Neue Sexgeschichten

Wo keine Uhr hing

Für Frauen · 22 Minuten lesen · 29 Minuten hören

Gelesen von Ivanna

Teil 1 der Serie Ihre Lust (7)

Der Kies unter den Reifen klang wie etwas, das man nicht zurücknehmen kann. Ich stellte den Motor ab und ließ die Hände auf dem Lenkrad, weil sie sonst gezittert hätten, und das wollte ich nicht, nicht bevor er mich sah. Der See lag grau und still hinter dem Haus, der Himmel hing tief, und irgendwo in den Bäumen tropfte es, obwohl es nicht regnete. Vier Jahre waren eine Zahl, die ich oft gesagt hatte, ohne sie zu fühlen. Hier, mit dem Schlüssel noch im Zündschloss, fühlte ich sie im Magen.

Jonas stand auf der kleinen Veranda, die Hände in den Taschen einer dunklen Jacke, und er bewegte sich nicht, als hätte auch er beschlossen, den ersten Schritt nicht zu überstürzen. Mit fünfunddreißig sah er nicht älter aus als damals, nur ruhiger, als hätte jemand die scharfen Kanten an ihm abgeschliffen, ohne das Gesicht zu verändern, das ich zu gut kannte. Ich war dreiunddreißig und hatte mir auf der Fahrt eingeredet, ich käme nur, um zu reden. Das stimmte nicht. Ich wusste es, sobald ich die Tür öffnete und die kühle Luft an meinen Hals kam.

„Mara“, sagte er, und mein Name in seinem Mund war kein Gruß, sondern eine Feststellung, als prüfe er, ob ich noch so hieß. „Jonas.“ Ich blieb am Fuß der Stufen stehen. Zwischen uns lagen drei Bretter und vier Jahre, und beides war zu wenig Abstand. Er kam herunter und umarmte mich nicht sofort. Er nahm mir die Tasche ab, und dabei streiften seine Finger meine, warm und bekannt, und dieses kurze Berühren reichte, um mir die Kehle eng zu machen.

Ich roch ihn: Seife, Holz, etwas Warmes, das kein Parfüm war. Mein Körper erinnerte sich schneller als mein Kopf. Das ärgerte mich und erleichterte mich zugleich. „Du bist pünktlich“, sagte er. „Es gibt hier keine Uhr, an der man das messen könnte“, sagte ich, und er lächelte zum ersten Mal, kurz, an einem Mundwinkel, so wie früher, wenn ich etwas gesagt hatte, das ihn traf, ohne dass er es zeigen wollte.

Im Haus roch es nach Kaffee und nach dem Holz der Wände. Es war klein: eine Küche mit einem Tisch, ein Wohnraum mit einem Sofa, das schon viele Sommer gesehen hatte, ein Schlafzimmer, dessen Tür offen stand und das ich absichtlich nicht ansah. Auf dem Tisch lagen ein Brot, zwei Äpfel und eine Flasche Wein, noch zu. Jonas stellte meine Tasche ab und ging zur Wand, wo eine runde Küchenuhr hing, weiß und billig, mit einem Sekundenzeiger, der gleichmäßig tickte.

„Wir hatten das ausgemacht“, sagte er. „Ja.“ Er nahm die Uhr ab. Das Ticken hörte nicht sofort auf, es lag noch in der Luft, dann war es weg. Er legte sie in eine Schublade, und danach hielt er mir die offene Hand hin. Ich verstand, zog das Telefon aus der Jackentasche, sah die Zeit, kurz vor vier, und legte es zu der Uhr. Er legte seins daneben. Die Schublade ging zu, und das Geräusch war leise und endgültig.

„Wenn du gehen willst, gehst du“, sagte er. „Keine Fragen, kein Wochenende, das man aushalten muss. Ich wollte dich sehen. Das ist alles, was feststeht.“ „Ich bin nicht hergekommen, um zu gehen“, sagte ich, und meine Stimme war fester, als ich mich fühlte. „Ich weiß nur nicht, was wir mit der Zeit anfangen, wenn sie niemand zählt.“ „Dann fangen wir mit Kaffee an“, sagte er.

