Die letzte Nacht bevor der Transporter fuhr
Fremdgehen · 24 Minuten lesen · 32 Minuten hören
Gelesen von Meher
Teil 2 der Serie Verbotene Nächte (5)
Ich war sechsunddreißig und seit drei Wochen allein im Haus, als Markus die letzte Schraube in das Regal drehte und die Leiter zusammenklappte. Er war einundvierzig, Tischler, breit in den Schultern, mit Sägemehl in den Ärmelaufschlägen und einer Ruhe, die mich von Anfang an unruhig gemacht hatte. Mein Mann war auf Dienstreise, irgendwo zwischen Flughäfen und Konferenzräumen, und hatte am Telefon gesagt, das Bad und die Einbauschränke sollten fertig sein, wenn er zurückkäme. Fertig waren sie. Morgen früh sollte der Transporter vor der Tür stehen, die Werkzeugkisten sollten hinein, und Markus sollte die Stadt verlassen, weil der nächste Auftrag ihn nach Norden rief.
Ich stand in der Tür zum Flur und hielt ein Glas Wasser, das ich nicht trank. Die Abendsonne lag schräg auf den frisch geölten Brettern. Es roch nach Holz, nach Leinöl und nach seiner Haut, nachdem er den ganzen Tag gearbeitet hatte. Er wischte sich die Hände an einem Tuch ab, langsam, als hätte er keine Eile, obwohl alles gepackt war bis auf die eine Kiste, die noch offen auf dem Boden stand.
„Das war es“, sagte er. Seine Stimme war tief und ein wenig heiser vom Staub. „Wenn Sie morgen früh noch etwas sehen, das schief sitzt, rufen Sie an. Aber es sitzt nicht schief.“
Ich nickte. Seit Tagen sagten wir Sie, obwohl wir längst beim Du gewesen waren, wenn niemand zuhörte, und dann wieder zum Sie zurückgekehrt, als würde die Höflichkeit uns beide schützen. Heute Abend hielt sie nichts mehr. Ich stellte das Glas ab.
„Bleib noch“, sagte ich. „Eine Stunde. Oder zwei. Es ist die letzte Nacht, bevor du fährst.“
Er sah mich an. Nicht überrascht. Eher so, als hätte er auf diesen Satz gewartet und sich gleichzeitig verboten, ihn zu erwarten. Seine Augen waren dunkel, müde vom Tag und wach von etwas anderem. Er legte das Tuch auf die Kiste.
„Wenn ich bleibe“, sagte er, „dann nicht, weil die Arbeit noch offen ist.“
„Ich weiß.“
„Und dein Mann?“
„Ist nicht hier. Und ich will das hier. Mit dir. Heute. Nicht, weil ich betrunken bin oder weil mir langweilig ist. Weil ich dich will, und weil du morgen weg bist, und weil ich diese Nacht nicht an mir vorbeiziehen lassen will, ohne sie genommen zu haben.“
Er atmete aus. Ein langes, ruhiges Ausatmen. Dann nickte er.
„Gut“, sagte er. „Dann bleibe ich. Aber du sagst Stopp, wenn du Stopp meinst. Jederzeit. Auch mitten drin. Auch wenn es schon angefangen hat.“
„Das sage ich. Und du auch.“
„Einverstanden.“
Wir standen einen Moment nur da. Die Stille im Haus war dick. Draußen fuhr ein Auto vorbei und verschwand. Ich ging in die Küche, holte zwei Gläser und die Flasche Rotwein, die seit seinem ersten Arbeitstag unangetastet im Schrank gestanden hatte, weil ich sie für einen Abend aufgehoben hatte, den ich mir nicht hatte eingestehen wollen. Als ich zurückkam, hatte er die Schuhe ausgezogen und die Jacke über die Stuhllehne gelegt. Darunter ein graues Hemd, am Kragen offen, die Ärmel hochgekrempelt. Unterarme mit Adern und einer alten Narbe quer über dem linken Handgelenk. Ich kannte diese Arme. Ich hatte sie drei Wochen lang beobachtet, wie sie Bretter hoben, wie sie maßvoll und sicher arbeiteten, wie sie manchmal innehielten, wenn ich durch den Raum ging.
