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Das Verbot zwischen den Bildern

Reife Frau · 32 Minuten lesen · 43 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 3 der Serie Im besten Alter (4)

Ich war die Galeristin, er der Sammler, und das Verbot lag schon zwischen uns, bevor er den Mantel ablegte. Ich sagte es trotzdem laut, weil Regeln, die nur im Kopf bleiben, im falschen Moment nachgeben. Ich war neunundvierzig, die Räume gehörten mir seit zwölf Jahren, und ich hatte gelernt, Begehren und Preis nicht in denselben Atem zu lassen. Er war dreiundfünfzig, aus Düsseldorf gekommen, und er nickte, als hätte er auf genau diesen Satz gewartet.

„Solange ein Werk nicht verkauft und bezahlt ist, berühre ich den Käufer nicht, und er berührt mich nicht“, sagte ich. „Das ist keine Koketterie. Das ist die Bedingung, unter der ich Ihnen die Bilder zeige.“ Meine Stimme blieb ruhig, obwohl ich schon beim ersten Blick auf seinen Mund gewusst hatte, dass die Ruhe Arbeit kosten würde.

Er hängte den Mantel an den Haken neben der Tür, langsam, als gäbe er mir Zeit, den Satz noch einmal zu hören. Draußen war November, die Straße nass, die Laternen schon an. Drinnen roch es nach Holz, nach dem Leinöl in den Rahmen und nach dem Tee, den ich vor einer Stunde hatte kalt werden lassen. Seine Schuhe hinterließen kleine dunkle Spuren auf dem Stein, die im Licht der Eingangslampe glänzten.

„Ich habe eine eigene Regel“, sagte er. Seine Stimme war tiefer, als ich sie am Telefon in Erinnerung hatte. „Ich schlafe nicht mit der Person, die mir ein Bild verkauft. Nicht vorher und nicht in derselben Nacht. Ich habe das einmal getan und danach weder dem Bild noch mir getraut.“ Er sah mich dabei an, ohne zu lächeln, und das machte den Satz schwerer und ehrlicher.

Wir standen uns gegenüber, und die beiden Verbote legten sich nebeneinander wie Rahmen aus demselben Holz. Ich spürte keine Abwehr in ihm und keine in mir. Was ich spürte, war die genaue Form einer Grenze, die wir beide kannten und die eben deshalb eine Wärme abgab. „Dann sind wir uns einig“, sagte ich. „Für den Augenblick“, antwortete er, und es war kein Widerspruch, nur eine Genauigkeit.

Ich ging voraus in den großen Raum. Die Absätze meiner Schuhe klangen hell auf dem Dielenboden, und ich hörte hinter mir seinen ruhigeren Schritt. Das Kleid, das ich an diesem Morgen gewählt hatte, war dunkel und schlicht, aus einem Stoff, der an den Hüften nicht flatterte und an der Brust nicht um Aufmerksamkeit bettelte. Ich hatte es nicht für ihn angezogen. Dass ich jetzt trotzdem daran dachte, wie es auf meinem Körper lag, gehörte schon zu dem Abend.

An der ersten Wand hing ein großes Ockerfeld, fast ohne Ereignis, nur mit einer dunkleren Bahn am unteren Rand, als hätte jemand eine Tür geschlossen und den Schatten stehen lassen. Er blieb davor stehen, die Hände in den Taschen, und schwieg so lange, dass ich den Verkehr draußen wieder hörte. Ich kannte diese Art des Schauens. Sie war nicht höflich und nicht hastig. Sie nahm sich das Bild, ohne es schon besitzen zu wollen.

„Irene Soltau“, sagte ich. „Zweiundsechzig, arbeitet noch, kommt nicht zu solchen Abenden. Sie will, dass die Flächen für sich stehen, ohne dass jemand ihr Gesicht dazu erfindet.“ Er nickte, ohne den Blick von der Bahn am unteren Rand zu nehmen. „Gut“, sagte er. „Gesichter werden zu schnell zu Geschichten, die man schon kennt.“

Ich blieb einen Schritt seitlich von ihm und sah nicht das Bild, sondern die Linie seines Kiefers und die ruhige Art, wie seine Schulter den Mantelgeruch noch mit sich trug: Wolle, Regen, eine saubere Seife. Mein Körper registrierte ihn schneller als mein Verstand es erlaubte. Zwischen meinen Schenkeln zog sich etwas zusammen, klein und deutlich, und ich atmete flacher, ohne mich zu rühren. Das Verbot war in diesem Moment kein Satz mehr. Es war der Abstand von einer Handbreit, den keiner von uns schloss.

Wir gingen weiter zur zweiten Arbeit. Sie zeigte einen Rücken, nicht geglättet, nicht jung, die Schulter schwer und genau, die Haut in Farben, die niemand für schmeichelhaft halten konnte. Soltau hatte sich selbst im Spiegel gemalt, hatte sie mir einmal gesagt, und dann die Spiegelkante aus dem Bild genommen, damit kein Trick übrig blieb. Ich liebte dieses Bild, weil es nicht um Verführung bat und trotzdem eine Gegenwart hatte, die man im Körper spürte.

„Deshalb bin ich gekommen“, sagte er nach einer Weile. „Nicht wegen des Namens. Wegen dieser Schulter. Sie entschuldigt sich nicht.“ Er drehte den Kopf zu mir, und sein Blick blieb an meinem Gesicht, nicht an meinem Ausschnitt. „Sie auch nicht, wenn ich das am Telefon richtig gehört habe.“ Ich lächelte kaum. „Am Telefon verkaufe ich Termine“, sagte ich. „Hier verkaufe ich nichts, was sich entschuldigen müsste.“

Er fragte nicht nach meinem Alter und nicht nach meinem Privatleben. Das gefiel mir mehr als jedes Kompliment. Stattdessen fragte er, warum die Regel so hart formuliert sei, und ich erzählte es ihm, weil der Raum still genug war und weil ich nicht wollte, dass er meine Grenze für eine Pose hielt. Vor fünf Jahren hatte ein Käufer ein Bild gewollt und mich dazu, und als ich das Bett verweigert hatte, hatte er den Preis gedrückt, als hätte mein Nein eine Zahl. Ich hatte mich nicht von der Lust beschmutzt gefühlt, sondern von der Verwechslung.

