Das Wochenende, in dem die Uhr schwieg
Für Frauen · 22 Minuten lesen · 29 Minuten hören
Gelesen von Ivanna
Teil 3 der Serie Ihre Lust (3)
Am Freitag gegen Abend stellte ich den Wagen unter die alten Kiefern und ließ den Motor aus. Das Haus lag still am See, die Fenster dunkel, die Holzstufen noch warm von einem Tag, der sich schon zurückzog. Ich war vierunddreißig und hatte die Woche hinter mir gelassen, als hätte ich sie an der Autobahn abgelegt. Jonas stieg aus, sechsunddreißig, die Ärmel hochgeschoben, und blieb einen Moment stehen, als müsse er erst begreifen, dass hier niemand auf uns wartete. Wir hatten das Haus für drei Nächte gemietet, weil wir beide denselben Satz gesagt hatten: Wir wollen einmal nicht wissen, wie spät es ist.
Drinnen roch es nach Holz, nach einem alten Ofen und nach dem See, der durch die Ritzen kam. Ich stellte die Tasche ab und ging von Raum zu Raum, ohne Licht zu machen. Die Küche war klein, der Tisch aus hellem Holz, darüber eine runde Uhr mit einem leisen Tick, das ich sofort hörte. Im Schlafzimmer stand ein breites Bett unter einem Fenster zum Wasser. Ich öffnete es einen Spalt. Kühle Luft legte sich auf meine Unterarme. Jonas kam hinter mir her und sagte nichts. Das Schweigen zwischen uns war nicht leer. Es war voll von der Fahrt, von den letzten Wochen, in denen wir uns nur in kurzen Stunden gesehen hatten.
Wir hatten uns vor einem Jahr kennengelernt, in einer Buchhandlung, an einem Regal, an dem wir beide zu lange stehen geblieben waren. Seitdem war alles zwischen uns langsam gewachsen, und gerade deshalb wollte ich dieses Wochenende nicht hetzen. Ich wollte ihn ansehen, ohne dass ein Termin daneben stand. Ich wollte, dass meine Hände Zeit hatten.
In der Küche nahm ich die Uhr von der Wand. Sie war leichter, als ich gedacht hatte. Das Tick hörte auf, sobald ich sie umdrehte und die Batterie herauszog. Jonas sah mir zu. Er holte sein Telefon aus der Tasche, hielt es einen Moment in der offenen Hand und legte es dann in die Schublade neben dem Besteck. Ich tat dasselbe mit meinem. Die Displays erloschen unter einem Geschirrtuch, das ich darüber breitete. Es war eine kleine, fast kindische Geste, und doch spürte ich, wie sich etwas in meiner Brust lockerte. Niemand würde uns schreiben. Niemand würde uns erinnern. Die Zeit blieb draußen.
Wir kochten ohne Eile. Kartoffeln, Butter, ein wenig Salz, Tomaten, die in der Schale noch nach dem Markt rochen. Ich schnitt, er rührte, und zwischendurch stießen unsere Ellbogen aneinander, weil die Küche schmal war. Jedes Mal blieb der Kontakt eine Sekunde länger, als nötig gewesen wäre. Ich spürte die Wärme seiner Haut durch den Stoff seines Hemdes. Er roch nach der Fahrt und nach Seife. Ich wollte ihn anfassen und tat es nicht. Noch nicht. Der Abend sollte erst ankommen.
Wir aßen am Tisch am Fenster. Draußen wurde der See dunkel, ein schmaler Streifen Licht lag noch auf dem Wasser, dann war auch der weg. Ich trank Wein in kleinen Schlucken und sah Jonas über den Rand des Glases an. Er hatte eine ruhige Art, den Kopf ein wenig zu neigen, wenn er zuhörte. Seine Hände lagen auf dem Tisch, die Finger lang, ein kleiner Schnitt am Knöchel von irgendeiner Arbeit in der Woche. Ich kannte diese Hände. Ich kannte auch das, was sie an meinem Körper tun konnten, und gerade deshalb wollte ich heute nicht sofort dort ankommen.
Nach dem Essen räumten wir langsam ab. Das Wasser in der Spüle war heiß. Ich wusch, er trocknete, und einmal, als ich ihm einen Teller reichte, hielt er meine nassen Finger fest. Nur das. Sein Daumen strich über meinen Handrücken, einmal hin, einmal her. Ich atmete aus und ließ die Finger in seinen. Wir standen so, bis das Wasser in der Spüle leiser wurde. Dann ließ er los, nicht abrupt, sondern so, als lege er etwas Kostbares zurück.
