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Wo der Regen die Worte trug

Für Frauen · 22 Minuten lesen · 29 Minuten hören

Gelesen von Lana Weiss

Teil 1 der Serie Ihre Lust (4)

Der Regen hatte den Abend schon weich gemacht, bevor ich die Bäckerei abschloss und den Schlüssel in die Tasche schob. Ich war neunundzwanzig Jahre alt, die Schultern vom langen Stehen müde, und das Haar, das ich am Morgen noch festgesteckt hatte, löste sich in feuchten Strähnen über meinen Nacken. Draußen fiel der Regen dicht und warm, ein Sommerregen, der den Asphalt dunkel färbte und den Geruch von nassem Stein und frischem Brot in die Luft hob. Gegenüber, unter dem schmalen Vordach der geschlossenen Buchhandlung, stand Jonas und sah zu mir herüber.

Er war zweiunddreißig Jahre alt, groß genug, dass er den Kopf ein wenig neigen musste, wenn er mit mir sprach, und er trug den dunklen Mantel, den ich aus der Bäckerei kannte. Seine Hände steckten in den Taschen. Er winkte nicht. Er sah mich an und hielt den Blick, als wäre dieser Blick selbst schon eine Frage, auf die ich endlich antworten sollte. Die Laterne über ihm legte gelbes Licht auf sein Gesicht, auf die nassen Spitzen seines dunklen Haars und auf den ruhigen Mund, den ich seit Wochen nicht mehr nur freundlich fand.

Wir kannten uns seit dem März. Er kam dienstags und freitags, bestellte immer denselben Kaffee und ein Stück Hefezopf, und irgendwann blieb er, bis die letzten Gäste gingen und ich die Stühle hochstellte. Wir sprachen über Bücher und über die Stadt, und in jedem harmlosen Satz lag etwas, das wir nicht benannten. Ich hatte seine Hände angesehen, wenn er die Tasse hielt. Er hatte meinen Mund angesehen, wenn ich lachte und mich zu spät erinnerte, den Blick zu senken. Heute hatte er geschrieben, er wolle mich abholen, wenn die Schicht ende. Ich hatte ja gesagt, und den ganzen Nachmittag hatte mein Herz zu laut geschlagen.

Ich trat unter den Regen. Drei Schritte, und das Wasser lief mir über die Stirn, über die Wangen, in den Kragen der dünnen Jacke. Ich blieb mitten auf der leeren Straße stehen, weil sein Blick mich festhielt. Der Regen trommelte auf das Vordach, auf die Motorhauben der geparkten Wagen, auf meine Schultern, und in diesem Lärm wurde die Stille zwischen uns größer. Die Straße gehörte für einen Moment nur uns.

Dann kam er mir entgegen. Er ging langsam, als wollte er den Weg nicht verkürzen, sondern auskosten, jeden Schritt durch das flache Wasser auf dem Asphalt. Als er vor mir stand, war sein Mantel an den Schultern schon dunkel, und ein Tropfen hing an seiner Unterlippe, bevor er ihn fortwischte, ohne den Blick von mir zu nehmen. Er sagte meinen Namen, Lena, leise, so dass der Regen ihn fast schluckte. Ich sagte seinen. Wir standen so nah, dass ich die Wärme seines Atems spürte, und doch berührten wir uns nicht. Seine Augen gingen über mein Gesicht, von der Stirn zu den Augen, zum Mund, wieder hinauf, ohne Eile und ohne Ausflucht.

Es war ein langer Blick. Ich spürte ihn wie eine Hand, die noch nicht gelegt war. Mein Puls schlug im Hals, im Handgelenk, tief im Bauch. Ich hätte etwas Leichtes sagen können, über das Wetter, über die Schicht, über den Hefezopf, der heute zu dunkel geworden war. Ich tat es nicht. Ich ließ ihn sehen, was in mir arbeitete, und ich sah zurück, bis mir die Wimpern nass wurden und ich blinzeln musste. Er blinzelte nicht weg. Ein kleines Lächeln zog an seinem Mund, nicht spöttisch, eher wie jemand, der endlich an einem Ort ankommt, den er lange gesucht hat.

