Das Wasser ihrer Nächte
Nachbarin · 18 Minuten lesen · 24 Minuten hören
Gelesen von Ekaterina
Teil 1 der Serie Nebenan (4)
Die Nachbarin hatte im Juli das Wasser schon warm, bevor ich morgens den Kessel aufsetzte. Über die niedrige Hecke lag ihr Becken wie ein helles Rechteck in dem noch kühlen Licht, und Mara schwamm ihre Bahnen, als gehöre der Morgen nur ihr. Ich stand am Küchenfenster des Hauses, das ich im Juni bezogen hatte, und hielt die Hände um die Tasse, obwohl der Tee zu heiß war. Ihr dunkles Haar klebte im Nacken. Die Schultern kamen aus dem Wasser, verschwanden, kamen wieder. Ich trat einen Schritt zurück, weil ich nicht wie eine Frau aussehen wollte, die hinter Glas etwas stiehlt.
Ich war zweiunddreißig und seit drei Wochen allein in diesen Räumen, die noch nach Farbe und Karton rochen. Mara hatte am Tag des Einzugs mit einem Korb Tomaten an der Tür gestanden und gesagt, die Pflanzen trügen mehr, als eine Person essen könne. Sie war vierunddreißig, das erfuhr ich später, als wir über die alten Dächer sprachen und die Zahlen so nah beieinanderlagen, dass wir beide kurz den Kopf schüttelten. An jenem ersten Morgen kannte ich nur ihren Rücken und den ruhigen Schlag ihrer Arme. Das Chlor stieg schon in der frühen Wärme herüber, dünn und sauber, und mischte sich mit dem Geruch der Ligusterhecke.
Am zweiten Tag rollte ein Ball über den Rasen und blieb an meinem Bein liegen. Ich trug ihn zurück zum Zaun. Mara stand barfuß auf den warmen Platten, ein Handtuch um die Hüften, das Oberteil noch nass. Sie nahm den Ball, und unsere Finger berührten sich an dem glatten Gummi, nur einen Augenblick, lang genug, dass ich die Kühle ihrer Haut spürte. Sie dankte mir und fragte, ob ich schon geschlafen hätte in der Hitze. Ich sagte, die Nächte seien zu laut von den Zikaden und zu still von allem anderen. Sie lachte leise, nicht über mich, eher mit der Luft. Dann bot sie Wasser an. Ich lehnte ab, obwohl mein Mund trocken war, und ging mit einem Schritt, der zu gerade war.
Am Abend hörte ich sie wieder schwimmen. Das Licht über dem Becken war ein warmes Gelb, das die Hecke von unten anstrich. Ich saß auf meiner Terrasse und tat, als lese ich. Die Seiten blieben dieselben. Jedes Mal, wenn sie wendete, klatschte das Wasser gegen den Rand, ein kleines, geduldiges Geräusch. Gegen zehn wurde es still. Eine Tür fiel zu. Ich blieb sitzen, bis die Mücken mich ins Haus trieben, und lag danach lange wach, die Hand auf dem Bauch, ohne sie weiterwandern zu lassen. Ich wollte das Warten noch nicht beenden, weil das Warten selbst schon eine Form von Nähe war.
Am dritten Tag trafen wir uns am Gartentor, als sie die Mülltonne herauszog und ich dasselbe tat. Die Sonne stand schon hoch. Schweiß lief mir zwischen den Schulterblättern hinunter, und das Leinenkleid klebte. Mara trug ein schlichtes Hemd, die Ärmel aufgerollt, und einen Fleck von Erde am Unterarm. Sie fragte, ob ich am Samstag auf den Markt ginge. Ich sagte ja, obwohl ich es nicht vorgehabt hatte. Sie nickte, als sei das eine Verabredung und zugleich keine. Beim Weggehen sah ich, wie das Hemd an ihrer Taille eine Falte warf, und ich dachte daran länger, als es höflich gewesen wäre, wenn jemand in meinem Kopf mitgehört hätte.
