Neue Sexgeschichten

Als er meinen Namen an der Bar sagte

Fremdgehen · 25 Minuten lesen · 34 Minuten hören

Gelesen von Meher

Teil 2 der Serie Verbotene Nächte (4)

Die Hotelbar lag im Zwischengeschoss, halb hinter Milchglas, und das Licht fiel so warm auf die Flaschen, dass der Whiskey aussah wie flüssiger Bernstein. Ich war seit knapp drei Stunden in der Stadt, der Koffer stand noch offen auf dem Bett in Zimmer vierhundertezwölf, und ich hatte keine Lust, die Decke anzustarren, während mein Mann mir schrieb, ob ich gut angekommen sei. Ich war gut angekommen. Ich war vierunddreißig Jahre alt, seit sechs Jahren verheiratet, und ich saß an einem Tresen aus dunklem Holz, weil ich einen Abend wollte, der nicht nach Konferenzmappe und Zahnpasta roch.

Draußen zog der Regen in schrägen Fäden über die Scheiben. Drinnen klirrten Gläser, leise, als hätte jemand dem Lärm verboten, laut zu werden. Der Barkeeper polierte einen Tumbler und stellte ihn zurück, ohne mich zu drängen. Ich bestellte einen Whiskey mit einem einzelnen Eiswürfel, nicht weil ich viel trank, sondern weil ich etwas in der Hand haben wollte, das schwerer war als das Telefon. Markus hatte um kurz nach sieben geschrieben. Gute Anreise, Lena. Schlaf gut. Ich hatte mit einem Herz geantwortet und das Gerät mit dem Display nach unten gelegt.

Die Tagung begann erst am Morgen. Zwei Tage Vorträge über Lieferketten, ein Abendessen mit Menschen, deren Namen ich mir auf Karten notieren würde, und danach die Rückfahrt. So hatte ich es ihm erklärt, und so hatte ich es auch mir erklärt. Ein nüchterner Auftrag. Ein Hotel mit zu weichen Kissen. Nichts, worüber man später lange sprach.

Dann setzte sich jemand zwei Hocker weiter, und die Luft im Raum veränderte sich, bevor ich den Kopf drehte.

Er bestellte ein Wasser und einen Espresso, was um diese Stunde unvernünftig war und genau zu ihm passte. Die Stimme kannte ich noch. Tief, ein wenig rau an den Rändern, als hätte er den Tag über zu wenig gesprochen oder zu viel. Ich sah nicht sofort hin. Ich sah auf meine Hände, auf den schmalen Goldring, der im Licht einen kleinen Funken warf, und ich dachte, ich bilde es mir ein. Acht Jahre sind lang. Stimmen bleiben nicht so treu.

„Lena.“

Er sagte meinen Namen, als hätte er ihn die ganze Zeit unter der Zunge getragen. Nicht laut. Nicht als Frage. Ich hob den Blick, und Jonas saß da, die Ärmel des dunklen Hemdes einmal umgeschlagen, das Haar etwas kürzer als früher, die Augen noch immer dieser unruhige Ton zwischen grau und grün. Er war siebenunddreißig. Das wusste ich, weil wir im selben Jahr geboren waren und er immer drei Jahre vor mir Geburtstag gehabt hatte, eine Tatsache, die damals in einem Großraumbüro niemanden interessiert hatte und mich jetzt traf wie ein Schlüssel, der ins richtige Schloss fiel.

„Jonas.“ Mein eigenes Wort klang fremd und vertraut zugleich. „Das ist nicht möglich.“

„Doch.“ Ein kleines Lächeln, kein breites. „Ich sitze hier. Also ist es möglich.“

Er rückte nicht näher. Er ließ den Hocker zwischen uns frei, und gerade das machte es schlimmer. Der freie Platz war eine Einladung und eine Grenze. Ich spürte, wie mein Puls in den Handgelenken anschlug, dumm und deutlich, als wäre ich wieder die Frau von damals, die nach Feierabend zu lange am Kopierer stehen blieb, nur damit ein Gespräch nicht endete.

Wir hatten zusammen in einer Agentur gearbeitet, in einer anderen Stadt, in einem anderen Leben. Er war für die Kunden da gewesen, ich für die Texte. Zwischen uns hatte es Wochen gegeben, in denen ein Blick länger dauerte als nötig, und einen Abend auf einem Dach, an dem sein Mund ganz nah an meinem gewesen war und ein Anruf alles zerrissen hatte. Danach war er gegangen, versetzt, und ich hatte Markus kennengelernt. So erzählt man es sich später, sauber und in der richtigen Reihenfolge. In Wahrheit hatte ich noch Monate nach seinem Weggang an den Geruch seines Mantels gedacht, wenn ich eine U-Bahn-Tür aufgehen sah.