„Seitdem trenne ich die Abende“, sagte ich. „Erst die Unterschrift, erst das Geld, und selbst dann meistens nur die Tür. Ich will urteilen können, ohne dass mir jemand die Urteilskraft aus der Hand nimmt.“ Er hörte zu, ohne den Schaden klein zu reden und ohne sich als den besseren Mann anzubieten. „Das ist ein sauberer Grund“, sagte er. „Meiner ist ähnlich und ein bisschen selbstsüchtiger.“

Wir setzten uns nicht. Wir standen vor dem Rücken, und er erzählte mit leiser Stimme von einer Händlerin in einer anderen Stadt, von einer Nacht, die angenehm gewesen war, und von einem schwachen Bild, das er am Morgen trotzdem gekauft hatte, weil er in ihrer Wohnung hatte bleiben wollen. Das Bild hatte Jahre an seiner Wand gehangen wie ein Vorwurf. „Seitdem gehe ich in derselben Nacht“, sagte er. „Nicht aus Tugend. Aus Misstrauen gegen meine eigene Nachgiebigkeit.“

Ich verstand ihn, und das Verstehen war gefährlicher als bloßes Gefallen. Es machte aus ihm keinen Fremden, den man leicht an der Tür behält. Ich spürte die Wärme in meinem Bauch tiefer werden und die Brustwarzen sich unter dem Stoff hart gegen den Bügel drücken. Ich verschränkte die Arme nicht. Ich ließ den Körper die Wahrheit sagen und den Mund die Regel halten. Beides gehörte mir.

Das dritte Bild hing an der Stirnwand, kleiner als die anderen, eine sitzende Frau in einem Kleid, das Gesicht nicht geschönt, der Blick zur Seite, als höre sie etwas im Nebenraum. Kein Akt, keine Einladung, nur eine Aufmerksamkeit, die älter war als die Mode irgendeines Jahres. Er blieb so lange davor stehen, dass ich den Tee in der Küche vergaß und die Uhr nicht mehr ansah. „Das eine“, sagte er schließlich. „Wenn der Preis noch der ist, den Sie genannt haben.“

„Er ist es“, sagte ich. Ich nannte die Summe nicht noch einmal, weil wir sie beide kannten und weil ich nicht wollte, dass Zahlen in diesen stillen Meter zwischen uns fielen. Er trat einen halben Schritt zurück, um die Hängung zu prüfen, und kam dabei so nah an meine Seite, dass sein Ärmel meinen Unterarm streifte. Es war kein Griff. Es war Stoff an Haut, eine Sekunde lang, und mein ganzer Arm wurde wach davon.

Keiner von uns zog sich zurück und keiner verlängerte die Berührung. Ich sah auf seine Hand, die wieder in der Tasche verschwand, und auf meine eigene, die am Saum des Kleides lag und sich nicht hob. Das Fast-Berühren war lauter als ein Kuss gewesen wäre, weil das Verbot noch galt und wir es beide hielten. Zwischen meinen Beinen war ich bereits feucht, und ich hasste und wollte diese Tatsache in demselben Atemzug.

„Sie dürfen es anfassen“, sagte ich und meinte das Bild, die Kante des Rahmens, wie ich es Sammlern erlaube, die ernst schauen. Er verstand die doppelte Möglichkeit des Satzes und nahm nur den Rahmen. Seine Finger lagen auf dem Holz, nicht auf der Farbe. „Und sonst nichts“, sagte er, halb Frage, halb Bestätigung. „Sonst nichts“, sagte ich, und meine Stimme war tiefer als zuvor.

Wir blieben noch eine Weile in dem Raum, ohne weitere Bilder zu brauchen. Er fragte nach der Provenienz, nach dem Jahr, nach der Art, wie Soltau die Haut nicht in Rosa, sondern in Grau und warmem Braun mischte. Ich antwortete genau, und unter den genauen Sätzen lief eine andere Unterhaltung, die aus Blicken und aus dem Abstand unserer Körper bestand. Einmal stand er hinter mir, um eine Stelle im Hintergrund zu sehen, und sein Atem traf meinen Nacken. Ich schloss die Augen nicht. Ich zählte drei Atemzüge und trat dann zur Seite, bevor das Verbot nur noch ein Wort ohne Gewicht war.

„Ich nehme es“, sagte er, als wir uns wieder ansahen. „Und ich will, dass der Abend bis zur Unterschrift so bleibt, wie Sie ihn gesetzt haben. Danach reden wir, falls Sie reden wollen. Nicht vorher.“ Die Klarheit in diesem Angebot machte mich noch nasser, was absurd und folgerichtig zugleich war. Ein Mann, der eine Grenze hielt, war für mich seit Jahren das eigentliche Aphrodisiakum, auch wenn ich dieses Wort nicht laut benutzte.

Im Büro lag der Vertrag schon bereit, zwei Ausfertigungen, die Kontonummer, die Versandklausel, der Vorbehalt bis zum Zahlungseingang, den wir am Morgen als erfüllt betrachten würden, weil die Anweisung bereits unterwegs war. Er las jede Seite. Ich sah seine Hände auf dem Papier, die kurzen sauberen Nägel, eine kleine Narbe am Knöchel des Daumens, und ich stellte mir diese Hände an meiner Taille vor, ohne den Gedanken in die Stimme zu lassen. Als er die Seite umblätterte, raschelte es laut in der Stille.