Wir setzten uns auf den Boden, den Rücken an die Wand unter dem neuen Regal gelehnt, weil die Möbel im Wohnzimmer noch mit Folie bedeckt waren und dieser Flur der einzige Ort war, der schon fertig roch. Der Wein war schwer und warm. Ich trank langsam. Er auch. Unsere Knie berührten sich nicht. Noch nicht.
„Du hast mich angesehen“, sagte ich. „Nicht nur heute.“
„Jeden Tag“, sagte er. „Wenn du morgens im Bademantel an der Tür standest und Kaffee brachtest. Wenn du abends fragtest, ob ich noch etwas brauche, und dabei so tatest, als ginge es um Schrauben. Ich habe nichts angefasst, was du nicht angeboten hast. Aber angesehen habe ich dich. Ja.“
Wärme stieg mir in den Hals. Nicht Scham. Eher das Gefühl, endlich ausgesprochen zu haben, was zwischen uns gelegen hatte wie ein Werkzeug, das keiner in die Kiste legen wollte.
„Ich habe nachts wach gelegen“, sagte ich. „Und mir vorgestellt, wie deine Hände aussehen, wenn sie nicht arbeiten. Wie sie auf meiner Haut liegen würden. Ich habe mich dafür schlecht gefühlt. Und ich habe es trotzdem wieder vorgestellt.“
Er stellte sein Glas ab. Seine Hand lag auf dem Boden zwischen uns, die Handfläche nach oben, offen. Eine Einladung, kein Griff.
„Du musst dich heute Nacht nicht schlecht fühlen, um das zu wollen“, sagte er. „Du kannst es wollen und trotzdem wissen, dass es kompliziert ist. Beides darf gleichzeitig wahr sein.“
Ich legte meine Hand in seine. Seine Handfläche war warm, rau an den Schwielen, weich in der Mitte. Er schloss die Finger nicht sofort. Er ließ mich die Entscheidung noch einmal spüren. Dann drückte er zu, fest genug, dass ich es im ganzen Arm merkte.
Wir küssten uns nicht sofort. Wir saßen und hielten uns an der Hand und tranken und redeten von kleinen Dingen, die nichts mit dem zu tun hatten, was kommen würde, und gerade deshalb alles damit zu tun hatten. Von der Maserung des Holzes. Von einer Stadt im Norden, in der er eine Werkstatt mieten würde. Von meinem Garten, der hinter dem Haus verwilderte, weil ich keine Lust gehabt hatte, ihn allein zu pflegen. Seine Daumen strich über meinen Handrücken, immer wieder dieselbe langsame Linie. Jeder Strich zog etwas in mir enger.
Als die Flasche halb leer war, stand ich auf. Er blieb sitzen und sah zu mir hoch. Ich zog das Haar aus dem Knoten. Es fiel schwer auf meine Schultern. Ich trug ein einfaches Kleid, dunkelblau, nichts, das ich für ihn angezogen hatte, und doch hatte ich es heute Morgen gewählt, weil der Stoff weich war und weil ich wissen wollte, wie es sich anfühlen würde, wenn er es hochschob.
„Komm mit nach oben“, sagte ich. „Nicht ins Schlafzimmer. Ins Gästezimmer. Das Bett dort ist frisch. Und es ist nicht seins.“
Er stand auf. Groß neben mir. Ich roch ihn deutlicher jetzt: Holz, Schweiß vom Tag, eine Spur Seife vom Waschbecken, an dem er sich die Hände gewaschen hatte. Er folgte mir die Treppe hinauf. Auf der dritten Stufe blieb ich stehen, drehte mich um und küsste ihn.
Der Kuss war zuerst vorsichtig. Lippen auf Lippen, ein Fragen. Dann öffnete ich den Mund, und er antwortete, und die Vorsicht fiel weg wie ein Werkzeug, das man endlich aus der Hand legt. Seine Zunge fand meine. Er schmeckte nach Wein und nach sich selbst. Eine Hand lag an meiner Taille, die andere an meinem Nacken, nicht pressend, nur haltend. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen. Mein Körper drückte sich an seinen. Ich spürte, dass er schon hart war, durch die Hose, gegen meinen Bauch. Ein leises Geräusch entkam mir, halb Seufzen, halb Lachen, weil das Wollen so klar war, dass es fast komisch wirkte nach all den Tagen des Nicht-Anfassens.
