Neue Sexgeschichten

Die Führung, die wir ausmachten

Fremdgehen · 23 Minuten lesen · 31 Minuten hören

Gelesen von Ekaterina

Teil 3 der Serie Verbotene Nächte (8)

Ich war sechsunddreißig, und das Haus roch an diesem Dienstag nach frischem Fugenmörtel. Mein Mann war seit Sonntag in Hamburg, eine Messe, die er selbst als langweilig bezeichnet hatte, und die Stille zwischen den Wänden hatte in zwei Tagen ein Gewicht bekommen. Ich hörte die Küchenuhr im Flur. Ich hörte das leise Knacken der Heizungsrohre. Und ich hörte, schon bevor der Schlüssel im Schloss der Terrassentür ging, dass ich auf jemand anderen wartete als auf ihn.

Jonas war neununddreißig. Das hatte er mir am ersten Morgen gesagt, als ich nach dem Ausweis für die Versicherung gefragt hatte, und ich hatte mein Alter danebengelegt, sechsunddreißig, damit zwischen uns nichts Ungefähres stand. Er hatte genickt, als wäre das eine sachliche Auskunft unter anderen: Fliesenformat, Fugenbreite, Jahre. Drei Tage lang hatte er das Bad neu gefliest. Drei Tage lang war ich in der Nähe geblieben, ohne einen Vorwand zu suchen, der besser klang als der wahre: Ich wollte ihn sehen, wie er arbeitete, und ich wollte, dass er mich sah.

Am Montagabend, als das Licht schon flach über die neuen Fliesen fiel, hatten wir in der Küche gestanden und nicht mehr über Silikon gesprochen. Er hatte die Hände unter dem Hahn gewaschen, lange, bis das graue Wasser klar wurde. Ich hatte gesagt, dass ich müde sei vom Warten. Nicht vom Warten auf meinen Mann, das hatte ich auch gesagt, damit es nicht höflicher klang als es war. Müde davon, dass immer jemand anderes den ersten Schritt tat und ich nur noch zustimmen oder ausweichen konnte. Er hatte den Hahn zugedreht und die Hände am Geschirrtuch abgetrocknet, ohne mich aus den Augen zu lassen.

Er sei es leid, immer zu entscheiden, hatte er geantwortet. Auf der Baustelle, im Wagen, im Bett, wenn es eines gab. Er wolle einmal nicht führen. Er wolle gefragt werden, und er wolle nein sagen dürfen, und er wolle ja sagen, ohne dass daraus gleich ein Plan werde, den er zu Ende bringen müsse. Wir hatten uns angesehen, und das Wort, das zwischen uns lag, war kein schönes: Ich würde meinen Mann betrügen. Ich hatte es ausgesprochen, leise, damit es nicht größer wurde als die Küche. Er hatte nicht weggesehen.

Wir hatten die Stunde ausgemacht. Dienstag, wenn die Fugen gezogen waren und die Werkzeuge im Kasten lagen. Bis dahin Arbeit, Abstand, kein Griff, der sich als Versehen ausgeben konnte. Und wir hatten den Tausch benannt, damit er nicht im Eifer unterging. Ich würde führen. Er würde folgen, nicht aus Schwäche, sondern weil er es so wollte und ich es so wollte. Jede Berührung erst auf mein Wort. Ein Halt, wenn einer von uns Halt sagte, und dann wirklich Halt, ohne Nachfragen, ohne Schmollen, ohne einen zweiten Versuch in derselben Minute. Er hatte Halt wiederholt, als prüfe er das Gewicht des Wortes. Ich hatte ja gesagt. Er hatte ja gesagt. Danach hatte er den Kasten zugeklappt und war gegangen, und ich hatte die Terrassentür abgeschlossen und lange am Tisch gesessen, mit heißen Wangen und einem Körper, der schon am Montag wusste, was der Dienstag meinte.

