Die Küchenuhr in der Schublade
Für Frauen · 29 Minuten lesen · 39 Minuten hören
Gelesen von Lana Weiss
Teil 3 der Serie Ihre Lust (8)
Am Freitagabend legte ich die Küchenuhr in die Schublade und schob sie zu, bis das Holz leise gegen das Holz stieß. Elias stand am Tisch, die Hände auf der Stuhllehne, und sah mir zu, als warte er auf ein Zeichen, das wir beide schon kannten. Wir hatten es am Nachmittag besprochen, bei Tee und offenem Fenster, ohne Eile und ohne die halben Sätze, mit denen wir uns sonst manchmal aus der Affäre zogen. Dieses Wochenende gehörte meiner Führung. Er würde nicht den Takt setzen, nicht drängen und nicht nach der Zeit fragen.
Ich war zweiunddreißig, er fünfunddreißig, und wir kannten einander seit sechs Jahren gut genug, um zu wissen, dass Vertrautheit den Mut nicht ersetzt. Am Tisch hatte ich die Bedingungen noch einmal laut gemacht, weil sie im Raum stehen sollten und nicht nur in meinem Kopf. Er durfte jederzeit stoppen. Ich durfte jederzeit stoppen. Das Wort dafür war Pause, und Pause galt sofort, ohne Erklärung, ohne Nachfragen in dem Moment. Nichts, was wehtat, ohne dass wir es vorher so gewollt hatten. Kein Schweigen als Zustimmung. Wenn er etwas nicht wollte, reichte ein klares Wort, und dasselbe galt für mich.
Er hatte meine Hand genommen und sie an seine Lippen gelegt, nicht als Spiel, sondern als Versprechen. Drei Tage, hatte er gesagt, und seine Stimme war ruhig gewesen, fast erleichtert. Keine Uhr. Du bestimmst. Ich hatte genickt und gespürt, wie sich in meiner Brust etwas löste, das ich lange für Schüchternheit gehalten hatte und das eher die Gewohnheit war, zu warten, bis er den ersten Schritt tat.
Jetzt war die Uhr weg. Das Handy lag im Arbeitszimmer, Bildschirm nach unten, in der Schale, die wir sonst für Schlüssel benutzten. Die Wohnung roch nach dem Brot vom Morgen und nach dem Regen, der gegen die Scheiben schlug. Ich stand barfuß auf den Dielen und hörte meinen eigenen Atem. Das fehlende Ticken war schon eine Berührung, noch bevor eine Hand mich fand.
Komm her, sagte ich.
Er kam und blieb einen Schritt vor mir stehen, wie wir es ausgemacht hatten. Das Hemd hing halb offen, die Hose war dunkel, die Füße nackt. Sein Atem ging gleichmäßig, aber an seinem Hals sah ich den Puls. Ich legte die Hand flach auf seine Brust und spürte die Wärme durch den Stoff. Er bewegte sich nicht. Das Stillstehen war keine Pose. Es war die Entscheidung, mir den Raum zu lassen, und genau diese Entscheidung wollte ich sehen, nicht einen Mann, der so tat, als verstünde er ein Spiel, das wir nicht meinten.
Zieh das Hemd aus, sagte ich. Langsam.
Er öffnete die restlichen Knöpfe, einen nach dem anderen, und ließ den Stoff von den Schultern gleiten. Ich nahm ihm das Hemd ab und legte es über den Stuhl, weil ich die Klarheit brauchte, die eine ordentliche Geste mir gab. Seine Haut war warm. Die Linie vom Hals zur Brust kannte ich so gut, dass ich sie mit geschlossenen Augen hätte nachzeichnen können, und heute wollte ich die Augen offen halten. Ich strich mit den Fingerspitzen über sein Schlüsselbein, dann tiefer, über die Rippen, und hielt dort inne, wo sein Bauch unter der Berührung leicht einzog.
Hände hinter den Rücken, sagte ich leise.
Er tat es. Die Haltung machte seine Brust offener, und ich trat näher, bis mein Kleid seinen Bauch streifte. Ich küsste ihn nicht sofort. Ich atmete seinen Duft ein, Seife und Haut und der schwache Geruch von Regen, den er von draußen mitgebracht hatte, und ließ ihn warten, während meine Lippen noch einen Fingerbreit von seinem Hals entfernt blieben. Dann legte ich den Mund an die Stelle unter seinem Ohr, nicht fest, nur so, dass er die Wärme spürte, und hörte, wie sein Atem stockte.
Darf ich dich anfassen, fragte er.
Noch nicht.
Ich küsste die Schulter, dann die Mitte der Brust, und meine Hände blieben an seinen Seiten, die Daumen langsam kreisend. Er stand still, und das Stillstehen kostete ihn sichtbar Mühe. Zwischen meinen Beinen wurde ich feucht von diesem Anblick, noch bevor er mich richtig berührt hatte, und das überraschte mich nicht. Den ganzen Tag hatte ich daran gedacht, wie es sich anfühlen würde, nicht zu raten und nicht zu warten, sondern zu sagen, was ich wollte, und gehört zu werden.
