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Die Bitte, die blieb

Fremdgehen · 25 Minuten lesen · 33 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 1 der Serie Verbotene Nächte (15)

Der Zettel an der Kühlschranktür trug seit Montag meine eigene Schrift, als hätte ich mich selbst ermahnen müssen. Dienstag, zehn Uhr, Installateur, Bad undicht. Thomas war seit Sonntagabend in Hamburg, eine Messe, die er wichtig nannte, und das Haus roch nach dem Kaffee, den ich allein getrunken hatte, und nach dem Waschmittel aus der Maschine, obwohl kaum Wäsche darin gelegen hatte. Ich war vierunddreißig, seit neun Jahren verheiratet, und an manchen Tagen wirkte die Wohnung größer als am Anfang, nicht weil Wände gewichen wären, sondern weil niemand mehr in den Zimmern stehen blieb.

Ich hatte schlecht geschlafen. Das Bett auf Thomas' Seite war glatt, die Decke unberührt, und ich hatte morgens die Hand dorthin gelegt, nur um die Kühle zu spüren und sie gleich wieder wegzunehmen. Draußen lag ein grauer Märztag über den Dächern, das Licht kam flach durch die Gardinen, und im Bad tropfte es hinter der Verkleidung, ein gleichmäßiges, kleines Geräusch, das mich seit einer Woche begleitete. Ich hatte den Handwerker angerufen, weil Thomas gesagt hatte, ich solle das regeln, er habe keine Zeit, und weil ich es leid war, ein Handtuch unter die Stelle zu legen und so zu tun, als wäre das eine Lösung.

Gegen halb zehn zog ich mich um. Nicht für einen Besuch, sagte ich mir, nur weil der Morgenrock zu dünn war und ein fremder Mann ins Haus kommen würde. Ich nahm eine dunkle Hose und einen Pullover, der am Hals nicht zu weit ausschnitt, band das Haar zurück und betrachtete mich im Spiegel über dem Waschbecken, ohne zu wissen, wonach ich suchte. Das Gesicht war wach, die Augen ein wenig gerötet, der Mund ruhig. Ich war eine Frau, die einen Termin erwartete. Mehr wollte ich in diesem Spiegel nicht sehen.

Er kam pünktlich. Die Klingel ging kurz, nicht ungeduldig, und als ich öffnete, stand ein Mann auf der Fußmatte, der die Schuhe schon an der Kante abstreifte, als wäre das Haus ihm nicht gleichgültig. Andreas Wolf, sagte er, und nannte die Firma, die ich am Telefon gehört hatte. Er war einundvierzig, das stand später auf dem Auftrag, den er mir zum Unterschreiben hinlegte, und er sah auch so aus: nicht jung in der Weise, die unsicher macht, nicht alt in der Weise, die Abstand schafft. Breite Schultern unter einer Arbeitsjacke, kurze dunkle Haare mit ein wenig Grau an den Schläfen, ruhige Hände, die den Werkzeugkoffer hielten, ohne ihn zur Schau zu stellen.

Ich ließ ihn herein und zeigte ihm das Bad. Er nickte, stellte den Koffer ab, fragte nach dem Hauptwasserhahn und nach dem, was ich schon beobachtet hatte. Seine Stimme war tief und unaufgeregt. Er sprach mit mir wie mit einer Kundin, die Auskunft geben kann, nicht wie mit jemandem, den man beruhigen muss. Das gefiel mir mehr, als ich zugeben wollte. Ich erklärte das Tropfen, das feuchte Holz hinter der Blende, den Geruch, der morgens stärker war. Er hörte zu, stellte zwei Nachfragen und bat mich, das Wasser abzustellen, während er die Verkleidung löste.

Ich blieb in der Tür stehen, weil das Bad schmal war und weil ich nicht wusste, wohin mit mir. Er kniete sich hin, die Jacke hatte er über den Wannenrand gelegt, und unter dem Hemd zeichnete sich die Bewegung seiner Schultern ab, als er die Schrauben löste. Es roch nach Metall, nach altem Staub und nach dem Seifenrest auf dem Beckenrand. Ich sah seine Hände, die sicher waren und nicht hastig, und ich sah den Nacken, wo das Haar kürzer wurde, und ich dachte nichts, was ich später hätte wiederholen wollen. Ich dachte es trotzdem.

