannte und dann losließ, mir die Wahrheit seines Körpers ließ. Ich küsste seine Brust, die Stelle über dem Herzen, dann eine Brustwarze, die sich unter der Zunge zusammenzog, und er legte die Hand in mein Haar, nicht drückend, nur haltend.
"Ins Schlafzimmer", sagte ich. "Der Teppich ist zu hart für das, was ich mit dir vorhabe."
Wir gingen hinüber, ohne das Licht ganz anzumachen. Die Straßenlaterne warf ein bleiches Rechteck über das Bett. Ich schlug die Decke zurück und blieb am Bettrand stehen, während er die Schuhe abstreifte. Dann setzte er sich auf die Kante und zog mich zwischen seine Knie, die Hände an meinen Oberschenkeln, die Daumen innen, wo die Haut dünner und empfindlicher ist. Ich stand und ließ ihn schauen und anfassen. Er küsste den Bauch über dem Bund des Slips, langsam, mit offenem Mund, und die Wärme blieb auf der Haut, als er schon weitergewandert war. Seine Finger wanderten höher, bis sie den Rand des Stoffes erreichten, und er sah zu mir auf.
"Ja", sagte ich. "Ich will deine Hände dort. Ich bin schon nass, du musst nicht vorsichtig suchen, als könntest du mich erschrecken."
Er schob den Stoff beiseite und strich mit zwei Fingern über mich, langsam, von vorn nach hinten und zurück, und fand mich bereit, glatt und warm. Ein Laut kam aus meiner Kehle, den ich nicht geplant hatte. Er wiederholte die Bewegung, diesmal mit mehr Druck, und sein Daumen fand die Stelle, die mich seit Jahren am sichersten in die Erregung führt, nicht grob, sondern kreisend, als hätte er Zeit und als wüsste er, dass Genauigkeit mehr taugt als Hast. Ich stützte die Hände auf seine Schultern. Meine Knie wurden weich. Die Feuchtigkeit machte das Gleiten leicht, und jedes Mal, wenn sein Daumen nach oben strich, zog sich in mir etwas zusammen, das nach mehr verlangte und zugleich nicht wollte, dass er aufhörte, genau das zu tun.
Er öffnete den Verschluss meines BHs mit einer Hand, die andere blieb zwischen meinen Beinen. Die Träger fielen. Er nahm eine Brust in den Mund, saugte langsam an der Warze, während seine Finger unten weiterkreisten, und die doppelte Empfindung ließ mich den Kopf in den Nacken legen. Meine Brüste sind schwer, und er hielt sie, als wöge er sie gern. Die Zunge war feucht und genau. Als er zur anderen wechselte, kühlte die erste in der Luft, und dieses Kühlwerden gehörte mit zum Reiz. Ich griff in sein Haar und hielt ihn an mir, nicht fest, nur damit er wusste, dass er bleiben sollte.
"Leg dich hin", sagte er leise, den Mund noch an meiner Haut. "Ich will dich mit dem Mund. Ganz. Wenn du das willst."
"Ich will es. Und ich sage dir, wenn du anders sollst."
Ich streifte den Slip ab und legte ihn mit dem BH auf den Stuhl. Dann streckte ich mich auf das Bett. Das Laken war kühl an meinem Rücken und an den Hinterbacken. Er kniete sich zwischen meine Beine, schob sie auseinander, nicht weit, nur so weit, dass er Platz hatte, und sah einen Moment auf das, was ich ihm gab. Ich spreizte mich ein wenig mehr, die Knie nach außen, und ließ ihn sehen, wie feucht ich war, wie offen. Es war keine Pose. Es war die einfachste Art, ihm zu sagen, dass Scham hier keinen Platz hatte.
Dann beugte er sich herab und küsste die Innenseite eines Schenkels, dann des anderen, dann die Falte, wo Schenkel und Scham sich treffen, und schließlich legte er den Mund auf mich. Die Wärme seiner Zunge war unmittelbar und genau. Er leckte langsam, von unten nach oben, teilte mich mit der Zunge und blieb an der Klitoris, mit der flachen Zunge erst, dann mit der Spitze, kleine Kreise, die mich dazu brachten, die Hüften anzuheben. Ich griff ins Laken. Der Laut, den ich von mir gab, war tief und unbeholfen und wahr.