Ich löste den Knoten meines Wickelkleides selbst. Der Stoff fiel auseinander, und darunter trug ich nichts als Haut und die Entscheidung, so vor ihn zu treten. Sein Blick ging nach unten, dann zurück zu meinem Gesicht, und er schluckte. Die kühle Luft der Wohnung legte sich auf meine Brüste, auf den Bauch, auf die Scham, und ich ließ ihn sehen, dass ich nicht auswich.
Sieh mich an, sagte ich. Nicht nur den Körper. Mich.
Er sah mich an. In seinem Blick lag Hunger und etwas Weicheres, eine Frage, die er nicht stellte, weil wir die Antwort schon hatten. Ich nahm eine seiner Hände, die hinter dem Rücken gelegen hatte, und legte sie auf meine Taille. Nur die eine. Die andere blieb, wo sie war.
So, sagte ich. Nur hier. Bis ich mehr sage.
Seine Hand war groß und warm. Der Daumen strich einmal über meine Haut, dann hielt er still, weil ich nicht gesagt hatte, dass er streichen durfte. Ich lächelte, und das Lächeln fühlte sich in meinem Gesicht neu an, nicht schüchtern, sondern klar. Gut, sagte ich. Komm mit ins Schlafzimmer.
Das Bett war frisch bezogen, die Decke zurückgeschlagen, die Vorhänge zugezogen. Eine Lampe brannte niedrig auf der Kommode, kein Licht von einem Display, keine rote Ziffer irgendwo im Raum. Ich wusste nicht, wie spät es war, und das Nichtwissen legte sich wie ein zweites Kleid über mich. Ich setzte mich auf die Bettkante und bedeutete ihm, vor mir stehen zu bleiben.
Hose aus, sagte ich. Und dann kniest du dich.
Er zog die Hose aus, die Shorts danach, und legte beides auf den Stuhl am Fenster. Dann kniete er sich auf den Teppich zwischen meine Knie. Sein Schwanz war schon hart, schwer gegen den Oberschenkel, die Eichel dunkel und glänzend an der Spitze. Ich sah hin, ohne Eile, und ließ ihn sehen, dass ich hinsah. Er errötete am Hals. Das gefiel mir mehr, als ich erwartet hatte, nicht weil ich ihn bloßstellen wollte, sondern weil sein Körper die Wahrheit sagte, bevor ein Satz sie hätte glätten können.
Ich spreizte die Beine ein wenig und lehnte mich auf die Hände zurück. Die Luft traf meine Scham, und ich spürte, wie offen ich schon war, wie die Feuchtigkeit an den inneren Lippen kühlte und zugleich wärmte. Ich hatte mich den ganzen Nachmittag nicht angefasst. Ich hatte gewartet, bis er vor mir kniete und auf mein Wort wartete, und dieses Warten gehörte jetzt mir, nicht einer Gewohnheit, die ich nicht gewählt hatte.
Mund auf meine Haut, sagte ich. Oberschenkel. Innen. Langsam nach oben. Nicht weiter, als ich es sage.
Er beugte sich vor und küsste die Innenseite meines linken Oberschenkels, knapp über dem Knie. Seine Lippen waren zuerst trocken, dann feuchter, wo er die Zunge kurz einsetzte und wieder zurücknahm. Er arbeitete sich höher, Kuss um Kuss, und zwischen den Küssen lag seine Wange an meiner Haut, bartstoppelig, ein leichtes Kratzen, das mich zusammenzucken ließ, nicht vor Schmerz, vor Aufmerksamkeit. Ich atmete aus und legte eine Hand in sein Haar, nicht um ihn zu ziehen, nur um da zu sein.
Langsamer.
Er wurde langsamer. An der Stelle, wo der Oberschenkel weich in die Leiste übergeht, hielt er inne und sah auf. Ich nickte einmal. Er küsste dort, offen, mit mehr Mund, und ich spürte seinen Atem direkt an meiner Scham, heiß und ungleichmäßig. Mein Körper schob sich ihm entgegen, eine kleine, gierige Bewegung, die ich nicht versteckte. Ich wollte, dass er sie sah. Ich wollte, dass nichts an diesem Wochenende erraten werden musste, was sich sagen ließ.
Jetzt, sagte ich. Leck mich so, wie ich es mag. Du weißt es. Und du hörst auf, wenn ich Pause sage oder wenn ich stopp sage.
Er wusste es. Seine Zunge legte sich flach über meine äußeren Lippen, ein langer Strich von unten nach oben, nicht sofort auf die Klitoris, sondern darum herum, so wie ich es ihm vor Monaten gezeigt hatte, an einem Abend, an dem ich zum ersten Mal laut gesagt hatte, was ich brauchte. Heute war das Zeigen schon geschehen. Heute durfte ich empfangen und lenken, und beides zugleich fühlte sich nicht wie Arbeit an, sondern wie eine Öffnung.
