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Die letzte Nacht vor der Abreise

Ehefrau · 26 Minuten lesen · 35 Minuten hören

Gelesen von Edward

Teil 2 der Serie Ehe neu (5)

Die letzte Nacht des Wochenendes begann nicht mit einem Entschluss, sondern mit dem Geräusch des Sees, der gegen die Steine unter der Terrasse schlug. Miriam stand barfuß auf den kühlen Dielen, das helle Kleid aus dem Dorf noch an den Schultern, und das Licht der einzigen Lampe legte einen warmen Rand um ihren Hals. Ich war vierunddreißig, sie zweiunddreißig, und Jonas, der in der Küchentür stehen blieb, sechsunddreißig. Niemand von uns war jünger, und niemand tat so, als wäre diese Nacht ein Versehen. Wir hatten sie am Freitag laut vereinbart, Wort für Wort, bevor der Schlüssel im Schloss des gemieteten Hauses gedreht wurde.

Der Koffer lag schon halb offen neben der Tür, mein Hemd obenauf, ihr Pullover darunter, als wolle das Gepäck uns daran erinnern, dass der Morgen eine Straße und keine Fortsetzung war. Ich roch noch das einfache Essen, das wir vor einer Stunde gegessen hatten, Brot, Öl, ein Rest Wein in den Gläsern. Draußen war es still bis auf das Wasser. Drinnen war es nicht still. Mein Herz arbeitete zu laut für einen Mann, der auf einem Stuhl saß und die Hände auf den Knien liegen hatte.

Miriam drehte sich zu mir um. Ihr Blick war klar, nicht verschleiert, nicht gespielt. Sie kam herüber, setzte sich auf die Lehne und legte die Hand an meine Wange, so wie sie es tat, wenn sie etwas Wirkliches sagen wollte und keinen Umweg suchte. Ihre Haut war warm von der Küche. Ich spürte den Ring an ihrem Finger, vertraut, kühl am Rand, und darunter den Puls, der nicht so ruhig war, wie ihr Gesicht vorgab.

Sie fragte mich, ob ich diese letzte Nacht noch wollte, nicht die Erinnerung an Freitag, sondern jetzt, in diesem Zimmer, mit diesem Mann in der Tür. Ich sagte ja. Ich sagte es ohne Hast, weil Hast in unseren Absprachen keinen Platz hatte. Sie nickte, als hätte sie die Antwort erwartet und trotzdem hören müssen. Dann sah sie zu Jonas hinüber und stellte ihm dieselbe Frage, mit demselben Ernst, nicht leiser und nicht süßer.

Jonas antwortete, dass er bleiben wolle, wenn wir beide es wollten, und dass er gehe, sobald einer von uns das Wort sagte, das wir gewählt hatten. Das Wort war Genug. Wir hatten es am Freitag zweimal laut gesagt, einmal im Auto und einmal hier an diesem Tisch, damit es im Raum hing und nicht nur in unseren Köpfen. Er wiederholte es jetzt, ruhig, die Hände sichtbar, die Ärmel noch hoch. Miriam sagte, dass die Regeln dieselben blieben wie an den beiden Nächten davor. Kondom. Keine Bilder. Ihr Tempo. Mein Platz im Zimmer, solange ich ihn wollte. Und wenn sie seinen Namen und dann uns sagte, würde er auf die Terrasse gehen und uns die letzte Spanne der Nacht lassen.

Ich hörte das alles und spürte, wie sich in mir etwas zugleich enger und weiter anfühlte. Die Eifersucht war nicht weg. Sie saß unter dem Brustbein, heiß und bekannt, und sie war Teil dessen, was wir gewollt hatten, nicht ein Fehler in der Abmachung. Miriam hatte es so genannt, als wir noch zu Hause am Küchentisch saßen: nicht heimlich, nicht halb, sondern mit offenen Augen. Ich hatte zugestimmt, weil ich sie so wollte, nicht trotz dieser Nacht, sondern mit ihr. Das machte es nicht klein. Es machte es wahr.

Sie stand auf und streckte mir die Hand hin. Ich nahm sie. Ihre Finger schlossen sich fest, ein kurzer Druck, der mehr sagte als ein weiteres Ja. Jonas löschte das Licht in der Küche und folgte uns, nicht dicht, nicht zögernd, in dem Abstand, den er das ganze Wochenende gehalten hatte. Der Flur roch nach Holz und nach dem Seewind, der durch das gekippte Fenster im Bad zog. Im Schlafzimmer brannte nur die Lampe neben dem Bett, ein gelber Kreis auf dem Leinen, der Rest des Raums in weichem Dunkel.