Wir tranken ihn am Tisch, die Tassen zwischen den Händen, und redeten zuerst über die Straße, den See, das Haus, das einem Bekannten von ihm gehörte und im September leer stand. Es war das sichere Gerede von Menschen, die sich einmal alles gesagt hatten und nun wieder bei den Rändern anfingen. Ich sah seine Hände. Die Narbe am linken Knöchel war noch da, von einem Sturz auf nassem Asphalt, an den ich mich erinnerte, weil ich damals neben ihm gekniet und geflucht hatte, während er gelacht hatte. Ich wollte diese Hand anfassen und tat es nicht. Er sah mich an, als wüsste er es trotzdem.

„Du schneidest das Brot noch immer so“, sagte er, als ich später das Messer nahm, schräg, zu dünn, weil ich Ungeduld mit Genauigkeit verwechselte. „Und du stellst noch immer die Tasse so hin, dass der Henkel nach links zeigt“, sagte ich. „Gewohnheit.“ „Ja.“ Das Wort blieb zwischen uns liegen wie etwas, das man nicht wegwischen konnte.

Wir kochten nichts Großes: Kartoffeln, Butter, Kräuter, die er im Garten hinter dem Haus gefunden hatte, und ein Stück Fisch, das er am Morgen gekauft hatte. Ich stand an der Spüle und wusch die Kartoffeln, und er trat hinter mich, um ein Messer aus der Schublade zu nehmen. Für einen Atemzug war sein Körper nah an meinem Rücken, ohne mich zu berühren, und die Wärme kam trotzdem durch. Mein Nacken spannte sich. Ich hielt die Kartoffel fest und atmete aus, langsam, damit er es nicht als Seufzer hörte. Er blieb eine Sekunde länger stehen, als das Messer brauchte, dann trat er zur Seite.

Ich spürte die Stelle, wo er nicht gewesen war, deutlicher als jede Berührung. „Ist das in Ordnung?“, fragte er leise, und er meinte nicht die Kartoffeln. „Dass du so nah stehst?“ Ich drehte mich nicht um. „Ja. Es ist in Ordnung. Es ist nur nicht nichts.“ „Bei mir ist es auch nicht nichts“, sagte er.

Draußen wurde das Grau dichter. Wir aßen am Tisch, die Knie manchmal aneinander, weil der Tisch klein war und keiner von uns auswich. Der Fisch war gut, und ich sagte es. Er nickte und sah auf meinen Mund, wenn ich kaute, und ich ließ es geschehen, weil ich seinen Mund ebenso ansah. Es gab eine alte Anziehung, die nicht höflich war. Sie saß in der Luft wie das fehlende Ticken.

Ich erzählte von der Arbeit in der anderen Stadt, von einer Wohnung mit einem Fenster zum Hof, von Abenden, an denen ich zu müde gewesen war, um jemanden anzurufen, den ich noch wollte. Er erzählte von einer Wohnung über einer Bäckerei, von frühen Morgen, von einem Jahr, in dem er viel gelaufen war, weil Laufen den Kopf leerte. Keiner von uns zählte die anderen Menschen auf, die es gegeben hatte. Es hatte sie gegeben, das wussten wir, und sie gehörten nicht in dieses Haus.

„Ich habe dich nicht vergessen“, sagte er, als die Teller leer waren, und er sagte es ohne Pathos, wie eine Tatsache, die man auf den Tisch legt, neben das Salz. „Ich dich auch nicht“, sagte ich. „Das machte es schwer. Vergessen wäre leichter gewesen.“ Er räumte ab, ich trocknete, und unsere Ellbogen stießen aneinander. Diesmal blieb meiner, wo er war. Seine Haut an meinem Unterarm war warm, und wir arbeiteten langsamer, als die wenigen Teller verlangten.

Als nichts mehr zu tun war, standen wir an der Spüle und sahen auf das dunkle Fenster, in dem wir uns schwach spiegelten: zwei Erwachsene, die sich nicht anfassen und sich doch schon berührten. „Wollen wir zum Wasser?“, fragte er. „Ja.“ Der Weg war kurz, ein Pfad aus festgetretenem Gras zwischen Schilf, und der See roch nach Eisen und nach nassem Laub. Jonas ging neben mir, nicht vor mir, und seine Schulter streifte meine, einmal, zweimal, als der Pfad schmal wurde. Beim dritten Mal blieb ich stehen, und er blieb auch stehen. Das Wasser machte ein kleines Geräusch an den Steinen.

