Die Bitte, die im Raum blieb
Gruppensex · 17 Minuten lesen · 23 Minuten hören
Gelesen von Ekaterina
Teil 2 der Serie Gemeinsame Nächte (3)
Die Einladung hatte von einer privaten Party mit fünf Gästen gesprochen, spät, klein, ohne Playlist für den Flur. Ich war 29 Jahre alt und kannte Markus, den Gastgeber, seit einem Sommer in einer anderen Stadt, ohne dass daraus je mehr geworden wäre als ein langes Gespräch auf einem Balkon. Sofia kannte ich nur von zwei Abenden, an denen sie wenig gesagt und viel zugehört hatte. Sie war 27. Markus war 32. Als ich die Treppe hinaufstieg, roch das Haus nach nassem Stein und nach etwas Warmem aus der Küche, und ich dachte noch, der Abend werde aus fünf Stimmen bestehen und aus dem üblichen Abstand zwischen Menschen, die sich nicht ganz gehören.
Im Flur standen nur zwei Paar Schuhe neben meinen. Markus öffnete, die Ärmel hochgeschoben, ein Geschirrtuch über der Schulter, und sagte, zwei hätten abgesagt, eine mit Migräne, einer mit einem Zug, der nicht mehr fuhr. Die Party mit fünf Gästen war damit auf drei geschrumpft, und er fragte, ob mir das zu still sei. Ich sagte nein. Hinter ihm brannte Licht in einem Wohnzimmer, das größer wirkte, weil wenig darin stand: ein niedriges Sofa, ein Tisch mit drei Tellern, Kerzen in einfachen Gläsern, ein Fenster zur Straße, an dem der Regen in gleichmäßigen Fäden lag.
Sofia saß schon, die Beine untergeschlagen, ein Glas in der Hand, das Haar im Nacken zusammengefasst. Sie hob den Blick und lächelte so, als habe sie die Absagen schon eingeplant. Ich setzte mich ihr gegenüber. Markus brachte Brot, eine Schüssel mit warmem Gemüse, eine Flasche, die er nicht mit einer Rede öffnete. Wir aßen. Draußen fuhr ein Auto durch eine Pfütze. Drinnen sprach niemand laut. Es war die Art von Stille, die nicht peinlich ist, sondern aufmerksam, und ich merkte, wie oft mein Blick von Sofias Mund zu Markus' Händen ging und wieder zurück, als suchten die Augen eine Erlaubnis, die noch niemand ausgesprochen hatte.
Wir redeten zuerst von belanglosen Dingen, von einem Laden, der zugemacht hatte, von einem Film, den keiner zu Ende gesehen hatte. Sofia sagte, große Runden machten sie müde, weil darin jeder eine Rolle spiele und danach nicht mehr wisse, welche Stimme die eigene sei. Markus nickte und schenkte nach. Ich erzählte, dass ich die Einladung fast abgelehnt hätte, nicht aus Desinteresse, sondern weil ich in Zimmern mit vielen Menschen oft zu früh höflich werde und zu spät ehrlich. Er sah mich an, länger als nötig, und sagte, dann sei es vielleicht kein Verlust, dass wir nur drei seien.
Nach dem Essen blieben die Teller stehen. Niemand räumte ab. Markus setzte sich auf den Boden, den Rücken an das Sofa, Sofia rutschte so, dass ihr Knie nah an meiner Hand lag, ohne sie zu berühren. Der Regen wurde dichter. Eine Kerze zog einen Faden aus Rauch, und Markus drückte den Docht mit feuchten Fingern aus, bis nur noch zwei brannten. Das Licht wurde enger. In diesem engeren Licht sah ich die feine Narbe an Sofias Handgelenk, den dunklen Rand unter Markus' Augen, den eigenen Puls in der Mulde meines Halses. Ich war nicht betrunken. Das war mir wichtig, und ich sagte es später auch, weil ich wollte, dass die Nacht auf klaren Sätzen stand und nicht auf einem Glas zu viel.
