Die letzte Nacht unter der Dachschräge
Nachbarin · 19 Minuten lesen · 25 Minuten hören
Gelesen von Meher
Teil 1 der Serie Nebenan (6)
Seit sechs Wochen wohnte Elise über mir im Dachgeschoss, und seit sechs Wochen kannte ich den Takt ihrer Schritte besser als den der Uhr im Flur. Sie war zweiunddreißig, ich vierunddreißig, und wir hatten uns das gesagt, als der Hausmeister uns im Treppenhaus festhielt, weil der Kellerschlüssel klemmte. Damals hielt ich einen Korb warmer Wäsche und tat so, als sei das ein Grund, nicht länger zu bleiben. Heute Nacht war ihr Koffer bereits gepackt, und morgen früh sollte der Zug um sechs gehen. Das Haus war stiller als sonst, als wüsste es, dass oben eine Abreise auf den Morgen wartete.
Ich hörte sie die Schubladen schließen, ein trockenes Holzgeräusch, dann das Reißen von Klebeband über Pappe. Zwischendurch blieb sie stehen, und ich stellte mir vor, wie sie am Fenster lehnte und auf den dunklen Hof sah. Wir hatten Kaffee getauscht, einmal Wein, einmal ein Schweigen auf meinem Sofa, das länger dauerte als jedes Gespräch. Nichts war geschehen, das man hätte benennen müssen, und gerade deshalb lag es zwischen uns wie ein offener Satz. Ich saß auf der Bettkante, barfuß, und wartete nicht, und wartete doch auf drei Schläge an der Tür.
Als es klopfte, erkannte ich den Takt sofort, drei Schläge, die sie schon benutzt hatte, wenn sie Salz brauchte. Ich öffnete barfuß, und Elise stand im Flurlicht, das Haar feucht, ein dunkles Hemd über der Hose. In der Hand hielt sie nicht Salz, sondern die kleine Schale, aus der wir vor einer Woche Oliven gegessen hatten. Hinter ihr roch das Treppenhaus nach altem Holz und nach ihrer Seife, etwas Herbes mit Zitrone. Sie sah mich an, als hätte sie einen Satz geprobt und ihn dann auf der letzten Stufe verworfen.
„Ich konnte nicht schlafen“, sagte sie, „und ich wollte die Schale nicht im Zug mitnehmen.“ Ihre Stimme war ruhiger als ihre Augen, die schon weiter waren als die Höflichkeit. Ich trat zur Seite, sie kam herein, stellte die Schale ab und blieb stehen, als gehöre der nächste Schritt mir. In der Wohnung brannte nur die Lampe über der Spüle, und das reichte, um die Linie ihres Halses zu sehen. Ich sagte, sie könne bleiben, solange sie wolle, und meinte es ohne die weiche Hülle einer Einladung.
Wir setzten uns an den Tisch, weil Stehen zu viel versprach und das Sofa zu wenig Abstand ließ. Elise drehte das Glas und trank erst, als ich trank, als wolle sie den Abend nicht allein eröffnen. „Es war nur ein Auftrag“, sagte sie, „sechs Wochen Zeichnungen für ein Büro, das mich danach nicht braucht.“ Ich fragte, warum sie nicht früher gepackt hatte, und sie hob den Blick ohne Ausflucht. „Weil du unter mir wohnst“, sagte sie, „und weil ich jede Nacht deine Tür gehört habe, Maren.“
Sie sagte, sie habe jedes Mal gedacht, sie könne herunterkommen, und dann habe sie es nicht getan. So etwas nehme man nicht zurück, hatte sie geglaubt, und ich legte die Hand flach auf den Tisch, nah an ihrer. „Du kannst es zurücknehmen“, sagte ich, „jetzt noch und auch später, wenn du willst.“ Ich wollte nichts, das sie morgen bereuen würde, während der Zug schon fuhr und die Stadt hinter ihr blieb. Elise sah auf meine Hand, dann auf meinen Mund, und in ihrem Gesicht lag keine Flucht mehr.
„Ich bereue eher die sechs höflichen Wochen“, sagte sie. „Wenn du mich willst, heute Nacht, dann sag es klar.“ Die Lampe summte, irgendwo im Hof schlug eine Tür, und ich sagte es klar, ohne jedes Drumherum. Ich wollte sie, nicht als Trost und nicht als Abschiedsgeschenk, sondern weil mein Körper auf ihre Schritte antwortete. Seit Wochen geschah das, bevor mein Kopf einen ordentlichen Namen dafür fand, und heute wollte ich den Namen nicht mehr. Elise atmete aus, als hätte sie einen engen Gurt gelöst, und das Ausatmen war schon eine Berührung.