„Ich will nicht so tun, als wären wir Freunde, die sich zufällig wiedersehen“, sagte ich. „Ich bin hergekommen, weil ich dich noch will. Das ist unvernünftig, und es ist trotzdem wahr.“ Er sah mich an. In dem grauen Licht waren seine Augen dunkler als in meiner Erinnerung, oder meine Erinnerung war höflicher gewesen als die Wirklichkeit. „Ich habe das Haus nicht gemietet, um vernünftig zu sein“, sagte er.

„Ich wollte dich in einem Raum haben, in dem keine Uhr uns sagt, wann wir aufhören müssen“, sagte er. „Wenn du mich willst, dann will ich dich. Wenn du nur reden willst, reden wir. Beides ist ein Ja, das ich aushalte, nur kein Halbes, das wir uns hinterher schlecht erzählen.“ „Ich will kein Halbes“, sagte ich. Er hob die Hand, langsam genug, dass ich hätte zurücktreten können, und legte sie an meine Wange. Der Daumen strich einmal unter meinem Auge, und ich lehnte mich in die Hand.

Das war die erste wirkliche Berührung, und sie ging mir durch den ganzen Körper, bis in die Knie, bis zwischen die Beine, wo die Lust nicht artig wartete. Ich schämte mich nicht dafür. Ich war dreiunddreißig und hatte lange genug so getan, als wäre Begehren etwas, das man mit Abstand löst. „Noch nicht küssen“, sagte ich, und meine Stimme war rau. „Wenn du mich jetzt küsst, gehen wir nicht mehr zurück ins Haus wie Menschen, die einen Plan haben. Ich will den Weg noch. Ich will wissen, dass ich gehe und nicht falle.“

„Dann gehen wir“, sagte er, und seine Hand blieb an meiner Wange, dann ließ er sie sinken. Der Verlust war so deutlich, dass ich fast gelacht hätte. „Ich warte“, sagte er. „Ich warte gern, wenn ich weiß, worauf.“ Wir gingen am Ufer entlang, bis die Steine aufhörten und das Schilf wieder dicht wurde. Ich erzählte ihm, wie ich in dem ersten Jahr nach dem Umzug sein Hemd im Schrank gelassen hatte, bis der Geruch weg war, und wie ich es dann trotzdem nicht weggegeben hatte. Er hörte zu, ohne es kleiner zu machen.

Er erzählte, dass er einmal in meiner Stadt gewesen war, für eine Nacht, und nicht angerufen hatte, weil er nicht unangemeldet vor meiner Tür stehen wollte. Ich blieb stehen und sah ihn an. „Du warst da und hast geschwiegen.“ „Ja.“ „Das war feige.“ „Ja“, sagte er wieder. „Und richtig, glaube ich. Du hattest neu angefangen, und ich wollte nicht die Person sein, die an deine Tür klopft und alles aufmacht, was du gerade zugemacht hast.“ Der Ärger war da, klein und heiß, und darunter lag die Vorstellung, dass er eine Straße von mir entfernt geschlafen hatte und ich es nicht gewusst hatte.

„Heute klopfst du nicht“, sagte ich. „Heute habe ich die Tür selbst aufgemacht.“ „Heute ja.“ Ein Tropfen fiel mir auf die Hand, dann noch einer, und der Himmel hatte sich entschieden. Wir gingen zurück, der Regen wurde dichter, kühl auf dem Gesicht, und als wir die Veranda erreichten, war mein Haar nass und sein Kragen dunkel. Im Haus zog ich die Jacke aus, er tat dasselbe, und das Hemd darunter klebte ihm an der Schulter. Ich sah hin und sah weg und sah wieder hin. Er bemerkte es und sagte nichts, was es kleiner gemacht hätte.

Wir setzten uns auf das Sofa, nicht an den Enden und nicht ganz in der Mitte, und zwischen uns lag eine Handbreit. Jonas öffnete den Wein. Die Gläser waren ungleich, eines mit einem kleinen Sprung am Rand, und er gab mir das ohne Sprung. Ich trank. Der Wein war trocken und dunkel und wärmte nicht sofort. Draußen schlug der Regen an die Scheibe, und drinnen war es still auf die Art, die laut ist, weil zwei Menschen atmen und beide wissen, warum.

