Meine Frau in der Tür
Ehefrau · 20 Minuten lesen · 26 Minuten hören
Gelesen von Rowan
Teil 2 der Serie Ehe neu (6)
Ich hatte das Licht im Wohnzimmer klein gedreht und das Buch auf die Brust gelegt, ohne die Zeilen wirklich zu halten. Draußen lag der Hof dunkel, nur über dem Nachbarfenster brannte noch eine Lampe, und in der Wohnung roch es nach dem Tee, den ich mir zu früh gemacht hatte. Lena hatte am Morgen gesagt, das Essen mit den Kolleginnen könne bis elf dauern, vielleicht länger, ich solle nicht auf sie warten. Ich war achtunddreißig, sie fünfunddreißig, und in neun Ehejahren hatte ich gelernt, ihr solche Abende zu lassen, ohne an der Uhr zu hängen.
Der Stoff der alten Hose war weich an den Schenkeln, das Hemd hing offen am Kragen, und die Haut unter dem Stoff war noch warm vom Duschen. Ich hörte den Kühlschrank summen, irgendwo im Treppenhaus eine Tür, dann wieder nichts. Das Buch rutschte ein wenig, als ich die Beine ausstreckte. Ich dachte an ihre Stimme am Morgen, knapp und schon halb unterwegs, an den Kuss an die Schläfe, der nach Zahnpasta geschmeckt hatte. Nichts in diesem Abend verlangte nach mir. Gerade das machte die Stille groß.
Ich blätterte eine Seite um und vergaß sie sofort. Auf dem Tisch stand die Tasse, der Tee war kalt geworden, ein dunkler Rand klebte am Porzellan. Ich hätte aufstehen können, das Licht löschen, ins Bett gehen. Stattdessen blieb ich liegen, die eine Hand auf dem Bauch, die andere am Buchrücken, und ließ den Tag aus den Schultern sinken. Es war ein gewöhnlicher Dienstag. Gewöhnliche Dienstage enden bei uns oft so: einer kommt später, der andere hält die Wohnung warm, ohne ein Schauspiel daraus zu machen.
Der Schlüssel im Schloss kam früher, als ich gerechnet hatte. Zuerst hielt ich es für den Nachbarn, dann drehte sich das Metall vertraut, zweimal, leise, als wolle jemand die Wohnung nicht wecken. Ich setzte mich auf. Das Buch fiel auf den Teppich, aufgeschlagen, die Seiten bogen sich. Mein Herz schlug einmal härter, nicht vor Schreck, eher weil der Abend plötzlich eine andere Form bekam. Ich strich das Hemd glatt, ohne zu wissen, warum. Die Tür zur Diele stand einen Spalt offen. Licht aus dem Flur fiel als schmale Bahn über das Parkett.
Sie schloss die Wohnungstür hinter sich, ohne den Riegel hart einrasten zu lassen. Ich hörte den Mantel, das leise Klingen der Schlüssel, die sie in die Schale legte. Dann Schritte, nicht eilig. Ich blieb sitzen. Es schien mir richtig, nicht aufzuspringen, nicht zu rufen, nicht den Abend zu zerreden, bevor ich sie gesehen hatte. Die Bahn aus Licht auf dem Boden wurde breiter. Ihr Schatten ging ihr voraus, lang und ruhig, und dann stand sie im Rahmen der Wohnzimmertür.
Lena trug den dunklen Mantel noch, den Kragen hoch, das Haar am Ansatz ein wenig gelöst vom Tag. Die Tasche hing an ihrer Schulter, der Riemen hatte eine Falte in den Stoff des Mantels gedrückt. Sie nahm die Tasche nicht ab. Sie sagte nichts. Sie sah mich an. Der Blick war nicht der kurze Gruß, mit dem man eine Wohnung betritt und schon an den nächsten Handgriff denkt. Er blieb. Er setzte sich auf mein Gesicht, auf den offenen Kragen, auf die Hand, die noch halb über dem gefallenen Buch hing, und er wich nicht.