Er legte einen Unterarm über meinen Bauch, nicht um mich festzuhalten, sondern um mich zu spüren, und mit der anderen Hand spreizte er mich ein wenig mehr und schob einen Finger in mich, dann einen zweiten, gekrümmt, suchend, bis er die Stelle an der vorderen Wand fand, die mich tiefer machen ließ. Ich spürte das Eindringen als Fülle und als Frage. Meine inneren Muskeln zogen sich um seine Finger zusammen, und er stöhnte leise gegen mich, als hätte ihn diese Antwort überrascht.
"Dort", sagte ich. "Bleib dort. Nicht schneller. Und mit dem Mund nicht aufhören."
Er blieb. Der Rhythmus war stetig, Finger und Zunge im selben Takt, und ich ließ mich hineinfallen, ohne die Galerie, ohne den Morgen, ohne die Kiste. Nur dieser Mund, diese Hand, das Gewicht seines Arms auf meinem Bauch, der Regen auf dem Dach. Die Spannung stieg in Wellen, zog sich zusammen, löste sich und zog sich enger. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte ja, lauter, als ich es unten in der Galerie gesagt hatte. Meine Fersen stemmten sich ins Laken. Als es kam, kam es aus der Tiefe des Bauches, ein langes Zucken, das in den Schenkeln zitterte und in der Kehle als ein offener Laut endete. Er hörte nicht sofort auf. Er wurde nur sanfter, leckte mich durch das Nachbeben, die Finger noch in mir, bis die Empfindlichkeit fast scharf wurde und ich seine Haare fasste.
"Hoch", sagte ich. "Ich will deinen Mund auf meinem."
Er kam zu mir, und ich schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und es störte mich nicht. Es gehörte zu dieser Nacht. Ich küsste ihn gründlich, die Beine noch offen um seine Hüften, und spürte durch die Hose, wie hart er war, wie sehr ihn das, was er mir gegeben hatte, selbst erregt hatte. Ich öffnete seinen Gürtel, die Hose, schob alles hinunter, und er half, stieg aus Stoff und Socken, bis er nackt zwischen meinen Beinen kniete. Sein Glied war hart, dick, die Haut gespannt, die Eichel dunkel und feucht an der Spitze. Ich nahm ihn in die Hand und strich langsam von der Wurzel bis zur Spitze, einmal, zweimal, den Daumen über den feuchten Schlitz, und sah, wie sein Atem stockte und seine Bauchmuskeln sich zusammenzogen.
"Ich will dich in mir", sagte ich. "Nicht hastig. Die Nacht ist die letzte vor deiner Abreise, aber sie ist noch lang genug. Und wir nehmen ein Kondom. In der Schublade links. Ich bin vorbereitet, wenn ich jemanden einlade."
Er fand die Schachtel, ohne das Licht einzuschalten, riss eine Hülle auf und rollte das Kondom über sich, sorgfältig, die Haut glatt gezogen. Ich sah ihm zu, die Hand auf meinem eigenen Schenkel, die Finger noch feucht von mir. Als er sich über mich beugte, führte ich ihn. Die Spitze drückte gegen mich, stumpf und warm durch das dünne Material, und ich atmete aus und ließ ihn ein. Er glitt langsam hinein, Zentimeter um Zentimeter, und die Dehnung war voll und richtig, ein Ausgefülltsein, das mir die Augen schließen ließ. Ein leiser Laut entkam mir, als er an der engsten Stelle vorüber war und dann ganz in mir ruhte. Er hielt inne, die Stirn an meiner, beide Hände neben meinem Kopf, das Gewicht auf den Unterarmen, nicht auf meiner Brust.
"Gut?" fragte er.
"Sehr gut. Du füllst mich ganz. Beweg dich, aber bleib tief."