„Nach oben“, murmelte er an meinem Mund. „Sonst mache ich es hier auf der Treppe, und das will ich nicht. Nicht beim ersten Mal. Nicht bei dem einzigen Mal.“
Wir gingen weiter. Im Gästezimmer brannte nur die kleine Lampe auf der Kommode. Das Bett war breit, die Decke zurückgeschlagen, weil ich sie am Nachmittag gelüftet hatte, ohne mir einzugestehen, warum. Ich schloss die Tür. Nicht weil jemand im Haus war. Weil der Klang des Schlosses etwas abschloss, das nur uns gehörte.
Er blieb stehen und wartete. Ich ging zu ihm, knöpfte sein Hemd auf, Knopf für Knopf, und schob es von seinen Schultern. Seine Brust war behaart, warm, der Bauch fest von der Arbeit, nicht glatt wie aus einem Bild. Ich legte die Stirn dagegen und atmete. Seine Hände fanden den Reißverschluss meines Kleides. Er zog ihn langsam herunter. Der Stoff öffnete sich an meinem Rücken. Kühle Luft, dann seine Handfläche, die vom Nacken bis zur Taille strich, als würde er eine Fläche prüfen, die er lange nur aus der Ferne betrachtet hatte.
„Darf ich?“, fragte er, obwohl das Kleid schon halb offen war.
„Ja. Alles. Ich will deine Hände überall.“
Das Kleid fiel. Darunter trug ich nichts Besonderes: einen schlichten Büstenhalter, einen Slip in der Farbe von hellem Stein. Er sah mich an, als wäre das genug. Als wäre mehr als genug. Seine Finger öffneten den Verschluss am Rücken. Die Träger glitten von meinen Schultern. Meine Brüste lagen schwer in der warmen Luft. Die Nippel zogen sich zusammen, noch bevor er sie berührte. Er sah hin, dann in mein Gesicht, dann wieder hin, und senkte den Mund.
Der erste Kuss auf meine Brust war weich. Der zweite schon hungriger. Seine Zunge kreiste um die eine Spitze, während seine Hand die andere umschloss, den Daumen langsam darüber zog, bis ich die Augen schloss und den Kopf in den Nacken legte. Ein Ziehen lief von dort gerade hinunter zwischen meine Beine. Ich griff in sein Haar. Es war kurz, ein wenig störrisch, warm von der Kopfhaut. Er saugte fester. Ich stöhnte, leise, dann lauter, weil niemand es hörte außer ihm, und weil ich wollte, dass er es hörte.
Er ging in die Knie. Küsste meinen Bauch. Die weiche Stelle unter dem Nabel. Die Hüftknochen. Seine Hände schoben den Slip herunter, und ich stieg heraus. Ich stand nackt vor ihm, die Beine ein wenig auseinander, weil ich schon feucht war und die Luft dort kühl und aufreizend zugleich. Er sah hinauf.
„Du bist schön“, sagte er. Kein Schmuck an dem Satz. Nur die Tatsache, so wie er sie sah.
Dann küsste er die Innenseite meines Oberschenkels. Erst links, dann rechts, höher, höher, bis sein Atem meine Scham streifte. Ich zitterte. Meine Hand suchte die Kommode hinter mir und fand Halt. Er spreizte mich mit den Daumen, sanft, und leckte einmal langsam durch die Mitte, von unten nach oben. Ein langer, nasser Strich. Meine Knie gaben nach. Er hielt meine Hüften und tat es noch einmal, und noch einmal, und dann fand seine Zunge die Stelle, die alles in mir zusammenzog, und blieb dort.
Ich hatte vergessen, wie gut das sein konnte, wenn jemand sich Zeit nahm. Er leckte nicht hastig. Er lernte mich. Druck, dann weniger Druck. Kreise. Ein flaches Lecken, das mich fast zum Fluchen brachte, weil es so nah war und doch nicht ganz. Dann wieder fester, und ich keuchte seinen Namen. Zwei Finger glitten in mich, langsam, und krümmten sich, suchten, fanden. Ich war eng um sie und nass, und das Geräusch, das entstand, als er sie bewegte, war deutlich in dem stillen Zimmer. Es machte mich nicht verlegen. Es machte mich gieriger.