„Darf ich dich anfassen?“, fragte er. „Ja.“ Er legte seine Hand auf meine, die auf meinem Knie lag, nur das, und der Druck war ruhig. Ich drehte meine Hand um, sodass die Innenflächen sich trafen, und verschränkte die Finger mit seinen. Seine Haut war warm, die Linien bekannt, und ich strich mit dem Daumen über seinen Knöchel, über die Narbe. Er atmete einmal tiefer. „Ich habe das vermisst“, sagte ich. „Nicht nur das andere, auch das hier, dass deine Hand so tut, als gehöre sie an meine.“

„Sie hat nie aufgehört, das zu tun“, sagte er. „Sie hatte nur keinen Ort.“ Ich rückte näher, mein Knie legte sich an seins, und die Handbreit war weg. Ich spürte die Wärme seines Oberschenkels durch den Stoff, und mein eigener Körper antwortete mit einem Ziehen, tief und ungeduldig und ehrlich. Ich wollte seinen Mund. Ich wollte die Zeit, die niemand maß, und ich wollte nicht mehr so tun, als wäre Wollen eine Theorie. „Jetzt“, sagte ich. „Jetzt darfst du mich küssen. Ich will es, und ich will dich.“

„Wenn ich aufhören will, sage ich es, und du hörst auf. Dasselbe gilt für dich.“ „Dasselbe gilt“, sagte er. „Sag es laut, wenn etwas nicht stimmt. Ich will dich ganz, nicht gegen einen Zweifel.“ „Es gibt keinen Zweifel an dem Hier“, sagte ich. „Nur an dem Danach, und das Danach lassen wir in der Schublade, bei den Telefonen.“ Er lächelte, diesmal nicht nur an einem Mundwinkel, und beugte sich vor, langsam, und küsste mich.

Der erste Kuss war kein Sturz, er war ein Wiedererkennen. Seine Lippen waren warm und ein wenig rau vom Wind, und sie lagen auf meinen, als prüften sie, ob der Mund noch derselbe war. Ich öffnete meinen, er tat dasselbe, und der Kuss wurde tiefer, ohne hastig zu werden. Ich schmeckte Wein und Regen und ihn. Meine freie Hand ging an seinen Nacken, die Haare dort waren kurz und feucht, und er machte ein Geräusch, klein, in der Kehle. Dieses Geräusch kannte ich aus Nächten, die ich nicht vergessen hatte, und es ging mir direkt zwischen die Beine.

Ich drückte mich näher. Seine Hand ließ meine los und legte sich an meine Taille, fest, nicht zerrend, eine Frage in der Fläche der Hand. Ich antwortete, indem ich mich in diese Hand lehnte. Wir küssten uns lange. Der Regen blieb, die Gläser standen vergessen, und ich setzte mich nicht auf ihn, noch nicht, obwohl mein Körper es wollte. Ich wollte die Steigerung, das langsame Schwererwerden.

Seine Zunge strich über meine, ich sog leicht an seiner Unterlippe, und er atmete gegen meinen Mund. Als wir uns lösten, waren meine Lippen empfindlich, und seine Augen waren dunkel vor Lust, nicht vor Höflichkeit. „Komm her“, sagte ich, und diesmal meinte ich den Schoß, die Nähe, das Gewicht. Er zog mich zu sich, oder ich zog mich, es war dasselbe. Ich saß auf seinen Oberschenkeln, die Knie links und rechts, und spürte ihn unter mir, schon hart, durch die Hose, eine deutliche Linie. Sie erschreckte mich nicht und überraschte mich nicht. Sie freute mich.

Ich bewegte mich einmal, langsam, nur um zu fühlen, und er legte den Kopf zurück an die Sofalehne und sah mich an, als wäre das Sehen selbst schon eine Berührung. „Du bist schön“, sagte er. „Das sage ich nicht, weil es sich gehört. Du sitzt auf mir, und ich kann kaum denken, und du bist schön.“ „Denk nicht“, sagte ich. „Fass mich an.“ Seine Hände gingen unter mein Hemd, auf die nackte Haut des Rückens, und die Wärme seiner Handflächen war so unmittelbar, dass ich die Augen schloss.