Der Markt roch nach Pfirsichen und heißem Brot. Mara stand bei den Früchten und prüfte eine mit dem Daumen, vorsichtig, als wolle sie die Haut nicht verletzen. Sie reichte mir eine, ohne zu fragen, ob ich Hunger hätte. Der Saft lief ihr über das Handgelenk, als sie in ihre eigene biss. Ich sah den hellen Streifen auf ihrer Haut und dann weg, zu spät. Sie bemerkte es. Ihr Mund wurde weich an den Rändern, kein Spott, nur ein Wissen. Wir gingen ein Stück nebeneinander, die Tüten in den Händen, und sprachen über nichts, das blieb: die Preise, die Wespen, die Art, wie der Asphalt in der Mittagshitze schimmerte. An der Ecke trennten wir uns. Ich aß den Pfirsich erst zu Hause, über dem Spülbecken, und der Saft war so süß, dass ich die Augen schloss.
In der Nacht darauf gewitterte es. Der Himmel riss auf, der Regen schlug hart auf das Vordach, und für eine Minute fiel das Licht aus. Es kam wieder, flackerte, blieb. Jemand klopfte. Mara stand im Türrahmen, das Haar feucht vom kurzen Weg, das Hemd an der Schulter dunkel. Sie fragte, ob bei mir auch die Lampen gesprungen seien. Ich sagte ja und trat zur Seite, ohne zu überlegen. Sie kam nur bis in den Flur. Wir standen nah, weil der Raum schmal war, und ich roch Regen auf ihrer Haut und darunter etwas Warmes, das nur von ihr kam. Ein Tropfen lief von ihrem Schlüsselbein und verschwand im Stoff. Ich hob die Hand nicht. Sie auch nicht. Draußen donnerte es noch einmal, fern schon. Sie sagte, sie wolle nach dem Sicherungskasten sehen, und ging. An der Tür drehte sie sich um und sah mich an, als lege sie eine Frage auf die Schwelle, die ich erst morgen zu beantworten hätte.
Ich schlief schlecht. Die Hitze saß in den Laken. Gegen drei hörte ich Wasser, nicht Regen, sondern das leisere Geräusch eines Körpers, der sich in ein Becken gleiten lässt. Ich stand auf und sah nicht hin. Ich legte die Stirn an die kühle Wand neben dem Fenster und atmete, bis das Verlangen nicht mehr wie ein Befehl war, sondern wie ein Wetter, das ich aushalten konnte. Am Morgen war das Becken still. Ein Handtuch lag über einem Stuhl. Ich trank Kaffee, der zu stark war, und arbeitete an einem Text, dessen Sätze ich zweimal lesen musste.
Am fünften Tag schnitt Mara die Hecke auf ihrer Seite. Die Schere klapperte. Zweige fielen. Durch eine Lücke sahen wir uns an, beide überrascht, beide nicht wirklich. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn mit dem Unterarm und sagte, die Pflanzen wüchsen in diesem Juli, als wollten sie die Grundstücke zusammenziehen. Ich sagte, das sei vielleicht keine schlechte Idee, und bereute den Satz im selben Atem, weil er zu viel verriet. Mara hielt die Schere still. Dann lächelte sie, klein und ernst. Sie sagte, ich dürfe jederzeit durch das Tor kommen, wenn mir nach Wasser sei. Nicht als Höflichkeit. Als Angebot. Ich dankte und sagte, ich würde es mir merken. Meine Stimme war ruhiger, als ich mich fühlte.
Ich ging an diesem Abend nicht. Ich saß auf der Terrasse und hörte sie schwimmen und stellte mir das Wasser auf ihren Schlüsselbeinen vor, die Art, wie es in der Kuhle am Hals stehen blieb, bevor sie sich bewegte. Ich stellte mir vor, wie meine Hand dort läge, und dann schämte ich mich nicht, ich wartete nur. Warten war das Einzige, was ich ihr noch schuldete, bevor ich etwas nahm, das sie mir noch nicht gegeben hatte. Gegen elf ging das Licht aus. Ich blieb noch eine Weile und hörte die Zikaden, die nie müde wurden.