Er leckte langsam, breit, dann spitzer, die Zungenspitze an der Seite der Klitoris, nicht oben drauf, weil direkt zu viel war, wenn ich schon so erregt war. Ich stöhnte, kurz und tief, und die Hand in seinem Haar schloss sich. Er reagierte nicht mit mehr Druck. Er blieb bei dem, was ich ihm erklärt hatte: gleichmäßiger Rhythmus, feucht, geduldig, die Lippen weich um mich, kleine Kreise links, dann eine Pause im Atem, dann wieder. Ich spürte, wie die Wärme sich in meinem Becken sammelte, wie meine Schenkel zu zittern begannen, wie das nasse Geräusch seines Mundes lauter wurde als der Regen.
Finger, sagte ich. Zwei. Langsam rein.
Er führte zwei Finger ein, vorsichtig, und ich war so nass, dass sie leicht glitten, bis zum Ansatz. Er krümmte sie leicht nach vorn und suchte die Stelle, die mich enger machte. Er fand sie. Ich keuchte und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Die Lampe malte ein warmes Dreieck an die Decke. Irgendwo tickte nichts, und das fehlende Ticken war in diesem Moment lauter als mein Stöhnen.
Nicht schneller, sagte ich, obwohl mein Körper genau das wollte. Bleib so. Mund und Finger. Gleichmäßig.
Er blieb so. Die Zeit, wenn es Zeit war, dehnte sich, und ich hörte auf, sie messen zu wollen. Ich hörte das feuchte Gleiten seiner Finger, meinen eigenen Atem, einmal ein leises Stöhnen von ihm, gedämpft an meiner Haut. Sein Schwanz stand zwischen seinen Schenkeln, unberührt, und ein Tropfen glänzte an der Spitze. Ich hätte ihn anfassen können. Ich tat es nicht. Das Warten gehörte auch ihm, nicht als Strafe, sondern als Teil dessen, was wir uns gegeben hatten, und ich wollte, dass er die Schwere davon spürte und die Lust darin.
Die Spannung stieg in Wellen, nicht in einer geraden Linie. Einmal wurde es fast zu viel, ein scharfes Ziehen, das ins Zu-viel kippte, und ich sagte leichter, und er wurde leichter, die Zunge nur noch ein Hauch, die Finger still in mir. Ich atmete, die Hand locker in seinem Haar, bis das Zu-viel sich in ein Richtig verwandelte. Dann sagte ich wieder, und er nahm denselben Rhythmus auf, nicht ehrgeiziger, nicht schneller, um mich zu überholen. Das Vertrauen darin machte mich noch nasser. Ich spürte es an seinen Fingern, an dem leichten Widerstand, wenn er sie ein Stück herauszog und wieder schob, an der Art, wie mein Körper ihn festhielt.
Ich wollte den Rand lange halten, weil das Wochenende lang war und niemand uns holen würde. Also zog ich ihn an den Haaren ein wenig zurück, als der Orgasmus zu nah kam, und er löste den Mund sofort, die Lippen glänzend, die Augen dunkel und fragend. Seine Finger blieben in mir, still, bis ich sagte raus, und dann lagen seine Hände auf meinen Knien, warm und schwer, und er kniete und wartete.
Warte, sagte ich. Meine Stimme war heiser. Nicht bewegen.
Ich saß offen da, pochend, die Luft kühl auf der feuchten Haut, und sah ihn an. Mein Herz schlug bis in die Kehle. Zwischen meinen Beinen zog sich alles zusammen um die Leere, die seine Finger hinterlassen hatten, und diese Leere war selbst eine Berührung, fast so deutlich wie seine Zunge. Ich hätte ihn sofort zurückholen können. Ich tat es nicht, eine Weile, nur um zu spüren, dass die Entscheidung bei mir lag und dass er sie aushielt, ohne mich zu drängen.
Wie fühlt es sich an, zu warten, fragte ich.
Schwer, sagte er. Gut. Ich will dich. Ich warte.
Seine Stimme war rau und ohne Theater. Ich glaubte ihm, weil sein Körper dasselbe sagte: die Spannung in den Schultern, der Schwanz, der unberührt blieb, der Blick, der nicht auswich und nicht bettelte. Gut, sagte ich, und das Wort war kein Lob von oben herab, sondern eine Bestätigung, dass wir noch in dem waren, was wir am Nachmittag beschlossen hatten.
Ich stand auf, und er blieb knien, bis ich sagte, er dürfe aufstehen. Im Bad wusch ich mir das Gesicht mit kaltem Wasser, nicht um abzukühlen, sondern um mich zu spüren, die Tropfen am Kinn, den Geschmack von nichts als Wasser. Im Spiegel sah ich eine Frau mit geröteten Wangen und einem Blick, der nicht zur Seite ging. Ich trocknete mich ab und ging zurück. Er stand am Fußende des Bettes, nackt, die Hände an den Seiten, und hatte sich nicht angefasst. Das sah ich, und es rührte mich auf eine Art, die die Lust nicht kleiner machte.
Leg dich hin, sagte ich. Auf den Rücken. Arme über dem Kopf. Du fasst mich nicht an, bis ich es sage. Du fasst dich nicht an.