Später saßen wir auf dem Sofa, die Beine unter einer Decke, ein Buch zwischen uns, das keiner wirklich las. Die Lampe brannte niedrig. Ich hörte den See gegen die Steine schlagen, ein gleichmäßiges, weiches Geräusch, das keine Stunde markierte. Jonas lehnte den Kopf an die Rückenlehne und sah mich an. Nicht fordernd. Nur da. Ich spürte seinen Blick auf meinem Mund, auf meinem Hals, auf der Stelle, wo mein Pullover von der Schulter gerutscht war. Ich zog ihn nicht hoch. Ich ließ ihn sehen.
In dieser Nacht schliefen wir eng beieinander, ohne uns auszuziehen bis auf das Nötigste. Sein Arm lag über meiner Taille. Ich hörte seinen Atem an meinem Nacken und spürte, wie mein Körper sich an seinen schmiegte, Hüfte an Hüfte, Knie in der Kuhle seiner Knie. Einmal bewegte er die Hand, langsam, über meinen Bauch, und hielt dann inne, die Finger gespreizt, warm durch den Stoff. Ich legte meine Hand auf seine und drückte sie leicht, ein Ja ohne Worte, und zugleich ein Noch nicht. Er verstand. Sein Atem wurde tiefer. Ich schlief ein mit dem Gefühl, dass der Morgen uns gehören würde.
Ich wachte auf, ohne zu wissen, wie lange ich geschlafen hatte. Das Licht im Zimmer war grau und dann gold, als die Sonne über den Kiefernrand kam und auf das Bett fiel. Jonas lag auf dem Rücken, ein Arm über dem Kopf, die Decke bis zur Hüfte. Sein Brustkorb hob und senkte sich. Ich blieb liegen und sah ihn an. Die Linie seines Kiefers, der Schatten unter dem Schlüsselbein, das dunkle Haar auf seiner Brust, das ich schon oft unter meinen Fingern gespürt hatte. Er war wach, noch bevor er die Augen öffnete. Ich sah es an seinem Mund, der sich ein wenig veränderte.
Er drehte den Kopf und fand mich. Der Blick dauerte. Er sagte nichts. Ich sagte nichts. Zwischen uns lag das Kissen, ein Streifen Leinen, und darüber diese Stille, die nicht unangenehm war. Ich spürte, wie mein Puls in den Handgelenken ging. Seine Augen wanderten über mein Gesicht, blieben an meinem Mund hängen, gingen weiter zu meiner Schulter, die aus dem Träger des Hemdes gerutscht war. Ich ließ den Blick zu. Ich wollte gesehen werden, langsam, ohne dass jemand die Minute zählte.
Wir standen auf, ohne zu sprechen. In der Küche kochte ich Kaffee. Der Geruch füllte den kleinen Raum. Jonas lehnte am Türrahmen, barfuß, in der Hose von gestern, das Hemd offen. Ich stand am Herd und spürte ihn hinter mir, noch ohne Berührung. Als ich mich umdrehte, die Tasse in beiden Händen, sah er mich an, und diesmal hielt der Blick. Er ging nicht weg. Er wurde nicht höflich. Er blieb auf meinem Gesicht, dann auf meinem Hals, dann auf der Stelle, wo das Hemd über meiner Brust lag und sich mit jedem Atemzug bewegte.
Ich stellte die Tasse ab. Meine Hände waren warm vom Porzellan. Ich ging nicht sofort zu ihm. Ich blieb am Tisch stehen und erwiderte den Blick. Es war ein langes Sehen, ohne Eile, ohne das Bedürfnis, es mit einem Satz zu füllen. Ich bemerkte, wie sich seine Lippen leicht öffneten. Ich bemerkte, wie meine eigenen Brüste schwerer wurden unter dem Stoff, wie eine Wärme sich von meinem Bauch nach unten zog, langsam, als hätte sie alle Zeit. Draußen krächzte ein Vogel. Drinnen war nur unser Atem.