Am Morgen kam er pünktlich. Arbeitskleidung, saubere Schuhe vor der Tür, der Geruch von Seife unter dem von Staub, den er von der Straße mitbrachte. Er grüßte mich mit meinem Namen und fragte, ob die Absprache stehe. Ich sagte, sie stehe. Er nickte einmal, stellte den Kasten ab und ging ins Bad, ohne meine Taille zu streifen, ohne den Blick länger auf meinem Mund zu lassen als ein Handwerker ihn lässt, der eine Auskunft bestätigt hat. Diese Enthaltsamkeit war bereits Teil dessen, was wir verabredet hatten. Sie machte mich unruhiger als eine Berührung es getan hätte.

Ich blieb nicht im Weg. Ich kochte Kaffee, den er später kalt werden ließ, und ich hörte ihn arbeiten: das Schaben der Fugenkelle, das kurze metallische Klirren, wenn er das Werkzeug ablegte, das Wasser, das er in den Eimer laufen ließ. Zwischendurch kam er in die Küche, trank einen Schluck, sagte etwas über die Trocknungszeit und ging wieder. Seine Stimme war ruhig. Meine Hände waren es nicht. Ich stellte die Tasse falsch herum in den Schrank und stellte sie noch einmal richtig, als könnte Ordnung an einer anderen Stelle das ausgleichen, was ich vorhatte.

Gegen elf wurde das Bad still. Ich hörte den Eimer, das Auswringen eines Schwamms, dann das Zuschlagen des Kastens, nicht hart, nur endgültig. Wasser lief lange. Er wusch sich die Hände, wie er es am Vortag getan hatte, und ich stand im Flur und spürte, wie mein Puls in den Handgelenken lag. Als er in die Tür trat, waren die Ärmel hochgeschoben, die Unterarme feucht, das Haar an den Schläfen dunkler. Er sagte nichts. Das war das Zeichen. Er wartete, die Schultern nicht vorgeneigt, die Hände offen an den Seiten, und überließ mir den ersten Satz.

Ich ging auf ihn zu, bis ich den Seifengeruch und darunter den warmen Geruch seiner Haut wahrnahm. Ich bin bereit, sagte ich. Bist du es noch? Er sah mir in die Augen. Ja, sagte er. Ich will, dass du führst. Wenn ich Halt sage, hören wir auf. Wenn du es sagst, auch. Ich wiederholte beides. Dann hob ich die Hand und legte sie an seine Brust, über dem Hemd, und spürte, wie sein Atem sich veränderte, ohne dass er die Hand hob. Gut, sagte ich. Du fasst mich nicht an, bis ich es dir sage.

Er nickte. Ich öffnete den obersten Knopf seines Hemdes, dann den nächsten, langsam, weil Langsamkeit an diesem Vormittag meine war und nicht eine Höflichkeit, die ich ihm schuldete. Unter dem Stoff war die Haut warm und an der Brust leicht behaart, der Herzschlag deutlich. Ich strich mit dem Handrücken darüber und sah, wie sich seine Finger krümmten und wieder öffneten. Er hielt sich an die Absprache. Das erregte mich mehr als der Anblick allein: ein Mann, der stark genug war, eine Wand zu versetzen, und der jetzt stillstand, weil ich es so bestimmt hatte.

Zieh das Hemd aus, sagte ich. Er tat es, faltete es nicht, legte es auf den Hocker im Flur, und stand dann wieder so, dass ich an ihn herankonnte, ohne dass er mir entgegenkam. Ich fuhr mit den Fingerspitzen über seine Schultern, die Schlüsselbeine, die Linie, wo der Hals in die Brust überging. Seine Haut reagierte mit einer feinen Gänsehaut, obwohl das Haus warm war. Ich küsste ihn dort, einmal, und hörte, wie er die Luft anhielt. Noch nicht meine Hüften, sagte ich, obwohl er sie nicht berührt hatte. Ich wollte das Verbot laut haben. Er sagte, verstanden.

Ich führte ihn ins Schlafzimmer, nicht ins Bad, wo der Mörtel noch feucht glänzte und die Arbeit liegen blieb wie ein Zeuge. Das Bett war gemacht, die Decke zurückgeschlagen, das Licht durch die Gardine milchig. Mein Mann schlief sonst auf der linken Seite. Ich dachte das und schob es nicht weg. Es gehörte zu dem, was ich tat. Ich stellte mich vor Jonas, nah genug, dass meine Bluse seinen Bauch streifte, und sagte: Küss mich. Nur den Mund. Die Hände bleiben unten.