Am sechsten Tag brachte sie Tomaten wieder, diesmal ohne Korb, nur eine Schale, und stellte sie auf meine Stufe, während ich nicht da war. Ein Zettel lag darunter, in klarer Schrift: Für die Hitze. Kein Name. Ich aß eine am Abend auf der Terrasse, warm von der Sonne, und der Saft lief mir über das Kinn. Ich wischte ihn mit dem Handrücken ab und dachte an ihren Mund auf dem Markt. Das Verlangen war nicht mehr nur ein Bild. Es saß tiefer, zwischen den Schenkeln, ein dumpfes, ehrliches Ziehen, das ich nicht mehr wegschob. Ich ließ die Hand dort liegen, über dem Stoff, und atmete, bis die Anspannung nachließ, ohne dass ich mich zu Ende brachte. Ich wollte die erste wirkliche Berührung nicht allein haben.
Am siebten Abend kam sie nicht an die Tür. Sie stand an der Hecke, als die Sonne schon hinter den Dächern war und der Himmel noch ein breites, müdes Rosa hielt. Sie trug ein dunkles Kleid, das an den Beinen klebte, wo sie wohl schon im Wasser gewesen war. Sie sagte meinen Namen, leise, damit es nicht über die Gärten trug. Ich trat näher. Zwischen uns war nur das Laub und ein halber Meter Luft, der nach Stein und Chlor roch.
Sie sagte, sie könne nicht schlafen, und das Wasser sei noch warm, und wenn ich wolle, sei das Tor offen. Sie sagte auch, ich solle nur kommen, wenn ich es wirklich wolle, nicht aus Höflichkeit und nicht, weil die Tage schon so lang in eine Richtung gezeigt hätten. Ich sah sie an. Ihr Gesicht war ruhig, aber die Hand an einem Zweig war nicht ganz still. Ich sagte, ich wolle es. Ich sagte es ohne Schmuck. Sie nickte einmal. Dann ging sie voraus, und ich hörte das Tor, das nicht ins Schloss fiel.
Ich zog ein leichteres Kleid über und nichts darunter, eine Entscheidung, die ich traf, bevor ich sie zerdenken konnte. Barfuß über den kurzen Weg. Der Kies stach. Das Tor war nur angelehnt. Ihr Garten roch stärker nach Wasser als meiner, und die Platten gaben die Tageswärme noch ab. Mara stand am Beckenrand, das Kleid schon ausgezogen, der Badeanzug ein schlichtes Dunkel auf ihrer Haut. Sie wartete, bis ich nahe genug war, und fragte noch einmal, ob ich bleiben wolle. Ich sagte ja. Sie stieg die Stufen hinunter. Das Wasser nahm sie bis zu den Hüften, dann bis zur Taille. Ich zog das Kleid über den Kopf und legte es auf den Stuhl, und die Abendluft auf der nackten Haut war ein Schreck und eine Erleichterung zugleich.
Ich stieg ein. Das Wasser war wirklich warm, fast wie ein zweiter Körper, der mich von den Knien aufwärts umschloss. Mara blieb auf Abstand, eine Armlänge, und sah mich an, nicht auf die Brüste zuerst, sondern ins Gesicht. Sie sagte, wir könnten nur schwimmen. Ich sagte, ich wolle mehr als schwimmen, und ich wolle, dass sie es auch wolle, sonst würde ich wieder gehen. Sie kam einen Schritt näher. Das Wasser bewegte sich zwischen uns. Sie sagte, sie wolle es seit dem Tag mit dem Ball, und sie habe gewartet, weil Warten in diesem Garten die einzige Art gewesen sei, nicht zu drängen. Ich glaubte ihr, weil ihre Stimme nicht spielte.
Wir schwammen ein paar Züge, nicht weit, das Becken war klein. Ich spürte, wie der Stoff ihres Badeanzugs an meinem Arm streifte, als wir uns in der Mitte begegneten. Sie hielt an. Ich auch. Unter Wasser fand ihre Hand mein Handgelenk, fragend, nicht fest. Ich drehte die Hand und verschränkte die Finger mit ihren. Sie zog mich nicht. Sie wartete, bis ich den letzten Abstand selbst schloss. Unsere Knie stießen sanft. Dann lag ihr Mund auf meinem, salzig vom Wasser, warm, vorsichtig am Anfang und dann nicht mehr vorsichtig, als ich den Kuss öffnete und sie einließ.
