Neue Sexgeschichten

Die Klausel, die stehen blieb

Ehefrau · 19 Minuten lesen · 26 Minuten hören

Gelesen von Edward

Teil 1 der Serie Ehe neu (6)

Ich war achtunddreißig, Lena fünfunddreißig, und an diesem Abend lag die Klausel zwischen uns wie ein Gegenstand, den man nicht mehr in die Schublade zurücklegen kann. Wir hatten sie vor drei Jahren selbst geschrieben, in der Küche, bei offenem Fenster, mit zwei Gläsern Wein und der Ruhe von Leuten, die sich lange genug kannten, um nicht mehr zu bluffen. Die offene Ehe war kein Einfall gewesen und kein Spiel. Sie war eine Vereinbarung mit Rändern. Einmal im Monat durfte einer von uns im Schlafzimmer einen Wunsch aussprechen. Der Wunsch durfte nicht beleidigend sein, nicht gegen ein bereits genanntes Nein gehen und keinen Menschen einbeziehen, der nicht selbst ja gesagt hatte. Was aber einmal laut im Raum stand, blieb für diese Nacht stehen. Man nahm es nicht zurück. Man verhandelte die Form, nicht das Ob.

Unser anderes Wort galt trotzdem. Das hatten wir daruntergesetzt, in Lenas kleiner, klarer Schrift. Wenn einer Halt sagte, endete alles, Klausel hin oder her. Die Unwiderruflichkeit betraf den Mut, nicht den Körper. Ich hatte das damals für eine Feinheit gehalten. An diesem Abend verstand ich, dass es das ganze Gewicht der Regel trug.

Lena kam später als sonst aus der Dusche. Das Haus war still, die Straße vor dem Fenster auch, nur irgendwo ein Rad, das über nasses Pflaster fuhr. Sie trug den alten grauen Morgenmantel, den sie behielt, obwohl der Gürtel längst schlapp war, und ihr Haar hing dunkel und schwer auf die Schultern. Ich saß auf der Bettkante und hatte die Lampe auf der niedrigen Stufe gelassen. Wir mochten dieses Licht. Es machte die Haut warm und die Ecken des Zimmers unscharf, ohne etwas zu verstecken, was man sehen wollte.

Sie blieb in der Tür stehen und sah mich an, länger als nötig für ein einfaches Guten Abend. Ich kannte dieses Zögern. Es war nicht Angst. Es war die Stelle, an der ein Satz noch im Mund liegen und doch schon die Form einer Tatsache annehmen kann. Draußen tickte die Heizung. Drinnen roch es nach ihrem Shampoo, nach Zedernholz und nach der sauberen Wäsche, die ich am Nachmittag auf den Stuhl gelegt hatte.

Wir hatten die offenen Abende nicht leichtfertig genutzt. Zweimal war sie ausgegangen, einmal ich, immer mit Namen, Uhrzeit und dem Versprechen, hinterher ehrlich zu sein. Die Klausel im Schlafzimmer hatten wir seltener berührt als die Tür nach draußen. Vielleicht gerade deshalb lag sie schwerer. Eine fremde Nacht konnte man erzählen. Ein Wunsch an den Menschen, mit dem man den Kühlschrank teilte, blieb im Haus.

Lena schloss die Tür hinter sich, nicht hastig, und kam bis zum Fußende des Bettes. Der Morgenmantel klaffte an der Brust nur einen Spalt. Darunter war Haut, noch ein wenig feucht an den Schlüsselbeinen. Sie setzte sich nicht. Sie stellte die Füße nebeneinander auf den Teppich, als brauche der Satz einen festen Boden.

Ich habe einen Wunsch, sagte sie.

Ich nickte. Mehr war in diesem Augenblick nicht klug. Die Regel verlangte kein sofortiges Ja zum Inhalt. Sie verlangte, dass man zuhörte, bis der Satz ganz war.