Er beugte sich vor und küsste mich. Zuerst vorsichtig, dann, als ich den Kuss erwiderte und die Lippen öffnete, tiefer. Sein Mund war warm, der Geschmack nach Kaffee und nach ihm. Ich hielt sein Gesicht zwischen den Händen und bestimmte den Winkel, die Tiefe, die Pausen. Wenn ich mich zurückzog, folgte er nicht. Wenn ich ihn wieder heranzog, kam er. Dieses Gehorchen ohne Kleinmut, dieses Warten ohne Erstarren, ließ eine Hitze in mir aufsteigen, die ich seit Monaten nicht mehr so klar gespürt hatte. Ich war nicht die Frau, die im Dunkeln hoffte, angefasst zu werden. Ich war die Frau, die sagte, wo.

Zieh mir die Bluse aus, sagte ich, als der Kuss mich atemlos gemacht hatte. Knopf für Knopf. Und sieh mich dabei an. Er hob die Hände erst, als der Satz zu Ende war. Seine Finger waren schwielig an den Kuppen und trotzdem behutsam an den kleinen Knöpfen. Die Bluse fiel. Darunter trug ich nichts, was für einen Arbeitstag gedacht war: einen einfachen hellen BH, den ich am Morgen mit Absicht gewählt hatte, weil ich nicht so tun wollte, als wäre dieser Vormittag ein Versehen. Er sah mich an, wie ich es verlangt hatte, und sein Blick blieb an meinem Gesicht, dann an meiner Brust, und kehrte zurück, als fragte er ohne Worte.

Du darfst ihn öffnen, sagte ich. Er griff nach hinten, fand den Verschluss, und der Stoff gab nach. Ich ließ die Träger selbst von den Schultern gleiten und stand mit nacktem Oberkörper vor ihm. Die Luft war kühl auf der Haut. Meine Brustwarzen zogen sich zusammen, und ich sah, wie sein Blick daran hängen blieb und wie er dennoch die Hände sinken ließ, weil ich nicht gesagt hatte, dass er anfassen durfte. Die Stelle zwischen meinen Beinen wurde warm und feucht. Ich sagte es ihm nicht in einem hässlichen Wort. Ich sagte: Sieh, was das mit mir macht. Und dann: Hände auf meine Taille. Nur dort.

Seine Hände legten sich um meine Taille, breit, warm, still. Der Druck war genau so fest, dass ich mich gehalten fühlte, und nicht so fest, dass er mich zog. Ich trat näher, bis meine Brust seine berührte, und der Kontakt lief mir als Schauer über den Rücken. Küss meinen Hals, sagte ich. Er tat es, langsam, vom Ohr abwärts, und ich neigte den Kopf, nicht weil er mich lenkte, sondern weil ich den Mund dort haben wollte. Als seine Lippen die Stelle über dem Schlüsselbein fanden, entfuhr mir ein Laut, den ich nicht geplant hatte. Er hielt inne. Weiter, sagte ich. Genau so.

Ich ließ ihn eine Weile dort, dann an der Schulter, dann, auf mein Wort, an der Brust. Sein Mund schloss sich um eine Brustwarze, die Zunge strich darüber, und ich griff in sein Haar, nicht um ihn wegzustoßen, sondern um den Rhythmus zu halten, den ich wollte: langsam, dann fester, dann wieder nur die Zunge. Die andere Brust ließ ich von seiner Hand bedecken, nachdem ich es gesagt hatte. Er knetete nicht von sich aus. Er wartete auf den Druck meiner Finger auf seinen, und dann folgte er dem, was ich ihm zeigte. Ich stand mit weichen Knien und einem klaren Kopf. Beides gleichzeitig war neu.

