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Die andere Hand am Puls

Reife Frau · 16 Minuten lesen · 21 Minuten hören

Gelesen von Lana Weiss

Teil 1 der Serie Im besten Alter (4)

Ich war vierundvierzig und seit sechzehn Jahren Chirurgin, und an diesem Abend legte ich das Skalpell nicht ab, weil die Arbeit zu Ende war, sondern weil wir es so verabredet hatten. Markus wartete im Besprechungsraum der Privatklinik, die Tür von innen verriegelt, die Jalousien geschlossen, das Licht auf die warme Stufe gedreht, die wir sonst nur für Gespräche mit Angehörigen nutzten. Er war siebenundvierzig, Anästhesist, ruhig in den Händen, genauer in der Stimme als die meisten Männer, die ich kannte. Wir hatten uns vor drei Tagen in der Teeküche gegenübergestanden, nach der letzten geplanten Operation der Woche, und die Absprache in ganzen Sätzen festgehalten. Heute führte er. Ich folgte. Danach, wenn ich es wollte und er es bestätigte, kehrte die Führung zu mir zurück. Kein Gerät, keine Spritze, kein Stoff, der die Sinne dämpfte. Nur wir beide, wach, bei vollem Bewusstsein, mit einem Wort, das alles beendete.

Er stand auf, als ich eintrat, und sah mich an, ohne zu lächeln, so wie er im Saal nickte, wenn die Werte stimmten. Ich stellte die Tasche ab, zog den Mantel aus und hängte ihn über die Stuhllehne. Unter dem Stoff trug ich noch die Bluse vom Tag, die Hose, die flachen Schuhe. Mein Haar hatte ich im Auto gelöst. Es fiel schwer auf die Schultern, dunkler als früher an den Schläfen, und ich ließ es so. Markus trat nicht sofort näher. Er wiederholte die Absprache, langsam, damit ich jedes Stück hören konnte. Er würde sagen, was er wollte. Ich würde sagen, was ich wollte. Das Wort Elfenbein stoppte jede Bewegung, ohne Erklärung, ohne Nachfragen in dem Moment. Wir durften lachen. Wir durften stocken. Wir durften die Rollen nur tauschen, nicht die Einwilligung. Ich nickte und sprach meinen Teil nach. Meine Stimme war tiefer als im Saal, wo ich Anweisungen gab, ohne sie zweimal zu sagen.

Er bat mich, die Schuhe auszuziehen und stehen zu bleiben. Ich tat es, weil ich es wollte, nicht weil der Raum es verlangte. Der Teppich war weich unter den Sohlen. Markus kam um den Tisch herum, blieb eine Armlänge entfernt und betrachtete mich, als wäre ich eine Landkarte, die er schon oft gelesen hatte und heute zum ersten Mal mit den Fingern nachziehen durfte. Wir kannten einander seit acht Jahren. Wir hatten Nächte im Dienst geteilt, Kaffee, Schweigen nach schwierigen Eingriffen, einmal einen Kuss im Treppenhaus, der zu nichts geworden war, weil der Piepser uns trennte. Heute war der Piepser aus. Heute gehörte die Zeit uns.

„Bluse“, sagte er.

Ich öffnete die Knöpfe von oben nach unten, langsam, und ließ den Stoff von den Schultern gleiten. Darunter der schlichte BH, hautfarben, nichts für eine Bühne. Meine Brüste waren schwerer als mit dreißig, die Haut an den Schlüsselbeinen dünner, die Arme kräftig von Jahren, in denen ich gehalten, genäht, gestützt hatte. Markus sah hin, ohne die Augen wegzuziehen, und das gefiel mir mehr als jedes Kompliment. Er bat um den Rest. Ich öffnete die Hose, schob sie über die Hüften, stieg heraus. Der Slip folgte, weil er es sagte und weil ich die Luft an der Haut wollte. Ich stand nackt vor ihm, die Füße etwas auseinander, die Hände zunächst an den Seiten, dann, auf seinen Blick hin, hinter dem Rücken verschränkt. Die Pose war nicht Unterwerfung im alten Sinn. Sie war die vereinbarte Geste: heute hielt ich die Instrumente nicht.

Er zog das Hemd aus, dann die Hose, dann alles. Sein Körper war breit in den Schultern, weich am Bauch, fest in den Schenkeln, die Brust mit grauem Haar durchzogen. Sein Glied war schon halb erhoben, dunkel, schwer. Ich sah hin und spürte, wie die Wärme zwischen meinen Beinen antwortete, ohne dass er mich berührt hatte. Er trat hinter mich. Seine Hände legten sich auf meine Oberarme, nur das Gewicht, kein Zug. Sein Atem streifte meinen Nacken. Er roch nach Seife und nach dem langen Tag, ein wenig nach dem Desinfektionsmittel, das uns beiden in der Haut saß, egal wie oft wir wuschen.