Sie atmete einmal durch die Nase ein und sprach dann ohne Umschweife. Ich will, dass du mich heute Nacht so ansiehst, als gäbe es keine andere Verabredung in dieser Ehe, und ich will, dass du mich mit dem Mund so lange hältst, bis ich nicht mehr höflich bin. Danach will ich dich in mir, langsam, bis ich selbst sage, dass langsam aufhört. Ich will deine Hände an meinen Hüften und deinen Namen nicht als Frage. Und ich will, dass du den Wunsch nicht kleiner machst, nur weil ich ihn endlich gesagt habe.

Die Sätze standen im Zimmer. Ich spürte, wie mein Puls in den Handgelenken anschlug, nicht aus Schreck, sondern weil sie genau das ausgesprochen hatte, was ich seit Wochen in ihrem Blick vermutet und nicht hatte erzwingen wollen. Die Klausel tat das Ihre. Der Wunsch war da. Er ließ sich nicht mehr in ein Vielleicht zurückbiegen.

Ich wiederholte ihn, Satz für Satz, so wie wir es uns angewöhnt hatten, damit nichts im Wunschdenken des anderen verschwand. Mit dem Mund, bis du nicht mehr höflich bist. Danach in dir, langsam, bis du das Langsame beendest. Meine Hände an deinen Hüften. Kein Kleiner-Machen. Sie nickte bei jedem Stück. Ihre Wangen waren bereits wärmer als der Rest des Gesichts.

Grenzen, sagte ich.

Keine Schläge, sagte sie. Kein Würgen. Nicht von hinten, heute nicht, ich will dein Gesicht. Wenn ich Halt sage, ist Halt. Und du fragst mich einmal, kurz bevor du in mich kommst, ob es noch derselbe Wunsch ist. Nicht aus Zweifel an mir. Aus der Regel.

Ich sagte zu. Meine eigene Grenze war schmal und ehrlich. Ich wollte nichts spielen, was ich nicht fühlte, und ich fühlte genau das, worum sie bat. Die offene Ehe hatte uns nicht gleichgültiger gemacht. Sie hatte nur die Lüge teurer werden lassen. Heute Nacht gab es keine andere Tür. Das war nicht die Aufhebung unserer Vereinbarung. Es war ihr innerster Satz.

Lena löste den Gürtel. Der Morgenmantel fiel nicht theatralisch, er rutschte von den Schultern und blieb an den Ellbogen hängen, bis sie die Arme senkte und der Stoff auf den Teppich ging. Darunter war sie nackt. Ich hatte diesen Körper tausendmal gesehen und sah ihn trotzdem neu, weil der Wunsch ihn anders beleuchtete. Die Brüste, voll und mit dunklen Höfen, hoben sich mit dem Atem. Der Bauch war weich unter dem Nabel, die Hüften breit genug, dass meine Hände dort später einen Halt finden würden, der kein Griff der Eile war. Zwischen den Schenkeln lag ein dunkles, gepflegtes Dreieck, und die Haut der Innenseiten schimmerte noch von der Wärme des Bades.

Sie kam zu mir und blieb zwischen meinen Knien stehen. Ich legte die Stirn an ihren Bauch, nur einen Moment, und roch Seife und darunter sie selbst, diesen warmen, privaten Geruch, der nichts mit Parfüm zu tun hatte. Meine Hände lagen an ihren Waden. Die Muskeln dort waren fest von den Wegen, die sie zu Fuß ging, die Haut darüber glatt und ein wenig kühl von der Luft im Flur.

Du musst nicht artig anfangen, sagte sie leise. Aber fang so an, dass ich merke, dass du mich meinst und nicht die Klausel.

Ich küsste die Stelle unter dem Nabel, dann die weiche Falte, wo der Bauch in die Leiste überging, links und rechts, ohne Hast. Sie legte eine Hand in mein Haar. Die Finger waren nicht fordernd. Sie hielten nur Kontakt, als wolle sie sicher sein, dass der Mann zwischen ihren Beinen noch derselbe war, dem sie den Satz anvertraut hatte. Ich war es. Ich war achtunddreißig und verheiratet und in diesem Moment so wach, wie man nur ist, wenn einem etwas Kostbares gesagt wird.