Knie dich hin, sagte ich. Er ließ sich auf den Teppich nieder, die Hände auf den Oberschenkeln, und sah zu mir auf. In diesem Blick lag keine Unterwerfung, die mich klein machen sollte, und keine, die ihn klein machte. Es lag Einverständnis darin und eine Erregung, die er nicht versteckte. Ich öffnete den Knopf meiner Hose selbst. Den Reißverschluss zog ich langsam. Zieh sie mir aus, sagte ich, und den Slip auch. Langsam. Und dann wartest du.

Er fasste den Bund, schob die Hose über die Hüften, half mir herauszusteigen, ohne die Gelegenheit zu nutzen, den Mund schon dorthin zu legen, wo ich noch nicht war. Der Slip folgte. Ich stand nackt vor ihm, sechsunddreißig, mit dem Körper, den ich hatte: weiche Stellen am Bauch, kräftige Schenkel, Brust, die nicht mehr die eines jungen Mädchens war und die ich an diesem Vormittag nicht verglich. Ich war eine Frau, die einen Mann in ihr Schlafzimmer geführt hatte, der nicht ihr Mann war. Der Gedanke zog sich heiß durch mich. Ich legte eine Hand in sein Haar.

Du darfst mich lecken, sagte ich. So, wie ich es dir mit der Hand zeige. Wenn ich dich wegziehe, hörst du auf. Wenn ich dich näher hole, bleibst du. Er sagte ja, heiser, und dann war sein Mund an mir.

Die erste Berührung seiner Zunge war vorsichtig, ein Strich über die feuchte Haut, und ich atmete aus, als hätte ich den Atem seit dem Flur angehalten. Ich stellte die Füße etwas auseinander, eine Hand an seinem Kopf, die andere an der Kommode, weil die Knie nachgeben wollten. Er leckte langsam, von unten nach oben, und ich sagte leiser, dann dort, und führte ihn mit den Fingern an die Stelle, wo die Empfindung scharf und süß wurde. Er blieb. Seine Zunge kreiste, dann strich sie flach, dann spitz, je nachdem, wie ich den Druck meiner Hand veränderte. Er stöhnte gegen mich, und die Vibration lief mir in den Unterleib.

Ich sah auf ihn hinab: die geschlossenen Augen, die Hände, die sich in den Teppich krallten, weil ich ihnen nicht erlaubt hatte, meine Schenkel zu halten. Fass meine Hüften, sagte ich. Halt mich, zieh mich aber nicht. Seine Hände kamen, warm, fest, und gaben mir einen Rahmen, in dem ich mich ein wenig gegen seinen Mund bewegen konnte. Ich tat es. Nicht hastig. Ich rieb mich an seiner Zunge in dem Takt, den mein Körper verlangte, und er passte sich an, ohne zu übernehmen. Speichel und meine eigene Nässe machten alles gleitend. Ich hörte die kleinen Laute, die ich von mir gab, und schämte mich nicht dafür. Scham hatte in der Absprache keinen Platz gehabt. Lust schon.

Als es zu viel wurde, zu schnell, zog ich ihn an den Haaren ein Stück zurück. Er gehorchte sofort, die Lippen feucht, der Atem schnell, der Blick nach oben fragend und dunkel. Gut, sagte ich. Bleib so. Ich brauche eine Minute, in der ich dich ansehe und nicht komme. Er blieb auf den Knien. Ich strich mit dem Daumen über seine Unterlippe. Er küsste die Kuppe, erst als ich nickte. Die Minute war keine Strafe. Sie war meine. In ihr spürte ich, wie stark das Pochen zwischen meinen Beinen war, wie schwer die Brüste, wie klar der Entschluss, der schon am Montag gefallen war.

Steh auf, sagte ich. Zieh dich aus. Alles. Und dann leg dich auf den Rücken. Er erhob sich, die Knie vom Teppich gerötet, und entkleidete sich ohne Hast und ohne Theater. Die Hose, die Shorts. Sein Glied war hart, dick, die Spitze feucht. Ich sah hin und sagte nichts Beschönigendes und nichts Rohes. Ich sagte nur: Das will ich. Aber noch nicht in mir. Leg dich hin.