Er legte sich hin. Die Matratze gab nach, das Laken kühl unter seinem Rücken. Seine Arme ruhten auf dem Kissen, die Handgelenke gekreuzt, nicht gebunden, nur abgelegt, weil Fesseln nicht Teil unserer Absprache waren und ich keine brauchte. Sein Schwanz lag auf seinem Bauch, dick, die Haut gespannt, die Eichel feucht. Ich kniete mich neben ihn und betrachtete ihn ohne Eile, die Hand auf seinem Oberschenkel, still, bis sein Atem sich dem meinen anglich.
Ich will dich in mir, sagte ich. Aber ich setze mich auf dich, wenn ich so weit bin. Du bewegst die Hüften nicht, außer ich bitte darum. Wenn es zu viel wird, sagst du Pause. Dasselbe gilt für mich.
Ja, sagte er.
Ich strich mit der flachen Hand über seinen Bauch, um den Schwanz herum, nicht darüber, und sah, wie die Muskeln unter der Haut arbeiteten. Dann beugte ich mich hinunter und nahm ihn in den Mund, nur die Spitze, langsam, die Zunge unter der Eichel, wo er empfindlich war. Er schmeckte salzig und nach Haut. Er stöhnte, ein tiefer Laut, und seine Hüften zuckten einmal, bevor er sie wieder in die Matratze drückte. Ich nahm das als Erfolg, nicht als Ungehorsam. Ich nahm ihn etwas tiefer, nicht bis zum Anschlag, nur so weit, wie es mir leicht fiel, und bewegte den Kopf in einem ruhigen Takt, die Hand um den Schaft, feucht von meinem Speichel.
Ich mochte, dass ich entschied, wie tief, wie lange, wann ich aufhörte. Ich mochte das Gewicht auf meiner Zunge und den Laut, den er nicht zurückhielt. Ich hörte auf, bevor er zu nah kam. Das sah ich an seinem Atem, an der Art, wie seine Finger sich ins Kissen krallten, an dem Zittern in seinem Bauch. Ich setzte mich auf und wischte mir mit dem Handrücken über den Mund, nicht verschämt, nur praktisch.
Noch nicht, sagte ich. Ich will dich hart, wenn ich mich auf dich setze. Aber ich will zuerst noch einmal deinen Mund.
Ich schwang ein Bein über ihn und kniete über seinem Gesicht, die Hände an der Wand über dem Bett, und senkte mich langsam, bis seine Lippen meine Scham berührten. Nur die Zunge, sagte ich. Hände bleiben, wo sie sind.
Er leckte nach oben, und der Winkel war anders, direkter, seine Nase an meinem Schambein, sein Atem heiß gegen mich. Ich rieb mich leicht an seinem Mund, nicht grob, in dem Rhythmus, den mein Körper vorgab, und diesmal ließ ich die Welle kommen, ohne sie zurückzuhalten. Sie baute sich schnell auf, weil ich schon einmal am Rand gewesen war und weil sein Mund genau dort blieb, wo ich ihn haben wollte. Ich sagte seinen Namen, einmal, dann noch einmal, und kam auf seiner Zunge.
Der Orgasmus begann in der Klitoris und setzte sich nach innen fort, pulsierend, lang, so dass meine Schenkel zitterten und ich seine Wangen benetzte. Er machte weiter, gleichmäßig, nicht wilder, bis ich genug sagte und mich ein Stück anhob. Ich blieb einen Moment über ihm, keuchend, die Stirn an der Wand, und spürte das Nachbeben in den Oberschenkeln, im Bauch, in den Händen, die sich flach gegen die kühle Wand drückten. Unter mir lag sein Atem, schnell, und ich hörte ihn schlucken.
Ich rutschte an seinem Körper hinunter, Brust an Brust, und küsste ihn. Ich schmeckte mich auf seinen Lippen, salzig und ein wenig süß, und er küsste zurück, offen, hungrig, die Arme noch immer über dem Kopf, bis ich flüsterte, jetzt darfst du mich halten. Seine Arme kamen um mich, fest, und für einen Augenblick war es nur das: Haut auf Haut, sein Herz unter meinem, der Regen an der Scheibe, kein Wort, das etwas erklären musste. Dann spürte ich seinen Schwanz an meinem Bauch, immer noch hart, und das Verlangen kehrte zurück, nicht als Rest, sondern als neuer Hunger, der durch den ersten Höhepunkt nicht kleiner geworden war.
Ich setzte mich auf, griff zwischen uns und führte ihn an meinen Eingang. Die Eichel teilte mich, heiß und glatt, und ich sank langsam, ein Stück, dann noch eines, bis er ganz in mir war und ich auf seinen Hüften saß, ausgefüllt, gedehnt auf eine Art, die genau an der Grenze zwischen viel und genau richtig lag. Wir stöhnten beide. Ich blieb still, die Hände auf seiner Brust, und gewöhnte mich an ihn, an das Pochen in mir, an das Gewicht meines eigenen Körpers, an die Tatsache, dass ich saß und er lag und dass diese Ordnung heute von mir kam.
Nicht bewegen, sagte ich. Ich bewege mich.