Sie stand auf, kam um den Tisch und blieb so nah vor mir stehen, dass ich die Wärme durch das Hemd spürte. „Darf ich dich küssen?“ fragte sie, und ich sagte ja, weil ein Nicken ihr vielleicht nicht gereicht hätte. Ihr Mund traf meinen ohne Hast, zuerst nur die weiche Unterlippe, ein Prüfen, dann öffnete sie sich. Ich schmeckte Wein und Minze, und ihre Hand lag an meiner Wange, der Daumen ruhig unter dem Ohr. Sie wartete, bis ich den Kuss erwiderte, bevor sie näher trat und sich zwischen meine Knie schob.
Ich zog sie nicht heran und ließ die Hände an ihren Hüften, während sie sich in den Kuss neigte. Ihr Gewicht vertraute sich mir an und konnte doch bleiben, wenn ich nur den Druck meiner Hände änderte. Elise küsste, als wolle sie sich etwas merken, die Ecke meines Mundes und die Stelle, an der mein Atem stockte. Mit der Zunge fragte sie nach der kleinen Narbe an meiner Unterlippe, ohne ein Wort dafür zu brauchen. Ich öffnete ihr das oberste Knopfloch, hielt inne und sah sie an, und sie sagte ja, bevor ich fragen konnte.
„Alles, was du anfasst, darfst du anfassen“, sagte sie, „und wenn ich Stopp sage, hören wir auf, ohne Diskussion.“ Ich wiederholte es, damit es zwischen uns stand wie ein Geländer, an dem man sich festhalten konnte. Stopp genügte, kein langer Satz und kein Erklären in einem Moment, in dem der Körper schon weiter war. Sie lächelte kurz, ernst und warm, und küsste mich wieder, diesmal tiefer, mit der Zunge, langsam. Es fühlte sich an, als hätten wir die Stunden bis zum Wecker wirklich und nicht nur geliehen.
Elise wollte die gepackten Kisten nicht als Kulisse, und ich wollte sie nicht nur in einem Raum, der schon Abschied war. Trotzdem sagte sie, sie wolle mich einmal unter der Dachschräge, bevor der Raum wieder leer sei. Wir stiegen die enge Treppe hinauf, barfuß, meine Hand in ihrer, und das Holz knarrte unter uns wie ein Mitwisser. Oben roch es nach Pappe, nach ihrer Seife und nach dem warmen Staub, den alte Dachwohnungen nie ganz verlieren. Der Koffer stand offen neben dem Bett, ordentlich, und das Fenster unter der Schräge war einen Spalt geöffnet.
Sie schloss die Tür und lehnte sich einen Moment dagegen, als müsse sie den Entschluss noch einmal im Körper ablegen. „Hier“, sagte sie, „aber nur, wenn es sich für dich nicht anfühlt wie ein Abschied, den man abarbeitet.“ Ich sagte, es fühle sich an wie eine Nacht, die wir uns geben, und der Morgen dürfe danach kommen, ohne uns zu gehören. Elise nickte, kam zu mir und küsste mich unter der niedrigsten Stelle der Schräge, wo ich den Kopf neigen musste. Das Holz über uns war warm von der Tageshitze, und diese Wärme lag auf unseren Schultern wie eine dritte Gegenwart.
Ich schob das Hemd von ihren Schultern und ließ es an den Armen hinabgleiten, bis sie die Hände freimachte. Darunter trug sie nichts, und ihre Brüste waren voller, als der Stoff verraten hatte, die Warzen schon fest. Die kühle Luft aus dem Fenster und das, was zwischen uns lag, hatten sie so gemacht, und ich sagte, sie sei schön. Elise wurde rot am Hals und sagte, ich solle sie anfassen, wenn ich das meine, nicht nur ansehen. Ich legte die Hände darunter, hielt sie nur, und sie lehnte den Rücken an meine Brust und atmete in meine Handflächen.