Er strich hinauf, bis zu den Schulterblättern, und hinunter, bis zum Bund der Hose, und blieb dort, die Daumen an meinen Hüften. Ich öffnete die Knöpfe meines Hemdes selbst, weil ich wollte, dass er sah, wie ich es tat, dass das Öffnen von mir kam. Der Stoff fiel auseinander. Darunter trug ich nichts mit Spitze, nur einen schlichten Bügel, hautfarben und praktisch, weil ich nicht hatte so tun wollen, als wäre ich als Geschenk verpackt gekommen. Er sah mich an, und sein Blick war hungrig und aufmerksam zugleich.

„Darf ich?“, fragte er, die Finger am Verschluss. „Ja. Mach ihn auf.“ Er tat es, der Bügel löste sich, und ich streifte ihn ab und ließ ihn neben das Sofa fallen. Die Luft im Zimmer war kühl an meinen Brüsten, und dann waren seine Hände da, warm, die Kuppen vorsichtig an den Seiten, nicht sofort an den Spitzen. Er wusste noch, dass ich es nicht mochte, wenn jemand griff, als wären Brüste Griffe. Er hielt sie, wog sie, strich mit den Daumen langsam näher, bis er die Brustwarzen berührte, die schon hart waren von der Kälte und von ihm.

Ein Ziehen ging von dort nach unten, scharf und süß, und ich atmete aus und bewegte mich auf seinem Schoß, fester diesmal. Ich spürte seine Härte genauer. „Empfindlich“, sagte er, nicht als Frage. „Ja. Langsam dort, und dann nicht mehr langsam.“ Er senkte den Kopf und nahm eine Brustwarze in den Mund. Die Wärme, die Nässe, das leichte Saugen: ich stöhnte leise und legte die Hand in sein Haar. Er leckte, kreiste, sog ein wenig fester, und die andere Hand blieb an der anderen Brust, der Daumen im gleichen Takt.

Ich spürte, wie ich feucht wurde, ein deutliches warmes Gleiten, und ich drückte mich gegen ihn und suchte Reibung durch zu viel Stoff. Er hob den Kopf, küsste die Stelle zwischen meinen Brüsten, den Hals, den Mund, und ich küsste zurück. „Ich will dich ausziehen“, sagte ich. „Ich will dich sehen.“ „Dann tu es.“ Ich öffnete sein Hemd, Knopf für Knopf, und schob es von den Schultern. Seine Brust war warm, die Haut ein wenig dunkler als meine, ein Leberfleck unter dem linken Schlüsselbein, den ich mit dem Mund suchte und fand.

Ich küsste die Stelle. Er atmete tiefer und legte die Hände an meine Hüften, als müsste er sich festhalten. Ich leckte über seine Brustwarze, einmal, und er lachte kurz, überrascht, dann stöhnte er, als ich es noch einmal tat, mit den Zähnen, ganz leicht. „Das hast du früher nicht gemacht“, sagte er. „Ich bin nicht früher“, sagte ich. „Ich bin hier.“ Wir standen auf, weil das Sofa zu eng wurde für das, was ich wollte, und weil ich ihn ganz sehen wollte, nicht in Falten von Polstern.

Er führte mich nicht. Wir gingen zusammen zur Mitte des Raums, wo der Teppich lag, dick und ein wenig schief, und ich dachte einen Moment an das Schlafzimmer und entschied mich dagegen. Das Bett konnte warten. Ich wollte den Boden, die Lampe, den Regen am Fenster, den Raum, in dem wir den Wein stehen gelassen hatten. Ich wollte, dass es hier geschah, wo wir uns entschieden hatten. Er küsste mich im Stehen, die Hände an meinem nackten Rücken, meine Brüste an seiner Brust, Haut an Haut, und das Gefühl war so vollständig, dass ich einen Moment nur stand und zitterte.

Dann öffnete ich seinen Gürtel. Das Leder war steif, die Hose folgte, er half und schob sie hinunter, und er stand in Shorts vor mir, der Stoff gespannt, ein dunkler Fleck, wo er schon feucht war. Ich legte die Hand darauf, durch den Stoff, und spürte die Hitze und die Form. Er schloss die Augen und sagte meinen Namen, leise, als wäre er ein Satz für sich. „Ich will dich im Mund“, sagte ich. „Nicht weil ich muss, weil ich es will. Und ich will, dass du mich danach genauso willst, mit dem Mund, bevor du in mir bist.“

„Ist das klar genug?“ „Klar genug“, sagte er, und seine Stimme war belegt. „Und ich will das, alles davon. Sag mir, wenn der Winkel nicht stimmt oder wenn du Luft brauchst. Ich halte dich nicht fest.“ „Gut.“ Ich zog ihm die Shorts aus. Sein Schwanz stand frei, hart, die Haut gespannt, die Spitze dunkel und glänzend. Ich kannte ihn, das leichte Biegen nach links, die Ader, den Geschmack, der kommen würde. Das Wiedererkennen war intim auf eine Art, die tiefer ging als Neuheit.