Ich setzte mich auf den Stuhl am Fenster, dorthin, wo ich in den Nächten zuvor gesessen hatte, nah genug, um ihre Hand zu erreichen, weit genug, dass sie sich bewegen konnte, ohne an mich zu stoßen. Das war meine Wahl gewesen, nicht ihre Anordnung. Sie hatte gesagt, ich dürfe näher kommen, wann immer ich wolle, dürfe sie anfassen, dürfe sprechen. Ich wollte zuerst sehen. Sehen gehörte zu dem, was mich hart machte, und zu dem, was mich ruhig hielt.

Miriam blieb zwischen Bett und Stuhl stehen und sah mich an, während sie die Träger des Kleides von den Schultern schob. Der Stoff fiel nicht dramatisch. Er rutschte, blieb an ihrer Taille hängen, und sie half ihm mit beiden Händen, bis er um ihre Füße lag. Darunter trug sie nichts. Das hatten wir nicht abgesprochen wie eine Regel, das hatte sie heute Abend einfach so entschieden, und der Anblick traf mich trotzdem wie etwas Neues. Ihre Brüste hoben sich mit dem Atem. Die Brustwarzen waren schon fest, dunkel im Lampenlicht. Zwischen ihren Schenkeln lag ein schmaler Schatten, und die Haut dort glänzte nicht noch, aber sie war wach, das sah ich an der Art, wie sie die Beine einen Augenblick lang nicht ganz schloss.

Jonas blieb stehen, bis sie ihn mit einem Nicken heranwinkte. Er fragte trotzdem, leise, ob er sie anfassen dürfe. Sie sagte ja und nannte die Stelle: zuerst den Rücken, dann die Hüften, nicht sofort zwischen den Beinen. Er legte die Hand flach zwischen ihre Schulterblätter. Ich sah, wie sie die Augen kurz schloss, nicht vor Unterwerfung, sondern weil die Wärme ankam. Seine andere Hand fand ihre Taille, groß, langsam, der Daumen über dem Knochen. Sie atmete aus, ein langer Ton, und öffnete die Augen wieder, um mich zu finden.

Ich beugte mich vor und nahm ihre Hand, die freie, die nicht an Jonas' Arm lag. Ihre Finger waren ein wenig feucht. Sie drückte zurück. In diesem Druck lag die ganze Abmachung noch einmal, ohne dass wir sie wiederholen mussten: sie war hier, weil sie es wollte, ich war hier, weil ich es wollte, und der Mann hinter ihr wartete auf ihr Tempo.

Jonas küsste sie nicht auf den Mund. Das war eine der Regeln, die Miriam selbst gesetzt hatte, nicht aus Scham, sondern weil ihr Mund in diesen Nächten mir gehören sollte, als eine Linie, die sie ziehen wollte und die wir beide hielten. Er küsste sie unter dem Ohr, dann an der Seite des Halses, dann auf die Schulter, jeder Kuss eine Frage, die sie mit einem kleinen Neigen des Kopfes beantwortete. Ich hörte das leise Geräusch seiner Lippen auf ihrer Haut und das tiefere Geräusch ihres Atems. Draußen schlug eine Welle, einmal, und zog sich zurück.

Sie drehte sich in seinen Armen um, sodass ihr Rücken zu meiner Brust gezeigt hätte, wenn ich gestanden hätte, und ihr Gesicht zu ihm. Ich sah ihr Profil, die offene Linie des Mundes, die Wimpern. Sie legte Jonas die Hände auf die Brust und öffnete sein Hemd, Knopf für Knopf, ohne Eile. Darunter war er warm, die Haut ein wenig dunkler als ihre, das Haar auf der Brust kurz. Sie strich darüber, nicht um zu prüfen, sondern um zu spüren, und ich sah, wie sich ihre Schultern senkten, als hätte der Kontakt etwas in ihr gelöst, das den Abend über gehalten hatte.

Als sie seine Hose öffnete, sah sie kurz zu mir. Ich nickte. Nicht weil sie meine Erlaubnis brauchte, das hatten wir am Freitag geklärt, sie brauchte sie nicht, aber weil sie meinen Blick wollte, während sie ihn befreite. Sein Glied war schon hart, schwer in ihrer Hand, die Spitze dunkel. Sie umfasste ihn einmal, fest, und er atmete durch die Nase, ein kontrollierter Laut. Miriam lächelte nicht für uns. Sie war konzentriert, sinnlich auf eine Art, die nichts mit Vorführung zu tun hatte. Das hatte mich an den Abenden zuvor am meisten erregt: dass sie nicht für eine Rolle nackt war, sondern für ihre eigene Lust, und dass ich dabei sein durfte.

