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Zuerst hörte er zu

Für Frauen · 37 Minuten lesen · 49 Minuten hören

Gelesen von Lana Weiss

Teil 1 der Serie Ihre Lust (8)

Der Koffer stand an der Tür, halb offen, und das Licht der Flurlampe fiel auf den Stapel Hemden, den ich am Nachmittag dreimal umgepackt hatte. Ich war einunddreißig. Jonas war vierunddreißig. Morgen früh sollte der Zug mich nach München bringen, zu einer Stelle, die ich angenommen hatte, weil sie richtig war, und weil richtig manchmal einen langen Abschied kostet. Im Zimmer roch es nach Regen und nach dem Tee, den er auf dem Nachttisch hatte kalt werden lassen. Er saß auf der Bettkante, die Hände offen auf den Knien, und wartete, ohne die Stille zu füllen.

Ich blieb im Rahmen stehen und sah ihn an. Mein Mantel hing noch über dem Arm. Draußen schlug Wasser gegen die Scheibe, gleichmäßig, als hätte die Stadt beschlossen, diese Nacht nicht zu überstürzen. Andere Männer hätten schon geredet. Sie hätten Pläne gemacht, Witze über Fernbeziehungen, hätten mich ausgezogen, als könnte Eile den Morgen aufhalten. Jonas tat nichts davon. Er hob nur den Blick und ließ ihn auf meinem Gesicht ruhen.

„Sag mir, was du heute Nacht willst“, sagte er. Seine Stimme blieb leise. „Nicht, was du glaubst, dass ich hören möchte. Was du willst. Ich höre zuerst zu.“

Ich legte den Mantel über den Stuhl und setzte mich neben ihn, nicht ganz berührend. Der Abstand zwischen unseren Oberschenkeln war schmal und trotzdem deutlich. Ich spürte die Wärme seiner Seite, ohne sie zu nehmen. In meiner Brust lag ein Druck, der seit Tagen nicht nachließ, eine Mischung aus Lust und der Angst, dass diese Nacht nur ein Abschiedsritual werden könnte, höflich und zu schnell vorbei.

„Ich will nicht, dass du mich tröstest“, sagte ich. „Und ich will nicht, dass du so tust, als wäre morgen nicht da. Ich will, dass du mich hörst, auch wenn ich langsam bin. Auch wenn ich mich korrigiere.“

Er nickte einmal. „Dann korrigier mich. Ich bin nicht in Eile.“

Das war der Satz, an dem etwas in mir nachgab. Ich drehte mich zu ihm und sah seine Hände an, die ruhig blieben, obwohl ich wusste, wie gern er mich anfasste. Er hatte große Hände, warm, mit einer kleinen Narbe am linken Daumen von einer Baustelle vor Jahren. Heute lagen sie still, als gehörten sie zuerst meinem Tempo und erst danach seinem Wunsch.

„Licht an“, sagte ich. „Nicht die Deckenlampe. Die kleine. Ich will, dass du mich siehst, und ich will dein Gesicht sehen, wenn ich rede.“

Er stand auf, ging zur Kommode und schaltete die kleine Lampe ein. Das gelbe Licht legte sich über das Bett, über die zerknitterte Decke, über meine Knie. Die Deckenlampe ließ er dunkel. Als er zurückkam, setzte er sich wieder so, dass er mich ansehen konnte, ohne mich zu bedrängen. Ich atmete aus und merkte erst dann, dass ich die Luft angehalten hatte.

„Zieh mir den Pullover aus“, sagte ich. „Langsam. Und sag nichts, während du es tust, außer ich frage.“

Er griff an den Saum und wartete, bis ich die Arme hob. Der Stoff glitt über meinen Bauch, über die Rippen, über das Gesicht, und für einen Moment war alles Wolle und Dunkel, dann wieder sein Blick. Er legte den Pullover gefaltet auf den Stuhl, obwohl Falten heute keine Rolle spielten. Diese Sorgfalt rührte mich mehr, als ich erwartet hatte. Darunter trug ich ein schlichtes Hemdchen, dünn, und die Haut an meinen Armen wurde kühl.

„Darf ich dich anfassen?“, fragte er.

„Noch nicht die Brust. Die Schultern. Und den Nacken. Fest genug, dass ich es spüre, nicht so fest, dass ich zusammenzucke.“

Seine Hand legte sich an meinen Nacken, der Daumen unter dem Haaransatz, die Finger warm. Er drückte, hielt inne, drückte etwas mehr, und ich ließ den Kopf ein wenig nach vorn sinken. Ein Laut kam aus mir, klein, kein Wort. Er blieb bei diesem Druck und fragte nicht, ob es gut sei, weil ich es ihm schon gesagt hatte und weil mein Ausatmen die Antwort war. Mit der anderen Hand strich er über meine Schulter, langsam, bis zur Beuge des Arms und wieder hinauf. Ich spürte, wie die Anspannung in den Muskeln nachließ, nicht auf einmal, sondern in kleinen Stücken.

„Jetzt das Hemdchen“, sagte ich. „Und dann will ich deinen Mund an meinem Hals. Nicht beißen. Nur Lippen und Atem.“

Er zog den Stoff über meinen Kopf und legte ihn beiseite. Die kühle Luft traf meine Brust. Meine Brustwarzen zogen sich zusammen, und ich sah, dass er hinsah und trotzdem wartete. Er beugte sich vor und setzte den Mund an die Stelle unter meinem Ohr, dort, wo die Haut dünn ist. Sein Atem war warm. Die Lippen wanderten langsam zur Kehle, blieben liegen, öffneten sich ein wenig, schlossen sich wieder. Ich legte die Hand in sein Haar, nicht um ihn zu führen, nur um zu spüren, dass er da war. Ein Zittern lief mir über den Rücken, angenehm und deutlich.

„Tiefer“, sagte ich. „Am Schlüsselbein bleiben. Die linke Seite zuerst. Dort bin ich empfindlicher.“

Er folgte. Sein Mund fand die Vertiefung über dem Knochen, und er küsste sie, als hätte er Zeit, die Stelle auswendig zu lernen. Die linke Seite reagierte schneller. Ein Ziehen ging von dort in die Brust und weiter nach unten, zwischen die Beine, wo es bereits warm wurde. Ich spreizte die Knie ein wenig, ohne es zu planen. Der Stoff meiner Hose spannte. Jonas hörte das leise Geräusch und hob den Blick, fragend, ohne den Mund von meiner Haut zu nehmen.