Ich zog sie aufs Bett, nicht mit einem Ruck, sondern indem ich rückwärts rutschte und sie mitnahm, bis sie über mir kniete und ich auf dem Rücken lag, den Kopf auf dem Kissen. So konnte ich sie ansehen, wie sie es verlangt hatte. Das Licht lag auf ihrem Schlüsselbein und auf der Unterseite der Brüste. Ihre Schenkel rahmten meinen Brustkorb. Sie beugte sich herab und küsste mich, zuerst geschlossen, dann mit einem Öffnen, das nach mehr schmeckte als nach Zahnpasta. Ihre Zunge war warm. Ich hielt ihr Gesicht und ließ den Kuss lang werden, bis ihr Atem gegen meine Lippe stieß und sie ein kleines, ungeduldiges Geräusch machte, das sie selbst zu überraschen schien.

Dann setzte sie sich auf und rückte höher. Ich half ihr, die Knie neben meinen Schultern zu finden, und sie stützte eine Hand an die Wand über dem Kopfende. Aus dieser Nähe war alles deutlich. Die inneren Schamlippen, schon dunkler und ein wenig geöffnet, glänzten. Der Kitzler lag unter seiner Haube und zog sich zusammen, als die Luft sie traf. Ich legte die Daumen sanft an die Außenseiten und öffnete sie nur so weit, wie es bequem war, und leckte einmal langsam von unten nach oben, breit, mit der ganzen Zunge.

Lena atmete aus, als hätte sie einen Satz fallen lassen. Ihr Geschmack war salzig und sauber und ein wenig süß, vertraut und an diesem Abend schärfer, weil das Wollen schon eine Weile in ihr gearbeitet hatte. Ich wiederholte die Bewegung, diesmal mit mehr Druck am oberen Ende, und spürte, wie ihr Becken eine winzige Antwort gab. Nicht höflich, hatte sie gesagt. Wir waren noch lange nicht dort. Wir waren am Anfang, und der Anfang durfte genau sein.

Ich küsste die Innenseite ihres linken Schenkels, dann die rechte, und kam zurück zu der Stelle, die bereits reagierte. Mit der Zungenspitze umkreiste ich den Kitzler, ohne ihn sofort direkt zu nehmen, bis sie die Hüften senkte und mir damit sagte, dass das Kreisen genug Vorrede gewesen war. Dann nahm ich ihn in den Mund, saugte leicht und ließ die Zunge dagegen flattern, in einem Takt, den ich an ihrem Atem maß. Ihre Hand im Haar wurde fester. Über mir sagte sie meinen Namen, nicht als Frage.

Ich hielt sie so, eine Hand an der Hüfte, die andere unter ihrem Gesäß, und arbeitete stetig. Ab und zu löste ich den Mund und leckte tiefer, dort, wo sie bereits nass war, und schob die Zunge ein wenig in sie hinein, nur um den Geschmack zu holen und ihr zu zeigen, dass ich auch dort war. Dann kehrte ich nach oben zurück. Sie mochte keinen ständigen Wechsel. Das wusste ich aus Jahren, nicht aus der Klausel. Was die Klausel verlangte, war Ausdauer und Blick. Ich sah zu ihr auf, so oft ich konnte. Ihr Mund war offen. Die Augen waren halb geschlossen, dann wieder auf mich gerichtet, dunkel und ohne die Höflichkeit, mit der sie sonst sogar die Lust ein wenig bändigte.

Mehr, sagte sie. Nicht schneller. Mehr von dem, was du gerade tust.