Komm unter das Dach, sagte er. Du wirst ganz nass. Ich bin schon nass, sagte ich, und merkte erst im nächsten Atemzug, wie das klang. Hitze stieg mir in die Wangen, trotz des kühlen Wassers. Er nickte nur, ernst und warm, und trat zur Seite, damit ich unter das Vordach konnte. Dort roch es nach nassem Holz und nach dem Papier der Schaufensterauslage, und der Regen wurde zu einem Vorhang, der uns von der Straße trennte.

Ich habe den ganzen Tag an dich gedacht, sagte er nach einer Weile. Seit Wochen hoffe ich, wenn ich die Tür aufdrücke, dass du hinter der Theke stehst und mich so ansiehst, wie du es tust, wenn du glaubst, ich merke es nicht. Ich merke, dass du es merkst, sagte ich. Meine Stimme war belegt. Ich habe nur nicht gewusst, ob ich es aussprechen darf. Du darfst alles aussprechen, sagte er. Ich bin hier, weil ich hören will, was du wirklich sagen willst, und weil ich selbst etwas zu sagen habe, das ich nicht länger unbenutzt in der Tasche tragen will.

Ich drehte mich zu ihm. Unter dem Vordach war es enger, als die Straße es gewesen war. Sein Gesicht war nah, die Haut an der Schläfe feucht, ein kleiner Schnitt vom Rasieren am Kinn, den ich noch nie aus dieser Nähe gesehen hatte. Ich hob die Hand und hielt sie in der Luft, zwischen uns, ohne ihn zu berühren. Er sah auf meine Finger, dann in meine Augen, und nickte, kaum sichtbar. Erst dann legte ich die Fingerspitzen an seine Wange. Seine Haut war warm. Der Regen kühlte den Handrücken, und dieser Gegensatz lief mir den Arm hinauf bis in die Brust.

Ich liebe dich, sagte ich. Die Worte kamen einfacher heraus, als ich gefürchtet hatte, und zugleich so groß, dass der Regen dahinter leiser wurde. Ich liebe dich, Jonas. Ich sage es hier, unter diesem Dach, im Regen, weil ich es nicht mehr für mich behalten will. Ich liebe dich nicht nur freundlich und nicht nur für den Kaffee am Freitag. Ich liebe dich so, dass ich nachts wach liege und deinen Namen in den dunklen Raum spreche, und so, dass ich tagsüber Mehl auf den Händen habe und trotzdem nur an deinen Mund denke.

Er schloss für einen Atemzug die Augen. Als er sie öffnete, lag darin nichts Vorsichtiges mehr. Er legte seine Hand über meine, an seiner Wange, und hielt sie fest, nicht um mich festzuhalten, sondern um die Berührung zu beantworten. Ich liebe dich auch, sagte er. Ich bin hergekommen, um es dir zu sagen, und dann habe ich dich nur angesehen, weil die Worte eine Weile zu klein waren für das, was in mir stand. Ich liebe dich, Lena. Ich will dich nicht nur zum Reden und nicht nur zum Lachen. Ich will dich ganz, wenn du das auch willst, und in deinem eigenen Tempo.

Ich will es, sagte ich. Ich will dich. Nicht irgendwann in einem höflichen Monat. Heute. Hier fängt es an, und wenn du mit mir gehst, dann nur zwei Straßen weiter, in meine Wohnung, wo der Regen an den Scheiben bleibt und wir nicht mehr so tun müssen, als wären wir nur Gäste im Leben des anderen. Er atmete aus, ein Laut, der halb Lachen und halb Erleichterung war. Ja, sagte er. Ich gehe mit dir. Wenn du unterwegs nur reden willst, reden wir. Wenn du mich küssen willst, küsse ich dich. Wenn du mehr willst, dann nur so weit, wie du es willst, und du kannst jederzeit stoppen.

Ich will dich küssen, sagte ich. Und ich will mehr. Ich will dich in meinem Bett, auf meiner Haut, in mir. Wenn ich stoppen will, sage ich stopp, und ich vertraue dir, dass du dann aufhörst. Jetzt will ich nicht stoppen. Er sah mich noch einmal lange an, als wollte er sich das Gesicht der Frau merken, die ihm im Regen die Liebe gesagt hatte. Dann strich er mir eine nasse Strähne aus der Stirn, langsam, mit dem Daumen über die Schläfe. Die Berührung war so zart, dass mir die Augen feucht wurden, und diesmal war es nicht nur der Regen. Ich stellte mich auf die Zehen. Er kam mir entgegen. Unser Mund traf sich mitten in diesem kleinen Weg, den wir beide gingen.

