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Die Klausel im Innenhof

Für Frauen · 19 Minuten lesen · 25 Minuten hören

Gelesen von Meher

Teil 3 der Serie Ihre Lust (6)

Um sieben Uhr hing die Wärme noch in den Mauern, und der Innenhof, den niemand mehr betreten durfte, roch nach warmem Kalk und nach dem Lavendel, den ich am Nachmittag gesetzt hatte. Ich kniete zwischen den Beeten und zog eine Kante nach, die längst gerade war. Meine Knie kannten den Kies. Meine Hände kannten die Erde. Was ich nicht kannte, war die Ruhe, die sich einstellte, sobald der letzte Transporter die Auffahrt hinuntergefahren war. Hinter mir, am schmiedeeisernen Gitter, hing das Schild mit der weißen Schrift. Zutritt nach achtzehn Uhr untersagt. Darunter, kleiner, der Hinweis auf Anlage drei des Werkvertrags. Ich hatte den Satz so oft gelesen, dass er sich in mir festgesetzt hatte wie ein Splitter, den man nicht herauszog, weil das Ziehen mehr wehtat als das Bleiben.

Ich war vierunddreißig und führte seit sechs Jahren meine eigene Pflanzarbeit. Herr Vogt hatte mich genommen, weil ich Stauden nicht wie Dekoration behandelte. Elias Brenner, neununddreißig, Landschaftsarchitekt aus dem Büro am Kanal, hatte die Pläne gezeichnet, nach denen ich setzte. Wir waren zu zweit auf diesem Grundstück die einzigen, die den Hof wirklich lasen: wo der Schatten der Linden um halb fünf die Nordmauer verließ, wo das Wasser aus dem alten Brunnenbecken in den Kies lief, wenn man die Leitung nur einen Spalt öffnete. Alle anderen sahen Flächen. Wir sahen ein Zimmer ohne Dach.

Die Klausel war nicht aus einer Laune entstanden. Herr Vogt hatte es bei der ersten Besprechung gesagt, trocken, ohne uns anzusehen. Ein früheres Team habe den Hof nach Feierabend benutzt, und daraus sei ein Streit geworden, der ihn Geld und Nerven gekostet habe. Deshalb: kein Aufenthalt im Innenhof nach achtzehn Uhr, kein privater Kontakt auf dem Grundstück, keine Ausnahmen für Zeichner und Pflanzerinnen. Er hatte das Wort privat so ausgesprochen, als sei es bereits ein Vergehen. Ich hatte genickt. Elias hatte genickt. Danach hatten wir drei Wochen lang so getan, als ginge uns das Verbot nichts an, und genau dadurch war es zu unserem geworden.

Am ersten Tag hatte er mir die Schnitte erklärt, und seine Hand war über dem Papier geblieben, einen Fingerbreit von meiner entfernt. Am vierten hatte ich ihm gezeigt, warum die Iris an der Südwand verkümmern würde, und er hatte mir zugehört, ohne den Plan zu verteidigen. Am neunten war ein Gewitter gekommen, und wir hatten unter dem Vordach der Orangerie gestanden, Schulter an Schulter, ohne uns zu berühren, während der Regen den Kies dunkel färbte. Ich hatte seinen Atem gehört. Er hatte meinen Namen gesagt, Mara, nur das, und dann war der Polier mit einer Frage zurückgekommen, und der Augenblick war wieder in die Klausel gefallen wie ein Stein in dichtes Laub.

Heute hatte er die überarbeiteten Pläne gebracht, gerollt, mit einem Gummiband, das er zweimal abstreifte, bevor er sie auf die Werkbank im Geräteschuppen legte. Die anderen waren noch da gewesen. Wir hatten über Pflanzabstände gesprochen, über die Tiefe der Drainageschicht, über Dinge, die stimmen mussten und die uns trotzdem als Vorwand dienten. Einmal war sein Ärmel über meinen Handrücken geglitten, als er eine Linie nachzog. Er hatte sich nicht entschuldigt. Ich hatte die Hand nicht weggenommen. Der Polier hatte etwas von Feierabend gesagt. Elias hatte geantwortet, er müsse noch eine Höhenangabe prüfen. Ich hatte gesagt, die letzte Reihe Lavendel sitze noch nicht fest genug für die Nacht. Beides war halb wahr. Die andere Hälfte stand zwischen uns und roch nach warmem Papier und nach der Seife, die er benutzte, etwas Herbes, das ich inzwischen auch dann roch, wenn er nicht im Hof war.