Irgendwann fragte Sofia, was wir uns an diesem Abend erlauben würden, wenn niemand danach eine Geschichte daraus machen müsse. Markus lachte leise und sagte, er erlaube sich schon, nicht aufzuräumen. Ich schwieg einen Moment zu lang. Die Bitte saß mir schon im Mund, noch ohne Worte, aber mit einem Gewicht, das ich kannte: einmal gesagt, würde sie im Raum bleiben, auch wenn wir danach nur das Geschirr spülten. Man kann einen solchen Satz nicht einsammeln wie einen verschütteten Tropfen. Ich legte die Hand auf den Tisch, damit sie nicht zitterte, und sprach trotzdem.
Ich sagte, ich wolle sie beide. Nicht als Spiel und nicht als Beweis, dass ich mutig sei, sondern weil ich seit dem ersten Glas zwischen ihnen gesessen und gespürt hatte, wie mein Körper auf beide antwortete, auf Markus' ruhige Nähe und auf Sofias genaue Aufmerksamkeit. Ich sagte, ich wolle, dass wir drei uns anfassten, wenn sie das auch wollten, und dass wir aufhörten, sobald eine Person aufhören wolle. Meine Stimme blieb fest. Danach war es still, und die Bitte stand zwischen den Kerzen, unwiderruflich als Wort, offen als Frage.
Markus stellte sein Glas ab. Er fragte, ob ich das nüchtern meine. Ich sagte ja. Sofia fragte, ob ich auch sie meine und nicht nur ihn, und ob ich wisse, dass sie Frauen begehre und Männer nicht ausschließe, solange die Nacht ehrlich bleibe. Ich sagte, genau das meine ich. Markus sagte, er wolle mich, und er wolle sehen, wie Sofia mich berühre, und er wolle selbst berühren, wenn beide es zuließen. Sofia nickte langsam. Sie sagte, sie wolle meine Haut und seinen Mund und die Freiheit, nein zu sagen, ohne dass daraus ein Vorwurf werde. Ich wiederholte dasselbe für mich. Wir sprachen die Grenzen ohne Feierlichkeit aus: kein Schmerz, den niemand erbeten hatte, keine Eile, keine Kamera, kein Weiter, wenn eine Stimme brach. Drei Erwachsene, 29, 27 und 32, in einem Zimmer, das nach Essen und Regen roch, und jede von uns hatte ja gesagt.
Sofia stand zuerst auf. Sie kam um den Tisch, setzte sich neben mich und legte zwei Finger an meine Wange, als prüfe sie die Temperatur eines Versprechens. Ich drehte den Kopf und küsste sie. Ihr Mund war warm und nach Wein, der Kuss zuerst vorsichtig, dann tiefer, als sie merkte, dass ich nicht zurückwich. Markus blieb sitzen, bis ich die Hand nach ihm ausstreckte. Er kam auf die Knie vor das Sofa, und ich küsste ihn, während Sofias Hand in meinem Nacken lag. Der Unterschied zwischen den beiden Mündern war deutlich und gut: seiner breiter, ruhiger, ihrer genauer, mit einer kleinen Ungeduld an der Unterlippe. Ich hielt beide Küsse aus, ohne einen zu verkürzen, und spürte, wie die Bitte aufhörte, nur ein Satz zu sein.
Wir zogen uns nicht in einem Ruck aus. Markus öffnete den obersten Knopf meiner Bluse und wartete. Ich nickte. Sofia schob den Stoff von meiner Schulter und küsste die Stelle, an der der Träger eine feine Linie hinterlassen hatte. Die Luft im Zimmer war nicht kalt, aber meine Haut zog sich zusammen, als sei sie zum ersten Mal ohne den Schutz der Kleidung einer Meinung ausgesetzt. Ich half Markus aus dem Hemd. Sein Brustkorb war warm, die Haare dort dunkel und weich, der Herzschlag unter meiner Handfläche schnell, obwohl seine Bewegungen langsam blieben. Sofia streifte ihr Kleid über den Kopf. Darunter trug sie nichts Enges, nur Haut und den Schatten der Kerze entlang der Rippen. Ich sah sie an und sagte, dass sie schön sei, nicht als Floskel, sondern weil der Anblick mir den Atem nahm.