Er zog sich zurück, fast bis zur Spitze, und kam wieder, langsam, der ganzen Länge nach, und ich hob ihm die Hüften entgegen. Wir fanden einen Takt, der nicht aus einer Vorstellung stammte, sondern aus zwei Körpern, die aufeinander hörten. Seine Stöße waren tief und gleichmäßig. Ich spürte ihn an jeder Stelle, die seine Finger vorher geweckt hatten, und jedes Mal, wenn er ganz eindrang, ging ein dumpfer, süßer Schlag durch mich, bis in den Bauch und in die Brüste. Ich schlang die Beine um seine Hüften und kreuzte die Fesseln über seinem Rücken, damit er nicht zu weit zurückweichen konnte. Die Haut an seinen Flanken war heiß unter meinen Händen. Schweiß sammelte sich in der Mulde über seinem Steiß. Ich strich ihn mit dem Daumen weg und zog ihn bei jedem Stoß näher.
Er küsste meinen Hals, mein Ohr, den Mund, und zwischen den Küssen sagte er leise, dass er mich den ganzen Tag angesehen habe, dass der Mantel nur ein Versteck gewesen sei, dass er hierbleiben wolle. Ich legte ihm zwei Finger auf die Lippen.
"Beweg dich", sagte ich. "Rede danach, wenn du noch kannst."
Er gehorchte, und der Takt wurde ein wenig schneller, nicht hart, nur dringlicher. Das Bett gab unter uns nach. Die Straßenlaterne lag auf seiner Schulter und auf meiner Brust, auf dem grauen Haar seiner Brust und auf der Stelle, wo wir verbunden waren, wenn ich den Kopf hob und hinsah. Ich nahm seine Hand und legte sie auf meine Brust, und er umfasste sie, der Daumen über der Brustwarze, die schon hart und empfindlich war. Das zusätzliche Gefühl zog eine Linie von der Brust direkt zu der Stelle, wo er in mir war. Ich bog den Rücken, drückte mich in seine Hand und in seinen Stoß zugleich, und ein neuer Laut kam aus mir, tiefer als der erste.
"Warte", sagte ich nach einer Weile, nicht weil es zu viel war, sondern weil ich die Stellung ändern wollte, solange ich noch wählen konnte. "Ich will auf dir sein. Ich will das Tempo."
Er rollte sich mit mir, ohne aus mir zu gleiten, eine ungeschickte Bewegung, bei der wir beide lachen mussten, weil ein Knie ins Laken rutschte und sein Ellbogen fast die Lampe streifte. Dann saß ich auf ihm, die Knie im Bett, die Hände auf seiner Brust. So hatte ich die Tiefe selbst in der Hand. Ich senkte mich langsam, nahm ihn ganz, und blieb einen Moment sitzen, nur um das Gewicht und die Fülle zu spüren, das leichte Brennen der Dehnung, das schon in Wohlgefallen überging. Sein Glied lag tief in mir, und wenn ich das Becken nur ein wenig kippte, drückte er genau gegen die Stelle, die seine Finger gefunden hatten.
Dann begann ich mich zu bewegen, kleine Kreise erst, bei denen ich ihn in mir spürte, ohne ihn zu verlieren, dann ein Heben und Senken, bei dem ich die Kontrolle nicht abgab. Er sah zu mir auf. Seine Hände lagen an meinen Hüften, die Daumen in den weichen Mulden über den Knochen, und er drängte nicht. Er ließ mich reiten, wie ich es brauchte. Im Licht der Laterne sah ich meinen eigenen Körper über ihm, die Brüste, die sich mit der Bewegung hoben, den weichen Bauch, die Schenkel, die sich spannten. Es war ein Körper, den ich kannte und der in dieser Nacht nicht entschuldigt werden musste. Er sah ihn an, als sei nichts daran zu korrigieren.
"Fass meine Brüste an", sagte ich.
