Das Licht hinter den Hortensien
Nachbarin · 30 Minuten lesen · 40 Minuten hören
Gelesen von Ivanna
Teil 3 der Serie Nebenan (4)
Ich war dreiunddreißig, als ich an jenem Juniabend wieder in dem kleinen Haus stand, das ich vor drei Jahren für einen Sommer bewohnt hatte. Henrik, der Nachbar hinter der Hecke, war siebenunddreißig. Das hatte er mir damals selbst gesagt, an einem Abend, an dem wir beide längst erwachsen gewesen waren und die Luft zwischen uns so dicht geworden war, dass ich sie später oft noch auf der Haut zu spüren glaubte. Ich war für eine Arbeit in den Norden gegangen, bevor aus dem Beinahe etwas geworden war. Nun gehörte das Haus mir, weil Tante Elsa es mir hinterlassen hatte, und ich war für zwei Wochen gekommen, um Kisten zu sortieren und zu entscheiden, was bleiben sollte.
Das Licht im Gartenhaus brannte schon, als ich die letzte Kiste in der Diele abstellte. Durch das Küchenfenster sah ich das warme Rechteck hinter den Hortensien, und mein Blick kehrte immer wieder dorthin zurück, obwohl auf dem Tisch noch Rechnungen lagen. Der Garten duftete nach warmem Gras und nach den schweren Blüten, die über den Zaun wuchsen. Ich kannte den Weg an der Seite entlang, die losen Steinplatten, die Stelle, an der der Apfelbaum am späten Tag Schatten warf. Drei Sommer zuvor hatte Henrik dort gestanden, die Ärmel hochgekrempelt, und mir eine Schale Kirschen gereicht.
Ich hatte seine Hand damals länger gehalten, als es für Nachbarn nötig gewesen wäre. Wir hatten gelacht, dann geschwiegen, und ich war ins Haus gegangen, weil ich Angst vor dem gehabt hatte, was ich wollte. Heute war die Angst kleiner, nicht verschwunden, nur nicht mehr stärker als das Ziehen in der Brust. Ich zog ein leichtes Kleid über, das an den Schultern offen war, band das Haar nur lose hoch und nahm die Flasche Wein, die ich am Nachmittag gekauft hatte. Ich hatte mir dabei nicht eingestanden, für wen sie bestimmt war.
Am Zaun blieb ich stehen. Das Gartenhaus war aus hellem Holz, mit zwei Fenstern zur Wiese und einer Tür, die einen Spalt offen stand. Drinnen bewegte sich ein Schatten vor der Lampe. Ich hörte leise Musik, kein Lied, das ich kannte, nur ein Klavier, gedämpft durch die Scheiben. Mein Herz schlug schneller, nicht vor Schreck, sondern vor diesem alten, genauen Ziehen, das von der Brust in den Bauch sank. Ich hätte umkehren können. Stattdessen öffnete ich das Gartentor, das nie abgeschlossen war, und ging über den kurzen Rasen auf das Licht zu.
Henrik trat in die Tür, als ich noch drei Schritte entfernt war. Er trug ein helles Hemd, die oberen Knöpfe offen, und seine Füße waren nackt auf der Holzschwelle. Das Haar war kürzer als früher, an den Schläfen ein wenig heller, und das Gesicht war dasselbe: ruhig, aufmerksam, mit diesem Mund, den ich damals zu lange angesehen hatte. Er erkannte mich sofort. Einen Moment lang sagte keiner von uns etwas. Dann lächelte er, langsam, als müsse er sich vergewissern, dass ich wirklich da war und nicht nur eine Erinnerung, die der Abend herbeigeholt hatte.
„Clara“, sagte er. Mein Name in seinem Mund klang, als hätte er ihn in den letzten Jahren nicht oft ausgesprochen und doch nicht vergessen. „Du bist zurück.“
„Für zwei Wochen“, sagte ich und hob die Flasche ein wenig an, weil meine Hände etwas brauchten. „Das Haus gehört mir jetzt. Tante Elsa hat es mir hinterlassen. Ich habe Licht gesehen. Wenn ich störe, gehe ich wieder.“
Er schüttelte den Kopf, trat zur Seite und hielt die Tür weiter auf. „Du störst nicht. Ich habe gehofft, dass du irgendwann über den Rasen kommst, seit ich dein Auto in der Einfahrt gesehen habe.“ Er sah mich an, ohne zu drängen. „Komm rein. Die Mücken sind heute aufdringlich, und hier drin ist es besser.“
Ich trat über die Schwelle. Das Gartenhaus roch nach Holz, nach Leinöl und nach dem Seifenstück, das auf dem kleinen Waschbecken in der Ecke lag. An einer Wand standen Regale mit Töpfen, Schnur und sauber gewickelten Kabeln. Gegen die andere Wand war eine breite Liege geschoben, bezogen mit hellem Leinen, darauf eine Decke, die er offenbar gerade gefaltet hatte. Eine Lampe mit einem Stoffschirm warf warmes Licht über die Dielen. Durch die Fenster sah man nur Dunkelgrün und den letzten Streifen Himmel.