„Dienstreise“, sagte ich, weil irgendein Satz herausmusste.

„Konferenz. Morgen, im Saal nebenan.“ Er tippte mit zwei Fingern gegen die Espressotasse. „Und du?“

„Dasselbe Haus. Anderes Programm.“ Ich drehte das Glas. Das Eis war schon kleiner. „Ich wohne oben.“

„Ich auch.“ Er sagte es ohne Gewicht, und doch lag alles darin. Oben waren Türen. Oben waren Betten. Oben war kein Barkeeper, der Gläser polierte und so tat, als höre er nicht zu.

Wir redeten zuerst über harmlose Dinge, und ich war dankbar dafür, weil mein Körper bereits nicht mehr harmlos reagierte. Er fragte nach der Stadt, ich nach seiner Arbeit, wir lachten über einen gemeinsamen Vorgesetzten, der inzwischen irgendwo im Süden Golf spielte und immer noch Mails mit drei Ausrufezeichen schrieb. Jonas erzählte, dass er seit zwei Jahren allein lebe, ohne dramatischen Ton, einfach als Tatsache. Ich sagte nicht sofort, dass ich verheiratet sei. Der Ring sagte es für mich. Sein Blick streifte ihn einmal, blieb nicht hängen, kam zu meinem Gesicht zurück. Er drängte nicht. Das hatte er früher auch nicht getan. Gerade deshalb war ich damals fast schwach geworden.

„Du siehst aus, als hättest du den Tag schon zweimal gelebt“, sagte er nach einer Weile.

„Der Zug war voll. Der Regen auch.“ Ich zuckte mit einer Schulter. „Und ich wollte nicht gleich ins Zimmer.“

„Weil das Zimmer zu still ist.“

„Weil das Zimmer zu ehrlich ist.“ Der Satz war draußen, bevor ich ihn prüfen konnte. Ich spürte Wärme im Gesicht. „Vergiss das. Ich bin müde. Müde Leute sagen Dinge, die sie am Morgen nicht mehr wollen.“

„Ich vergesse ungern Dinge, die wahr klingen.“ Er stellte die Tasse ab. „Darf ich näher kommen, oder ist der leere Hocker eine Absicht?“

Ich sah ihn an. Wirklich an. Die kleine Narbe an der Augenbraue war noch da, von einem Fahrradunfall, den er mir einmal in der Teeküche erzählt hatte. Seine Hände lagen ruhig auf dem Tresen, keine Unruhe, kein Spiel. In meiner Brust zog sich etwas zusammen, das ich seit Jahren höflich ignoriert hatte. Nicht nur Begehren. Wiedererkennen. Der Körper erinnert sich schneller als der Anstand.

„Komm her“, sagte ich. „Der Hocker ist kein Gesetz.“

Er setzte sich neben mich. Nicht so nah, dass unsere Knie sich berührten, nah genug, dass ich die Wärme seiner Seite spürte. Sein Eau de Cologne war anders als früher, holziger, weniger süß. Darunter lag noch immer er. Ich atmete flacher, ohne es zu wollen, und ärgerte mich über mich selbst, weil ein Duft kein Recht hatte, so viel zu entscheiden.

Wir bestellten noch einmal. Ich blieb bei einem kleinen Glas, er bei Wasser. Das gefiel mir. Er wollte klar sein. Ich wollte es auch, und gleichzeitig wollte ich die Klarheit ein wenig einschläfern, damit sie mich nicht so scharf ansah. Der Barkeeper stellte die Gläser hin und zog sich ans andere Ende des Tresens zurück, als hätte er geübt, unsichtbar zu werden.

„Ich habe oft an den Abend auf dem Dach gedacht“, sagte Jonas leise. „Nicht als Vorwurf. Als etwas, das nicht zu Ende gesprochen wurde.“

„Ein Anruf“, sagte ich. „Dein Anruf. Oder meiner. Ich weiß es nicht mehr genau. Irgendwer hat uns unterbrochen, und danach war es leichter, so zu tun, als wäre nichts gewesen.“

„Es war etwas.“ Er drehte den Kopf. Sein Blick war ruhig und offen, ohne die Hast von Männern, die einen Abend erobern wollen. „Es ist noch etwas. Sonst säßen wir nicht so.“

Ich hätte lachen können. Ich hätte von Markus erzählen können, von der Wohnung, von dem gemeinsamen Konto, von dem Leben, das ich nicht wegwerfen wollte und das ich in diesem Moment trotzdem beiseiteschob wie einen Mantel. Stattdessen sah ich auf seinen Mund. Eine dumme, genaue Stelle. Die Unterlippe etwas voller. Ich erinnerte mich, wie nah sie meiner gewesen war, und mein Schoß antwortete mit einem schweren, warmen Ziehen, das nichts mit Vernunft zu tun hatte.