Er tat es, beide Hände, die Daumen über den Warzen, und ich beugte mich in den Griff, stützte mich auf seine Schultern und rieb mich bei jedem Senken an ihm. Die Reibung an der Klitoris war direkt, weil ich mich vorbeugte und der Winkel sich änderte. Mein Atem wurde laut. Die Oberschenkel begannen zu brennen, und ich mochte dieses Brennen, weil es zur Arbeit der Lust gehörte und nicht zur Eile. Er stöhnte unter mir, ein tiefer Laut, und seine Finger griffen fester in meine Hüften, nicht um das Tempo zu bestimmen, sondern weil er sich halten musste.
"Ich bin nah", sagte er. "Wenn du so weitermachst, halte ich nicht lange."
"Dann warte auf mich", sagte ich. "Deine Hand zwischen uns. Fest, aber nicht hetzend."
Seine Hand glitt zwischen unsere Körper. Der Daumen fand mich, nass und geschwollen, und er rieb im Takt meiner Bewegungen, fest genug, nicht zu fest, genau dort, wo die Nerven schon offen lagen. Die zweite Welle kam schneller als die erste, schärfer, weil er in mir war und sein Daumen nicht abrutschte. Ich bewegte mich weiter, auch als die Spannung riss, und der Orgasmus lief durch meine Schenkel und meinen Bauch, ließ mich eng um ihn werden, ließ mich seinen Namen sagen und dann nur noch Laute, die keine Wörter mehr waren. Meine Nägel drückten sich in seine Schultern. Er hielt den Daumen still, als es zu viel wurde, und ich sank auf seine Brust, zitternd, sein Glied noch hart in mir, mein Herz gegen seines.
Eine Weile konnte ich nicht sprechen. Er strich mir über den Rücken, langsame Bahnen von den Schultern bis zur Taille, und wartete. Sein Atem ging schnell unter mir. Ich spürte, wie sehr er sich zurückhielt, wie sein Körper unter meinem zitterte vor dem Wunsch, sich zu bewegen.
"Jetzt du", sagte ich an seinem Hals. "Ich will, dass du kommst. Nimm mich, wie du es brauchst. Ich bin noch da."
Er drehte uns wieder, diesmal mit mehr Dringlichkeit, und stieß in mich, tiefer, ein wenig schneller, das Gesicht an meinem Hals. Ich hielt ihn mit Beinen und Armen und flüsterte, dass er bleiben solle, dass er es sich nehmen solle, dass ich ihn ganz wollte, bis zum letzten Stoß. Sein Rhythmus brach. Drei, vier harte Stöße, bei denen das Bett gegen die Wand tickte, dann ein langes Verharren, tief in mir, und ich spürte, wie er kam, das Zucken seines Glieds, das Nachstoßen, den Laut, den er in meine Schulter drückte, heiser und ohne Fassung. Sein Gewicht lag auf mir, schwer und willkommen. Ich strich über seinen Rücken, über die feuchte Haut zwischen den Schulterblättern, über das Haar in seinem Nacken, und wartete, bis sein Atem sich beruhigte und der Griff seiner Hände im Laken sich löste.
Er blieb in mir, bis er weicher wurde, dann zog er sich vorsichtig zurück, hielt das Kondom am Ansatz, knotete es und legte es in das Taschentuch auf dem Nachttisch, das ich ihm reichte. Keine Umständlichkeit, nur Sorgfalt. Dann lag er neben mir, ein Arm unter meinem Nacken, die andere Hand auf meinem Bauch, und wir hörten den Regen, der inzwischen leiser geworden war, ein gleichmäßiges Ticken in der Dachrinne.
Meine Haut kühlte ab. Die Innenseiten meiner Schenkel waren feucht, und zwischen den Beinen pochte es noch, ein nachklingendes Ziehen, das nicht unangenehm war. Er zog die Decke über uns. Unter der Decke war es warm von zwei Körpern. Ich legte ein Bein über seines. Sein Glied ruhte weich an meinem Schenkel, und ich mochte dieses Nachgeben genauso wie die Härte vorher, weil es zur selben Nacht gehörte und weil ein Körper, der sich nicht mehr beweisen muss, oft am ehrlichsten ist.
"Die Kiste kommt um sieben", sagte er nach einer Weile, und es klang nicht wie ein Bedauern, das die Nacht klein machen sollte, sondern wie eine Tatsache, die wir beide kannten.