Die Tür fiel hinter mir ins Schloss, nicht laut, nur endgültig genug, dass der Garten draußen blieb. Henrik nahm mir die Flasche ab. Unsere Finger berührten sich am Glas, eine kleine Berührung, und doch lief mir die Wärme davon den Arm hinauf. Er hielt einen Augenblick inne, bevor er zwei Gläser aus einem Schrank holte. „Drei Jahre“, sagte er, während er einschenkte. „Ich habe manchmal an den Abend mit den Kirschen gedacht. Und daran, dass du am nächsten Morgen schon weg warst.“
„Ich hatte Angst“, sagte ich. Die Worte kamen leichter, als ich erwartet hatte, vielleicht weil ich sie drei Jahre mit mir herumgetragen hatte. „Nicht vor dir. Vor dem, wie sehr ich bleiben wollte. Ich war dreißig, du vierunddreißig, und es war kein Missverständnis zwischen halben Kindern oder irgendetwas Unklarem. Ich wusste, was ich fühlte. Ich bin nur schlecht darin, Dinge anzufangen, die ich nicht sofort überblicken kann.“
Er reichte mir das Glas. Wir stießen nicht an. Wir sahen uns an, und das reichte, um den Raum enger wirken zu lassen. Der Wein war kühl und trocken. Ich setzte mich auf den Rand der Liege, weil der einzige Stuhl voller gefalteter Tücher lag, und er setzte sich nicht gegenüber, sondern neben mich. Zwischen unseren Knien blieb ein kleiner Abstand. Nah genug war er trotzdem, dass ich seine Wärme spürte, noch bevor irgendeine Haut die andere berührte.
Draußen strich Wind durch die Hortensien und ließ die Blüten gegen den Zaun tupfen. Drinnen war es still bis auf die Musik, die er leiser drehte, bis sie nur noch ein Hintergrund war, den man vergessen konnte. Ich trank einen Schluck und stellte das Glas auf mein Knie. Meine andere Hand lag flach auf dem Leinen. Ich spürte die Naht unter den Fingern und daneben die Möglichkeit, die Hand nur ein wenig zu verschieben.
„Und jetzt?“, fragte er. „Überblickst du es besser?“
„Nein“, sagte ich ehrlich. „Aber ich will es nicht noch einmal ungesagt lassen. Ich habe dich vermisst, Henrik. Nicht nur als Nachbarn, der Kirschen teilt und den Rasen mäht. Ich habe an deine Hände gedacht, an die Art, wie du mich angesehen hast, als ich die Schale genommen habe. Ich bin heute Abend hergekommen, weil ich wissen wollte, ob das noch da ist. Bei mir ist es da.“
Er stellte sein Glas auf den kleinen Tisch. Dann legte er die Hand flach auf die Liege zwischen uns, die Handfläche nach oben, eine Einladung und keine Forderung. „Bei mir auch“, sagte er. „Es war die ganze Zeit da. Ich habe niemanden in dieses Haus gebeten, der dich ersetzen sollte. Das klingt größer, als ich es sagen wollte. Es ist einfach wahr, und ich möchte es nicht kleiner reden, nur damit es leichter klingt.“
Ich legte meine Hand in seine. Seine Haut war warm, die Handfläche ein wenig rau von der Arbeit im Garten, die Finger lang und ruhig. Er schloss sie nicht sofort. Er wartete, bis ich den Druck erwiderte, und erst dann hielt er mich fest, fest genug, dass ich den Halt spürte, und lose genug, dass ich mich jederzeit hätte lösen können. Ich löste mich nicht. Ich rückte ein wenig näher, bis unser Knie sich endlich berührte, und diese einfache Berührung lief mir wie ein warmes Band das Bein hinauf.
Er hob unsere Hände und küsste die Innenseite meines Handgelenks, dort, wo der Puls ging. Der Kuss war trocken und genau. Mir wurde heiß unter dem Kleid, zwischen den Brüsten und tiefer, an der Stelle, die ich seit dem Zaun schon gespürt hatte, ohne sie zu benennen. Ich atmete aus, länger als nötig, und er hob den Blick, ohne meine Hand loszulassen. In seinen Augen lag eine Frage, die er gleich in Worte fassen würde, und ich war dankbar dafür, dass er sie nicht übersprang.
„Wenn du bleiben willst“, sagte er leise an meiner Haut, „dann sag es. Wenn du nur reden willst, bleiben wir beim Wein und beim Erzählen. Beides ist in Ordnung. Ich will dich nicht überrumpeln, nur weil drei Jahre zu lang waren und weil du schön bist in diesem Licht.“
„Ich will bleiben“, sagte ich. Meine Stimme war ruhiger als mein Körper. „Ich will dich. Hier. Heute. Nicht halb und nicht beinahe, und nicht so, dass einer von uns hinterher raten muss, was der andere gemeint hat. Wenn du das auch willst, dann hör nicht auf, mich anzufassen. Wenn du es nicht willst, sagen wir es jetzt, und ich gehe mit dem Wein zurück über den Rasen.“
Er hob den Kopf. In seinen Augen war etwas Offenes, das mich mehr erregte als jede geschickte Bewegung es gekonnt hätte. „Ich will das“, sagte er. „Sag mir, wenn etwas nicht gut ist. Sag mir, wenn du mehr willst oder wenn ich langsamer sein soll. Ich höre zu. Das ist mir wichtig, Clara, nicht nur als Satz, den man sagt, bevor man ihn vergisst.“
„Das werde ich“, sagte ich. „Und ich will, dass du mir auch sagst, was du brauchst. Nicht nur ich darf führen.“ Dann beugte ich mich vor und küsste ihn.