Er unterschrieb mit einem Füller, den er aus der Innentasche zog, und schob mir dann das Telefon über den Tisch. Die Überweisung war am Nachmittag ausgelöst worden, der Verwendungszweck stimmte, der Betrag stimmte. „Morgen früh ist es da“, sagte er. „Wenn Sie den Vorbehalt heute Abend schon als erfüllt nehmen, sagen Sie es. Wenn nicht, warte ich mit allem anderen.“ Ich prüfte die Anzeige, nicht aus Misstrauen, sondern aus Beruf, und nickte dann. „Für mich ist der Verkauf geschlossen“, sagte ich. „Das Bild bleibt bis zum Versand an der Wand. Der Rest des Abends ist kein Geschäft mehr.“

Er lehnte sich zurück, und zum ersten Mal sah ich, wie die Spannung in seinen Schultern ein wenig nachließ. Nicht ganz. Eine andere Spannung kam dafür herein, persönlicher, ohne den Schutz der Verhandlung. „Dann gilt meine Regel noch“, sagte er. „Dieselbe Nacht. Ich sollte jetzt den Mantel nehmen.“ Er sagte es ohne Bewegung zur Tür. Ich hörte den Unterschied zwischen Sollen und Wollen, und er hörte ihn auch.

„Meine gilt nicht mehr aus dem alten Grund“, sagte ich. „Der Käufer und das Bild sind getrennt. Was bleibt, ist nur noch die Gewohnheit, die Tür zu zeigen.“ Ich stand auf, ging zur Anrichte und nahm zwei Gläser, nicht weil Wein eine Entscheidung ersetzte, sondern weil ich etwas in den Händen brauchen konnte. „Ein Glas, wenn Sie bleiben wollen, bis wir beide wissen, was das Verbot noch ist. Wasser, wenn Sie gehen wollen. Beides ist ein ganzer Abend.“

„Wein“, sagte er. „Und ich gehe nicht in den nächsten zehn Minuten, es sei denn, Sie schicken mich.“ Ich öffnete eine Flasche Spätburgunder, die ich für Abende nach Verkäufen kalt genug gehalten hatte, und schenkte ein, ohne die Gläser voll zu machen. Wir setzten uns nicht an den Verkaufstisch. Ich führte ihn in den kleinen Raum hinter dem Büro, wo eine Lampe brannte, ein niedriger Tisch stand und ein Tagesbett an der Wand lag, auf dem ich manchmal las, wenn der letzte Besucher gegangen war.

Wir saßen mit einem Abstand, den man noch höflich nennen konnte, und tranken. Der Wein schmeckte nach Kirsche und nach etwas Dunklem, das ich nicht benennen musste. Er erzählte nicht von anderen Galerien und ich nicht von anderen Sammlern. Wir sprachen über Soltau, über die Stadt, über die Art, wie November die Fenster schwarz macht, bevor man müde ist. Unter jedem Satz lag das Ungesagte so dicht, dass ich den Stoff des Kleides auf meinen Schenkeln spürte wie eine Hand.

„Das Verbot ist noch da“, sagte ich schließlich und stellte das Glas ab. „Der Vertrag hat es nicht aufgehoben. Es ist nur noch unseres. Niemand draußen verlangt es. Niemand wird es prüfen. Es steht zwischen Ihnen und mir, weil wir es beide ausgesprochen haben.“ Meine Hand lag flach auf dem Knie. Ich zwang sie nicht zur Ruhe und nicht zur Bewegung. „Und ich will es. Nicht als alten Schutz. Als die Schwelle, über die ich trotzdem gehe.“

Er stellte sein Glas neben meines, so dass die Füße sich berührten und einen kleinen Ton gaben. „Ich will es auch“, sagte er. „Nicht als Spiel gegen eine abwesende Person und nicht als Preis für das Bild. Als das Nein, das wir beide gesetzt haben und das wir beide aufheben, mit offenen Augen.“ Er suchte meinen Blick und hielt ihn. „Wenn Sie mich fortschicken, nehme ich den Mantel und das Bild bleibt verkauft. Daran ändert diese Minute nichts.“

„Ich schicke Sie nicht fort“, sagte ich. Die Worte machten meinen Mund trocken und den übrigen Körper weich. „Ich will Sie heute Nacht. Ich will das Verbot brechen, mit Ihnen, hier, und ich will, dass wir vorher sagen, was gilt.“ Er atmete aus, ein langer Atem, in dem ich das gleiche Nachgeben hörte, das in mir schon seit der ersten Wand gearbeitet hatte. „Dann sagen wir es“, antwortete er. „Langsam. Und einer von uns kann jeden Satz noch zurücknehmen.“

Wir sprachen, wie wir über eine Klausel gesprochen hätten, nur dass die Klausel jetzt unsere Körper betraf. Ich sagte, dass ich keinen Schmerz wollte, kein Halten, das ich nicht lösen konnte, und keine Eile, die nur seine war. Ich sagte, dass ich seinen Mund zuerst wollte, dann ihn in mir, und dass ich oben sein wollte, wenn ich das Tempo brauchte. Ich sagte, dass eine Hand in meinem Haar nur willkommen war, wenn sie nicht zog. Er hörte zu, ohne zu grinsen und ohne die Sätze in etwas Gröberes zu übersetzen.