Der erste Kuss war kein Sturz. Er war ein Ankommen. Seine Lippen waren kühl vom Regen und warm darunter, und sie lagen auf meinen, still, bis ich den Mund ein wenig öffnete und er dasselbe tat. Ich schmeckte Wasser und ihn, einen dunklen, sauberen Geschmack, und darunter etwas, das ich sofort wieder haben wollte. Seine Hand lag in meinem Nacken, nicht drückend, nur haltend, und meine Hand glitt in sein nasses Haar. Wir küssten uns lange. Der Regen rauschte, und die Straße blieb außerhalb dieses Mundes.

Als wir uns lösten, lagen unsere Stirnen aneinander. Ich lächelte, und er lächelte zurück, und dann küsste er mich wieder, diesmal tiefer, mit einer Langsamkeit, die mich weich in den Knien machte. Seine Zunge fand meine, vorsichtig zuerst, dann sicherer, als ich ihm entgegenkam. Ich spürte, wie mein Körper antwortete: die Brust wurde empfindlich unter dem nassen Stoff, der Bauch zog sich zusammen, und zwischen den Beinen wurde ich warm und feucht auf eine Weise, die nichts mit dem Regen zu tun hatte. Ich drückte mich an ihn. Durch Mantel und Jacke hindurch spürte ich seine Wärme und, tiefer, die harte Linie seines Körpers an meinem Bauch.

Nicht hier auf der Straße, sagte ich an seinen Lippen, obwohl ein Teil von mir ihn genau hier gewollt hätte, im Vorhang des Regens. Zwei Straßen. Kannst du so weit gehen, ohne mich loszulassen? Ich lasse dich nicht los, sagte er. Außer an der Tür, wenn du den Schlüssel suchst. Bis dahin halt mich, sagte ich.

Wir gingen. Der Regen nahm uns sofort wieder, schwer und warm, und wir lachten einmal kurz, weil das Wasser uns in den Kragen lief, während wir uns an den Händen hielten. Seine Hand war groß um meine. Ich führte ihn durch die Nebenstraße, vorbei an dunklen Schaufenstern, und das Pflaster warf unser Licht in langen nassen Streifen zurück. Einmal blieb er stehen und küsste mich wieder, mitten im Regen, den Mund offen, die Hände an meiner Taille. Ich stellte mich gegen ihn und spürte, wie hart er schon war, durch die nasse Hose hindurch. Ich legte die Hand flach auf diese Härte, nur einen Moment, und er stöhnte leise in meinen Mund. Lena. Ja, sagte ich. Ich will das. Ich will dich so. Komm.

Das Treppenhaus roch nach altem Stein und nach dem Regen, den wir mit hereinbrachten. Ich schloss die Wohnungstür auf, die Finger ein wenig ungeschickt, und als sie hinter uns zufiel, war der Lärm der Stadt auf einmal fern. Nur der Regen blieb, dicht an den Scheiben des Wohnzimmers, ein gleichmäßiges Rauschen, das den Raum kleiner und wärmer machte. Ich knipste nicht das grelle Deckenlicht an. Die kleine Lampe neben dem Sofa reichte, ein honigfarbenes Licht, in dem das Wasser auf unserer Haut glänzte.

Wir standen im Flur, tropfend, und sahen uns an, als müssten wir die Erlaubnis noch einmal aus den Augen lesen. Ich zog die nasse Jacke aus und ließ sie über den Stuhl fallen. Darunter klebte die Bluse an mir, hell und durchsichtig geworden, die Form meiner Brüste deutlich unter dem Stoff, die Brustwarzen dunkel und fest. Sein Blick ging dorthin und blieb, offen und hungrig, und er fragte trotzdem. Darf ich dich ansehen? Darf ich dich ausziehen? Ja, sagte ich. Sieh mich an. Zieh mich aus. Und ich will dich auch ausziehen. Ich will deine Haut.