Ich hob mich und senkte mich, langsam, den ganzen Weg, sodass er fast herausglitt und dann wieder tief kam. Jeder Weg nach unten traf eine Stelle in mir, die nach dem ersten Orgasmus empfindlich und zugleich bereit war. Ich fand einen Takt, der nicht hetzte: heben, sinken, kreisen, wenn er ganz in mir war, damit meine Klitoris an seinem Schambein rieb. Das Reiben war zuerst zu leicht, dann genau richtig, ein steter Funke neben der tieferen Fülle. Er hielt meine Hüften nicht, weil ich es noch nicht erlaubt hatte. Seine Hände lagen auf dem Laken, zu Fäusten geschlossen, und ich sah ihm ins Gesicht, den offenen Mund, die Konzentration, die Anstrengung, stillzuhalten.
Sieh mich an, sagte ich, und er sah mich an, und das Sehen war selbst ein Teil der Berührung.
Eine seiner Hände hob sich, fragend, auf halbem Weg zu meiner Brust, und blieb in der Luft. Ich nickte. Er umfasste eine Brust, den Daumen über die Brustwarze, leicht, so wie ich es mochte, nicht kneifend. Die doppelte Empfindung, ihn in mir und seine Hand an meiner Brust, zog einen Laut aus mir, den ich nicht dämpfte. Die Wohnung war unser. Niemand musste leise sein, und ich wollte meine eigene Stimme hören, weil sie zu dem gehörte, was ich heute nicht mehr klein machte.
Du darfst die Hüften halten, sagte ich. Und du darfst mir entgegenkommen. Langsam. Mit mir, nicht gegen mich.
Seine Hände legten sich an meine Hüften, warm, fest genug, um da zu sein, nicht fest genug, um zu führen. Er hob sich mir entgegen, vorsichtig zuerst, dann im gleichen Takt, und die Reibung wurde tiefer, voller. Ich beugte mich vor, die Hände neben seinem Kopf, und küsste ihn zwischen den Atemzügen, unordentlich, die Zähne leicht an seiner Unterlippe. Schweiß sammelte sich zwischen meinen Brüsten und auf seinem Bauch. Das Laken unter uns war schon feucht. Ich roch uns, Haut und Sex und das saubere Baumwollaroma der Bettwäsche, das langsam darunter verschwand.
Einmal wurde er schneller, nur ein wenig, aus dem Körper heraus, nicht aus Absicht, und ich legte die Hand flach auf seine Brust und sagte mein Takt. Er wurde sofort langsamer. Entschuldigung, sagte er, heiser, und ich schüttelte den Kopf, den Mund an seinem. Nicht entschuldigen. Hören. Du hörst. Das reicht.
Das reichte wirklich. Die Korrektur kostete nichts von der Lust. Sie machte sie genauer. Ich bewegte mich wieder, und er folgte, und das Folgen fühlte sich nicht klein an, weder an ihm noch an mir. Es fühlte sich an wie eine Form von Aufmerksamkeit, die ich jahrelang für selbstverständlich gehalten hatte, wenn er sie mir gab, und die ich heute zurückgab, indem ich sie verlangte.
Ich wurde etwas schneller, nur so viel, dass der Takt in meinem Blut ankam. Meine Brüste bewegten sich mit mir. Sein Daumen blieb leicht auf der Brustwarze, und die andere Hand lag ruhig an meiner Hüfte, ein Gegengewicht, kein Steuer. Ich suchte den Winkel, kippte das Becken, fand die Stelle, an der jeder Kreis einen hellen Punkt in mir traf, und sagte da, bleib da. Er blieb in dem Winkel, stieß kurz und gleichmäßig von unten, während ich mich auf ihm bewegte, und ich spürte, wie der zweite Orgasmus sich breiter aufbaute als der erste, aus der Tiefe, nicht nur von der Klitoris.
Er kam über mich als ein Ziehen, das mich eng um ihn machte, Welle um Welle. Ich hörte mich selbst, hoch und dann tief, und hielt mich an seinen Schultern fest, die Stirn an seiner, die Augen offen, weil ich ihn sehen wollte, während es durch mich ging. Er bewegte sich nicht schneller. Er hielt den Takt, den ich gebraucht hatte, bis es abebbte und ich auf ihm zusammensank, zitternd, ein kurzes Lachen in der Kehle, nicht vor Witz, vor Überraschung, dass es so deutlich gewesen war und dass ich es nicht hatte verstecken müssen.
Nicht aufhören, sagte ich an seinem Hals. Ich will, dass du auch kommst. Aber warte, bis ich es sage. Beweg dich weiter, langsam.
Er bewegte sich weiter, flache Stöße, während ich auf ihm lag und die Nachwehen ritt. Jedes Gleiten war eine halbe Berührung zu viel und genau genug. Ich spürte, wie er dicker wurde, wie sein Atem rauer wurde, wie seine Hand an meinem Rücken sich öffnete und schloss, als müsse er sich an etwas halten, das nicht meine Erlaubnis überschritt. Innen war ich empfindlich, eng, noch nass von mir und von dem, was wir taten, und das Pulsieren ebbte nicht ganz ab. Es wurde zu einem zweiten, leiseren Glühen, das seine Bewegung nährte.