„Du gibst heute die Führung ab“, sagte er an meinem Ohr. „Nicht weil du sie nicht kannst. Weil du sie mir für diese Stunde leihst.“

„Ich leihe sie“, sagte ich. „Ich nehme sie zurück, wenn wir es beide sagen.“

Er küsste die Stelle unter dem Ohr, dann die Schulter, dann die Linie des Schulterblatts. Seine Lippen waren trocken zuerst, dann feucht, und die Zunge zog einen kurzen Strich, der mich erschauern ließ. Ich blieb stehen. Das Stehen war Teil der ersten Phase. Er hatte es so genannt, nicht als Befehl aus einem Spiel, sondern als Rahmen: erst die aufrechte Frau, dann das Lager, dann der Tausch. Seine Hände glitten an meinen Seiten hinab, über die Taille, über die Rundung der Hüften, und blieben auf dem oberen Ansatz der Schenkel liegen. Die Daumen strichen nach innen, langsam, ohne die Scham zu erreichen. Ich atmete aus. Meine Brustwarzen zogen sich zusammen in der kühlen Luft des Raums, dann unter der Wärme seiner Nähe.

Er drehte mich zu sich. Wir standen Brust an Brust, sein Glied gegen meinen Bauch, meine Brüste gegen seinen Brustkorb. Er küsste mich, endlich, offen, mit Zunge, und ich erwiderte es mit dem Hunger, den ich den ganzen Nachmittag hinter der Maske gehalten hatte. Seine Hand lag in meinem Nacken, nicht hart, nur bestimmt. Die andere fand meine Brust, wog sie, strich mit dem Daumen über die Warze, bis sie fest und empfindlich wurde. Ich stöhnte in seinen Mund. Das Geräusch überraschte mich nicht. Es gehörte hierher.

„Auf den Tisch“, sagte er. „Rücken. Knie angezogen, dann lass sie fallen, wenn ich es sage.“

Der Besprechungstisch war lang, die Platte glatt, ein gefaltetes Laken lag bereits darauf, das er mitgebracht hatte. Ich setzte mich, rutschte zurück, legte mich hin. Die Deckenlampe war gedimmt. Markus stand zwischen meinen Knien, die Hände auf meinen Schienbeinen, und sah mich an, von den Augen bis zum Schoß, ohne Eile. Ich hielt den Blick. In diesem Blick lag die ganze Absprache: ich war nicht Patientin, er war nicht Arzt in diesem Augenblick, wir benutzten nur die Ruhe unserer Berufe, nicht ihre Mittel.

„Elfenbein, wenn es zu viel wird“, sagte er noch einmal.

„Ich weiß“, sagte ich. „Es ist nicht zu viel. Es ist genau das.“

Er senkte den Kopf und küsste die Innenseite eines Knies, dann höher, die weiche Haut des Oberschenkels, wo die Nerven dicht liegen und jede Berührung lauter wird. Ich spreizte die Beine weiter, weil mein Körper es verlangte und weil er mit den Händen sanft nachhalf. Sein Atem traf meine Scham, heiß, und ich spürte, wie ich offen wurde, feucht, bereit. Er leckte zuerst die äußeren Lippen, langsam, von unten nach oben, dann die inneren, mit mehr Druck, und fand die Klitoris mit der Zunge, nicht sofort hart, sondern kreisend, als taste er die richtige Stelle ab. Ich griff in das Laken. Ein Laut kam aus meiner Kehle, tief, nicht hübsch.

Er arbeitete mit Geduld. Zwei Finger glitten in mich, gekrümmt, suchten die vordere Wand, und als sie die Stelle fanden, die mich zum Zucken brachte, hielt er den Rhythmus. Zunge und Finger zusammen, gleichmäßig, nicht schneller, nur genauer. Ich hob die Hüften. Er legte den freien Arm über meinen Unterbauch und hielt mich, nicht um mich zu zwingen, sondern um mir einen Widerstand zu geben, gegen den ich pressen konnte. Das gefiel mir. Ich sagte es. Er brummte gegen meine Haut und blieb bei dem, was wirkte.