Sie ging auf die Knie, nicht auf den harten Boden, sondern auf das Kissen, das sie schon vor dem Essen neben das Bett gelegt hatte. Auch das war Absprache, eine kleine, praktische, die ich liebte, weil sie zeigte, dass wir an ihren Körper gedacht hatten und nicht nur an das Bild. Sie nahm Jonas in den Mund, langsam, die Lippen um die Spitze, dann tiefer, eine Hand an seinem Oberschenkel, die andere um das, was nicht in ihr war. Ich hörte das nasse, leise Geräusch und sah, wie ihre Wangen sich bewegten. Jonas legte eine Hand in ihr Haar, leicht, und fragte, ob der Druck stimmte. Sie löste sich kurz, sagte ja, und nahm ihn wieder auf.

Mein eigenes Glied drückte gegen die Hose, heiß, fast schmerzhaft in der Enge. Ich öffnete den Knopf, nicht um mich zu zeigen, sondern weil der Stoff zu viel war. Miriam hörte das kleine Geräusch und hob die Augen, ohne ihn aus dem Mund zu nehmen, und der Blick, den sie mir gab, ging mir durch den ganzen Körper. Darin lag Wissen. Sie wusste, was das mit mir tat. Sie wollte, dass ich es spürte. Ich legte die Hand um mich, noch über dem Stoff, und hielt nur, ohne zu reiben, weil ich noch nicht kommen wollte und weil das Halten selbst schon fast zu viel war.

Jonas' Atem wurde tiefer. Er sagte ihren Namen einmal, leise, und dann, dass er sie auf dem Bett haben wolle, wenn sie das auch wolle. Sie ließ ihn aus dem Mund gleiten, die Lippen glänzend, und stand auf. Ein Faden Feuchtigkeit zog sich kurz und riss. Sie wischte sich nicht verschämt den Mund. Sie kam zu mir, beugte sich herunter und küsste mich, lang, mit dem Geschmack von ihm noch auf der Zunge, salzig, fremd, und darunter ihr eigener Geschmack, den ich kannte. Die Regel hielt: ihr Mund kam zu mir. Ich küsste sie zurück, eine Hand in ihrem Nacken, und spürte, wie sie in den Kuss hinein seufzte, als wäre das der Punkt, an dem die Nacht für sie wirklich begann.

Sie flüsterte an meinen Lippen, dass sie ihn in sich haben wolle, jetzt, und dass ich bleiben solle, nah, ihre Hand in meiner, wenn ich konnte. Ich sagte, dass ich blieb. Jonas hatte inzwischen das Kondom aus der Schachtel auf dem Nachttisch genommen, dieselbe Schachtel, die wir am Freitag dort hingelegt hatten, sichtbar, nicht versteckt. Er rollte es über sich, sorgfältig, und Miriam sah zu, eine Hand noch an meiner Schulter. Als er fertig war, nickte sie. Kein Theater. Eine Überprüfung, die zu uns gehörte.

Sie legte sich auf das Bett, auf den Rücken, die Knie angewinkelt, und streckte die linke Hand zu mir aus. Ich zog den Stuhl näher, bis meine Knie das Laken berührten, und nahm ihre Hand. Jonas kniete sich zwischen ihre Schenkel. Er fragte noch einmal, mit dem Blick auf sie, nicht auf mich, ob er kommen dürfe. Sie sagte ja, und dann sagte sie langsamer, weil sie den ersten Stoß selbst führen wollte. Sie griff nach ihm, setzte die Spitze an ihre Mitte und zog ihn ein Stück herein, nur die Breite, die sie schon vertrug, ohne zu stocken.

Ich sah, wie sie sich um ihn öffnete. Die Haut dort war gerötet, glänzend jetzt, die inneren Lippen geschwollen von dem, was der Abend schon mit ihr gemacht hatte, und von den Nächten davor, die noch im Körper saßen. Sie atmete ein, hielt die Luft, und ließ ihn tiefer. Ein leiser Laut kam aus ihrer Kehle, kein Schrei, ein tiefes, zufriedenes Nachgeben. Jonas bewegte sich nicht von sich aus, bis sie die Hüften kippte und ihm damit sagte, dass er dürfe. Dann begann er, langsam, flach zuerst, dann länger, jeder Stoß so gesetzt, dass ich das Ein- und Ausgleiten sehen konnte, das Nachziehen ihrer Nässe auf dem durchsichtigen Gummi, den Widerstand und das Aufnehmen.