Der erste Kuss war kein vorsichtiges Abtasten mehr. Ich hatte drei Jahre Vorsicht hinter mir, und sein Mund war warm und offen und kam mir entgegen, als hätte er denselben Entschluss gefasst. Ich schmeckte den Wein und darunter ihn, etwas Klares, nach Haut und nach einem Minzblatt, das er wohl vorhin gekaut hatte. Seine Hand legte sich an meine Wange, der Daumen an meinem Wangenknochen, und er küsste mich tiefer, langsam, mit einer Geduld, die mich ungeduldig machte und gleichzeitig hielt.
Ich öffnete die Lippen, und unsere Zungen fanden sich. Ein Laut stieg in meiner Kehle auf, den ich nicht zurückhielt. Er zog mich näher, bis mein Knie über seines glitt und ich halb zu ihm gedreht saß. Das Leinen unter uns raschelte. Seine andere Hand fand meine Taille, dann den offenen Rücken des Kleides, und die bloße Berührung seiner Finger auf meiner Wirbelsäule ließ mich erschauern. Ich schob die Hände in sein Haar, das kurz und dicht war, und hielt ihn an mich.
Wir küssten uns, als müssten wir die versäumten Abende in diesem einen nachholen, und doch blieb Zeit in jeder Bewegung. Mein Atem ging schneller. Zwischen meinen Schenkeln wurde es warm und weich und drängend, ein Puls, der sich dem Puls an meinem Hals anglich. Ich spürte, wie mein Körper sich ihm entgegenneigte, ohne dass ich es beschlossen hatte. Als wir uns kurz lösten, um Luft zu holen, blieb seine Stirn an meiner, und ich lächelte, weil das Warten endlich eine Richtung hatte.
„Darf ich das Kleid öffnen?“, fragte er an meinem Mund.
„Ja“, sagte ich. „Mach es auf. Ich will deine Hände auf der Haut, nicht nur auf dem Stoff.“
Er fand die kleinen Knöpfe an der Seite, nicht hastig, einen nach dem anderen. Das Kleid lockerte sich um die Rippen. Ich hob die Arme, und er zog es mir über den Kopf und legte es ordentlich über den Stuhl, als wäre selbst in diesem Moment Sorgfalt eine Form von Zuneigung. Darunter trug ich einen schmalen Büstenhalter aus heller Baumwolle und einen Slip, der an den Hüften saß. Die Luft im Gartenhaus war warm, und doch richteten sich meine Brustwarzen auf, sobald der Stoff von den Schultern war.
Er sah mich an, und sein Blick war so aufmerksam, dass ich mich nicht bedeckt fühlen wollte. Ich wollte gesehen werden, von ihm, in diesem Licht, mit dem Haar, das sich schon löste. „Du bist schön“, sagte er, schlicht, ohne Ausschmückung. „Darf ich dich anfassen?“
„Überall“, sagte ich. „Fang an, wo du willst. Ich sage dir, was ich mag, und ich sage dir, wenn ich etwas anders haben will. Das gilt auch für dich.“
Er küsste zuerst die Stelle unter meinem Ohr, dann den Hals, dann die Vertiefung über dem Schlüsselbein. Seine Lippen waren weich, und zwischendurch spürte ich die leichte Rauheit seines Kinns, die einen feinen Gegensatz setzte. Ich ließ den Kopf zur Seite sinken und hielt mich an seiner Schulter fest. Als er den Träger des Büstenhalters von meiner Schulter schob und durch den Stoff hindurch die Brust küsste, entfuhr mir ein leises, ungeschütztes Stöhnen. Er öffnete den Verschluss auf meinem Rücken. Ich half ihm, die Träger abzustreifen.
Dann waren meine Brüste frei, schwerer, als der Stoff sie hatte wirken lassen, die Warzen dunkel und fest. Er nahm eine Brust in die Hand, wog sie, strich mit dem Daumen langsam über die Warze, bis ich die Lippen zusammenpresste und gleich wieder öffnete, weil ich atmen musste. Dann beugte er sich hinab und nahm die Warze in den Mund. Die Wärme seiner Zunge, das sanfte Saugen, der Wechsel zur anderen Brust, das alles zog eine direkte Linie hinunter in meinen Schoß. Ich drückte den Rücken durch.
Meine Hand fand seinen Nacken und hielt ihn dort. „Das ist gut“, sagte ich. „Genau so. Nicht härter. Ein bisschen länger an der linken, die ist empfindlicher.“ Er folgte, ohne zu fragen, ob ich sicher sei, weil ich es schon gesagt hatte. Er leckte, kreiste, sog wieder, und ich hörte meinen eigenen Atem lauter werden in dem kleinen Raum. Die Musik war weg oder unwichtig. Es gab nur seinen Mund und die Stelle, an der Lust sich sammelte, noch nicht als Höhepunkt, sondern als Versprechen.