Er öffnete den ersten Knopf meiner Bluse, dann den zweiten, langsam, die Knöchel streiften meine Haut, und jeder Knopf war eine kleine Frage, die ich mit dem Atem beantwortete. Als der Stoff auseinanderfiel, schob er ihn von meinen Schultern, und die kühle Luft der Wohnung legte sich auf meine nasse Haut. Ich trug keinen weiteren Stoff über den Brüsten. Die Bluse war dünn gewesen, und darunter hatte ich an diesem warmen Tag nichts getragen, eine Entscheidung, die ich am Morgen leichtsinnig gefunden und jetzt als Glück empfand. Er sah mich lange an, die Lippen leicht geöffnet. Du bist schön, sagte er, nicht als Floskel, sondern als Tatsache, die ihn ehrfürchtig machte. Darf ich dich anfassen? Bitte, sagte ich. Fass mich an. Ich habe darauf gewartet.

Seine Hände kamen warm auf meine Taille, glitten hinauf, über die Rippen, und legten sich dann unter meine Brüste, hoben sie ein wenig, die Daumen strichen langsam über die Brustwarzen. Die Berührung war so direkt nach all den Monaten des Nichtberührens, dass ich ein Geräusch machte, das ich nicht geplant hatte, ein kleines, offenes Ah. Er wiederholte die Bewegung, kreiste, zog sanft, und ich spürte jede Linie seiner Finger wie eine heiße Schrift auf der Haut. Ich schob ihm den Mantel von den Schultern. Darunter war ein Hemd, nass an der Brust, und ich öffnete es Knopf für Knopf, bis ich die Haut darunter hatte, dunkel behaart, warm, die Brustwarzen fest unter meinen Handflächen.

Wir küssten uns wieder, diesmal mit nackten Oberkörpern, Brust an Brust, und das Wasser zwischen uns wurde warm von unserer Haut. Seine Härte drückte gegen meinen Bauch, deutlicher jetzt, und ich rieb mich langsam daran, weil ich das Ziehen in meinem eigenen Körper spüren wollte und weil ich ihm zeigen wollte, wie sehr ich ihn wollte. Er stöhnte in meinen Mund. Seine Hände glitten über meinen Rücken, über das Kreuz, und blieben am Bund meiner Hose. Darf ich? Ja. Alles. Ich will deine Hände überall.

Er öffnete den Knopf, zog den Reißverschluss herunter und schob die nasse Hose über meine Hüften. Der Stoff klebte, und ich hielt mich an seiner Schulter, während ich erst aus dem einen, dann aus dem anderen Bein stieg. Der Slip folgte, ein schmaler, dunkler Stoff, den er langsam an meinen Beinen hinabzog, und als ich nackt vor ihm stand, sah er mich ganz an. Ich stellte mich nicht schräg und bedeckte mich nicht. Ich war neunundzwanzig, ich kannte meinen Körper, und in diesem Licht fühlte ich mich nicht geprüft, sondern gewollt. Meine Brüste hoben sich mit dem Atem. Zwischen meinen Schenkeln glänzte die eigene Feuchtigkeit, und ich spürte, wie sie langsam die innere Seite des Schenkels hinablief.

Jetzt du, sagte ich. Ich will dich nackt sehen. Er zog Schuhe und Hose aus, dann die Shorts, und stand vor mir, die Haut noch fleckig vom Regen, das Glied hart und aufgerichtet, die Spitze schon feucht. Ich sah ihn an, ohne Hast, von den Schultern über den Bauch bis dorthin, und dann legte ich die Hand um ihn. Er war heiß, schwer, die Haut weich über der Härte, und als ich langsam auf und ab strich, schloss er die Augen und legte die Stirn an meine. Das fühlt sich an, als hätte ich monatelang die Luft angehalten, sagte er. Dann atme, sagte ich. Und komm mit ins Schlafzimmer. Ich will dich auf meinem Bett.

Das Schlafzimmer war klein, das Bett breit genug für uns beide, die Decke zurückgeschlagen, weil ich am Morgen in Eile gewesen war. Der Regen schlug an das Fenster über dem Kopfende, ein stetiges, weiches Geräusch. Ich legte mich auf den Rücken und zog ihn mit mir, und er kam, stützte sich auf die Unterarme, küsste meinen Mund, mein Kinn, die Stelle unter dem Ohr, die mich zum Zittern brachte. Seine Lippen wanderten tiefer, über die Kehle, über das Schlüsselbein, und dann nahm er eine Brustwarze in den Mund, saugte sanft, leckte, während seine Hand die andere Brust hielt und der Daumen im selben Rhythmus kreiste. Ich bog den Rücken. Meine Hände lagen in seinem Haar. Jeder Zug seines Mundes schickte ein heißes Ziehen hinab zwischen meine Beine, als wären Brust und Schoß mit einem einzigen Faden verbunden.