Ich kniete mich auf den Teppich, der Boden war hart unter dem Flor, und er legte eine Hand an meine Schulter, leicht, nicht drückend. Er sah auf mich herab mit einem Gesicht, das offen war vor Lust und vor etwas Zarterem, das ich nicht benennen wollte, weil Benennen es vielleicht verscheucht hätte. Ich küsste zuerst die Innenseite seines Oberschenkels, die warme Haut, und spürte, wie sein Bein sich spannte. Dann leckte ich von der Wurzel bis zur Spitze, langsam, eine lange Bahn, und nahm den Geschmack auf: Salz, Haut, ein Tropfen, klar und herb. Er stöhnte.

Ich nahm ihn in den Mund, nicht tief sofort, die Lippen fest um den Schaft, die Zunge unten, und bewegte mich in einem Rhythmus, den ich selbst bestimmte. Meine eine Hand lag an dem, was nicht in meinem Mund war, die andere ruhte an seiner Hüfte, damit ich merkte, wenn er sich bewegte. Er bewegte sich kaum. Er ließ mich, und das war erregend auf eine Weise, die ich nicht erwartet hatte: die Freiheit, die er mir ließ, und das Zittern, das er nicht versteckte. „So“, sagte er, heiser. „Genau so. Du musst nicht tiefer, das ist gut.“

Ich wurde mutiger, nahm mehr, bis die Spitze an meinen Rachen stieß, und zog mich zurück, bevor es zu viel wurde, und tat es wieder, mit Speichel und mit Absicht. Meine eigene Lust pochte. Ich war nass, die Hose noch zu, und dass er mich dort nicht anfasste, machte es schlimmer und besser zugleich. Ich sah zu ihm auf. Seine Augen waren halb geschlossen, der Mund offen, und als unsere Blicke sich trafen, legte er die Hand an meine Wange, den Daumen an meinen Lippenwinkel, ohne zu drängen. „Wenn du so weitermachst, komme ich“, sagte er.

„Ich will nicht, noch nicht. Ich will dich schmecken, und ich will in dir sein, wenn ich komme, falls du das auch willst.“ Ich ließ ihn aus dem Mund gleiten, langsam, und küsste die Spitze einmal. „Ich will das auch“, sagte ich. „Komm herunter.“ Er kniete sich zu mir, wir küssten uns, und er schmeckte sich an mir und störte sich nicht. Seine Hände öffneten meine Hose, ich hob die Hüften, und er zog Hose und Unterhose zusammen hinunter, über die Knie, über die Füße, und legte sie beiseite.

Ich lag auf dem Rücken, weil er mich sanft dorthin führte und ich mitging, der Teppich an meinen Schultern, die Lampe warm über uns. Er sah mich an, ganz, und ich ließ die Beine nicht sofort öffnen, weil ich gesehen werden wollte. Ich war dreiunddreißig, mein Körper war mein Körper, mit einer Narbe am Knie, mit Brüsten, die zur Seite fielen, wenn ich lag, und mit einem Bauch, der nicht flach war. Er sah alles und atmete aus, als hätte ihn etwas getroffen. „Darf ich dich ansehen und anfassen?“, fragte er. „Ja, überall, und ich sage dir, was ich brauche.“

Er küsste mein Knie, die Narbe, den Oberschenkel, langsam hinauf, und das Warten war fast schmerzhaft. Seine Hände strichen an den Außenseiten meiner Beine, und als er die Innenseiten erreichte, öffnete ich die Schenkel. Die Luft war kühl an der feuchten Haut. Er sah hin, sein Blick wurde noch dunkler, und er berührte mich zuerst mit den Fingern, nicht spreizend, nur eine langsame Linie durch die Nässe, von der Öffnung hinauf zu der Stelle, die schon geschwollen war. Ich zuckte und stöhnte. „Hier“, sagte ich und führte seine Finger höher, an den Punkt, der direkt berührt werden wollte.