Ich richtete mich wieder auf, immer noch mit ihm in mir, und legte die Hände auf seine Brust. Jetzt darfst du schneller, sagte ich. Ich will es sehen. Sieh mich an, wenn du kommst. Wenn du Pause brauchst, sagst du es. Sonst will ich dich ganz.
Er stieß schneller, von unten, und ich nahm ihn, die Schenkel fest an seinen Seiten, den Rücken gerade genug, um seinem Gesicht nicht auszuweichen. Es dauerte nicht lange. Sein Blick wurde unscharf und dann wieder scharf, auf mich gerichtet, und er sagte meinen Namen, Mara, einmal, warnend und bittend zugleich. Ich sagte ja, jetzt, und er kam, tief in mir, die Hüften hochgedrückt, ein langer, gepresster Laut, die Hände an meinen Hüften, nicht zu fest. Ich spürte das Pulsieren, heiß, und blieb sitzen, bis es vorbei war und er unter mir weicher wurde, Atem für Atem, die Augen noch offen, wie ich es verlangt hatte.
Ich blieb auf ihm, bis er herausglitt, und legte mich neben ihn, ein Bein über seines, die Hand auf seinem Herzen. Wir sprachen eine Weile nicht. Der Regen hatte nachgelassen oder sich nur entfernt, ein gleichmäßiges Rauschen ohne Maß. In der Stille hörte ich uns, das Klebrige der Haut, wo Bauch an Bauch gelegen hatte, das leise Nachgeben der Matratze, seinen Atem, der sich beruhigte und dann wieder unruhig wurde, als ich mit dem Daumen über seine Brustwarze strich, nur einmal, zum Prüfen, nicht zum Weiterführen.
Wasser, fragte er irgendwann.
Ja, sagte ich. Und dann kommst du zurück. Das hier ist nicht vorbei, weil wir gekommen sind. Es ist vorbei, wenn ich sage, dass wir schlafen, oder wenn einer von uns Pause sagt und dabei bleiben will.
Er lachte leise, nicht spöttisch, und stand auf. Ich hörte ihn in der Küche, das Glas, den Hahn, das kurze Zögern, in dem er vielleicht zur Schublade gesehen hatte und nicht hingesehen hatte. Als er zurückkam, trank ich, das Wasser kalt und klar, und gab ihm das Glas zurück. Er setzte sich an den Bettrand und strich mir eine feuchte Strähne aus der Stirn, eine Berührung, die ich nicht befohlen hatte und die ich zuließ, indem ich den Kopf einen Zoll in seine Hand legte.
Wie spät ist es, fragte er, und dann schüttelte er den Kopf über sich selbst. Vergiss die Frage.
Es ist die Zeit, die ich sage, antwortete ich, und es klang weniger streng, als ich es mir am Nachmittag vorgestellt hatte, eher warm. Es ist die Zeit danach. Leg dich her.
Er legte sich her. Ich drehte mich auf die Seite, den Rücken an seine Brust, und seine Hand lag auf meinem Bauch, still, bis ich sie tiefer schob, zwischen meine Beine, nicht um sofort weiterzumachen, sondern um gehalten zu werden, dort, wo ich noch empfindlich war und nass von uns beiden. Seine Finger ruhten, ohne zu reiben. Ich atmete in diese Ruhe hinein und merkte, dass die Ruhe selbst erregend blieb, ein leises Glühen, das nicht gelöscht werden musste, um wahr zu sein.
Ich weiß nicht, wie lange wir so lagen. Das war der Punkt, und ich wiederholte ihn nicht laut, weil er schon im Körper saß. Irgendwann drehte ich mich zu ihm und küsste ihn langsam, ohne Ziel zuerst, nur Mund auf Mund, Zungen, die sich fanden und wieder trennten. Seine Hand wanderte meinen Rücken hinauf und wieder hinunter, und ich erlaubte es mit einem Laut, der ja bedeutete. Das Begehren kehrte nicht als Sturm zurück, sondern als Wärme, die sich ausbreitete, von den Lippen in die Brust, in den Bauch, zwischen die Beine, wo ich anfing, mich seiner Hand entgegenzuschieben, noch ohne ein neues Ziel zu nennen.
Noch einmal, sagte ich. Anders. Ich will auf dem Bauch liegen, und du kommst von hinten, langsam, und du fragst, bevor du schneller wirst. Deine Hand darf unter mich, leicht, an der Klitoris, nicht fest. Wenn ich genug sage, hörst du auf zu reiben und bleibst in mir, bis ich etwas anderes sage.
Ja, sagte er.
Ich legte mich auf den Bauch, ein Kissen unter der Hüfte, die Arme vor mir, das Gesicht zur Seite gedreht, sodass ich ihn sehen konnte, wenn er sich über mich beugte. Das Laken roch nach uns und nach frischer Wäsche zugleich, eine Mischung, die ich nicht hätte beschreiben wollen und die ich trotzdem genau kannte. Er kniete sich zwischen meine Beine und küsste meinen Nacken, die Wirbelsäule hinunter, jede Vertiefung zwischen den Schulterblättern, die Stelle am unteren Rücken, an der ich empfindlich bin und die er kannte. Seine Lippen waren warm. Sein Atem strich über die feuchte Spur, die der Kuss hinterließ, und ich erschauerte, nicht vor Kälte.
