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Die Affäre, die wir beenden wollten

Fremdgehen · 21 Minuten lesen · 28 Minuten hören

Gelesen von Ekaterina

Teil 2 der Serie Verbotene Nächte (7)

Ich hatte den Mantel angelassen, als Markus die Tür öffnete, und ich hielt den Gürtel fest, als könnte ein Knoten entscheiden, wie der Abend endete. Das Zimmer war dasselbe wie vor drei Wochen, klein, zu warm, mit einem Fenster zum Hof, in dem eine Laterne flackerte. Er trat zur Seite und berührte mich nicht. Wir hatten uns das so ausgemacht, nüchtern, fast höflich, als wären Höflichkeit und Verzicht dasselbe. Ich stellte die Tasche ab und blieb stehen, weil Sitzen schon nach Bleiben ausgesehen hätte.

Ich war nicht aus Versehen hierhergefahren. Die Straße am Kanal kannte ich zu gut, jede Ampel, jede Stelle, an der man zu früh abbog und in einer Sackgasse landete, und ich hatte sie trotzdem genommen, langsam, mit beiden Händen am Lenkrad, als könnte Vorsicht die Entscheidung ungeschehen machen. Zu Hause hatte ich gesagt, ich sei noch eine Stunde unterwegs, und der Satz war mir leicht über die Lippen gegangen, leichter, als es recht war, und genau das hatte mich im Auto wütend auf mich selbst gemacht. Ich wollte das Verbot. Ich wollte es, seit wir es ausgesprochen hatten, weil es das einzige war, das mein übriges Leben noch zusammenhielt. Trotzdem bog ich in den Hof ein, parkte unter der Laterne und stieg aus, den Mantel zugezogen, den Schlüssel fest in der Faust, bis das Metall warm wurde.

„Du bist gekommen“, sagte er, und es klang nicht wie ein Vorwurf. „Wir wollten reden“, sagte ich, „einmal, und dann nicht mehr.“ Er nickte, und sein Hemd war am Kragen offen, die Ärmel hinuntergerollt; ich kannte diese Nachlässigkeit von den Abenden, an denen wir keine Zeit verloren hatten, doch heute verlor er Zeit mit Absicht. Er goss Wasser in zwei Gläser, obwohl keiner von uns durstig wirkte, und stellte meins auf den Tisch, weit genug weg, dass ich einen Schritt tun musste, wenn ich es wollte. Ich tat den Schritt nicht.

Wir hatten die Affäre beendet, weil wir sie beenden wollten, nicht weil uns der Mut ausgegangen war. Ich hatte zu Hause einen Mann, der mir vertraute, und ich wollte dieses Vertrauen nicht weiter aushöhlen, auch wenn ich es schon beschädigt hatte. Markus wollte nicht der Mensch sein, der immer auf eine Nachricht wartete, die ich nur schrieb, wenn ich allein im Bad stand. Wir hatten uns an diesen Tisch gesetzt und das Verbot ausgesprochen, klar, ohne Drama. Kein letztes Mal, das sich als erstes Mal einer neuen Runde tarnte, und keine Ausnahme, die wir uns hinterher schönreden konnten.

Und doch stand ich hier. Er hatte mir drei Wochen später eine einzige Zeile geschrieben: Reden, dann Schluss, endgültig. Ich hätte nicht antworten müssen. Ich antwortete, weil das Verbot, das wir beide wollten, in mir nicht ruhig blieb, sondern pochte, und weil ich glaubte, ein Gespräch könne es endlich dicht machen. Ich sagte mir, ich würde den Mantel anbehalten und vor der Tür stehen bleiben, wenn es eng wurde. Beides stimmte noch, als ich das Glas ansah und nicht trank.

„Wie geht es dir“, fragte er, und ich sagte, ich schlafe schlecht, und er sagte, er auch. Das war keine Einladung, nur eine Tatsache, und trotzdem legte sie sich zwischen uns wie ein Stoff, den man kennt. Ich erzählte ihm nicht von den Nächten, in denen ich wach lag und die Decke zu schwer fand. Er erzählte mir nicht, ob er meinen Namen noch aussprach, wenn er allein war. Wir waren erwachsen genug, das nicht zu tun, und unerwachsen genug, hier zu sein. Draußen fuhr ein Wagen durch eine Pfütze, und das Geräusch zog vorbei und ließ die Stille größer zurück.

