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Die Bitte in der Hotelbar

Fremdgehen · 27 Minuten lesen · 36 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 3 der Serie Verbotene Nächte (15)

Der letzte Vortrag lag seit einer Stunde hinter mir, und die Hotelbar roch nach Zitronenschale, poliertem Holz und dem kühlen Metall der Shaker. Ich setzte mich auf den Hocker am Ende der Theke, stellte die Tasche zwischen die Füße und bestellte einen Whiskey ohne Eis. Der Barkeeper nickte nur. Draußen lag die Stadt in einem nassen Abend, die Scheiben waren beschlagen, und irgendwo über mir wartete ein Zimmer mit zwei Kissen, von denen ich nur eines brauchen würde.

Ich war vierunddreißig, seit sechs Jahren verheiratet, und an diesem Abend zum ersten Mal seit Langem allein in einer Stadt, die meinen Mann nicht kannte. Thomas war siebenunddreißig und saß zu Hause vor seinen Entwürfen. Am Morgen hatten wir uns kurz geschrieben. Er hatte mir einen guten Tag gewünscht, ich hatte ein Herz geschickt und danach das Telefon in die Tasche gesteckt, als könnte ein kleines Zeichen die Entfernung kleiner machen. Es machte sie nicht kleiner.

Die Tagung war ordentlich gewesen, voller höflicher Sätze und Kaffee in Pappbechern. Ich hatte zugehört, Notizen gemacht und in den Pausen gelächelt. Niemand hatte gefragt, wie es mir wirklich ging, und ich hätte es auch nicht sagen können, weil ich es selbst erst in dieser Bar richtig hörte. Etwas in mir war leer und zugleich zu voll. Es drückte gegen die Rippen, sobald ich still saß.

Ich drehte den Ring am Finger, ein schmales Gold, warm von der Haut. Er saß, wie er immer saß. Trotzdem fühlte er sich an diesem Abend anders an, nicht enger, nur bewusster, als hätte das Metall ein Gewicht bekommen, das es am Küchentisch nie hatte. Ich nahm ihn nicht ab. Ich wollte sehen, ob ich ihn tragen konnte, während ich etwas dachte, das ich bisher nur am Rand gedacht hatte.

Der Whiskey kam. Ich trank einen kleinen Schluck und ließ ihn auf der Zunge, herb und warm. Hinter der Theke klirrte Glas. Zwei Männer in Anzügen lachten am anderen Ende, bezahlten und gingen. Die Bar wurde leiser. In der Ecke spielte eine leise Musik, Klavier, nichts, das man mitsingen konnte. Ich sah mein Gesicht schwach in der Scheibe, die Bluse noch geschlossen, das Haar aus dem strengen Knoten gelöst, die Schultern endlich nicht mehr gerade gehalten wie im Saal.

Ich dachte an das Hotelzimmer, an das breite Bett, an das Wasser, das ich später laufen lassen würde, nur um ein Geräusch im Raum zu haben. Ich dachte an Thomas’ Stimme am Telefon, ruhig, freundlich, ein wenig müde. Wir stritten selten. Wir berührten uns auch selten. Das war keine Geschichte mit einem lauten Bruch, eher eine mit einem langen, höflichen Abstand, den wir beide gut verwalteten. An manchen Abenden reichte mir das. An diesem nicht.

Ein Mann setzte sich zwei Hocker weiter. Er bestellte ein Bier, dankte mit einer Stimme, die tiefer war als der Raum, und legte die Hände flach auf die Theke, als wolle er nichts beanspruchen. Ich sah ihn nicht sofort an. Ich sah seine Hände, die Ärmel, den dunklen Mantel über der Stuhllehne, und erst dann das Gesicht im Spiegel hinter den Flaschen. Er mochte Anfang vierzig sein. Später sagte er, er sei einundvierzig. Das glaubte ich ihm, noch bevor er es aussprach, an den feinen Linien neben den Augen und an der Ruhe, mit der er wartete, ohne zu warten.

Er trank, und eine Weile sprachen wir nicht. Das war angenehm. In Tagungshotels reden die Leute oft zu schnell, als müssten sie beweisen, dass sie noch interessant sind, nachdem der Beamer aus ist. Er bewies nichts. Als der Barkeeper nachschenkte, hob er nur kurz das Glas in meine Richtung, nicht als Anmache, eher als Höflichkeit unter zwei Menschen, die denselben Abend benutzten. Ich hob meins auch. Der Rand des Glases war kühl an meiner Lippe.

„Langer Tag“, sagte er schließlich. Keine Frage, nur eine Feststellung, die ich annehmen oder liegen lassen konnte.

„Einer von der Sorte, nach der man nicht sofort schlafen kann“, sagte ich.