Er fand die undichte Stelle schneller, als ich erwartet hatte. Eine Verbindung hatte nachgegeben, sagte er, das sei zu richten, er habe das Material im Wagen. Er richtete sich auf, wischte die Hände an einem Tuch ab und sah mich an, nicht lange, aber genau. Ob ich einen Eimer habe. Ob ich in der nächsten Stunde im Bad sein müsse. Ob jemand sonst im Haus sei. Die letzte Frage war praktisch, wegen des Wassers und wegen der Tür, und doch blieb sie einen Augenblick in der Luft, länger als die anderen.

Ich sagte, ich sei allein. Thomas sei bis Freitag fort. Ich sagte es schlicht, weil es stimmte, und ich hörte selbst, wie das Wort allein im gefliesten Raum nachklang. Andreas nickte nur. Er ging zum Wagen, und ich stellte den Wasserkessel auf, ohne darüber nachzudenken, ob ein Handwerker Kaffee wollte oder ob ich einfach eine Tätigkeit brauchte, die meine Hände beschäftigte. Als er zurückkam, roch die Küche nach Kaffee, und ich fragte ihn, ob er eine Tasse wolle, wenn er soweit sei. Er sagte, gern, nach der Arbeit, nicht währenddessen, weil nasse Hände und heißer Kaffee sich schlecht vertrügen. Das war vernünftig. Es machte mich unruhig, dass ich Vernunft in diesem Moment als etwas Warmes empfand.

Er arbeitete eine gute Stunde. Ich hörte Metall auf Metall, das kurze Zischen einer Dichtung, das Öffnen und Schließen des Werkzeugkastens. Zweimal kam er in die Küche, um Wasser abzulassen und wieder anzustellen, und jedes Mal roch er nach der Arbeit und nach der kalten Luft, die an seiner Jacke hing. Ich saß am Tisch mit einer Zeitschrift, die ich nicht las. Die Seiten raschelten, wenn ich sie umblätterte, und das Geräusch kam mir vor wie eine Ausrede. Einmal blieb er in der Küchentür stehen und fragte, ob der Druck im Haus schon länger schwanke. Ich antwortete, und während ich antwortete, sah ich, dass er meinen Mund ansah, nicht unhöflich, nur einen Moment zu lange, und dass er den Blick dann selbst wegnahm.

Als er fertig war, lief kein Tropfen mehr. Er ließ mich horchen, erklärte, woran man in den nächsten Tagen merken würde, ob alles hielt, und wischte die Stelle trocken, sorgfältiger, als es für die Rechnung nötig gewesen wäre. Dann wusch er sich die Hände am Becken, langsam, bis unter die Nägel, und trocknete sie an dem Handtuch, das ich ihm reichte. Unsere Finger berührten sich am Stoff. Es war nichts. Es war genug, dass mir die Haut dort danach noch bewusst blieb.

In der Küche stellte ich zwei Tassen hin. Er setzte sich nicht sofort, als warte er auf eine Erlaubnis, die über den Kaffee hinausging, und ich sagte, er solle sich setzen, der Tisch sei nicht reserviert. Das war ein kleiner Scherz, und er lächelte kurz, ein Lächeln, das die Augen erreichte und dann wieder verschwand. Er trank schwarz, ohne Zucker. Ich setzte mich ihm gegenüber, die Hände um die Tasse, und suchte nach einem Satz, der harmlos war.

Wir sprachen über das Haus, über den Winter, der die Leitungen strapaziert hatte, über die Straße, in der die Bäume noch kahl standen. Er erzählte nicht viel von sich. Eine Wohnung am anderen Ende der Stadt, die Arbeit, die ihn oft in fremde Küchen führte, der Hund einer Nachbarin, den er manchmal ausführte, wenn sie fort war. Ich hörte zu und merkte, dass ich die Schultern gesenkt hatte, dass die Küche kleiner geworden war in einer guten Weise, dass seine Stimme einen Raum füllte, der seit Sonntag nur das Ticken der Uhr gehört hatte. Er fragte, ob mein Mann oft unterwegs sei. Ich sagte, ja, in den letzten Monaten öfter. Ich sagte nicht, dass es auch dann still war, wenn Thomas im Haus war. Das behielt ich, und es drückte trotzdem gegen die Zähne.