Er machte einen Schritt in die Küche. Ich machte keinen zurück. Der Abstand zwischen uns wurde kleiner, blieb aber noch eine Armlänge. Ich sah die Ader an seinem Hals, das Heben und Senken. Ich sah, dass er mich fragte, ohne den Mund zu öffnen. Ich nickte, einmal, deutlich. Dann sagte ich leise, dass ich ihn wollte, hier, jetzt, ohne Uhr, und dass er langsam sein sollte. Er nickte auch. Seine Stimme war rau, als er meinen Namen sagte und hinzufügte, dass er auf mich hören würde, auf jedes Wort, auf jedes Zögern.
Ich ging die letzten Schritte. Meine Hand legte sich auf seine Brust, flach, über dem offenen Hemd. Seine Haut war warm. Ich spürte das Herz darunter, nicht wild, sondern fest. Er hob seine Hand und legte sie an meine Wange, der Daumen an meinem Wangenknochen, die Finger in meinem Haar. Wir standen so. Der Kaffee kühlte auf dem Tisch. Ich roch ihn, Bohnen und Milch, und darunter ihn, Haut und Schlaf. Mein Daumen strich über seine Brustwarze, einmal, und ich sah, wie sich seine Lider senkten.
Der erste Kuss war kein Sturz. Er war ein Ankommen. Seine Lippen waren weich, ein wenig trocken vom Morgen, und sie öffneten sich erst, als ich mich näher schob. Ich schmeckte Kaffee und ihn. Seine Hand blieb an meiner Wange, die andere legte sich auf meine Taille, nicht ziehend, nur haltend. Ich öffnete den Mund ein wenig mehr und ließ die Zunge gegen seine gleiten, langsam, als hätten wir den ganzen Vormittag dafür. Ein Laut kam aus meiner Kehle, klein, und ich schämte mich nicht dafür. Hier war niemand, der uns unterbrach.
Wir küssten uns lange. Ich verlor das Gefühl für den Raum, behielt aber das Gefühl für ihn. Seine Bartstoppeln rieben an meiner Oberlippe. Seine Finger wanderten von meiner Wange in meinen Nacken und blieben dort, warm, ein wenig fest. Ich drückte mich an ihn, Brust an Brust, und spürte durch den dünnen Stoff, wie hart meine Brustwarzen geworden waren. Er atmete gegen meinen Mund. Ich spürte seine Erregung an meinem Bauch, deutlich unter der Hose, und eine Antwort in mir, ein Ziehen zwischen den Beinen, feucht und offen, das ich nicht versteckte.
Ich löste den Kuss und sah ihn an. Sein Mund war rot. Seine Augen dunkel. Ich sagte, dass ich ins Schlafzimmer wollte, auf das Bett, wo das Licht lag. Er fragte, ob ich sicher sei. Ich sagte ja. Ich nahm seine Hand und führte ihn durch den kurzen Flur. Die Dielen waren kühl unter meinen nackten Füßen. Im Schlafzimmer fiel die Sonne in einem breiten Streifen über die Decke. Ich blieb am Bett stehen und drehte mich zu ihm.
Er wartete. Das gefiel mir. Ich öffnete die Knöpfe meines Hemdes selbst, einen nach dem anderen, und ließ den Stoff von den Schultern gleiten. Darunter trug ich nichts. Die Luft auf meiner Haut war kühl an den Seiten und warm dort, wo die Sonne traf. Ich sah, wie sein Blick über meine Brüste ging, über den Bauch, über die Hüften, und dann zurück zu meinen Augen. Er fragte noch einmal, leiser, ob er mich anfassen dürfe. Ich sagte ja, und dass er anfangen solle, wo er wolle, nur nicht hastig.
Seine Hände kamen an meine Taille. Sie waren groß und vorsichtig. Er strich nach oben, die Daumen unter meinen Brüsten entlang, und blieb dort, als warte er auf meinen Atem. Ich atmete ein. Er umfasste sie, wog sie, die Handflächen warm, die Finger gespreizt. Als sein Daumen über eine Brustwarze strich, zog sich etwas in mir zusammen, tief und süß. Ich legte den Kopf ein wenig zurück. Er beugte sich und küsste die Stelle unter meinem Ohr, dann den Hals, dann die Mulde über dem Schlüsselbein. Jeder Kuss war ein eigener kleiner Aufenthalt.