Die Spannung stieg in Wellen. Ich kannte meinen Körper. Ich wusste, wann ich kurz vor dem Kommen war und wann ich noch Raum hatte. Markus kannte mich nicht so, nicht auf diese Weise, und doch las er mich, wie er im Saal eine Kurve las: an der Atmung, an dem Zittern der Schenkel, an dem festeren Griff meiner Hand in seinem Haar, als ich sie schließlich dorthin legte. Er wurde nicht wild. Er blieb bei der Frequenz, die mich trug. Ich kam mit offenem Mund, die Augen zu, die Fersen gegen die Tischkante gedrückt, ein langer Zug durch den Unterleib, dann Nachzucken, während er die Zunge leichter machte und die Finger still hielt, bis ich seine Hand an meinem Handgelenk spürte und nickte.

Er richtete sich auf. Sein Mund glänzte. Ich zog ihn zu mir und küsste ihn, schmeckte mich, schmeckte ihn, und lachte einmal kurz, weil die Absurdität des Raumes und die Ernsthaftigkeit unseres Tuns nebeneinanderstanden und beides stimmte. Er lachte mit, leise, und strich mir das Haar aus der Stirn.

„Noch nicht der Tausch“, sagte er. „Erst ich in dir. Wenn du es willst.“

„Ich will es“, sagte ich. „Komm her.“

Er zog mich an den Rand des Tisches, so dass mein Becken über die Kante ragte, und stellte sich zwischen meine Beine. Sein Glied war voll, die Spitze feucht. Er führte sich mit der Hand, rieb einmal über meine Öffnung, fragte mit den Augen. Ich nickte. Er drang ein, langsam, Zentimeter um Zentimeter, und die Dehnung war gut, voll, genau an der Grenze zwischen viel und genug. Ich atmete durch den Mund. Er wartete, bis ich die Hüften an ihn drückte, dann begann er zu stoßen, tief, nicht hastig, die Hände an meinen Hüftknochen. Jeder Stoß schob ein leises Geräusch aus mir. Der Tisch knarrte. Irgendwo im Flur tickte eine Uhr, die wir beide ignorierten.

Er beugte sich über mich, küsste meine Brüste, nahm eine Warze zwischen die Lippen, saugte, während er in mir blieb. Die doppelte Empfindung zog eine neue Welle auf. Ich schlang die Beine um seine Taille und gab ihm den Winkel, den ich brauchte. Er verstand. Seine Stöße wurden kürzer, gezielter, die Schambeinleiste rieb bei jedem Mal über meine Klitoris. Ich hielt seinen Nacken. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte, dass er nicht aufhören solle. Er hörte nicht auf.

Das zweite Kommen war schärfer als das erste, kürzer, ein Zusammenziehen um ihn herum, das ihn stocken ließ. Er fluchte leise, freundlich, und hielt still, bis die Wellen nachließen. Dann zog er sich zurück, noch hart, und half mir, mich aufzusetzen. Meine Beine zitterten. Er reichte mir Wasser aus der Flasche, die er neben den Stuhl gestellt hatte. Ich trank. Er trank danach aus derselben Flasche, und diese kleine Gemeinsamkeit rührte mich mehr, als ich erwartet hatte.

„Jetzt der Tausch“, sagte ich, als die Stimme wieder fest war. „Wie verabredet. Ich führe. Du folgst. Dasselbe Wort gilt.“

Er nickte. In seinem Blick lag Erleichterung und Erregung zugleich, als hätte er auf diesen Teil gewartet, ohne ihn zu erzwingen. Das war der Kern unserer Absprache gewesen: nicht, dass eine Seite dauerhaft die andere führte, sondern dass wir beide wussten, wie es sich anfühlte, die Hand abzugeben und sie wiederzunehmen. Im Saal führte ich Schnitte und Zeiten. Er führte Atem und Tiefe. Hier, ohne Patienten, ohne Verantwortung für einen dritten Körper, durften wir die Gewichte verschieben und danach wieder richtig stellen.

„Setz dich auf den Stuhl“, sagte ich. „Hände auf die Lehnen. Du bewegst sie nicht, bis ich es sage.“

Er setzte sich. Der Stuhl war breit, mit Armlehnen, der gleiche, auf dem tagsüber Angehörige saßen und Fragen stellten. Heute saß ein nackter Mann darauf, das Glied aufrecht, die Brust hebt sich. Ich stellte mich zwischen seine Knie und legte die Hände auf seine Schultern. Die Haut war warm. Ich küsste ihn, diesmal ich diejenige, die den Winkel bestimmte, die Zunge, die Dauer. Er folgte. Seine Hände zuckten einmal auf den Lehnen und blieben liegen.

