Bevor das Jahr sich schloss
Gruppensex · 17 Minuten lesen · 23 Minuten hören
Gelesen von Ivanna
Teil 1 der Serie Gemeinsame Nächte (4)
Die Tage vor Silvester hatten in unserer Wohnung einen eigenen Geruch angenommen. Orangen lagen auf der Fensterbank, weil Mira behauptete, ihr Duft vertreibe den Staub, und daneben stand das Putzmittel, das sie immer zu großzügig nahm. Wir schoben das alte Sofa in den Flur, damit der Wohnraum für die Gäste reichte, und jedes Mal, wenn die Beine über das Parkett kratzten, lachten wir ein wenig zu laut. Ich war siebenundzwanzig, Mira sechsundzwanzig, Jonas neunundzwanzig. Wir teilten die Wohnung seit dem Frühjahr, und bis zu dieser Woche hatte ich unser Zusammenleben für etwas Ruhiges gehalten, für geteilte Miete und einen Kalender am Kühlschrank.
Am Mittwoch bemerkte ich zum ersten Mal, dass die Ruhe eine Oberfläche war. Jonas stand in der Küche und schnitt Brot für das Abendessen, die Ärmel hochgeschoben, und Mira lehnte an der Arbeitsplatte, so nah, dass ihr Haar seine Schulter streifte, wenn sie sich vorbeugte. Ich stellte Gläser in den Schrank und tat, als sähe ich nicht, wie ihre Hand einen Augenblick auf seinem Unterarm liegen blieb. Als sie mich ansah, war da kein Erschrecken, nur dieses offene, warme Gesicht, das ich kannte, und eine Frage, die sie nicht aussprach. Ich spürte die Wärme in meinem eigenen Nacken und wandte mich den Gläsern zu, als könnten sie mich retten.
Am Donnerstag fuhren wir zu dritt einkaufen. Der Wagen gehörte Jonas, die Sitze rochen nach seinem Mantel, und Mira saß hinten, weil sie behauptete, vorn werde ihr schlecht. An der Kasse berührten sich unsere Hände am Griff der Tüte, meine und seine, länger als nötig. Im Rückspiegel sah ich Miras Mund, weich und aufmerksam, und ich verstand, dass sie nichts von dem übersah, was zwischen uns geschah. Auf dem Parkplatz sagte sie leise, wir sollten uns nichts vormachen, die Wohnung sei zu klein für Heimlichkeiten. Jonas nickte. Ich sagte, wir hätten Gäste eingeladen und sollten den Kopf behalten. Niemand widersprach, und doch blieb die Luft im Wagen dichter als die kalte Januarluft draußen, die noch nicht ganz da war.
Freitag hängten wir Lichterketten. Jonas stand auf dem Stuhl, ich reichte ihm die Haken, Mira hielt die Schnur und ließ sie durch ihre Finger gleiten, als prüfe sie jeden Zentimeter. Einmal beugte er sich herab, um einen Haken zu richten, und sein Mund kam meinem so nah, dass ich seinen Atem schmeckte, nach Tee und nach der Orange, die er in der Küche gegessen hatte. Ich wich nicht zurück. Mira sagte hinter uns, ganz ruhig, dass sie das schön finde, und dass sie nicht nur zusehen wolle, wenn wir irgendwann aufhörten, uns zu bremsen. Ich drehte mich zu ihr. Ihr Blick war klar, ohne Spott, und sie legte ihre freie Hand an meine Wange, nur kurz, nur so fest, dass ich die Wärme behielt, nachdem sie sie wieder fortnahm. Wir beendeten die Lichterkette. Wir kochten. Wir sprachen über die Gästeliste, als wäre das der eigentliche Inhalt des Abends.