„Ich bin verheiratet“, sagte ich. Es musste gesagt werden, nicht als Mauer, sondern als Wahrheit auf dem Tisch. „Er heißt Markus. Er ist zu Hause. Er glaubt, ich sitze über Unterlagen.“

„Ich weiß, dass du verheiratet bist.“ Jonas nickte zum Ring. „Ich frage dich nicht, ob du ihn verlassen willst. Das steht mir nicht zu. Ich frage dich, ob du heute Abend mit mir nach oben gehen willst. Nur das. Und du kannst nein sagen, jetzt, in einer Minute, im Aufzug, vor der Tür. Jedes Nein gilt.“

Die Worte legten sich sauber zwischen uns. Kein Drängen. Kein Spiel mit schlechtem Gewissen. Ich spürte, wie sich etwas in mir entspannte und gleichzeitig schärfer wurde. Einvernehmen ist kein kaltes Wort, wenn es so ausgesprochen wird. Es ist eine Tür, die man selbst aufmacht.

„Ich will nicht nein sagen“, antwortete ich. Meine Stimme war leiser als beabsichtigt. „Ich will dich. Ich weiß, was das bedeutet, und ich will es trotzdem. Wenn du mich gleich küsst und ich den Kopf wegdrehe, hörst du auf. Wenn ich ja sage, dann ist es ja.“

„Dann sag es noch einmal, wenn wir oben sind.“ Sein Knie berührte endlich meines, ein kurzer, fester Kontakt durch den Stoff. „Nicht hier, wo der Lärm uns hilft.“

Wir tranken aus, ohne zu hetzen. Ich legte einen Schein auf den Tresen, er schob ihn zurück und zahlte selbst, nicht als Geste der Eroberung, eher aus einer alten Höflichkeit, die ich ihm ließ. Als wir aufstanden, war ich mir meiner Beine zu bewusst. Der Rock, dunkel und schlicht, reichte bis übers Knie. Die Bluse war am Kragen ein wenig offen, weil ich im Zug den obersten Knopf gelöst hatte. Nichts an mir war für eine Verführung angezogen. Vielleicht machte gerade das die Sache wahrer.

Im Aufzug standen wir nebeneinander, nicht übereinander. Eine Frau mit einem Rollkoffer stieg im dritten Stock aus und wünschte uns einen schönen Abend, ohne uns wirklich anzusehen. Die Türen schlossen sich. Jonas sah mich im Spiegel an, nicht von der Seite.

„Noch da?“, fragte er.

„Noch da.“ Ich hob das Kinn. „Zimmer vierhundertezwölf. Mein Zimmer. Ich will, dass es mein Raum ist, wenn ich das hier tue.“

„Gut.“

Der Flur roch nach Teppichreiniger und einer Blume, die niemand wirklich mochte. Vor meiner Tür zitterte die Karte in meiner Hand nur ganz leicht. Ich öffnete, trat ein, ließ ihn hinter mir herein und drehte mich um, bevor die Tür ins Schloss fiel. Das Zimmer war noch so, wie ich es verlassen hatte. Koffer offen. Jacke über dem Stuhl. Das Telefon lag auf dem Nachttisch, dunkel. Ich schaltete nur die kleine Lampe an. Bernstein wieder, diesmal enger, privater.

„Jonas.“ Ich stellte mich vor ihn, nah genug, dass ich den Kopf heben musste. „Ich will, dass du mich küsst. Ich will, dass du heute Nacht mit mir schläfst. Nicht halb. Nicht so, dass wir morgen sagen können, es sei nur ein Ausrutscher aus Versehen. Ich entscheide das. Jetzt.“

„Ich auch.“ Seine Hände blieben an seinen Seiten, bis ich sie nahm und auf meine Taille legte. „Sag mir, wenn etwas nicht stimmt. Nicht höflich. Wirklich.“

„Dasselbe gilt für dich.“

Dann küsste ich ihn.

Der erste Kuss war kein Sturz. Er war ein Wiedererkennen mit offenem Mund, langsam, warm, ein wenig ungläubig. Seine Lippen waren weicher, als die Jahre in meiner Erinnerung gewesen waren. Ich schmeckte Espresso und darunter ihn, und ein Laut löste sich aus meiner Kehle, den ich nicht geplant hatte. Er antwortete mit einem tieferen Kuss, eine Hand in meinem Nacken, die andere fest an der Taille, nicht zerrend, haltend. Ich stellte mich auf die Zehen. Mein Körper drängte sich an seinen, Brust an Brust, und die Härte, die ich an seinem Oberschenkel spürte, ließ mich für einen Moment die Augen schließen, weil sie so eindeutig war.