Er legte sich auf die Decke, die Arme neben dem Körper, nicht über dem Kopf, weil ich das nicht verlangt hatte, und nicht auf meiner Seite des Bettes, sondern in der Mitte, wohin ich ihn mit einem Blick geschoben hatte. Ich kniete mich neben ihn und betrachtete ihn, wie ich selten einen Mann betrachtet hatte: nicht als jemanden, der gleich über mich kommen würde, sondern als einen Körper, den ich anfassen durfte, weil er es mir gegeben hatte. Ich strich über seine Brust, den Bauch, die Linie der Hüfte. Seine Muskeln zuckten. Als meine Hand seinem Glied nahe kam und noch nicht zufasste, hob sich seine Hüfte ein wenig und sank wieder, aus eigenem Willen, zurück in die Absprache.

Darf ich dich anfassen, fragte ich, obwohl die Führung bei mir lag, weil ich hören wollte, dass das Ja frisch war. Ja, sagte er. Bitte. Ich schloss die Hand um ihn. Er war heiß, die Haut seidig über der Härte, und er stöhnte offen, als ich einmal von der Wurzel zur Spitze strich. Langsam, sagte ich, mehr zu mir als zu ihm, und wiederholte die Bewegung, den Daumen über die feuchte Spitze, dann wieder abwärts. Mit der anderen Hand lag ich auf seinem Bauch und spürte, wie er atmete. Er griff nicht nach mir. Seine Finger öffneten und schlossen sich im Laken.

Ich beugte mich hinab und nahm ihn in den Mund, nicht tief, nicht als Vorführung, sondern weil ich den Geschmack wollte und die Macht, die in dieser Stellung lag, wenn sie von mir kam und nicht von einer Erwartung. Er schmeckte salzig und sauber. Ich bewegte den Kopf in einem ruhigen Takt, die Hand an der Wurzel, und hörte, wie sein Atem brach. Nicht kommen, sagte ich, den Mund kurz frei. Noch nicht. Er lachte einmal, kurz und heiser, und sagte, dann musst du aufhören, sonst schaffe ich es nicht. Ich hörte auf. Das Lachen gefiel mir. Es machte ihn zu dem Mann aus der Küche und nicht zu einer Figur in einem Spiel, das keiner von uns wirklich wollte.

Ich stieg über ihn, die Knie links und rechts von seinen Hüften, und setzte mich nicht gleich auf ihn. Ich ließ mein Geschlecht über seinem schweben, nah genug, dass die Hitze sich mischte, und stützte die Hände auf seine Brust. Sieh mich an, sagte ich. Er sah. Seine Hände lagen auf dem Laken. Ich will dich in mir, sagte ich. Du bewegst dich erst, wenn ich es sage. Wenn es zu viel ist, sagst du Halt. Er nickte. Ja. Ich will das. Ich will dich.

Ich griff zwischen uns, führte ihn an meine Öffnung und ließ mich langsam sinken. Die Dehnung war deutlich, ein Ziehen, das in Wärme überging, und ich hielt auf halbem Weg inne, atmete, und sah, wie er die Zähne zusammenbiss, ohne die Hüften zu heben. Gut, flüsterte ich. So. Dann nahm ich ihn ganz. Er füllte mich, tief, und ein Laut kam aus uns beiden, seiner tiefer, meiner höher. Ich blieb sitzen, die Hände auf seiner Brust, und gewöhnte mich an das Gefühl, ausgefüllt zu sein und gleichzeitig diejenige, die das Gewicht und den Winkel bestimmte.

Dann begann ich mich zu bewegen. Nicht wild. Ein Rollen der Hüften, vor und zurück, sodass er in mir rieb, wo ich es brauchte. Die Reibung war genau, feucht, hörbar in dem stillen Zimmer. Ich fand den Takt, der mir gehörte: langsam hinab, eine kleine Pause, dann eine kreisende Bewegung, bei der meine Klit gegen ihn drückte, wenn ich mich vorbeugte. Jonas lag unter mir und sah mir ins Gesicht, die Hände noch immer am Laken, die Sehnen an den Unterarmen sichtbar. Du darfst meine Oberschenkel halten, sagte ich. Nicht meine Hüften führen. Nur halten.