Markus fragte, ob wir ins Schlafzimmer gehen wollten. Das Sofa war breit, aber der Boden hart, und ich wollte Platz für Knie und für das Umdrehen ohne Stoßen an eine Tischkante. Wir gingen über den Flur, die Kerzen ließen wir brennen. Das Bett war gemacht, die Decke dunkel, ein Fenster ohne Vorhang, nur Regen und das Licht einer Laterne. Sofia schloss die Tür nicht ganz. Sie sagte, eine geschlossene Tür fühle sich nach Geheimnis an, und sie wolle keine Geheimnisse, nur Ruhe. Markus lachte kurz und stimmte zu. Ich setzte mich auf die Bettkante und zog ihn zwischen meine Knie. Sofia kniete hinter mich, ihre Brüste an meinem Rücken, ihre Hände um meine Taille, und küsste mir den Nacken, während ich Markus' Gürtel öffnete.
Sein Glied war schon hart, als ich es aus dem Stoff nahm, warm und schwer in der Hand, die Haut darüber glatt, die Spitze feucht. Ich beugte mich vor und nahm ihn in den Mund, langsam, nicht als Vorführung, sondern weil ich den Geschmack wollte und das Geräusch, das er machte, als meine Zunge die Unterseite entlangfuhr. Sofia hielt meine Haare nicht fest. Sie strich sie nur zur Seite und flüsterte, ich solle atmen, wann ich wolle. Markus legte eine Hand an meine Wange und bewegte die Hüften kaum. Er sagte meinen Namen und dann, dass es gut sei, und die Schlichtheit dieses Satzes machte mich nasser als jedes grobe Wort.
Sofia glitt neben mich aufs Bett und öffnete meine restliche Bluse, dann den Verschluss der Hose. Ich hob die Hüften. Markus trat einen Schritt zurück, damit sie mich ausziehen konnte, und sah zu, die Hand um sich selbst, ohne zu drängen. Als ich nackt war, legte Sofia mich zurück und küsste mich von der Kehle abwärts, über die Brüste, wo sie die Nippel mit der Zunge umkreiste, bis sie hart wurden und ich die Decke in der Faust hielt. Markus setzte sich an meine andere Seite. Sein Mund nahm die Brust, die Sofia freigab. Zwei verschiedene Wärmen, zwei Rhythmen, und ich lag dazwischen und konnte nicht entscheiden, welche Berührung lauter in mir war. Ich musste auch nicht entscheiden. Das war der Sinn der Bitte gewesen.
Sofias Hand wanderte über meinen Bauch und hielt an der Leiste inne. Sie sah mich an. Ich sagte ja. Ihre Finger teilten mich, fanden die Nässe, strichen erst außen entlang, dann genauer über die Stelle, die mich zum Zucken brachte. Sie lächelte an meiner Haut, nicht triumphierend, sondern aufmerksam, und wiederholte die Bewegung, bis meine Hüften ihr entgegenkamen. Markus küsste mich währenddessen, schluckte das erste lautere Stöhnen, und seine freie Hand lag auf meinem Oberschenkel, breit und ruhig, ein Gegengewicht zu Sofias feinerer Arbeit. Ich spürte, wie ich mich öffnete, wie die Innenseiten meiner Schenkel feucht wurden, wie der Gedanke an Scham kam und gleich wieder ging, weil beide mich ansahen, als sei genau dieser Zustand erwünscht.
Ich wollte nicht nur empfangen. Ich drehte mich, zog Sofia zu mir herauf und küsste sie tief, während meine Hand zwischen ihre Beine fand. Sie war ebenfalls nass, die inneren Lippen geschwollen, die Klitoris unter meinem Finger deutlich. Ich rieb sie in kleinen Kreisen, so wie ich selbst es mag, und fragte leise, ob das stimme. Sie sagte, etwas fester, und ich gehorchte diesem einen Wort. Markus kniete hinter mir, sein Glied an meiner Hüfte, und fragte, ob er in mich kommen dürfe. Ich löste den Kuss lange genug, um ja zu sagen, und um zu sagen, dass er langsam anfangen solle. Er tat es. Die Spitze drückte gegen mich, glitt durch die Nässe, und dann war er in mir, Zentimeter um Zentimeter, eine Fülle, die mich für einen Atemzug still machte.