Wir küssten uns, bis meine Lippen brannten und mein Atem kurz wurde. Ich öffnete seine Hemdknöpfe einen nach dem anderen, nicht hastig, weil ich die Haut darunter sehen wollte, nicht nur haben. Seine Brust war wärmer als der Raum, die Haare dort dunkel und weich unter meinen Fingern. Er atmete aus, als ich mit dem Mund über sein Schlüsselbein ging. Mein Name kam noch einmal, diesmal rauer.

„Darf ich dich ausziehen?“, fragte er an meinem Ohr.

„Ja. Langsam. Ich will es sehen.“

Er löste die Bluse, schob sie von meinen Schultern, faltete sie nicht, ließ sie über den Stuhl fallen, als hätte Ordnung hier nichts mehr zu suchen. Der Rock folgte. Ich stand in Unterwäsche vor ihm, schlicht, hautfarben, nichts, das für einen solchen Abend gekauft worden war, und ich schämte mich nicht. Sein Blick ging über mich, offen, hungrig, ohne die Gier, die einen klein macht. Er strich mit dem Daumen über die Kante des Bügels, fragte mit den Augen, und ich nickte. Der Verschluss ging auf. Kühle Luft, dann seine Hände, warm, schwer, genau. Meine Brüste füllten seine Handflächen. Als sein Daumen über eine Brustwarze strich, zog sich alles in mir zusammen, ein süßer, fast schmerzhafter Punkt, und ich bog den Rücken durch, damit er mehr davon nahm.

„Empfindlich“, murmelte er.

„Heute besonders. Nicht aufhören.“

Er senkte den Kopf und nahm eine Brustwarze in den Mund, saugte langsam, dann fester, die Zunge kreisend, während die andere Hand die zweite Brust hielt und den Nippel zwischen zwei Fingern rollte. Ich griff in sein Haar. Meine Knie wurden unzuverlässig. Zwischen meinen Beinen war ich bereits nass, der Stoff dort feucht und eng, und jede Bewegung seines Mundes schickte einen neuen Stoß nach unten. Ich hatte vergessen, wie deutlich ein Körper ja sagen kann, wenn der Kopf endlich aufhört, ihn zu übersetzen.

Ich zog ihn zum Bett. Wir setzten uns, dann lag ich zurück, und er kam über mich, ohne mich mit seinem Gewicht zu erdrücken. Küsse auf den Hals, auf die Stelle unter dem Ohr, die mich immer schwach gemacht hatte. Er fand sie, als hätte er eine Karte behalten. Ich lachte einmal, atemlos, und das Lachen ging in ein Stöhnen über, als seine Hand über meinen Bauch glitt und am Bund des Slips innehielt.

„Weiter“, sagte ich. „Bitte. Ich will deine Hand da.“

Er schob den Stoff beiseite, nicht herunter, zuerst nur beiseite, und seine Finger fanden mich. Ich war glatt und heiß und offen. Er strich langsam durch die Nässe, verteilte sie, umkreiste die Stelle, an der alles zusammenlief, ohne sofort darauf zu drücken. Die Geduld machte mich fast wütend vor Lust. Ich hob die Hüften. Er verstand, legte zwei Finger flacher, rieb in einem ruhigen Rhythmus, und ich musste mir auf die Lippe beißen, damit aus mir nicht gleich ein Laut wurde, der den Flur füllte.

„So?“, fragte er.

„Etwas fester. Ja. Genau da.“

Er gehorchte nicht blind. Er hörte zu und passte an, und das war erregender als jede rohe Sicherheit. Als er einen Finger in mich schob, langsam, bis zum Knöchel, dann einen zweiten, krümmte ich die Zehen in den Laken. Er bewegte sie in einem tiefen, gleichmäßigen Takt, der Daumen oben, kreisend, und ich spürte, wie ich um ihn herum enger wurde. Mein Kopf fiel zur Seite. Ich sah den Ring an meiner Hand auf dem Kissen, ein kleiner goldener Kreis, und für einen Herzschlag war Markus im Raum, nicht als Körper, als Wissen. Ich drehte die Hand nicht weg. Ich ließ den Ring da. Ich wollte nicht so tun, als wäre ich eine andere Frau. Ich war diese Frau, und ich wollte Jonas trotzdem, mit einer Klarheit, die fast wehtat.

„Sieh mich an“, sagte Jonas.