Miriams Hand in meiner wurde fester. Ich strich mit dem Daumen über ihre Knöchel und sah ihr ins Gesicht. Die Augen waren halb geschlossen, der Mund offen. Sie sagte meinen Namen, nicht seinen, in diesem ersten langen Augenblick, und das traf mich härter als der Anblick selbst. Ich beugte mich vor und küsste ihre Handfläche. Sie drehte das Gesicht zu mir, suchte meinen Mund, und ich gab ihn ihr, während Jonas in einem ruhigen Takt in sie stieß. Der Kuss war unordentlich, Atem und Zähne und ihr leises Stöhnen direkt in mich hinein.

Jonas fand einen Rhythmus, der nicht hastig war. Das Bett gab ein gedämpftes Geräusch, Holz auf Holz, gedämpft vom Teppich. Draußen antwortete der See in seinem eigenen Takt, der nichts mit uns zu tun hatte und uns trotzdem hielt. Miriam hob die Knie höher, die Fersen auf dem Laken, und öffnete sich mehr. Ich sah, wie Jonas' Bauch an ihren traf, wie ihre Brüste sich mit jedem Stoß bewegten, die Brustwarzen hart, die Haut am Hals fleckig vor Wärme. Sie roch nach sich selbst, nach Salz und nach dem warmen, süßlichen Duft, den ich kannte, wenn sie erregt war, und nach seiner Haut, die anders roch, nach Seife und einem fremden Schweiß, der mich nicht abstieß. Er gehörte zu dieser Nacht. Ich hatte ihn schon am Samstag gerochen, an ihrem Hals, als sie zu mir ins Bett gekommen war, und er hatte mich damals schon hart gemacht, schamvoll und klar zugleich.

Sie ließ meine Hand los, nur um sie anders zu nehmen, die Finger zwischen meine geschoben, und mit der freien Hand fuhr sie an ihrem eigenen Körper hinunter. Sie berührte sich dort, wo Jonas in sie ging, zwei Finger an der kleinen, geschwollenen Stelle über dem Eingang, kreisend, in dem Tempo, das sie brauchte und das er nicht erraten musste. Das hatten wir auch gesagt: sie durfte sich anfassen, wir durften zusehen, niemand nahm ihr diese Arbeit ab, wenn sie sie selbst tun wollte. Jonas sah hin, verlangsamte, damit sie den Kreis halten konnte, und fragte, ob der Winkel stimmte. Sie sagte tiefer, und er gehorchte, ein längerer Stoß, der sie die Augen ganz schließen ließ.

Ich öffnete meine Hose ganz und nahm mich in die Hand, Haut auf Haut jetzt, langsam, im Takt ihres Atems und nicht im Takt seiner Stöße, weil ich sonst zu schnell gewesen wäre. Die Eichel war nass. Jede Bewegung meiner Faust war eine Antwort auf das, was ich sah: ihre Finger, glänzend, sein Glied, das in ihr verschwand, ihr Bauch, der sich spannte. Ich sprach leise. Ich sagte, dass sie schön sei, nicht als Floskel, sondern weil das Wort in meinem Mund wahr war und weil sie es hören wollte, das hatte sie mir einmal gesagt, nachts zu Hause, lange vor diesem Wochenende. Sie öffnete die Augen und sah mich an, während ein anderer Mann in ihr war, und das Sehen war so nackt, dass ich einen Moment lang vergaß zu atmen.

Jonas beugte sich vor, stützte sich neben ihrer Schulter ab, und küsste ihre Brust, die linke, dann die rechte, die Zunge über die Brustwarze, saugend, vorsichtig mit den Zähnen, bis sie einen höheren Laut gab und die Hüften gegen ihn drückte. Er fragte, ob das zu viel sei. Sie sagte nein, genau so, und dann bat sie ihn, nicht zu kommen, noch nicht, sie sei nah und wolle es länger. Er nickte an ihrer Haut und verlangsamte wieder, tiefe, seltene Stöße, die sie ausfüllten und ihr Zeit ließen, sich selbst weiter zu reiben.