Er nickte. „Konferenz?“

„Bis sechzehn Uhr. Danach noch ein Empfang, den ich nach einem halben Glas verlassen habe.“ Ich hörte mich ruhiger, als ich war. „Und Sie?“

„Kundengespräch. Drei Stunden über Zahlen, die niemand wirklich sehen wollte.“ Ein kleines Lächeln. „Ich heiße Martin.“

„Lena.“

Wir ließen die Namen einen Moment zwischen den Gläsern stehen. Er fragte nicht nach meinem Namen auf dem Badge, und ich fragte nicht nach seiner Firma. Das gefiel mir. In dieser Bar war ich keine Funktion, kein Nachname auf einer Liste. Ich war eine Frau auf einem Hocker, mit einem Whiskey und einem Ring, den er inzwischen gesehen haben musste. Sein Blick war nicht hängen geblieben, aber er war auch nicht ausgewichen. Das merkte ich.

Wir redeten über die Stadt, über den Regen, über das Frühstücksbuffet, das in solchen Häusern immer zu früh und zu hell ist. Er erzählte, dass er morgen um neun den Zug nehme. Ich sagte, mein Flug gehe am späten Vormittag. Harmlose Sätze, und doch lag unter jedem eine andere Möglichkeit, dünn wie der Dampf auf der Scheibe. Ich spürte, wie ich mich ihm ein wenig zudrehte. Nicht viel. Genug, dass mein Knie nicht mehr zur Theke zeigte, sondern in den Raum zwischen uns.

Er roch nach Regen und einem herben Seifenrest, nichts Süßes. Wenn er sprach, sah er mich an und dann wieder auf sein Glas, als wolle er mir die Wahl lassen, wie lange sein Blick bleiben durfte. Diese Rücksicht machte es schlimmer und besser zugleich. Ich war es gewohnt, dass Männer entweder zu viel oder gar nichts wollten. Er schien zu wollen und gleichzeitig bereit, es nicht zu bekommen. Das gab mir den Raum, in dem der Satz wachsen konnte, den ich noch nicht gesagt hatte.

Ich erzählte von der Tagung nur das Nötige, von einem Vortrag über Materialien, der mich eigentlich hätte interessieren müssen und es nicht getan hatte. Er hörte zu, ohne die Lücken mit eigenen Geschichten zu füllen. Als ich schwieg, schwieg er mit. In diesem Schweigen hörte ich meinen Puls. Er war nicht schnell. Er war deutlich, wie ein Schritt auf einem Hotelflur, den man nicht überhören kann.

„Sie tragen einen Ring“, sagte er irgendwann, leise, ohne Vorwurf. „Ich sage das nicht, um etwas zu beweisen. Nur damit es im Raum ist, falls es im Raum sein soll.“

Ich sah auf meine Hand. Das Gold fing ein wenig Licht. „Er soll im Raum sein“, sagte ich. „Ich bin verheiratet. Seit sechs Jahren. Mein Mann ist zu Hause. Er weiß nicht, dass ich hier sitze und mit Ihnen rede, und er würde dieses Gespräch nicht als harmlos bezeichnen, wenn er es hörte.“

Martin nickte langsam. „Dann ist es nicht harmlos.“

„Nein.“

Wir tranken. Der Barkeeper polierte ein Glas und tat so, als gehöre er zu den Flaschen. Ich war ihm dankbar für diese Kunst. Meine Hand lag auf der Theke, nah genug an Martins, dass die Wärme zwischen den Fingern spürbar wurde, ohne dass wir uns berührten. Ich hätte die Hand wegziehen können. Ich ließ sie liegen. In mir zog sich etwas zusammen, nicht aus Angst, aus Entscheidung. Die Entscheidung war noch nicht gesprochen. Sie stand aber schon auf der Zunge, schwer und klar.

Ich dachte an Thomas’ Nacken, an die Art, wie er abends die Brille abnahm und mich freundlich ansah, als wäre Nähe eine gute Absicht und kein Hunger. Ich liebte ihn auf eine Weise, die nicht gelogen war. Und ich begehrte an diesem Abend einen anderen Mann, ebenfalls nicht gelogen. Beides passte nicht in einen sauberen Satz. Trotzdem musste ein Satz kommen, denn Schweigen hätte mich nur bis zum Aufzug getragen und dort wieder losgelassen, mit demselben Hunger und einer feigen Erleichterung.

Martin wartete. Das war das Großzügige an ihm. Er füllte die Stille nicht mit einem Angebot, das ich später als seine Idee hätte ausgeben können. Wenn etwas gesagt werden sollte, musste ich es sagen. Ich spürte das so deutlich wie den Whiskey in der Kehle. Mein Herz schlug jetzt höher. Die Bluse klebte leicht am Rücken. Zwischen den Schenkeln war eine Wärme, die nichts mit dem Alkohol zu tun hatte, ein langsames, ehrliches Ziehen, das ich seit Monaten nicht so klar gefühlt hatte.