„Ich will Sie sehen“, sagte er. „Ich will hören, was Ihnen gefällt, und ich will nicht raten, wo ein Rat ins Falsche läuft. Wenn Sie stoppen, stoppe ich, auch mitten im Satz, auch mitten in einer Bewegung.“ Er nannte noch, dass er ein Kondom in der Jackentasche hatte, nicht als Geständnis einer Absicht von vornherein, sondern als Tatsache, die er nicht verschweigen wollte. „Ich habe es eingesteckt, weil ich gehofft habe und weil Hoffnung kein Recht ist. Wir benutzen es, wenn wir so weit kommen. Wenn nicht, bleibt es in der Tasche.“

„Wir benutzen es“, sagte ich. „Und Hoffnung ist heute kein Unrecht, weil ich dieselbe hatte.“ Ich sah auf seinen Mund und dann auf seine Hände und spürte, wie die letzte Höflichkeit aus dem Raum ging, ohne dass die Achtsamkeit mitging. „Küssen Sie mich jetzt. Wenn der Kuss nichts taugt, bleiben wir bei dem Wein, und auch das wäre kein zerstörter Abend.“ Er lachte einmal, kurz und echt. „Ein hoher Maßstab“, sagte er und beugte sich vor.

Der erste Kuss war kein Überfall. Seine Lippen waren warm, der Wein noch daran, und darunter die Kälte, die die Straße an ihm gelassen hatte. Ich öffnete den Mund nicht sofort. Ich ließ den Druck sich setzen, die Richtung, die Frage. Als ich antwortete, tat ich es mit der Zunge langsam an seiner Unterlippe, und er nahm das auf, ohne zu drängen. Seine Hand lag an meiner Wange, der Daumen unter dem Ohr, und diese kleine Fläche Haut machte mich ungeduldiger als der ganze vorherige Abend.

Ich rückte näher, bis mein Knie seines berührte und dann meine Brust seinen Arm. Er wartete immer noch. Diese Geduld war so erregend, dass ich seine Hand selbst nahm und auf meine Brust legte, über dem Kleid. „Hier“, sagte ich an seinem Mund. „Ich will das Gewicht Ihrer Hand. Nicht fragen. Halten.“ Er hielt. Meine Brust füllte seine Handfläche, schwer und wirklich, und ich spürte, wie er nicht nach einer kleineren Form suchte, sondern diese annahm. Ein Laut löste sich aus meiner Kehle, den ich nicht zurücknahm.

Wir küssten uns tiefer. Seine Zunge fand meine, und der Rhythmus wurde feucht, offen, noch ohne Eile. Ich schmeckte ihn und den Wein und hörte das leise Geräusch, wenn unsere Lippen sich lösten und wieder fanden. Seine Hand blieb auf meiner Brust, der Daumen strich einmal über die Stelle, an der die Brustwarze hart gegen den Stoff stand, und mein Rücken machte ein kleines Hohlkreuz, das ich nicht geplant hatte. „Mehr davon“, sagte ich. „Genau so, nicht fester.“

Er folgte. Ich knöpfte sein Hemd auf, einen Knopf nach dem anderen, und legte die Hand auf seine Brust, auf das Haar dort, das dunkler war als an seinen Schläfen und doch schon von Grau durchzogen. Seine Haut war warm. Unter meiner Hand schlug sein Herz schnell, und das gefiel mir, weil sein Gesicht so ruhig geblieben war. Ich küsste seine Kehle, die Stelle über dem Kragen, und spürte, wie er den Kopf ein wenig zur Seite legte, um mir Raum zu geben. „Marlene“, sagte er, zum ersten Mal den Vornamen, den ich ihm am Telefon genannt hatte. „Ja“, sagte ich. „Und Sie bleiben Julian, solange Sie mich so anfassen.“

Er fand den Reißverschluss im Rücken meines Kleides und hielt inne. „Aufmachen“, sagte ich. Der Stoff teilte sich, kühle Luft lief über meine Wirbelsäule, und seine Finger folgten dieser Linie bis zur Taille, ohne zu kratzen. Ich stand auf, damit das Kleid fallen konnte, und es fiel bis zu den Hüften und dann, als ich die Schultern bewegte, ganz zu Boden. Darunter trug ich einen dunklen Bügel und einen einfachen Slip, beides gewählt für einen langen Arbeitstag und nicht als Kostüm. Ich trat aus dem Kleid und ließ ihn schauen.

Sein Blick ging über meine Brüste, über den Bauch, über die Hüften, über die Schenkel, und er machte kein Gesicht, das etwas ausglich oder beschönigte. „Ich will genau das“, sagte er. „Nicht eine Erinnerung an einen anderen Körper. Ihren.“ Die Worte trafen mich stärker als eine Hand. Ich spürte, wie die Feuchtigkeit im Slip zunahm, und ich schämte mich nicht dafür. Mit neunundvierzig kannte ich die Differenz zwischen einem Blick, der nimmt, und einem Blick, der sieht. Seiner sah.

Ich öffnete seinen Gürtel, dann den Knopf, und er half nur, indem er sich ein wenig hob, als ich Hose und Shorts über die Hüften schob. Sein Schwanz war schon hart, dick, die Haut gespannt, die Spitze feucht. Ich legte die Hand darum, nicht um zu prüfen, sondern um das Gewicht zu fühlen, die Wärme, das leichte Zucken gegen meine Handfläche. Er atmete scharf ein. „Nicht lange so“, sagte er. „Sonst wird aus dem Langsam, das Sie wollen, eine Lüge.“ Ich ließ los, mit einem letzten Strich des Daumens über die Spitze, und nickte.