Ich gab mehr Druck, einen engeren Kreis, und saugte in kurzen Zügen, zwischen denen die Zunge breit und warm blieb. Ihr Schenkel begann zu zittern. Die Hand an der Wand rutschte ein Stück und fand wieder Halt. Ich spürte, wie sich die Muskeln in ihrem Becken sammelten, dieses feine, innere Zusammenziehen, das man an den Lippen und am Atem erkennt, bevor es laut wird. Sie versuchte noch, leise zu bleiben. Dann gab sie das auf.

Es kam nicht als einzelner Schrei. Es kam als eine Folge von Lauten, rau und unabgeschlossen, und als ein Pressen ihres Körpers gegen meinen Mund, das ich hielt, ohne sie festzuhalten. Ich blieb an ihr, leichter jetzt, weil ich wusste, dass der erste Höhepunkt sie empfindlich machte und der Wunsch nicht nach einem Ende verlangt hatte, sondern nach einem Bis. Sie zuckte, fluchte einmal leise, ein Wort, das in unserem Alltag selten war, und lachte danach kurz und atemlos, als hätte die Unhöflichkeit sie selbst erwischt.

Nicht aufhören, sagte sie. Noch nicht artig werden.

Ich wurde nicht artig. Ich leckte sie durch das Nachbeben hindurch, langsam genug, dass es nicht weh tat, stetig genug, dass die Empfindlichkeit wieder in Hunger umschlug. Ihre Nässe lief mir über die Lippe und das Kinn. Ich wischte nichts weg. Es gehörte zu dem, was sie verlangt hatte: gesehen werden, geschmeckt werden, nicht in eine saubere Geste zurückgebogen werden. Als ich zwei Finger an ihren Eingang legte und fragend innehielt, nickte sie und sagte ja, deutlich, und ich schob sie hinein, gekrümmt, bis ich die Stelle fand, die sie weicher und zugleich drängender machte.

Der zweite Aufbau war tiefer. Sie ritt nicht hart auf meiner Hand. Sie wiegte sich, klein und genau, und ich folgte mit Mund und Fingern dem Takt, den ihr Körper vorgab. Im Zimmer war es warm geworden. Schweiß stand in der Kuhle über ihrem Schlüsselbein. Ich roch uns beide, Haut und Salz und das helle, intime Aroma zwischen ihren Beinen, und ich wollte nichts anderes riechen. Draußen hätte eine Tür gehen können. Ich hätte es nicht gehört.

Als sie das zweite Mal kam, zog sie mein Haar und sagte etwas, das kein ganzer Satz war, nur mein Name und ein Ja, das sich wiederholte, bis die Stimme brach. Die Innenmuskeln schlossen sich um meine Finger in Wellen. Ich hielt still in ihr und ließ die Zunge nur noch leicht liegen, bis das Zittern nachließ und sie sich nach vorn beugte, die Stirn gegen die Wand, und ein langes, zitterndes Ausatmen tat.

Dann stieg sie von mir herunter, nicht fluchtartig, sondern mit dieser schweren Anmut, die nach einem Höhepunkt in den Gliedern bleibt. Sie lag neben mir auf der Seite, das Gesicht nahe an meinem, und küsste mich, ohne den Geschmack zu scheuen. Ihre Hand fand mich durch die Hose. Ich war hart, schon seit sie den Wunsch ausgesprochen hatte, und der Stoff war eine dumme, zu späte Grenze.

Ausziehen, sagte sie.

Ich stand auf und tat es, Hemd, Hose, alles, ohne Umstand. Als ich zurückkam, lag sie auf dem Rücken, die Knie angewinkelt und offen, ein Arm über dem Kopf, die Haare auf dem Kissen ausgebreitet. Ich kniete mich zwischen ihre Beine und sah sie an, wie verlangt. Die Brust hob sich. Die Innenseiten der Schenkel glänzten. Ihr Blick war klar, nicht verschleiert von irgendeiner Rolle.

Bevor du in mich kommst, sagte sie, fragst du.

Ich legte die Hand an ihre Wange. Ist es noch derselbe Wunsch?

Ja, sagte sie. Derselbe. Langsam, bis ich es anders sage. Dein Gesicht. Deine Hände an meinen Hüften, wenn du tiefer gehst. Und nicht kleiner machen.