Ich sah ihn an. Seine Augen waren dunkel vor Konzentration. Er beugte sich herab und küsste mich, während seine Finger in mir arbeiteten, und der Kuss nahm mir den letzten Rest Höflichkeit. Ich stöhnte in seinen Mund. Meine Hand fand seinen Gürtel, öffnete ihn, den Knopf, den Reißverschluss. Er half, schob Hose und Shorts herunter, und sein Glied sprang frei, schwer, hart, die Haut heiß an meinem Handgelenk. Ich umfasste ihn. Er zuckte in meiner Faust, ein ehrlicher, unkontrollierter Moment, und ein leiser Fluch verließ ihn, der mich lächeln ließ.

„Komm her“, sagte ich. „Ich will dich schmecken.“

Wir wechselten, ohne Umständlichkeit. Ich setzte mich auf, er lag zurück, ein Arm unter dem Kopf, und ich beugte mich über ihn. Zuerst nur die Zunge, eine lange Bahn von der Wurzel bis zur Spitze, salzig, warm, der Geschmack von Haut und Vorfreude. Er atmete scharf ein. Ich nahm ihn in den Mund, langsam, nicht bis zum Anschlag, sondern so, dass ich den Rhythmus halten konnte, eine Hand an der Basis, die andere auf seinem Oberschenkel. Sein Schenkel spannte sich. Seine Finger fanden mein Haar, hielten es zurück, zogen nicht. Ich sah zu ihm hoch, den Mund voll von ihm, und der Blick, der mir begegnete, war so offen hungrig, dass ich selbst zwischen den Beinen pochte.

„Lena. Wenn du so weitermachst, bin ich zu schnell.“

Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die feuchte Spitze, strich mit der Zunge noch einmal darüber. „Noch nicht. Ich will dich in mir, wenn du kommst. Aber ich wollte das. Ich wollte wissen, wie du schmeckst, wenn du nicht mehr nur eine Erinnerung bist.“

Er richtete sich auf und küsste mich, tief, ohne Ekel vor dem eigenen Geschmack auf meiner Zunge. Dann drehte er mich sanft auf den Rücken, zog mir den Slip endlich ganz aus und spreizte meine Schenkel mit den Händen, fragend noch im Druck. Ich öffnete mich für ihn. Er sah mich an, wirklich an, die feuchte Haut, die Scham, das Glänzen, und statt eines plumpen Wortes sagte er nur meinen Namen, heiser, und senkte den Mund.

Seine Zunge war geduldig und genau. Er leckte mich in langen Zügen, dann enger, um die Knospe herum, saugte sie vorsichtig zwischen die Lippen, ließ sie wieder los, kam zurück. Ich griff ins Laken. Meine Hüften wollten ihm entgegen, und er legte einen Unterarm über meinen Bauch, nicht um mich festzuhalten, sondern um mich zu bitten, den Genuss anzunehmen, statt ihn zu jagen. Ich versuchte es. Atmete. Ließ zu, dass die Lust sich aufbaute wie eine Welle, die noch nicht brechen darf. Als er zwei Finger wieder in mich schob und gleichzeitig mit der Zunge kreiste, riss die Geduld. Ich kam das erste Mal so, mit seinem Mund an mir, ein langer, ziehender Orgasmus, der in den Oberschenkeln zitterte und mir einen Laut aus der Kehle holte, den ich nicht kannte. Ich drückte seine Schulter, nicht weg, nur als Halt, und er blieb bei mir, bis die Wellen kleiner wurden und ich feucht und offen und ein wenig fassungslos unter ihm lag.

„Gut?“, fragte er an der Innenseite meines Schenkels.

„Sehr.“ Meine Stimme war rau. „Komm hoch. Ich will dich jetzt. Hast du etwas dabei?“

Er griff nach seiner Hose, zog ein Kondom aus der Brieftasche, und ich war froh, dass einer von uns gedacht hatte. Ich nahm es ihm ab, riss die Packung auf, rollte es über ihn, langsam, mit der Faust, die ihn noch einmal streichelte. Er kniete zwischen meinen Beinen, die Spitze an meinem Eingang, und hielt inne.

„Ja?“, fragte er.

„Ja. Komm in mich.“

Er drang ein, Zentimeter für Zentimeter, und die Dehnung war voll, heiß, genau an der Grenze zwischen viel und richtig. Ich atmete aus, öffnete mich, legte die Fersen in seinen Rücken. Als er ganz in mir war, blieben wir einen Moment still. Sein Stirn lag an meiner. Ich spürte ihn pochen. Ich spürte mich um ihn schließen. Draußen rauschte der Regen gegen die Scheibe, als gehöre er zu unserem Atem.

Dann begann er sich zu bewegen.