Ich öffnete seine Hose. Der Knopf gab nach, der Reißverschluss auch. Ich schob den Stoff über seine Hüften und ließ ihn fallen. Er trat heraus. Seine Erektion stand gegen den Stoff der Unterhose, deutlich, und ich legte die Hand darauf, durch den Stoff, und spürte die Wärme und das Zucken. Er atmete scharf aus. Ich sah ihm ins Gesicht, während ich die Unterhose nach unten schob und ihn in die Hand nahm. Er war hart, die Haut weich über der Festigkeit, die Spitze schon feucht. Ich strich langsam von der Wurzel bis nach oben und wieder hinunter, nicht um ihn schnell irgendwohin zu bringen, sondern um ihn zu kennen, in diesem Licht, an diesem Morgen.
Er zog mich näher. Seine Hände glitten über meinen Rücken, über das Kreuz, in den Bund meiner Hose. Ich half ihm, sie zu öffnen. Der Stoff fiel. Ich stand in einem einfachen Slip vor ihm, und er kniete sich hin, ohne dass ich es verlangt hatte, und küsste meinen Bauch, die Stelle über dem Nabel, dann tiefer, den Rand des Stoffes. Seine Hände lagen an meinen Oberschenkeln. Er sah nach oben. Ich nickte. Er zog den Slip langsam herunter, und ich stieg heraus.
Einen Moment kniete er nur und sah mich an. Die Sonne lag auf meinem Bauch und auf seinen Schultern. Ich spürte die Luft zwischen meinen Beinen, kühl, und darunter die eigene Wärme. Er küsste die Innenseite meines Oberschenkels, erst links, dann rechts, und arbeitete sich höher, ohne zu hetzen. Als seine Lippen endlich meine Scham berührten, schloss ich die Augen. Seine Zunge war warm und genau. Er leckte mich langsam, von unten nach oben, und blieb an der Stelle, die mich am deutlichsten antworten ließ. Ich legte eine Hand in sein Haar. Nicht um zu führen. Um da zu sein.
Er nahm sich Zeit. Er wechselte den Druck, mal breit und weich, mal spitz und klein, und hörte auf meinen Atem. Wenn ich leiser wurde, blieb er. Wenn ich lauter wurde, blieb er auch, nur ein wenig fester. Ich spürte, wie meine Knie nachgaben. Ich sagte seinen Namen und dass ich mich hinlegen wolle. Er stand auf, küsste mich, und ich schmeckte mich auf seinem Mund, salzig und vertraut. Wir legten uns auf das Bett, in den Sonnenstreifen, die Decke zur Seite geschoben.
Ich lag auf dem Rücken. Er neben mir, auf den Ellbogen gestützt, und sah mich an, während seine Hand über meinen Körper wanderte. Brust, Bauch, die weiche Stelle an der Hüfte, dann zwischen die Beine. Seine Finger waren vorsichtig. Er teilte mich, fand die Nässe, und strich langsam durch sie hindurch, ohne sofort einzudringen. Ich öffnete die Beine ein wenig mehr. Er fragte, ob das gut sei. Ich sagte ja, und dass er bleiben solle, genau so, noch einen Moment, nur streichen.
Er tat es. Zwei Finger glitten an meinen Schamlippen entlang, spreizten sie leicht, und der Mittelfinger kreiste um meine Klitoris, nicht direkt zuerst, sondern darum herum, bis ich die Hüften hob und ihn bat, näher zu kommen. Dann lag der Finger dort, fest und langsam, kleine Kreise, und ich spürte, wie sich alles in mir sammelte. Meine Brustwarzen waren hart. Meine Hände krallten sich ins Laken. Ich sah ihn an und wollte, dass er sah, was er mit mir tat.
Als ich bereit war, sagte ich es. Er schob einen Finger in mich, dann einen zweiten, langsam, und krümmte sie, während sein Daumen oben blieb. Das Gefühl war voll und genau. Ich bewegte mich gegen seine Hand, nicht wild, sondern in einem Rhythmus, den mein Körper selbst fand. Er küsste meine Brust, nahm eine Brustwarze in den Mund, saugte sanft, und die beiden Empfindungen liefen ineinander. Ich hörte mich stöhnen, offen, ohne die Stimme zu dämpfen. Das Haus war unser. Der See draußen kümmerte sich nicht.