„Ja“, sagte ich. „Das darfst du bemerken. Aber noch nicht dorthin. Erst hier.“ Ich führte seine Hand an die Unterseite meiner linken Brust, nicht auf die Spitze. „So. Das Gewicht halten. Der Daumen darf kreisen, aber langsam. Wenn ich den Atem anhalte, bist du zu schnell.“

Er hielt meine Brust in der Handfläche, als wäre sie etwas, das man nicht greift, sondern trägt. Der Daumen zog einen kleinen Kreis, dann noch einen, weiter außen, dann näher. Ich atmete weiter, bewusst, und als der Kreis zu eng wurde, sagte ich: „Weiter raus.“ Er korrigierte sich sofort. Das Vertrauen, das in dieser kleinen Korrektur lag, machte mich feucht auf eine Weise, die nichts mit Eile zu tun hatte. Ich spürte es zwischen den Schamlippen, ein erstes Glätten, ein Wärmewerden, und ich schämte mich nicht dafür. Nicht bei ihm.

„Die andere auch“, sagte ich. „Gleichzeitig. Und sieh mich an, wenn du die Spitzen berührst.“

Er sah mich an. Beide Hände lagen nun an mir, warm, geduldig. Die Daumen strichen über die Brustwarzen, einmal, leicht, und ein scharfer, süßer Stich fuhr mir in den Bauch. Ich biss mir auf die Lippe und schüttelte dann den Kopf, nicht als Nein, sondern als Bitte um mehr von genau diesem Maß. Er verstand. Er wiederholte den Strich, nicht härter, nur wieder, und wieder, bis ich die Hüften ein wenig nach vorn schob und ein längeres Ausatmen nicht mehr zurückhalten konnte.

„Küss sie“, sagte ich. „Die linke zuerst. Nimm sie in den Mund, aber saug noch nicht. Nur Wärme. Die Zunge flach.“

Sein Mund schloss sich um die Brustwarze, weich, und die Wärme war so unmittelbar, dass ich die Augen für einen Moment schloss. Die Zunge lag flach, bewegte sich kaum, ein langsames Wiegen. Meine Hand blieb in seinem Haar. Ich öffnete die Augen wieder, weil ich sein Gesicht sehen wollte, die gesenkten Lider, die Ruhe in seiner Stirn. Er war nicht abwesend in seiner eigenen Lust. Er war bei dem, was ich gesagt hatte.

„Jetzt saugen. Kurz. Dann wieder flach. Und die rechte Hand bleibt an der anderen Brust, derselbe Rhythmus, auch wenn der Mund wechselt.“

Er tat es. Der kurze Zug seines Mundes schickte eine Welle bis in meine Knie. Ich stöhnte, diesmal lauter, und der Laut schien ihn nicht aus dem Takt zu bringen. Er wechselte zur rechten Seite, die Hand übernahm links, und für ein paar Atemzüge war alles in mir auf diese zwei Punkte gesammelt. Der Regen draußen wurde leiser oder ich hörte ihn weniger. Zwischen meinen Beinen pochte es nun deutlich, ein schweres, süßes Pochen, und der Stoff der Hose fühlte sich zu eng an, zu trocken, zu viel.

„Hose aus“, sagte ich. „Und deine auch. Aber bleib sitzen, wenn du fertig bist. Ich will auf deinem Schoß sitzen, noch angezogen unten, und dich küssen, bevor wir weitergehen. Ich will deinen Mund schmecken, während ich dir sage, was als Nächstes kommt.“

Er öffnete meinen Knopf, zog den Reißverschluss herunter und half mir, die Hose über die Hüften zu streifen. Darunter trug ich einen schlichten Slip, dunkel, bereits an der Mitte dunkler vor Nässe. Er sah hin und sagte nichts, weil ich Stille verlangt hatte, solange ich nicht fragte. Seine eigene Hose fiel zu Boden. Er setzte sich wieder auf die Bettkante, nackt bis auf die Socken, die er mit einem kurzen, fast verlegenen Griff auszog, und dieser kleine unbeholfene Moment machte ihn mir noch näher. Sein Schwanz war schon hart, lag schwer an seinem Bauch, und ich sah hin, ohne ihn anzufassen. Noch nicht.

Ich setzte mich auf seinen Schoß, die Knie links und rechts von seinen Hüften, der Slip noch zwischen uns. Seine Erektion drückte gegen den feuchten Stoff, und ich rieb mich einmal langsam daran, nur um zu spüren, wie deutlich wir beide schon waren. Dann nahm ich sein Gesicht in beide Hände und küsste ihn. Sein Mund öffnete sich für mich, nicht fordernd, sondern empfangend. Ich schmeckte Tee und ihn, die vertraute Wärme seiner Zunge, und ich küsste ihn lange, bis mein eigener Atem unruhig wurde. Seine Hände lagen an meiner Taille, genau dort, wo ich sie haben wollte, ohne nach unten zu wandern.

„Hör zu“, sagte ich an seinen Lippen. „Ich will deinen Mund zwischen meinen Beinen. Lange. Nicht, damit ich schnell komme. Damit ich dir sagen kann, wie. Ich will auf dem Rücken liegen, ein Kissen unter der Hüfte, deine Hände an meinen Oberschenkeln, und du fängst außen an. Die Leisten. Die Innenseite. Erst wenn ich bitte, gehst du an die Klitoris. Und wenn ich bitte, dann mit der flachen Zunge, langsam, von unten nach oben, und du wartest auf mein Wort, bevor du schneller wirst.“

Er wiederholte es, leise, Satz für Satz, nicht wie ein Schüler, sondern wie ein Mann, der sichergehen will, dass er nichts verloren hat. „Außen. Leisten. Innenseite. Erst auf dein Bitten an die Klitoris. Flache Zunge, von unten nach oben. Kein schneller, bevor du es sagst.“ Seine Stirn lag an meiner. „Habe ich alles?“

„Alles“, sagte ich, und die Kehle wurde mir eng vor Zärtlichkeit und vor Lust zugleich. „Und wenn ich deine Haare packe, ist das kein Zeichen, härter zu werden. Das ist nur, weil ich dich halten will. Härter wird es nur, wenn ich das Wort sage.“

„Welches Wort?“

„Mehr. Wenn ich mehr sage, dann Druck. Wenn ich bleib sage, dann genau so bleiben, auch wenn ich zucke. Wenn ich warte sage, dann hebst du den Mund und atmest nur auf mich, bis ich dich zurückhole.“

Er küsste mich einmal, kurz, als Siegel. „Ich habe dich gehört.“

Ich stieg von seinem Schoß und legte mich auf den Rücken. Das Laken war kühl an meinen Schulterblättern. Er schob mir ein Kissen unter die Hüfte, prüfte mit einem Blick, ob die Höhe stimmte, und ich nickte. Dann hakte er die Finger in den Bund meines Slips und sah mich an.