Seine Hände kamen an meine Schenkel, warm, die Daumen an der Innenseite, und blieben dort. Ich ritt ihn weiter, wurde schneller, als der Körper es verlangte, und langsamer, wenn ich die Empfindung auskosten wollte, bevor sie kippte. Schweiß bildete sich zwischen meinen Brüsten. Er hob den Kopf nicht, um daran zu saugen, bis ich mich vorbeugte und sagte, Mund an meine Brust. Dann tat er es, und das Saugen schickte einen zweiten Strom zu der Stelle, wo wir verbunden waren. Ich stöhnte und drückte mich fester auf ihn.

Die Führung blieb nicht abstrakt. Ich sagte, tiefer halt ich aus, wenn du stillliegst, und er lag still, während ich mich in einem engeren Kreis bewegte und spürte, wie die Spitze in mir eine Stelle traf, die mich die Augen schließen ließ. Ich sagte, jetzt darfst du ein wenig entgegenkommen, aber nur so weit, wie ich nicke, und er hob die Hüften in kleinen Stößen, die meinen Takt nicht brachen. Als ein Stoß zu hart wurde, legte ich die Hand auf seine Brust und sagte, weniger. Er nahm sofort zurück. Das sofort, dieses saubere Gehorchen, ließ mich fast kommen. Ich lachte atemlos und sagte, das war gut. Bleib bei weniger.

Ich richtete mich auf, die Hände auf seinen Schultern, und ritt ihn offener, die Brüste in Bewegung, der Blick in seinem. Er sah nicht weg. Sein Gesicht war gerötet, der Mund offen, und ab und zu sagte er meinen Namen, nicht als Befehl und nicht als Flehen, das mich überrollen sollte, sondern als Bestätigung, dass er da war. Ich antwortete mit seinem. Jonas. Ja. So. Die Namen im Mund machten es wirklicher. Dies war kein Traum am Rand des Schlafs. Dies war ein Dienstag, und ich betrog meinen Mann mit einem Mann, der auf mein Wort wartete, und ich wollte genau das.

Die Spannung zog sich zusammen, tief im Bauch, in den Schenkeln, hinter den Augen. Ich beugte mich vor, eine Hand zwischen uns, und rieb meine Klit mit zwei Fingern, während ich ihn in mir behielt und nur noch kleine Bewegungen machte. Fass mich nicht dort an, sagte ich. Das mache ich selbst. Er ließ die Hände an meinen Schenkeln und sah zu, wie ich mich anfasste, und das Gesehenwerden schärfte alles. Ich rieb in dem Tempo, das ich kannte, fest, kreisend, und spürte, wie die Wände um ihn sich zusammenzogen.

Ich komme, sagte ich, und es war keine Bitte. Es war eine Ansage. Dann kam ich. Die Wellen liefen eng und hell durch mich, der Rücken wollte sich durchbiegen, ein Laut, der keinen Satz mehr ergab, brach aus mir heraus. Ich drückte mich auf ihn, die Finger noch an mir, und ritt die letzten Zuckungen aus, während er unter mir stöhnte und stillhielt, die Hände fest, aber nicht führend. Es dauerte lang genug, dass ich die einzelnen Schübe unterscheiden konnte: der erste scharf, die nächsten weicher, ein Nachbeben, das mich zittern ließ. Ich sank auf seine Brust, sein Glied noch in mir, und atmete gegen seinen Hals.

Er strich mir nicht über den Rücken. Er hatte es nicht erlaubt bekommen. Nach einem Moment sagte ich, Hand auf meinen Rücken, nur liegen lassen. Er legte sie hin, breit und warm, und das war fast so viel wie der Höhepunkt: gehalten werden, ohne dass daraus ein neuer Anspruch wurde. Ich hörte sein Herz. Ich roch Schweiß und Seife und die ferne Note von Fugenmörtel, die in seinem Haar hing. Mein Körper pochte noch. Zwischen uns war es nass.