Der Transporter fuhr um zehn vor sieben. Der Polier rief einen Gruß über die Schulter. Ich hob die Hand. Elias stand am Brunnenrand und tat, als messe er die Fuge zwischen zwei Sandsteinplatten. Als der Motor nicht mehr zu hören war, legte ich die Kelle weg. Die Stille, die danach kam, war keine leere Stille. Sie war voll von dem, was wir uns seit Wochen nicht erlaubten, und sie drückte gegen die Mauern, als hätte der Hof selbst auf diesen Augenblick gewartet.

Ich ging zum Gitter. Er kam von der anderen Seite des Beckens, ohne Eile, die Pläne unter dem Arm, obwohl er sie nicht mehr brauchte. Wir blieben vor dem Schild stehen. Die Abendsonne lag auf den Eisenstäben und machte sie fast warm unter den Fingern, als ich eines davon anfasste. Er las die Zeile nicht laut. Er kannte sie. Ich kannte sie. Trotzdem sagte ich: Das gilt auch für uns. Er nickte. Dann sagte er, leise, als stünde noch jemand im Schuppen: Ich weiß. Und ich will es trotzdem. Ich sah ihn an. Sein Gesicht war das eines Mannes, der Pläne zeichnete und sie wieder verwarf, bis die Linie stimmte. Heute war keine Linie zu retten. Heute war nur noch die Wahrheit übrig, und sie war einfach.

Ich will es auch, sagte ich. Nicht trotz der Klausel. Mit ihr. Weil sie da ist und weil wir beide seit der ersten Begehung so tun, als läse sie jemand anderes. Er atmete aus, ein kurzes Lachen ohne Spott. Dann fragte er, ob ich sicher sei. Ich sagte ja. Ich sagte, er solle mich fragen, wenn er unsicher werde, und ich würde dasselbe tun. Er wiederholte das, langsam, als setze er es in einen Plan, den nur wir unterschreiben würden. Einverstanden. Wenn einer von uns aufhören will, hören wir auf. Kein Spiel mit halben Worten. Ich nickte. Dann schob ich den Riegel zurück. Das Eisen gab ein tiefes Geräusch, und der Hof nahm uns auf, als hätte er nur auf dieses Geräusch gewartet.

Drinnen war die Luft anders. Die Mauern hielten den Tag. Der Lavendel duftete stärker, weil kein Wind ihn verdünnte. Die Linden warfen schon lange Schatten, und unter ihnen lag der Kies kühl, während der Sandstein des Brunnenrands noch Hitze speicherte. Ich stellte mich mit dem Rücken an die Westmauer. Elias legte die Pläne auf die Bank neben dem Tor und kam zu mir, nicht hastig, aber auch nicht mehr mit dem Abstand, den die Klausel von uns verlangt hatte. Er blieb eine Handbreit vor mir stehen. Ich sah das Salz an seiner Schläfe, den offenen Kragen, die Stelle an seinem Hals, wo der Puls ging. Drei Wochen hatte ich diese Stelle angesehen und so getan, als prüfe ich den Schattenwurf.

Darf ich dich küssen, fragte er. Ja, sagte ich, und das Ja war schon in meinem Mund, bevor das Wort fertig war. Sein Mund war warm und zuerst vorsichtig, als prüfe er, ob die Mauer hinter mir nachgeben würde. Ich zog ihn näher. Der Kuss wurde tiefer, nicht wild, sondern genau, und ich schmeckte Tee und den langen Tag. Meine Hände fanden seinen Nacken. Seine Hände blieben an meiner Taille, fest genug, dass ich das Gewicht spürte, offen genug, dass ich hätte zurücktreten können. Ich trat nicht zurück. Ich öffnete den Mund und ließ die Zurückhaltung der letzten Wochen in diesen Kuss fallen, und er fing sie auf, als hätte er genau darauf gewartet.