Sofia hielt mein Gesicht. Sie sagte, sie sehe mich, und das half mehr als jede Anweisung. Markus blieb tief und bewegte sich kaum, bis ich die Hüften selbst zurückschob. Dann fand er einen Rhythmus, lang und gleichmäßig, jeder Stoß ein volles Ausfüllen und ein kurzes Verlassen, nie ganz heraus. Ich beugte mich über Sofia und küsste ihren Bauch, dann tiefer, bis mein Mund zwischen ihren Schenkeln lag. Ihr Geschmack war salzig und klar. Ich leckte sie, während Markus mich von hinten nahm, und die doppelte Beschäftigung ließ mich nicht denken, nur spüren: Zunge an ihr, Glied in mir, ihre Finger in meinem Haar, seine Hände an meinen Hüften. Wenn ich zu sehr in das eine versank, holte das andere mich zurück. Es war kein Wettbewerb. Es war ein Kreis.
Sofia kam zuerst, oder jedenfalls zuerst laut. Ihre Schenkel schlossen sich um meinen Kopf, nicht hart, und sie sagte meinen Namen in einem Ton, der brach und wieder ganz wurde. Ich blieb bei ihr, langsamer, bis das Zittern nachließ, und hob dann den Kopf, das Kinn nass, den Atem kurz. Markus hatte aufgehört, sich zu bewegen, sobald ihr Körper sich spannte, als wolle er den Moment nicht überfahren. Ich drehte mich zu ihm um und küsste ihn, damit er schmeckte, wo ich gewesen war. Er stöhnte in meinen Mund. Sofia lachte leise, heiser, und sagte, das sei unfair schön.
Wir wechselten, ohne dass jemand eine Regie führte. Ich legte mich auf den Rücken. Markus kam über mich, stützte sich auf die Unterarme, und ich führte ihn wieder in mich. Diesmal sah ich sein Gesicht. Die Konzentration darin rührte mich, die kleine Falte zwischen den Brauen, der offene Mund. Sofia setzte sich neben uns und beugte sich herab, küsste mich, dann ihn, dann die Stelle, an der wir verbunden waren, ihre Zunge an mir und an ihm zugleich, nass und warm und so direkt, dass ich die Augen schließen musste. Markus fluchte leise, nicht grob, eher überrascht. Ich bat ihn, nicht zu kommen, noch nicht, und er nickte, zog sich zurück, atmete gegen meine Schulter, bis der Drang nachließ.
Sofia wollte ihn auch. Sie sagte es ohne Umweg, an ihn gewandt, und fragte mich, ob ich das sehen und teilen wolle. Ich sagte ja, und ich meinte es. Sie legte sich auf den Rücken, die Knie angezogen, und Markus kniete zwischen ihnen. Er sah sie an, wartete auf ihr zweites Nicken und drang dann ein, langsam, die Hand an ihrer Hüfte. Ich lag neben ihr, unsere Finger verschränkt, und sah, wie ihr Mund sich öffnete, wie ihre Brust sich hob. Es war nicht der Anblick einer Fremden. Es war die Frau, die mich eben noch geküsst hatte, und der Mann, der eben noch in mir gewesen war, und die Eifersucht, die ich erwartet hatte, kam nicht. An ihrer Stelle kam ein heißes, klares Begehren, zuzusehen und mitzumachen.