Er hakte meinen Bügel auf. Die Träger fielen, und meine Brüste lagen frei, voll, die Brustwarzen dunkel und fest. Er sah sie an, dann mich. „Mund“, sagte ich. „Setzen Sie sich. Ich komme zu Ihnen.“ Er setzte sich auf die Kante des Tagesbetts, und ich stellte mich zwischen seine Knie. Sein Mund schloss sich um eine Brustwarze, warm, feucht, mit einem Zug, der nicht zu stark war. Die andere Hand hielt die zweite Brust, hob sie ein wenig, der Daumen kreiste. Ich legte die Hände in sein Haar und hielt ihn dort, während ein heißer Faden von der Brustwarze direkt zwischen meine Beine lief.

„Die andere auch“, sagte ich nach einer Weile, und er wechselte, ebenso aufmerksam, ebenso nass. Ich spürte seine Zähne nur als Möglichkeit, nicht als Biss, und als er saugte, gab ich einen langen Ton von mir, der in dem kleinen Raum blieb. Meine Knie wurden weich. Seine freie Hand lag an meiner Hüfte, dann am Ansatz meines Schenkels, und wartete. „Ja“, sagte ich. „Unter den Stoff. Langsam. Ich sage Ihnen, wo.“

Seine Finger schoben den Slip zur Seite und fanden mich offen und nass. Er strich durch die Nässe, verteilte sie, ohne sofort auf die Klitoris zu gehen, und diese Umsicht machte mich ungeduldig auf die gute Art. „Höher“, sagte ich. „Ein wenig nach links von Ihnen aus. Nicht drücken. Kreisen.“ Er fand die Stelle. Der erste richtige Kontakt war so genau, dass ich die Hand in seinem Haar fester schloss und die Stirn an seinen Scheitel legte. „Da. So bleiben. Langsamer als Sie denken.“

Er blieb. Zwei Finger glitten neben der Klitoris, nicht darauf mit roher Kraft, und der Rhythmus war klein, stetig, nass von mir. Sein Mund ließ die Brustwarze nicht los. Ich bewegte die Hüften gegen seine Hand, nicht wild, nur um den Winkel zu halten, und spürte, wie die Spannung sich in meinem Unterleib sammelte, eng und hell. „Ich könnte so kommen“, sagte ich atemlos. „Ich will aber Ihren Mund unten, bevor ich es tue. Aufhören, eine Minute. Nur eine Minute.“

Er hörte auf sofort. Der Verlust der Berührung war fast schmerzhaft und doch richtig. Er küsste die Unterseite meiner Brust, den Bauch, die weiche Stelle über dem Slip, und sah dann zu mir hoch. „Hinlegen“, sagte er. „Oder stehen bleiben, wenn Sie das lieber haben. Sagen Sie es.“ „Hinlegen“, sagte ich. „Und den Slip ausziehen. Ich will Ihre Zunge ohne Stoff.“ Ich legte mich auf das Tagesbett, das unter meinem Gewicht nachgab, und er zog den Slip an meinen Beinen herunter, langsam, über die Knie, über die Füße, und legte ihn auf den Stuhl, als gehöre auch das noch zur Sorgfalt.

Ich öffnete die Schenkel. Die Luft war kühl auf der nassen Haut, und dann war sein Atem da, warm, nah, noch ohne Zunge. Er küsste die Innenseite eines Schenkels, dann die andere, und jede dieser kleinen Stellen schickte ein Ziehen in meine Mitte. „Julian“, sagte ich. „Nicht mehr warten.“ Er antwortete nicht mit einem Wort. Sein Mund legte sich auf meine Scham, die Zunge teilte mich, breit und langsam, von unten nach oben, und ich bog den Rücken durch, weil der erste Strich zu viel und genau richtig war.

Er leckte mich, als hätte er zugehört. Nicht hastig, nicht als Technik, die er an jemandem abarbeiten wollte, sondern mit Pausen, in denen er die Nässe aufnahm und dann wieder zu der Stelle zurückkehrte, die ich ihm genannt hatte. Die Zunge wurde schmaler, als er die Klitoris umkreiste, und flacher, als ich „breiter“ sagte. Ich hielt sein Haar, nicht um ihn zu stoßen, sondern um den Kontakt nicht zu verlieren. Meine andere Hand lag auf meiner Brust, die Finger an der feuchten Brustwarze, und das doppelte Gefühl zog sich zu einem einzigen Punkt zusammen.

Die Geräusche waren deutlich in dem stillen Raum: sein Mund, mein Atem, das leise Nachgeben des Bezugs unter meinen Hüften. Ich schämte mich der Nässe nicht und auch nicht der Worte, die kamen. „Ja. Da. Nicht schneller. Saugen Sie leicht.“ Er saugte, behutsam, und die Zunge blieb in Bewegung, und die Spannung kippte von einem angenehmen Ziehen in etwas, das nicht mehr zurück wollte. Meine Schenkel begannen zu zittern. „Ich komme“, sagte ich, damit er nicht auswich. „Bleiben Sie genau da.“

Er blieb. Der Höhepunkt kam nicht als einzelner Blitz, sondern als eine Folge von Zusammenziehungen, tief im Bauch, in der Scham, in den Schenkeln, jede Welle eng um seine Zunge. Ich presste die Ferse in die Matratze und hielt seinen Kopf und gab einen Laut von mir, der rau war und nicht hübsch sein musste. Er leckte mich durch die erste Härte hindurch und wurde langsamer, als ich „weicher“ hauchte, und hörte auf, als meine Hand ihn fortzog, weil die Stelle zu empfindlich wurde. Mein Körper zuckte noch nach. Ich lag offen da und sah die Lampe und ihn zwischen meinen Knien und fühlte mich nicht ausgestellt, sondern angekommen.