Ich küsste ihren Nacken, dort, wo das feuchte Haar eine dunkle Spur gelassen hatte, und sie neigte den Kopf. Mehr Haut, mehr Salz von der Dusche, ein leises Geräusch in ihrer Kehle, das kein Wort werden wollte. Sie drehte sich um, öffnete meine Knopfleiste selbst und fragte zwischen zwei Küssen, ob sie mich ausziehen dürfe. Ich sagte ja, und sie streifte mir das Hemd von den Schultern, langsam, damit nichts an den Ohrringen hängen blieb. Meine Brüste waren kleiner als ihre, und sie sah mich an, als sei genau das die Form, die sie sich gewünscht hatte.
Ihre Hand strich über meine Rippen, fragend, und ich führte sie selbst an die Brust, damit kein Zweifel blieb. Elise nahm die Warze zwischen zwei Finger, ganz leicht, und sah mir ins Gesicht, während sie den Druck prüfte. „So ist gut“, sagte ich, und sie merkte es sich, denn sie blieb bei diesem Maß, als sie mich küsste. Wir öffneten die Hosen und ließen sie fallen, ungeschickt, wo der Teppich umschlug, und lachten in denselben Atem. Das Lachen nahm der Nacktheit nichts, es machte sie nur bewohnbar, und dann war da Haut, viel warme Haut.
Elise hakte die Daumen in meinen Slip und wartete, und ich tat dasselbe bei ihr, und wir zogen gleichzeitig. Einen Moment standen wir nur so, der Koffer im Augenwinkel, die Schräge über uns, die Nacht noch lang. Sie drückte mich rückwärts zum Bett, nicht stoßend, nur führend, und fragte, ob das Bett recht sei. Es war recht, obwohl die Matratze schmaler war als meine und die Wand nah an der Schulter lag. Ich wollte sie hier, in dem Raum, den ich sechs Wochen nur als Schritte gekannt hatte, und sagte ihr das.
Wir legten uns hin, Elise über mir, die Knie neben meinen Hüften, ihr Haar an meiner Wange. Sie küsste Mund, Hals und die Mulde über dem Schlüsselbein und hob jedes Mal den Kopf, als prüfe sie mein Ja. Mein Atem sagte ja, und als ihr Mund die Brust erreichte, wurde ich stiller und zugleich lauter innen. Sie nahm die Warze zwischen die Lippen, saugte sanft, die Zunge kreisend, die Hand auf der anderen Brust im gleichen Takt. Ich schob die Finger in ihr Haar, nicht um sie zu halten, nur um da zu sein, und sie fragte, ob härter recht sei.
Ich sagte, ein wenig, und sie folgte ohne Unterwerfung, nur mit Aufmerksamkeit, bis ein Zug durch meinen Bauch ging. Meine Hüften hoben sich, ohne dass ich es beschlossen hatte, und Elise lächelte an meiner Haut. Sie rutschte tiefer, zog mit dem Mund eine feuchte Linie über den Bauch und küsste die Stelle neben dem Nabel. Zwischen meinen Schenkeln war ich schon offen, das spürte ich am Luftzug, als sie die Knie auseinanderschob. Sie sah hinauf und sagte, sie wolle mich mit dem Mund, und ich solle sagen, wenn der Druck nicht stimme.
Ich sagte, sie solle anfangen, und dass ich ihr sagen würde, was ich brauchte, und das genügte ihr. Sie küsste zuerst die Innenseite des einen Schenkels, dann des anderen, langsam genug, dass Ungeduld zu Lust wurde. Dann legte sie die Zunge flach an mich, ein langer Strich von unten nach oben, und ich griff ins Laken. Sie lernte mich schnell, nicht weil sie eine Methode abspulte, sondern weil sie auf den Atem hörte. Wenn ich die Luft anhielt, blieb sie an der Stelle, und wenn ich die Hüften drehte, folgte sie.
Die Zunge umkreiste die empfindlichste Stelle, wurde spitzer, dann wieder breit, und zwischendurch küsste sie mich dort. Der Kuss war keine Vorstufe, er war schon die Sache selbst, warm und aufmerksam und ohne Eile. Zwei Finger lagen an meinem Eingang, noch nicht darin, nur warm und fragend, und ich sagte ja. Sie schob einen Finger hinein, langsam, und der zweite folgte, als ich die Ferse ins Laken drückte und ihren Namen sagte. Elise füllte mich erst und suchte den inneren Punkt erst, als ich bat, und dann fand sie ihn ohne Gewalt.