„Markus“, sagte ich. „Ich will dich in mir. Aber noch nicht. Noch ein bisschen so.“
Er brummte gegen mich, ein Laut der Zustimmung, und leckte weiter, während seine Finger in einem ruhigen Rhythmus stießen. Die Spannung baute sich auf wie etwas, das man nicht halten kann und doch halten will, weil das Halten selbst schon Lust ist. Meine Oberschenkel zitterten. Ich drückte mich gegen seinen Mund. Er nahm mich fester, saugte, und die Welle kam schnell und hart. Ich kam auf seiner Zunge, die Hand in seinem Haar, ein langer, gebrochener Laut, der in ein Keuchen überging. Meine Beine hielten mich kaum. Er blieb bei mir, leckte sanfter, bis das Zucken nachließ, und küsste dann die Innenseite meines Schenkels, als würde er sich bedanken.
Ich zog ihn hoch. Küsste ihn und schmeckte mich auf seinen Lippen. Meine Hände öffneten seinen Gürtel, den Knopf, den Reißverschluss. Ich schob Hose und Unterhose zusammen herunter. Sein Schwanz sprang frei, dick, hart, die Eichel schon feucht. Ich umschloss ihn mit der Hand. Er war heiß. Schwer. Ich strich einmal von der Wurzel bis zur Spitze und sah, wie seine Augen sich schlossen und sein Mund sich öffnete.
„Aufs Bett“, sagte ich. „Ich will dich sehen, wenn ich dich in den Mund nehme.“
Er setzte sich an die Kante, die Beine auseinander, die Hände hinter sich auf die Matratze gestützt. Ich kniete zwischen seinen Füßen auf den Teppich. Der Boden war hart unter meinen Knien. Es war mir gleich. Ich leckte die Unterseite entlang, langsam, und nahm dann die Eichel in den Mund. Salz. Wärme. Sein Atem stockte. Ich senkte den Kopf, nahm ihn tiefer, so tief, wie es angenehm blieb, und bewegte mich. Meine Hand arbeitete mit, dort, wo mein Mund nicht hinkam. Speichel machte alles glatt. Er stöhnte, tief, und eine Hand legte sich in mein Haar, nicht drückend, nur da.
„Langsam“, sagte er heiser. „Wenn du so weitermachst, bin ich zu schnell fertig. Und ich will in dir kommen. Wenn du das auch willst.“
Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die Spitze noch einmal und stand auf. Meine Knie waren rot. Er zog mich auf seinen Schoß. Ich setzte mich rittlings auf seine Oberschenkel, seinen Schwanz zwischen uns, heiß an meinem Bauch. Wir küssten uns lange. Seine Hände lagen auf meinem Hintern, kneteten, zogen mich näher. Ich rieb mich an ihm, die feuchte Spalte entlang seines Schafts, ohne ihn schon in mich zu nehmen. Jede Bewegung schickte einen kleinen Stoß durch mich. Er biss sanft in meine Unterlippe.
„Ich habe Kondome in der Jacke“, sagte er. „Unten. Ich hole sie.“
„Ich habe welche in der Schublade“, sagte ich. „Seit einer Woche. Für den Fall, dass ich mutig genug wäre.“
Er lachte leise gegen meinen Hals. „Dann warst du mutiger als ich.“
Ich beugte mich zur Seite, zog die Schublade auf und gab ihm die Packung. Er riss eine auf, rollte das Kondom über sich, sorgfältig, und sah mich an.
„Noch ja?“
„Noch ja. Komm her.“
Ich hob mich, führte ihn mit der Hand und sank langsam auf ihn herab. Die Dehnung war deutlich. Voll. Ich hielt inne, halb auf ihm, und atmete, bis mein Körper sich öffnete und ihn aufnahm. Dann setzte ich mich ganz. Er füllte mich so tief, dass ich einen Moment nur dasaß und die Stirn an seine Schulter legte. Seine Hände strichen meinen Rücken. Er bewegte sich nicht. Er ließ mir die Zeit.
„Gut?“, fragte er.