Er setzte sich auf den Stuhl am Fenster. Ich blieb am Tisch, die Hand auf der Stuhllehne, und sah ihn an, ohne die Stelle an seinem Hals zu suchen, die ich früher mit dem Mund gefunden hatte. Er war einundvierzig, die Linien um den Mund tiefer als im Sommer, und er sah müde aus auf eine Art, die nichts mit der Arbeit zu tun hatte. Ich war vierunddreißig und hatte mir an diesem Morgen die Haare hochgesteckt, als ginge ich zu einem Gespräch, das man mit Akten führt. Eine Strähne hatte sich gelöst, und ich schob sie nicht zurück.

„Ich will das wirklich“, sagte ich, „das Ende, nicht nur sagen“, und er antwortete, er auch, während er sich mit dem Daumen über die Knöchel rieb, eine Gewohnheit, wenn er etwas nicht kleinreden wollte. „Deshalb bin ich nicht zu dir gekommen“, sagte er, „deshalb dieses Zimmer, eine Stunde, dann gehst du, und ich lösche die Nummer.“ Ich fragte, ob er sie noch habe, und er sagte ja, und dass ich sie auch noch hatte. Wir lächelten nicht, denn es war zu genau, um komisch zu sein.

Ich erzählte ihm, was ich mir vorgenommen hatte: keine Nachrichten nach Mitternacht, kein Weg an seiner Straße vorbei, kein Duft an den Tagen, die früher ihm gehört hatten. Er hörte zu, die Hände flach auf den Knien, und nickte, als würden wir eine Liste abarbeiten, die uns beide schützte. Dann nannte er seine eigenen Punkte, ebenso nüchtern, ebenso ernst, und ich nickte auch. Kein Hotel mehr auf dem Nachhauseweg, keine Ausrede, die mit einem Termin endete, den es nicht gab, kein Warten am Telefon, bis es dunkel wurde.

„Und wenn einer von uns schwach wird“, sagte er, „dann antwortet der andere nicht, auch wenn es wehtut.“ „Gerade dann“, sagte ich. Wir sahen uns an, und in diesem Blick lag das ganze Verbot, das wir wollten: nicht die Lust, sondern die Grenze, die der Lust ihre Form nahm und sie gleichzeitig aus dem Alltag verbannte. Ich spürte, wie sich etwas in meiner Brust setzte, schwer und richtig. Das war der Grund, aus dem ich gekommen war, und für die Länge eines Atemzugs glaubte ich, der Grund werde reichen.

Dann stand er auf, nicht hastig, und ging zum Tisch, um mein Glas näher zu schieben, eine kleine Geste, die nichts bedeuten sollte. Seine Hand blieb neben meiner auf der Tischkante liegen, nicht darauf, nur daneben. Ich sah die Ader an seinem Handgelenk und erinnerte mich, wie sie unter meiner Zunge gepocht hatte, an einem Nachmittag im Juli, als draußen ein Gewitter stand und wir das Fenster nicht schließen konnten, weil die Luft sonst zu dick geworden wäre. Ich zog die Hand nicht weg. Ich legte sie auch nicht auf seine.

„Erzähl mir nicht, dass du mich vermisst hast“, sagte ich, und er sagte, er erzähle es nicht. „Gut“, sagte ich, und er meinte, ich sähe aus, als hätte ich nicht gegessen, und ich sagte, ich habe gegessen. Er glaubte mir nicht, und ich glaubte ihm nicht, dass es ihm nur um das Reden ging, und trotzdem war beides nicht gelogen. Wir wollten das Verbot so sehr, dass wir in ein Zimmer gegangen waren, um es uns gegenseitig zu zeigen, als könnte man einen Beschluss anfassen und dadurch haltbarer machen.