Ich kniete mich auf das Laken, das ich vom Tisch gezogen und vor den Stuhl gelegt hatte. Der Teppich darunter war hart genug an den Knien, dass ich ein zweites gefaltetes Tuch darunter schob. Komfort war kein Widerspruch zur Führung. Ich nahm sein Glied in die Hand, strich von der Wurzel zur Spitze, beobachtete, wie sich seine Bauchmuskeln spannten. Dann nahm ich ihn in den Mund, erst die Eichel, mit der Zunge unter dem Rand, dann tiefer, in einem Rhythmus, den ich setzte und den er nicht beschleunigen durfte. Er stöhnte. Seine Finger krallten sich in die Lehnen. Ich sah zu ihm auf, ohne den Mund zu lösen, und das Bild, das ich in seinen Augen fand, war Hunger unter Gehorsam, frei gewählt.

Ich wechselte zwischen Mund und Hand, speichelte ihn, drehte die Faust, nahm die Hoden in die andere Hand und hielt sie leicht, nicht quetschend. Er sagte, er sei nah. Ich hörte auf, die Hand fest um die Wurzel, und wartete, bis sein Atem flacher wurde und die Dringlichkeit nachließ. Dann begann ich wieder. Zweimal brachte ich ihn an den Rand und holte ihn zurück. Beim dritten Mal fragte ich, ob er in meinem Mund kommen wolle oder in mir. Er brauchte einen Moment.

„In dir“, sagte er. „Wenn du oben bist.“

„Dann steh auf“, sagte ich. „Leg dich auf den Tisch. Rücken. Hände über dem Kopf, bis ich sie freigebe.“

Er gehorchte. Ich stieg über ihn, ein Knie links, ein Knie rechts, und senkte mich auf sein Glied, selbst geführt, selbst im Tempo. Die Füllung war anders von oben, tiefer in einem anderen Winkel, und ich blieb einen Augenblick still, die Hände auf seiner Brust, um mich zu sammeln. Dann ritt ich ihn, langsam zuerst, die Hüften kreisend, dann gerader, mit dem Gewicht, das ich selbst wählte. Seine Hände blieben über dem Kopf, die Unterarme verspannt, der Blick auf meinem Gesicht, dann auf meinen Brüsten, die mit jeder Bewegung schwangen. Ich nahm eine seiner Hände, führte sie an meine Brust und sagte, jetzt dürfe er anfassen, nur dort, bis ich mehr freigab. Er gehorchte auch darin. Der Daumen über der Warze, der Rest der Hand stützend, während ich das Tempo hielt.

Ich beugte mich vor und küsste ihn, ohne den Rhythmus zu verlieren. Mein Haar fiel um unser Gesichter. Er roch nach uns. Ich richtete mich wieder auf, griff nach hinten, stützte mich auf seinen Oberschenkeln ab und ritt härter. Die Klitoris rieb bei jedem Herabkommen an ihm. Ein drittes Kommen baute sich auf, diesmal aus meiner eigenen Bewegung, und ich nahm es, ohne um Erlaubnis zu fragen, weil die Führung bei mir lag und mein Körper sie nutzte. Ich kam mit einem gepressten Laut, die Innenmuskeln zogen sich um ihn, und ich hörte nicht auf, auch als die Empfindlichkeit stieg, sondern wurde nur langsamer, bis sie tragbar blieb.

„Jetzt darfst du die Hüften bewegen“, sagte ich. „Nicht die Hände über meinen Kopf. Stoß mit mir.“

Er tat es. Wir fanden einen gemeinsamen Takt, ich oben, er von unten, und die Geräusche im Raum wurden deutlicher: Haut, Atem, das leise Rutschen des Lakens. Ich spürte, wie er dicker wurde, wie sein Rhythmus unregelmäßiger. Ich sagte ihm, er solle kommen. Er fragte, ob in mir. Ich sagte ja, wir hatten das vorher besprochen, ich trug die Spirale seit Jahren, wir waren beide getestet, die Zahlen lagen in unseren Köpfen wie Laborwerte, nüchtern und ausreichend. Er kam mit einem tiefen Stoß und einem Laut, den ich nie im Saal von ihm gehört hatte, die Hände endlich an meinen Hüften, weil ich sie dorthin gelegt hatte. Die Wärme breitete sich in mir aus. Ich blieb auf ihm, bis das Zucken nachließ, und küsste seine Schläfe, salzig, müde, zufrieden.