Ich kannte ihre Augen in fast allen Lichtern dieser Wohnung. An diesem Abend waren sie dunkler, nicht müde, eher gesammelt, als habe sie auf dem Weg nach Hause etwas beschlossen und wolle nun sehen, ob es in meinem Gesicht einen Platz fand. Die Lampe hinter mir warf ihr Licht auf ihre Wange, die andere Hälfte blieb im Schatten der Diele. Ein kleiner Glanz lag auf ihrer Unterlippe. Sie atmete durch die Nase, ruhig, und die Schultern senkten sich erst, als sie sicher war, dass ich den Blick hielt.
Ich hielt ihn. Das Buch lag zwischen uns auf dem Teppich wie ein Gegenstand aus einem anderen Abend. Ich spürte, wie sich in meiner Brust etwas öffnete, langsam, ohne Namen. Neun Jahre, und noch immer konnte ein Blick von ihr den Raum enger machen. Ich bewegte die Hand nicht. Ich wollte nicht als Erster die Stille zerbrechen, nicht mit einer Frage nach dem Essen, nicht mit einem Witz über die Uhr. Sie war früh. Das genügte vorerst. Das Wie konnte warten, solange sie mich so ansah.
Ihre Augen gingen einmal an mir hinab, über das Hemd, die weiche Hose, die bloßen Füße auf dem Teppich, und kamen zurück zu meinem Mund. Es war kein prüfender Blick und kein spielerischer. Es war ein langer, offener Hunger, der sich Zeit nahm. Ich spürte ihn körperlich, als lege sich warme Luft auf die Haut am Hals. Mein Glied regte sich, noch halb, eine schwere Wärme, und ich ließ es geschehen, ohne die Beine zu schließen. Sie sah auch das, oder sie sah, dass ich nicht auswich. Ein Mundwinkel hob sich, kaum, dann war ihr Gesicht wieder still.
„Du bist früh“, sagte ich endlich. Die Stimme kam tiefer heraus, als ich erwartet hatte.
„Ich wollte dich sehen“, sagte sie. Keine Erklärung, kein Name einer Kollegin, keine Straße, die frei gewesen war. Nur dieser Satz, und danach wieder der Blick. Sie stellte die Tasche neben den Schuhschrank, ohne den Kopf ganz zu wenden. Der Mantel blieb zu. Unter dem Saum sah ich die dunkle Hose, die sie morgens angezogen hatte, und die schmalen Schuhe, in denen sie den Tag verbracht hatte. Sie wirkte nicht zerzaust. Sie wirkte wie eine Frau, die einen Entschluss über eine Schwelle getragen hatte und nun prüfte, ob der Mann auf dem Sofa ihn annahm.
Ich nickte, einmal, klein. Mehr brauchte sie nicht. Ich sah, wie sich ihre Finger am Mantelgürtel lösten. Sie öffnete ihn langsam, einen Haken nach dem anderen, und ließ den Stoff von den Schultern gleiten. Darunter das graue Oberteil, am Ausschnitt ein wenig verrutscht, der Ansatz der Schlüsselbeine frei. Sie hängte den Mantel über die Lehne des Sessels, ohne Eile, und als sie sich wieder zu mir drehte, war der Blick noch da, unverändert, nur näher an der Wärme des Zimmers. Ich roch sie jetzt: kühle Luft von draußen, ein Rest Parfum an der Kehle, darunter ihre Haut.
Sie zog die Schuhe aus, einen, dann den anderen, und stellte sie ordentlich nebeneinander. Barfuß wurde sie leiser. Der Teppich nahm ihre Schritte. Sie kam nicht gerade auf mich zu. Sie ging am Tisch vorbei, strich mit den Fingerspitzen über die Kante, als müsse sie den Raum erst wieder in Besitz nehmen, und blieb dann vor dem Sofa stehen, eine Armlänge von meinen Knien. Von unten sah ich die Linie ihres Halses, den Puls, der dort schlug, den Stoff, der sich über der Brust hob. Sie sah auf mich herab. Ich sah hinauf. Keiner von uns lächelte breit. Es war zu ernst für ein Lächeln und zu gut für Worte.