Wir küssten uns, bis mein Rücken die warme Mauer kannte und mein Atem nicht mehr zu meiner Arbeit passte. Er löste sich so weit, dass unsere Stirnen sich berührten. Sag mir, was du willst, sagte er. Ich will, dass du mich anfasst, sagte ich. Nicht wie im Plan. Wie hier. Er lächelte kurz, ernst darunter, und seine Hand glitt unter den Saum meines Leinenhemdes. Die Handfläche war breit und ein wenig rau von den Baustellen, und sie lag auf meiner Haut, als messe er nicht mehr Höhen, sondern Wärme. Ich zog das Hemd selbst über den Kopf. Darunter trug ich nichts Feines. Ein schlichtes dunkles Top, das nach Erde und Sonne roch. Er sah mich an, und der Blick war keine Bewertung. Er war Hunger, gehalten an einer kurzen Leine aus Rücksicht.

Ich nahm seine Brille ab und legte sie auf den Brunnenrand. Ohne sie wirkte sein Gesicht jünger und zugleich deutlicher. Er küsste meine Schulter, dann die Stelle über dem Schlüsselbein, dann den Ansatz meiner Brust durch den Stoff. Ich spürte, wie sich meine Brustwarzen zusammenzogen, ein scharfes, süßes Ziehen, das bis in den Bauch lief. Zieh es aus, sagte ich. Er tat es, langsam, und als die Abendluft meine Haut traf, war sie nicht kühl genug, um das Brennen zu löschen. Seine Hände umfassten meine Brüste, die Daumen strichen über die Spitzen, und ich legte den Kopf an die Mauer und ließ ein Geräusch heraus, das ich auf dieser Baustelle noch nie gemacht hatte. Es gehörte nicht zur Arbeit. Es gehörte zu mir.

Er beugte sich und nahm eine Brustwarze in den Mund. Die Wärme, die Feuchtigkeit, der leichte Zug seiner Zähne, alles kam auf einmal, und meine Knie gaben einen Augenblick nach. Ich hielt mich an seinen Schultern. Mehr, sagte ich, und er verstand, dass mehr nicht härter heißen musste, sondern genauer. Er wechselte die Seite, leckte, saugte, ließ die Zunge kreisen, bis ich die Hüften gegen ihn schob, ohne es geplant zu haben. Durch den Stoff seiner Hose spürte ich, dass er hart war. Das Wissen darüber lief mir als heißer Strich den Rücken hinunter. Ich wollte ihn sehen. Ich wollte ihn in der Hand haben. Aber ich wollte auch, dass er zuerst bei mir blieb, dort, wo das Verbot am deutlichsten brach: nicht in einer Zeichnung, sondern an meinem Körper.

Warte, sagte ich, und er hob den Kopf sofort. Alles in Ordnung, fragte er. Ja. Ich will nur die Hose loswerden, bevor ich nicht mehr gerade stehen kann. Er lachte leise, diesmal wirklich, und half mir mit dem Gürtel. Die Arbeitshose fiel, und ich stieg heraus, die Schuhe bereits irgendwo neben der Kelle vergessen. Slip und Haut, mehr war nicht übrig. Er ging in die Knie, nicht theatralisch, sondern so, wie ein Mann in die Knie geht, der eine Pflanze aus der Nähe ansehen will. Seine Hände legten sich an meine Hüften. Seine Stirn berührte meinen Bauch. Darf ich, fragte er gegen meine Haut. Ich sagte ja, und das Wort zitterte.

Sein Mund fand mich zwischen den Schenkeln, zuerst nur Atem, dann die flache Zunge, langsam, von unten nach oben, als lerne er eine Linie, die in keinem Plan stand. Ich spreizte die Beine, so weit der Kies und die Mauer es zuließen, und stützte mich mit beiden Händen in seinem Haar. Er war nicht hastig. Er suchte. Als er die Stelle fand, an der alles zusammenlief, blieb er dort, kleine Kreise, dann ein längerer Strich, dann wieder Kreise, und ich sagte ihm, was blieb und was sich änderte. Links. Langsamer. Genau da. Er hörte zu, als sei mein Stöhnen eine Höhenangabe, die man nicht raten durfte. Die Lust stieg nicht wie eine Gerade. Sie kam in Wellen, jede höher, und zwischen ihnen lag ein Moment, in dem ich nur seinen Atem und den Lavendel roch und dachte, dass die Klausel draußen am Gitter hing und hier drinnen nichts mehr zu melden hatte.