"Dann haben wir noch Stunden", sagte ich. "Schlaf, wenn du musst. Ich wecke dich, bevor es hell wird, wenn du noch einmal willst. Oder wir bleiben einfach so und hören dem Haus zu."
"Ich will noch einmal", sagte er. "Nicht sofort. Wenn du auch willst. Mein Körper braucht eine kleine Pause, und ich will dir nichts vormachen."
"Ich will", sagte ich. "Und ich mag es, wenn ein Mann das sagt, statt so zu tun, als sei er zwanzig."
Er lachte gegen mein Haar. "Zwanzig wäre ich dir heute Nacht auch nicht schuldig. Zwanzig hätte die Zeichnung in zehn Minuten abgehängt und das Hotel vorgezogen."
"Zwanzig hätte mich vielleicht nicht so angesehen", sagte ich. "Oder anders. Es ist gleich. Du bist hier, und du bist einundfünfzig, und ich bin siebenundvierzig, und das Bett weiß das schon."
Wir lagen eine Zeit lang ohne zu sprechen. Ich dachte an die Woche, ohne sie zu erzählen. An sein erstes Betreten des Raums, an die Art, wie er vor der Kohle stehen geblieben war, als hätte jemand seinen Namen gesagt. An meine eigene Unruhe, die ich als berufliche Aufmerksamkeit ausgegeben hatte, bis das Glas in meiner Hand am zweiten Abend gezittert hatte, nur ein wenig, nur genug für mich. Ich dachte an die leere Stelle, die morgen an der Wand sein würde, und daran, dass Leere nicht immer ein Verlust ist. Manchmal ist sie der Beweis, dass etwas wirklich gehangen hat.
"Woran denkst du?" fragte er.
"An die Zeichnung", sagte ich, was nicht ganz gelogen war. "Und daran, dass du sie mitnimmst und mich nicht. Das ist keine Klage. Es ist nur der Satz, der in diesem Zimmer wahr ist."
Er schwieg einen Moment. Seine Hand lag still auf meinem Bauch, der Daumen in einer kleinen Bewegung, die er vielleicht nicht bemerkte. "Ich kann dich nicht mitnehmen. Du hast die Galerie. Ich habe ein Haus, in dem die Wände schon voll sind und in dem trotzdem Platz für dieses eine Blatt ist. Aber ich kann wiederkommen. Nicht als Vorwand und nicht als Anspruch. Als Frage, die du später beantworten kannst."
"Darüber reden wir nicht am Kistenrand und nicht jetzt, wenn die Haut noch offen ist", sagte ich. "Heute Nacht bist du hier. Das genügt. Wenn du schreibst, schreibst du. Wenn nicht, bleibt die Nacht trotzdem ganz."
"Ich bin hier", sagte er.
Seine Hand wanderte von meinem Bauch zu meiner Brust, lag nur, wärmte, und nach einer Weile begann der Daumen wieder, langsam über die Brustwarze zu streichen. Es war kein Forderndes. Es war ein Fragen. Die Warze zog sich unter seiner Berührung zusammen, und ein fernes Echo der Lust lief mir in den Unterleib, schwächer als vorher und doch deutlich. Ich drehte mich zu ihm, küsste ihn langsamer als unten in der Galerie, mit der Müdigkeit und der neuen Wachheit, die nach einem Orgasmus kommt, wenn der Körper schon ja gesagt hat und noch einmal ja sagen will. Er wurde unter meiner Hand wieder hart, nicht so schnell wie ein junger Mann, sondern allmählich, die Haut erst weich, dann füllend, dann steif in meiner Faust. Ich mochte dieses Allmähliche. Ich streichelte ihn, bis er ganz hart lag, und er atmete gegen meinen Mund, die Stirn an meiner.
"Diesmal will ich dich schmecken", sagte ich. "Leg dich hin. Und sag mir, wenn ich zu fest bin oder zu sanft."