Ich sprach von meinem Mann, ohne seinen Namen zu nennen, weil Namen hier nichts zu suchen hatten. Ich sagte, er sei freundlich gewesen in den letzten Wochen, aufmerksam auf eine Art, die mich beschämte, weil ich sie nicht verdient hatte und doch behalten wollte. Markus hörte zu und unterbrach nicht. Er kannte die Regeln dieses Gesprächs: kein Herabsetzen, kein Vergleich, kein Satz, der mich leichter zu ihm ziehen sollte. Als ich fertig war, sagte er nur, er verstehe, warum ich das Ende wolle, und seine ruhige Stimme machte es schwerer, nicht näher zu treten.

„Und du“, fragte ich, „gibt es jemanden, dem du das schuldig bist?“ Er sagte, nicht so wie ich, aber er sei es sich schuldig, nicht weiter zu lügen, auch nicht durch Schweigen, das er arrangiere, und er sah dabei auf seine Hände. „Ich will nicht der Mann sein, der eine Frau in einem Hotelzimmer behält, während ihr Leben woanders weitergeht und seins auch.“ „Du behältst mich nicht“, sagte ich, und er nickte langsam. „Heute nicht“, sagte er. „Das war der Plan.“

Wir schwiegen eine Weile. Ich trank endlich, das Wasser war lau, und der Geschmack von nichts erinnerte mich daran, wie oft wir danach im Bett gelegen und aus derselben Flasche getrunken hatten, lachend, atemlos, die Haut noch warm. Ich stellte das Glas ab. Markus stand noch immer nah, und ich roch an ihm Seife und den kalten Geruch der Straße, den der Mantel abgegeben hatte. Mein Körper kannte diese Nähe besser als mein Vorsatz.

„Ich sollte gehen“, sagte ich, und er sagte ja. Keiner von uns bewegte sich zur Tür. Das war der Moment, in dem das Verbot aufhörte, ein Satz zu sein, und ein Raum wurde, in dem wir standen. Ich spürte mein Herz hoch im Hals. Er atmete durch den Mund, einmal, als müsste er sich sammeln, und sagte dann sehr klar, wenn ich ginge, halte er mich nicht, und wenn ich bliebe, sei es kein Versehen. Er wolle das Ende immer noch, und er wolle mich in dieser Stunde, wenn ich es auch wolle, und beides sei wahr, und ich entscheide.

Ich hätte den Mantel schließen und gehen können. Der Flur war hell, die Treppe kurz, das Auto zwei Minuten entfernt. Nichts hielt mich außer dem, was ich selbst wollte, und das war nicht wenig, aber es war meins. Ich sah ihn an und suchte nach einem Druck, den es nicht gab. Seine Hände hingen offen an den Seiten. Er wartete, und das Warten war die anständigste Sache, die er an diesem Abend tat.

„Ich will das Verbot immer noch“, sagte ich, „morgen, übermorgen, keine Nachrichten, kein nächstes Mal“, und er sagte ja. „Und ich will jetzt nicht gehen.“ Er schloss kurz die Augen, nicht triumphierend, eher als würde er etwas Schweres annehmen, und bat mich, es noch einmal zu sagen, damit wir es beide hörten. „Ich will bleiben“, sagte ich. „Ich will dich, und danach halten wir uns an das, was wir beschlossen haben.“ „Ich auch“, sagte er. „Komm her, oder ich komme zu dir, wie du willst.“

Ich ging zu ihm. Der erste Schritt fühlte sich größer an als der Weg durch die Stadt. Als ich vor ihm stand, hob er die Hände nicht, bis ich seine Handgelenke nahm und sie an meine Taille legte. Der Mantel war noch zu, seine Finger lagen auf dem Wollstoff, vorsichtig, und er fragte leise, ob er dürfe. Ich nickte, und weil ein Nicken ihm nicht genug schien, sagte ich ja, den Mantel, und dann mich. Er öffnete den Gürtel langsam, als würde Eile das, was wir uns erlaubten, kleiner machen.