Er schob zwei Finger in mich, vorsichtig, und krümmte sie, während sein Mund nicht aufhörte. Ich war nass, deutlich, und das Geräusch davon, leise und nah, machte mich nicht verlegen. Es machte mich gierig. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte, er solle nicht aufhören. Meine Oberschenkel begannen zu zittern. Die Mauer kratzte leicht an meinen Schulterblättern, ein Gegengewicht zu der Weichheit seines Mundes. Als es kam, kam es tief und lang, nicht ein einzelner Schlag, sondern ein Ziehen, das sich vom Becken in die Brüste fortsetzte und mich für ein paar Atemzüge namenlos ließ. Ich hielt seinen Kopf, nicht um ihn zu führen, sondern um nicht zu fallen. Er blieb bei mir, bis die letzte Welle nachließ, und küsste dann die Innenseite meines Schenkels, als danke er der Stelle, die ihn hatte bleiben lassen.

Ich zog ihn hoch und küsste ihn, schmeckte mich auf seiner Zunge, salzig und warm, und das gefiel mir mehr, als ich erwartet hatte. Jetzt du, sagte ich. Ich öffnete seinen Gürtel. Die Hose, die Shorts. Sein Schwanz lag schwer in meiner Hand, heiß, die Haut glatt über der Härte, an der Spitze bereits feucht. Ich strich mit dem Daumen darüber und sah, wie seine Lider schwer wurden. Er war nicht klein und nicht darauf aus, gemessen zu werden. Er war einfach da, und er gehörte in diesem Augenblick zu dem, was ich wollte. Ich ging nicht in die Knie. Ich blieb stehen, die Hand um ihn, und küsste ihn, während ich ihn langsam pumpte, vom Ansatz bis zur Spitze, fest genug, dass er in meinen Mund stöhnte. Sag mir, wie du es magst, sagte ich. Er sagte, genau so, und dann, ein wenig fester am unteren Ende. Ich tat es. Sein Atem wurde kürzer. Seine Hand lag an meiner Wange, der Daumen an meinem Mundwinkel, und er fragte, ob ich ihn in mir haben wolle.

Ja, sagte ich. Aber nicht gegen die Mauer. Der Sandstein ist breit genug. Wir gingen die wenigen Schritte zum Brunnen. Das Becken war trocken, der Rand aus warmem Stein, breit wie eine Bank und von der Sonne noch geheizt. Ich legte mein Hemd darunter, dann seines. Er holte aus der Gesäßtasche ein Kondom, das kleine Knicken des Päckchens ein Geräusch, das in der Stille fast laut war. Ich nahm es ihm ab, rollte es über ihn, langsam, und spürte, wie er unter meinen Fingern zuckte. Die Vorsicht gehörte dazu. Sie machte das Verbot nicht kleiner. Sie machte uns zu Leuten, die wussten, was sie taten.

Ich setzte mich auf den Rand, die Beine offen, die Füße auf dem Kies. Er trat zwischen sie. Die Spitze seines Schwanzes lag an mir, und wir hielten beide einen Moment inne, nicht aus Zweifel, sondern weil der Augenblick zu klar war, um ihn zu überrennen. Sieh mich an, sagte ich. Er sah mich an. Ich führte ihn, und er schob sich in mich, Zentimeter um Zentimeter, bis ich voll war und die Dehnung ein süßes, genaues Ziehen wurde, das an den Nachhall von vorhin anschloss. Wir atmeten beide aus. Er blieb still, die Hände an meinen Hüften, und wartete, bis ich nickte.

Der erste Stoß war langsam. Der zweite auch. Ich legte die Beine um ihn und zog ihn tiefer, und ein Laut kam aus mir, den der Hof schluckte. Er bewegte sich in einem Rhythmus, den ich mit den Fersen steuerte, mal flacher, mal bis zum Anschlag, und jedes Mal, wenn er ganz in mir war, spürte ich es bis in den Nacken. Seine Stirn lag an meiner. Unser Atem mischte sich. Er sagte meinen Namen, nicht als Ruf, sondern als etwas, das er festhalten wollte. Ich sagte, fester, und er wurde fester, ohne grob zu werden, die Hüften in einem Bogen, der meine Klitoris jedes Mal streifte, wenn er sich zurückzog und wieder kam. Die Lust baute sich anders auf als vorhin, von innen, dicker, mit einem Druck, der sich nicht nur lösen, sondern füllen wollte.