Ich drehte das Glas einmal und stellte es ab. Meine Stimme war leiser als zuvor und fester.

„Ich möchte, dass Sie mit auf mein Zimmer kommen“, sagte ich. „Ich möchte, dass Sie mich ausziehen, mich anfassen und mit mir schlafen. Ich bin verheiratet, und ich werde morgen zu meinem Mann zurückfliegen und ihm davon nichts sagen. Das ist die Bitte. Ich nehme sie nicht zurück, auch wenn Sie nein sagen. Sie ist jetzt gesagt.“

Der Satz stand zwischen uns wie ein Glas, das man nicht mehr umstoßen kann, weil es schon zerbrochen ist und trotzdem noch seine Form hat. Ich hörte ihn nachklingen. Meine Wangen wurden heiß. Ich bereute ihn nicht. Genau das war das Ungeheuerliche und das Richtige daran: Er ließ sich nicht einsammeln. Selbst ein Nein würde ihn nicht ungesagt machen. Ich hatte einen fremden Mann um meinen Körper gebeten, mit dem Ring am Finger, in einer Bar, die nach Zitrone roch.

Martin sah mich an. Nicht gierig, nicht erschrocken. Aufmerksam, als prüfe er, ob ich den Satz wirklich trug oder ob er mich trug. Seine Hand bewegte sich nicht. „Lena“, sagte er, „das ist eine große Bitte. Ich will sie nicht mit einem schnellen Ja beantworten, nur weil ich Sie begehre. Und ich begehre Sie. Das soll ebenfalls im Raum sein.“

„Gut“, sagte ich. Meine Kehle war trocken. Ich trank nicht. „Dann antworten Sie langsam.“

Er atmete aus, ein kurzes, ehrliches Geräusch. „Sind Sie nüchtern genug, um das zu wollen und nicht nur zu brauchen?“

„Ich habe ein Glas getrunken und die Hälfte von einem zweiten. Ich weiß, wo ich bin, wie ich heiße und wen ich bitte. Ich will das. Nicht statt eines Gesprächs mit meinem Mann und nicht als Strafe für ihn. Für mich. Heute Nacht. Mit Ihnen, wenn Sie es auch wollen.“

Er schwieg einen Moment, und in diesem Moment hätte ich die Bitte am liebsten wiederholt, nur um ihre Form noch einmal zu spüren. Ich tat es nicht. Sie brauchte keine zweite Fassung. Martin legte endlich seine Hand neben meine, nicht darauf, die Kante seines kleinen Fingers an meiner. Die Berührung war gering und ging mir trotzdem durch den Arm bis unter die Brust.

„Ich will es“, sagte er. „Ich komme mit, wenn Sie unterwegs jederzeit halt sagen können und ich ebenfalls. Kein Spiel mit Überreden. Kein Danach, das so tut, als hätten wir uns missverstanden. Sie haben klar gebeten. Ich sage klar ja.“

„Ja“, sagte ich, und das Wort war kleiner als die Bitte und doch ihr Schloss. „Halt gilt. Für uns beide.“

Wir zahlten getrennt. Das war mir wichtig, ohne dass ich es erklärt hätte, und er verstand es, ohne zu fragen. Der Barkeeper nahm die Karten entgegen, als hätte er an diesem Abend nur Getränke gesehen. Vielleicht hatte er mehr gesehen. Es war mir gleich. Der Satz war nicht für ihn gesprochen worden. Er gehörte Martin und mir, und er würde uns bis in den Flur folgen, ob jemand sonst ihn gehört hatte oder nicht.

Im Aufzug standen wir nebeneinander. Die Kabine roch nach Teppichreiniger und einem Hauch Parfum von jemand, der vor uns gefahren war. Martin hielt Abstand, die Hände in den Manteltaschen, bis ich meine Hand ausstreckte und seine nahm. Seine Finger schlossen sich warm und fest um meine. Er drückte einmal, fragend. Ich drückte zurück. In der verspiegelten Wand sah ich uns, eine Frau von vierunddreißig und einen Mann von einundvierzig, angezogen, ruhig, und darunter ein Strom, der die ruhigen Gesichter Lügen strafte.

„Noch ja?“, fragte er, als die Tür aufging.

„Noch ja.“

Der Flur war lang, die Teppichbahn dämpfte die Schritte. Hinter einer Tür lief ein Fernseher. Hinter einer anderen lachte jemand kurz. Mein Zimmer lag am Ende, wo das Fenster auf den Hof ging und der Regen lauter war. Ich zog die Karte durch das Schloss. Das Licht sprang auf ein sattes, gedämpftes Gelb. Das Bett war gemacht, die Tagesdecke streng, auf dem Tisch eine Flasche Wasser und zwei Gläser, als hätte das Haus mit Gesellschaft gerechnet und zugleich mit Anstand.