Er küsste meinen Bauch und kam hoch, das Gesicht nass von mir, die Augen dunkel. Ich zog ihn an den Haaren zu meinem Mund und küsste ihn, schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und das wollte ich, diese Ungeschütztheit nach dem ersten Kommen. „Gut“, sagte ich an seinen Lippen. „Sehr gut. Ich will Sie jetzt in mir. Holen Sie das Kondom. Und ziehen Sie das Hemd ganz aus, ich will Ihre Haut.“ Er lächelte kurz, ernst noch in der Lust, und stand auf.

Ich sah ihm zu, wie er das Hemd abstreifte, die Hose ganz ablegte, in die Jacke griff und die kleine Packung fand. Sein Körper war kein junger Körper und brauchte keiner zu sein: breite Schultern, ein Bauch, der nicht versteckt wurde, Beine, die fest auf dem Boden standen, der Schwanz schwer und hart gegen den Unterleib. Er riss die Packung auf und rollte das Kondom über sich, sorgfältig, bis zum Ansatz. Ich beobachtete jede Bewegung und spürte, wie das Verlangen nach dem Orgasmus nicht sank, sondern die Richtung änderte, von der Klitoris hinein in die Leere, die gefüllt werden wollte.

„Kommen Sie her“, sagte ich und öffnete die Arme und die Schenkel. Er kniete sich zwischen meine Beine, stützte sich neben meinem Kopf ab und rieb die Spitze durch meine Nässe, ohne einzudringen. Das Gleiten war stumpf durch das Kondom und trotzdem heiß, und jedes Mal, wenn er über die Klitoris strich, zuckte ich. „Langsam hinein“, sagte ich. „Ganz, aber langsam. Ich will den Weg spüren.“ Er setzte an und drückte vor, und mein Körper öffnete sich um ihn, eng zuerst, dann nachgebend, Zentimeter um Zentimeter.

Ich atmete aus, während er tiefer ging. Die Dehnung war deutlich, ein Brennen am Rand der Lust, kein Schmerz, den ich weghaben wollte. Meine Hände lagen an seinen Hüften und bremsten ihn einmal, als es zu schnell wurde, und er hielt sofort. „Warten“, sagte ich. Wir blieben so, er halb in mir, sein Atem an meiner Schläfe, mein Puls um ihn herum. Dann zog ich ihn weiter. Er glitt bis zum Ansatz, und die Fülle war so vollständig, dass ich einen Augenblick die Augen schließen musste. „Da“, sagte ich. „Nicht bewegen. Nur da sein.“

Er bewegte sich nicht. Ich spürte sein Gewicht, kontrolliert, nicht auf mir zusammengebrochen, und die Härte in mir, die mit seinem Herzschlag leicht pochte. Meine inneren Muskeln zogen sich um ihn, unwillkürlich, und er stöhnte leise an meinem Ohr. „Marlene.“ „Ich weiß“, sagte ich. „Es ist viel. Es ist richtig.“ Ich hob das Becken ein wenig, nur um den Winkel zu ändern, und die Spitze traf eine Stelle tief in mir, die einen neuen, dumpfen Genuss aufmachte. „Jetzt bewegen. Klein. Nicht heraus.“

Er zog sich kaum zurück und kam wieder, kurze Stöße, die mich nicht verließen. Jeder davon rieb die empfindliche Vorderwand und drückte zugleich meinen Venushügel gegen seinen Körper. Ich legte ein Bein um seine Hüfte und hielt ihn in diesem engen Radius. Unser Atem mischte sich. Seine Brust streifte meine Brüste, die Brustwarzen glitten an seinem Haar entlang, und diese kleinen Reibungen gehörten zum selben Strom wie das, was in mir geschah. „Mehr Gewicht“, sagte ich. „Ich will Sie spüren, nicht nur den Schwanz. Sie.“

Er ließ sich tiefer auf die Unterarme und küsste mich, während er sich bewegte. Der Kuss war unordentlich jetzt, Zähne, Atem, mein Geschmack noch irgendwo darin. Ich hörte das feuchte Geräusch unserer Körper und schämte mich nicht. Das Verbot lag nicht mehr zwischen uns. Es lag unter uns, gebrochen, und das Brechen war kein Verlust, sondern der Grund, warum jede Bewegung so schwer und so gewollt war. „Wir tun es“, sagte ich in seinen Mund. „Wir tun genau das, was wir uns verboten haben.“ „Ja“, sagte er. „Und ich bereue keine Sekunde.“

Die Lust stieg wieder, anders als unter seiner Zunge, breiter, aus der Fülle heraus. Ich wollte aber das Tempo selbst. „Ich will nach oben“, sagte ich. „Nicht weil das hier nicht gut ist. Weil ich jetzt reiten will, bis ich noch einmal komme.“ Er hielt inne, küsste mich einmal fest und zog sich langsam zurück. Das Herausgleiten ließ mich leer und ungeduldig. Er legte sich auf den Rücken, der Kopf auf dem Kissen, und ich stieg über ihn, ein Knie links, eins rechts, und nahm ihn in die Hand, um ihn wieder an mich zu führen.

Ich ließ mich auf ihn sinken, diesmal in meinem Maß. Die Dehnung kam von unten, ich bestimmte, wie viel, wie schnell, und als ich saß, ganz gefüllt, legte ich die Hände auf seine Brust und blieb. Sein Blick ging über meinen Bauch, meine Brüste, mein Gesicht, und er hob die Hände nicht, bis ich nickte. Dann umfasste er meine Hüften, leicht, nicht führend. „Sie bestimmen“, sagte er. „Ich halte nur, was Sie mir geben.“ „Halten Sie die Brüste“, sagte ich. „Wie vorhin. Und sehen Sie mich an, wenn ich mich bewege.“

Ich begann zu reiten, zuerst nur mit dem Becken, kleine Kreise, in denen seine Härte gegen die Stelle in mir und mein Hügel gegen ihn rieb. Die Brüste bewegten sich in seinen Händen, schwer, und er hielt sie so, wie ich es verlangt hatte, Daumen an den Brustwarzen, Druck gleichmäßig. Ich fand den Rhythmus, der die Klitoris bei jedem Vorrollen traf, und blieb dabei, auch als die Oberschenkel zu brennen anfingen. Das Brennen gehörte dazu. Es machte den Genuss nicht edler und nicht schmutziger. Es machte ihn körperlich, meiner, in diesem Alter, mit diesem Gewicht, mit diesem Wissen.