„Darf ich“, fragte ich, und meinte das Aufstehen, das Anfassen, alles, was nach diesem Blick kommen konnte.
„Bleib noch“, sagte sie. „Ich will dich so ansehen.“
Also blieb ich. Die Hände lagen auf den Oberschenkeln, die Handflächen offen, damit sie sehen konnte, dass ich nichts verbarg und nichts erzwang. Sie betrachtete meinen Mund, die Stelle unter dem Ohr, die Ader am Unterarm. Ich spürte jeden Punkt, an dem ihr Blick haftete, als wäre er schon eine Berührung. Zwischen uns war nur Luft, und diese Luft wurde enger. Mein Atem ging flacher. Ich wollte die Hände heben und tat es nicht. Das Warten gehörte ihr in diesem Moment, und ich gab es ihr, weil ich spürte, wie sehr sie es brauchte und wie sehr es mich selbst öffnete.
Sie löste den Knoten im Haar, den sie irgendwann am Tag gemacht hatte. Die Strähnen fielen über die Schultern, dunkler im Lampenlicht, ein paar feine Haare standen an der Schläfe. Sie strich sie nicht weg. Sie ließ mich sehen, wie der Abend sie angefasst hatte: ein wenig müde um die Augen, wach im Mund, die Haut an den Wangen warm von der Heizung im Hausflur. Ich kannte diese Müdigkeit. Ich kannte auch das, was darunter lag, wenn sie so still wurde. Es war kein Rückzug. Es war Sammlung.
„Ich habe am Tisch gesessen“, sagte sie leise, „und an deine Hände gedacht. An genau diese.“ Ihr Blick ging zu meinen Handflächen. „Und dann wollte ich nicht mehr sitzen bleiben.“
Ich schluckte. Die Wärme in der Hose wurde deutlicher, der Stoff spannte ein wenig. Ich rückte nicht zurecht. „Dann komm her“, sagte ich. „Oder bleib stehen. Beides ist gut. Ich bin hier.“
Sie trat den letzten Schritt. Ihre Knie berührten meine. Durch die Hose spürte ich die Wärme ihrer Beine, fest und wirklich, nach all dem Schauen endlich Stoff an Stoff. Noch immer fasste sie mich nicht an. Sie beugte sich nur vor, die Hände auf ihren eigenen Oberschenkeln, und sah mir so nah ins Gesicht, dass ich den Tee in meinem Atem fast schämte und ihn dann vergaß. Ihre Pupillen waren weit. Ich sah mich darin, klein, sitzend, wartend. „Martin“, sagte sie, und mein Name in ihrem Mund war keine Anrede, sondern eine Berührung aus Laut.
Dann legte sie die Hand an meine Wange. Die Handfläche war kühl von draußen, die Finger warm. Sie strich nicht. Sie hielt nur. Ich drehte das Gesicht in diese Kühle, bis meine Lippen die Innenfläche berührten, und küsste dort, einmal, langsam, die Linie, die zum Handgelenk führte. Ein Laut ging durch sie, kaum hörbar, mehr Atem als Stimme. Die andere Hand fand meinen Nacken. Da erst, nach diesem langen Blick, begann das, was Hände tun, wenn Augen genug gesehen haben.
Ich küsste ihr Handgelenk, die dünne Haut, unter der das Blut ging, und sie ließ die Finger in mein Haar sinken. Nicht ziehend, nur haltend, als wolle sie sicher sein, dass ich blieb, wo ihr Blick mich hingesetzt hatte. Ich legte die Hände an ihre Hüften. Der Stoff des Oberteils war dünn, darunter die Wärme ihres Körpers, der Knochen des Beckens, die weiche Stelle darüber. Ich zog nicht. Ich hielt, so wie sie mein Gesicht gehalten hatte, und sah zu ihr auf. „Ja“, sagte sie, obwohl ich nicht gefragt hatte. Oder ich hatte mit den Händen gefragt, und das genügte.