Ich küsste Sofias Brüste, während er sie stieß, und ließ eine Hand zwischen uns gleiten, um sie dort zu reiben, wo sein Glied sie dehnte. Sie bog den Rücken. Markus dankte mir mit einem Blick, der nichts forderte. Eine Weile war nur das Geräusch von Haut, von Atem, vom Regen am Fenster. Dann zog er sich aus ihr zurück, weil sie es bat, nicht aus Schmerz, sondern weil sie mich wieder unter sich wollte. Sie setzte sich auf mein Gesicht, vorsichtig, das Gewicht auf den Knien, und ich leckte sie von neuem, tiefer jetzt, mit dem Wissen, wie sie kam. Markus kniete hinter ihr, küsste ihren Rücken und griff nach vorn an ihre Brüste. Ich spürte seine Finger an meinen, wenn sie nach unten glitten, und einmal nahm er meine Hand und führte sie, nicht bestimmend, nur zeigend, wo sie besonders zuckte. Ich lernte es und behielt es.
Als Sofia sich erhob, zitterten ihre Beine. Sie lachte wieder, diesmal kürzer, und trank einen Schluck Wasser vom Nachttisch, das Markus irgendwann hingestellt haben musste, ohne dass ich es bemerkt hatte. Diese kleine Fürsorge machte mich weich an einer Stelle, die nicht nur sexuell war. Ich zog ihn zu mir und sagte, ich wolle ihn wieder, tiefer, und ich wolle Sofias Mund an mir, wenn sie könne. Sie konnte. Sie legte sich zwischen meine Beine, Markus hinter ihr, und während er in mich eindrang, leckte sie mich von vorn, Zunge an der Klitoris, seine Stöße als Rhythmus unter ihrer Arbeit. Ich hielt ihre Schultern. Ich hielt seinen Unterarm. Ich war voll und offen und laut, und niemand bat mich, leiser zu sein.
Der erste Orgasmus kam nicht als Blitz, sondern als Welle, die ich kommen sah und nicht aufhielt. Meine Schenkel spannten sich, der Unterleib zog sich um ihn zusammen, und Sofias Zunge blieb genau dort, wo ich sie brauchte, auch als ich mich wand. Ich sagte ja, immer wieder, nicht als Antwort auf eine Frage, sondern weil das Wort der einzige klare Laut war. Markus bewegte sich durch die Kontraktionen hindurch, langsamer, und stöhnte, weil ich ihn so fest umschloss. Als die Welle nachließ, war ich empfindlich, und ich sagte es. Er zog sich sofort zurück. Sofia küsste die Innenseite meines Schenkels und blieb liegen, die Wange an meiner Hüfte, als höre sie dem Nachklang zu.
Wir ruhten nicht lange. Die Nacht war noch nicht rund. Markus lag auf dem Rücken, das Glied feucht und hart gegen den Bauch, und ich beugte mich über ihn und nahm ihn wieder in den Mund, diesmal mit der Hand an der Wurzel, langsam, damit er nicht zu schnell kam. Sofia küsste ihn, während ich das tat, und ihre Hand lag auf meinem Rücken, eine warme Bahn von den Schulterblättern bis zur Taille. Er sagte, er sei nah. Ich hob den Kopf und fragte, wo er kommen wolle. Er sah uns beide an und sagte, auf meiner Brust, wenn ich das wolle, oder in mir, wenn Sofia einverstanden sei, dass er nicht in ihr komme. Sofia sagte, sie wolle ihn nicht in sich zu Ende, nicht heute, und das sei keine Kränkung. Ich sagte, er solle in mir kommen, und ich wolle ihn dabei ansehen.
Ich setzte mich auf ihn, führte ihn ein und bewegte mich selbst, die Hände auf seiner Brust, Sofia hinter mir, ihre Arme um mich, ihre Finger an meinen Brüsten und dann tiefer, an der Klitoris, im Takt meines Beckens. Markus hielt meine Hüften, aber er überließ mir das Tempo. Ich ritt ihn nicht wild. Ich ritt ihn genau, mit einer Drehung am Ende jedes Senkens, die ihn die Zähne aufeinanderpressen ließ. Sofias Finger waren unerbittlich auf die gute Art, fest genug, um mich wieder hochzuziehen, nachgiebig genug, wenn ich zusammenzuckte. Der zweite Höhepunkt kam schneller und schärfer. Ich beugte mich vor, die Stirn an seiner, und er kam mit mir, ein kurzes, tiefes Stoßen, dann das Pulsieren in mir, warm, und sein Atem an meinem Mund wie ein zweiter Kuss.