Ich wollte ihn in mir. Ich sagte es klar. Er hob den Kopf, suchte meinen Blick und fragte, ob ich ein Kondom wolle. Ich sagte ja. Wir hatten sie in der Tasche, und er holte eines, ohne Hast, riss die Folie auf und rollte es über sich. Ich sah ihm zu. Seine Hände zitterten ein wenig. Das rührte mich. Ich zog ihn zu mir, zwischen meine Beine, und führte ihn mit der Hand an meinen Eingang. Er hielt inne. Ich nickte. Er schob sich in mich, Zentimeter für Zentimeter, und ich atmete ihn ein, das Dehnen, die Fülle, die Wärme, bis er ganz in mir war und stillhielt.
Wir bewegten uns nicht sofort. Ich spürte ihn, hart und tief, und meinen eigenen Puls um ihn herum. Seine Stirn lag an meiner. Unser Atem mischte sich. Dann begann er, langsam zu stoßen, lange Züge, fast heraus und wieder hinein, und ich hob ihm die Hüften entgegen. Jeder Stoß rieb an der Stelle in mir, die seine Finger vorher gefunden hatten. Ich legte die Beine um seine Taille und hielt ihn nah. Das Tempo blieb niedrig. Es gab keinen Grund, es zu steigern, außer dem, den unsere Körper selbst setzten.
Die Sonne wanderte über das Bett und lag irgendwann auf unseren Hüften. Ich sah Staub in dem Licht. Ich hörte das nasse Geräusch unserer Körper, sein Atem an meinem Ohr, mein eigenes Stöhnen, das ich nicht mehr zurückhielt. Er stützte sich auf die Arme und sah auf mich herab, während er sich bewegte. Ich hielt seinen Blick. Es war derselbe lange Blick wie in der Küche, nur näher, nur nackter. Ich sagte, dass es gut sei. Ich sagte, dass er nicht aufhören solle. Er sagte, dass er nicht wolle.
Ich drehte uns, als ich mehr von meinem eigenen Rhythmus wollte. Er ließ sich auf den Rücken fallen, und ich setzte mich auf ihn, die Hände auf seiner Brust. So konnte ich die Tiefe selbst bestimmen. Ich senkte mich langsam, nahm ihn ganz, und blieb einen Moment sitzen, die Augen halb geschlossen, nur um zu fühlen. Dann begann ich, die Hüften zu kreisen, klein zuerst, dann weiter. Meine Klitoris rieb bei jeder Bewegung an ihm. Die Lust wurde dichter, nicht als Stoß, sondern als Welle, die sich aufbaute und nicht brach.
Er legte die Hände an meine Hüften, nicht um zu führen, sondern um mitzugehen. Seine Daumen strichen über meine Haut. Ich beugte mich vor und küsste ihn, während ich mich weiter bewegte, und der Winkel änderte sich, wurde enger, süßer. Ein Laut kam aus ihm, tief, und ich spürte, wie er sich zurückhielt. Ich sagte, er solle noch nicht. Er nickte, die Zähne auf der Unterlippe, und hielt mich, während ich das Tempo ein wenig erhöhte, weil mein Körper es verlangte.
Die Welle kam näher. Ich setzte mich aufrechter, eine Hand zwischen uns, und rieb mich selbst, während er in mir war. Er sah zu, der Mund offen, und das Sehen gehörte dazu. Ich spürte, wie sich alles zusammenzog, die Oberschenkel, der Bauch, die Muskeln um ihn herum. Ich sagte seinen Namen. Ich sagte, dass ich komme. Und dann kam ich, lang und offen, der Rücken durchgebogen, die Stimme nicht leise, die Lust in Schüben, die mich durchliefen, während er still in mir blieb und mich hielt, die Hände fest an meinen Hüften, der Blick auf meinem Gesicht.
Als die Schübe nachließen, beugte ich mich über ihn und atmete an seinem Hals. Mein Körper zitterte noch. Er strich über meinen Rücken, langsam, von den Schultern bis zum Kreuz. Ich spürte ihn noch hart in mir. Ich küsste seinen Mund und sagte, dass er jetzt kommen dürfe, dass ich ihn wollte, dass er sich bewegen solle. Er drehte uns wieder, vorsichtig, und lag über mir. Diesmal war sein Rhythmus tiefer, noch immer nicht hastig, aber bestimmter. Ich hielt ihn mit den Beinen und mit den Armen und sah ihm zu, wie die Kontrolle nachließ.