Sie setzte sich auf meine Schenkel, seitlich zuerst, dann richtig, die Knie neben meinen Hüften, das Gewicht vertraut und neu zugleich. Der Sofaüberwurf rutschte. Ich spürte sie durch beide Hosen, die Wärme zwischen ihren Beinen, noch bedeckt, schon deutlich. Mein Glied drückte gegen sie, und sie senkte sich ein wenig, nicht reibend, nur legend, damit wir beide wussten, wo wir waren. Ihr Atem streifte meinen Mund. Wir küssten uns nicht sofort. Sie sah noch einmal, aus dieser Nähe, auf meine Lippen, und ich ließ sie sehen, wie sehr ich sie wollte, ohne den Kuss zu stehlen.
Als sie mich küsste, war es langsam. Unterlippe, dann die ganze Weichheit, dann die Zunge, warm, nicht hastig. Sie schmeckte nach dem Wein, den sie vermutlich nur angerührt hatte, und nach sich selbst. Ich öffnete den Mund und ließ sie führen. Ihre Hände lagen an meinem Kiefer, die Daumen an den Wangen, und der Kuss wurde tiefer, ohne laut zu werden. Ich hörte nur unseren Atem und das kleine Geräusch, wenn sich Lippen lösten und wieder fanden. Meine Hände glitten unter das Oberteil, auf die nackte Haut des Rückens, die Wirbelsäule hinauf, und sie bog sich in die Berührung, als habe sie genau darauf gewartet.
„Zieh es mir aus“, sagte sie an meinem Mund. Ich fasste den Saum und schob den Stoff nach oben. Sie hob die Arme. Das Oberteil ging über den Kopf, das Haar fiel zurück, und darunter war sie nackt bis auf den schlichten Büstenhalter, grau wie das Oberteil, die Träger ein wenig in die Schultern gedrückt. Ich küsste die Stelle, wo ein Träger gesessen hatte, dann die andere, dann die Vertiefung am Schlüsselbein. Ihre Haut roch nach dem Tag und nach der Wärme, die der Mantel gehalten hatte. Sie atmete aus, lang, und ihre Brüste hoben sich gegen meine Wange.
Ich öffnete den Verschluss im Rücken, langsam, damit sie den Moment behielt. Der Büstenhalter fiel zwischen uns. Ich nahm ihn weg und legte ihn auf die Lehne, ordentlich, fast lächerlich sorgfältig, und sie lachte einmal, kurz, in die Kehle, nicht aus dem Blick heraus. Dann war da ihre Brust, voll in meinen Händen, die Warzen schon fest, dunkelrosa im Lampenlicht. Ich strich mit dem Daumen darüber, einmal, und sah ihr ins Gesicht. Sie nickte. Ich senkte den Mund und nahm eine Warze zwischen die Lippen, saugte sanft, dann fester, die Zunge flach, und sie grub die Finger in mein Haar. Die andere Brust füllte meine Hand. Sie war warm, schwer, lebendig, und jeder Laut aus ihr ging direkt in meinen Unterleib.
„Das Sofa ist zu eng“, sagte sie nach einer Weile, die Stimme rau. „Ich will dich richtig. Im Bett. Aber nicht hetzen.“
„Nicht hetzen“, wiederholte ich. Ich küsste sie zwischen die Brüste, stand mit ihr auf, ihre Beine noch einen Moment um mich, dann ließ sie sich herab. Wir gingen durch die Diele, ihre Hand in meiner, die andere an meinem Hemd, als wolle sie den Blick auch im Gehen nicht ganz abgeben. Im Schlafzimmer brannte keine Lampe. Ich machte die kleine auf dem Nachttisch an, ein gelbes, begrenztes Licht, und ließ die Tür offen, damit die Wärme aus dem Wohnzimmer mitkam. Das Bett war ungemacht von meiner Seite, die Decke zurückgeschlagen. Sie sah das und lächelte zum ersten Mal richtig, klein und privat.