Der Mantel fiel über den Stuhl. Darunter trug ich ein Kleid, dunkel, schlicht, nichts, was ich für ihn ausgesucht hatte, und gerade das machte mich bloß, weil es mein gewöhnliches Leben war, das ich in dieses Zimmer getragen hatte. Er strich mit den Knöcheln über meinen Arm, von der Schulter zum Ellbogen, und die Berührung war so leicht, dass ich sie fast für Einbildung hielt, bis die Haut darunter warm wurde. Ich legte die Stirn an seine, und wir atmeten dieselbe Luft. „Noch kannst du aufhören“, sagte er, und ich sagte, er auch, und keiner von uns hörte auf.

Der Kuss kam erst, als ich ihn suchte. Ich hob das Gesicht, und er wartete den letzten Zentimeter, bis meine Lippen seine fanden. Es war kein vorsichtiger Kuss, denn drei Wochen lagen darin, und der Entschluss, und das Wissen, dass wir danach wieder aufhören würden. Sein Mund war warm, er schmeckte nach Wasser und nach ihm, und ich öffnete mich, ohne zu überlegen, weil mein Körper die Überlegung schon hinter sich hatte. Seine Hand lag in meinem Nacken, nicht fest, nur da, und ich spürte, wie ich weich wurde, an den Knien, im Bauch, zwischen den Beinen, eine Wärme, die sich sammelte, ohne dass ich sie rief.

Wir küssten uns lange, stehend, als wäre das Bett eine Grenze, die wir noch nicht überschreiten wollten, obwohl wir sie schon überschritten hatten, indem wir geblieben waren. Ich zog ihm das Hemd aus der Hose und legte die Handflächen auf seinen Rücken, auf die warme Haut über den Schulterblättern, und er atmete in meinen Mund, ein Laut, der kein Wort war. „Langsam“, sagte ich, nicht weil ich Angst hatte, sondern weil ich alles spüren wollte, solange diese Stunde uns gehörte. „Ja“, sagte er an meinen Lippen, „sag mir, wenn etwas nicht stimmt.“ „Das mache ich“, sagte ich, „und du auch.“

Er öffnete den Reißverschluss meines Kleides im Rücken, Zahn um Zahn, und die kühle Luft der Fensterritze legte sich auf die Haut, die frei wurde. Ich ließ das Kleid von den Schultern fallen und stieg heraus, die Schuhe noch an, was albern gewesen wäre, wenn wir gelacht hätten, und wir lachten nicht. Er ging in die Knie, ohne Pathos, und löste die Riemen, einen nach dem anderen, seine Finger an meinen Knöcheln, der Mund nah an meinem Schienbein, aber noch nicht dort. Ich hielt mich an seiner Schulter fest. Der Teppich war rau unter meinen Sohlen, als ich barfuß stand.

Ich trug schlichte Wäsche, grau, und er sah mich an, als wäre das keine Enttäuschung, sondern eine Tatsache, die er mochte, weil sie ich war und nicht eine Vorstellung. „Du bist schön“, sagte er, und es klang nicht eingeübt. Ich glaubte ihm, nicht weil ich es nötig hatte, sondern weil sein Blick nicht hastete. Er küsste meine Hüfte über dem Stoff, dann den Bauch, dann die Stelle unter dem Nabel, und jedes Mal fragte sein Tempo, ob ich blieb. Ich blieb, die Hand in seinem Haar, nicht drückend, nur haltend, und mein Atem wurde kürzer.

„Willst du, dass ich dich ausziehe“, fragte er, und ich sagte ja. Er schob den Stoff über meine Hüften, langsam, und ich hob ein Bein, dann das andere. Die Luft im Zimmer war warm, und trotzdem zog sich meine Haut zusammen, als sie frei war. Er küsste die Innenseite meines Oberschenkels, einmal, und wartete, bis ich weiter sagte. Er lächelte nicht siegessicher. Er tat nur, was ich gesagt hatte, und sein Mund fand mich, wo die Lust mich schon verraten hatte, offen, empfindlich von dem langen Stehen und dem Kuss und dem Verbot, das wir nicht aufgehoben, nur für diese Stunde beiseitegelegt hatten.