Ich sah an mir herab und sah ihr Gesicht zwischen meinen Schenkeln, die geschlossenen Augen, die warme Konzentration. Glanz lag an ihrem Kinn, und als sie meinen Blick bemerkte, lächelte sie mit dem Mund noch an mir. Dieses Lächeln, so nah an der Stelle, die sie leckte, machte mich enger um ihre Finger, und sie spürte es. „Bleib so“, sagte ich, und sie blieb, die Zunge stetig, nicht hart, die Finger in einem Takt, den mein Körper kannte. Wärme sammelte sich tief, dann höher, dann in den Oberschenkeln, die zu zittern anfingen, und ich sagte, es sei nahe.
Elise nahm die freie Hand und verschränkte die Finger mit meinen auf dem Laken, und dieser Halt trug mich. Der Höhepunkt kam als Welle, die sich wiederholte, kürzer und heller, während sie nicht aufhörte und nicht grober wurde. Ich bog den Rücken, presste ihre Hand, und ein Laut löste sich aus mir, den die dünnen Wände sicher hörten. Es war mir gleich, wer mithörte, denn in diesem Moment gehörte der Laut nur ihr und mir. Ich sagte genug, sie hob den Mund sofort, ließ die Finger noch einen Atemzug in mir und zog sie dann langsam heraus.
Sie küsste Schenkel, Hüfte und Bauch und kam zu meinem Mund, und ich schmeckte mich an ihr, salzig und warm. Ich küsste sie dafür, lange und dankbar, noch zitternd in den Beinen, und sie hielt mein Gesicht in beiden Händen. „Komm her“, sagte ich, als die Stimme mir wieder gehorchte, „ich will dich nicht nur empfangen.“ Elise lachte leise an meinem Hals und sagte, sie habe gehofft, dass ich das sage, bevor der Wecker uns die Zeit stehle. Sie legte sich auf den Rücken und breitete die Arme aus, nicht theatralisch, eher wie jemand, der eine Tür offen ließ.
Ich kniete neben ihr und sah sie an, die Linie unter der Brust, den Bauch, das dunkle Haar, schon feucht. Die Innenseiten der Schenkel waren gerötet, wo sie sich an mir gerieben hatte, ohne es zu bemerken. „Du bist schön“, sagte ich, und es war kein Satz für die Höflichkeit, und sie wurde wieder rot am Hals. „Fass mich an“, sagte sie, „ich bin so weit, dass Warten wehtut, aber auf die gute Art.“ Sie bat um langsam, weil sie schnell komme, wenn der Mund dazukomme, und sie wolle es spüren, nicht nur hinter sich bringen.
Ich begann an ihrem Mund, weil Eile der falsche Respekt gewesen wäre, und küsste sie, bis ihr Atem unruhig wurde. Dann die Brüste: ich nahm eine Warze in den Mund und strich mit der Zunge, bis sie hart wurde. Elise legte die Hand in mein Haar, offen, nicht drückend, und sagte ja, als ich die Zähne nur andeutete. Einen Atemzug später sagte sie, nicht mehr Zähne, und ich hörte beides, ohne dass eine von uns stockte. Ich küsste die Unterseite der Brust, wo die Haut dünner und wärmer war, und sie atmete durch den offenen Mund.
Ich wanderte tiefer, küsste den Bauch, die Leiste, das weiche Dreieck, und sie öffnete die Schenkel ohne Bitte. Der Geruch von ihr war dunkler als meiner, warm und ein wenig süß, und er machte mich wieder unruhig. Zwischen meinen Beinen klang der erste Höhepunkt noch nach, und trotzdem zitterten die Hände vor neuem Wunsch. Ich leckte sie erst flach, zum Kennenlernen, dann gezielter, als ihr Becken mir den Ort zeigte. Elise war lauter als ich, nicht schreiend, aber sie sprach halbe Sätze, meinen Namen, ein Fluchen ohne Böses.
„Zwei Finger“, sagte sie, „bitte, und den Mund oben lassen“, und ich tat es, weil die Bitte klar war. Sie war eng und sehr nass, und die Finger glitten leicht, sodass ich den Winkel suchen konnte, ohne zu stoßen. Als ich die Finger krümmte und mit der Zunge die feste Stelle umkreiste, hob sie die Hüften und hielt sie oben. „Genau das“, sagte sie, „nicht schneller, bitte nicht schneller“, und ich blieb in dem Takt, den sie verlangte. Mein Kiefer brannte, und ich blieb trotzdem, weil ihr Zittern und ihr Ja wichtiger waren als meine Bequemlichkeit.