Er kam mit einem langen, rauen Laut, das Gesicht an meinem Hals, die Hüften ein letztes Mal fest gegen mich gedrückt. Ich spürte das Pulsieren in mir, durch das Kondom hindurch, und hielt ihn, während es durch ihn ging. Danach blieb er auf mir liegen, nicht mit seinem ganzen Gewicht, gestützt auf die Unterarme, und wir atmeten zusammen, bis der Atem wieder flach und ruhig wurde. Er küsste meine Schläfe. Ich strich über sein Haar, das feucht am Ansatz war.
Er zog sich vorsichtig zurück, nahm das Kondom ab und legte es zur Seite, um es gleich zu entsorgen. Dann kam er zurück ins Bett und zog mich an sich. Die Sonne lag jetzt auf dem Kissen. Meine Haut klebte ein wenig an seiner. Ich roch uns beide, Salz und Haut und den See, der durch das offene Fenster kam. Keiner griff nach einer Uhr. Es gab keine. Ich wusste nicht, ob eine Stunde vergangen war oder ein Vormittag, und es war mir gleich.
Wir lagen lange so. Seine Hand ruhte auf meinem Bauch, meine auf seiner. Ab und zu küsste er meine Schulter, ohne Absicht, nur weil sie da war. Ich erzählte ihm, halblaut, wie der Blick in der Küche sich angefühlt hatte, dieses lange Sehen, bevor irgendeine Hand kam. Er sagte, er habe mich angesehen und gewartet, bis ich den Abstand selbst schloss. Das stimmte. Ich hatte ihn geschlossen. Ich war froh darüber.
Irgendwann stand ich auf und ging nackt in die Küche, um Wasser zu holen. Die Dielen waren wärmer als am Morgen. Der Kaffee in den Tassen war kalt. Ich trank aus dem Glas am Spülbecken und sah auf den See, der in der Sonne lag, ohne eine einzige Markierung von Zeit. Als ich zurückkam, saß Jonas am Bettrand, ebenfalls nackt, die Ellbogen auf den Knien, und sah mich an, als käme ich von weit her und zugleich von nebenan. Ich reichte ihm das Glas. Er trank. Ein Tropfen lief über sein Kinn. Ich wischte ihn mit dem Daumen weg und küsste die Stelle.
Wir duschten zusammen, in der kleinen Kabine, in der wir uns kaum drehen konnten. Das Wasser war heiß. Er wusch mir den Rücken, ich ihm die Brust, und es war nicht der Anfang von etwas Neuem, sondern der Nachklang des Alten. Seine Hände waren seifig und ruhig. Ich lehnte die Stirn an seine Schulter und ließ das Wasser über uns laufen, bis die Haut weich war und der Dampf das kleine Fenster blind machte. Als wir herauskamen, trockneten wir uns gegenseitig ab, ohne Eile, und zogen uns nicht sofort an.
Den Nachmittag verbrachten wir auf der kleinen Terrasse, in Decken gewickelt, mit Brot und Käse und dem Wein von gestern. Die Sonne wanderte. Schatten der Kiefern lagen erst auf dem einen Ende der Terrasse, dann auf dem anderen. Ich legte den Kopf in seinen Schoß und las ein paar Seiten, ohne sie zu behalten. Seine Finger spielten in meinem Haar. Ab und zu beugte er sich herunter und küsste meine Stirn. Ein Boot fuhr weit draußen vorbei und verschwand wieder. Niemand fragte nach der Stunde.
Gegen Abend wurde es kühler. Wir gingen hinein und machten den Ofen an, nicht weil wir frieren mussten, sondern weil das Feuer ein Licht war, das keine Zeiger hatte. Ich setzte mich auf den Boden davor, den Rücken an das Sofa, und Jonas setzte sich hinter mich, die Beine zu beiden Seiten, die Arme um meine Taille. Ich lehnte mich an seine Brust. Das Holz knackte. Ich spürte seinen Atem an meinem Ohr und dachte an den Morgen, an den langen Blick, an die erste Berührung auf seiner Brust, an alles, was danach gekommen war, langsam und einvernehmlich und ganz unser.
Er fragte, ob ich hungrig sei. Ich sagte, ein wenig. Wir kochten wieder, diesmal Suppe, und aßen sie am selben Tisch, an dem am Morgen der Kaffee kalt geworden war. Ich hatte ein Hemd von ihm an, nichts darunter, und er sah mich an, während ich den Löffel zum Mund führte, mit demselben ruhigen Blick, der nichts forderte und alles sah. Ich lächelte in die Schale. Unter dem Tisch berührte mein nackter Fuß seinen. Er ließ ihn dort.