Er legte sich auf den Rücken. Ich schob die Decke weg, kniete mich neben ihn und betrachtete ihn einen Moment, das Glied auf dem Bauch, dunkel, mit einer Ader, die unter der Haut lief, die Hoden schwer in meiner anderen Hand, als ich sie vorsichtig wog. Dann nahm ich ihn in den Mund, erst die Spitze, salzig von Haut und von dem, was die Lust zurückgelassen hatte, dann mehr, so viel, wie mir bequem war. Ich war keine Frau, die sich bei diesem Akt klein machte oder ihn als Dienst verstand. Ich nahm mir Zeit. Meine Zunge umkreiste die Eichel, drückte unter den Rand, wo er besonders empfindlich war, und meine Hand arbeitete an dem, was der Mund nicht fasste, fest und langsam, im gleichen Takt.
Er legte die Hand in mein Haar und ließ sie liegen, ohne zu drücken. Als ich aufsah, waren seine Augen halb geschlossen und ganz auf mich gerichtet. Sein Bauch hob und senkte sich. Einmal hob er die Hüften, nur ein wenig, und hielt sofort inne, als fürchte er, mir den Rhythmus zu nehmen. Ich nahm ihn tiefer, so tief, wie ich konnte, ohne zu würgen, und ließ die Zunge unten weiterarbeiten, während ich mich zurückzog. Der Laut, den er von sich gab, war roh und dankbar. Ich wiederholte es, langsamer, und spürte, wie er in meinem Mund noch härter wurde, wie die Spitze gegen meinen Gaumen stieß und ein Tropfen salzig wurde.
"Komm her", sagte er heiser. "Ich will nicht so kommen. Ich will wieder in dir sein. Bitte."
Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die Spitze noch einmal und holte ein zweites Kondom. Meine Hände waren ruhig, als ich es ihm überrollte. Diesmal legte er mich auf die Seite, schob sich von hinten an mich, ein Knie zwischen meinen, und drang langsam ein. Diese Stellung war enger, wärmer, weniger Schau und mehr Haut. Seine Brust lag an meinem Rücken, sein Mund an meinem Nacken, eine Hand an meiner Brust, die andere zwischen meinen Beinen. Zwei Finger fanden die Klitoris, noch empfindlich, und er wartete, bis ich mich in die Berührung drückte, bevor er den Druck erhöhte. Der Winkel war tief. Jeder Stoß schob mich ein wenig nach vorn ins Kissen, und seine Hand an der Hüfte holte mich zurück.
"So", sagte ich. "Genau so. Nicht schneller. Ich will dich lange spüren."
Er gehorchte. Der Rhythmus war ein langsames Wiegen, das den Regen nachahmte, stetig, ohne Hast. Ich spürte jedes Gleiten, das Nachgeben meiner inneren Wände, das Wiederausfüllen, den Druck seiner Finger, der sich mit dem Stoß verband, bis beides ein einziges Gefühl wurde. Sein Atem ging an meinem Ohr. Er sagte, dass ich mich gut anfühlte, eng und warm, dass er die Wärme nicht vergessen würde, dass er den Morgen hasste und diese Minute nicht. Ich antwortete nicht mit langen Sätzen. Ich drückte mich ihm entgegen, griff nach hinten, fand seinen Oberschenkel und hielt ihn, und ließ die Laute kommen, die wahr waren.
Die Erregung baute sich zum dritten Mal auf, nicht als Überfall, sondern als etwas, das wir gemeinsam hielten. Meine Klitoris war geschwollen unter seinen Fingern, fast zu empfindlich, und ich führte seine Hand ein wenig höher, zeigte ihm den kleineren Kreis, den ich jetzt brauchte. Er lernte schnell. Der Kreis wurde enger, der Stoß blieb tief und langsam, und ich spürte, wie sich innen alles sammelte, ein Ziehen, das vom Nacken bis in die Fußsohlen lief. Als ich kam, war es leiser als die beiden Male vorher und zugleich länger, ein inneres Pulsieren um ihn herum, das mich die Augen schließen und den Mund öffnen ließ, ohne dass ein lauter Schrei nötig war. Die Wellen kamen und kamen, kleiner werdend, und er bewegte sich kaum, nur genug, um mich nicht allein zu lassen.