Er fragte an meiner Haut, die Stimme rau: Darf ich dich mit dem Mund lieben? Darf ich dich schmecken? Ja, sagte ich, und das Wort kam sofort, klar. Ja, Jonas. Ich will deinen Mund. Ich will, dass du mich so kennenlernst. Er küsste sich hinab über den Bauch, langsam, die Zunge einmal um den Nabel, die Hände an meinen Hüften, und dann schob er meine Schenkel auseinander, nicht grob, wartend, bis ich sie selbst weiter öffnete und die Knie fallen ließ. Er sah mich an, dort, offen, und ich spürte keine Scham, nur ein heißes Erwartetsein. Dann senkte er den Mund.

Der erste Strich seiner Zunge war lang und langsam, von unten nach oben, und ich keuchte, weil es so unmittelbar war, so genau. Er wiederholte es, lernte mich, fand die Stelle, an der ich zusammenzuckte, die kleine empfindliche Knospe über meiner Öffnung, und blieb dort, kreiste, leckte flach und dann spitzer, in einem Rhythmus, den er an meinem Atem maß. Seine Hände hielten meine Schenkel, die Daumen strichen über die Innenseite, während sein Mund alles andere als beruhigend war. Ich griff ins Laken. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte ja, und dort, und genau so, und er hörte zu, veränderte den Druck, wurde gleichmäßiger, als ich begann, die Hüften zu heben.

Zwei Finger kamen dazu, fragend an meinem Eingang, und ich sagte laut: Ja, die Finger auch. Langsam. Er glitt in mich, erst einer, dann der zweite, und die Dehnung war süß, voll, genau richtig. Er krümmte die Finger ein wenig, suchte, und als er die Stelle innen fand, die mich aufstöhnen ließ, blieb er dort und bewegte sich in demselben Takt wie seine Zunge. Der Regen rauschte. Ich hörte meinen eigenen Atem, hoch und offen, und das leise nasse Geräusch seines Mundes. Die Spannung zog sich zusammen, tief im Bauch, in den Schenkeln, in den Zehen, die sich krümmten.

Ich komme, sagte ich, und es war eine Warnung und eine Bitte zugleich. Hör nicht auf. Bitte hör nicht auf. Ich höre nicht auf, sagte er an mir, die Stimme ein Vibrieren, und dann tat er genau das, was ich brauchte: denselben Rhythmus, dieselbe Stelle, ohne Hast und ohne Wechsel. Die Welle kam nicht als Überraschung, sondern als etwas, das ich gehen ließ. Sie hob mich, eng und heiß, und brach dann über mich, ein langes Zucken, das meinen Schoß um seine Finger schloss und meinen Mund öffnete zu einem Laut, den ich nicht dämpfte. Ich kam, die Hüften gegen seinen Mund, die Hand in seinem Haar, und er blieb bei mir, bis das Zittern weicher wurde und ich seine Schulter berührte, ein Zeichen, dass es für diesen Augenblick genug war.

Er küsste die Innenseite meines Schenkels, dann meinen Bauch, und kam wieder zu meinem Mund. Ich schmeckte mich auf seinen Lippen, salzig und eigen, und küsste ihn trotzdem, gerade deshalb, weil es unser Geschmack war. Meine Hand fand sein Glied wieder. Er war hart, die Spitze nass, und er zuckte in meiner Faust, als ich ihn langsam streichelte. Ich will dich in mir, sagte ich. Und vorher ein wenig meinen Mund, wenn du das auch willst. Ich will dabei dein Gesicht, und du sagst mir, wenn es zu viel wird. Zuerst dein Mund, sagte er, die Stimme schon brüchig. Dann in dir. Du entscheidest das Tempo.