Wir küssten uns im Wasser, bis ich die Kante im Rücken spürte und nicht wusste, wer uns dorthin bewegt hatte. Ihre Hand lag an meiner Taille, unter der Oberfläche, der Daumen an der weichen Stelle über der Hüfte. Sie fragte an meinem Mund, ob das gut sei. Ich sagte ja. Sie fragte, ob sie den Verschluss lösen dürfe. Ich nickte und sagte es auch laut, weil Nicken im Dunkel leicht zu übersehen ist. Ihre Finger fanden den Haken zwischen meinen Schulterblättern. Der Stoff gab nach. Sie schob die Träger herunter, langsam, und das Wasser hob die Brüste, als der Halt weg war. Ihre Hand kam nicht sofort. Sie sah mich an. Ich nahm ihre Hand und legte sie selbst auf meine Brust, weil ich das Warten nun satt hatte und weil ich wollte, dass sie das Gewicht spürte und die Härte der Brustwarze unter dem Wasser.
Sie atmete aus, ein kleines, gebrochenes Geräusch. Ihr Daumen strich über die Spitze, einmal, zweimal, und ein Ziehen lief von dort in den Bauch und tiefer. Ich küsste sie wieder, offener, und schob meine Hand an ihren Rücken, fand den Verschluss ihres Anzugs, hielt inne. Sie sagte, ja, mach das. Ich öffnete ihn. Der Stoff sank. Wir schoben die nassen Teile von den Hüften, unbeholfen, lachend nur ganz kurz, weil das Wasser Widerstand leistete und weil Ungeschick in diesem Moment keine Scham war. Die Anzüge trieben an den Rand. Wir standen nackt bis zur Taille im Warmen, und die Nachtluft kühlte die nassen Schultern.
Mara führte mich die Stufen hinauf, nicht eilig. Auf den Platten lag ein großes Handtuch, das sie wohl schon vor meiner Ankunft ausgebreitet hatte, und daneben ein zweites. Die Vorsorge rührte mich mehr als ich erwartet hatte. Wir trockneten uns nicht richtig. Sie drückte mich sanft auf das Tuch, das noch die Wärme des Tages hielt, und kniete sich neben mich. Das Licht der kleinen Lampe am Haus war gedämpft. Ihre Haut glänzte. Wassertropfen liefen aus ihrem Haar auf meine Brust und weiter über den Bauch. Sie folgte einem mit dem Mund, von der Kehle zur Brustwarze, und nahm sie zwischen die Lippen, saugte leicht, dann fester, als ich den Rücken hob. Ihre Zunge war weich und genau. Ich griff in ihr nasses Haar, nicht um zu lenken, nur um zu halten.
Sie wechselte zur anderen Brust und ließ die Hand über meinen Bauch wandern, langsam, die Finger gespreizt, bis sie am Ansatz der Schenkel anhielt. Sie hob den Kopf. Ihre Augen waren dunkel und klar. Sie fragte, ob sie weitergehen dürfe. Ich sagte, ich wolle ihre Hand zwischen den Beinen, und ich wolle ihren Mund, wenn sie das auch wolle. Sie sagte, sie wolle beides. Dann küsste sie die Innenseite meines Oberschenkels, erst den einen, dann den anderen, und die Haut dort war so empfindlich, dass ich die Zehen krümmte. Sie schob meine Knie auseinander, wartete, bis ich sie selbst weiter öffnete, und senkte den Mund auf mich.
Die erste Berührung ihrer Zunge war langsam, ein langer Strich durch die Nässe, die nicht vom Becken kam. Ich hörte mich selbst, ein Laut, den ich nicht kannte in diesem Garten. Mara hielt meine Hüften, nicht fest, nur damit ich nicht vor der Empfindung wegrutschte. Sie leckte mich mit einer Geduld, die nach den langen Tagen schmeckte, kreiste um die empfindlichste Stelle, ohne sie sofort zu jagen, und kam dann doch dorthin, weich zuerst, dann mit einem gleichmäßigen Druck, der mir den Atem in kurzen Stücken aus der Brust zog. Ich sagte ihren Namen. Ich sagte, genau so. Sie blieb bei diesem Rhythmus, und eine Hand löste sich von meiner Hüfte und strich durch die Nässe nach unten, zwei Finger, die an meinem Eingang warteten.