Ich stellte die Tasche ab. Martin blieb an der Tür stehen, den Mantel noch an, und sah mich an, nicht das Zimmer. „Sag es noch einmal, wenn du es noch willst“, sagte er. „Nicht weil der Satz von vorhin nicht gilt. Weil ich deine Stimme hier hören will, nicht nur an der Bar.“

Ich ging zu ihm, nah genug, dass ich die Wärme unter seinem Mantel spürte. Meine Hände lagen an seinen Aufschlägen. „Ich will, dass du bleibst. Ich will, dass du mich ausziehst und mit mir schläfst. Die Bitte gilt. Sie gilt hier noch mehr.“

Er küsste mich erst, als ich mich ihm entgegenhob. Der Kuss war kein Sturz, eher ein Türöffnen. Seine Lippen waren warm, ein wenig herb vom Bier, und sie warteten auf meine Antwort, die ich mit dem Mund gab, offen, klar, hungrig. Ich schmeckte ihn und mich und den Mut, der noch auf der Zunge lag. Seine Hand fand meinen Nacken, nicht pressend, nur haltend. Ich seufzte in den Kuss hinein, und dieses Seufzen war schon nackter als alles, was ich an der Bar gesagt hatte.

Wir küssten uns lange. Der Mantel rutschte von seinen Schultern, weil ich ihn schob, und er ließ es geschehen. Darunter ein Hemd, warm, der Stoff glatt unter meinen Handflächen. Ich öffnete den ersten Knopf, dann den zweiten. Seine Haut kam zum Vorschein, die Mulde am Schlüsselbein, ein dunkleres Haar am Brustansatz. Ich legte den Mund dorthin und spürte, wie sein Atem stockte. Er sagte meinen Namen, leise, als probiere er aus, ob er in diesem Raum denselben Klang hatte.

„Darf ich?“, fragte er, die Finger am obersten Knopf meiner Bluse.

„Ja. Genau das habe ich erbeten.“

Er öffnete sie langsam. Jeder Knopf war ein kleines, hörbares Ja. Die kühle Luft des Zimmers traf die Haut über dem Brustbein, dann den Rand des BHs, schlicht, hautfarben, nichts für einen Auftritt und trotzdem plötzlich bedeutend, weil seine Augen darauf lagen. Er strich mit dem Daumen über die Stelle, wo der Stoff die Brust hob. Meine Nippel zogen sich zusammen, noch bevor er sie berührte. Ich spürte das bis in den Bauch, ein süßes, fast schmerzhaftes Wachwerden.

Die Bluse fiel über die Stuhllehne. Er küsste meine Schulter, die Linie zum Hals, die Stelle unter dem Ohr, an der ich empfindlich bin und die Thomas seit Langem nur im Vorbeigehen streifte. Martins Mund blieb dort, warm, geduldig, bis ich den Kopf zur Seite legte und ihm mehr Hals gab. Seine Zunge berührte die Haut kurz, und ich hörte mich selbst, ein leises, offenes Geräusch, das ich nicht zurückhielt. Es gab nichts mehr zurückzuhalten, was den Satz ungeschehen machen konnte. Also konnte ich auch den Laut hergeben.

Er öffnete den Verschluss des BHs. Die Träger glitten von den Armen. Meine Brüste lagen frei in der warmen Luft, voller, als sie sich unter Stoff anfühlten, die Spitzen dunkel und schon hart. Martin sah sie an, und sein Blick war so direkt, dass mir die Knie weich wurden. Er umfasste eine Brust mit der ganzen Hand, hob sie leicht, strich mit dem Daumen über die Spitze. Ich zuckte, nicht weg, sondern tiefer in die Berührung. Als er den Mund senkte und die Brustwarze zwischen die Lippen nahm, entfuhr mir ein Laut, der in der Bar unmöglich gewesen wäre und hier genau richtig war.

Er saugte langsam, dann fester, die Zunge kreisend, während seine andere Hand die zweite Brust hielt und den Nippel zwischen den Fingern rollte. Ich stand gegen ihn gelehnt, die Finger in seinem Haar, und spürte, wie die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen zunahm, warm, gleitend, unübersehbar für mich selbst. Mein Rock saß noch, der Slip auch, und schon das fühlte sich wie zu viel Stoff an. Ich wollte seine Haut. Ich wollte das Gewicht seines Körpers. Ich wollte die Folge der Bitte nicht nur als Worte, sondern als Reibung, als Dehnung, als den Moment, in dem Denken aufhört, höflich zu sein.