„Sehr gut. Bleib noch so. Nur einen Atemzug.“
Wir atmeten zusammen. Dann begann ich mich zu bewegen. Langsame Kreise zuerst. Dann ein Heben und Senken, bei dem ich jedes Stück von ihm spürte, wie er hinausglitt und wieder hineinkam. Das Kondom machte es ein wenig glatter, aber die Reibung war trotzdem satt und klar. Meine Brüste bewegten sich gegen seine Brust. Er nahm eine in den Mund, während ich ritt, und das doppelte Gefühl ließ mich schneller werden. Das Bett knarrte. Ich mochte das Geräusch. Es gehörte zu uns und nicht zu dem anderen Leben, das morgen wieder anfangen würde.
Er legte sich zurück und zog mich mit. Ich stützte die Hände neben seinem Kopf ab und ritt ihn tiefer. Sein Blick war offen, hungrig, auf mein Gesicht gerichtet, dann auf die Stelle, wo wir verbunden waren. Er griff meine Hüften und half mir, den Rhythmus zu halten, stieß von unten entgegen, wenn ich mich senkte. Jeder Stoß traf etwas in mir, das nach mehr verlangte. Ich war laut. Ich hatte vergessen, wie laut ich sein konnte, wenn ich nicht darauf achten musste, ob im Nebenzimmer jemand schlief.
„Dreh dich“, sagte er nach einer Weile. Seine Stimme war rau. „Ich will dich von hinten. Wenn du das willst.“
Ich wollte es. Ich stieg von ihm, das kurze Gefühl der Leere fast schmerzhaft, und kniete mich aufs Bett, die Unterarme auf der Matratze, den Rücken durchgedrückt, den Hintern ihm entgegen. Er kniete sich hinter mich. Eine Hand strich über meine Wirbelsäule, die andere führte ihn wieder an mich heran. Er drang ein, langsam, und dieses Mal war der Winkel anders, tiefer in einer Weise, die mich die Finger in die Decke krallen ließ. Er begann zu stoßen. Nicht roh. Fest. Gleichmäßig. Das Klatschen von Haut auf Haut füllte das Zimmer. Ich drückte mich ihm entgegen. Jeder Stoß schob ein Stöhnen aus mir.
„Härter“, sagte ich. „Bitte. Ich halte das aus. Ich will es.“
Er gab mir mehr. Seine Hände an meinen Hüften, der Griff fest, aber nicht verletzend. Er beugte sich über mich, küsste meine Schulter, biss leicht hinein, leckte die Stelle. Eine Hand wanderte nach vorn, zwischen meine Beine, und fand meine Klitoris. Er rieb sie im Takt seiner Stöße. Die Kombination war fast zu viel. Ich kam ein zweites Mal, enger um ihn, ein langes Zittern, das durch meine Schenkel lief und ihn mitzog in das Pulsieren. Er fluchte leise, hielt still, während ich kam, und bewegte sich erst wieder, als ich nach Atem rang und nickte.
„Noch nicht du“, sagte ich. „Ich will dich noch. Auf dem Rücken. Ich will dein Gesicht sehen, wenn du kommst.“
Er zog sich zurück. Ich drehte mich, legte mich hin, öffnete die Beine. Er kam über mich, stützte sich auf die Unterarme, und glitt wieder hinein. Dieses Mal war es langsamer. Gesicht an Gesicht. Seine Stirn an meiner. Wir küssten uns zwischen den Stößen, unordentlich, nass, mit offenem Mund. Ich schlang die Beine um seine Taille und zog ihn tiefer. Meine Hände lagen auf seinem Rücken, spürten die Muskeln, die arbeiteten, den Schweiß, der sich dort sammelte. Er roch stärker jetzt, nach Arbeit und nach Sex und nach mir. Ich mochte das. Ich wollte diesen Geruch in den Kissen, auch wenn ich sie morgen waschen würde.
„Ich bin nah“, sagte er. „Sag mir, ob ich –“
„In mir. Im Kondom. Bleib in mir. Ich will es spüren.“
Er stieß noch ein paar Mal, tiefer, unregelmäßiger, und dann spannte sich sein ganzer Körper. Er kam mit einem tiefen, gepressten Laut, das Gesicht in meinem Hals, die Hüften fest an mich gedrückt. Ich hielt ihn. Spürte das Pulsieren in mir, auch durch das Kondom hindurch, das Nachgeben seiner Schultern, das Zittern in seinen Armen. Wir blieben so, ineinander, atmend, bis sein Gewicht zu viel wurde und er sich zur Seite rollte, mich mitzog, sodass ich halb auf ihm lag. Er hielt das Kondom fest, zog sich vorsichtig heraus und entsorgte es im kleinen Mülleimer neben dem Bett, ohne viel Aufhebens. Dann kam er zurück und zog die Decke über uns beide.