Wir lagen eine Weile so, ich auf seiner Brust, sein Glied noch in mir, weicher werdend, unsere Atemzüge langsam im Gleichtakt. Der Raum roch nach Sex und nach dem schwachen Rest von Reinigungsmittel an den Wänden. Draußen war die Klinik dunkel bis auf die Notbeleuchtung im Flur. Niemand würde klopfen. Wir hatten den Abend im Kalender als Besprechung blockiert, und das war nicht einmal gelogen: wir hatten besprochen, mit Körpern, was wir mit Worten begonnen hatten.

Ich glitt von ihm herunter und legte mich neben ihn auf das schmale Stück Tisch, das blieb, dann lachten wir beide, weil es unbequem war, und standen auf. Er holte ein Handtuch aus seiner Tasche, warm vom Heizkörper, an den er es gelegt hatte, und reichte es mir zuerst. Ich wischte mich ab, ohne Scham, und reichte es zurück. Wir zogen uns nicht sofort an. Wir setzten uns auf den Teppich, Rücken an die Wand, Schulter an Schulter, nackt, die Beine ausgestreckt, und tranken den Rest Wasser.

„War der Tausch klar genug“, fragte er.

„Klar“, sagte ich. „Du hast geführt, ohne mich kleiner zu machen. Ich habe geführt, ohne dich zu bestrafen. Das war die Absprache.“

Er nickte. Seine Hand lag auf meinem Knie, leicht, nicht fordernd. Ich legte meine darüber. In der Stille hörte ich das Summen der Lüftung und das Pochen in meinen eigenen Ohren, das langsam nachließ. Meine Schenkel waren empfindlich. Meine Lippen brannten ein wenig vom Küssen. Ich fühlte mich benutzt im guten Sinn des Wortes, gebraucht und gebrauchend, und zugleich unversehrt in dem, was morgen wieder gelten würde: im Saal würde ich führen, er würde den Atem halten, und keiner von uns würde mit einem Blick verraten, was dieser Tisch gehört hatte.

„Noch einmal die Hände tauschen, nur kurz“, sagte ich. „Nicht für einen Höhepunkt. Nur damit der Bogen schließt.“

Er verstand. Wir stellten uns voreinander. Er legte die Handflächen an meine, Finger in Finger, und drückte einmal, fest, dann ließ er los und senkte die Arme. Ich legte meine Hände an seine Wangen, küsste ihn ohne Zunge, lang, und senkte dann auch meine Arme. Gleichstand. Keine Rolle mehr für diesen Abend. Nur zwei Menschen über vierzig, die einander kannten und einander neu gesehen hatten.

Wir zogen uns an, ohne Hast. Ich knöpfte die Bluse, er das Hemd, wir halfen einander mit einem verrutschten Kragen, einem Haargummi, das ich nicht fand und das er vom Teppich hob. Das Laken falteten wir zusammen und steckten es in seine Tasche, das Handtuch dazu. Ich wischte den Tisch mit einem Tuch aus dem Spender ab, gründlich, wie wir Flächen immer abwischten, und der Geruch von Alkohol kehrte in den Raum zurück, vertraut, fast tröstlich. Markus öffnete die Jalousien einen Spalt und schloss sie wieder. Draußen lag der Parkplatz leer bis auf unsere zwei Wagen.

An der Tür blieb er stehen. „Morgen früh die Gallenblase um halb acht“, sagte er. „Ich bin der Plan.“

„Ich auch“, sagte ich. „Und Elfenbein bleibt unseres, falls wir das wieder wollen.“

„Falls“, sagte er, und diesmal lächelte er. „Ich will.“

„Ich auch.“

Wir gingen getrennt zum Ausgang, er zuerst, ich zwei Minuten später, wie wir es uns gesagt hatten, nicht aus Scham, sondern weil die Nachtschwester am Empfang keine Geschichte brauchte, die nicht ihre war. Die Luft draußen war kühl. Mein Körper trug die Stunde noch in den Hüften, in den Brüsten, in dem leisen Ziehen, das kein Schmerz war. Ich setzte mich ins Auto, legte die Hände auf das Lenkrad und atmete einmal tief. Die Führung des Tages würde morgen wieder bei mir liegen, scharf, notwendig, ohne Zögern. Heute Nacht hatte ich sie geliehen und zurückbekommen, und beides hatte sich richtig angefühlt, weil wir es vorher gesagt hatten und währenddessen gehalten hatten und hinterher noch einmal mit den Händen besiegelt hatten. Ich startete den Motor. Die Scheinwerfer schnitten über den leeren Asphalt, und ich fuhr nach Hause, wach, zufrieden, mit dem Geschmack von ihm noch auf der Zunge und dem Wissen, dass die Absprache hielt.

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