Seine freie Hand strich über meinen Bauch, langsam abwärts, bis die Finger am Bund des Slips lagen und dort warteten. Ich hob die Hüften. „Zieh ihn aus“, sagte ich. Er tat es, kniete sich dafür kurz vor die Liege, streifte den Stoff über meine Schenkel, über die Knie, über die Füße, und legte ihn zu dem Kleid. Dann blieb er einen Moment auf den Knien und sah mich an, nackt auf dem hellen Leinen, die Beine noch geschlossen, das Haar halb gelöst, die Brüste gehoben von meinem Atem.
„Öffne die Schenkel für mich, wenn du willst, dass ich dich dort küsse“, sagte er. Es war keine Höflichkeitsformel. Es war eine echte Schwelle, und ich mochte, dass er sie nicht einfach überschritt.
Ich wollte es. Ich hatte es schon am Zaun gewollt, in einer unscharfen, heißen Ahnung, und jetzt war die Ahnung ein klares Verlangen. Ich stellte die Füße auf die Liege und ließ die Knie auseinanderfallen. Die Luft traf die feuchte Haut zwischen meinen Beinen, und ich spürte, wie offen ich schon war, wie bereit, wie deutlich mein Körper gesprochen hatte, bevor der Mund es ganz ausformuliert hatte. Er atmete hörbar aus, kein Laut der Gier allein, eher eines Staunens, das mich nicht zur Schau stellte, sondern empfing.
Dann beugte er sich vor und küsste die Innenseite eines Schenkels, dann des anderen, höher, näher, bis sein Atem direkt über meiner Scham lag. Die erste Berührung seiner Zunge war langsam, ein langer Strich von unten nach oben, der mich zusammenzucken und gleich wieder sinken ließ. Er legte die Hände an meine Hüften, nicht um mich festzuhalten, sondern um mich zu spüren. Seine Zunge teilte mich, fand die Nässe, kostete sie, und dann fand er die kleine, empfindliche Stelle oben und umkreiste sie mit einer Geduld, die fast zu viel war und gleichzeitig genau richtig.
Ich griff ins Leinen. Ein Stöhnen kam aus mir, lauter als vorhin, und ich schämte mich nicht dafür. Hier war niemand außer uns. Die Fenster zeigten nur Dunkelheit und Blätter. „Ja“, sagte ich. „Da. Bleib da. Ein wenig fester mit der Zunge. Die Finger, wenn du magst, aber langsam, und sag mir, wenn deine Hand ermüdet. Wir haben Zeit.“
Er brummte zustimmend an mir, und die Schwingung ging durch mich hindurch. Zwei Finger strichen durch die Nässe, prüfend, und als ich die Hüften entgegenhob, schob er sie in mich, vorsichtig, bis sie ganz in mir waren und sich krümmten, suchend. Er fand die Stelle an der Vorderwand, die mich enger werden ließ um seine Finger, und er bewegte sie in einem ruhigen Rhythmus, während seine Zunge nicht von der Knospe wich. Ich hörte das leise, nasse Geräusch seiner Hand und meinen eigenen Atem, der in Stöße zerfiel.
Die Spannung sammelte sich tief, zog sich zusammen, wurde größer als der Raum und größer als die drei Jahre, die zwischen uns gelegen hatten. Ich sah an die Holzbalken der Decke und dann wieder hinunter auf sein Haar, auf die Schultern, die sich zwischen meinen Schenkeln bewegten, und der Anblick gehörte zur Lust dazu, nicht nur die Berührung. Meine Fersen rutschten auf dem Leinen. Ich stellte sie fester auf und gab ihm mehr von meinem Gewicht, mehr Offenheit, und er nahm sie an, ohne den Rhythmus zu verlieren.
„Henrik“, sagte ich, und der Name brach in der Mitte. „Ich komme, wenn du so weitermachst. Ich will kommen. Bitte hör nicht auf, und ändere nichts, nicht die Stelle und nicht das Tempo.“
Er hörte nicht auf. Er hielt den Rhythmus, die Zunge flach und stetig, die Finger gekrümmt und geduldig, und die Welle brach über mich. Ich bog den Rücken, die Schenkel zitterten gegen seine Schultern, und der Höhepunkt lief in langen, hellen Stößen durch meinen Bauch, meine Brüste, bis in die Fußsohlen. Ich sagte seinen Namen noch einmal, und etwas Wortloses danach, und ich hielt seinen Kopf an mich, nicht grob, nur damit er blieb, bis das Zittern nachließ und die Empfindlichkeit kam.
Er blieb. Er küsste mich sanfter, als es zu viel wurde, und zog die Finger langsam heraus, und als ich die Augen öffnete, sah er mich an mit einem Mund, der von mir glänzte, und mit einem Blick, der mich schon wieder warm werden ließ, obwohl der Körper noch nachbebte. Er wischte sich nicht hastig das Gesicht ab. Er küsste die Innenseite meines Knies, als gehöre auch das zum Akt, und wartete, bis mein Atem sich fing.