Sie legte die Hand auf meinen Hinterkopf und nahm sie wieder weg, als fürchte sie, mich zu führen, wo ich schon war. „Du darfst die Hand lassen“, sagte ich an ihr, „ich mag das“, und sie ließ sie liegen, leicht. Das Gewicht ihrer Hand war eine zweite Zustimmung, warm im Haar, und ich leckte weiter in demselben kleinen Kreis. Elise kam mit einem hohen, fast überraschten Laut, die Schenkel schlossen sich um meinen Kopf, und ich blieb still. Die Zunge wurde weich, die Finger ruhten in ihr, bis die Wellen nachließen und sie mich freigab, atemlos und lachend.
Sie zog mich hinauf, küsste mich unordentlich und wischte mir mit dem Daumen über die Unterlippe, zärtlich und ein wenig stolz. „Das war richtig“, sagte sie und suchte kein größeres Wort, weil das richtige Wort schon reichte. Dann wollte sie mich auf sich spüren, Haut an Haut, bis wir nicht mehr wüssten, wer wen halte. Ich setzte mich auf sie und rutschte tiefer, bis mein offener Schoß auf ihrem lag und die Nässe sich mischte. Elise hielt meine Hüften, nicht um das Tempo zu bestimmen, sondern um mich zu spüren, und wir begannen langsam.
Das Reiben war zuerst ungenau und traf dann, nach zwei Versuchen, genau die Stelle, an der es für uns beide zog. Ich stützte die Hände neben ihrem Kopf ab, unser Atem traf sich, und manchmal reichte der Mund nicht zum Küssen. „Ist das gut?“ fragte ich, obwohl ihr Gesicht es schon sagte, und sie bat um ein wenig mehr Druck. Ich gab ihn, und die Reibung baute sich breiter auf als der Mund, eine Hitze im ganzen Unterleib. Elise schob eine Hand zwischen uns und berührte mit zwei Fingern die Stelle, an der wir uns trafen.
Das zusätzliche Gleiten ließ mich die Augen schließen, und ich sagte ihr, dass ich wieder nahe sei. Sie sagte, sie auch, und dass wir nicht warten müssten, dass sie aber versuchen wolle, mit mir zu gehen. Wir lachten nicht darüber, denn es war zu ernst in den Körpern und zu schön für ein Spiel. Ich bewegte mich kleiner und dichter, Elise kam mir entgegen, die Fersen in die Matratze gedrückt. Ihre freie Hand lag an meiner Brust, der Daumen an der Warze, aufmerksam bis zuletzt, als wolle sie nichts versäumen.
Als es kam, kam es fast gemeinsam, sie einen Herzschlag vor mir, ich in ihrem Laut, der an der Schräge hing. Mein zweiter Höhepunkt war tiefer und kürzer, ein Zusammenziehen, das mich auf sie sinken ließ, Stirn an Stirn. Der Mund blieb offen an ihrer Wange, und Elise hielt mich mit beiden Armen, noch ein wenig bewegend, weich. Als es zu viel wurde, schüttelte ich den Kopf, lächelnd und atemlos, und sie hielt sofort still, ohne nachzufragen. Wir blieben ineinander verhakt und schwitzend, wo Haut auf Haut geklebt hatte, und das Fenster zog Kühle über meinen Rücken.
Eine Weile sprachen wir nicht, und ich hörte ihren Herzschlag unter meinem Ohr, schnell und dann langsamer. Elise strich mir einzelne Strähnen von der Schläfe und küsste mich auf den Scheitel, zart nach allem Lauten. „Alles gut?“ fragte sie, und ich sagte, mehr als das, und fragte zurück, weil die Frage in beide Richtungen gehörte. Sie nickte an meinem Haar und sagte, sie sei wund auf die richtige Weise, hungrig und traurig zugleich. Die Traurigkeit könne bis zum Bahnsteig warten, sagte sie, und ich hob den Kopf und widersprach ihr sanft.
„Du musst sie nicht wegschieben“, sagte ich. „Sie darf im Zimmer sein und muss nur nicht das Bett regieren.“ Elise sah mich an, die Augen dunkler im schwachen Schein, der von der Treppe heraufreichte, und nickte langsam. Wir zogen die dünne Decke über uns, nicht aus Scham, sondern weil der Luftzug an den feuchten Stellen kühl wurde. Ihr Bein lag über meinem, schwer und vertraut, als hätten wir das schon oft getan und nicht nur einmal. Ich strich über ihre Hüfte, langsam und ohne neues Ziel, und sie seufzte, als sei auch das noch Lust, nur leiser.