Ich bin noch nicht fertig mit dir, sagte ich an seiner Haut. Und du bist nicht gekommen. Willst du? Ja, sagte er. Wenn du es willst. Ich will es, sagte ich. Aber ich bestimme, wie. Ich richtete mich wieder auf, noch empfindlich, und bewegte mich langsam, weil zu viel Reibung jetzt wehtat und ein wenig davon trotzdem gut war. Er biss sich auf die Lippe. Ich sah es und sagte, du darfst stöhnen. Du musst nicht leise sein. Er stöhnte, offen, und der Laut ging mir durch den ganzen Körper.

Ich hob mich ein Stück und sank wieder, in einem gleichmäßigen Takt, den ich zählen konnte, wenn ich wollte, und den ich nicht zählte, weil Fühlen reichte. Seine Hände lagen wieder auf meinen Schenkeln, die Daumen strichen nicht, bis ich sagte, du darfst streichen. Dann strichen sie, kleine Kreise, und ich spürte, wie seine Oberschenkel unter mir hart wurden. Er war nah. Ich sah es an dem Flattern seiner Lider, an dem unwillkürlichen Heben, das er jedes Mal wieder zurücknahm. Noch nicht in mir kommen, sagte ich. Ich will dich sehen. Zieh dich zurück, wenn ich es sage.

Er nickte, kaum fähig zu mehr. Ich ritt ihn noch ein paar Bewegungen, tief, und genoss die Macht und die Zärtlichkeit darin, einen Mann so weit zu bringen und ihn trotzdem zu halten. Dann hob ich mich von ihm. Er glitt aus mir, glänzend, und ein Laut der Enttäuschung und der Erleichterung kam aus ihm. Ich legte die Hand um ihn, fest, und sagte, jetzt. Sieh mich an. Er sah mich an, während ich ihn in kurzen, sicheren Zügen streichelte, den Daumen über die Spitze, den Takt schnell, weil er schnell brauchte und ich ihn ihm gab. Sein Bauch spannte sich. Mein Name. Dann kam er, heiß über meine Hand und seinen Bauch, die Hüften einmal hoch, ein langer, rauer Laut, und ich führte ihn durch das Zucken, bis er meine Hand mit seiner bedeckte und Halt sagte, leise, nicht weil etwas falsch war, sondern weil es genug war.

Ich hörte sofort auf. Die Hand blieb liegen, still, wie seine vorhin auf meinem Rücken. Er atmete mit offenem Mund, die Augen halb geschlossen, und dann ganz offen, suchend. Alles gut, sagte er. Nur zu viel auf einmal am Ende. Ich nickte. Gut, dass du es gesagt hast. Ich wischte uns nicht sofort sauber. Ich legte mich neben ihn, eine Hand auf seiner Brust, und ließ den Atem sich finden. Das Laken unter uns war warm und an einer Stelle feucht. Draußen fuhr ein Auto vorbei. Im Bad trocknete der Mörtel. Die Welt hatte nicht angehalten. Das überraschte mich nicht und erleichterte mich doch.

Eine Weile sprachen wir nicht. Seine Hand lag auf meiner Hüfte, nachdem ich sie dorthin gelegt und gesagt hatte, da darfst du bleiben. Der Tausch war nicht vorbei, nur leiser geworden. Ich spürte das Nachbeben in den Schenkeln und eine Müdigkeit, die nicht schwer war. Ich dachte an meinen Mann in einem Messesaal, an sein Hemd, an die Art, wie er abends die Schuhe parallel stellte. Der Gedanke tat weh, nicht als Reue, die alles zurücknahm, sondern als Kenntnis. Ich hatte gewählt. Die Wahl blieb im Zimmer, neben dem Geruch von Sex und neben Jonas’ ruhigerem Atem.

Geht es dir gut, fragte er schließlich. Ja, sagte ich. Und dir? Ja. Er drehte den Kopf und sah mich an, nicht fordernd. Das war, was ich wollte, sagte er. Nicht nur das Kommen. Das Davor. Dass du gesagt hast, wo. Dass ich nicht rätseln musste. Ich strich über seine Brust. Es war, was ich wollte, sagte ich. Auch das Danach, in dem du Halt gesagt hast und ich aufgehört habe. Das gehörte dazu. Er nickte. Eine Weile lagen wir so, die Gardine bewegte sich kaum, und das Licht wurde einen Ton wärmer, als die Sonne die Vorderseite des Hauses verließ.