Sie öffnete meine Hemdknöpfe, einen nach dem anderen, und schob den Stoff von den Schultern. Ihre Hände gingen über meine Brust, die Rippen, den Bauch, nicht bewertend, eher lesend, als hole sie sich das Bild, das sie am Tisch gesehen hatte. Ich stand still und ließ sie. Als ihre Finger an den Hosenbund kamen, hielt sie inne und sah mich an. „Ja“, sagte ich. Sie öffnete den Knopf, den Reißverschluss, schob Hose und Shorts zusammen hinab. Mein Glied sprang frei, schon hart, die Spitze feucht. Sie sah hin, lange, ohne zu greifen, und diese Pause war fast mehr als eine Faust. Dann umschloss sie mich, warm, fest, der Daumen über der feuchten Stelle, und ich musste die Augen kurz schließen.
„Sieh mich an“, sagte sie. Ich tat es. Ihre Hand bewegte sich langsam, von der Wurzel bis unter die Eichel, ein gleichmäßiger Zug, der nichts forderte außer meiner Aufmerksamkeit. Ich legte die Stirn an ihre. „Ich habe dich vermisst“, sagte ich, obwohl wir uns am Morgen gesehen hatten. Sie verstand es richtig. „Ich dich auch. Nicht den Tag. Dich.“ Ihre Hand wurde etwas fester. Ich atmete gegen ihren Mund und hielt ihre Hüfte, damit ich nicht in die Bewegung kippte, bevor sie so weit war.
Ich öffnete ihre Hose. Der Knopf war klein, der Reißverschluss leise. Ich schob den Stoff über die Hüften, und sie half, indem sie die Beine ein wenig bewegte, bis Hose und Slip zusammen an den Knöcheln lagen. Sie stieg heraus. Nackt im gelben Licht stand sie vor mir, die Schenkel geschlossen, dann, als ich die Hände an ihre Hüften legte, ein wenig geöffnet. Zwischen ihnen glänzte es schon. Ich roch sie, salzig und süß, vertraut. Ich ging in die Knie, nicht abrupt, und küsste die Innenseite eines Schenkels, dann die andere, höher, bis mein Mund an der weichen Haut ganz oben lag und sie die Finger wieder in mein Haar nahm.
„Warte“, sagte sie, und ich wartete, die Lippen an ihrer Haut, der Atem auf ihrer Scham. „Ich will dich dabei sehen.“ Sie setzte sich auf die Bettkante, die Beine auseinander, die Hände hinter sich auf die Matratze gestützt. Ich kniete zwischen ihren Knien. Sie sah auf mich herab, und ich sah hinauf, bevor ich sie küsste. Die erste Berührung mit der Zunge war langsam, ein langer Strich durch die Nässe, von unten nach oben, bis zur kleinen festen Stelle, die unter der Zunge zuckte. Sie atmete scharf ein. Ich wiederholte es, diesmal mit mehr Druck, und hielt ihren Blick, so gut es ging, während mein Mund arbeitete.
Sie schmeckte nach sich, klar und warm. Ich nahm die äußeren Lippen in den Mund, dann die inneren, saugte sanft, ließ die Zunge kreisen, fand den Rhythmus, den ihr Becken mir gab. Eine Hand lag an ihrem Oberschenkel, die andere glitt unter sie, hob sie ein wenig, damit ich tiefer kam. Als ich zwei Finger an ihren Eingang legte und wartete, nickte sie. „Ja. Langsam.“ Ich schob sie hinein, spürte, wie sie mich aufnahm, eng und nass, und krümmte sie, während die Zunge oben blieb. Ihr Kopf fiel nicht zurück. Sie sah mich an, die Lippen offen, die Brust hebend, und dieses Sehen machte alles schärfer.
Ich fickte sie mit den Fingern in einem ruhigen Takt und leckte dazu, mal flach, mal spitz, mal nur haltend, wenn sie zu schnell kam. Sie sagte meinen Namen, dann „genau da“, dann nichts mehr, nur Atem und ein leises, gebrochenes Stöhnen, das sie nicht unterdrückte. Die Nässe lief über meine Finger. Ich spürte, wie sie innen zuzog, losließ, wieder zuzog. „Nicht aufhören“, sagte sie. Ich hörte nicht auf. Ich hielt den Druck, den sie brauchte, und sah, wie ihre Bauchmuskeln arbeiteten, wie die Schenkel zitterten, wie sie den Blick bis zuletzt hielt und ihn dann, im Kommen, doch verlor, den Kopf zur Seite, ein langer Laut, die Hand in meinem Haar fest, nicht schmerzhaft, nur haltend.