„Komm her“, sagte ich heiser. „Ich will dich küssen. Ich will dich ausziehen. Ich bin noch nicht fertig mit dir, und du bist noch angezogen, das ist nicht gerecht, und ich will deine Haut.“
Er lachte leise, ein echter Laut, und kam zu mir herauf. Ich küsste ihn und schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und eigen, und es erregte mich neu, statt mich zu befremden. Meine Hände fanden die Knöpfe seines Hemdes. Ich öffnete sie, schob den Stoff von seinen Schultern, küsste die Haut, die darunter zum Vorschein kam, die Brust, die warme Linie bis zum Bauch. Er war schlank, nicht hart trainiert, mit einer Spur Haar, die abwärts führte, und ich folgte ihr mit dem Mund, während er das Hemd ganz abstreifte.
Als ich am Bund seiner Hose ankam, hielt ich inne und sah auf. „Darf ich?“, fragte ich.
„Ja“, sagte er. „Bitte. Ich will deine Hände. Und deinen Mund, wenn du das möchtest, aber du musst nicht.“
Ich öffnete den Knopf, den Reißverschluss, und er hob die Hüften, damit ich Hose und Shorts zusammen hinunterziehen konnte. Sein Glied war hart, dick genug, dass meine Hand es gut umschließen konnte, die Haut heiß und glatt, an der Spitze schon feucht. Ich strich einmal langsam von der Wurzel bis zur Spitze und sah, wie seine Bauchmuskeln sich anspannten und sein Atem stockte. „Gefällt dir das?“, fragte ich, obwohl die Antwort in seinem Körper lag. Ich wollte seine Stimme hören, so wie er meine gewollt hatte.
„Sehr“, sagte er. „Deine Hand ist genau richtig. Nicht zu fest. So, und ein wenig mehr Druck unter der Spitze, wenn du magst.“ Ich tat, was er beschrieb, und sein Kopf sank zurück auf das Leinen, der Hals lang, der Mund offen. Der Anblick machte mich wieder feucht, als hätte der erste Höhepunkt nur eine Tür geöffnet und keine geschlossen.
Ich beugte mich hinab und nahm ihn in den Mund, zuerst nur die Spitze, die Zunge kreisend über die empfindliche Unterseite, dann tiefer, so weit, wie es angenehm blieb. Ich mochte das Gewicht, den Geschmack von Haut und Salz, das leise Geräusch, das er machte, als ich mit der Hand das nachholte, was der Mund nicht fasste. Meine andere Hand lag auf seinem Oberschenkel und spürte das Beben darin. Ich saugte langsam, hob den Blick und sah, dass er mich ansah, die Lippen geöffnet, eine Hand in meinem Haar, ohne zu drücken, nur haltend.
„Ist die Hand im Haar in Ordnung?“, fragte er, schon belegt.
„Ja“, sagte ich, den Mund kurz frei, und nahm ihn wieder auf. „Halt mich. Zieh nicht. Ich mag es, wenn du da bist, ohne zu lenken.“ Er nickte, und die Finger blieben leicht. Ich fand einen ruhigen Takt, Zunge und Hand zusammen, und hörte, wie sein Atem sich zerlegte. Es gefiel mir, ihn so zu haben, nicht als Dienst und nicht als Beweis, sondern weil ich seinen Geschmack wollte und das Zucken in seiner Hüfte, das er zurückzuhalten versuchte und nicht ganz schaffte.
„Clara“, sagte er nach einer Weile. „Wenn du so weitermachst, ist es zu schnell vorbei. Ich will in dir sein. Aber nur, wenn du das auch willst. Im Schrank liegt eine Schachtel. Ich hole sie, wenn du einverstanden bist. Ich will nichts riskieren, was wir nicht besprochen haben.“
Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten und küsste die Innenseite seines Oberschenkels, damit er wusste, dass das Aufhören keine Abkehr war. „Ich bin einverstanden“, sagte ich. „Hol sie. Ich will dich in mir spüren, und ich will, dass wir das vernünftig tun. Ich habe keine andere Verhütung dabei, und ich möchte heute nicht darüber nachdenken müssen, während du in mir bist.“
Er stand auf, nackt und hart, und der Anblick von hinten, der Rücken, das Gesäß, die Art, wie er den Schrank öffnete, war so alltäglich und so erregend zugleich, dass mir warm wurde bis in die Kehle. Er kam mit einem kleinen Päckchen zurück, setzte sich neben mich und wollte es öffnen. Ich nahm es ihm aus der Hand. „Lass mich“, sagte ich. Ich riss die Hülle auf, setzte das durchsichtige Gummi an seine Spitze und rollte es mit der Faust langsam hinunter, bis es saß. Er atmete durch die Nase, die Augen halb geschlossen.
„Gut so?“, fragte ich.
„Gut“, sagte er. „Komm her. Wie willst du mich? Ich richte mich nach dir, und wenn du unterwegs etwas änderst, ändern wir es.“
„Zuerst so“, sagte ich und legte mich zurück, zog ihn über mich. „Ich will dein Gewicht. Ich will dein Gesicht sehen. Und wenn ich später oben sein will, sage ich es. Nicht alles auf einmal. Zuerst das.“
Er stützte sich auf die Unterarme, damit er mich nicht erdrückte, und küsste mich, während die Spitze seines Glieds an meiner Öffnung lag und wartete. Ich war noch feucht von seinem Mund und von dem, was nach dem Höhepunkt in mir nachklang, und als ich die Hüften anhob, glitt er ein Stück in mich. Wir hielten beide inne. Die Dehnung war deutlich, voll, genau an der Grenze zwischen Viel und Genau-richtig. Ich atmete gegen seinen Mund und spürte, wie mein Körper sich öffnete, nicht auf Befehl, sondern weil er wollte.