Seine Zunge war geduldig. Er leckte mich nicht, um schnell irgendwohin zu kommen, sondern als würde er sich erinnern und gleichzeitig neu lernen, wie ich heute reagierte. Ich stand zuerst, die Knie weich, eine Hand in seinem Haar, die andere am Tisch, und jeder Strich seiner Zunge zog eine helle Linie durch meinen Unterleib. Als meine Beine nachgaben, führte er mich zum Bett, ohne den Mund lange von mir zu lassen, und ich legte mich hin, die Decke kühl im Rücken, er zwischen meinen Schenkeln. Seine Hände lagen an meinen Hüften, fest genug, dass ich mich nicht verlor, locker genug, dass ich mich bewegen konnte.

„So“, sagte ich, als er einen Punkt fand, der mich zusammenzucken ließ, und er blieb dort, gleichmäßig, nicht härter, nur genauer. Ich hörte mich selbst, ein leises, offenes Atmen, das ich nicht mehr höflich hielt. Das Zimmer schrumpfte auf seinen Mund, auf die Wärme, auf das Geräusch, das leise und deutlich war. Ich bog den Rücken, nicht aus Pose, sondern weil die Lust sich staute und einen Weg suchte, und als ich seinen Namen sagte, brummte er an mir, eine Frage. Ich sagte, er solle nicht aufhören, noch nicht in mich, genau so, und er blieb bei mir, aufmerksam, nicht aus blindem Folgen.

Ich kam das erste Mal so, mit seinem Mund, die Ferse in die Matratze gedrückt, eine Hand über meinen eigenen Mund, nicht aus Scham, sondern weil der Laut zu groß war für den dünnen Flur. Die Lust lief in Wellen, hell, dann tiefer, und er wurde langsamer, als ich zuckte, blieb aber da, bis ich seine Haare sanft wegzog und genug sagte, nur kurz. Er küsste meinen Oberschenkel und legte die Wange darauf, atmete, wartete. Ich sah die Decke an, die einen Wasserfleck hatte, und lachte einmal, atemlos, nicht weil es komisch war, sondern weil mein Körper so eindeutig gewesen war.

„Komm her“, sagte ich. Er kam neben mich, und ich küsste ihn, schmeckte mich auf seinen Lippen, salzig und warm, und ich schämte mich nicht dafür. Ich öffnete seine Hose, die Hand auf dem Knopf, und fragte, und er sagte ja. Ich schob den Stoff beiseite und nahm ihn in die Hand, hart, heiß, die Haut glatt über der Spannung, und er atmete scharf durch die Nase. Ich strich langsam, den Daumen über die Spitze, an der schon ein Tropfen stand, und sah ihm ins Gesicht, weil ich wissen wollte, ob er noch hier war und nicht nur in der Lust. Er war hier, die Hand auf meiner Hüfte, der Daumen kreiste, ohne zu fordern.

Ich beugte mich hinunter und nahm ihn in den Mund, nicht tief zuerst, nur die Eichel, die Zunge darunter, und er fluchte leise, ein Wort ohne Ziel. „Du musst nicht“, sagte er, und die Stimme war rau, und ich sagte, ich wolle, und dann konnte ich nicht mehr reden. Ich saugte ihn langsam, die Hand an der Wurzel, der Rhythmus so, wie ich ihn von früher kannte und heute neu wählte. Sein Bauch spannte sich. Er hielt mein Haar nicht fest, er strich es nur zurück, damit es mir nicht im Gesicht hing, und diese kleine Sorgfalt machte mich noch ungeduldiger, als sein Mund es getan hatte.

„Wenn du so weitermachst, bin ich zu schnell“, sagte er, und ich antwortete, dann sage ich ihm, wann ich ihn in mir wolle, und er sagte nur, ich solle es sagen. Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die Hüfte, die weiche Stelle daneben, und richtete mich auf. „Jetzt“, sagte ich. „Ich will dich in mir. Hast du etwas dabei?“ Er nickte zum Nachttisch, ein Kondom, das er hingelegt hatte, nicht als Erwartung, sondern als Möglichkeit, und ich war froh, dass er mitgedacht hatte, ohne es zur Voraussetzung zu machen. Ich öffnete die Packung, er lag auf dem Rücken, weil ich ihn so haben wollte, und ich rollte es über ihn, langsam, die Hand fest, während er die Zähne aufeinanderbiss und trotzdem stillhielt.