Zuerst langsam, tiefe Stöße, die mich jedes Mal neu füllten. Ich hob ihm die Hüften entgegen. Unsere Körper fanden einen Takt, der nichts mit Eile zu tun hatte und doch drängte. Seine Hand schob sich unter meinen Nacken, die andere griff neben meinem Kopf ins Kissen. Ich sah sein Gesicht, die Konzentration, das Nachgeben, wenn ein Stoß besonders tief saß und er die Zähne zusammenbiss. Ich flüsterte, was ich wollte. Fester. So bleiben. Nicht schneller, tiefer. Er hörte zu. Jedes Ja von mir veränderte ihn ein wenig, machte ihn sicherer, roher, ohne dass er die Achtsamkeit verlor.

Ich drehte uns, weil ich ihn reiten wollte. Er ließ es geschehen, lag zurück, die Hände an meinen Hüften, und ich setzte mich auf ihn, nahm ihn wieder ganz auf und begann, mich zu bewegen. Dieser Winkel traf mich anders, voller, direkter an der Stelle innen, die nach mehr verlangte. Ich stützte die Hände auf seine Brust. Meine Brüste bewegten sich mit jedem Senken. Er sah sie an, dann mich, und seine Daumen strichen über meine Hüftknochen, halfen dem Rhythmus, bestimmten ihn nicht. Ich ritt ihn langsam, dann schneller, der nasse Laut unserer Körper leise und eindeutig im kleinen Zimmer. Schweiß sammelte sich in meiner Kniekehle. Mein Haar klebte am Hals. Ich fühlte mich nicht schön im Sinn eines Bildes. Ich fühlte mich wahr.

„Fass mich an“, sagte ich. „Oben. Während ich das tue.“

Seine Hand glitt zwischen uns, fand die geschwollene Stelle, rieb sie im Takt meiner Bewegungen. Das war fast zu viel. Ich wurde enger um ihn, hörte ihn stöhnen, spürte, wie seine Hüften von unten gegendrückten. Die Lust stieg nicht mehr in Wellen. Sie stand. Ich beugte mich vor, küsste ihn schief und hungrig, und der Kuss zerbrach, weil ich atmen musste. Mein zweiter Orgasmus kam härter als der erste, ein Zusammenziehen, das mich auf ihm erstarren ließ, dann zittern, dann weiterbewegen, weil das Weiter noch besser war als das Stillhalten. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte ja. Ich sagte, er solle nicht aufhören, und er hörte nicht auf.

Als ich wieder sehen konnte, drehte er mich auf die Seite, ein Bein über seinem Arm, und nahm mich von der Seite, tiefer, langsamer, sein Mund an meiner Schulter. Diese Stellung war weniger Schau und mehr Nähe. Ich griff nach hinten, fand seinen Nacken, hielt ihn bei mir. Er flüsterte, wie gut ich mich anfühlte, nicht in schmutzigen Listen, sondern in kurzen, heißen Sätzen, die ich glaubte, weil sein Körper sie bewies. Ich war überempfindlich und wollte ihn trotzdem. Jeder Stoß zog einen Nachhall des Kommens durch mich, süß und fast zu hell.

„Ich bin nah“, sagte er an meinem Ohr. „Willst du, dass ich so komme?“

„Ja. In mir. Ich will es spüren.“

Er stieß noch ein paar Mal, tiefer, der Rhythmus brach, und dann kam er mit einem gedämpften Laut gegen meine Haut, der Körper gespannt, die Hand fest an meiner Hüfte, nicht grob, nur da. Ich spürte das Pochen, das Nachgeben, das Gewicht seines Atems. Ich hielt ihn, bis er stiller wurde, und streichelte seinen Nacken, weil Zärtlichkeit nach so viel Hunger nicht weniger wahr war.

Wir blieben verbunden, bis es unbequem wurde. Er zog sich vorsichtig zurück, entsorgte das Kondom, kam mit einem Glas Wasser vom Tisch zurück und reichte es mir zuerst. Ich trank. Meine Hand zitterte ein wenig. Er legte sich wieder neben mich, nicht sofort über mich herfallend in eine zweite Runde, sondern mit der Stirn an meiner Schläfe, eine Hand flach auf meinem Bauch, als wolle er spüren, dass ich noch da war und nicht nur ein Entschluss.

„Alles richtig?“, fragte er.