Wir blieben so, ineinander, bis er weicher wurde und hinausglitt. Sofia holte ein Tuch aus dem Bad, ohne Eile, und reichte es mir. Die Geste war praktisch und zärtlich zugleich. Ich wischte mich ab, dann ihn, und Sofia ließ sich zwischen uns fallen, eine Hand auf meinem Bauch, den Kopf an seiner Schulter. Draußen war der Regen leiser geworden. Drinnen roch es nach Haut, nach Kerzenwachs, das bis hierher zog, und nach dem Salz, das auf unseren Körpern trocknete. Niemand sprach sofort. Das Sprechen hätte den Nachklang zerschnitten, und ich wollte ihn noch ein wenig ganz.
Schließlich sagte Markus, die Bitte sei noch im Raum. Ich verstand, was er meinte. Die Worte ließen sich nicht zurücknehmen, und sie mussten auch nicht. Sie hatten getan, wozu sie da gewesen waren: drei Menschen über eine Schwelle gebracht, die keiner allein hätte überschreiten wollen. Sofia fragte, ob ich bereue. Ich sagte nein. Ich sagte, die Bitte sei unumkehrbar gewesen als Satz und genau deshalb brauchbar, weil danach jede Berührung noch einmal ja hatte sagen müssen. Sie küsste meine Schläfe. Markus legte die Decke über unsere Beine, nicht über die Gesichter, weil niemand sich verstecken wollte.
Wir redeten noch, leise, über nichts Großes. Über den Zug, der nicht gefahren war. Über das Brot, das auf dem Tisch alt werden würde. Über die Tatsache, dass morgen ein gewöhnlicher Tag sei und dieser dennoch nicht kleiner werde. Sofia sagte, sie werde früh gehen, nicht aus Flucht, sondern weil sie sonntags ihre Mutter anrufe und dazu einen klaren Kopf wolle. Markus bot das Gästebett an und nahm das Angebot selbst zurück, als wir alle drei lachten: das Bett, in dem wir lagen, war groß genug, und niemand hatte Lust auf Höflichkeit, die nur Abstand meinte. Ich blieb. Ich wollte den Morgen im selben Zimmer beginnen, in dem die Nacht ehrlich gewesen war.
Bevor wir das Licht löschten, stand ich noch einmal auf und trank Wasser am Fenster. Die Straße war leer. In der Scheibe sah ich drei Körper auf dem Bett, unscharf, aber deutlich genug: Sofias Knie angezogen, Markus' Arm über der Decke, die Mulde, die ich hinterlassen hatte. Ich ging zurück und legte mich in diese Mulde. Sofia drehte sich zu mir, Markus an meinen Rücken, und die Wärme von beiden war verschieden und gleich willkommen. Ich dachte an die Einladung, an fünf Namen auf einem kleinen Zettel, an zwei Absagen, an drei Menschen, die geblieben waren. Die Party war nicht das geworden, was der Zettel versprochen hatte. Sie war kleiner und wahrer geworden.
Im Dunkeln fand Sofias Hand die meine. Markus atmete schon langsamer. Ich war wach noch eine Weile, nicht unruhig, nur voll von Bildern, die nicht verblassen wollten: ihr Mund an mir, sein Blick, als er kam, das Ja, das wir uns gegenseitig geliehen und zurückgegeben hatten. Die Bitte lag nicht mehr zwischen uns wie ein Gegenstand, den man fürchten musste. Sie lag in den Körpern, warm, erledigt und doch nicht verbraucht. Ich schloss die Augen. Der Regen setzte wieder ein, fein diesmal, und ich schlief zwischen ihnen ein, 29 Jahre alt, einverstanden mit dem, was ich nicht zurücknehmen konnte und nicht zurücknehmen wollte.
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