„Aus“, sagte ich. „Und sieh mich an, während du ihn ausziehst. Ich will nicht, dass du so tust, als wäre Nässe etwas, das man übergeht.“

Er zog den Stoff langsam über meine Schenkel, über die Knie, über die Füße, und legte ihn nicht achtlos weg, sondern auf den Stuhl zu den anderen Dingen, die heute zu mir gehört hatten. Dann kniete er sich zwischen meine Beine und sah. Ich ließ die Knie fallen, offen, und spürte die Luft auf der feuchten Haut. Es war kein Schamgefühl. Es war ein Wissen: Er sieht, was mein Körper schon gesagt hat, und er wartet trotzdem auf meine Stimme.

„Du bist sehr nass“, sagte er, weil ich ihm erlaubt hatte, es zu bemerken. Kein Triumph in der Stimme. Nur eine Feststellung, warm.

„Weil du zugehört hast“, sagte ich. „Fang außen an.“

Seine Hände legten sich an die Innenseiten meiner Oberschenkel, fest genug, dass ich das Gehaltenwerden spürte, nicht so fest, dass es drückte. Er küsste die linke Leiste, dann die rechte, lange, mit geschlossenen Lippen, und die Bartstoppeln an seinem Kinn streiften mich leicht. Ein Schauer lief mir über den Bauch. Er arbeitete sich nicht in einer geraden Linie nach innen. Er blieb, kehrte zurück, küsste dieselbe Stelle noch einmal, als hätte er gemerkt, dass mein Atem dort stockte. Die Innenseite des linken Schenkels war empfindlicher. Als seine Zunge dort eine langsame Linie zog, hob sich meine Hüfte von selbst.

„Da“, sagte ich. „Noch einmal. Dieselbe Linie. Nicht höher.“

Er wiederholte sie, genau, und ein Laut kam aus mir, der tiefer war als ein Seufzen. Meine Hände lagen neben mir, die Finger im Laken. Ich wollte ihn noch nicht an den Haaren packen. Ich wollte zuerst nur fühlen, wie genau er blieb. Seine Lippen wanderten näher an die äußeren Schamlippen, küssten sie, ohne sie zu spreizen, und die Geduld darin machte das Pochen stärker. Ich roch uns beide, Haut und Regen und die süße, deutliche Note meiner eigenen Erregung, und ich schämte mich nicht, tief einzuatmen.

„Jetzt darfst du mich öffnen“, sagte ich. „Mit den Daumen. Sanft. Und küss mich dort, wo es schon glatt ist, aber noch nicht die Klitoris. Unten. Am Eingang. Die Zunge breit.“

Er spreizte mich mit beiden Daumen, vorsichtig, und die kühlere Luft traf die innere Haut für einen Herzschlag, bevor sein Mund sie wärmte. Die breite Zunge legte sich an den Eingang, leckte langsam nach oben, stoppte aber, bevor sie die Klitoris erreichte, und glitt wieder hinab. Er tat das wieder und wieder, ein gleichmäßiges, nasses Streichen, und ich spürte, wie ich mich weiter öffnete, wie die Feuchtigkeit zunahm, wie mein Körper ihm entgegenkam, ohne dass ich es steuern musste. Ein Tropfen lief zur Seite, und er folgte ihm mit dem Mund, nahm ihn auf, kehrte zurück. Das Geräusch war leise und eindeutig. Es erregte mich, es zu hören.

„Finger?“, fragte er, den Mund noch nah, der Atem heiß auf mir.

„Einen“, sagte ich. „Langsam. Nur bis zum zweiten Glied. Gekrümmt, nach vorn, und dann stillhalten. Die Zunge bleibt unten. Nicht höher.“

Sein Mittelfinger glitt in mich, leicht, weil ich schon so bereit war, und das Gefühl der Füllung, auch wenn sie klein war, ließ mich die Augen schließen. Er krümmte den Finger nach vorn, fand die etwas rauere Stelle innen und blieb dort, ohne zu stoßen. Die Zunge setzte ihr langsames Werk darunter fort. Die Kombination war fast zu viel und gleichzeitig genau richtig, ein Druck von innen und eine Wärme von außen, die sich nicht zur Spitze hin auflösten, sondern sich sammelten. Meine Oberschenkel begannen zu zittern. Ich sagte: „Bleib.“

Er blieb. Der Finger ruhte, die Zunge wurde nicht schneller, und ich zuckte trotzdem, kleine Wellen, die durch den Unterleib liefen, ohne schon Höhepunkt zu sein. Ich atmete gegen sie an, nicht um sie zu unterdrücken, sondern um sie zu bewohnen. Meine Hand fand endlich sein Haar. Ich packte zu, fest, und erinnerte mich an mein eigenes Wort: Das ist kein Zeichen für härter. Er erinnerte sich auch. Er wurde nicht härter. Er blieb.

„Gut“, flüsterte ich. „So gut. Warte.“

Er hob den Mund. Der Finger blieb, still. Sein Atem strich über die nasse Haut, und die plötzliche Unterbrechung war so scharf, dass ich einen Laut ausstieß, halb Protest, halb Dank. Ich lag da und spürte das Pochen, das nun ohne direkte Berührung weiterging, als hätte mein Körper die Bewegung gespeichert. Die Lampe warf sein Profil an die Wand, die gebeugte Schulter, den gesenkten Kopf. Ich sah auf ihn herab und fühlte eine Zärtlichkeit, die so groß war, dass sie fast die Lust verdrängte, und dann mit ihr zusammenging, bis beides dasselbe war.

„Zurück“, sagte ich. „Jetzt die Klitoris. Flache Zunge. Von unten nach oben. Langsam. Der Finger bleibt, wo er ist.“

Er senkte den Mund und tat genau das. Die erste Berührung der Zunge an der Klitoris war weich und breit, ein Streichen, kein Punktieren, und mein ganzer Körper antwortete mit einem Bogen. Ich stöhnte laut, diesmal ohne Rücksicht auf die Nachbarn, auf den Morgen, auf irgendetwas außer diesem Strich. Er wiederholte ihn, im selben Tempo, von unten nach oben, und zwischen den Strichen lag immer derselbe kleine Abstand, in dem ich die nächste Berührung schon erwartete und sie trotzdem wie neu empfing. Der Finger in mir blieb gekrümmt, ein stetiger Druck, und zusammen mit der Zunge baute sich etwas auf, das nicht hetzte.