„Bett“, sagte ich. „Bitte.“

Er führte mich nicht. Wir gingen zusammen, und auf dem Weg öffnete ich seinen Gürtel. Das Leder glitt durch die Schlaufe, ein kleines, endgültiges Geräusch. Seine Hose saß tief auf den Hüften, als ich den Knopf löste. Er hielt meine Hand einen Herzschlag lang an. „Noch ja?“

„Ja. Zieh sie aus. Ich will dich sehen.“

Er tat es. Hemd, Hose, Socken, alles ohne Hast und ohne Schau. Als er nur noch in dunklen Shorts vor mir stand, sah ich die Linie seines Bauches, die Kraft in den Oberschenkeln, das deutliche Drängen unter dem Stoff. Er war hart. Das zu sehen, machte meinen Mund trocken und den Schoß zugleich weich. Ich strich mit der Hand über ihn, durch den Stoff, einmal, fest genug, dass er die Luft einsog. Sein Glied zuckte gegen meine Handfläche. Ich wollte es ohne Stoff. Ich sagte das, und er schob die Shorts herunter.

Er war schön auf eine Weise, die nichts mit Pose zu tun hatte: dick, gerade, die Haut gespannt, an der Spitze schon feucht. Ich umfasste ihn, spürte die Hitze, das Gewicht, den Puls. Martin stand still und ließ mich schauen und anfassen, die Kiefermuskeln angespannt, die Hände offen an den Seiten. „Du musst nicht“, sagte er, als ich in die Knie ging.

„Ich will.“ Ich sah zu ihm hoch. „Wenn du es willst.“

„Ich will es.“

Ich nahm ihn in den Mund, erst die Spitze, salzig und glatt, dann mehr, so weit ich es genoss und nicht ertrug wie eine Aufgabe. Meine Zunge strich unter dem Schaft entlang, die Lippen schlossen sich, und ich fand einen langsamen Rhythmus, der mir selbst Wärme in den Schoß schickte. Martins Hand lag in meinem Haar, nicht drückend, nur da. Er stöhnte leise, ein tiefer Ton, der mich ermutigte. Ich saugte fester, ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die feuchte Spitze und nahm ihn wieder auf. Meine eigene Erregung tropfte in den Slip. Ich spürte den nassen Stoff bei jeder kleinen Bewegung der Hüften.

„Lena“, sagte er heiser. „Wenn du so weiter machst, ist die Nacht kürzer, als ich sie will. Komm hoch. Ich will dich ausziehen. Ich will dich schmecken.“

Ich ließ von ihm ab, die Lippen feucht, und stand auf. Er küsste mich, ohne zu zögern, schmeckte sich und mich und schien genau das zu wollen. Dann drehte er mich zum Bett, öffnete den Rock und schob ihn über die Hüften. Der Stoff fiel. Ich stand in Slip und Ring und nichts sonst. Martin ging vor mir in die Knie, küsste den Bauch, die weiche Stelle über dem Bund, die Innenseite eines Oberschenkels. Seine Hände strichen die Beine hinauf, langsam, bis die Daumen am Rand des Slips lagen.

„Darf ich den ausziehen?“

„Ja.“

Er zog ihn herunter. Die Luft traf die nasse Haut, und ich schämte mich nicht dafür, wie bereit ich war. Er sah es, atmete ein, als wäre der Geruch eine Antwort, die er gewollt hatte. Dann küsste er mich dort, erst auf den Venushügel, dann tiefer, die Zunge eine warme, sichere Linie durch meine Spalte. Meine Knie gaben nach. Ich setzte mich auf die Bettkante, und er folgte, schob meine Schenkel auseinander und legte den Mund richtig auf mich.

Seine Zunge fand die Klitoris nicht sofort mit Gewalt, sondern kreisend, fragend, bis mein Becken ihm sagte, wo es gut war. Dann blieb er dort. Langsame Züge, dann schnellere, dann wieder ein breites, flaches Lecken, das mich ganz öffnete. Zwei Finger strichen durch die Nässe, nicht eindringend, nur sammelnd, und als ich „ja, innen“ sagte, glitten sie in mich, gekrümmt, suchend, und fanden die Stelle, an der das Gefühl tiefer wurde. Ich stützte mich auf die Ellbogen, den Kopf im Nacken, und sah an meinem Körper entlang auf sein dunkles Haar zwischen meinen Schenkeln. Der Anblick war fast so stark wie die Zunge.

Er leckte mich, als hätte er Zeit, und zugleich so aufmerksam, dass die Zeit sich zusammenzog. Meine Hüften bewegten sich gegen seinen Mund. Ich hörte die nassen Laute, mein Atmen, einmal seinen Namen. Die Spannung stieg in den Oberschenkeln, im Bauch, hinter den geschlossenen Lidern. Ich war nah, überraschend nah, und sagte es ihm. Er wurde nicht hastiger. Er blieb genau auf dem Rhythmus, den mein Körper schon angenommen hatte, Finger gleichmäßig, Zunge fest und weich zugleich. Der Höhepunkt kam als Welle, die mich nach vorn falten wollte und zugleich offen hielt. Ich kam auf seiner Zunge, die Schenkel zitternd, ein langer, gebrochener Laut im Zimmer, die Hand in seinem Haar, nicht um ihn festzuhalten, sondern um nicht allein in dem Gefühl zu sein.