Sie hob den Mund nur so weit, dass ich sie verstand. Sie fragte, ob sie in mich kommen dürfe. Ich sagte ja, bitte, und das Bitte war kein Betteln aus Schwäche, sondern aus Hunger. Ihre Finger glitten hinein, langsam, und mein Körper nahm sie auf, eng und bereit. Sie bewegte sie in einem tiefen, ruhigen Stoß, während ihre Zunge wieder die Stelle fand, die alles zusammenzog. Ich spürte, wie sich alles in mir sammelte, ein Ziehen, das von den Fersen bis in den Nacken lief. Ich sagte ihr, dass ich nahe sei. Sie wurde nicht schneller aus Eile, nur sicherer, und als es kam, war es lang und offen, ein Beben, das mich gegen ihre Hand und ihren Mund drückte, und ich hielt ihr Haar und ließ den Laut in die Hecke gehen, weil es niemand sonst hören musste und weil ich ihn nicht schlucken wollte.
Sie blieb, bis die Wellen nachließen, und küsste dann die Innenseite meines Schenkels, die feuchte Haut meines Bauchs, die Stelle unter der Brust, wo das Herz noch hart schlug. Ihre Finger glitten aus mir, vorsichtig. Sie kam hoch und küsste mich, und ich schmeckte mich auf ihrer Zunge, salzig und warm, und das schämte mich nicht. Ich zog sie auf mich, spürte das Gewicht ihrer Brüste, die harten Spitzen an meiner Haut, das nasse Haar an meiner Wange. Ich sagte, ich wolle sie jetzt. Sie sagte, ja.
Ich drehte uns, nicht geschickt, aber bestimmt, bis sie auf dem Rücken lag und ich über ihr kniete. Das Handtuch verrutschte. Die Platte darunter war noch warm. Ich küsste ihren Mund, dann die Kehle, dann die Brust, nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen und spürte, wie sie unter meiner Zunge härter wurde. Mara atmete flach. Ihre Hand lag in meinem Nacken, nicht drückend. Ich wanderte tiefer, über den Bauch, der sich hob, über den weichen Ansatz der Hüfte, und schob ihre Schenkel auseinander. Sie öffnete sie selbst weiter und sagte, sie wolle meinen Mund, und sie wolle, dass ich nicht hetze, außer sie bitte darum.
Ich senkte das Gesicht zwischen ihre Beine. Sie roch nach Wasser und nach sich, ein dunkler, klarer Geruch, der mich sofort wieder zwischen den eigenen Schenkeln pochen ließ. Ich leckte sie langsam, lernte die Form, die Stelle, an der sie die Hüften kaum merklich hob, den Druck, bei dem ihr Atem stockte. Sie war nass, glatt unter meiner Zunge, und als ich zwei Finger ansetzte und fragte, mit dem Mund noch an ihr, ob ich dürfe, sagte sie ja, tief, und ich glitt in sie. Sie war warm und eng und zog mich ein, als hätte sie darauf gewartet, nicht nur in dieser Nacht. Ich bewegte die Finger im Takt meiner Zunge, hörte auf das, was ihr Körper sagte, wenn die Worte ausblieben.
Sie bat mich irgendwann, nicht aufzuhören, und die Bitte war klar. Ich blieb bei dem Rhythmus, der sie zittern ließ, und spürte, wie sie sich um meine Finger zusammenzog, erst leicht, dann in einem langen, harten Puls. Sie kam mit einem Laut, der in der Kehle begann und nicht laut wurde, sondern tief, und ihre Hand fand meine Schulter und hielt sich fest. Ich blieb in ihr, bis sie meine Hand anstupste, ein Zeichen, dass es genug war für diesen Augenblick, und zog die Finger langsam zurück. Ich küsste sie noch einmal, weich, auf die geschwollene, empfindliche Haut, und sie zuckte und lachte atemlos und zog mich an den Armen nach oben.