Ich sah, wie sich die Spannung in ihren Schenkeln aufbaute, dieses feine Zittern, das ich von unseren eigenen Nächten kannte und das hier nicht kleiner war, nur anders beleuchtet. Ihre Finger wurden schneller. Der Kreis wurde kleiner, fester. Sie biss sich auf die Unterlippe, ließ sie wieder los, nass, und sagte meinen Namen noch einmal, diesmal gebrochen. Ich beugte mich über sie und küsste sie, während sie kam. Der Orgasmus lief durch sie hindurch wie eine Welle, die ich in der Hand spürte, in dem krampfhaften Schließen ihrer Finger, in dem Stoßen ihrer Hüften gegen Jonas, in dem Laut, den sie in meinen Mund gab, lang, roh, ohne Worte. Jonas hielt still in ihr, tief, so wie sie es mit einem Druck ihrer Ferse an seinem Rücken verlangte, und ließ sie sich um ihn zusammenziehen. Ich sah die Muskeln an ihrem Bauch arbeiten, das Flattern, das Nachgeben, das zweite, kleinere Zucken, das oft kam, wenn der erste Höhepunkt noch nicht ganz vorbei war.

Sie lag danach einen Moment lang offen, atmend, die Augen feucht, nicht weinend, nur übervoll. Jonas bewegte sich nicht, bis sie die Hand von sich nahm und ihm an die Hüfte legte, ein Zeichen, dass er wieder dürfe. Er begann von neuem, vorsichtiger, und sie nahm es mit einem leisen, wunden Laut, der Lust und Empfindlichkeit zugleich war. Sie sagte, er solle kommen, wenn er wolle, sie wolle es sehen, und sie wolle, dass ich es auch sah. Jonas suchte meinen Blick, kurz, eine Höflichkeit, die ich nicht erwartet hatte und die ich mit einem Nicken beantwortete. Dann nahm er sein Tempo auf, fester jetzt, der Atem lauter, die Stirn feucht.

Miriam hielt meine Hand und sah zwischen uns hin und her, zwischen seinem Gesicht und meinem, als wolle sie beide Wahrheiten gleichzeitig behalten. Ich streichelte ihre Brust mit der freien Hand, die Brustwarze zwischen zwei Fingern, leicht, so wie sie es mochte, wenn sie schon gekommen war und die Haut zu hellhörig wurde. Sie drückte die Brust in meine Hand. Jonas stöhnte, ein tiefer, abgerissener Ton, und seine Stöße wurden kurz, unregelmäßig. Er sagte, dass er kam, und Miriam antwortete, ja, und hielt ihn mit den Beinen, während er in das Kondom stieß, das Gesicht an ihrer Schulter, der Körper hart und dann nachgebend. Ich sah, wie sich seine Rückenmuskeln spannten und lösten. Ich spürte nichts von ihm direkt, nur die Erschütterung durch ihren Körper in meiner Hand, und das war genug, um mich selbst an den Rand zu bringen. Ich ließ mich los, bevor ich kam. Noch nicht. Das hatte ich mit mir selbst abgemacht, still, als Teil der Nacht.

Jonas blieb einen Atemzug lang in ihr, dann zog er sich langsam zurück, eine Hand am Kondom, sorgfältig, damit nichts daneben ging. Er verknotete es, stand auf und ging ins Bad, ohne ein Wort, das den Moment größer machte als er war. Das Wasser lief kurz. Miriam lag auf dem Rücken und sah an die Decke, die Brust hebend und senkend, die Schenkel noch offen, die Haut zwischen ihnen gerötet und nass, ein Glanz, der im Lampenlicht lag wie etwas Helles auf dunklem Stoff. Ich strich ihr das Haar aus der Stirn. Sie drehte den Kopf und lächelte, klein, echt, müde an den Rändern und wach in der Mitte.

Sie fragte, ob es für mich noch stimmte. Nicht höflich. Wirklich. Ich sagte ja, und dass ich sie wollte, jetzt, wenn sie mich wollte, und dass Jonas gehen könne, so wie wir es gesagt hatten. Sie rief seinen Namen, leise, als er zurückkam, angezogen schon zur Hälfte, das Hemd offen. Sie sagte danke, und dann uns, das Wort, das die Terrasse meinte. Er nickte, sah mich an, nicht triumphierend, nicht klein, nur anwesend bis zum Ende seiner Rolle, und sagte, er sei im Gästezimmer, falls etwas gebraucht werde, und dass er am Morgen vor uns fahre, wie vereinbart. Die Tür schloss sich hinter ihm. Seine Schritte auf der Terrasse waren kurz, dann die andere Tür, dann Stille bis auf den See.