Er ließ mich ausklingen, küsste die Innenseite des Schenkels, die feuchte Haut, den Bauch. Als er hochkam, glänzten seine Lippen. Ich zog ihn zu mir und küsste ihn, schmeckte mich, salzig und warm, und wollte ihn dadurch noch mehr. „In mir“, sagte ich. „Jetzt. Bitte. Das gehört zu dem, was ich nicht zurücknehme.“

Er griff nach seiner Hose, holte ein Kondom aus der Brieftasche und zeigte es mir kurz, eine kleine, nüchterne Geste, die mich nicht aus der Erregung riss, sondern sicherer machte. „Ist das in Ordnung?“

„Ja. Gut, dass du es hast.“

Er streifte es über, die Hand ruhig trotz der Härte. Ich rutschte aufs Bett, in die Kissen, und öffnete die Beine für ihn. Er kam über mich, stützte sich auf die Unterarme, sein Gewicht eine Verheißung, noch nicht ganz da. Die Spitze lag an meinem Eingang, heiß selbst durch das dünne Material. Er sah mir in die Augen. In diesem Blick war die Bar noch da, der Satz, der Ring, das Ja. „Sag es, Lena.“

„Komm in mich.“

Er drang langsam ein. Die Dehnung war deutlich, voll, ein Brennen, das sofort in Lust umschlug, weil ich so nass war und weil ich genau das gewollt hatte. Zentimeter um Zentimeter füllte er mich, bis er ganz in mir war und wir beide einen Moment nur atmeten. Ich spürte ihn bis tief, ein Druck, der meinen Mund öffnete. Meine Beine lagen um seine Hüften. Der Ring streifte seinen Rücken, als ich die Hand dort ablegte, und ich spürte das Metall wie einen zweiten Satz, der nicht widerrufen war und doch nicht gewann. Nicht in dieser Minute.

Er bewegte sich erst, als ich nickte. Lange, tiefe Stöße, nicht hart, aber vollständig, jeder so geführt, dass er mich ganz verließ und ganz zurückkam. Das Geräusch unserer Körper war leise und nass. Ich hob ihm das Becken entgegen. Seine Stirn lag an meiner, der Atem mischte sich, und manchmal küsste er mich mitten im Stoß, ungeschickt und vollkommen. Ich spürte die Reibung an der Klitoris, wenn er sich tief drehte, und sagte ihm, er solle dort bleiben, genau so. Er blieb. Der Rhythmus wurde zu etwas, das wir beide hielten, nicht er allein und nicht ich.

„Ist das gut?“, fragte er an meinem Mund.

„Ja. Tiefer. Nicht schneller. So.“

Er gehorchte nicht wie ein Diener, sondern wie ein Liebhaber, der zuhört. Seine Stöße wurden schwerer, das Becken dichter an meinem, und die Tiefe zog ein Stöhnen aus mir, das ich in seine Schulter sprach. Ich kratzte leicht über seinen Rücken. Er zuckte, lächelte kurz, ein echtes, angespanntes Lächeln, und küsste mich wieder. Schweiß mischte sich zwischen unseren Brüsten. Meine Nippel rieben an seiner Haut, empfindlich nach seinem Mund, und jeder Kontakt schickte einen neuen Impuls nach unten, dorthin, wo er mich dehnte.

Ich wollte ihn auch anders spüren. „Leg dich hin“, sagte ich. „Ich will auf dir sein.“

Er zog sich zurück, und die Leere war einen Moment fast beleidigend, so sehr hatte mein Körper ihn schon als Form angenommen. Dann lag er auf dem Rücken, das Glied schwer gegen den Bauch, und sah mich an, als ich mich über ihn schwang. Ich führte ihn an meinen Eingang und senkte mich langsam. So war er noch tiefer. Ich stützte die Hände auf seine Brust und blieb einen Atemzug sitzen, voll bis zum Rand, die Oberschenkel zitternd vor Lust und nicht vor Unsicherheit. Sein Daumen fand meine Klitoris. Ich nickte heftig. „Ja. Bleib da.“

Ich ritt ihn in einem eigenen Takt, kreisend, dann hebend und senkend, sodass die Spitze fast glitt und ich ihn wieder ganz aufnahm. Martin stöhnte unter mir, die freie Hand an meiner Hüfte, nicht lenkend, nur mitgehend. Sein Daumen rieb kleine, feste Kreise. Das Gefühl stapelte sich: die Fülle, der Druck auf die Klitoris, der Anblick seines Gesichts, offen und beinahe ungläubig, die Hitze des Zimmers, der Regen am Fenster. Ich beugte mich vor, küsste ihn, und in dieser Neigung rieb ich mich anders an ihm, flacher, geiler, ein Wort, das ich dachte und nicht scheute.