Ich setzte mich auf ihn, die Knie neben seinen Hüften, und führte ihn an mich, hielt inne, als die Spitze mich öffnete. „Langsam“, sagte ich noch einmal, diesmal für mich. Er lag mit den Händen auf meinen Oberschenkeln und drängte nicht nach oben. Ich sank in meinem Tempo, Zentimeter um Zentimeter, und die Dehnung war voll, vertraut und neu, ein Ziehen, das in Lust umschlug, sobald ich ihn ganz in mir hatte. Wir stöhnten beide, leise, fast gleichzeitig. Ich blieb sitzen, ohne mich zu bewegen, nur um zu spüren, wie er in mir pochte, wie mein Körper sich um ihn schloss, hungrig und trotzdem nicht eilig.

„Gut“, fragte er, und ich sagte ja, sehr, und fragte zurück, und er sagte ja. Er sagte, ich solle mich bewegen, wenn ich wolle, oder er warte. Ich bewegte mich, erst ein Wiegen, das ihn kaum aus mir ließ, dann ein Heben und Senken, bei dem ich die Hände auf seine Brust stützte und den Winkel suchte, der mich innen traf. Als ich ihn fand, blieb ich dabei, kürzere Bewegungen, der Druck genau dort, und die Lust stieg nicht als Blitz, sondern als Wärme, die sich verdichtete. Sein Blick hing an meinem Gesicht und ging nicht an mir vorbei. Eine Hand wanderte zu meiner Brust, der Daumen über die Brustwarze, leicht, und ich sagte fester, und er wurde fester, genau so viel, wie ich meinte.

Das Bett knarrte in einem Takt, der mich kurz aus der Lust riss und dann wieder hineinwarf, weil das Geräusch zu uns gehörte, zu diesem Zimmer, zu den Malen davor und zu diesem letzten. Ich beugte mich vor und küsste ihn, ungeschickt, weil ich mich weiter bewegte, Zähne an Lippen, Atem in Atem. „Ich will dich unter mir“, sagte er an meinem Mund, „darf ich?“, und ich sagte ja, nicht hart, tief. Wir wechselten, ohne uns ganz zu trennen, ein kurzes, unbeholfenes Rutschen, das uns lachen ließ, diesmal wirklich, ein kleines Lachen, das die Spannung nicht brach, sondern menschlich machte. Dann lag ich auf dem Rücken, er über mir, die Unterarme neben meinem Kopf, und er glitt wieder in mich, langsam, bis zum Anschlag.

Er bewegte sich so, wie ich es gesagt hatte: nicht hart, tief, jeder Stoß eine ganze Länge, die mich füllte und wieder fast verließ, damit das nächste Kommen spürbar blieb. Ich schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn bei einem Stoß näher, und er verstand, blieb tiefer, rieb sich an mir, wo ich empfindlich war, während er in mir war. Das war fast zu viel, und ich sagte seinen Namen, dann ja, so, genau so, und er hielt den Rhythmus, die Stirn an meiner. Schweiß stand an seiner Schläfe, und ich küsste ihn weg, salzig. Draußen tickte die Laterne im Wind gegen irgendetwas Metallenes, und drinnen war nur unser Atem und das leise, deutliche Geräusch unserer Körper.

„Ich bin nah“, sagte ich, und er sagte, er auch, und fragte, ob er langsamer werden solle. „Nein“, sagte ich. „Bleib. Ich will mit dir, wenn es geht, und wenn nicht, ist es auch gut. Hör nicht auf, bis ich es sage.“ Er blieb in dem Rhythmus, tief, gleichmäßig, und ich ließ die Kontrolle über mein Gesicht los. Die Lust zog sich zusammen, eng um ihn, und dann löste sie sich, eine zweite Welle, stärker als die erste, weil er in mir war und ich ihn spürte, während ich kam, die Nägel in seinen Schultern, nicht aus Theater, sondern weil ich Halt brauchte. Ich zog ihn an mich und sagte nichts Klares mehr, nur Laute, und er bewegte sich durch meinen Höhepunkt hindurch, vorsichtig genug, dass es nicht wehtat, tief genug, dass es nicht abriss.