Miriam zog mich zu sich herunter. Ich zog die Hose aus, das Hemd, alles, und legte mich neben sie, nicht sofort auf sie, weil ich ihren Körper erst wieder als unseren spüren wollte, Haut an Haut, ohne den dritten Atem im Raum. Sie roch nach Sex und nach sich, und ich küsste ihren Mund, lange, bis der fremde Geschmack sich mit unserem mischte und dann verging. Sie legte ein Bein über meine Hüfte. Ihre Mitte war heiß an meinem Oberschenkel, nass, offen von dem, was gerade gewesen war, und das Wissen darum lief mir als Schauer über den Rücken, nicht als Kränkung, als Hitze, die wir beide kannten und die einen Namen hatte, den wir zu Hause nicht laut benutzten und hier nicht brauchten.

Sie sagte, sie wolle mich ohne etwas zwischen uns, so wie immer, weil das unsere Regel war und seine eine andere. Ich war schon hart, schmerzhaft hart, die Spitze nass gegen ihren Bauch. Ich fragte, ob sie wund sei. Sie sagte ein wenig, und dass sie mich trotzdem wollte, langsam, und dass sie es sagen würde, wenn es zu viel wurde, nicht mit dem großen Wort, das die ganze Nacht beendete, sondern einfach mit langsamer oder halt. Ich küsste sie dafür, für die Genauigkeit, und schob mich über sie, das Gewicht auf den Unterarmen, damit sie atmen konnte.

Sie führte mich selbst, wie sie ihn geführt hatte, aber die Geste war anders, vertrauter, die Hand um mich herum eine, die mich seit Jahren kannte. Die Spitze glitt durch ihre Nässe, einmal an der geschwollenen Stelle vorbei, und sie zuckte, ein helles, fast zu empfindliches Lachen in der Kehle, das kein Lachen war. Dann setzte sie mich an und ich drang ein, langsam, Zentimeter um Zentimeter, in eine Wärme, die weicher war als sonst und zugleich enger, weil sie noch nachzog von dem Orgasmus. Es gab keinen Widerstand von Gummi, nur Haut, nur sie, und der Unterschied war so groß, dass ich die Stirn an ihre senken und stillhalten musste, um nicht sofort zu kommen.

Sie flüsterte, dass ich bleiben solle, genau so, einen Moment. Ich blieb. Ihr Inneres pulsierte um mich, kleine, unwillkürliche Bewegungen, Nachklang. Ich küsste ihre Schläfe, ihre Wange, den Mund. Sie schmeckte nach Wein und nach Salz. Draußen schlug eine Welle gegen die Steine und zog sich zurück, und in diesem Zurückziehen begann ich mich zu bewegen, flach, kaum heraus, wieder hinein, ein Reiben mehr als ein Stoßen. Sie seufzte in meinen Mund und sagte, ja, so, und ihre Hände lagen flach auf meinem Rücken, nicht drängend, haltend.

Die Eifersucht, die unter dem Brustbein gesessen hatte, verwandelte sich nicht in nichts. Sie wurde zu einem scharfen, klaren Begehren, das mich tiefer in sie zog, sobald sie die Hüften entgegenhob und mir damit mehr gab. Ich spürte, wie nass sie war, wie leicht ich glitt, und ich dachte nicht weg von dem, was vorher gewesen war. Ich dachte hinein. Sie hatte ihn gewollt, und sie wollte mich, und beides war in diesem Körper, den ich kannte, und das machte mich nicht kleiner in ihr. Es machte den Moment dichter. Ich sagte ihr das, unbeholfen, in kurzen Sätzen, dass ich sie gesehen hätte, dass es mich hart gemacht hätte, dass ich sie jetzt ganz wollte. Sie antwortete, dass sie das gewusst habe, und dass sie mich auch ganz wollte, und dann zog sie die Knie höher und nahm mich tiefer auf, bis ich ganz in ihr war und wir beide einen Laut gaben, der nichts mehr erklärte.

Ich fand einen Takt, der länger wurde. Heraus bis fast zur Spitze, hinein bis zum Ansatz, langsam genug, dass ich jeden Zentimeter spürte, die Enge am Eingang, die weichere Tiefe, das Streichen ihrer Nässe an mir. Das Laken unter uns war schon warm und ein wenig feucht. Ihre Brüste drückten sich an meine Brust, die Brustwarzen hart, ein kleines Reiben bei jeder Bewegung, das sie sichtbar genoss, denn sie schob sich mir entgegen, um es zu verstärken. Ich nahm eine Brust in die Hand, hob sie, küsste die Brustwarze, saugte, und sie bog den Rücken durch, ein Bogen, der mich noch tiefer sitzen ließ.