Ich wollte mehr von meinem eigenen Gewicht. Ich sagte ihm, er solle sich setzen. Er verstand. Er ließ sich auf den Rand nieder, und ich stieg über ihn, die Knie auf dem Stein, seine Hände an meinem Rücken, damit ich nicht abrutschte. Als ich mich auf ihn senkte, war der Winkel neu, tiefer an einer Stelle, die mich die Augen schließen ließ. Ich bewegte mich selbst. Zuerst kreisend, dann auf und ab, die Hände auf seinen Schultern, die Brüste nah an seinem Mund. Er nahm wieder eine Spitze zwischen die Lippen, und die doppelte Empfindung, Mund und Fülle, machte meine Bewegungen ungleichmäßiger, ehrlicher. Ich ritt ihn nicht für ein Bild. Ich ritt ihn, weil mein Körper genau das verlangte, und er ließ mich, stieß von unten entgegen, wenn ich es brauchte, hielt still, wenn ich nur kreisen wollte.

Sieh mich an, sagte ich noch einmal, und diesmal war es kein Wunsch nach Kontrolle, sondern nach Zeugenschaft. Er sah mich an, die Pupillen weit, der Mund feucht, und in diesem Blick war nichts von der Baustelle übrig. Nur er. Nur ich. Die Klausel konnte draußen am Eisen rosten. Hier gab es nur den Stein unter meinen Knien, seinen Schwanz in mir, seinen Atem an meiner Brust und das Wissen, dass wir beide dieses Verbot gewollt hatten, nicht als Spiel, sondern als den einzigen Raum, in dem wir uns endlich anfassen durften.

Die zweite Welle kam, während ich auf ihm saß, und sie war schärfer als die erste. Ich beugte mich vor, die Stirn an seiner, und bewegte mich in kurzen, tiefen Stößen, die Stelle innen getroffen, außen der Druck meines eigenen Körpers. Er legte eine Hand zwischen uns und rieb mich mit zwei Fingern, im Takt, den ich vorgab. Das war zu viel und genau richtig. Ich kam mit einem Laut, den ich nicht dämpfte, die Innenmuskeln zogen sich um ihn zusammen, und er fluchte leise, hielt mich, stieß noch zweimal von unten, während ich zuckte und den Lavendel und seinen Schweiß und den warmen Stein in einem einzigen Atemzug roch. Es dauerte. Es ebbte in Nachstößen ab, die mich lachen und stöhnen zugleich ließen, ein hilfloses, glückliches Geräusch an seinem Hals.

Noch nicht aufhören, sagte ich, als ich wieder sprechen konnte. Ich will, dass du kommst. Er fragte, ob ich empfindlich sei. Ein wenig, sagte ich, aber ich will es. Langsam. Er nickte, küsste mich, und wir wechselten, ohne Hast. Ich legte mich auf die Hemden auf dem breiten Rand, ein Bein angewinkelt, das andere um seine Hüfte. Er kam über mich, stützte sich ab, und glitt wieder in mich, diesmal flacher, aufmerksamer, weil er sah, wie ich die Luft einsog. Gut, sagte ich. So. Er fand einen ruhigen, tiefen Takt. Ich hielt sein Gesicht. Ich sah, wie die Zurückhaltung in ihm nachließ, nicht in Gewalt, sondern in einem Zittern der Arme, in einem Atem, der nicht mehr gleichmäßig war. Komm, sagte ich. Ich will es sehen. Er stieß noch ein paar Mal, dann wurde er still in mir, der ganze Körper gespannt, und ich spürte das Pochen, das Nachgeben, das leise, gebrochene Stöhnen an meinem Ohr. Er blieb auf den Unterarmen, das Gewicht nicht ganz auf mir, und ich strich ihm über den Rücken, bis das Zittern aufhörte.

Eine Weile lagen wir so, verbunden, die Abendluft auf der feuchten Haut, irgendwo eine Amsel in der Linde. Er zog sich vorsichtig zurück, kümmerte sich um das Kondom, kam wieder und legte sich neben mich auf den Stein, so gut es ging, eine Hand auf meinem Bauch. Der Stein war noch warm. Mein Puls ging langsam herunter. Zwischen den Beinen pochte es nach, ein süßer Druck, kein Schmerz. Ich drehte den Kopf und sah ihn an. Er hatte die Augen halb geschlossen und den Mund leicht offen, als hätte er eine Zeichnung fertig und wüsste noch nicht, ob er sie zeigen durfte.