Am Samstag, dem letzten Tag des Jahres, räumten wir bis in den Nachmittag. Ich duschte lange, weil das Wasser mir half, die Unruhe in etwas zu verwandeln, das ich aushalten konnte. Als ich aus dem Bad kam, stand Mira im Flur, ein Handtuch um den Körper, das Haar nass auf den Schultern. Sie sah mich an, und ich sah sie an, und keine von uns tat so, als wäre das gewöhnlich. Jonas kam aus seinem Zimmer, schon angezogen, und blieb stehen. Drei Atemzüge lang sagte niemand etwas. Dann lächelte Mira und sagte, die Gäste kämen um acht, und bis dahin gehöre die Wohnung noch uns, aber wir sollten warten, bis wir wirklich wollten und niemand an der Tür stand. Ich war ihr dankbar für diesen Satz. Er nahm nichts weg. Er legte nur einen Zeitpunkt fest, an dem wir ehrlich sein durften.
Die Party begann harmlos. Freunde aus der Arbeit, zwei Nachbarn, eine Cousine von Jonas, die früh wieder ging, weil sie am nächsten Morgen fahren musste. Wir hatten Sekt und einen Punsch, den Mira weniger süß gemacht hatte als im letzten Jahr. Ich trank ein Glas und dann nur noch Wasser, weil ich klar bleiben wollte. Jonas tat dasselbe, ohne dass wir es abgesprochen hätten. Mira nippte und stellte das Glas weg, sobald die Musik lauter wurde. Im Wohnzimmer tanzten die Leute, die Lichterkette warf kleine warme Flecken an die Wand, und wir drei bewegten uns umeinander, ohne uns zu berühren, und doch so, dass jeder Schritt den nächsten kannte.
Gegen elf wurde der Raum enger. Jemand öffnete das Fenster, kalte Luft mischte sich mit dem Geruch von Punsch und Haut. Mira tanzte mit mir, ihre Hand an meiner Taille, ihr Mund nah an meinem Ohr, und sie sagte, sie habe die ganze Woche an genau diese Nähe gedacht. Ich antwortete, ich auch, und dass ich nicht nur an sie gedacht hätte. Sie lachte leise und sagte, das wisse sie, und es störe sie nicht, im Gegenteil. Jonas stand am Fenster und sah uns an, nicht besitzergreifend, eher so, als halte er etwas Kostbares in den Händen und wolle es nicht fallen lassen. Als das Lied endete, kam er herüber und legte seine Hand neben Miras auf meinen Rücken. Durch den Stoff meines Kleides spürte ich beide Wärmen. Ich sagte, leise genug, dass nur sie es hörten, dass ich das wolle, später, wenn die anderen gegangen seien, und dass sie mich jederzeit stoppen könnten. Jonas sagte ja. Mira sagte ja, und dasselbe gelte für sie.
Um Mitternacht zählten die Gäste, und draußen stiegen die ersten Raketen. Wir drei standen in der Küchentür, etwas abseits. Als die Null fiel, küsste Jonas mich, kurz und fest, und dann küsste er Mira, und Mira küsste mich, und es war kein Scherz und kein Gruppenritual, sondern ein Versprechen, das wir uns vor den Augen der anderen noch nicht ganz gaben. Die Gäste jubelten in den Raum hinein und bemerkten nichts, oder sie waren zu beschäftigt mit ihren eigenen Umarmungen. Ich schmeckte Sekt an Miras Lippe und die Kälte von draußen an Jonas' Mundwinkel. Mein Herz schlug so laut, dass ich die Musik einen Moment lang nicht hörte.
Die letzten Gäste gingen gegen eins. Wir halfen Mäntel finden, wir lachten an der Tür, wir winkten, und als das Schloss fiel, war die Wohnung plötzlich sehr groß und sehr still. Auf dem Tisch standen leere Gläser. Die Lichterkette brannte noch. Draußen knallte es in Abständen, nicht mehr als Dauerfeuer, eher als einzelne, späte Grüße. Mira schloss das Fenster bis auf einen Spalt. Jonas räumte zwei Flaschen zur Seite, ohne Hast. Ich stand barfuß auf dem Parkett, das Kleid ein wenig verrutscht von den Umarmungen, und wartete nicht mehr darauf, dass jemand den Anfang machte.