Eine Weile sagten wir nichts. Mein Ohr lag auf seiner Brust. Sein Herz schlug noch schnell und wurde langsam ruhiger. Seine Hand strich durch mein Haar, immer wieder, als würde die Bewegung ihn genauso beruhigen wie mich. Draußen war es dunkel geworden. Die Lampe warf einen warmen Kreis an die Wand. Im Flur unten tickte irgendwo eine Uhr, die ich sonst nie hörte.
„Das war nicht nur, weil du morgen fährst“, sagte ich leise. „Das will ich, dass du weißt. Es wäre auch passiert, wenn du noch eine Woche geblieben wärst. Vielleicht nicht heute. Aber es wäre passiert. Die Abreise hat es nur ehrlich gemacht.“
„Ich weiß“, sagte er. „Bei mir auch. Ich habe jeden Abend im Transporter gesessen und mir gesagt, ich fahre jetzt. Und dann bin ich noch zehn Minuten sitzen geblieben und habe auf das Licht in deinem Fenster geschaut.“
Ich lächelte gegen seine Haut. Die Schuld war da. Sie lag nicht weit. Sie würde morgen größer sein, wenn ich das Bett abzog und die Weingläser spülte und meinem Mann eine Nachricht schrieb, dass die Regale fertig seien. Heute Nacht war sie nur ein Schatten am Rand, und ich schob sie nicht weg und zog sie auch nicht in die Mitte. Sie durfte warten.
Wir lagen lange so. Irgendwann stand ich auf, nackt, und holte Wasser aus dem Bad. Wir tranken. Er sah mir zu, wie ich durch das Zimmer ging, und ich ließ mich ansehen, ohne die Arme vor der Brust zu kreuzen. Als ich zurück ins Bett kam, war er wieder halb hart. Ich lachte leise.
„Schon?“
„Ich bin einundvierzig, nicht tot“, sagte er. „Und du läufst nackt durch ein Lampenlicht, das dich aussehen lässt, als wärst du aus dem Holz gemacht, das ich die ganze Woche angefasst habe. Was erwartest du?“
Ich küsste ihn. Der zweite Kuss war langsamer als der erste auf der Treppe, satt von dem, was schon gewesen war, und offen für das, was noch kommen konnte. Seine Hand glitt zwischen meine Beine. Ich war empfindlich, ein wenig wund, und trotzdem feucht, als seine Finger mich streichelten. Er war vorsichtig. Kein Stoßen. Nur Kreise, leicht, bis das Wundsein in Wärme überging und ich mich wieder gegen seine Hand drückte.
„Noch einmal?“, fragte er.
„Noch einmal. Langsamer. Ich will es auskosten, weil es das letzte Mal ist.“
Wir nahmen ein neues Kondom. Dieses Mal lag ich auf der Seite, er hinter mir, ein Arm unter meinem Kopf, der andere um meine Taille. Er drang von hinten ein, flach, gemächlich, und bewegte sich in langen, tiefen Zügen. Seine Hand lag auf meinem Bauch, dann tiefer, und rieb mich im gleichen ruhigen Takt. Es war weniger wild als zuvor und irgendwie dichter. Ich hörte seinen Atem an meinem Ohr. Spürte seinen Bauch an meinem Rücken. Die Stellung ließ uns beide länger aushalten. Wir redeten wenig. Ab und zu ein Ja. Ab und zu meinen Namen, leise, als würde er ihn sich einprägen. Ich kam ein drittes Mal, leiser als die beiden vorher, ein langes, weiches Überlaufen, das mich zittern ließ und ihn dazu brachte, mich fester zu halten. Er folgte kurz darauf, mit einem gedämpften Stöhnen in mein Haar, die Hüften ein paar letzte Male an mich gepresst.