„Langsam“, sagte ich. „Ganz rein, aber langsam. Du bist groß, und ich will jeden Zentimeter spüren, nicht nur das Ende. Wenn es zu viel wird, sage ich stopp, und dann wartest du.“
„Ich warte“, sagte er. „Du führst das Tempo. Ich folge.“
Er schob sich tiefer, Millimeter um Millimeter, und ich atmete, die Hände an seinem Rücken, die Nägel leicht in der Haut, nicht um ihn zu kratzen, sondern um mich festzuhalten. Als er ganz in mir war, blieben wir einen Moment still. Ich spürte ihn pulsieren, spürte, wie mein Körper sich um ihn schloss, warm und eng und willig. Draußen raschelte der Apfelbaum an der Scheibe. Drinnen war nur unser Atem und das leise Knarren der Liege unter unserem Gewicht.
„Beweg dich“, sagte ich. „Langsame Züge. Tief. Und küss mich dabei, wenn du kannst, ohne den Winkel zu verlieren.“
Er zog sich fast ganz zurück und glitt wieder hinein, und der Laut, den ich machte, war offen und tief. Er fand einen Rhythmus, nicht hastig, jeder Stoß bis zum Ansatz, die Hüften rollend, sodass er an der Stelle rieb, die seine Finger vorhin gefunden hatten. Ich schlang ein Bein um seine Taille und änderte den Winkel, und beim nächsten Stoß wurde es hell hinter den Lidern, ein Aufblitzen von Lust, das mich die Zehen krümmen ließ. „Da“, sagte ich. „Bleib in diesem Winkel. Ja. Henrik, ja. Genau das.“
Er hörte zu und passte sich an, und das war erregender als jede rohe Kraft. Seine Brust streifte meine Brüste bei jedem Zug. Sein Mund fand meinen Hals, dann meinen Mund, und zwischen den Küssen sagte er meinen Namen, sagte, wie gut ich mich anfühlte, wie lange er das gewollt hatte, ohne daraus eine Schuld zu machen. Ich antwortete mit dem Becken, kam ihm entgegen, nahm ihn tiefer, und die Nässe zwischen uns machte jedes Gleiten leicht und deutlich zugleich. Das Leinen unter meinem Rücken wurde warm. Eine Haarsträhne klebte an meiner Schläfe.
Ich strich sie nicht weg. Ich wollte nur ihn, seinen Atem, den Druck, die Art, wie er mich ansah, wenn er den Kopf hob. Die Lust stieg wieder, anders als vorhin, breiter, aus der Fülle in mir und aus der Reibung außen, wo sein Körper bei jedem tiefen Stoß gegen meine Knospe drückte. Ich griff nach seiner Hand und führte sie zwischen uns. „Reib mich dabei“, sagte ich. „Mit zwei Fingern, kreisend, nicht zu schnell. Wenn der Arm müde wird, sag es, dann mache ich es selbst.“
Er verlagerte das Gewicht auf einen Arm, und seine Finger fanden mich, nass und geschwollen, und kreisten, während er in mir blieb und sich langsamer bewegte, damit beides zusammenpasste. Die Kombination war fast zu viel und genau das, was ich brauchte. Ich biss mir auf die Lippe und ließ sie wieder los, weil ich stöhnen wollte und weil er das hören sollte. Er hörte es. Sein Rhythmus blieb, auch als mein Körper unruhiger wurde und die Hüften aus dem Takt zu fallen drohten. Er fing mich auf, ohne mich festzuhalten.
„Ich bin nah“, sagte ich. „Nicht aufhören. Genau so. Wenn ich komme, bleib in mir. Ich will dich dabei spüren, nicht die Leere.“
„Ich bin hier“, sagte er. „Ich bleibe. Komm, Clara. Ich will es spüren. Du musst leise sein, wenn du leise sein willst, und laut, wenn du laut sein willst. Hier hört uns niemand.“
Der zweite Höhepunkt kam tiefer und länger. Er fing in der Mitte an, dort, wo er mich füllte, und rollte nach außen, bis meine Schenkel zuckten und ich mich um ihn zusammenzog, Welle um Welle, den Mund an seiner Schulter, ein Laut, der in seiner Haut verging. Er hielt still in mir, während ich kam, die Finger weiter sanft kreisend, bis ich seine Hand wegzog, weil es zu empfindlich wurde, und ihn stattdessen an mich zog. Mein Herz schlug gegen seins. Für ein paar Atemzüge gab es keinen Satz, der nötig gewesen wäre.