„Ein wenig mehr Druck“, sagte ich. „Nicht schneller. Nur mehr.“

Er legte mehr Gewicht in die Zunge, die Bewegung blieb langsam, und der Unterschied war sofort da, tiefer, satter. Meine freie Hand fuhr an meine eigene Brust, nahm die linke Brustwarze zwischen zwei Finger und zog leicht im Takt seiner Zunge. Ich sagte es ihm, weil ich wollte, dass er wusste, was ich tat. „Ich fasse mich an. Links. Im Takt mit dir. Bleib bei diesem Druck.“

„Ich bleibe“, sagte er, die Worte vibrierten gegen mich, und diese Vibration war ein zusätzliches Geschenk, ungeplant und willkommen. Ich lachte einmal, kurz, atemlos, und das Lachen ging in ein Stöhnen über. Die Wellen kamen näher zusammen. Meine Hüfte wollte sich ihm entgegenschieben, und ich ließ es zu, aber ich sagte: „Wenn ich mich bewege, folgst du. Verlier die Stelle nicht.“

Er folgte. Als ich mich hob, hob sich sein Mund. Als ich zurücksank, sank er mit. Der Finger blieb in der Krümmung, rutschte nicht weg. Ich spürte, wie die Spannung sich in einem engeren Kreis sammelte, hinter der Klitoris, im Unterleib, in den Oberschenkeln, die nun unkontrolliert zitterten. Noch nicht. Ich wollte den Gipfel, aber ich wollte ihn nicht aus Versehen, nicht aus seinem Tempo, sondern aus meinem Wort.

„Mehr“, sagte ich. „Jetzt mehr. Und ein zweiter Finger, langsam, wenn es geht, ohne den Winkel zu verlieren.“

Der zweite Finger glitt dazu, dehnte mich ein wenig mehr, und er fand den Winkel wieder, beide Finger nach vorn, still im Stoß, nur haltend, während die Zunge den Druck erhöhte und das Tempo nur um eine Spur anzog, weil mehr auch das bedeuten durfte. Ich sagte nicht schneller. Er wurde nicht hastig. Er wurde deutlicher. Das reichte. Der Kreis in mir zog sich zusammen, öffnete sich, zog sich wieder zusammen, und ich hörte meine eigene Stimme, Worte, die keine Anweisungen mehr waren, nur seinen Namen, und dann ein langes, hohes Stöhnen, das ich nicht formen konnte.

„Bleib“, keuchte ich, rechtzeitig, bevor die Welle brach. „Bleib, bleib, genau so.“

Er blieb. Die Zunge verlor weder Stelle noch Druck, die Finger hielten, und der Höhepunkt kam nicht als einzelner Schlag, sondern als eine Folge von Zuckungen, die durch mich liefen, jede stark, jede ein wenig anders, und ich presste die Schenkel um seinen Kopf, nicht um ihn einzusperren, sondern weil mein Körper nicht mehr wusste, wohin mit der Kraft. Ich schrie einmal, kurz, in das Kissen neben mir, das ich gepackt hatte, und dann noch einmal, offener, weil es keinen Grund gab, leise zu sein. Die Nässe nahm zu, lief an seinen Fingern, an seinem Kinn, und er wich nicht aus. Er blieb, bis die Zuckungen kleiner wurden und ich „warte“ sagte, heiser.

Er hob den Mund. Die Finger zog er langsam heraus, erst als ich nickte. Er küsste die Innenseite meines Oberschenkels, eine ruhige Stelle, und legte die Wange für einen Moment dorthin, während ich atmete, als hätte ich eine Treppe hinaufgerannt. Mein Herz schlug bis in die Kehle. Die Haut an meinem Bauch war feucht vor Schweiß. Die Lampe schien mir zu hell und gleichzeitig genau richtig, weil ich ihn sehen wollte, das nasse Kinn, die ruhigen Augen, den Mund, der noch glänzte.

„Komm her“, sagte ich. „Küss mich. Ich will mich schmecken.“

Er kam nach oben, stützte sich neben meinem Kopf ab und küsste mich. Ich schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und süß und eindeutig, und ich leckte über seine Unterlippe, nahm den Geschmack an, ohne wegzuwischen, was wir getan hatten. Seine Erektion lag schwer an meinem Bauch, heiß, und er rieb sich nicht an mir. Er wartete. Diese Zurückhaltung, nach allem, was er gerade mit dem Mund getan hatte, machte mich von neuem hungrig, obwohl die Nachwellen noch durch meine Beine liefen.

„War das so, wie du es wolltest?“, fragte er.

„Ja. Und ich bin noch nicht fertig mit dir. Ich will dich in mir. Aber nicht sofort hart und tief. Ich will oben sein. Ich will dich führen. Du liegst auf dem Rücken, die Hände am Kopfende, bis ich sage, dass du mich anfassen darfst. Und du kommst nicht, bevor du fragst. Wenn ich nein sage, wartest du, auch wenn es schwer ist. Einverstanden?“

„Einverstanden“, sagte er, ohne Zögern. „Wenn es zu viel wird, sage ich stopp. Dann halten wir. Nicht aus Rückzug. Aus demselben Grund, aus dem du mich korrigierst.“

Das hatte er noch nie so klar gesagt, und es rührte mich so, dass ich ihn noch einmal küsste, länger, dankbar. Dann rollte ich uns, bis er auf dem Rücken lag und ich über ihm kniete. Sein Schwanz lag zwischen uns, hart, die Spitze feucht. Ich nahm ihn in die Hand, nicht um ihn zu reizen, sondern um ihn zu spüren, das Gewicht, die Wärme, den Puls unter der Haut. Er atmete scharf ein und ließ die Hände trotzdem zum Kopfende wandern, wie ich es verlangt hatte. Die Finger schlossen sich um die Latte des Bettes.

„Sieh mich an“, sagte ich. „Die ganze Zeit. Wenn du die Augen schließt, ist das in Ordnung, aber dann sagst du mir, was du fühlst, damit ich dich nicht verliere.“

„Ich sehe dich“, sagte er.