Ich schob ihn auf den Rücken. Er ließ sich führen, die Augen dunkel und offen, und ich küsste mich an seiner Brust hinab, über den Bauch, folgte der Linie dunkler Haare, bis mein Mund an der Spitze seines Glieds war. Ich leckte einmal über die feuchte Kuppe, schmeckte ihn, salzig und warm, und nahm ihn dann in den Mund, langsam, nicht tief auf einmal, die Zunge an der Unterseite, die Hand um den Schaft, wo meine Lippen nicht hinkamen. Er stöhnte, eine Hand in meinem Haar, nicht drückend, nur da. Ich sah zu ihm auf, während ich ihn liebte, und der Blick zwischen uns war fast so erregend wie die Berührung selbst. Genug, sagte er nach einer Weile. Wenn du so weiter machst, komme ich, und ich will in dir kommen, wenn du das auch willst. In mir, sagte ich und ließ ihn aus dem Mund gleiten, küsste die Spitze noch einmal.

Ich nehme täglich ein Mittel, und ich bin gesund, ich war im Frühjahr beim Arzt, sagte ich. Wenn du auch gesund bist, will ich dich Haut an Haut. Wenn dir etwas dazwischen lieber ist, habe ich es in der Schublade. Ich bin gesund, sagte er. Ich war im Frühsommer beim Arzt, und seitdem war ich mit niemandem. Ich will dich so spüren, wenn du das wirklich willst. Ich will es wirklich, sagte ich. Komm her.

Ich legte mich wieder auf den Rücken und zog ihn über mich. Er stützte sich ab, die Spitze seines Glieds lag an meiner Öffnung, heiß und schwer, und er wartete. Ich griff zwischen uns, führte ihn, rieb ihn einmal durch meine Nässe, und dann nickte ich. Jetzt. Langsam. Ich will jeden Zentimeter spüren. Er drang in mich ein, langsam, und die Dehnung war voller als seine Finger, ein tiefes süßes Ausgefülltwerden, das mir den Atem nahm und ihn mir zugleich zurückgab. Ich hielt seine Hüften, nicht um ihn zu stoppen, sondern um das Tempo zu teilen. Er sah mir in die Augen. Ich sah in seine. Als er ganz in mir war, blieben wir einen Moment still, Stirn an Stirn, und ich spürte ihn pochen, spürte meinen eigenen Körper sich um ihn schließen, warm und nass und bereit. Beweg dich, sagte ich. Bitte. Ich liebe dich. Beweg dich in mir.

Er zog sich zurück und kam wieder, langsam, tief, und ich hob ihm die Hüften entgegen. Der Rhythmus fand uns, nicht gehetzt, ein langes Gleiten, bei dem ich jedes Mal spürte, wie er mich öffnete und füllte. Das Geräusch unserer Körper war leise und nass, unter dem Regen am Fenster, und dazu unser Atem, und manchmal ein Wort: ja, so, tiefer, ich bin hier. Seine Hand fand meine und verschränkte die Finger neben meinem Kopf. Die andere lag an meiner Wange, der Daumen an meinem Mundwinkel, und ich küsste diesen Daumen, während er in mich stieß, weil ich überall Kontakt wollte, Mund und Schoß und Blick.

Nach einer Weile bat ich ihn, mich aufzurichten. Er setzte sich auf die Fersen, noch in mir, und ich kam auf seinen Schoß, die Knie neben seinen Hüften, und sank auf ihn herab, bis er wieder ganz tief war. So konnte ich das Tempo bestimmen. Ich bewegte mich, kreiste, hob mich und ließ mich fallen, und die Reibung vorn, dort wo mein Körper an seinem lag, war genau richtig. Er hielt meine Hüften, half, ohne zu übernehmen, und sein Mund fand wieder meine Brust, während ich mich auf ihm bewegte und der Regen an die Scheibe schlug.

Ich spürte die zweite Welle kommen, tiefer als die erste, aus dem Bauch und aus der Stelle, an der er mich füllte. Meine Bewegungen wurden kleiner, drängender. Ich komme wieder, sagte ich. Bleib so tief. Fass mich an, vorn, bitte. Seine Hand glitt zwischen uns, der Daumen fand meine Knospe, kreiste fest und gleichmäßig, und ich bewegte mich auf ihm, eng und kurz, bis es mich wieder nahm. Diesmal war es ein Ziehen, das sich um sein Glied zusammenzog, Welle um Welle, und ich rief seinen Namen, die Stirn an seiner, den Mund offen an seiner Wange. Er hielt mich, bewegte sich nur wenig, genau genug, um mich durch den Höhepunkt zu tragen, ohne ihn abzureißen.