Andreas stellte die Tasse ab. Er sah mich an, ruhig, ohne das Lächeln von vorhin. Wenn ich noch etwas brauche, sagte er, solle ich anrufen, die Firma sei erreichbar, er selbst auch, die Nummer stehe auf dem Zettel. Er griff nach der Jacke über der Stuhllehne. Der Stuhl rückte ein wenig, das Holz knarrte, und in mir zog sich etwas zusammen, das ich nicht als Angst kannte. Es war die Angst, dass er jetzt ging und der Tag wieder nur aus Tropfenstille und glatter Bettdecke bestehen würde. Es war auch etwas anderes, wärmer und unverantwortlicher, und ich kannte es gut genug, um ihm einen Namen zu geben, den ich nicht laut sagte.

Ich sagte einen anderen Satz. Er kam heraus, bevor ich ihn zurechtgelegt hatte, und er war klarer, als ich mir zutraute. Ich bat ihn, noch nicht zu gehen. Ich bat ihn, bei mir zu bleiben, nicht für einen zweiten Kaffee und nicht, weil im Bad noch etwas zu tun wäre. Ich sagte, ich wolle, dass er mich anfasst. Ich sagte, ich wolle mit ihm schlafen. Die Worte standen zwischen den Tassen, nackt und ohne Schmuck, und ich hörte mein eigenes Blut in den Ohren.

Er ließ die Jacke los. Seine Hand blieb auf der Lehne, die Knöchel hell. Er fragte nicht sofort, ob ich betrunken sei oder ob das ein Scherz sei. Er fragte, ob ich wisse, was ich da gerade gesagt habe. Ich sagte, ja. Ich sagte, ich sei nüchtern, ich sei vierunddreißig, ich sei verheiratet, und ich sage es trotzdem, weil ich es will und weil ich es nicht als Andeutung zwischen Tür und Angel stehen lassen will. Meine Stimme zitterte am Ende nicht. Das überraschte mich mehr als der Satz selbst.

Andreas schwieg einen Moment. Draußen fuhr ein Auto vorbei, und in der Leitung knackte es einmal, ein harmloses Geräusch nach der Reparatur. Er sagte, er sei nicht der Mann, der eine Frau überredet, und er sei auch nicht der Mann, der eine Bitte annimmt, die im nächsten Atemzug bereut wird. Wenn ich es zurücknehmen wolle, jetzt, sofort, dann stehe er auf, schreibe die Rechnung und gehe, und zwischen uns sei nichts gewesen außer einem tropfenden Rohr und einer Tasse Kaffee. Er sagte das ohne Härte. Es war ein Angebot, die Tür wieder zuzumachen.

Ich hätte sie zumachen können. Ich spürte die Möglichkeit ganz deutlich, wie einen kühlen Luftzug am Hals. Ich dachte an Thomas in einem Hotelzimmer mit gestärkten Kissen, an seine Art, das Telefon neben das Wasserglas zu legen, an die Jahre, in denen wir einander kannten und einander weniger berührten. Ich dachte nicht, um mich freizusprechen. Ich dachte, weil der Satz schon draußen war und weil ich ihn nicht als Versehen behandeln wollte. Ich sagte, ich nehme es nicht zurück. Ich sagte, ich will, dass er bleibt, und ich will, dass er mich fragt, wenn er unsicher ist, und dass er aufhört, wenn ich aufhören sage. Ich will es aber nicht zurücknehmen. Die Bitte gilt.

Er stand auf. Nicht hastig. Er kam um den Tisch, blieb vor mir stehen und wartete, bis ich ebenfalls aufstand, sodass wir uns ansahen und keiner über den anderen gebeugt war. Er fragte noch einmal, leise, ob das ein Ja sei, ein wirkliches. Ich sagte Ja. Ich sagte seinen Namen dazu, Andreas, damit es nicht an die Luft gerichtet war. Er hob die Hand an meine Wange, langsam genug, dass ich den Kopf hätte wegdrehen können, und als seine Handfläche warm auf meiner Haut lag, schloss ich für einen Atemzug die Augen und öffnete sie wieder, weil ich ihn sehen wollte.