Jonas kam zu mir und fragte, ob das noch gelte, was ich in der Küchentür gesagt hatte. Ich sagte ja, und dass ich nüchtern sei und das auch bleiben wolle, und dass ich sie beide wolle, nicht nur die Idee von ihnen. Mira trat neben ihn. Sie fragte, ob sie mich anfassen dürfe, jetzt, ohne Kleid dazwischen. Ich nahm ihre Hand und legte sie an meine Taille, unter den Stoff, auf die nackte Haut. Ihre Finger waren warm. Sie atmete aus, als hätte sie diesen Augenblick seit Mittwoch gehalten.
Wir gingen nicht ins Schlafzimmer. Das Sofa im Flur war zu schmal, und die Matratze, die wir für Gäste bereitgelegt hatten, lag schon im Wohnzimmer an der Wand, unter der Lichterkette, mit einer Decke, die nach Waschmittel roch. Jonas schob den Couchtisch beiseite. Mira zog die Decke glatt. Ich löste die Träger meines Kleides und ließ es fallen, und die kühle Luft aus dem Fensterspalt strich über meine Schultern, meine Brüste, meinen Bauch. Ich schämte mich nicht. Ich wollte gesehen werden, von genau diesen beiden, in genau diesem Licht.
Mira zog sich das Oberteil über den Kopf. Darunter trug sie nichts. Ihre Brüste waren kleiner als meine, die Brustwarzen schon fest von der Kälte und von dem, was in ihrem Gesicht stand. Sie kam zu mir und küsste mich, diesmal ohne Eile, der Mund offen, die Zunge weich, eine Hand in meinem Nacken, die andere an meiner Hüfte. Ich schmeckte sie deutlicher als um Mitternacht, Haut und ein Rest von Punsch und etwas, das nur sie war. Jonas stand einen Schritt entfernt und sah uns an, die Hände an den Seiten, bis ich den Kuss löste und ihm sagte, er solle herkommen, wenn er wolle. Er wollte.
Er küsste mich, während Miras Mund an meinem Hals blieb. Seine Lippen waren fester, sein Bart ein leichtes Kratzen, das ich mochte. Ich öffnete sein Hemd, Knopf für Knopf, und legte die Handflächen auf seine Brust, spürte das Herz, schnell wie meines. Mira half ihm aus dem Stoff und küsste die Stelle unter seinem Schlüsselbein, und er machte ein Geräusch, das ich noch nie von ihm gehört hatte, tief und ungeschützt. Ich fragte ihn, ob das gut sei. Er sagte, mehr als gut, und dass er aufhören werde, sobald eine von uns das wolle. Mira sagte, sie wolle nicht aufhören. Ich auch nicht.
Wir sanken auf die Matratze. Die Decke war kühl an meinem Rücken, dann warm, wo unsere Körper sie teilten. Mira lag halb über mir, ihr Oberschenkel zwischen meinen, und sie küsste sich an mir herab, über das Brustbein, um eine Brustwarze, die sie mit der Zunge umkreiste, bis ich die Hüften hob, ohne es zu wollen. Jonas kniete neben uns und streichelte meinen Bauch, dann Miras Rücken, eine lange, ruhige Linie, als wolle er uns beide in derselben Bewegung halten. Ich griff nach seiner Hand und führte sie zwischen meine Beine, über den Stoff des Slips, der schon feucht war. Er drückte leicht, fragte mit den Augen, und ich nickte.
Mira schob den Slip beiseite und sah mich an, bevor sie mich mit dem Mund berührte. Die erste Berührung ihrer Zunge war so direkt, dass ich den Kopf in die Decke drückte und ihren Namen sagte. Sie leckte langsam, nicht hetzend, die Zunge flach, dann die Spitze, und sie lernte mich in wenigen Atemzügen, weil sie zuhörte, was mein Körper tat. Jonas küsste mich dabei, schluckte die Laute, die ich nicht für die Nachbarn bestimmt hatte, und seine Finger ersetzten einen Moment lang ihren Mund, glitten durch die Nässe, vorsichtig, bis ich seine Hand festhielt und sie tiefer wollte. Er verstand. Ein Finger, dann zwei, und Miras Zunge oben, und ich war so offen, dass ich fast gelacht hätte vor Erleichterung.