Sie bat mich, die Hand zwischen uns zu legen. Ich stützte mich anders ab, schob die Finger dorthin, wo wir verbunden waren, und fand die kleine, pralle Stelle, nass von ihr, empfindlich. Ich rieb sie mit zwei Fingern, nicht schnell, im Takt meiner Stöße, und Miriams Atem brach. Sie sagte, nicht aufhören, und ich hörte nicht auf. Der Kreis, den sie vorhin selbst gezogen hatte, zog ich jetzt, und sie führte meine Hand mit ihrer einmal, ein wenig fester, ein wenig höher, dann ließ sie mich allein arbeiten und hielt sich an meinen Schultern fest.

Ihr zweiter Orgasmus kam anders als der erste, leiser, länger, ein Zittern, das in den Schenkeln begann und sich nach innen zog, um mich herum, in Wellen, die mich fast mitnahmen. Sie presste das Gesicht an meinen Hals und sagte meinen Namen, dreimal, jedes Mal brüchiger, und ich spürte, wie sie sich festzog und wieder löste, festzog und löste, während ich in ihr blieb und die Finger nicht wegnahm, nur leichter machte, als sie zu zucken begann vor Empfindlichkeit. Sie lachte einmal, atemlos, und sagte, dass es zu viel und genau richtig sei, und ich verstand das, weil ich ihren Körper kannte, und ich blieb in der Bewegung, klein jetzt, fast nur ein Pulsieren, bis die Wellen nachließen und sie unter mir weich wurde, schwitzend, die Haut salzig unter meinen Lippen.

Ich war so nah, dass das stille Liegen in ihr schon gefährlich war. Sie spürte es, an meinem Atem, an dem Zittern in meinen Armen, und sie flüsterte, ich solle kommen, in ihr, sie wolle es, jetzt. Ich fragte noch einmal, ein einziges Wort, ja, und sie sagte ja, klar, und küsste mich, während ich den Takt wieder aufnahm, tiefer, nicht wild, aber ohne das Halten, das ich mir vorher auferlegt hatte. Die Reibung war glatt und heiß. Jeder Stoß schob einen Laut aus mir, den ich nicht formte. Sie hielt mein Gesicht in beiden Händen und sah mich an, die Augen offen, und das Sehen war das, was mich über die Kante brachte, mehr noch als die Enge und die Nässe.

Ich kam in ihr, in langen, harten Stößen, die dann kurz wurden, das Gesicht an ihrem, der Laut gedämpft an ihrer Wange. Es zog sich aus mir heraus in Schüben, heiß, und ich spürte, wie sie mich aufnahm, wie sie die Beine um mich schloss und mich drinnen hielt, bis das Zucken nachließ und ich zitternd auf den Unterarmen über ihr hing, nicht mit dem ganzen Gewicht, aber nah genug, dass unsere Bäuche klebten. Eine Weile bewegte sich nichts außer unserem Atem und dem See draußen, der nichts davon wusste und trotzdem da war.

Ich blieb in ihr, bis ich weicher wurde und der Kontakt sich von selbst löste, ein langsames Herausgleiten, nass, mit einem kleinen Laut, der uns beide ein Lächeln kostete, müde und ohne Scham. Samen und ihre Nässe liefen warm an ihr entlang auf das Laken. Sie zuckte nicht weg. Sie legte die Hand auf meinen Nacken und hielt mich auf sich, Brust an Brust, bis mein Atem wieder einen normalen Weg fand. Ich küsste sie auf den Mundwinkel, dann auf die Stirn, dann auf die Stelle unter dem Ohr, die nach ihr roch und ein wenig nach mir.

Wir lagen so, bis die Haut zu kleben begann und die Luft aus dem Fenster kühl über unsere feuchten Rücken strich. Ich stand auf, holte das Handtuch, das wir am Freitag in Griffweite gelegt hatten, eine weitere kleine Absprache, und trocknete sie behutsam, zwischen den Beinen, an den Schenkeln, ohne zu reiben, wo sie empfindlich war. Sie beobachtete mich dabei mit einem Blick, der nichts forderte und alles sah. Ich trocknete mich selbst, warf das Tuch in den Korb und kam zurück unter das Laken, das wir bis zur Hüfte hochzogen, weil die Nacht kühler wurde und weil Nacktheit jetzt nicht mehr die Aufgabe hatte, zu erregen, sondern nur noch da zu sein.

Miriam legte den Kopf auf meine Brust. Ihr Haar kitzelte mein Kinn. Ich hörte den See und darunter, sehr fern, eine Tür im anderen Teil des Hauses, Jonas, der sich bewegte und dann still wurde. Das gehörte noch zur Abmachung: er schlief getrennt, er fuhr vor uns, wir sprachen am Morgen kurz und höflich und nicht über die Nacht, es sei denn, einer von uns wollte etwas klären. Miriam hatte gesagt, sie wolle am Morgen nichts klären müssen, wenn die Nacht sauber gewesen sei. Sie war sauber gewesen. Das Wort Genug war nicht gefallen. Niemand hatte sich versteckt.