Der erste Kuss war vorsichtig und trotzdem nicht schüchtern. Sein Mund war fest, er schmeckte nach Kaffee, und er küsste mich, als hätte er sich den Wunsch schon im Bad verboten und als ließe er ihn jetzt zu, weil ich ihn darum gebeten hatte. Ich stellte mich auf die Zehen, die Hände an seiner Brust, und spürte unter dem Hemd die Wärme und den Herzschlag, der schneller ging als seine Ruhe. Er löste mein Haar, nicht als Geste für einen Film, sondern weil die Spange drückte und weil er die Finger hineinschieben wollte. Die Spange fiel auf den Tisch. Das kleine Geräusch machte die Küche wirklich.

Wir küssten uns länger. Ich öffnete den Mund, seine Zunge fand meine, und aus der Vorsicht wurde Hunger, der sich noch beherrschte und gerade deshalb deutlicher war. Seine Hände lagen an meiner Taille, dann tiefer, am Rand der Hose, und er fragte an meinem Mund, ob er mich ausziehen dürfe, hier oder woanders. Ich sagte, im Schlafzimmer, und ich sagte, ja, er dürfe mich ausziehen. Die Bitte war schon gesprochen. Jetzt kamen die kleineren Ja, und jedes davon setzte ich mit Absicht.

Das Schlafzimmer lag am Ende des Flurs, das Bett noch ungemacht auf meiner Seite, glatt auf der anderen. Ich sah das für einen Moment und schob es nicht weg. Andreas sah es auch. Er fragte nicht nach Thomas. Er fragte, ob ich das hier wirklich in diesem Bett wolle. Ich sagte, ja. Wenn ich es in einem anderen Raum täte, wäre es dieselbe Bitte, nur mit einer Ausrede mehr. Ich wollte keine Ausrede. Ich wollte ihn.

Er küsste mich wieder, diesmal am Hals, dort wo der Pullover aufhörte, und ich legte den Kopf zurück und hörte mich selbst leise ausatmen. Seine Hände schoben den Stoff hoch, langsam, und die Luft im Zimmer war kühl an meinem Bauch, bis seine Handflächen nachkamen und die Kühle verdrängten. Ich hob die Arme. Der Pullover fiel auf den Stuhl. Darunter trug ich einen einfachen BH, grau, nichts, was ich für diesen Morgen gewählt hatte, und er sah mich an, als wäre genau das richtig. Er strich mit dem Daumen über die Kante des Stoffes und fragte, ob er ihn öffnen solle. Ich nickte und sagte, ja, bitte.

Der Verschluss gab nach. Der BH glitt von den Schultern, und meine Brüste lagen frei in dem grauen Licht, die Brustwarzen schon fest von der Kälte und von dem, was seine Hände versprachen. Er umfasste sie nicht sofort. Er sah, und dann beugte er sich und küsste die eine, dann die andere, der Mund warm, die Zunge langsam über die Spitze, bis ich die Finger in sein Haar schob und einen Laut nicht mehr zurückhielt. Es war kein lauter Laut. Es reichte, dass er ihn hörte und leise gegen meine Haut lächelte, ohne den Kuss zu unterbrechen.

Ich öffnete sein Hemd. Die Knöpfe waren widerspenstig, meine Hände nicht so ruhig wie seine, und er half mir, ohne die Führung an sich zu reißen. Darunter war Haut, warm, mit einem dunklen Haaransatz auf der Brust, und ich legte den Mund dorthin, weil ich ihn schmecken wollte und nicht nur gesehen werden. Er roch nach Seife und nach der Arbeit, ein sauberer, männlicher Geruch, der nichts mit Parfum zu tun hatte. Seine Hand lag in meinem Nacken, nicht drückend, nur da, und als ich die Zunge über seine Brustwarze zog, ging ein Schauer durch ihn, den ich an den Rippen spürte. Das gefiel mir. Es machte die Bitte weniger einseitig.

Er kniete sich vor mich, als ich noch stand, und öffnete die Hose. Der Knopf, der Reißverschluss, das leise Geräusch, das in dem stillen Zimmer groß wurde. Er zog den Stoff über die Hüften, dann den Slip, und ich stieg heraus, eine Hand an seiner Schulter, nackt bis auf die Socken, die ich selbst auszog, weil sie in diesem Moment lächerlich waren und weil ich ganz bei ihm sein wollte. Er sah mich an, von den Knien aufwärts, und sein Blick blieb an der Stelle zwischen meinen Schenkeln, nicht gierig im hässlichen Sinn, sondern aufmerksam, als merke er sich, was ich ihm anvertraute.