„Sagen Sie, wenn ich zu schwer werde“, brachte ich hervor, obwohl ich die Antwort schon in seinen Händen spürte. „Sie sind nicht zu schwer“, sagte er, die Stimme rau. „Sie sind genau auf mir. Schneller, wenn Sie wollen. Oder so bleiben. Ich halte das aus.“ Ich wurde schneller, nicht hart, sondern enger in den Kreisen, und die Spannung zog sich wieder zusammen, diesmal mit ihm in mir, mit seinen Augen auf meinem Gesicht. Ich ließ den Kopf nicht sinken. Ich wollte, dass er sah, wie eine Frau von neunundvierzig kommt, wenn sie bekommt, was sie verlangt hat.

„Da“, sagte ich. „Nicht hochstoßen. Bleiben Sie unten und lassen Sie mich.“ Er blieb. Ich rieb mich an ihm, die Klitoris gegen den Ansatz seines Körpers, der Schwanz tief und still in der Bewegung, die ich machte, und der zweite Höhepunkt kam schärfer als der erste. Ich zog mich um ihn zusammen, wieder und wieder, ein heiserer Laut brach aus mir, meine Nägel drückten in seine Brust, und die Wellen liefen bis in die Fußsohlen. Er hielt meine Brüste und dann meine Hüften und bewegte sich nicht, während ich auf ihm zitterte und den Rhythmus verlor und ihn doch nicht losließ.

Als die stärksten Stöße in mir nachließen, beugte ich mich vor und legte die Stirn an seine. Wir atmeten dieselbe Luft. Er war noch hart in mir, am Rand, das spürte ich an dem Zittern seiner Bauchmuskeln und an der Art, wie seine Hände sich öffneten und schlossen. „Jetzt Sie“, sagte ich. „Ich will, dass Sie kommen. Bewegen Sie sich. Ich bin empfindlich, also nicht wild, aber hören Sie nicht auf, bevor Sie da sind.“ Er suchte meinen Blick. „Sicher?“ „Sicher“, sagte ich. „Ich will die Stöße spüren und Ihr Gesicht dabei.“

Er bog die Knie auf und stieß von unten, kontrolliert, tief, in einem Takt, den ich mit den Händen an seinen Schultern mitging. Jeder Stoß traf die noch nachzuckende Empfindlichkeit und war fast zu viel und doch willkommen, weil es seiner war. Ich küsste ihn zwischen den Atemzügen und sah ihn an, wenn der Kuss sich löste. Sein Gesicht verlor die gesammelte Ruhe. Der Mund öffnete sich, die Stirn legte sich in Falten, und ein tiefer Laut kam aus ihm, als der Rhythmus kürzer wurde. „Marlene. Ich komme.“ „Ja“, sagte ich. „In mir. Ich habe Sie.“

Er stieß noch dreimal, dann hielt er sich tief und kam, die Hüften gehoben, der Schwanz pulsierend in mir, das Kondom zwischen uns und trotzdem das deutliche Zucken, das ich um ihn herum spürte. Sein Laut war leise und offen, kein Schrei, eher ein Nachgeben, das er sich lange nicht erlaubt hatte. Ich blieb auf ihm, die inneren Muskeln noch einmal eng, und sah zu, wie die Anspannung aus seinem Gesicht wich und etwas Weiches zurückblieb, das er mir nicht zu verstecken versuchte. Meine Hand lag an seiner Wange. Er drehte den Mund hinein und küsste die Handfläche, atemlos.

Wir blieben verbunden, bis er weicher wurde und die Haltung unbequem. Ich hob mich langsam von ihm, und er hielt den Rand des Kondoms, damit nichts danebenging, eine kleine praktische Geste, die nach all dem nicht störte, sondern zum Vertrauen gehörte. Er verknotete es, stand auf und warf es in den kleinen Korb neben dem Tisch, dann kam er zurück und zog die Decke über uns beide, weil die Luft auf der feuchten Haut kühl wurde. Ich legte den Kopf an seine Schulter. Sein Arm lag um meinen Rücken, die Hand offen, nicht festhaltend.

Eine Weile sagten wir nichts. Draußen fuhr eine Bahn vorbei, dann war die Straße wieder nur Regen in den Rinnen, obwohl es aufgehört hatte zu fallen. Mein Körper summte noch, die Klitoris empfindlich, die Schenkel müde, die Brust warm an seiner Seite. Ich roch uns beide, den Wein, das Leinöl aus dem Nebenraum, seinen Schweiß, der sauber war und nicht versteckt. Das Tagesbett war zu schmal für Anstand und genau richtig für das, was wir getan hatten. Ich zog ein Knie über seines und spürte, wie er die Hand auf diesem Knie ablegte, als wolle er die Stelle kennen, nicht besitzen.