Ich rieb die Spitze durch meine Nässe, langsam, von der Klitoris nach unten zum Eingang und wieder hinauf, und jedes Gleiten schickte einen Nachhall des Höhepunkts durch mich, empfindlich, fast zu viel, aber ich wollte genau diese Empfindlichkeit. Er stöhnte, hielt die Hüfte still, obwohl ich sah, wie die Muskeln an seinem Bauch sich spannten. Ich setzte ihn an und sank ein kleines Stück, nur die Spitze, und blieb dort. Die Dehnung war süß und deutlich. Ich atmete, senkte mich einen weiteren Zentimeter, hielt wieder. Er füllte mich nicht auf einmal. Ich nahm ihn in Abschnitten, und jeder Abschnitt war eine Entscheidung.

„Du bist so warm“, sagte ich. „Und ich bin noch geschwollen von deinem Mund. Es ist eng, auf die gute Art. Nicht bewegen. Ich bewege.“

„Ich bewege mich nicht“, sagte er, die Stimme rau. Seine Augen blieben offen. In ihnen lag Lust, ja, aber auch diese Aufmerksamkeit, die mich von Anfang an gehalten hatte. Ich sank tiefer, bis er ganz in mir war, und für einen Moment konnte ich nicht sprechen. Das Gefühl war vollständig, ein Ausgefülltsein, das bis in den Unterleib reichte, und gleichzeitig das Wissen, dass ich diejenige war, die das Maß bestimmte. Ich blieb sitzen, die Hände auf seiner Brust, und spürte ihn in mir pochen.

Dann begann ich mich zu bewegen, nicht auf und ab, sondern in einem kleinen Kreis, die Hüfte nach vorn und zurück, sodass die Reibung an der Vorderwand und an der Klitoris, die gegen seinen Unterleib stieß, zusammenkamen. Das Tempo war langsam. Jeder Kreis war vollständig, bevor der nächste begann. Jonas atmete durch den Mund. Seine Hände am Kopfende waren weiß an den Knöcheln, aber er ließ nicht los und griff nicht nach mir.

„Gut“, sagte ich. „So. Wenn ich mich nach vorn lehne, triffst du eine Stelle, die fast zu viel ist. Ich werde es tun. Du hältst still. Wenn ich mehr sage, darfst du die Hüfte ein wenig heben, nur ein wenig, im Takt mit meinem Kreis. Nicht stoßen.“

Ich lehnte mich vor. Der Winkel änderte sich, und ein scharfer, heller Lustpunkt flammte auf, dort, wo seine Finger vorhin gewesen waren, nur jetzt größer, weil er tiefer und breiter war. Ich stöhnte an seinem Hals, biss nicht, atmete nur gegen seine Haut. Der Kreis wurde kleiner, gezielter. Meine Brüste streiften seine Brust, die empfindlichen Spitzen zogen jede Berührung in den gleichen Strom. Ich sagte: „Mehr.“

Er hob die Hüfte um eine kleine Spanne, genau dann, wenn mein Kreis nach vorn kam, und das Zusammentreffen war so präzise, dass ich einen Laut ausstieß, der fast ein Schluchzen war. Nicht aus Trauer. Aus der Dichte des Gefühls. Er fand den Takt und hielt ihn, klein, verlässlich, und ich konnte mich darauf verlassen wie auf einen Satz, den er nicht vergaß. Schweiß stand auf seiner Stirn. Ich leckte ihn weg, salzig, und er lachte einmal, atemlos, ohne den Rhythmus zu verlieren.

„Darf ich dich anfassen?“, fragte er.

„Ja. Eine Hand an meiner Hüfte, um mich zu halten, nicht um mich zu führen. Die andere an meiner Brust, links, wie vorhin. Langsam kreisen.“

Seine rechte Hand legte sich an meine Hüfte, warm, stützend. Die linke fand meine Brust, der Daumen begann den langsamen Kreis, und die zusätzliche Empfindung flocht sich in das ein, was unten geschah. Ich richtete mich ein wenig auf, damit er mich ganz sehen konnte, und ritt ihn in diesem kleinen, bewussten Muster weiter. Das Bett knarrte leise. Der Regen hatte nachgelassen. Ich hörte uns: Atem, das nasse Geräusch, wo wir verbunden waren, das gelegentliche Wort. Nichts davon war mir peinlich. Alles davon gehörte zu dieser Nacht.

„Ich will, dass du redest“, sagte ich. „Nicht dirty in irgendeinem geliehenen Ton. Sag, was du siehst. Was du hörst. Was du von mir behalten willst, wenn ich morgen im Zug sitze.“

Er schluckte. Seine Hand an meiner Brust blieb im Kreis. „Ich sehe, wie du die Augen halb schließt, wenn der Winkel stimmt, und wie du sie wieder öffnest, weil du mich nicht verlieren willst. Ich höre, dass dein Stöhnen tiefer wird, wenn ich die Hüfte nur ein wenig hebe, und höher, wenn der Daumen über die Spitze geht. Ich will behalten, wie du mehr sagst und bleib sagst und wie dein Körper beides ernst meint. Ich will behalten, dass du mich korrigierst und dass das kein Mangel ist. Es ist das Genaueste, was mir je jemand anvertraut hat.“

Die Worte trafen mich härter als eine schnellere Bewegung es gekonnt hätte. Tränen stiegen mir in die Augen, nicht weil etwas falsch war, sondern weil es so richtig war, dass der Abschied daneben nicht mehr abstrakt blieb. Ich beugte mich herunter und küsste ihn, während ich mich weiterbewegte, und die Tränen fielen auf seine Wange. Er schmeckte sie nicht weg. Er küsste mich durch sie hindurch.

„Ich bin nah“, sagte ich an seinem Mund. „Nicht ganz. Ich will die Hand zwischen uns. Meine. An der Klitoris. Du hältst den kleinen Hub. Und du siehst mich an, wenn ich komme. Nicht weg.“

„Ich sehe dich“, sagte er wieder.

Ich schob die Hand zwischen unsere Körper und legte zwei Finger auf die Klitoris, nicht reibend im Kreis, sondern in dem flachen Strich, den seine Zunge mir gezeigt hatte, von unten nach oben, langsam, im Takt mit seinem kleinen Heben. Die Kombination war sofort zu viel und genau genug. Mein Inneres zog sich um ihn zusammen, rhythmisch, und er stöhnte laut, die Hand an meiner Hüfte fester, aber immer noch haltend, nicht führend. Ich spürte, wie ich mich um ihn verengte, wie jeder Kreis innen ein Ziehen wurde, das ihn mitnahm und mich gleichzeitig höher trug.