Danach blieben wir in dieser Haltung, bis er sich zurückziehen musste. Er stand auf, wusch sich im Bad, kam zurück mit einem feuchten Tuch und reinigte mich behutsam, ohne Worte, als gehöre auch das zur Arbeit seiner Hände: etwas zu Ende bringen, ohne es grob zu machen. Ich ließ es geschehen. Es war intim auf eine andere Art als der Sex, und ich war dankbar dafür.
Wir schliefen nicht richtig. Wir dösten. Wachten auf. Küssten uns. Einmal stand ich auf und öffnete das Fenster einen Spalt, weil das Zimmer nach uns roch und ich die Nachtluft wollte. Unten im Garten raschelte etwas. Ein Igel vielleicht. Oder nur der Wind in den ungepflegten Büschen. Markus zog mich wieder an sich, als ich zurückkam, und wir lagen Brust an Brust, die Beine ineinander, die Decke halb heruntergerutscht.
„Wann fährst du?“, fragte ich irgendwann.
„Wenn es hell wird. Der Transporter steht um die Ecke. Ich habe den Wecker nicht gestellt. Ich werde es merken.“
„Ich bringe dich nicht zur Tür, wenn die Nachbarn schon wach sind.“
„Musst du nicht. Ich gehe leise.“
„Ich will dich aber noch einmal ansehen, bevor du gehst. Hier. Nicht unten zwischen den Kisten.“
„Dann weck mich, wenn du merkst, dass es dämmert. Oder ich wecke dich.“
Ich nickte an seiner Schulter. Meine Hand lag auf seiner Brust, die Finger in dem Haar dort. Ich dachte an die drei Wochen. An den Kaffee, den ich ihm gebracht hatte, zu heiß, und wie er trotzdem getrunken hatte. An den Nachmittag, an dem er mich gefragt hatte, welche Höhe das Regal haben sollte, und ich zu nah neben ihm gestanden hatte, um die Maße zu sehen, und keiner von uns einen Schritt zurückgetreten war. An die Nacht, in der ich unten im Dunkeln gesessen und zugehört hatte, wie er die Leiter zusammenklappte und die Haustür schloss, und mir gewünscht hatte, er würde noch einmal klopfen. Er hatte nicht geklopft. Bis heute hatte er gewartet. Ich auch.
Gegen Morgen wurde das Grau vor dem Fenster heller. Ich war wach. Er auch. Wir taten eine Weile so, als schliefen wir noch, weil das Wachsein den Abschied näher brachte. Dann küsste er meine Stirn.
„Es wird hell“, sagte er.
„Ich weiß.“
Wir liebten uns nicht noch einmal. Der Körper war müde, und der Morgen hatte eine andere Temperatur als die Nacht. Wir standen auf. Ich zog das Kleid über, ohne Unterwäsche, weil es schneller ging und weil ich seine Hände noch einmal auf meiner nackten Haut unter dem Stoff spüren wollte, wenn er mich zum Abschied hielt. Er zog Hemd und Hose an. Die Knöpfe schlossen sich einer nach dem anderen und machten aus dem Mann in meinem Bett wieder den Tischler, der gleich eine Kiste tragen würde. Nicht ganz. Das Hemd war zerknittert. Sein Haar stand ab. An seinem Hals war ein schwacher roter Fleck, den ich nicht bereute.
Unten im Flur stand die offene Kiste noch so, wie er sie gelassen hatte. Er legte das Tuch hinein, klappte den Deckel zu und schnallte ihn fest. Ich lehnte am Türrahmen und sah ihm zu. Das Haus roch immer noch nach Leinöl und jetzt auch nach uns, obwohl wir oben gewesen waren. Oder ich bildete es mir ein. Es war mir recht.
Er stellte die Kiste ab und kam zu mir. Legte beide Hände an mein Gesicht. Küsste mich lange, ohne Eile, obwohl der Himmel draußen schon die Farbe von Milch hatte. Ich hielt ihn an den Hüften. Unter dem Kleid war ich nackt, und er wusste es, und seine Hand glitt einmal an meiner Seite herab, über die Hüfte, und blieb dort liegen, als wollte er sich die Form merken.