Er spürte das Engerwerden und wurde unruhiger, seine Stöße tiefer, seine Hand an meiner Hüfte nun fest. Ich sagte ihm, er solle kommen, dass ich ihn wollte, dass er nicht warten müsse. Er tat es kurz darauf, das Gesicht in meinem Haar, der Körper einen Moment ganz steif und dann weich gegen meinen Rücken, ein gepresster Laut, der in ein Ausatmen überging. Ich spürte das Zucken in mir und hielt seine Hand auf meinem Bauch, damit er blieb, solange es ging. Wir blieben so verbunden, bis er weicher wurde und das Lösen nötig war, und auch diesmal war es vorsichtig, das Kondom entsorgt, die Decke wieder über uns, sein Arm um meine Taille, mein Rücken an seiner Brust.
Diesmal schliefen wir wirklich eine Weile. Ich wachte auf, weil der Regen aufgehört hatte und die Stille ungewohnt war. Das Rechteck der Laterne war blasser geworden, ein Grau, das noch keine Sonne war und doch schon Morgen versprach. Armin lag auf dem Rücken, ein Arm noch unter mir, der andere auf der Decke, und im Schlaf sah sein Gesicht zugleich weicher und endgültiger aus, die Falten um den Mund deutlich, der Mund leicht geöffnet. Ich betrachtete ihn ohne Eile. Ein Mann von einundfünfzig, der in wenigen Stunden eine Zeichnung in eine Kiste legen und in ein Flugzeug steigen würde. Eine Frau von siebenundvierzig, die ihn gelassen hatte, weil sie es gewollt hatte, und die ihn gehen lassen würde, weil die Nacht eine Grenze hatte, die wir beide gekannt hatten, bevor wir sie überschritten.
Ich stand auf, ging nackt ins Bad und wusch mich mit warmem Wasser, die Schenkel, den Bauch, das Gesicht. Im Spiegel stand eine Frau mit zerdrücktem Haar, einem Mund, der noch ein wenig geschwollen war vom Küssen, und Augen, die nicht traurig waren, nur wach. Ich erkannte mich. Das gefiel mir mehr als jedes Kompliment, das man einer Galeristin nach einer Eröffnung sagt. Ich zog einen Morgenmantel über, nicht aus Scham, sondern weil die Wohnung am frühen Morgen kühl wurde, und kochte Wasser. Der Kessel tickte. Unten im Haus war es still, als warte die Galerie darauf, wieder ein Arbeitsraum zu werden.
Als ich mit zwei Tassen zurückkam, war er wach und sah mich an, als sei das Aufwachen in diesem Bett etwas, das er sich merken wollte. Die Decke lag um seine Hüften. Auf seiner Schulter waren die halbmondförmigen Abdrücke meiner Nägel noch zu sehen, rosa, nicht blutig. Ich setzte mich auf die Bettkante und reichte ihm die Tasse.
"Es ist kurz nach fünf", sagte ich. "Die Spedition kommt um sieben. Du hast Zeit für Kaffee und für eine Dusche, wenn du willst. Für eine dritte Runde nicht, es sei denn, du bestehst darauf, und dann kommen wir zu spät zur Kiste. Ich bestehe nicht darauf. Der Körper hat bekommen, was er wollte."
Er lachte, diesmal ohne die Trockenheit vom Abend, und trank. "Kaffee genügt. Und dass du neben mir sitzt, solange die Tasse hält. Mein Rücken wird mir die Nacht morgen im Flugzeug erklären, und ich werde ihm nicht widersprechen."
Seine freie Hand lag auf meinem Knie, unter dem Stoff des Morgenmantels, warm und ohne weitere Absicht, und gerade das machte den Abschied schwerer als ein letzter Griff nach mehr. Ich legte meine Hand auf seine. Wir tranken. Der Kaffee war stark und ein wenig bitter, so wie ich ihn immer kochte, wenn ein langer Tag bevorstand. Draußen wurde das Grau heller. Ein früher Lieferwagen fuhr durch die nasse Straße, und das Geräusch erinnerte uns beide daran, dass die Stadt nicht auf unseren Abschied wartete.