„Das Verbot ist gebrochen“, sagte ich. Meine Stimme war heiser und ruhig. „Ich bereue es nicht. Und ich will morgen nicht so tun, als wäre der Wein daran schuld oder die Stunde oder das Bild. Ich habe es gewollt, als ich die Regel noch gehalten habe, und ich habe es gewollt, als ich sie aufgegeben habe.“ Er strich mit dem Daumen über mein Knie. „Ich auch“, sagte er. „Das Bild nehme ich trotzdem mit demselben Vertrauen mit, das ich vor einer Stunde hatte. Eher mit mehr. Sie haben den Preis nicht angefasst, und ich habe ihn nicht angefasst. Das war die eigentliche Angst.“

„Sie geht morgen an den Versand, wie vereinbart“, sagte ich. „Keine andere Klausel, kein Nachlass, kein zweites Bild als Erinnerung an diese Nacht. Die Nacht bleibt in diesem Raum.“ Er nickte an meinem Haar. „Und ich fahre morgen früh, wie mein Zug es will. Nicht aus der alten Regel. Weil ein Versprechen über nächste Wochen heute eine neue Verwechslung wäre.“ Ich war ihm dankbar für diesen Satz, mehr als für manches, was sein Mund vorher getan hatte. Ein Mann, der nach dem Kommen nicht ein Zukunftstheater aufmachte, ließ den Abend ganz.

Wir tranken Wasser aus der Karaffe, die auf dem Tisch stand, abwechselnd aus demselben Glas, und die Schlucke waren gewöhnlich und deshalb tröstlich. Er fragte, ob mir etwas weh tue. Ich sagte die Wahrheit: ein leichtes Ziehen, nichts, was ich loswerden wollte, und eine Müdigkeit in den Schenkeln, die von der Arbeit des Reitens kam. Er sagte, sein Rücken werde ihn im Zug erinnern, und es klang nicht wie eine Klage. Ich lachte leise an seiner Haut. Das Lachen tat gut, weil es den Ernst nicht wegwischte, sondern ihn bewohnbar machte.

Irgendwann standen wir auf. Ich ging barfuß ins kleine Bad neben dem Büro, wusch mich mit warmem Wasser, sah im Spiegel ein Gesicht, das nicht jünger geworden war und nicht bereute, die Haare aus der Spange gefallen, der Mund rot von Küssen. Als ich zurückkam, hatte er sich angezogen, das Hemd nicht ganz zugeknöpft, und hielt mir das Kleid hin. Ich zog es über, ohne den Bügel, ohne den Slip, und der Stoff auf der bloßen Haut war eine letzte, private Erinnerung, die niemand auf der Straße sehen würde. Er schloss den Reißverschluss, langsam, und küsste die Stelle im Nacken, die er vor Stunden nur mit dem Atem gestreift hatte.

An der Tür nahm er den Mantel vom Haken. Die nassen Spuren seiner Schuhe waren getrocknet. Draußen war die Straße schwarz und glänzend, eine einzelne Laterne, kein Taxi noch, aber die Hauptstraße nah genug. Wir standen in dem kleinen Windfang, und das Verbot, das wir gebrochen hatten, hing nicht mehr als Hindernis zwischen uns, sondern als etwas Verbrauchtes, das seinen Dienst getan hatte. „Danke“, sagte er, und es war kein Höflichkeitswort nach einem Kauf. „Für die Bilder und für das Nein, das Sie laut gesagt haben, und für das Ja danach.“

„Gehen Sie gut“, sagte ich. „Und sehen Sie das Bild an, wenn es bei Ihnen hängt, ohne diese Nacht daraus zu machen. Die Nacht gehört uns. Das Bild gehört der Wand, die Sie ihm geben.“ Er nickte, beugte sich vor und küsste mich ein letztes Mal, ohne Zunge, ohne Forderung, nur Mund auf Mund, warm und kurz. Dann trat er in die Kälte. Ich sah ihm nach, bis er an der Ecke abbog, und schloss die Tür, zweimal, wie immer, der Riegel, das Schloss.

Im großen Raum hing die sitzende Frau noch an der Stirnwand, der Blick zur Seite, unverändert von dem, was hinter der Bürotür geschehen war. Ich ließ das Licht dort aus. Im kleinen Raum roch es nach uns, die Decke lag zerdrückt, die beiden Gläser standen nebeneinander, und mein Slip lag auf dem Stuhl wie ein Beweis, den niemand sonst sehen würde. Ich nahm ihn, faltete ihn nicht besonders, legte ihn zu dem Kleid, das ich am Morgen in die Reinigung geben würde, und setzte mich noch einmal auf die Kante des Tagesbetts.

Mein Körper war müde und klar. Zwischen den Beinen pochte ein Nachhall, angenehm, nicht dramatisch, und auf der Zunge lag noch der Geschmack von Wein und von ihm. Ich dachte an die Regel, nicht um sie zu bereuen und nicht um sie für immer abzuschaffen. Sie hatte mich fünf Jahre lang vor einer Verwechslung geschützt, und sie hatte heute Nacht genau das getan, wofür eine eigene Regel auch da sein kann: Sie hatte das Ja schwer genug gemacht, dass es zählte. Das Verbot zwischen den Bildern war unseres gewesen. Wir hatten es beide gewollt, erst als Grenze und dann als das, was wir gemeinsam überschritten.

Ich löschte die Lampe, trank den letzten Schluck Wasser und ging die Treppe hinauf in die Wohnung über der Galerie. Die Dielen kannten meinen Schritt. Im Schlafzimmer zog ich das Kleid aus, legte mich nackt unter die Decke und ließ die Hand auf dem Bauch liegen, dort, wo sein Gewicht gewesen war. Unten wartete das verkaufte Bild auf den Versand. Oben wartete nichts auf eine Erklärung. Ich schlief ein mit dem Wissen, dass der Abend geschlossen war, ganz, und dass ich am Morgen die Tür wieder aufschließen würde, als Galeristin, mit einer Regel, die ich noch kannte, und mit einer Nacht, die ich nicht zurückgeben musste.

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