Als ich wieder atmen konnte, küsste ich ihn und lachte leise, überwältigt. Jetzt du, sagte ich. Ich will, dass du kommst. Ich will es spüren. Auf dem Rücken, sagte er. Ich will dein Gesicht sehen. Und du sagst stopp, wenn es zu viel ist. Es ist nicht zu viel, sagte ich. Es ist genau richtig. Komm.

Er legte mich zurück, kam über mich, und diesmal war sein Rhythmus drängender, immer noch aufmerksam, aber nicht mehr so langsam. Ich schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn tiefer, die Fersen an seinem Kreuz, und sagte ja, ich will das, ich will dich so. Er stützte sich auf, sah mich an, der Mund offen, die Augen dunkel und nah am Rand. Ich hielt sein Gesicht in beiden Händen. Ich liebe dich, sagte ich noch einmal, weil es wahr war und weil ich wollte, dass er mit diesen Worten kam. Ich liebe dich, sagte er, und dann brach seine Stimme. Lena. Ich komme.

Er stieß noch ein paarmal tief, und dann spürte ich, wie er in mir pulsierte, heiß, und wie sein ganzer Körper sich anspannte und dann in meine Arme sank, nicht mit seinem Gewicht auf meiner Brust, sondern zur Seite abgestützt, das Gesicht an meinem Hals. Ich hielt ihn. Ich strich über seinen Rücken, über das feuchte Haar, und spürte das Nachzucken in mir, sein und meins, ein gemeinsames Ausklingen. Der Regen war noch da. Er hatte nicht aufgehört, nur wir hatten eine Weile aufgehört, ihn zu hören.

Wir blieben verbunden, bis er weicher wurde und sich vorsichtig aus mir zurückzog. Ich zuckte ein wenig bei dem Verlust, und er küsste mich dafür, langsam, dankbar. Darf ich dich sauber machen, fragte er, oder willst du selbst? Du darfst, sagte ich. Sanft. Er tupfte mich ab, aufmerksam, und küsste danach die Innenseite meines Knies, als wäre auch das ein Teil der Liebe. Dann legte er sich neben mich, zog die Decke über uns, und ich drehte mich auf die Seite, das Gesicht an seiner Brust, sein Arm um meinen Rücken. Draußen rauschte der Regen weiter gegen das Fenster, gleichmäßig, als hätte er unsere Worte aufbewahrt.

Ich habe es im Regen gesagt, murmelte ich, damit du weißt, dass es nicht nur das Bett war. Ich habe dich geliebt, bevor du mich ausgezogen hast, und ich liebe dich jetzt, wo du mich hältst. Ich habe es auch im Regen gesagt, antwortete er, die Lippen an meiner Stirn. Ich liebe dich, Lena. Ich bin zweiunddreißig, du bist neunundzwanzig, wir sind erwachsen, und wir haben uns heute ausgesucht. Das ist eine Entscheidung, kein Zufall, den der Sommer uns leiht. Dann entscheiden wir sie noch einmal, sagte ich und küsste die Haut über seinem Herzen. Morgen, und wenn ich aufwache und dich noch will, wecke ich dich. Einverstanden. Weck mich, sagte er. Ich werde ja sagen.

Ich lag noch eine kleine Weile wach, nicht aus Unruhe, sondern weil ich den Nachklang nicht sofort hergeben wollte. Mein Körper war schwer und zufrieden, zwischen den Beinen ein süßes Ziehen, an den Brüsten die Erinnerung seines Mundes. Seine Hand ruhte auf meiner Hüfte. Ich hörte den Regen und seinen Atem und dachte an den langen Blick unter dem Vordach, an die Worte, die endlich herausdurften, und an die Tür, die hinter uns zugefallen war. Als ich die Augen schloss, sah ich sein Gesicht im gelben Licht der Laterne, nass vom Regen, offen, wartend. Der Regen fiel weiter. Wir schliefen ein, und die Liebeserklärung blieb im Raum, nicht verweht, sondern angekommen.

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