Ich wollte nicht nur empfangen. Ich setzte mich auf, zog Mira zu mir und küsste sie, schmeckte mich an ihrem Mund, was mich nicht störte, sondern enger mit ihr verband. Ich öffnete ihre Hose. Sie half, streifte sie ab, den Slip dazu, und lag dann neben mir, die Beine ein wenig gespreizt, der Blick klar und einladend. Ich beugte mich über sie und küsste die Innenseite ihres Oberschenkels, die Haut dort weich und warm, und dann ihren Schoß, vorsichtig zuerst, bis sie die Hand in mein Haar legte und sagte, ja, genau so, bitte nicht aufhören. Ihr Geschmack war anders als meiner, salziger, und ich mochte es, wie sie unter meiner Zunge ruhiger und zugleich unruhiger wurde, die Hüften in einem kleinen Rhythmus, den ich aufnahm.
Jonas hatte sich ausgezogen. Ich sah ihn an, als ich den Kopf hob, und er wartete, nackt, erregt, die Hände auf den Oberschenkeln, als brauche er die Erlaubnis noch einmal, obwohl wir sie schon gegeben hatten. Ich sagte, ich wolle ihn in mir, und Mira solle bleiben, wo sie sei, nah an meinem Mund oder an meinem Gesicht, wie sie wolle. Sie sagte, sie wolle mein Gesicht sehen. Jonas fragte, ob ich ein Kondom wolle. Ich sagte ja, in der Schublade unter dem Fernseher, wir hatten welche gekauft, halb im Scherz, halb weil die Woche schon so gewesen war. Er holte eines, öffnete es ohne Hast, und ich sah zu, wie er es überzog, und die Schlichtheit dieser Geste machte mich noch sicherer.
Er kniete sich zwischen meine Beine. Mira lag neben meinem Kopf, eine Hand an meiner Wange, und küsste mich, während er eindrang, langsam, Zentimeter um Zentimeter, bis ich voll war und den Atem anhielt und ihn dann wieder freigab. Es tat nicht weh. Es war viel, und es war richtig, und ich sagte seinen Namen und dann ihren, weil beide zu diesem Augenblick gehörten. Er bewegte sich ruhig, tief, und jedes Mal, wenn er ganz in mir war, drückte Mira einen Kuss auf meinen Mundwinkel oder auf die empfindliche Stelle unter dem Ohr. Ich griff nach ihrer Hüfte und zog sie näher, bis ich sie wieder mit dem Mund erreichen konnte, seitlich, unbequem und trotzdem gut, und eine Weile waren wir so, ein einziges Atmen, das Feuerwerk draußen nur noch ein fernes Pochen.
Mira wollte mehr als meinen Mund. Sie setzte sich auf, das Haar fiel ihr ins Gesicht, und sie fragte Jonas, ob er einen Moment innehalten könne, sie wolle sich auf mich setzen, umgekehrt, sodass sie mich schmecken und er mich weiter nehmen könne, wenn das für uns beide gut sei. Ich sagte ja, sofort, und er zog sich zurück, gerade lang genug, dass sie sich über mein Gesicht knien konnte, die Hände an der Wand, die Lichterkette warm über uns. Ich hielt ihre Hüften und leckte sie, während Jonas wieder in mich glitt, und die doppelte Empfindung, ihr Gewicht, sein Stoß, ihr Geschmack, ließ mich die Augen schließen und nur noch fühlen. Sie bewegte sich klein, rücksichtsvoll, und sagte mir, wenn es zu viel wurde, und ich antwortete mit den Händen, dass es nicht zu viel war.