Ich führte mich mit der Hand an sie heran und drang ein, nur die Spitze zuerst, und hielt inne, weil die Enge und die Wärme mich fast aus dem Takt brachten. Sie war sehr nass, und trotzdem war da dieser erste Widerstand, der kein Nein war, nur Körper, der sich öffnen muss. Lena atmete aus und zog mich mit den Fersen ein Stück näher. Ich sank tiefer, Zentimeter um Zentimeter, bis ich ganz in ihr war und wir beide einen Moment lang nur dalagen und das Gefühl sortierten. Sie war heiß um mich. Ich spürte ihren Puls dort, oder bildete ihn mir ein, und sah, wie sich ihre Lippen teilten.

Langsam, erinnerte sie, und lächelte dabei, als wisse sie, dass ich die Erinnerung brauchte.

Ich bewegte mich langsam. Nicht die vorsichtige Langsamkeit eines Menschen, der sich nicht traut, sondern die absichtliche, die jeden Zug auskostet. Hinaus bis fast zum Ende, hinein bis zum Ansatz, die Hüften nah an ihren, der Blick nicht weg. Ihre Hände lagen auf meinem Rücken und wanderten manchmal zu den Schultern, als wolle sie das Gewicht prüfen. Ich stützte mich auf die Unterarme, damit ich sie nicht erdrückte und trotzdem nah blieb. Unsere Münder fanden sich zwischen den Stößen, unordentlich, mit Atem dazwischen.

Sie sprach wenig und doch genug. Da. So. Sieh mich an. Einmal lachte sie leise, weil ich zu konzentriert gewesen war, und zog mein Ohrläppchen zwischen die Lippen, eine kleine, freche Zärtlichkeit mitten in der Schwere. Ich lachte auch, kurz, und die Bewegung wurde davon nicht kleiner. Sie wurde wahrer. Das war der Punkt der Klausel, den ich erst jetzt ganz begriff. Nicht zurücknehmen heißt nicht, aus einem Wunsch eine Pflicht ohne Gesicht zu machen. Es heißt, das Gesagte in seiner Größe zu lassen und es trotzdem als Menschen zu tun.

Ich legte die Hände an ihre Hüften, als ich mich aufrichtete, noch immer in ihr, und sie nickte, weil das zu dem Satz gehört hatte. Meine Daumen lagen in den weichen Mulden über den Knochen. Ich zog sie ein wenig zu mir, bei jedem langsamen Stoß, und sie kam mir entgegen, nicht wild, sondern mit einem Rollen des Beckens, das mich tiefer nehmen ließ, ohne dass ich schneller werden musste. Der Anblick war deutlich. Wo wir verbunden waren, glänzte es. Ihre Brüste bewegten sich mit dem Takt. Ich beugte mich vor und nahm eine Brustwarze in den Mund, saugte, ließ die Zunge kreisen, und spürte, wie sie sich innen um mich zusammenzog.

Das darfst du, sagte sie, die Stimme schon wieder tiefer. Das gehört dazu.

Ich wechselte zur anderen Brust und hielt den Takt in den Hüften klein und tief. Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Das Laken unter ihr war zerdrückt und an einer Stelle feucht von ihr und von uns. Ich roch Eisen und Salz und die warme Nacht unseres Zimmers. Lena hob eine Hand an mein Gesicht und strich mit dem Daumen über meine Unterlippe, als wolle sie sich vergewissern, dass der Mund, der sie vorhin gehalten hatte, noch derselbe war.

Ich bin nicht mehr höflich, sagte sie. Das hast du schon geschafft. Jetzt will ich, dass langsam aufhört.

Sag es so, dass ich es nicht missverstehe.

Sie sah mich an, ganz wach. Hör auf, langsam zu sein. Nimm mich. Nicht grob. Aber nicht mehr vorsichtig. Ich will es spüren, bis in die Oberschenkel, und ich will dein Gesicht dabei.