Wir lagen eine Weile nur und küssten uns, müde und nicht fertig. Mara schob ein Bein zwischen meine und drückte den Oberschenkel gegen mich, und die Reibung war sofort wieder da, roh und gut. Ich rieb mich an ihr, langsam, und sie griff zwischen uns, fand mich mit den Fingern, glitt wieder in mich, während ihr Schenkel und ihre Hand zusammenarbeiteten. Ich tat dasselbe bei ihr, vorsichtiger, weil sie noch empfindlich war, und sie sagte, ja, so, leicht, und dann nicht mehr leicht. Wir bewegten uns gegeneinander auf dem warmen Tuch, die Münder aneinander, die Atemzüge kurz, das Wasser im Becken neben uns noch leise gegen den Rand schlagend. Es war nicht mehr das erste Staunen. Es war ein Wiedererkennen, das in derselben Nacht schon möglich war, weil die Tage davor so lang gewesen waren.
Ich kam zum zweiten Mal enger und schneller, das Gesicht an ihrem Hals, die Zähne leicht auf ihrer Haut, nicht um zu markieren, nur weil der Laut irgendwo hinmusste. Sie folgte kurz darauf, die Stirn an meiner, die Finger noch in mir, und wir hielten uns, bis das Zittern nachließ und nur noch das Gewicht blieb, das gute, schwere Gewicht zweier Körper, die nicht mehr so tun mussten, als gehörten sie auf verschiedene Seiten einer Hecke.
Wir sprachen eine Weile nicht. Die Lampe summte leise. Eine Mücke zog vorbei und fand uns nicht. Mara strich mir das nasse Haar aus der Stirn und fragte, ob mir kalt sei. Mir war nicht kalt. Die Platten hielten die Wärme, und ihre Haut auch. Ich sagte, ich wolle noch bleiben, wenn sie das wolle. Sie sagte, das Tor könne offen bleiben, und sie meine das nicht nur für diese Stunde. Ich verstand sie. Ich versprach nichts Großes. Ich sagte, ich würde morgen wiederkommen, wenn sie mich wolle, und übermorgen, und wir würden sehen, wie der Juli weitergehe, ohne ihn zu überplanen. Sie küsste mich auf die Schläfe, ein Kuss ohne Eile, und das war Antwort genug.
Wir stiegen noch einmal ins Wasser, nicht um zu schwimmen, nur um den Schweiß und die Nässe der Liebe abzuwaschen, langsam, an den Händen haltend. Das Becken war kühler geworden. Mara tauchte unter und kam dicht vor mir wieder hoch, das Haar glatt, die Augen hell im schwachen Licht. Sie legte die Arme um meinen Nacken und die Beine um meine Hüften, und ich trug sie einen Augenblick im Wasser, ihr Gewicht fast nichts. Wir küssten uns dort, wo alles begonnen hatte, ruhiger jetzt, mit dem Wissen im Mund, das die Tage nur angedeutet hatten. Als wir herausstiegen, trockneten wir uns richtig. Sie gab mir ein frisches Handtuch, das nach Sonne roch, und half mir in das Kleid, obwohl ich das allein gekonnt hätte. Die Hilfe war keine Fürsorge aus Mitleid. Sie war eine Fortsetzung der Hände.
Am Tor blieb ich stehen. Der Kies war noch warm. Hinter mir lag das Becken dunkel, die Lampe schon aus. Mara stand barfuß auf ihrer Seite, das Handtuch um den Körper, das Haar tropfend. Sie sagte, ich solle die Tomaten nicht vergessen, die noch auf meiner Stufe stünden, und dann lächelte sie, weil das ein sehr kleiner Satz war nach einer so großen Nacht. Ich sagte, ich würde sie morgen mit ihr teilen, auf ihrer Terrasse, im Schatten, bevor die Sonne die Platten wieder zu heiß mache. Sie nickte. Ich ging durch das Tor und zog es nicht ganz zu. Auf meinem eigenen Rasen roch die Luft anders, nach trockenem Gras und nach mir, nach ihr. Im Haus ließ ich das Fenster offen. Ich lag auf dem Laken, das nicht mehr zu warm war, und spürte noch ihre Finger, ihren Mund, das Wasser. Der Schlaf kam nicht sofort. Er kam wie etwas, das man nicht mehr jagen muss. Draußen begannen die Zikaden von vorn, und irgendwo, sehr nah, war ein Tor, das nicht ins Schloss gefallen war.
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