„Wenn du anrufst, weil etwas schief sitzt“, sagte er, „dann sitzt es wirklich schief. Nicht als Vorwand. Ich würde kommen. Aber es wäre anders. Und ich glaube, du willst das nicht. Ich auch nicht. Nicht so.“
„Nein“, sagte ich. „Nicht so. Das hier war die Nacht. Nicht der Anfang von etwas, das wir beide nicht halten können.“
Er nickte. Es tat weh, und es war richtig, und beides stand im Flur zwischen den fertigen Regalen wie ein Möbelstück, das man nicht mehr verrücken musste.
„Danke“, sagte er. „Für den Wein. Für die Ehrlichkeit. Für dich.“
„Fahr vorsichtig.“
„Werde ich.“
Er nahm die Kiste. An der Tür drehte er sich noch einmal um. Ich stand barfuß auf den Dielen, das Haar offen, das Kleid ein wenig verrutscht an der Schulter. Er sah mich an, als würde er das Bild mitnehmen, nicht als Foto, sondern als etwas, das in den Händen bleibt, auch wenn man die Hände danach wäscht. Dann öffnete er die Tür. Kühle Morgenluft kam herein. Er trat hinaus. Die Tür schloss sich leise.
Ich blieb stehen, bis der Motor des Transporters ansprang, um die Ecke, und sich entfernte. Das Geräusch wurde dünner und war weg. Im Haus war es still. Die Regale standen gerade. Das Holz glänzte. Oben im Gästezimmer lag die Decke zerwühlt, und auf der Kommode standen zwei leere Gläser, die ich noch nicht heruntergetragen hatte.
Ich ging nicht sofort hinauf. Ich setzte mich auf die unterste Treppenstufe, dort, wo wir uns zuerst geküsst hatten, und legte die Hand auf das Holz der Stufe. Es war glatt von seiner Arbeit. Meine Haut erinnerte sich an seine Handflächen, an das Gewicht seines Körpers, an den Geschmack von Wein und Salz und an das lange, langsame Kommen in der Seitenlage, als die Nacht schon fast vorbei gewesen war. Die Schuld rückte näher, jetzt, wo der Motor verstummt war. Sie würde bleiben. Das wusste ich. Sie würde neben dem anderen Gefühl sitzen, dem der Sättigung, dem der klaren Wahl.
Ich stand auf, als das Licht im Flur richtig Tag wurde. In der Küche stellte ich Wasser auf. Der Kaffee würde für eine Person reichen. Während er durchlief, schrieb ich meinem Mann eine kurze Nachricht: Die Schränke sind fertig. Alles sitzt. Komm gut zurück. Ich las sie zweimal. Sie war wahr in dem, was sie sagte, und sie ließ aus, was sie lassen musste. Ich schickte sie ab.
Dann trug ich die beiden Gläser nach oben, öffnete das Fenster im Gästezimmer weit und zog die Decke ab. Der Geruch von uns war noch da, warm und deutlich. Ich hielt den Stoff einen Moment an die Nase, nicht aus Reue und nicht aus Triumph, nur weil ich ihn noch einmal haben wollte, bevor die Wäsche ihn nahm. Draußen im Garten lag Tau auf dem ungepflegten Gras. Der Tag hatte angefangen. Die Nacht war vorbei. Sie gehörte mir, und sie gehörte ihm, irgendwo auf einer Straße nach Norden, in einem Transporter voller Werkzeug, mit dem Geschmack meiner Haut noch auf der Zunge und mit Händen, die heute etwas anderes anfassen würden als mich.
Ich legte die Decke in den Korb. Im Bad, das er gefliest hatte, ließ ich Wasser in die Wanne und setzte mich auf den Rand, während es lief. Meine Oberschenkel waren empfindlich. Zwischen den Beinen pochte ein Nachhall, nicht unangenehm, eher wie eine Erinnerung, die der Körper länger behielt als der Kopf. Ich würde baden. Ich würde das Haar waschen. Ich würde das Haus lüften, bis nur noch Leinöl und Kaffee übrig waren. Und wenn mein Mann in ein paar Tagen durch die Tür kam und die Regale lobte, würde ich nicken und sagen, der Tischler habe gute Arbeit gemacht. Das würde auch wahr sein. Nur nicht die ganze Wahrheit. Die ganze Wahrheit blieb in dieser Nacht, geschlossen wie eine Kiste, die man zuschnallt und nicht wieder öffnet, weil das, was darin liegt, schon benutzt worden ist und genau dort hingehört, wo man es gelassen hat.
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