Ich blieb bei ihr, langsamer, bis die Zuckungen nachließen, und küsste sie dann auf den Unterbauch, auf den Nabel, auf das Brustbein, während ich zu ihr hinaufkam. Meine Finger glitten aus ihr, nass, und ich wischte sie nicht sofort ab. Sie zog mich an den Schultern aufs Bett, auf sich, und küsste mich, schmeckte sich selbst auf meiner Zunge, ohne zu zögern. „Komm in mich“, sagte sie. „Ich will dich ganz. Und ich will dein Gesicht.“
Ich griff in die Schublade, fand das kleine Päckchen, riss es auf. Sie nahm es mir aus der Hand und rollte das Kondom über mich, aufmerksam, die andere Hand an meiner Hüfte, damit ich stillhielt. Die Berührung war praktisch und zärtlich zugleich. Als sie fertig war, legte sie sich zurück, ein Knie angezogen, und öffnete sich. Ich stützte mich neben ihrem Kopf ab und führte mich mit der freien Hand an sie. Die Spitze glitt durch die Nässe, fand den Eingang, und ich hielt inne. „Ja“, sagte sie, die Hände an meinem Gesicht. Ich schob mich hinein, Zentimeter um Zentimeter, und die Enge, die Wärme, das Nachgeben ihres Körpers nahmen mir für einen Atemzug die Worte.
Wir blieben so, ganz verbunden, ohne zu stoßen. Ich spürte sie um mich, das Pochen, die Nässe, die Stelle, an der ich tief saß. Sie strich mit den Daumen unter meinen Augen. „Da bist du“, sagte sie, als wäre das die eigentliche Überraschung des Abends gewesen, nicht die frühe Tür. Ich küsste sie und begann mich zu bewegen, lang und flach, fast ohne das Bett zu erschüttern. Jeder Stoß war ein Zurückkommen, kein Nehmen. Sie hob das Becken ein wenig, fand den Winkel, bei dem ihr Atem stockte, und ich blieb dort. „So“, sagte sie. „Genau so. Sieh mich an.“
Ich sah sie an. Das gelbe Licht lag auf ihrer Stirn, in den Augen, auf den Lippen, die sich bei jedem tiefen Stoß öffneten. Ihre Brüste bewegten sich unter mir, und ich senkte den Mund einmal zu einer Warze, ohne den Rhythmus zu verlieren, dann kam ich zurück zu ihrem Gesicht, weil sie es so wollte und weil ich es auch wollte. Die Haut an unseren Bäuchen wurde feucht. Ich hörte das leise, nasse Geräusch unserer Körper und ihren Atem an meinem Ohr, wenn ich mich zu nah beugte, und dann wieder ihr Gesicht, wenn ich mich aufrichtete. Es war langsam, und es war viel. Die Langsamkeit ließ mich alles spüren: den Zug, wenn ich mich zurückzog, die Hitze, wenn ich wieder eindrang, den Druck ihrer Fersen an meinen Waden.
„Dreh dich“, sagte sie nach einer Weile. „Ich will auf dir sein. Ich will den Blick behalten.“
Ich zog mich zurück, vorsichtig, und legte mich auf den Rücken. Sie stieg über mich, die Knie neben meinen Hüften, und führte mich selbst ein, die Hand um die Wurzel, die andere auf meiner Brust. Als sie sich senkte, schloss sie kurz die Augen, dann öffnete sie sie wieder und sah mich an, während sie mich ganz aufnahm. Ich legte die Hände an ihre Taille, nicht führend, nur da. Sie begann zu reiten, nicht wild, in einem wiegenden Takt, der ihre Brüste schwer bewegen ließ und meinen Namen immer wieder an die Oberfläche ihres Atems hob. Ich sah zu ihr auf. Das Haar fiel nach vorn. Sie strich es nicht weg. Es rahmte das Gesicht, das ich den ganzen Abend schon nicht loslassen konnte.