Sie sprach zuerst, die Stimme rau vom Stöhnen und vom Wein. Sie sagte, dass es gut gewesen sei, und dass sie mich dabei gebraucht habe, nicht als Erlaubnis, als Gegenwart. Ich verstand den Unterschied, weil wir ihn am Freitag schon einmal versucht hatten zu sagen und er jetzt im Körper klarer war als im Satz. Ich sagte, dass ich geblieben sei, weil ich bleiben wollte, und dass der Anblick mich nicht zerstört habe, sondern näher gebracht, auf eine Art, die ich morgen auf der Autobahn vielleicht nicht werde erklären können und heute nicht erklären müsse. Sie lachte leise an meiner Haut, ein echtes Lachen, kurz, und sagte, die Autobahn verlange auch keine Erklärung, nur einen Fahrer, der ausgeschlafen sei.

Wir sprachen über die Abfahrt, praktisch, weil das Praktische nach der Hitze eine eigene Zärtlichkeit hatte. Der Koffer musste noch zu. Ihr Pullover lag obenauf, mein Hemd darunter, das hatten wir schon gesehen. Jonas würde gegen acht gehen, wir gegen neun, damit sich die Wagen nicht auf der schmalen Straße trafen, eine Kleinigkeit, die er selbst vorgeschlagen hatte und die wir angenommen hatten, nicht aus Feigheit, aus Ruhe. Miriam sagte, sie wolle noch einmal duschen, nicht jetzt, im Morgengrauen, und dass ich mitkommen dürfe, wenn ich wach sei, nur zum Wasser, nicht zu mehr, weil ihr Körper dann genug gehabt haben werde. Ich sagte, das sei eine gute Regel für den Morgen, und sie drückte die Zustimmung mit der Hand auf meinen Bauch, einmal, fest.

Die Lampe brannte noch. Ich löschte sie, und das Zimmer wurde zu Formen: das Fenster als helleres Rechteck, der See als ein dunkles Glänzen dahinter, ihr Körper als Wärme an meiner Seite. Meine Hand lag auf ihrer Hüfte. Unter der Haut spürte ich noch das Echo, in den Muskeln, in dem schweren, zufriedenen Ziehen zwischen meinen Beinen, in der Erinnerung an ihre Hand, die meine gehalten hatte, während ein anderer Mann in ihr war und sie meinen Namen sagte. Das Echo war nicht peinlich. Es war unseres. Wir hatten es verabredet, wir hatten es gehalten, und die Nacht war nicht aus dem Rahmen gebrochen, sondern hatte ihn ausgefüllt, bis an den Rand, und nicht darüber hinaus.

Miriam wurde schwerer an mir, der Atem länger, der Schlaf schon in den Gliedern, noch nicht im Gesicht. Sie murmelte, dass sie mich liebe, nicht als Schlusswort einer Szene, sondern so, wie sie es manchmal sagte, wenn sie halb weg war und die Wahrheit keinen Aufwand mehr kostete. Ich sagte es zurück, in ihr Haar, und meinte das Wochenende damit mit, nicht als Ersatz, als Teil: die Absprachen, das Ja am Freitag, das Ja heute Abend, das Wort, das nicht gesagt werden musste, Jonas' ruhige Hände, ihr Mund auf meinem, während sie kam, die Terrasse, die uns den Rest ließ. Alles davon gehörte zu dem Satz, auch wenn der Satz kurz blieb.

Draußen zog sich eine Welle zurück und kam wieder. Im Haus knackte Holz, wie Häuser knacken, wenn die Nacht kühler wird. Der Koffer an der Tür wartete. Der Morgen würde kommen, mit Kaffee und einer höflichen Tür und einer Straße, die uns nach Hause brachte, in unsere Küche, an unseren Tisch, wo wir vielleicht später, an einem anderen Abend, noch einmal sagen würden, was diese Nacht gewesen war, oder es einfach lassen würden, weil der Körper es schon gesagt hatte. Ich hielt Miriam, bis auch mein Atem lang wurde, und die letzte Nacht vor der Abreise schloss sich nicht mit einem Knall, sondern mit dem See, der gegen die Steine schlug, und mit zwei Menschen, die genau das getan hatten, was sie einander versprochen hatten, und die davon warm waren, nass an den Rändern der Erinnerung, und bereit, zu schlafen.

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