„Kreise, nicht zu fest, ich bin schon nah.“ Er senkte den Mund, der erste Strich seiner Zunge war breit und warm, und ich bog den Rücken. Er blieb in dem Rhythmus, den meine Hüften ihm zeigten, und schob zwei Finger in mich, bis er die Stelle innen fand. „Bleib so“, sagte ich, und die Lust lief über wie Wasser über eine Kante. Ich kam laut, die Hüften gegen seinen Mund, und er blieb, bis ich seine Schulter drückte. Er küsste meinen Bauch und legte sich neben mich. Ich schmeckte mich an seinen Lippen und schloss die Hand um seinen Schwanz, der noch hart zuckte.

„Ich will dich in mir, ohne etwas dazwischen“, sagte ich. „Ich nehme die Pille, ich bin untersucht, und ich will, dass du in mir kommst, wenn bei dir dasselbe gilt. Sonst holen wir, was wir brauchen. Kein Druck.“ „Bei mir gilt dasselbe“, sagte er. „Ich komme so, wie du es sagst.“ „Das ist mein Ja, ganz.“ Ich zog ihn über mich und führte ihn selbst, die Spitze glitt durch die Nässe und dann in mich. Er drang langsam ein, und ich spürte das Ausgefülltwerden, Wärme und eine Dehnung, die ich wollte, bis er ganz in mir war.

Er hielt still, die Stirn an meiner, und ich spürte ihn pochen. „Tief und nicht hastig“, sagte ich. Er zog sich zurück und kam wieder, lange Stöße, und ich hob die Hüften, bis der Winkel mich aufstöhnen ließ. Meine Hand ging zwischen uns, kreiste, wo ich es brauchte, feucht von uns beiden, und der doppelte Reiz traf genau. „So bleiben“, sagte ich. Ich kam noch einmal, enger um ihn, die Schenkel zitternd, und sagte jetzt. Er stieß noch ein paar Mal, tief, und kam in mir: ich spürte das Pulsieren, seinen Atem an meinem Hals, meinen Namen.

Wir blieben liegen, bis die Atmung wieder Platz hatte für Wörter. Er glitt aus mir, warm und nachgebend, und reichte mir ein Tuch, das er in der Küche unter warmem Wasser ausgedrückt hatte, statt über mich zu verfügen. Ich wischte mich selbst, er sah nicht weg und starrte nicht, und das war die richtige Sorgfalt. Unter der Decke vom Sofa lag sein Arm um meine Taille. „Montag ist nicht in diesem Raum“, sagte ich. „Wenn du bleiben willst, bis du nicht mehr willst, genügt das“, sagte er.

Wir sprachen nicht mehr viel. Sein Daumen zog langsame Linien auf meinem Rücken, und ich hörte den Regen dünner werden, ohne zu zählen, wie lange wir schon lagen. Die Lust war noch im Körper, müde und zufrieden, und daneben lag eine Ruhe, die ich vier Jahre nicht gehabt hatte. Ich schlief an seiner Brust ein, ohne Traum von Zeigern, und wachte von Licht auf, nicht von einem Ton. Sein Arm war taub geworden, und er lächelte nur, als ich mich entschuldigte, und zog mich wieder heran, sobald das Blut zurück war.

Am Morgen war der Regen weg, der Kaffee stark, die Telefone noch in der Schublade. Auf der Veranda lehnte ich den Kopf an seine Schulter, und keine Uhr hing an der Wand. Die alte Anziehung war kein Fast mehr, sondern Wärme, gewählt und wahr. Das Wochenende hatte kaum angefangen. Ich trank, der See lag heller da, und sein Mund war nah an meinem Haar, ohne zu drängen. Was wir einander gegeben hatten, brauchte keine Zeiger, um echt zu sein.

Mehr zum Thema Für Frauen

TitelThemaMinuten
Die Woche und diese NachtFür Frauen20
Er wartet auf mein WortFür Frauen28
Unter dem alten SpalierFür Frauen32
Die Wette ohne UhrFür Frauen33
Leise Stärke mit der KochFür Frauen1
Die Stunden, die niemand zählteFür Frauen21