„Du fühlst dich unglaublich an“, sagte er. „So nass. So eng um mich.“

„Weil ich dich will“, sagte ich, und es war keine Schmeichelei. Es war der Satz aus der Bar, jetzt im Körper. „Ich habe dich darum gebeten. Ich bitte immer noch, indem ich dich reite. Hör nicht auf, mich anzufassen.“

Er hörte nicht auf. Seine Hand wurde sicherer, der Rhythmus unter mir fester, weil er mir mit den Hüften entgegenkam. Ich spürte den zweiten Höhepunkt früher als den ersten, nicht als Überraschung, sondern als etwas, das ich holen konnte. Ich bewegte mich kleiner, dichter, rieb mich an seinem Daumen und an seinem Schambein, während er tief in mir blieb. Die Spannung schnürte sich zusammen, hell, fast zu viel. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte ja. Dann kam ich, diesmal länger, in Wellen, die meinen ganzen Schoß um ihn zusammenzogen. Ich hörte mich laut werden und hielt den Laut nicht zurück. Martin fluchte leise vor Lust, weil ich ihn so fest umschloss, und hielt mich an den Hüften, während ich auf ihm zitterte.

Als die Wellen nachließen, war ich weich und immer noch voll von ihm. Er war nicht gekommen. Ich spürte seine Zurückhaltung in den angespannten Bauchmuskeln, in der Art, wie er die Zähne leicht aufeinander hatte. „Ich will, dass du auch kommst“, sagte ich. „Wie du es brauchst. Ich bin hier. Ich will es spüren.“

„Auf die Seite“, sagte er, die Stimme rau. „Oder von hinten, wenn du das magst. Ich frage.“

„Von hinten. Ja. Ich will dein Gewicht so.“

Wir lösten uns, und ich ging auf Knie und Unterarme, die Stirn kurz auf dem Laken, das schon warm und ein wenig feucht war. Martin kniete hinter mich, strich über meinen Rücken, den Po, die Oberschenkel, als danke er dem Körper, bevor er ihn wieder nahm. Seine Finger glitten durch meine Nässe, öffneten mich, und dann setzte er sich an. „Noch ja?“

„Noch ja. Komm.“

Er stieß in mich, und in dieser Stellung war es sofort tief und direkt. Ich keuchte in die Matratze. Seine Hände hielten meine Hüften, fest, aber nicht grob, und er fand einen Rhythmus, der schwerer war als zuvor, noch immer im Einverständnis, noch immer meinem Ja nachgeordnet. Jeder Stoß schob mich ein wenig nach vorn und holte mich an ihm zurück. Ich griff ins Laken. Meine Brüste schwangen, die Nippel streiften den Stoff, und auch das gehörte zur Lust, diese kleine, wiederholte Reizung. Martin beugte sich über mich, eine Hand neben meiner, die andere um mich herum an meiner Klitoris. Ich war empfindlich, fast zu sehr, und sagte „leichter“. Er wurde leichter. Das war so erregend wie die Tiefe: gehört zu werden, während er in mir war.

„Ich bin nah“, sagte er an meinem Ohr. „Willst du, dass ich so komme?“

„Ja. In mir. Ich will es hören.“

Seine Stöße wurden kürzer, drängender, der Atem brach. Ich drückte mich ihm entgegen, nahm ihn ganz, und spürte, wie sein Körper sich spannte. Er kam mit einem tiefen, offenen Stöhnen, die Stirn an meiner Schulter, die Hüften eng an meinem Po, und ich fühlte das Pochen in mir, das Nachstoßen, das Zittern seiner Oberschenkel an meinen. Ich blieb bei ihm, bewegte mich kaum, nur genug, um ihn durch den Höhepunkt zu begleiten. Seine Hand auf meinem Bauch war warm und ein wenig unruhig, als wüsste sie nicht, ob sie mich halten oder danken sollte. Sie tat beides.

Wir sanken zur Seite, noch verbunden, bis er vorsichtig aus mir glitt. Er kümmerte sich um das Kondom, kam zurück und zog die Decke über uns, nicht ordentlich, nur soweit, dass die kühle Luft nicht sofort siegte. Ich lag an seiner Brust. Sein Herz schlug schnell und wurde langsamer. Meine Haut kühlte an den Stellen, die nicht ihn berührten. Zwischen den Beinen war ich empfindlich, nass, zufrieden auf eine Weise, die keinen Beifall brauchte und keine Entschuldigung annahm. Der Regen tickte ans Fenster. Im Flur fuhr jemand mit einem Koffer vorbei und verschwand.