Als er sich anzog, half ich ihm nicht. Ich sah zu. Hemd, Hose, Gürtel, die Manschetten, die ich in der Nacht geöffnet hatte und die er nun selbst schloss, Knopf für Knopf, mit der Sorgfalt eines Mannes, der gleich wieder in der Welt stehen muss. Er küsste mich an der Wohnungstür, lang genug, dass ich den Kaffee noch auf seiner Zunge schmeckte, und kurz genug, dass wir die Treppe noch schafften. Unten roch es nach Papier und nach dem Wein, den wir stehen gelassen hatten. Ich schaltete das Licht ein. Die Zeichnung hing, wo sie die ganze Woche gehangen hatte, der Rücken der gezeichneten Frau ruhig im künstlichen Morgen.
Wir nahmen sie gemeinsam von der Wand. Der Rahmen war schwerer, als er aussah. Unsere Hände berührten sich am Rand, und diesmal zogen wir sie nicht weg, bis das Blatt sicher auf dem Tisch lag. Ich wickelte es in das Papier, das ich bereitgelegt hatte, glättete die Kanten, legte die Pappe darüber und half ihm, alles in die Kiste zu betten, die schon offen auf dem Boden stand. Die Schnallen klangen metallisch in dem stillen Raum. An der Wand blieb ein helleres Rechteck, dort, wo das Licht die Farbe nicht gleichmäßig gebleicht hatte. Ich würde es nicht sofort übermalen lassen. Manche Abschiede brauchen eine Weile sichtbare Fläche.
"Ich schreibe dir, wenn sie hängt", sagte er.
"Tu das", sagte ich. "Und schreib nicht nur von der Zeichnung. Wenn du nur vom Licht in Hamburg schreibst, weiß ich trotzdem, was du meinst. Aber ich höre es lieber direkt."
Der Wagen hielt draußen. Der Fahrer stieg aus und wartete, ohne zu klopfen, als habe man ihm gesagt, dass Eile hier die falsche Tugend sei. Armin zog den Mantel an, denselben Mantel, den ich am Abend an den Haken gehängt hatte. An der Tür blieb er stehen. Der Morgen war grau und nass, die Straße leer bis auf den Transporter, dessen Rücklichter sich in der Pfütze vor dem Bordstein spiegelten.
"Danke für die Nacht", sagte er.
"Sie war keine Gefälligkeit", sagte ich. "Sie war, was ich wollte. Gute Reise, Armin. Häng sie so, dass du sie sehen kannst, wenn du abends nach Hause kommst. Nicht im Flur."
Er nickte, und in dem Nicken lag mehr als Einverständnis mit einem Rat zur Hängung. Er nahm den Griff der Kiste, und der Fahrer half ihm. Ich blieb in der offenen Tür, die Arme vor der Brust, weil die Morgenluft kalt war und weil ich die Hände irgendwo lassen musste, bis der Wagen um die Ecke bog. Dann schloss ich ab, löschte das Licht über der leeren Stelle an der Wand und stieg wieder hinauf.
Das Bett war noch warm auf seiner Seite. Ich legte mich nicht hinein. Ich öffnete das Fenster, ließ die kühle Luft herein und stand eine Weile so, mit dem Geschmack von Kaffee und von ihm, mit dem Körper, der sich erinnerte, in den Schenkeln, in den Brüsten, in dem leisen Ziehen tief innen. Der Tag verlangte eine Galerie und keine Trauer, die größer war als die Freude der Nacht. Ich würde die Gläser abwaschen, den Wein weggießen oder austrinken, die Lichter prüfen und um zehn die Tür öffnen, als sei nichts geschehen und als sei zugleich alles geschehen, was diese Woche hatte geschehen sollen.
Unten wartete die helle Stelle an der Wand. Oben kühlte das Laken. Beides gehörte mir, und beides durfte noch eine Weile so bleiben.
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