„Körperlich ja. Mehr als ja.“ Ich drehte den Kopf und küsste seinen Mundwinkel. „Im Kopf ist es laut. Das darf es sein. Es ändert nicht, dass ich das gewollt habe.“

„Gut.“ Er strich eine feuchte Strähne aus meiner Stirn. „Wenn du willst, gehe ich. Wenn du willst, bleibe ich noch. Beides ist in Ordnung.“

Ich dachte an den Flur, an die Tür, an das Telefon, das irgendwann aufleuchten würde. Ich dachte an seinen Mund zwischen meinen Beinen und an die Art, wie er gefragt hatte, bevor er in mich kam. Das Begehren war nicht aufgebraucht. Es lag nur anders, schwerer, wärmer, mit einem Nachgeschmack von Entscheidung.

„Bleib noch“, sagte ich. „Ich bin nicht fertig mit dir. Nur nicht sofort. Halt mich einen Moment so, als wären wir keine Leute, die morgen in verschiedene Säle gehen.“

Er hielt mich. Der Regen wurde leiser. Die Lampe brannte weiter, ein kleiner Kreis, in dem unsere Haut golden aussah. Ich hörte seinen Herzschlag unter meinem Ohr, als ich mich auf seine Brust drehte. Meine Finger zeichneten die Linie seiner Rippen. Er war real. Nicht die Dachkante von damals, nicht ein fast. Ein Mann von siebenunddreißig Jahren in meinem Hotelbett, und ich eine Frau von vierunddreißig, die ihren Ehering nicht abgenommen hatte und trotzdem ja gesagt hatte.

Nach einer Weile wanderte seine Hand wieder. Nicht fordernd. Eine Frage auf der Haut. Über die Brust, die Taille, die Kurve der Hüfte, dann zwischen die Schenkel, wo ich noch feucht und empfindlich war. Ich öffnete ein Bein. Er streichelte mich langsam, fast nachlässig, bis aus der Nachlässigkeit wieder Absicht wurde. Ich wurde erneut nass unter seinen Fingern, ein längeres, tieferes Naß, und ich schob mich seiner Hand entgegen.

„Noch einmal“, sagte ich. „Aber ich will dich von hinten. Und du fragst mich, bevor du eintrittst. Ich mag das. Ich mag, dass du fragst.“

„Dann dreh dich.“

Ich kniete mich aufs Bett, Unterarme auf dem Kissen, der Rücken durchgebogen, und hörte, wie er ein zweites Kondom überstreifte. Seine Hände strichen über meinen Hintern, spreizten mich ein wenig, der Daumen glitt durch meine Nässe, prüfend, nicht besitzergreifend. Ich war offen und bereit und trotzdem dankbar für die Pause.

„Ja?“, fragte er.

„Ja. Jetzt.“

Er drang von hinten in mich ein, und der Winkel war tiefer, roher, wunderbar. Ich stöhnte in das Kissen. Er hielt meine Hüften und bewegte sich in langen Stößen, die mich nach vorn schoben und wieder zu ihm zurückholten. Eine Hand löste sich, griff nach vorn, fand meine Brust, zwirbelte die Brustwarze im Takt. Ich schob eine eigene Hand zwischen meine Beine und rieb mich, während er mich nahm. Das Zusammen von beidem machte mich laut. Ich sagte ihm, er solle nicht sanft sein, nicht jetzt, und er wurde fester, der Aufprall seiner Hüften gegen mich ein dunkler Rhythmus, noch immer ohne Grobheit, die wehtut. Es war Einverständnis in Bewegung. Jeder Stoß ein weiteres Ja.

Ich kam ein drittes Mal, kürzer, schärfer, die Knie nachgebend, und er folgte dicht darauf, die Stirn zwischen meinen Schulterblättern, mein Name wieder, diesmal fast nur noch Atem. Wir sanken zusammen auf die Seite, er noch in mir, bis er sich lösen musste. Das Zimmer roch nach uns. Nach Haut, nach Salz, nach dem Whiskey, der längst verflogen war und trotzdem irgendwie geblieben schien.

Wir lagen eine Zeit lang ohne Worte. Ich zog das Laken über unsere Hüften, nicht aus Scham, aus Kühle. Die Klimaanlage hatte die ganze Zeit leise gearbeitet, und jetzt spürte ich sie. Jonas küsste meine Schulter, einmal, ohne Anspruch. Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn richtig an, verschwitzt, die Haare durcheinander, die Augen weich.