„Jonas“, sagte ich. „Bleib in diesem Takt. Nicht mehr. Ich komme.“

Er blieb. Ich sah ihn an, wie ich es verlangt hatte, und er sah zurück, die Augen dunkel und klar, und der zweite Höhepunkt kam tiefer als der erste, nicht so scharf an der Oberfläche, sondern als ein Ziehen aus dem ganzen Becken, das sich um ihn schloss und wieder öffnete und wieder schloss. Ich schrie seinen Namen, dann kein Wort mehr, nur Laut, und meine Finger auf der Klitoris wurden ungenau, aber es machte nichts, weil die Welle schon da war und durch mich lief, lang, wiederholt, bis meine Oberschenkel zitterten und ich mich auf seine Brust sinken ließ, immer noch mit ihm in mir, immer noch zuckend. Er hielt den Takt, bis ich „warte“ hauchte, und dann wurde er still, ganz still, tief in mir, die Arme nun um mich, weil ich nicht gesagt hatte, dass er mich nicht halten durfte, und weil mein Körper sich in dieses Halten fallen ließ.

Wir atmeten. Sein Herz schlug schnell unter meinem Ohr. Mein eigener Puls antwortete. Er war noch hart in mir, deutlich, und ich spürte, wie sehr es ihn kostete, nicht weiterzumachen. Ich küsste seine Brust, die Stelle über dem Herzen, und blieb einen Moment so, gefüllt und weich und gleichzeitig noch wach in der Lust.

„Du bist nicht gekommen“, sagte ich.

„Du hast gesagt, ich soll fragen.“

„Frag.“

„Ich will kommen“, sagte er, und die Stimme war belegt, ehrlich, ohne Drängen. „In dir. Aber nur, wenn du es auch willst, und nur so, wie du es jetzt noch aushältst. Du bist empfindlich. Ich spüre es. Wenn du lieber willst, dass ich mich zurückziehe und du mich mit der Hand zu Ende bringst, ist das auch richtig. Sag mir, was du willst. Ich höre.“

Ich lag auf ihm und spürte nach. Die Empfindlichkeit war da, ein fast wundes Nachklingen, aber darunter lag ein Wunsch, der nicht nur Großzügigkeit war. Ich wollte ihn in mir fühlen, wenn er kam. Ich wollte das Zucken, das Wärme, das Wissen, dass diese Nacht nicht nur meine gewesen war, obwohl sie von meiner Stimme geführt wurde. Ich wollte ihm dasselbe geben, was er mir gegeben hatte: Genauigkeit.

„Ich will dich in mir“, sagte ich. „Aber ich will nicht mehr reiten. Ich will auf dem Rücken liegen, du über mir, und du bewegst dich langsam. Tief, aber nicht hart. Meine Beine um deine Hüfte. Eine Hand von dir neben meinem Kopf, die andere darf an meinem Gesicht sein, damit ich dich küssen kann, wenn ich muss. Wenn es zu viel wird, sage ich warte, und du hältst inne, auch kurz vor dem Ende. Und du siehst mich an, wenn du kommst. Ich will das sehen.“

Er wiederholte es, kürzer diesmal, weil die Lust ihm die langen Sätze schwer machte, aber vollständig. „Rücken. Langsam. Tief, nicht hart. Deine Beine um mich. Eine Hand am Kopf, eine am Gesicht. Warte heißt innehalten. Ich sehe dich an.“ Er küsste meine Schläfe. „Habe ich dich?“

„Du hast mich.“

Er glitt aus mir, vorsichtig, und die Leere danach war kurz und seltsam, ein Kühlen, wo er gewesen war. Ich legte mich auf den Rücken, zog das Kissen wieder unter die Hüfte, und er kam über mich, stützte sich auf den Unterarm neben meinem Kopf, die andere Hand an meiner Wange. Ich schlang die Beine um seine Hüfte und führte ihn mit der Hand zurück an meinen Eingang. Er sank ein, langsam, in einem einzigen langen Gleiten, und wir stöhnten beide, weil die Empfindlichkeit nun auf beiden Seiten lag. Er füllte mich ganz und blieb, die Stirn an meiner, und wartete auf mein Ausatmen, bevor er sich bewegte.

Der erste Stoß war kaum ein Stoß. Es war ein Wiegen, tief, ein Zurückziehen um eine kleine Strecke und ein Wiederkommen, das mich ganz ausfüllte, ohne zu stoßen. Ich hielt seine Schulter und spürte die Kraft, die er zurücknahm. Das rührte mich und erregte mich zugleich. Meine Fersen lagen an seinem unteren Rücken und gaben ihm das Maß: so weit, nicht weiter in der Härte, nur in der Tiefe. Er verstand auch das. Jedes Wiederkommen war vollständig, jedes Zurückziehen ließ mich die Länge spüren, und das Tempo blieb bei meinem Atem.

„So“, sagte ich. „Genau so. Ein wenig mehr Gewicht auf mir. Ich will dich spüren, nicht nur in mir. Auf mir. Aber das Gesicht frei, ich will dich sehen.“

Er verlagerte das Gewicht, Brust an Brust, ohne mein Gesicht zu verdecken, und die Wärme seines Körpers über mir war wie eine zweite Decke, unter der die Welt draußen kleiner wurde. Der Koffer an der Tür existierte noch. Der Zug existierte noch. Aber sie waren nicht im Bett. Hier war nur sein Gewicht, sein Geruch, der langsame Takt, das nasse Geräusch unserer Körper, mein Name, den er einmal sagte, nicht als Frage, sondern als etwas, das er behalten wollte.

„Lena“, sagte er. „Ich höre dich. Auch wenn du nichts sagst. Dein Atem wird kürzer, wenn ich ganz bleibe, bevor ich zurückgehe. Soll ich dort eine Sekunde halten?“

„Ja. Halt. Jedes Mal, wenn du ganz in mir bist, eine Sekunde. Dann zurück.“

Er tat es. Die Sekunde des Stillhaltens, tief in mir, war fast unerträglich schön. Mein Inneres zog sich um ihn, unwillkürlich, und er stöhnte an meinem Mund, hielt aber die Sekunde, bevor er sich zurückzog. Wieder. Und wieder. Ich küsste ihn zwischen den Atemzügen, offene Küsse, Zunge, Zähne leicht an seiner Unterlippe, und wenn ein Kuss zu lang wurde und der Takt zu stocken drohte, löste ich mich und sagte: „Weiter. Die Sekunde bleibt.“

Seine Hand an meiner Wange strich mit dem Daumen unter meinem Auge, dort, wo vorhin die Träne gewesen war. Es war eine so zärtliche Geste mitten in der Deutlichkeit unseres Sex, dass ich wieder feucht wurde auf eine neue Art, nicht nur körperlich. Ich spürte, wie ich ihn einließ, wie mein Becken sich ihm öffnete, wie die Empfindlichkeit sich in ein warmes, tragendes Gefühl verwandelte. Ich war nicht mehr kurz vor einem dritten Höhepunkt, nicht zwingend, aber ich war ganz in der Lust, und das reichte. Ich wollte ihn jetzt. Ich wollte sein Ende.