Jonas' Rhythmus wurde fester. Ich spürte, wie sich in mir etwas zusammenzog, nicht nur um ihn, sondern im ganzen Bauch, eine Wärme, die nach oben stieg. Mira kam zuerst. Ich merkte es an dem Zittern ihrer Oberschenkel, an dem Laut, den sie in den Unterarm drückte, an dem Nachgeben ihrer Hüften, und ich blieb bei ihr, die Zunge weich, bis sie sich zur Seite sinken ließ und lachend, atemlos, mein Gesicht in beide Hände nahm und mich küsste, als wolle sie mir danken und mich gleichzeitig weiter haben.
Dann war ich an der Reihe, oder vielmehr ließ ich es zu. Jonas beugte sich über mich, Mira an meiner Seite, ihre Hand zwischen uns, die Finger an meiner Klitoris, kreisend, in dem Tempo, das sie vorhin mit der Zunge gefunden hatte. Ich sagte ihnen, dass ich komme, und sie blieben genau so, er tief und langsam, sie gleichmäßig, und die Welle nahm mich mit einer Heftigkeit, die ich nicht erwartet hatte, die Beine um seine Hüften, der Rücken von der Matratze gehoben, ein Laut, der in Miras Schulter endete, weil sie mich hielt. Es dauerte lang. Es ebbte in kleinen Nachstößen, und ich war danach so offen und so weich, dass ich ihn bat, nicht sofort aufzuhören, nur ruhiger zu werden.
Er hielt inne, immer noch in mir, und küsste meine Stirn. Sein Atem ging schnell. Ich fragte, ob er kommen wolle, und wo. Er sagte, in mir, im Kondom, wenn ich das noch aushalte, und dass er kurz davor sei. Ich sagte ja. Mira streichelte seinen Rücken, dann meinen Bauch, und sah ihm ins Gesicht, als er sich wieder bewegte, kürzer jetzt, drängender, und ich spürte, wie er kam, das Zusammenziehen, das leise, raue Stöhnen an meinem Hals, die Hand, die meine fand und sie festhielt, bis es vorbei war. Er blieb einen Moment auf den Unterarmen, das Gewicht nicht ganz auf mir, und sagte danke, was albern klang und trotzdem stimmte.
Wir lagen eine Weile, ohne uns zu trennen. Draußen war es stiller geworden. Die Lichterkette summte leise, oder ich bildete es mir ein. Jonas zog sich vorsichtig zurück, entsorgte das Kondom, kam mit einem feuchten Tuch aus der Küche zurück und fragte, ob er mich abwischen dürfe. Ich ließ es zu, dankbar für die Wärme des Wassers und für die Tatsache, dass er fragte. Mira lag auf der Seite, den Kopf auf meinem Arm, und zeichnete mit einem Finger Kreise auf meinen Bauch, als sammle sie die Nacht ein.
Ich dachte, wir seien fertig, und war damit einverstanden, satt und schwer. Mira nicht ganz. Sie sagte, leise, sie habe Jonas noch nicht so gehabt, wie sie es sich vorgestellt habe, und ob wir beide das wollten, jetzt, oder ob es zu viel sei. Ich spürte keine Eifersucht, nur ein warmes, neugieriges Ja. Jonas setzte sich auf, das Haar zerzaust, und sagte, er wolle, wenn sie wolle, und wenn ich dabei bleibe. Ich blieb. Er holte ein zweites Kondom. Mira legte sich auf den Rücken, zog ihn zu sich, und ich kniete neben ihnen und küsste sie, während er in sie eindrang, langsam, mit derselben Vorsicht, die er bei mir gehabt hatte.
Es war anders, sie zu sehen, als es gewesen war, sie zu schmecken. Ihr Gesicht öffnete sich, die Augen halb geschlossen, der Mund weich, und jedes Mal, wenn er sich bewegte, suchte ihre Hand meine. Ich legte meine Finger dorthin, wo sie mich vorhin berührt hatte, und fand den Rhythmus, den ihr Körper schon kannte. Sie führte meine Hand einmal, zwei Fingerbreit höher, und dann ließ sie mich. Jonas sah zwischen uns hin und her, nicht hetzend, und fragte sie, ob das gut sei. Sie sagte, sehr, und dass er nicht schneller werden solle, noch nicht. Er gehorchte. Ich küsste ihre Brust, die kleine feste Spitze, und hörte, wie ihr Atem kürzer wurde.