Er küsste weiter, bis er an meinem Steiß ankam, und seine Hände legten sich an meine Pobacken, fragend, ohne sie schon zu öffnen. Ich sagte ja, da auch, nur küssen, nicht mehr, und er teilte mich vorsichtig und küsste mich dort, wo ich es selten verlangte und heute verlangte, weil die Absprache mir den Mut gab, auch das Ungewohnte zu wollen. Seine Zunge war vorsichtig, warm, ein Schauer lief mir über den Rücken, halb Scheu, halb Lust, und die Scheu löste sich, weil nichts davon heimlich war. Ich hatte es gesagt. Er hatte ja gesagt. Das reichte, um den Atem tief zu machen statt eng.
Genug, sagte ich nach einer Weile, die sich weich anfühlte. Jetzt in mir. Langsam.
Er führte sich ein, von hinten, und der Winkel war tief und anders, ein Druck nach vorn, gegen die Vorderwand, und ich stöhnte in das Kissen und dann dagegen, weil ich den Laut hören wollte. Er bewegte sich langsam, wie gebeten, lange Züge, fast heraus, dann wieder ganz hinein, und eine Hand schob sich unter mich, zwischen meine Beine, zwei Finger an meiner Klitoris, leicht kreisend.
So, fragte er.
So. Nicht fester. Bleib dabei.
Wir fanden einen langen, wiegenden Rhythmus. Ich drückte mich ihm entgegen, wenn er kam, und lag stiller, wenn ich nur fühlen wollte. Sein Mund war an meiner Schulter, sein Atem in meinem Haar, das schon feucht an den Schläfen klebte. Draußen fuhr einmal ein Auto vorbei, Reifen auf nassem Asphalt, und das Geräusch gehörte nicht zu uns und störte nicht. Ich dachte an die Uhr in der Schublade, kurz, wie an einen Gegenstand, der seine Arbeit für heute getan hatte, indem er schwieg, und dann dachte ich nicht mehr an sie, weil sein Körper in meinem genug war.
Schneller, sagte ich irgendwann. Ein wenig. Und die Finger bleiben leicht.
Er wurde schneller, der Takt kürzer, das Geräusch unserer Körper deutlicher, Haut auf Haut, das feuchte Gleiten, sein leises Stöhnen an meinem Ohr. Ich griff nach hinten und hielt seinen Oberschenkel, nicht um ihn zu bremsen, um verbunden zu bleiben. Der nächste Orgasmus baute sich langsamer auf als die beiden davor, tiefer im Körper, und ich musste ihn suchen, die Hüften kippen, bis der Winkel stimmte. Dann war er da, nicht als Blitz, sondern als eine Reihe von Zuckungen, die mich um ihn schlossen. Ich sagte ich komme, bleib, bleib, und er blieb im Takt, bis ich die Hand auf seine legte und sie stillhielt, weil die Klitoris zu empfindlich wurde, während innen noch alles pulsierte.
Er war noch hart in mir. Ich spürte es und wollte ihn noch, aber nicht in diesem Winkel, nicht mit demselben Druck, und ich sagte das, statt es zu ertragen und später zu bereuen.
Raus, sagte ich sanft. Leg dich hin. Ich will dich im Mund, bis du kommst. Du darfst meine Haare halten, nicht drücken. Sag mir, wenn du nah bist.
Er zog sich zurück, legte sich auf den Rücken, und ich kniete mich zwischen seine Beine und nahm ihn in den Mund. Er schmeckte nach mir und nach sich, ein Gemisch, das von dem kam, was wir gerade getan hatten, und das mich nicht abstieß, sondern noch einmal warm machte zwischen den Beinen, ein Nachglühen, das keine neue Forderung stellte. Ich bewegte die Hand und den Mund zusammen, gleichmäßig, und sah zu ihm auf. Seine Hand lag in meinem Haar, leicht, die Finger gespreizt, und er sah mich an, mit offenem Gesicht, ohne die Lust zu verstecken und ohne sie zu spielen.
Mara, sagte er, heiser. Ich bin nah.
Ich nahm ihn nicht aus dem Mund. Ich nickte, so gut es ging, und blieb bei ihm, und er kam, warm und salzig auf meiner Zunge, die Hüften kaum gehoben, ein Laut, der in seiner Brust blieb und dann herausbrach. Ich schluckte, weil ich es in diesem Moment wollte, nicht aus einer Pflicht, die niemand ausgesprochen hatte, und leckte ihn langsam sauber, bis er zusammenzuckte vor Empfindlichkeit und ich aufhörte.