Seine Hände strichen an den Außenseiten meiner Oberschenkel hinauf. Er küsste die Innenseite des einen, knapp über dem Knie, dann höher, und ich spreizte die Beine ein wenig, weil ich wusste, wohin das führte, und weil ich es wollte. Als sein Mund mich dort erreichte, musste ich mich am Bettrahmen festhalten. Die Zunge war weich und genau, sie teilte mich, fand die Stelle, die schon geschwollen war, und umkreiste sie, ohne sofort zu drängen. Ich war nass. Ich spürte es an seinen Lippen, an dem leisen Geräusch, das entstand, wenn er mich leckte, und an der Wärme, die sich vom Unterleib in die Oberschenkel zog. Er hielt meine Hüften, nicht um mich festzuhalten, sondern um mich zu stützen, und er hob einmal den Blick und fragte, ob das gut sei. Ich sagte, ja, mehr, bitte, nicht aufhören.

Er leckte mich gründlicher. Zwei Finger kamen dazu, langsam, er fragte mit dem Druck, ob er eindringen dürfe, und ich sagte ja, und dann waren sie in mir, gekrümmt, suchend, bis sie die Stelle fanden, an der ich die Knie weich wurden. Sein Mund blieb an meiner Klitoris, die Zunge flach und dann spitz, ein Rhythmus, der sich an mein Atmen anpasste. Ich stand mit gespreizten Beinen über seinem Gesicht und schämte mich nicht dafür, oder ich schämte mich und wollte es trotzdem, und beides war wahr, ohne dass das eine das andere auslöschte. Die Lust stieg schnell. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte, ich komme gleich, und er wurde nicht hastiger, er blieb bei dem, was wirkte, und ich kam so, stehend, die Hand in seinem Haar, die andere am Holz des Rahmens, ein Zittern, das durch die Schenkel lief und mich einen Augenblick lang nur aus diesem Mund und diesen Fingern bestehen ließ.

Er hielt mich, bis die Wellen nachließen. Dann stand er auf, küsste mich, und ich schmeckte mich auf seinen Lippen, salzig und warm, und das war mir nicht peinlich. Es war ein Beweis. Ich öffnete seine Hose mit ruhigeren Händen als vorhin. Er war hart, der Stoff spannte, und als ich ihn befreite, lag sein Schwanz schwer in meiner Hand, warm, die Haut glatt, die Spitze schon feucht. Ich strich einmal von der Wurzel bis nach vorn, sah ihm ins Gesicht und fragte, ob ich ihn in den Mund nehmen dürfe. Er lachte leise, ein kurzes, echtes Lachen, und sagte, ja, wenn ich das wolle, sehr gern.

Ich kniete mich auf den Teppich. Der Flor war rau unter den Knien, das Licht fiel auf seinen Bauch, und ich nahm ihn zuerst nur mit der Zunge, die Spitze, den salzigen Geschmack, dann die Lippen darum, langsam, damit ich ihn spürte und nicht nur eine Aufgabe erfüllte. Er stöhnte leise, eine Hand an meiner Wange, der Daumen an meinem Mundwinkel, und er stieß nicht. Er ließ mich das Tempo bestimmen. Ich nahm ihn tiefer, so tief, wie es angenehm blieb, die Zunge unten entlang, die Hand an dem, was nicht in den Mund passte, und ich hörte, wie sein Atem unregelmäßiger wurde. Einmal sagte er meinen Namen, Lena, so wie ich ihn am Telefon der Firma genannt hatte, und es klang in diesem Zimmer anders als auf einem Formular.

Ich hätte ihn so zum Kommen bringen können. Ich wollte es nicht als einziges. Ich wollte ihn in mir, und ich wollte, dass diese Bitte nicht bei einem knienden Gefallen endete, den man danach leichter kleinredet. Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die Hüfte und stand auf. Er verstand. Er zog die restlichen Kleider aus, Socken, Hose, alles, und stand nackt vor mir, ein Mann mit festen Beinen, mit einer Narbe an der linken Hüfte, die ich später mit dem Finger nachzeichnen würde, mit einem Blick, der fragte und zugleich schon ja sagte.