Ich gehorchte dem Satz, nicht einer Vorstellung von Härte. Ich wurde schneller und tiefer, die Hände fest an ihren Hüften, der Blick auf ihrem. Das Bett gab ein gleichmäßiges, leises Geräusch gegen die Wand. Lena hielt sich an meinen Unterarmen fest und öffnete die Beine weiter, die Fersen in der Matratze, und jedes Mal, wenn ich ganz in sie stieß, kam ein Laut aus ihr, der nichts mehr mit Höflichkeit zu tun hatte. Es war kein Schreien um des Schreiens willen. Es war Atem, der keine Fassung mehr suchte.

Ich spürte, wie sich der Druck in mir sammelte, zu früh, wenn ich nicht aufpasste. Ich verlangsamte für drei Züge, nicht aus Widerspruch gegen ihren Wunsch, sondern damit ich ihn zu Ende bringen konnte, und sagte es ihr. Sie nickte, dankbar und ungeduldig zugleich, und schob eine Hand zwischen uns. Ihre Finger fanden den Kitzler und bewegten sich in kleinen, sicheren Kreisen, während ich wieder tiefer und stetiger wurde. Das Zusammenwirken war sofort da. Sie wurde innen noch enger, die Laute kürzer, ihr Blick brach nicht weg.

Sieh mich an, sagte sie noch einmal, obwohl ich sie nicht losgelassen hatte. Es war keine Korrektur. Es war der Wunsch, der sich wiederholte, weil er wahr blieb.

Ich sah sie an, als sie kam. Der Orgasmus lief durch sie wie eine Welle, die im Bauch begann und in den Schenkeln endete, die sich um meine Hüften schlossen. Ihr Mund öffnete sich, kein Wort, nur ein langes, gebrochenes Ausatmen, und die Augen blieben auf mir, nass an den Rändern, nicht vor Schmerz. Ich hielt den Takt, ein wenig kleiner, damit sie die Wellen ausreiten konnte, und spürte, wie sie mich in rhythmischen Zügen fasste. Das zog mich mit. Ich sagte ihren Namen, einmal, klar, nicht als Frage, und fragte mit der Stimme, die noch gehorchte, ob ich in ihr kommen durfte.

Ja, sagte sie. Hier. Ich will es.

Ich stieß noch ein paar Mal, tief und nicht mehr gemessen, und kam in ihr, mit einem Laut, den ich an ihrer Schulter vergrub und dann doch wieder hob, weil sie mein Gesicht verlangt hatte. Es war heftig und gleichzeitig merkwürdig klar. Ich sah sie, während es durch mich ging, sah das offene Staunen in ihrem Blick, das kein Publikum brauchte, und spürte, wie ich in sie pulsierte, warm und lang, bis die Kraft aus den Armen wich und ich mich auf die Ellbogen stützte, um sie nicht mit dem ganzen Gewicht zu decken.

Wir blieben so, verbunden, atmend. Ihr Herz schlug gegen meinen Brustkorb, oder meiner gegen ihren, der Unterschied war gleichgültig. Draußen fuhr wieder ein Rad, oder dasselbe, das zurückkam. Im Zimmer roch es nach Sex und nach der Seife von vorhin, die noch in ihrem Haar hing. Ich küsste sie auf den Mundwinkel, dann auf die Stirn, und sie lachte dieses kleine, heisere Lachen, das nur kam, wenn sie wirklich angekommen war.

Die Klausel stand noch im Raum, aber sie hatte ihr Gewicht verändert. Sie war nicht mehr ein Satz, der darauf wartete, eingelöst zu werden. Sie war eingelöst und deshalb stiller. Lena strich mir über den Nacken, die Finger langsam, und ich zog mich vorsichtig aus ihr zurück. Ein warmer Schwall folgte, über ihren Oberschenkel auf das Laken. Sie zuckte nicht zusammen. Sie sah hin und dann zu mir, ohne Scham und ohne die Geste, es sofort wegzuwischen.