„Du darfst ein wenig schneller werden“, sagte ich. „Nicht hart. Nur näher zusammen. Die Sekunde darfst du verkürzen, nicht weglassen. Und sag mir, wenn du nah bist. Rechtzeitig. Nicht im letzten Moment.“

„Ich bin schon nah“, sagte er, ehrlich, fast lachend vor Anstrengung. „Seit du die Beine fester gemacht hast. Ich kann es halten, aber nicht sehr lange, wenn ich schneller werde.“

„Dann schneller, und du sagst es, wenn die Kontrolle dünn wird. Ich will dich. In mir. Sieh mich an.“

Er wurde schneller, immer noch tief, immer noch ohne Härte, die Stöße näher beieinander, die Sekunde des Stillhaltens nun ein kurzes Innehalten, ein Pulsieren, und sein Atem ging stoßweise gegen meinen Mund. Ich hielt sein Gesicht mit beiden Händen, damit er nicht wegsehen konnte und damit ich ihn nicht verlor. Seine Augen waren dunkel, die Pupillen weit, und in ihnen lag keine Abwesenheit. Er war da. Er war bei mir. Die Muskeln an seinem Rücken spannten sich unter meinen Fersen. Ich spürte, wie sein Schwanz in mir noch härter wurde, wie der Rhythmus eine kleine Unregelmäßigkeit bekam, das erste Zeichen.

„Jetzt“, sagte er. „Lena, ich bin da. Darf ich?“

„Ja“, sagte ich. „Komm. Sieh mich an. Ich will es.“

Er sah mich an. Drei weitere langsame, tiefe Bewegungen, dann hielt er ganz in mir, und ich spürte das Zucken, deutlich, ein Pulsieren, das sich in mich ergoss, warm, wiederholt, während ein tiefer Laut aus seiner Kehle kam, mein Name darin, gebrochen und klar. Sein Gesicht blieb offen. Nichts daran war performt. Die Brauen zogen sich zusammen, der Mund öffnete sich, die Augen blieben auf meinen, auch als der Höhepunkt ihn schüttelte und seine Arme zu zittern begannen. Ich hielt sein Gesicht und sagte leise: „Ich habe dich. Ich habe dich.“ Er kam lange, in mehreren Wellen, und ich spürte jede, das Wärmewerden, das kleine Nachzucken, das Gewicht, das für einen Moment ganz auf mich sank und sich dann, noch im Beben, wieder auf die Unterarme verlagerte, weil er mich nicht erdrücken wollte, auch jetzt nicht.

Als es nachließ, blieb er in mir. Seine Stirn sank an meine, nicht um den Blick zu brechen, sondern weil die Kraft aus ihm wich. Ich küsste seine geschlossenen Lider, dann den Mund, salzig vor Schweiß. Wir atmeten denselben Atem. Draußen war es still geworden. Kein Regen mehr, nur das Ticken der Heizung und unser Puls, der langsam zurückfand.

„Warte noch“, sagte ich, als er sich ein wenig heben wollte. „Nicht raus. Nur einen Moment. Ich will dich noch spüren, bevor die Leere kommt.“

Er blieb. Sein Gewicht wurde ruhiger. Eine Hand strich mir das feuchte Haar aus der Stirn, wieder und wieder, dieselbe Bewegung, als würde auch das Nachspiel eine Anweisung brauchen und er hätte sie gehört, ohne dass ich sie ausgesprochen hatte. Vielleicht hatte er sie aus meinem Ausatmen gelesen. Ich ließ die Beine sinken, die Muskeln müde und gut, und lag unter ihm, gefüllt, nass, zufrieden auf eine Weise, die nicht laut war.

„War das richtig?“, fragte er nach einer Weile, die Stimme noch tief.

„Es war genau“, sagte ich. „Nicht ungefähr. Genau. Das ist mehr, als ich von dieser Nacht zu hoffen gewagt habe.“

Er lächelte, klein, und küsste die Stelle zwischen meinen Brauen. Dann, als ich nickte, glitt er langsam aus mir. Die Leere kam, kühl und deutlich, und ein wenig von ihm lief an mir herab, warm auf der Haut. Er stand nicht sofort auf, um etwas zu holen. Er sah mich an, fragend.

„Ein Tuch“, sagte ich. „Warmes Wasser, wenn es geht. Und dann komm zurück. Nicht aufräumen. Nur zurück.“

Er ging ins Bad. Ich hörte den Wasserhahn, das kurze Warten, bis es warm wurde, und dieses Warten rührte mich fast so sehr wie alles davor. Als er zurückkam, trug er ein weiches Tuch, ausgewrungen, nicht tropfend. Er reinigte mich langsam, von außen, ohne zu reiben, wo ich empfindlich war, und fragte einmal: „Hier zu viel?“ Ich schüttelte den Kopf. Er trocknete mich mit einem zweiten Tuch, deckte mich zu, stellte das Wasserglas, das ich nicht bestellt hatte und trotzdem wollte, auf den Nachttisch, und legte sich dann neben mich, nicht halb auf mich, sondern so, dass ich den Kopf an seine Schulter legen konnte und trotzdem Luft hatte.

Ich trank. Das Wasser war kühl und klar und machte mir bewusst, wie trocken mein Mund vom Stöhnen geworden war. Er trank danach aus demselben Glas, ohne Kommentar, und stellte es zurück. Die kleine Lampe brannte noch. Der Koffer an der Tür war wieder sichtbar, wenn ich den Kopf drehte, halb offen, die Hemden ein dunkler Stapel. Morgen würde ich ihn schließen. Morgen würde der Zug kommen. Heute Nacht war das noch nicht die Aufgabe.