Wir legten uns auf meine Seite des Bettes, dann mitten hinein, weil die Mitte ehrlicher war. Er lag über mir, gestützt auf die Unterarme, und küsste mich lange, Brust an Brust, sein Schwanz an meinem Bauch, heiß und geduldig. Ich schlang ein Bein um seine Hüfte. Zwischen uns war nichts mehr als Haut und das Wissen, dass ich ihn gebeten hatte. Er fragte, ob er ein Kondom brauche. Die Frage war nüchtern und richtig. Ich sagte, ja, im Nachttisch, linke Schublade, und ich sagte es ohne Ausweichen. Er holte eines, riss die Packung auf, rollte es über sich, und die kleine Unterbrechung machte mich nicht kälter. Sie machte mich sicherer. Als er sich wieder über mich beugte, legte ich die Hand an seinen Nacken und sagte, jetzt. Ich will dich jetzt in mir.

Er führte sich mit der Hand, die Spitze an meinem Eingang, und wartete einen Herzschlag, die Stirn an meiner. Ich war feucht genug, dass er nicht drängen musste. Er glitt hinein, langsam, Zentimeter um Zentimeter, und ich atmete aus, die Augen offen, weil ich sehen wollte, wie sich sein Gesicht veränderte, als er ganz in mir war. Es war ein tiefes, volles Gefühl, ein Dehnen, das nicht weh tat, ein Ausgefülltsein, nach dem ich mich seit Monaten nicht mehr getraut hatte zu greifen. Er blieb still, bis ich die Hüften ein wenig bewegte und sagte, ja, so, beweg dich.

Er bewegte sich. Zuerst lange, tiefe Stöße, die mich jedes Mal ganz ausfüllten und mich dann fast verließen, sodass ich ihm entgegenkam, um ihn nicht zu verlieren. Das Bett gab ein leises Geräusch, der Rahmen gegen die Wand, nicht laut, nur rhythmisch. Seine Hand fand meine, verschränkte die Finger, drückte sie ins Kissen neben meinem Kopf. Mit der anderen stützte er sich, und sein Blick blieb an meinem, außer wenn er ihn schloss, weil ein Stoß ihn zu sehr traf. Ich hörte uns: Atem, Haut, das feuchte Geräusch, wenn er in mich glitt, mein eigenes leises Stöhnen, das ich nicht mehr höflich machte.

Er fragte, ob er fester dürfe. Ich sagte, ja, fester, ich will es spüren. Er gehorchte nicht wie ein Befehlsempfänger. Er nahm die Erlaubnis und nutzte sie, die Hüften kräftiger, der Winkel so, dass er jedes Mal an der Stelle rieb, die seine Finger vorhin gefunden hatten. Ich zog die Knie höher. Er kam tiefer. Ein Laut löste sich aus mir, den ich nicht kannte oder den ich lange nicht benutzt hatte, und er küsste mich mitten in diesen Laut hinein, als wolle er ihn schmecken. Seine Brust rieb an meinen Brustwarzen. Der Schweiß begann zwischen uns, salzig, und ich leckte ihn von seiner Schulter, weil ich alles von diesem Mann in diesem gestohlenen und doch gegebenen Augenblick haben wollte.

Wir wechselten, weil ich ihn reiten wollte und weil meine Bitte auch das einschloss: nicht nur empfangen, sondern nehmen. Ich sagte es. Er legte sich auf den Rücken, das Kondom glänzte, sein Schwanz stand schwer auf dem Bauch, und ich setzte mich über ihn, führte ihn ein und sank hinab, bis ich saß und die Oberschenkel zitterten. So sah ich ihn von oben, die Hände an meinen Hüften, den Mund ein wenig offen, die Augen dunkel. Ich bewegte mich, erst kreisend, dann hebend und senkend, und jedes Senken nahm ihn ganz. Meine Brüste bewegten sich mit mir. Er umfasste sie, die Daumen an den Spitzen, und das zog eine zweite Linie der Lust von der Brust bis dorthin, wo wir verbunden waren.

Ich ritt ihn, bis meine Schenkel brannten, und das Brennen gehörte dazu. Er stieß von unten entgegen, wenn ich mich senkte, und wir fanden einen Takt, der nicht mehr höflich war. Ich beugte mich vor, die Hände auf seiner Brust, die Haare fielen nach vorn, und er kam mir mit dem Mund entgegen, küsste mich ungeschickt und hungrig, weil der Winkel schwierig war und keiner von uns darauf achtete. Ich sagte, ich bin nah. Er sagte, ich auch, warte, ich will dich sehen. Ich richtete mich wieder auf. Seine Hand glitt zwischen uns, der Daumen an meiner Klitoris, fest und kreisend, im Takt meiner Bewegung, und das war zu viel und genau richtig.