Martin strich mir das Haar aus der Stirn. „Geht es dir gut?“

„Ja.“ Ich suchte nach einem größeren Wort und fand keines, das ehrlicher gewesen wäre. „Gut ist zu klein, und mehr wäre gelogen in eine andere Richtung. Ich bin hier. Ich bereue den Satz nicht. Ich spüre ihn noch.“

„Er lässt sich nicht zurücknehmen“, sagte er, ohne Triumph. „Das hast du gewollt. Ich habe ja gesagt. Beides bleibt, auch wenn wir gleich nur noch atmen.“

Ich nickte an seiner Haut. Der Ring lag zwischen uns, weil meine Hand auf seiner Brust ruhte. Ich sah ihn an, das dünne Gold, ein Kratzer an der Innenseite, den nur ich kannte. Er hatte die Bitte nicht verhindert. Er hatte sie auch nicht schöner gemacht. Er war einfach da gewesen, während ein anderer Mann in mir gewesen war, mit meinem klaren Willen. Diese Tatsache setzte sich nicht als Drama in Szene. Sie setzte sich als Wärme und als Gewicht. Beides war wahr.

Wir sprachen nicht viel. Martin holte Wasser, und wir tranken aus demselben Glas, abwechselnd, eine kleine, intime Ordnung nach der größeren. Er küsste meine Schulter, die Stelle über der Brust, einmal den Mund, langsamer als zuvor, ohne neuen Hunger und ohne Abschiedspanik. Ich legte ein Bein über seins. Die Härchen an seinem Schienbein kitzelten die Fußsohle. Solche Kleinigkeiten machten die Nacht wirklicher als jede große Erklärung. Ich hatte nicht einen Traum gebeten. Ich hatte diesen Mann gebeten, und er lag neben mir, vierunddreißig und einundvierzig, erwachsen, einverstanden, nackt unter einer Hoteldecke.

Irgendwann stand er auf und suchte seine Sachen, nicht eilig. Ich sah ihm zu, wie das Hemd die Brust wieder verdeckte, wie der Gürtel sich schloss, wie der Mann aus der Bar zurückkehrte und doch nicht ganz derselbe war, weil ich seinen Geschmack kannte und das Zittern, mit dem er gekommen war. Er setzte sich noch einmal auf die Bettkante. „Ich gehe, bevor der Morgen es komplizierter macht, als der Satz schon ist“, sagte er. „Nicht weil ich verschwinden will wie ein Fehler. Weil du morgen fliegst und ich den Zug nehme und wir das beide wissen.“

„Ja“, sagte ich. „So ist es richtig.“

Er küsste mich zum Abschied, lange genug, dass die Bitte noch einmal durch den Körper ging, kurz, hell, ohne einen neuen Anfang zu fordern. An der Tür blieb er stehen. „Danke, dass du es klar gesagt hast“, sagte er. „Danke, dass du es nicht zurückgenommen hast, als ich nachfragte.“

„Danke, dass du gefragt hast“, sagte ich. „Und dass du geblieben bist, solange wir beide ja gesagt haben.“

Die Tür fiel leise ins Schloss. Ich blieb liegen. Das Laken roch nach uns, nach Haut, nach dem herben Rest seines Seifengeruchs und nach meinem Schweiß. Zwischen den Schenkeln pochte es noch, ein Nachhall, nicht unangenehm. Ich zog die Decke höher und sah an die Decke, auf der ein Lichtfleck vom Hof lag, verzerrt vom Regen. Das Telefon lag in der Tasche. Ich holte es nicht hervor. Thomas schlief vermutlich, oder er arbeitete noch, die Brille auf der Nase, freundlich gegen eine Zeichnung. Ich würde ihn morgen anrufen, vom Flughafen, mit einer Stimme, die ihn liebte und ihm diese Nacht nicht gab. Das war der Preis der Bitte, und ich hatte ihn gekannt, bevor ich sie aussprach.

Ich drehte den Ring einmal um den Finger. Er saß wie zuvor. Nichts daran war verrutscht, und alles darum herum hatte sich verschoben. In der Bar hatte ich einen Satz gesagt, den kein späteres Schweigen einsammeln konnte. Im Zimmer hatte ich ihn mit dem Körper gehalten, Stoß um Stoß, Kuss um Kuss, bis er nicht mehr nur Bitte war, sondern Tatsache. Ich bereute ihn nicht. Ich machte ihn auch nicht kleiner, indem ich ihn romantisch nannte. Er war begehrlich, klar und unumkehrbar gewesen.

Der Whiskey war längst verdunstet auf der Zunge. Geblieben war Martin, das Gewicht, die Frage, das Ja, der Regen. Ich löschte das Licht nicht sofort. Ich wollte den Raum noch sehen, das zerwühlte Bett, meine Bluse über dem Stuhl, den Slip auf dem Teppich, die Spuren einer Entscheidung, die niemand außer uns bezeugen musste, um wahr zu sein. Als ich die Augen schloss, war der letzte klare Gedanke kein Vorsatz und keine Entschuldigung. Es war der Satz selbst, vollständig, erwachsen, und er lag neben mir wie eine Wärme, die das Kissen nicht erklären konnte und die ich dennoch nicht zurückgab.

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