Ich stand zuerst auf, weil ich die Führung nicht im Liegen abgeben wollte, und holte ein Handtuch aus dem Schrank. Darf ich dich abwischen, fragte ich. Er sagte ja. Ich tat es sorgfältig, über den Bauch, die Hand, die Stelle, wo er noch empfindlich war, und er zuckte einmal und lächelte. Dann wischte ich mich selbst, zwischen den Beinen, wo es glitschig und warm war, und spürte ein leichtes Ziehen, das von der Dehnung blieb und nicht unangenehm war. Ich zog nicht sofort etwas an. Ich setzte mich auf die Bettkante und sah ihn an, diesen Mann von neununddreißig Jahren, der nackt in meinem Ehebett lag und nicht so tat, als gehöre es ihm.

Du kannst dich anziehen, sagte ich. Oder noch eine Minute liegen. Beides ist in Ordnung. Er blieb eine Minute, die Augen an der Decke, eine Hand auf dem Bauch, und dann setzte er sich auf. Ich reichte ihm die Shorts. Er nahm sie, und an der Tür zum Flur, wo sein Hemd lag, hielt er inne und fragte, ob er mich küssen dürfe, einmal, ohne dass daraus mehr werde. Ich sagte ja. Der Kuss war kurz, geschlossen, nach uns und nach dem Kaffee von vorhin. Er schmeckte nicht nach einem Versprechen. Er schmeckte nach einem Abschluss, den wir beide halten konnten.

Im Bad prüfte er die Fugen mit dem Finger, vorsichtig, und sagte, sie bräuchten noch Zeit, er komme morgen für die Silikonfuge an der Wanne, wenn ich das wolle. Ich wollte die Arbeit zu Ende. Das sagte ich. Über das andere sagte ich nichts Festes. Er nickte, als hätte er genau diese Grenze erwartet, und packte den Kasten. An der Terrassentür zog er die Schuhe an. Danke für die klare Stunde, sagte er, und es klang nicht förmlich und nicht verschämt. Ich sagte, danke, dass du dich daran gehalten hast. Er ging. Ich schloss die Tür.

Ich duschte lange, das Wasser heiß, die Hände an den Fliesen, die er gelegt hatte. Ich wusch seinen Geruch nicht weg wie eine Spur, die ich fürchtete, sondern wie den Schweiß eines Vormittags, der gewesen war. Danach zog ich eine alte Hose an und kochte frischen Kaffee. Die Tasse, die er am Morgen hatte stehen lassen, spülte ich aus. Mein Körper war müde an den richtigen Stellen. Zwischen den Beinen pochte es noch leise, wenn ich mich setzte. Ich dachte nicht, dass dies folgenlos bleiben würde, und ich dachte nicht, dass ich es ungeschehen machen wollte. Beides stand nebeneinander, ohne dass ich eines davon in einen schönen Satz zwängte.

Am Nachmittag schrieb mein Mann, die Messe sei laut und das Essen mittelmäßig, er komme Donnerstag. Ich schrieb zurück, das Bad sehe gut aus, die Fugen bräuchten Zeit. Das stimmte. Ich legte das Telefon mit dem Display nach unten auf den Tisch und hörte die Küchenuhr. Das Haus war wieder still, aber die Stille hatte nicht mehr dasselbe Gewicht. In ihr lag eine Stunde, die ich geführt hatte, und ein Mann, der gefolgt war, weil wir es so ausgemacht hatten. Ich trank den Kaffee, solange er heiß war, und ließ den Rest des Tages gewöhnlich werden: Wäsche, ein Fenster, das klemmte, das Licht, das früher ging, als ich gedacht hatte.

Mehr zum Thema Fremdgehen

TitelThemaMinuten
Die letzte Nacht an der HotelbarFremdgehen24
Die Bitte im SeitengangFremdgehen19
Die letzte Nacht im ArchivFremdgehen18
Die Bitte, die ich nicht zurücknahmFremdgehen26
Die Wette, die uns beenden sollteFremdgehen27
Das Zimmer über dem FestsaalFremdgehen22