„Jetzt du“, flüsterte ich, als die Sprache zurückkam. „Ich will, dass du kommst. Beweg dich so, wie du es brauchst. Ich halte dich. Nicht härter als vorhin, aber du musst dich nicht mehr zurücknehmen um meinetwillen. Mir geht es gut. Mehr als gut.“
Er küsste mich einmal, fest und dankbar, und dann nahm er sich den Rhythmus, den er zurückgehalten hatte. Tiefer, ein wenig schneller, immer noch kontrolliert, die Stirn an meiner, der Atem heiß. Ich hielt seinen Rücken, seine Hüften, ermutigte ihn mit leisen Worten, sagte, dass es gut war, dass ich ihn ganz wollte, dass er bleiben solle, bis es vorbei war. Sein Körper spannte sich. Die Stöße wurden kürzer, drängender, und ich spürte, wie er an den Rand kam, an dem Denken aufhört und nur noch der Körper spricht.
Er sagte meinen Namen, einmal, zweimal, und dann kam er, das Gesicht offen, ein tiefer Laut an meinem Mund, die Hüften fest an mich gepresst, während er in langen Zuckungen in das Gummi ergoss. Ich spürte das Pulsieren in mir und hielt ihn, streichelte seinen Rücken, die feuchte Linie entlang der Wirbelsäule, bis das Zittern nachließ und er das Gewicht wieder auf die Arme verlagerte, um mich nicht zu erdrücken. Er blieb noch einen Moment in mir, die Augen geschlossen, und ich küsste sein Augenlid, weil es da war und weil ich ihn weiter berühren wollte, auch nachdem die große Bewegung aufgehört hatte.
„Geht es dir gut?“, fragte er leise, als er die Augen öffnete.
„Ja“, sagte ich. „Sehr gut. Und dir? Nicht nur der Körper. Auch das andere. Das, was drei Jahre gewartet hat.“
„Besser als gut“, sagte er. Er küsste mich auf die Stirn, dann vorsichtig auf den Mund. „Ich ziehe mich zurück. Sag, wenn es zieht.“
Er glitt langsam aus mir. Ich spürte die Leere und ein Nachbeben, das angenehm war, kein Schmerz, nur die Erinnerung an Fülle. Er streifte das Kondom ab, knotete es und stand auf, um es in den kleinen Eimer neben dem Waschbecken zu legen, nicht achtlos, sondern ordentlich, wie er das Hemd abgelegt hatte. Dann kam er mit einem weichen Tuch zurück, das er unter dem Wasserhahn angefeuchtet hatte, und fragte, bevor er mich berührte. Ich nickte. Er wischte mich sanft zwischen den Beinen ab, warmes Wasser, keine Hast.
Die Fürsorge darin rührte mich fast mehr als der Höhepunkt, und ich ließ die Rührung zu, ohne sie wegzuwittern. Ich lachte leise, weil Lust und Zärtlichkeit in mir noch nebeneinanderlagen und sich nicht widersprachen. „Was ist?“, fragte er, das Tuch noch in der Hand, der Blick wachsam, als fürchte er, etwas falsch gemacht zu haben.
„Nichts Schlimmes“, sagte ich. „Ich habe nur nicht erwartet, dass du so aufmerksam bist und gleichzeitig so gut. Das ist eine Kombination, mit der ich nicht gerechnet habe, obwohl ich sie mir gewünscht habe. Ich werde die nächsten zwei Wochen an heute denken, wenn ich Kisten öffne, und das ist keine Klage.“
Er legte das Tuch beiseite, zog die Decke über uns und legte sich neben mich, den Arm unter meinem Nacken, sodass ich den Kopf an seine Schulter betten konnte. Die Lampe brannte noch. Draußen war die Musik längst aus, oder wir hatten sie nicht mehr gehört. Durch das Fenster kam der Geruch von Hortensien und Nacht. Meine Haut kühlte langsam ab. An den Stellen, wo sein Mund gewesen war, blieb ein Echo, am Hals, an der Brust, zwischen den Schenkeln, ein leises Pochen, das nicht mehr drängte und doch nicht verschwunden war.
„Du musst nichts versprechen, was über heute hinausgeht“, sagte er nach einer Weile. Sein Daumen strich über meine Schulter, langsam, immer dieselbe Strecke. „Du kannst morgens Kisten sortieren und abends herkommen, wenn du willst. Oder ich komme zu dir. Oder wir sitzen nur im Garten und tun so, als wären wir vernünftige Nachbarn, und scheitern nach zehn Minuten. Ich dränge dich nicht. Aber ich will dich wiedersehen, solange du hier bist.“
Er schwieg einen Atemzug lang und fuhr dann fort, leiser. „Und ich will ehrlich sein. Ich würde dich auch danach wiedersehen wollen, wenn die zwei Wochen um sind. Nicht als Forderung. Als Wunsch. Du lebst im Norden, ich hier. Das ist eine Entfernung, keine Kleinigkeit. Ich tue nicht so, als wäre sie keine.“
Ich drehte das Gesicht an seine Brust und atmete ihn ein, Holz, Salz, Haut. „Ich will dich auch wiedersehen“, sagte ich. „Heute war kein Versehen und kein Abschluss von damals. Es war ein Anfang, auch wenn ich noch nicht weiß, wie der Weg zwischen deinem Gartenhaus und meiner Arbeit im Norden aussieht. Ich bin dreiunddreißig. Ich kann Dinge wollen, ohne sie am selben Abend zu lösen. Das habe ich gelernt, seit ich das letzte Mal weggelaufen bin, und ich möchte es diesmal nicht wieder verlernen, nur weil der Körper zufrieden ist und der Kopf müde.“
„Dann bleiben wir bei dem, was wahr ist“, sagte er. „Du bist hier. Ich bin hier. Die Tür ist zu, der Wein steht noch auf dem Tisch, und niemand verlangt eine Entscheidung vor dem Morgen. Wenn du schlafen willst, schlaf. Wenn du zurück in dein Haus willst, bringe ich dich bis zur Tür, oder du gehst allein, wie du möchtest. Beides ist kein Abschied im schlimmen Sinn.“
Ich hob den Kopf und küsste ihn, diesmal ohne Eile, ein Kuss, der nach Nachklang schmeckte und nach der Möglichkeit von mehr, nicht nach einem zweiten Akt, der noch erzwungen werden müsste. Zwischen meinen Beinen pochte es sanft. Sein Körper war warm und schwer vor Müdigkeit, nicht mehr drängend, und das gefiel mir ebenso wie die Härte von vorhin. Nicht jeder Abend musste alles auf einmal sein. Dieser hatte schon mehr gehalten, als ich am Küchenfenster zu hoffen gewagt hatte.