Nach dem Essen blieben wir am Tisch sitzen, bis das Feuer im Ofen niedriger wurde. Ich stand auf, ging zur Schublade und hob das Geschirrtuch an. Die Telefone lagen dunkel darunter. Ich deckte sie wieder zu. Jonas sah mich an und nickte. Wir brauchten sie nicht. Die Nacht war noch lang, und der Morgen danach auch, und keiner von beiden trug eine Zahl.
Im Schlafzimmer zog ich sein Hemd aus und legte mich zu ihm unter die Decke. Diesmal war die Berührung nicht der Anfang einer langen Szene, sondern ihr leiser Schluss. Seine Hand lag auf meiner Hüfte. Meine lag auf seiner Brust. Wir küssten uns einmal, langsam, ohne dass daraus mehr werden musste, und es wurde auch nicht mehr. Ich hörte den See. Ich hörte seinen Atem. Ich schlief ein, ohne zu wissen, wie spät es war, und ohne den Wunsch, es zu erfahren.
Am nächsten Tag blieb die Schublade zu. Wir gingen am Ufer entlang, die Schuhe in der Hand, das Wasser kalt an den Knöcheln. Er erzählte von einer Arbeit, die warten konnte. Ich erzählte von einem Satz in einem Buch, den ich nicht zu Ende gelesen hatte. Zwischendurch blieben wir stehen und sahen uns an, lange, wie am Morgen in der Küche, und manchmal wurde aus dem Blick eine Berührung, eine Hand im Nacken, ein Kuss am Haaransatz, und manchmal blieb es beim Sehen. Beides war genug.
Am späten Nachmittag, als das Licht wieder gold wurde, lagen wir noch einmal auf dem Bett. Diesmal war es kürzer und ebenso klar. Ich sagte, was ich wollte. Er fragte nach. Ich sagte ja. Er nahm mich von der Seite, langsam, eine Hand zwischen meinen Beinen, und ich kam leise gegen seine Finger, während er in mir war, und danach er, das Gesicht in meinem Haar. Wir blieben ineinander verhakt, bis die Beine einschliefen, und lachten dann leise, als wir uns lösten. Das Lachen gehörte dazu. Es nahm der Lust nichts weg. Es legte sie nur in den Tag zurück.
Am Sonntag, irgendwann, wir wussten nicht wann, packten wir die Taschen. Ich hängte die Uhr nicht wieder auf. Das war Sache der Leute, die nach uns kamen. Ich nahm die Batterie und legte sie auf den Tisch, daneben einen Zettel mit einem kurzen Dank. Die Telefone holten wir zuletzt aus der Schublade. Die Bildschirme leuchteten auf und zeigten Nachrichten, Stunden, ein Datum. Ich sah sie an und steckte das Gerät in die Tasche, ohne die Zahlen zu lesen. Jonas tat dasselbe.
Auf der Treppe blieb ich stehen und drehte mich um. Er stand eine Stufe höher, die Tasche über der Schulter, und sah mich an, so wie er mich in der Küche angesehen hatte, als zwischen uns noch eine Armlänge lag und der ganze Morgen. Ich ging die Stufe hinauf, legte die Hand an seine Brust, an dieselbe Stelle wie beim ersten Mal, und küsste ihn. Nicht als Abschied von etwas, das vorbei war. Als Erinnerung daran, dass wir es wieder tun konnten, irgendwo, ohne Uhr, sobald wir wollten.
Im Wagen, noch bevor ich den Motor startete, legte er seine Hand auf meine, die auf dem Schaltknauf ruhte. Wir saßen einen Moment. Die Kiefern rauschten. Der See lag hinter dem Haus, unsichtbar von hier, aber ich hörte ihn noch, oder bildete es mir ein. Ich dachte an den langen Blick, an das Nicken, an das Ja, an seine Geduld und an meine eigene. Dann startete ich den Wagen. Die Uhr im Armaturenbrett leuchtete auf. Ich sah nicht hin. Ich fuhr langsam den Waldweg hinunter, seine Hand noch auf meiner, und ließ die Zeiger hinter uns ihr eigenes Leben führen.
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