Ich kam über ihm, lauter als vorhin im Stehen, die Innenmuskeln zogen sich um ihn zusammen, und ich sah nicht mehr scharf, nur seinen Mund, seine Augen, das Grau des Tages am Vorhang. Er hielt meine Hüften und stieß durch meinen Orgasmus hindurch, nicht roh, sondern mitgenommen, und dann sagte er meinen Namen, einmal, warnend und bittend zugleich. Ich sagte, ja, komm, ich will es. Er kam mit einem tiefen, gepressten Laut, die Hüften hochgedrückt, die Hände fest an mir, und ich spürte das Pulsieren in mir, gedämpft durch das Kondom und trotzdem unverkennbar. Ich blieb auf ihm sitzen, bis er unter mir nachließ und die Hände von meinen Hüften zu meinem Rücken wanderten, weicher jetzt, eine Fläche Wärme statt eines Griffs.

Wir lagen danach nebeneinander, nicht sofort getrennt, sein Arm unter meinem Nacken, mein Bein über seinem. Der Schweiß kühlte. Im Flur tickte die Uhr, die ich morgens nicht hatte leiden können, und jetzt war sie nur eine Uhr. Er streifte das Kondom ab, verknotete es, und ich zeigte ihm mit einer kleinen Bewegung den Papierkorb. Diese Nüchternheit nach der Hitze war nicht hässlich. Sie gehörte zu erwachsenen Menschen, die wissen, was sie getan haben. Er kam zurück ins Bett, zog die Decke über uns beide, und eine Weile sagten wir nichts. Seine Finger lagen auf meinem Oberarm und zeichneten keine Muster. Sie waren einfach da.

Ich hätte weinen können. Ich weinte nicht. Die Lust saß noch in den Beinen, ein Nachglühen, und darunter lag das andere, schwerer: der Satz in der Küche, den ich nicht zurückgenommen hatte und den ich auch jetzt nicht zurücknehmen wollte. Ich hatte ihn gebeten. Er hatte gefragt. Ich hatte ja gesagt, mehr als einmal, und mein Körper hatte dasselbe ja gesprochen, ohne dass ich es ihm hätte unterschieben können. Das machte es nicht klein. Es machte es wahr.

Andreas fragte leise, ob es mir gut gehe. Nicht als Floskel. Ich sagte, ja, und es stimmt, und es ist auch nicht einfach. Er nickte an meinem Haar. Er sagte, er werde nicht so tun, als wäre das nichts gewesen. Er werde auch nicht vor der Tür stehen und Rechte verlangen, die ich nicht gegeben habe. Wenn ich will, dass er geht und nicht wiederkommt, außer die Firma schickt jemand anderen, dann ist das eine Antwort, die er annimmt. Wenn ich ihn anrufe, weil ich ihn anrufen will, dann geht er ran. Er wird nicht derjenige sein, der die Bitte wiederholt, damit ich sie nicht tragen muss. Die Bitte bleibt bei mir. Das sagte er ohne Vorwurf. Es war genauer als Trost.

Ich lag und hörte das. Draußen wurde das Licht ein wenig wärmer, als hätte die Wolkendecke einen Riss bekommen. Im Bad war es still. Kein Tropfen. Die Reparatur hielt, und das war ein so kleiner, praktischer Satz neben dem, was in diesem Bett geschehen war, dass ich beinahe gelacht hätte. Ich lachte nicht. Ich drehte mich zu ihm, küsste ihn einmal, langsam, ohne den Hunger von vorhin, und sagte, ich bereue den Satz nicht. Ich weiß, dass ich ihn nicht ungesagt machen kann. Ich will ihn auch nicht ungesagt machen. Was daraus wird, weiß ich nicht. Heute weiß ich nur, dass ich dich gebeten habe und dass du geblieben bist, weil ich es so wollte.