„Ich bleibe noch“, sagte ich. „Nicht die ganze Nacht, vielleicht doch. Ich entscheide das, wenn die Augen zufallen oder nicht. Aber ich will nicht sofort über den Rasen zurück, als wäre das hier nur eine Erledigung gewesen. Es war keine. Es war das, was ich wollte, und du hast mich gefragt, und ich habe ja gesagt, und es war gut. Das möchte ich noch ein wenig bei mir behalten, hier, an deiner Schulter, nicht schon auf dem Weg zur Diele mit den Kisten.“
Er zog die Decke höher und küsste mein Haar. „Dann bleib“, sagte er. „Ich knipse die Lampe aus, wenn du möchtest, oder ich lasse sie brennen. Im Schrank liegt noch eine Decke, falls dir kühl wird. Und Wasser ist im Krug auf dem Tisch, falls der Wein zu trocken war.“
„Lampe aus, gleich“, sagte ich. „Zuerst noch das hier.“ Ich legte die Hand auf seine Brust, über dem Herzen, und spürte den Schlag, ruhiger jetzt, stetig. „Danke, dass du gewartet hast, damals und heute. Nicht auf eine Art, die mich verpflichtet. Auf eine Art, die mich gewählt hat, als ich wieder in der Tür stand.“
„Ich habe nicht nur gewartet“, sagte er. „Ich habe gelebt. Aber ich habe dich nicht vergessen, und als du heute über den Rasen kamst, war das keine Überraschung im Körper, nur im Zeitpunkt. Der Körper wusste schon am Zaun, was er wollte. Ich auch. Und ich bin froh, dass wir es gesagt haben, bevor wir es getan haben. Das macht den Nachklang klarer.“
Wir sprachen danach weniger. Die Sätze wurden kürzer, die Pausen länger, und in den Pausen war nichts Unbeholfenes mehr. Mein Körper sank in die Matratze der Liege, die dünner war als ein Bett und genau richtig für diesen Raum. Zwischen den Beinen war ich empfindlich und zufrieden. An der Schulter spürte ich seinen Atem gleichmäßiger werden, nicht im Schlaf, nur im Ausruhen. Ich blieb wach ein wenig länger und sah das Lampenlicht auf den Dielen und die Silhouette der Töpfe im Regal.
Ich dachte nicht an die Straße in den Norden und nicht an die Kisten in der Diele. Ich dachte an seine Hand auf meinem Bauch, die irgendwann dorthin gefunden hatte, und an das Gartenhaus, das kein Versteck war, sondern ein Raum, in den wir beide freiwillig gegangen waren. Der Wein stand noch halb voll auf dem Tisch. Die Flasche beschlug nicht mehr. Draußen stieß ein Käfer einmal gegen die Scheibe und flog weiter, und das Geräusch war klein genug, um die Stille nicht zu brechen, nur zu rändern.
Als ich die Lampe ausknipste, blieb genug Mondlicht durch die Gardinen, um die Kante der Liege zu sehen und die Linie seiner Schulter. Henrik murmelte etwas, das wie mein Name klang, und zog mich enger an sich, ohne zu fragen, weil ich schon ja gesagt hatte zu diesem Bleiben. Ich legte die Hand über seine und ließ die Augen zufallen. Draußen standen die Hortensien dunkel am Zaun. Drinnen war Wärme, und der Nachklang dessen, was wir einander gegeben hatten, lag noch auf der Haut, deutlich und ruhig.
Am Morgen würde ich Kisten öffnen, und am Abend würde sein Licht vielleicht wieder brennen. Das musste ich jetzt nicht festlegen. Es reichte, dass ich wusste, wie seine Tür sich anfühlte, wie sein Mund schmeckte, und dass ich, dreiunddreißig und wach genug, um zu wollen, nicht mehr weglief, bevor der Kuss zu Ende war. Der Apfelbaum raschelte einmal. Ich schlief nicht sofort, aber ich blieb, und das Bleiben war die letzte, klare Antwort dieses Abends.
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