„Morgen tun wir so, als kennten wir uns nur vom Sehen, wenn wir uns im Foyer begegnen“, sagte ich. „Nicht aus Feigheit vor dir. Aus Rücksicht auf das, was ich zu Hause habe und nicht hier ausbreite.“

„Einverstanden.“ Er nickte. „Ich werde dich nicht schreiben, es sei denn, du schreibst zuerst. Kein Druck. Kein Nachstellen in der Lobby.“

„Danke.“ Das Wort war zu klein und trotzdem richtig. „Das hier war kein Versehen, Jonas. Ich will, dass du das weißt. Ich habe meinen Mann nicht vergessen, während du in mir warst. Ich habe ihn gewusst und dich gewollt. Das ist die Wahrheit, so unschön sie für eine Geschichte wäre, die man erzählt.“

„Sie ist nicht unschön.“ Er strich mit dem Daumen über meine Wange. „Sie ist nur nicht bequem. Bequem war das Dach, auf dem nichts passiert ist. Das hier ist passiert.“

Ich lächelte, müde und wahr. „Ja. Es ist passiert.“

Das Telefon auf dem Nachttisch leuchtete auf. Einmal. Ein leises Surren gegen das Holz. Wir sahen beide hin. Der Name auf dem Display war Markus, und die Vorschau zeigte nur den Anfang eines Satzes, etwas über den Regen und ob ich schon schlafe. Ich nahm das Gerät nicht. Ich drehte es wieder um, wie in der Bar, und die Geste war dieselbe und völlig anders. In der Bar hatte ich einen Abend vor mir herschieben wollen. Jetzt schob ich eine Antwort auf, weil ich noch nach uns roch und nicht mit seiner Stimme im Ohr lügen wollte, solange Jonas’ Hand auf meiner Taille lag.

„Gehst du?“, fragte ich.

„Gleich.“ Er setzte sich auf, suchte seine Kleider, zog sich ohne Eile an. Ich sah ihm zu. Der Körper, den ich gerade noch unter den Händen gehabt hatte, verschwand Knopf für Knopf wieder in ein Hemd. Es tat nicht weh im Sinne eines Abschieds für immer. Es tat auf die Art weh, die zu einer Entscheidung gehört. Ich stand auf, nackt, und half ihm nicht. Ich wollte nicht die Frau sein, die den Mann ankleidet, den sie nicht behalten wird. Ich wollte die Frau bleiben, die ihn angesehen hatte, während sie ja sagte.

An der Tür küsste er mich noch einmal. Langsam. Ohne die Hast eines Diebstahls. Seine Hand lag an meinem Kiefer, der Daumen an meinem Mundwinkel.

„Schlaf, wenn du kannst“, sagte er. „Und wenn du mich morgen im Foyer siehst und nur nickst, ist das auch ein vollständiger Satz.“

„Ich werde nicken.“ Ich hielt seine Hand einen Moment länger. „Und ich werde wissen, was das Nicken kostet.“

Er ging. Die Tür fiel leise ins Schloss. Ich stand noch eine Weile im Bernsteinlicht, die nackten Füße auf dem Teppich, der Ring warm von der Haut. Dann ging ich ins Bad, wusch mich, nicht um ihn wegzuwaschen wie eine Schuld, die man abspülen kann, sondern weil der Körper das brauchte. Im Spiegel sah ich eine Frau von vierunddreißig Jahren, die Lippen gerötet, die Augen klarer, als sie es nach so viel Lust hätten sein dürfen. Ich log mich nicht an. Ich hatte fremdgegangen. Das Wort setzte sich, nackt und ohne Schmuck. Es machte die Stunde nicht ungeschehen und den Orgasmus nicht kleiner. Es machte nur den Morgen genauer.

Zurück im Bett roch das Kissen nach ihm. Ich löschte die Lampe nicht sofort. Ich nahm das Telefon, las Markus’ Nachricht ganz, eine freundliche, nichtsahnende Zeile über den Regen und die Katze, die auf seinem Platz schlief. Ich schrieb zurück, dass ich gut angekommen sei, dass der Tag lang gewesen sei, dass ich ihn morgen anriefe. Drei Sätze, alle wahr, und keiner vollständig. Ich legte das Gerät weg.

Draußen hatte der Regen aufgehört. In der Stille des Zimmers hörte ich noch den Tresen, das Klirren, meinen Namen in seinem Mund, und darunter den eigenen Atem, der sich endlich verlangsamte. Ich zog die Decke hoch, ließ den Ring an der Hand und schloss die Augen. Der Bogen des Abends war geschlossen. Nicht heil. Geschlossen. Unten war die Bar dunkel geworden, und oben lag ich wach nur noch einen Moment, mit dem Geschmack einer Entscheidung, die ich nicht zurückrufen würde, auch wenn ich sie niemals laut zu Hause erzählte.

Mehr zum Thema Fremdgehen

TitelThemaMinuten
Die letzte Nacht an der HotelbarFremdgehen24
Die Bitte im SeitengangFremdgehen19
Die letzte Nacht im ArchivFremdgehen18
Die Bitte, die ich nicht zurücknahmFremdgehen26
Die Wette, die uns beenden sollteFremdgehen27
Das Zimmer über dem FestsaalFremdgehen22