Als ich unter ihm zitterte und komm sagte, erlaubte er sich das Tempo, das er zurückgehalten hatte, ein paar schnellere Stöße, immer noch nicht grob, und ich hielt ihn mit den Beinen, wollte ihn ganz, während er kam. Sein Körper spannte sich, ein Laut an meinem Hals, gedämpft, und ich spürte das Pochen in mir, auch durch den Schutz hindurch, das Nachgeben seiner Muskeln, das Gewicht, das er im letzten Moment mit den Armen abfing, damit er mich nicht erdrückte. Wir blieben so, ineinander, atmend, die Haut klebrig, das Zimmer plötzlich sehr laut in seiner Stille. Ich strich über seinen Rücken, langsam, von den Schultern zur Taille, und er küsste meine Schläfe, einmal, ohne Worte.

„Bleib noch einen Moment“, sagte ich, und er blieb, bis das Pochen nachließ und die Dehnung empfindlich wurde. Dann zog er sich behutsam aus mir, hielt das Kondom, verknotete es und warf es in den kleinen Eimer neben dem Tisch, eine praktische Geste, die mich rührte, weil sie fürsorglich war und nicht romantisch. Er holte ein Handtuch aus dem Bad, feucht und warm, und fragte, bevor er mich berührte. Ich nickte. Er wusch mich sanft, zwischen den Beinen, an den Oberschenkeln, ohne Kommentar, und ich lag da und ließ es zu, die Augen halb zu, der Körper noch weich und offen und allmählich kühler.

Wir zogen uns nicht sofort an. Er lag auf der Seite, ich auf dem Rücken, seine Hand auf meinem Bauch, nicht besitzergreifend, nur warm, und die Heizung knackte. Ich dachte an das Verbot und stellte fest, dass es nicht weg war. Der Sex hatte es nicht aufgelöst. Er hatte es nur für eine Stunde zur Seite geschoben, und jetzt lag es wieder da, gewollt, notwendig, schwer. „Ich bereue nicht, dass ich geblieben bin“, sagte ich, „und ich bereue auch nicht, dass wir aufhören.“ Markus schwieg einen Atemzug lang. „Ich auch nicht“, sagte er, die Stimme heiser. „Beides. Das macht es nicht leichter, aber es macht es ehrlich.“

Wir sprachen die Regeln noch einmal aus, nackt, was absurd hätte sein können und es nicht war. Keine Nachrichten, keine Ausnahme, wenn einer schlecht schlief, kein Nur-Reden in drei Wochen, und wenn wir uns in der Stadt sahen, ein Nicken, nichts weiter. Ich sagte es, er wiederholte es, und wir meinten es, auch mit seiner Hand noch auf meiner Haut. Dann stand ich auf und suchte meine Wäsche, das Kleid, die Schuhe. Er half mir mit dem Reißverschluss, die Finger kurz an meinem Rücken, und zog sie weg, sobald der Stoff geschlossen war. Der Mantel roch nach draußen und nach dem Zimmer, und ich band den Gürtel fest.

An der Tür blieben wir stehen, nicht um zu küssen, sondern um das Ende zu setzen, wo es hingehörte, an eine Schwelle. „Fahr vorsichtig“, sagte er, und ich sagte, er auch, wenn er gehe, und er werde zehn Minuten warten, und ich sagte gut. Ich berührte seine Wange, einmal, die letzte erlaubte Geste, die wir nicht ausgesprochen hatten und die wir uns trotzdem nahmen, beide wissend. „Ich will das Verbot“, sagte ich, und er sagte, er auch. Dann ging ich. Im Treppenhaus roch es nach feuchtem Stein, und im Auto saß ich einen Moment mit den Händen am Lenkrad und spürte ihn noch in mir, ein Nachhall, kein Versprechen. Ich schrieb nicht. Ich fuhr nach Hause, zu dem Leben, das ich behalten wollte, und ließ das Zimmer hinter mir, geschlossen, warm, verboten, genau so, wie wir es beide gewollt hatten.

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