Sie kam leiser als vorhin, ein langes Ausatmen, die Nägel kurz in meinem Handgelenk, die Hüften gegen ihn gedrückt, und sie hielt ihn an den Schultern fest, bis die Welle vorbei war. Er hatte noch nicht wieder losgelassen. Sie sagte, er dürfe, sie wolle es sehen, und er bewegte sich noch ein paar Male, das Gesicht in ihrer Halsbeuge, und kam mit einem Laut, der mir vertraut war, weil ich ihn eben erst an meinem eigenen Hals gehört hatte. Danach lagen wir zu dritt, verschlungen, die Decke halb über uns, die Beine irgendwo, egal wem sie gehörten.
Eine späte Rakete stieg irgendwo im Hof und zerplatzte grün am Fenster. Niemand sprach sofort. Ich spürte Miras Herz an meiner Seite und Jonas' Hand auf meinem Knie, schwer vor Müdigkeit und doch nicht wegziehend. Die Wohnung roch nach uns, nach Haut und nach dem Rest des Putzmittels und nach den Orangen, die noch auf der Fensterbank lagen. Ich dachte an Mittwoch, an seine Hand auf dem Schneidebrett, an ihren Blick, und es kam mir vor, als hätte die Woche nur auf diese Matratze hingearbeitet, ohne dass wir es uns ganz eingestanden hätten.
Mira sprach zuerst. Sie sagte, sie bereue nichts, und sie wolle, dass wir das am Morgen noch einmal sagten, nüchtern im Tageslicht, nicht nur jetzt, wo alles weich sei. Jonas sagte, er werde es sagen. Ich sagte, ich auch, und dass ich nicht wisse, was daraus werde, ob eine Nacht oder mehr, und dass ich das nicht jetzt entscheiden müsse. Sie küsste meine Schulter. Er drückte mein Knie. Draußen wurde es endgültig still.
Wir standen irgendwann auf, nicht alle zugleich. Ich ging ins Bad, wusch mich, sah im Spiegel ein Gesicht, das müde war und klar, nicht erschrocken. Als ich zurückkam, hatten sie die Gläser in die Spüle gestellt und die Matratze notdürftig gerichtet, als könnten wir sie am Morgen noch brauchen oder als wollten wir die Nacht nicht ganz wegwischen. Jonas brachte Wasser. Mira löschte die Lichterkette bis auf ein einziges warmes Band über dem Fenster. Wir legten uns wieder hin, diesmal unter die Decke, ich in der Mitte, weil sie mich so haben wollten und ich es so wollte.
Ich schlief nicht sofort. Ich hörte ihren Atem, seiner tiefer, ihrer leichter, und irgendwo im Haus eine Tür, die jemand schloss. Das neue Jahr war schon eine Stunde alt, vielleicht mehr. In meiner Brust war kein Triumph und keine Angst, nur eine ruhige Wärme, die von der Haut kam und nicht nur von ihr. Ich dachte daran, wie Mira am Freitag gesagt hatte, sie wolle nicht nur zusehen, und wie richtig es gewesen war, zu warten, bis die Tür ins Schloss gefallen war und niemand mehr etwas von uns verlangte außer wir selbst.
Am Morgen würde die Wohnung wieder nach Kaffee riechen, und wir würden aufräumen, und vielleicht würden wir uns ansehen und lachen oder ernst werden. Das gehörte noch nicht zu dieser Stunde. Diese Stunde gehörte der Matratze, der Decke, den zwei Körpern an meinen Seiten und der Gewissheit, dass wir einander gefragt hatten und dass die Antworten echt gewesen waren. Ich legte eine Hand auf Miras Hüfte und die andere auf Jonas' Brust, spürte beide, lebendig und warm, und ließ die Augen zufallen, während draußen der erste graue Saum des Januars an den Dächern entlangzog.
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