Das gehört auch dazu, sagte sie. Heute darf es sichtbar bleiben, eine Minute.

Ich holte trotzdem das Handtuch vom Stuhl, legte es in Reichweite und wartete, bis sie nickte. Dann trocknete ich sie behutsam, die Innenseiten der Schenkel, den weichen Bauch, und sie ließ es geschehen mit halb geschlossenen Augen. Als ich mich neben sie legte, zog sie den Morgenmantel nicht wieder an. Sie zog nur die Decke bis zur Taille und ließ die Schultern frei, weil ihr noch warm war. Ich lag auf der Seite, das Gesicht ihr zugewandt, und strich eine feuchte Strähne hinter ihr Ohr.

Du hast ihn nicht kleiner gemacht, sagte sie nach einer Weile.

Ich wollte es nicht. Der Wunsch war groß genug, um wahr zu sein.

Sie schwieg einen Moment und suchte meine Hand unter der Decke. Unsere Finger verschränkten sich, gewöhnlich und nach allem anderen immer noch das Sicherste. Die offene Ehe war nicht aufgehoben. Morgen würde die Vereinbarung wieder ihre anderen Sätze haben, die Namen, die Uhrzeiten, die Ehrlichkeit nach dem Nachhausekommen. Heute Nacht hatte die Klausel nur dieses eine verlangt, und wir hatten es getan, mit dem Wort, das alles hätte beenden können, unbenutzt in der Tasche.

Ich hätte ihn zurücknehmen können, bevor ich ihn sagte, meinte sie. Danach nicht mehr. Das war der Punkt. Ich wollte wissen, ob ich mutig genug bin, etwas zu wollen, das stehen bleibt.

Du warst mutig genug. Und du warst deutlich. Das ist mehr als Mut.

Sie drehte sich zu mir und legte das Bein über meines, die Haut noch ein wenig klebrig, der Körper schwer vor Zufriedenheit. In ihrem Blick lag keine Prüfung mehr. Da lag dieses weiche, wache Nachglühen, in dem man den anderen wieder als Alltagsmenschen erkennt und ihn trotzdem noch ein wenig nackter sieht als am Morgen. Ich küsste sie langsam, ohne neue Absicht, und sie erwiderte es mit einem Mund, der müde und trotzdem aufmerksam war.

Wenn du Halt gebraucht hättest, hätte ich aufgehört, sagte ich, weil es gesagt werden musste, nicht weil ein Zweifel im Raum stand.

Ich weiß. Deshalb konnte der Wunsch stehen bleiben. Ein Satz, den man nicht zurücknimmt, ist nur dann etwas wert, wenn das Nein noch lebt. Meins hat heute nicht leben müssen. Deins auch nicht.

Wir lagen noch eine Zeit, ohne zu reden. Die Lampe brannte weiter auf der niedrigen Stufe. Irgendwann stand ich auf, holte Wasser, und wir tranken aus demselben Glas, abwechselnd, wie Leute, die keine zweite Zeremonie mehr brauchen. Lena stellte das Glas auf den Nachttisch und zog mich wieder heran, die Stirn an meiner Schulter. Ihr Atem wurde länger. Bevor sie einschlief, sagte sie noch einen Satz, leise und ohne Dramatik.

Nächsten Monat bist du dran, wenn du einen Wunsch hast. Aber nicht heute. Heute bleibt meiner im Zimmer, und das ist gut so.

Ich löschte die Lampe nicht sofort. Ich sah sie an, fünfunddreißig, meine Frau, die Haare dunkel auf dem Kissen, der Mund ein wenig geschwollen von den Küssen, die Hand noch auf meiner Brust. Der Wunsch war nicht zurückgenommen worden, und er musste es nicht mehr werden. Er hatte seinen Ort gefunden, zwischen der Regel, die wir selbst geschrieben hatten, und dem Körper, der ja gesagt hatte, deutlich genug für eine ganze Nacht.

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