Ich spürte, wie ich näher kam, die Spannung im Unterleib, das Ziehen in den Hoden, und sagte es ihr. „Ich bin nah. Wenn du langsamer willst, sag es.“ Sie schüttelte den Kopf, ein kleines Lächeln, atemlos. „Ich will dich so. Komm. Ich sehe dich.“ Sie beugte sich vor, die Hände neben meinem Kopf, die Brüste an meiner Brust, und bewegte sich enger, kürzer, die Stirn an meiner. Ich hielt ihre Hüften und stieß von unten entgegen, immer noch nicht hart, nur tief. Der Blick aus dieser Nähe war fast zu viel: ihre Pupillen, der Schweiß an der Oberlippe, der Mund, der meinen suchte und dann doch offen blieb, damit sie atmen konnte.
Es kam in einer langen Welle, nicht als Ruck. Ich sagte ihren Namen, hielt ihren Blick, so lange ich konnte, und ergoss mich, während sie mich umschloss und nicht aufhörte, sich zu bewegen, langsam, durch meinen Höhepunkt hindurch, als wolle sie ihn dehnen. Meine Hände krallten sich nicht. Sie lagen flach auf ihrem Rücken, und ich spürte ihren Atem, ihren Herzschlag, das Nachziehen ihres Körpers um mich. Ein Laut blieb in meiner Kehle, tief, fast ein Stöhnen, das in einen Kuss überging, den sie annahm, weich, während ich noch in ihr zuckte.
Sie blieb auf mir, bis ich weicher wurde, und richtete sich dann auf, vorsichtig, half mir, hinauszugleiten, nahm das Kondom ab, knotete es, warf es in den kleinen Eimer neben dem Bett, ohne aus dem Moment zu fallen. Dann legte sie sich neben mich, eine Hand auf meiner Brust, das Gesicht nah. Wir schwiegen. Der Schweiß kühlte. Draußen im Hof war nichts zu hören. Ich strich ihr das Haar aus der Stirn und sah sie an, nicht mehr mit dem Hunger des Anfangs, sondern mit dem, was danach kommt, wenn der Körper ruhig wird und der Blick bleibt.
„War das zu viel Warten vorhin“, fragte sie nach einer Weile, die Stimme heiser und zufrieden.
„Nein“, sagte ich. „Der Blick war das Eigentliche. Das andere wäre ohne ihn nur schnell gewesen.“
Sie nickte an meiner Schulter. Ihre Finger zeichneten eine langsame Linie über mein Schlüsselbein, ohne Ziel. „Ich habe am Tisch gesessen und gewusst, dass ich dich so sehen will. Nicht später. Nicht müde im Dunkeln. So, mit dem Licht an, und du auf dem Sofa, ahnungslos und schon meiner.“ Sie sagte es ohne Besitz, eher wie eine Tatsache, die uns beiden gehörte. Ich küsste ihre Schläfe. „Du kannst immer früher kommen“, sagte ich. „Die Tür kennt dich.“
Wir lagen noch, die Decke halb über den Beinen, die Lampe an. Irgendwann stand sie auf, nackt, ging in die Küche und kam mit zwei Gläsern Wasser zurück. Sie reichte mir eines, trank selbst, ein Tropfen lief am Kinn, und ich wischte ihn mit dem Daumen weg. Sie fing meine Hand und küsste die Innenfläche, dort, wo ich vorhin ihre geküsst hatte. Es war kein neuer Anfang. Es war der Nachklang, ruhig, klar, ohne Versprechen, die wir nicht brauchten. Im Wohnzimmer lag noch das Buch auf dem Teppich. Es konnte liegen bleiben. Der Abend hatte seine Form gefunden, und sie lag neben mir, wach, warm, die Augen halb geschlossen, und sah mich an, bis auch dieser Blick weich wurde und in den Schlaf überging.
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