„Noch einmal die Hand“, sagte sie leise, „nicht zum Kommen, nur damit ich dich noch spüre, bevor wir aufstehen.“ Ich fragte, ob sie sicher sei, und sie sagte ja und führte meine Hand selbst zwischen ihre Schenkel. Sie war warm und geschwollen und sehr empfindlich, und ich blieb außen, zwei Finger flach, kaum bewegt. Elise schloss die Augen und atmete dagegen, nicht hetzend, und nach einer Weile schob sie die Hüfte nur ein kleines Stück. „So reicht es“, flüsterte sie, und wir lagen still, während meine Hand sie hielt und ihr Atem in meinen Mund ging.
Ich war selbst noch offen, und sie merkte es, als ihr Oberschenkel mich streifte, und fragte, ob ich das auch wolle. Ich wollte ihre Finger, langsam und nicht tief um jeden Preis, nur die Gegenwart, und sagte es so. Elise glitt mit einem Finger in mich, dann mit zweien, ganz ruhig, und der Daumen lag leicht oben, ohne zu kreisen. Es war kein neues Jagen, es war ein Halten, und doch stieg die Lust noch einmal, süß und ohne Eile. Ich kam leise, ein kurzes Ziehen, das Gesicht an ihrem Hals, und sie küsste mich durch den Laut, bis er aufhörte.
Danach zogen wir die Hände zurück und küssten die feuchten Finger beiläufig, und wir lachten leise darüber, ohne uns zu genieren. „Wasser“, sagte Elise, und wir standen auf, nackt, und gingen die drei Schritte zur kleinen Spüle unter der Schräge. Das Wasser war zuerst kalt und dann lauwarm, und wir wuschen uns die Hände und danach die Innenseiten der Schenkel, vorsichtig. Sie zuckte einmal und sagte, es sei empfindlich, und ich wurde noch sanfter, und sie tat dasselbe bei mir. Im Spiegel über der Spüle, der einen Sprung hatte, sahen wir aus wie zwei Frauen, die sich nichts mehr vormachten.
Elise trocknete mich mit dem Handtuch ab, und ich trocknete sie, und dazwischen küssten wir uns, müde und klar. Der Koffer stand noch offen, ein Pullover obenauf, und sie drückte ihn zu, damit die Nacht nicht mehr nach Abreise aussah. „Ich will kein Versprechen, das du auf dem Bahnsteig schon bereust“, sagte ich, und sie lehnte die Stirn an meine. Sie sagte, sie werde schreiben, nicht als Gelübde, sondern weil sie es wolle, und der Rest dürfe sich zeigen. Ich nahm das an, denn mehr wäre eine geborgte Geschichte gewesen, und diese Nacht war schon vollständig.
Der Himmel vor dem Fenster wurde nicht hell, nur weniger schwarz, ein Grau, das noch keine Abreise war. Elise stellte den Wecker eine Viertelstunde später, nicht aus Panik, sondern um nicht im Schreck aus dem warmen Bett zu gehen. Wir zogen die Hemden wieder an, die Beine blieben nackt unter der Decke, und wir lagen noch einmal ganz still. Ich fragte nicht, ob ich mit zum Bahnhof kommen solle, und sie bat nicht darum, und darin lag eine eigene Zärtlichkeit. Was wir uns gegeben hatten, brauchte keinen Bahnsteig, um wahr gewesen zu sein, und das wussten wir beide.
An der Tür küsste sie mich lange, die Hände an meinem Gesicht, und sagte Maren, als sei der Name ein Ort. Ich sagte Elise, und wir lachten nicht, weil es nicht komisch war, nur voll bis zum Rand. Sie fragte noch einmal, ernst, ob alles wirklich ja gewesen sei, und ich sagte ja, weil ich es gesagt und gezeigt hatte. Sie nickte, ich ging die Treppe hinunter, die Stufen kalt unter den Füßen, und schloss meine Tür, ohne sie zu verriegeln. Oben rollte der Koffer einmal, dann wurde es still, und ich legte mich hin mit ihrem Geruch an Mund und Händen.
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