Die Klausel hängt noch draußen, sagte ich. Ja, sagte er. Und wir sind trotzdem hier. Ich legte meine Hand auf seine. Ich bereue es nicht. Er öffnete die Augen. Ich auch nicht. Aber morgen werden die anderen wieder da sein, und das Schild wird dasselbe sagen. Ich nickte. Wir werden wieder Abstand halten, solange der Hof eine Baustelle ist. Nicht, weil wir es wollen. Weil der Vertrag es von uns verlangt und weil Herr Vogt nicht das Recht hat, das hier zu besitzen, aber das Recht, uns von seinem Grundstück zu weisen. Elias schwieg einen Moment. Dann sagte er, der Vertrag gelte auf dem Grundstück. Nicht auf der Straße dahinter. Nicht in meiner Wohnung am Kanal. Nicht, wenn die Pflanzung abgenommen ist und wir keine Klausel mehr unterschreiben müssen, um uns zu sehen.

Ich lächelte in die Dämmerung. Das ist ein Plan, sagte ich. Diesmal einer, den ich nicht korrigieren will. Er küsste meine Schläfe. Wir standen auf, als die Wärme des Steins nachließ und die erste Kühle von den Linden herunterkam. Ich fand meine Hose, mein Top, das Hemd mit dem Abdruck des Sandsteins. Er reichte mir die Brille nicht, sie war seine, und er setzte sie selbst auf, und damit kehrte ein Stück des Tages zurück, aber nicht das ganze. Wir schüttelten den Kies aus den Sachen. Ich band die Haare neu. Er rollte die Pläne, die unberührt auf der Bank gelegen hatten, und das Gummiband schnappte leise.

Am Gitter blieben wir noch einmal stehen. Ich schob den Riegel vor. Das Eisen gab dasselbe tiefe Geräusch wie beim Öffnen, nur jetzt klang es nicht wie ein Beginn, sondern wie ein Deckel, den man auf etwas Warmes legt, damit es nicht sofort kalt wird. Das Schild hing, wo es gehangen hatte. Zutritt nach achtzehn Uhr untersagt. Ich las es und spürte zwischen den Beinen noch ihn, und der Widerspruch war kein Schrecken. Er war der Beweis, dass wir gewählt hatten. Elias berührte kurz meine Finger, nicht mehr als das, weil jenseits des Gitters die Auffahrt schon zur Straße gehörte und ein Nachbar mit einem Hund hätte kommen können. Morgen, sagte er, werden wir über Drainageschichten sprechen, als wäre nichts gewesen. Ja, sagte ich. Und wenn der Polier weg ist, werden wir uns nicht noch einmal hier treffen. Nicht auf diesem Stein. Er nickte. Aber du kommst mit den Plänen zu mir, wenn die Abnahme durch ist. Oder ich komme zu dir, mit Erde unter den Nägeln, und du wirst sie nicht als Mangel rügen. Er lächelte. Ich werde sie als Nachweis nehmen.

Wir gingen getrennt zur Straße, er ein paar Schritte voraus, ich mit der Kelle in der Tasche, als hätte ich nur eine Kante vergessen. An der Pforte drehte er sich nicht um. Das musste er nicht. Ich wusste, wohin der Abend gegangen war, und ich wusste, dass die Klausel uns nicht mehr gehörte, weil wir sie gebrochen hatten, genau so, wie wir es beide gewollt hatten. Der Lavendel duftete bis auf den Bürgersteig. Ich stieg in meinen Wagen, legte die Hände auf das Lenkrad und spürte noch den Stein, seinen Mund, das Ja, das wir uns gegeben hatten, bevor das Gitter aufging. Morgen würde ich Stauden setzen und Höhen nennen und den Abstand halten, den der Vertrag verlangte. Heute Nacht würde ich nach Hause fahren mit dem Wissen, dass ein Verbot nur so lange hält, wie zwei Menschen es nicht gemeinsam wollen. Wir hatten es gemeinsam gewollt. Der Hof hatte uns gehört, für eine Stunde, und das reichte, um den nächsten Plan schon zu kennen: nicht auf Papier, nicht in Anlage drei, sondern in einer Wohnung am Kanal, ohne Schild, ohne Riegel, mit derselben Frage und demselben klaren Ja.

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