„Ich habe Angst, dass ich in München Männer treffe, die nicht fragen“, sagte ich in die Ruhe hinein. Es war kein Vorwurf an die Zukunft und keine Bitte, dass er mich festhielt. Es war nur wahr. „Ich habe Angst, dass ich dann wieder kleiner werde in dem, was ich sage. Dass ich warte, bis jemand von selbst errät, und dass niemand errät.“

Er schwieg einen Moment, und ich spürte, dass er nicht mit einem Trostsatz kam, der zu glatt gewesen wäre. Seine Hand lag auf meinem Arm, der Daumen bewegte sich langsam. „Dann nimm diese Nacht mit als Beweis, nicht als Maßstab, an dem alle anderen scheitern müssen“, sagte er. „Beweis, dass du weißt, was du willst, und dass du es sagen kannst. Wenn jemand nicht zuhört, ist das keine Höflichkeit, die du schuldest. Das ist eine Tür, die du zumachen darfst. Und wenn du willst, rufst du mich an, nicht damit ich es für dich entscheide, sondern damit ich noch einmal wiederhole, was ich heute gehört habe. Damit du deine eigene Stimme in meiner Erinnerung wiederfindest, falls sie dir fern vorkommt.“

Ich drehte das Gesicht an seinen Hals und atmete ihn ein. „Wiederhol es jetzt“, sagte ich. „Nicht alles. Nur das, was du behalten willst. Leise.“

Er sprach leise, an mein Haar. „Licht an, die kleine Lampe. Schultern und Nacken, fest genug, nicht zu fest. Links empfindlicher. Mund am Schlüsselbein, nicht beißen. Brust halten, Daumen langsam, weiter raus, wenn der Atem stockt. Flache Zunge, erst Wärme, dann kurz saugen. Außen beginnen. Leisten, Innenseite, dieselbe Linie noch einmal. Erst auf Bitten an die Klitoris, von unten nach oben, nicht schneller, bevor du es sagst. Mehr heißt Druck. Bleib heißt genau so, auch wenn du zuckst. Warte heißt Mund weg und nur atmen. Haare packen ist kein Zeichen für härter. Oben sein, ich am Kopfende, bis du mich anfasst. Nicht kommen, bevor ich frage. Auf dem Rücken langsam, tief, nicht hart, eine Sekunde ganz in dir. Dich ansehen, wenn es passiert.“ Er hielt inne. „Und dass Tränen kein Stopp sind, solange du nicht Stopp sagst. Dass du mich korrigierst, weil du mir vertraust, nicht weil ich versage.“

Ich lag still und ließ die Sätze in mich sinken. Jeder einzelne war eine Stelle an meinem Körper und gleichzeitig ein Satz in meinem Kopf, den ich morgen im Zug würde finden können, wenn die Landschaft vorbeizog und die Angst kam. Meine Hand lag auf seiner Brust. Sein Herz schlug ruhiger jetzt. Ich spürte eine Müdigkeit, die nicht leer war, sondern satt, und darunter ein letztes, leises Glühen, nicht genug für einen neuen Anfang, genug, um dankbar zu sein.

„Ich will noch einmal geküsst werden“, sagte ich. „Nicht als Anfang von etwas. Als Ende, das nicht abrupt ist. Langsam. Und dann das Licht aus, aber die Vorhänge offen, damit der Morgen uns nicht überrascht wie ein Einbruch. Ich will sehen, wenn es hell wird. Ich will, dass du da bist, wenn ich die Augen aufmache, auch wenn wir nicht reden. Und wenn ich im Halbschlaf die Hand ausstrecke, will ich deine finden, ohne suchen zu müssen.“

Er küsste mich langsam. Kein Hunger mehr darin, oder nur der ruhige Rest von Hunger, der sich in Zärtlichkeit verwandelt hatte. Seine Lippen waren weich. Er nahm sich Zeit für die Mundwinkel, für die Unterlippe, für einen letzten, offenen Kuss, in dem unsere Zungen sich fanden und wieder trennten, ohne dass daraus eine neue Forderung wurde. Als er sich löste, blieb seine Nase an meiner, und wir atmeten so, bis ich lächelte, klein, gegen seinen Mund.

Er stand auf, löschte die kleine Lampe und ließ die Vorhänge, wie sie waren, einen Spalt offen. Das Laternenlicht von der Straße legte einen schmalen Streifen über das Fußende des Bettes und über den Koffer, der nun weniger wie ein Urteil aussah und mehr wie ein Gegenstand, der bis zum Morgen warten konnte. Jonas kam zurück unter die Decke, legte sich auf die Seite, mir zugewandt, und schob seine Hand in die Mitte des Kissens, offen, damit ich sie finden würde. Ich legte meine hinein. Unsere Finger verschränkten sich nicht fest. Sie lagen ineinander, locker genug zum Schlafen, deutlich genug zum Wiederfinden.

„Morgen helfe ich dir, den Koffer zu schließen“, sagte er. „Nicht jetzt. Und ich bringe dich nicht mit Reden zum Bahnhof, wenn du Stille willst. Du sagst es mir beim Frühstück. Ich höre zuerst zu.“

„Ich weiß“, sagte ich. Die Wörter waren schon schwer vor Schlaf. „Das ist der Grund, warum diese Nacht nicht nur Abschied ist. Das ist der Grund, warum ich gehen kann, ohne mich kleiner zu machen.“

Er antwortete nicht mehr mit einem Satz. Er drückte meine Hand einmal, leicht, und ließ den Druck wieder locker. Ich hörte seinen Atem länger werden. Mein eigener folgte. Zwischen den Beinen war ich noch warm, noch ein wenig feucht, ein Körper, der die Nacht behielt, während der Kopf schon in den Schlaf kippte. Kurz vor dem Wegdämmern dachte ich an den Zug, an das Abteil, an die Stelle, an der ich sitzen würde, und an die Möglichkeit, die Stirn an die Scheibe zu legen und mich zu erinnern, nicht an eine verschwommene Leidenschaft, sondern an genaue Worte. Links. Bleib. Mehr. Warte. Sieh mich an.

Draußen fuhr ein spätes Auto vorbei, Reifen auf nassem Asphalt, und das Geräusch entfernte sich. Jonas’ Daumen bewegte sich im Schlaf einmal über meinen Handrücken, eine letzte, unbewusste Antwort. Ich zog die Decke höher, bis an die Schulter, und ließ die Augen zu. Der Koffer blieb an der Tür. Der Morgen würde kommen, und mit ihm die Abreise, die Hemden, der Bahnsteig, die Stadt, die ich noch nicht kannte. Aber diese Nacht hatte einen geschlossenen Kreis, und in seiner Mitte lag nicht Eile, sondern ein Mann, der zuerst zugehört hatte, und eine Frau, die gesagt hatte, was sie wollte, und bekommen hatte, was sie gesagt hatte, vollständig, langsam, und bis zum letzten Kuss. Ich schlief mit seiner Hand in meiner ein, und als das erste Grau an den Vorhangrand kam, war sie noch da.

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