Er küsste meine Stirn. Wir standen irgendwann auf, nicht gemeinsam unter der Dusche, weil das eine andere Geschichte gewesen wäre und weil ich den Abschied nicht in Dampf auflösen wollte. Er wusch sich am Becken, zog sich an, und ich zog den Pullover wieder über, ohne BH, die Hose, die Haare offen. In der Küche lag die Spange noch auf dem Tisch neben den kalten Tassen. Er schrieb die Rechnung für die Reparatur, nur für die Reparatur, die Summe nüchtern, die Arbeitszeit ehrlich. Ich unterschrieb. Unsere Finger berührten sich nicht bei dem Papier. Das wäre jetzt eine Geste gewesen, die kleiner war als das, was wir schon getan hatten.

An der Tür blieb er stehen, den Werkzeugkoffer in der Hand, die Jacke zu. Er fragte ein letztes Mal, ob ich sicher sei, dass er gehen soll, nicht heute Nacht bleiben, nicht den Abend verschieben. Ich sagte, ja, geh. Nicht weil ich ihn loswerden wollte. Weil der Bogen dieses Tages eine Form hatte, und weil ein längeres Bleiben die Bitte in etwas anderes verwandelt hätte, in einen Anfang, den ich noch nicht versprechen konnte. Er verstand. Er sagte meinen Namen, einmal, ohne Anspruch, und dann war er auf der Fußmatte, und die Tür fiel ins Schloss, leise, weil er sie nicht warf.

Ich stand im Flur und hörte den Wagen anspringen. Das Geräusch entfernte sich. Im Haus war es wieder still, aber nicht die Stille von morgens. Meine Haut roch nach ihm. Zwischen den Beinen war ich empfindlich, auf eine gute Weise, ein Echo der Stöße und seines Mundes. Ich ging ins Schlafzimmer, zog die Decke glatt, stellte die Tassen in die Spüle und ließ Wasser darüberlaufen, bis der Kaffeerand verschwand. Die Spange legte ich in die Schublade. Nichts davon machte den Satz ungeschehen.

Am späten Nachmittag rief Thomas an. Die Verbindung war klar, seine Stimme müde von Hallen und Gesprächen, und er fragte, ob der Handwerker gekommen sei und ob das Tropfen aufgehört habe. Ich sagte, ja, er sei gekommen, es tropfe nicht mehr, die Rechnung liege auf der Anrichte. Das stimmte alles. Es war nicht die ganze Wahrheit, und ich wusste es, während ich es sagte, und ich schmückte nichts aus und erfand keine Einzelheit, die ich nicht brauchte. Thomas sagte, gut, dann sei das erledigt, er komme Freitag gegen Abend, ich solle nicht auf ihn warten mit dem Essen, wenn es spät werde. Ich sagte, in Ordnung. Wir legten auf. Ich hielt das Telefon noch einen Moment in der Hand und legte es dann neben das Wasserglas, so wie er es im Hotel tun würde, und der Vergleich tat weh, ohne dass ich ihn dramatisch machte.

Am Abend aß ich Brot und Käse am Küchentisch, an dem Andreas gesessen hatte. Ich dachte an seine Frage, ob ich die Bitte zurücknehmen wolle, sofort, bevor etwas geschehen sei. Ich dachte an mein Nein zu diesem Angebot. Die Bitte war nicht ein Versehen gewesen, das der Körper später überholt hatte. Sie war der Anfang gewesen, ausgesprochen, gehört, bestätigt. Ich konnte sie nicht zurück in den Mund nehmen. Ich wollte es nicht. Was ich damit dem Mann schuldete, der am Freitag durch diese Tür kommen würde, war eine andere Rechnung, und die lag nicht auf der Anrichte, und sie ließ sich nicht mit einer Unterschrift begleichen.

Ich duschte lange, das Wasser heiß, die neue Dichtung still hinter der Wand. Ich wusch den Geruch nicht weg, als wäre er Schmutz. Ich wusch den Tag von der Haut und behielt ihn im Gedächtnis, dort, wo er hingehörte: als etwas, das ich gewollt hatte, mit einem Mann, der gefragt hatte, in einem Haus, das für ein paar Stunden nicht nur eine Wartehalle gewesen war. Als ich ins Bett ging, lag ich auf meiner Seite. Die andere blieb glatt. Ich legte die Hand nicht dorthin. Ich lag wach und hörte kein Tropfen, nur meinen Atem, und in der Dunkelheit wiederholte ich den Satz nicht laut. Er war schon draußen. Er blieb.

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