Ich legte den Kopf auf seinen Oberschenkel und atmete. Seine Hand strich über mein Haar, immer wieder, dieselbe Bewegung, als hätte auch er einen Takt gefunden, der nicht hetzte. Im Zimmer roch es nach Sex und nach der Hautcreme auf dem Nachttisch, ein ferner, sauberer Duft unter allem anderen. Meine Knie brannten ein wenig vom Teppichrand, den ich gestreift hatte, und dieser kleine, gewöhnliche Schmerz gehörte zum Körper dazu, ohne die Lust zu kommentieren. Ich richtete mich auf, als ich bereit war, und nicht früher.
Komm her, sagte er, und dann, leiser, korrigierend: Darf ich dich herbitten?
Ich lächelte an seiner Haut, bevor ich antwortete. Ja.
Ich rutschte hinauf und legte mich in seinen Arm. Meine Wange an seiner Brust, sein Kinn auf meinem Scheitel. Die Lampe brannte noch. Ich hatte keinen Wunsch, sie auszumachen. Dunkelheit konnte warten, bis ich sie wollte, und auch das war eine kleine Form derselben Sache: nicht der Raum entschied, nicht die Gewohnheit, nicht eine Uhr, die irgendwo noch lief, ohne dass wir sie hörten.
War das so, wie du es wolltest, fragte er.
Ich dachte nach, nicht aus Höflichkeit, sondern weil die Frage eine echte war und eine echte Antwort verdiente. Ja, sagte ich. Nicht weil alles neu war. Weil ich nicht warten musste, bis du erraten hast, was ich will. Weil du gewartet hast, wenn ich warte gesagt habe. Weil du langsamer geworden bist, als ich mein Takt gesagt habe, ohne dass daraus ein Streit wurde. Das hat mich mehr erregt als jeder Einfall, den wir uns hätten ausdenken können.
Er schwieg einen Moment. Seine Finger zeichneten einen kleinen Kreis auf meiner Schulter, immer denselben, und hörten auf, als der Kreis geschlossen war. Es hat mich auch erregt, sagte er. Mehr, als ich gedacht hatte. Nicht nur das Warten. Dass du es gesagt hast. Klar. Ohne dich zu entschuldigen. Ich musste nicht raten, ob du es wirklich willst oder ob du nur mitspielst, damit ich zufrieden bin. Das hat mich freier gemacht, nicht kleiner.
Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich weiß, was ich will, sagte ich, und die Worte setzten sich in mir fest, wahrer, als sie am Nachmittag beim Tee gewesen waren. Damals waren sie eine Absicht gewesen. Jetzt waren sie eine Erfahrung, noch warm auf der Haut, noch salzig im Mund, noch spürbar in den Oberschenkeln, die leicht zitterten, wenn ich das Bein bewegte.
Wir standen irgendwann auf, nicht weil eine Uhr uns rief, sondern weil der Körper Wasser wollte und die Blase und ein frisches Laken. Ich zog das gebrauchte ab, er half, und wir bezogen das Bett neu, nackt in der warmen Wohnung, und die Alltäglichkeit davon, das Glattstreichen der Ecken, war nicht ernüchternd. Sie war eine Fortsetzung. Ich kochte Tee. Er schnitt Brot. Wir aßen am Tisch, ich im Bademantel, er in einer Hose, die er nicht zuknöpfte, und sprachen über den Regen, über das Brot, das an einer Ecke etwas zu dunkel geworden war, über den Nachbarn, der am Morgen Holz gehackt hatte. Unter dem Gespräch lag das andere, nicht als Geheimnis, als Wärme, die nicht erklärt werden musste, um zu gelten.
Als wir zurück ins Bett gingen, löschte ich die Lampe. Im Dunkeln fand mich seine Hand, und ich führte sie wieder zwischen meine Beine, nicht für einen neuen Höhepunkt, nur zum Liegen. So einschlafen, sagte ich. Deine Hand da. Nicht bewegen, außer ich bewege mich. Wenn du die Hand wegnehmen willst, sagst du es. Ich will nicht, dass du aus Pflicht stillhältst, bis der Arm einschläft.
Ich sage es, wenn ich sie wegnehmen will, sagte er, und seine Stimme war schon schwer vor Schlaf. Jetzt will ich sie da lassen.
Ich lag wach länger als er. Ich hörte seinen Atem gleichmäßig werden. Zwischen meinen Beinen ruhte seine Hand, warm, vertraut, und ich spürte noch das Echo der Male, an denen ich gekommen war, ein leichtes Ziehen, eine Zufriedenheit, die nicht laut war und die ich nicht kleiner redete. Ich dachte an die Schublade in der Küche, an die Uhr darin, Gesicht nach unten, stumm, und an das Handy mit dem dunklen Bildschirm. Morgen würde ich sie nicht hervorholen. Morgen würde ich aufwachen, ohne zu wissen, ob es früh oder spät war, und ich würde entscheiden, ob ich ihn mit einem Satz weckte oder mit dem Mund oder gar nicht. Das Entscheiden gehörte mir, bis wir die Uhr wieder auf den Tisch stellten, und auch danach würde etwas davon bleiben, weil wir es einmal laut gemacht und dann getan hatten.
Ich schlief ein mit seiner Hand zwischen meinen Schenkeln und dem Geschmack von uns noch auf der Zunge, und der Regen, wenn er noch fiel, fiel ohne Zeiger.
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