Neue Sexgeschichten

Sieben Tage bis zu ihrem ersten fremden Kuss

Ehefrau · 31 Minuten lesen · 41 Minuten hören

Gelesen von Edward

Teil 1 der Serie Ehe neu (7)

Ich war vierunddreißig, als ich an jenem Dienstag mit der Tasche über der Schulter vor dem Haus am See stand. Elisa öffnete, zweiunddreißig, barfuß auf den kühlen Fliesen, das Haar noch feucht vom Wasser. Hinter ihr rief Karsten einen Gruß aus der Küche, sechsunddreißig, die Stimme voll von einer Freundschaft, die das Studium überlebt hatte und sich nicht jedes Jahr neu beweisen musste. Elisa sagte meinen Namen, Levin, als wäre er ein schmaler Steg, auf dem man einen Augenblick länger stehen bleiben darf, als die Höflichkeit verlangt. Sie trat zur Seite, und ihr Arm streifte meinen Ärmel, ohne dass einer von uns so tat, als wäre das nichts.

Das Haus lag am Ende einer Kiefernreihe, das Schilf stand hoch, und der See hielt den Abend so still, dass die Lampen der Terrasse darin wie ein zweites, tieferes Licht lagen. Sie zeigte mir das Zimmer unter dem Dach, das Laken glatt, das Fenster offen zum Wasser, und blieb im Rahmen stehen, während ich den Riemen von der Schulter gleiten ließ. Ihr Blick ging nicht an mir vorbei. Er blieb kurz auf meinem Mund und wanderte dann zu meinen Händen, als prüfe sie, wohin diese Hände in den nächsten Tagen gehören würden. Ich sagte etwas Belangloses über die Staus auf der Landstraße. Sie antwortete ruhig, und doch lag in dem einen Wort, mit dem sie den Abend benannte, eine Wärme, die nicht zur Wegbeschreibung gehörte.

Beim Essen saßen wir zu dritt am langen Tisch. Karsten sprach von einer Baustelle in der Stadt, von Terminen, die ihn am Freitag in einen frühen Zug zwingen würden, und Elisa hörte zu, das Kinn auf die Hand gestützt. Unter dem Tisch lag ihr Fuß so nah an meinem, dass ich die Wärme durch die Sohle zu spüren glaubte, ohne dass Haut sich berührte. Sie trank langsam. Wenn sie das Glas absetzte, blieb ein feuchter Rand an ihrer Unterlippe, und die Zungenspitze holte ihn zurück, nicht theatralisch, nur so, wie man einen Tropfen nicht verlieren will. Ich sah hin. Sie sah, dass ich hinsah. Keiner von uns machte ein Wort daraus, und gerade das ließ den Abend enger werden.

Karsten räumte ab und stellte eine Flasche auf den Tisch, die wir nicht leerten. Er erzählte von früher, von einer Nacht in einer fremden Stadt, in der wir den letzten Zug verpasst hatten, und Elisa lachte an den richtigen Stellen, den Kopf leicht geneigt, als kenne sie diese Geschichten schon und höre sie trotzdem gern, weil seine Stimme dabei weicher wurde. Einmal, als er in die Küche ging, um Wasser zu holen, blieb ihr Blick auf mir liegen. Es war kein Spielblick. Es war der Blick einer Frau, die etwas seit Tagen oder länger mit sich herumträgt und noch nicht entschieden hat, ob sie es auf den Tisch legen darf. Ich hielt ihn aus. Als Karsten zurückkam, sprach sie wieder von den Tomaten im Beet, und ihre Stimme war klar, als hätte der Blick nicht stattgefunden.

In der Nacht hörte ich das Haus arbeiten, das Holz, den See, irgendwo eine Mücke am Fliegengitter. Ich lag auf dem Rücken und dachte an ihren Mund, nicht als Bild, das man sich gönnt, sondern als Tatsache, die im Raum geblieben war. Unten ging eine Tür. Schritte auf der Treppe, leicht, barfuß. Sie blieben auf dem Absatz stehen, nicht vor meiner Tür, nur so nah, dass ich den Atem der Dielen hörte. Dann kehrten sie um. Ich stand nicht auf. Es wäre zu früh gewesen, und früh war in diesem Haus kein Wort, das uns geholfen hätte. Ich schlief spät ein und träumte nicht von ihr, sondern von Wasser, das an einer Kante stand und nicht überlief.

Am Mittwoch arbeitete Karsten am langen Tisch im Schatten, Papiere, ein Telefon, das er leise hielt. Elisa schnitt im Garten Kräuter und bat mich, die Schüssel zu halten. Ihre Finger waren grün vom Schnittlauch, und wenn sie ein Blatt abstreifte, fiel der Geruch zwischen uns wie etwas, das man nicht wegwischen kann. Einmal legte sie ein Blatt auf meine Handfläche, um mir den Unterschied zwischen zwei Sorten zu zeigen, und ihre Fingerspitze blieb eine Sekunde auf der Linie meines Lebens, als wäre das der Ort, an dem die Erklärung endet. Sie zog die Hand zurück, bevor ich die meine schließen konnte. „Nicht heute“, sagte sie, sehr leise, und es war das erste Mal, dass sie ein Nein in die Luft stellte, das zugleich ein Später enthielt.

Wir aßen Brot und Tomaten im Stehen, weil der Tisch voller Zeichnungen lag. Saft lief ihr über das Handgelenk, und sie lachte, echt, nicht als Einladung. Ich reichte ihr ein Tuch. Sie nahm es und trocknete sich selbst, den Blick auf meine Kehle gerichtet, nicht auf meine Augen. Karsten rief etwas von einem Maß, das nicht stimmte, und sie antwortete ihm mit einer Wärme, die nichts von dem verriet, was zwischen uns in der Luft hing. Ich verstand in dieser Minute, dass sie ihn nicht kleiner machte, indem sie mich ansah. Das machte die Spannung nicht geringer. Es machte sie ehrlicher, und ehrlich ist schwerer zu tragen als ein Geheimnis, das sich selbst belügt.

Am Nachmittag ging ich allein zum Steg. Das Wasser war flach und warm an den Waden, weiter draußen kühler. Ich schwamm ein Stück und drehte mich auf den Rücken. Vom Ufer her kam sie, das Kleid über dem Arm, darunter ein dunkler Badeanzug, der ihre Schultern frei ließ. Sie setzte sich an den Rand, die Füße im Wasser, und sprach nicht gleich. „Karsten sagt, du bleibst bis Sonntag“, sagte sie dann. Ich sagte ja. Sie nickte, als hätte sie das schon gewusst und nur hören wollen, wie das Wort in meinem Mund klingt. Eine Libelle stand über dem Schilf. Elisa sah sie an, nicht mich, und sagte: „Ich bin seit acht Jahren mit ihm verheiratet. In diesen acht Jahren hat kein anderer Mund meinen berührt. Ich sage das nicht, damit du es als Aufgabe nimmst.“

Ich schwamm näher, blieb aber im Wasser, die Hände am Holz des Stegs, unter ihren Füßen, ohne sie zu berühren. „Ich nehme nichts, was du nicht gibst“, sagte ich. Sie sah auf meine nassen Finger. „Das weiß ich. Deshalb sitze ich hier und nicht schon in deinem Zimmer.“ Der Satz war ruhig und so klar, dass mir die Brust eng wurde. Sie stand auf, zog das Kleid nicht an, ging barfuß über die warmen Bretter zurück zum Haus und ließ mich im Wasser mit einem Wissen, das schwerer wog als jede Berührung. Ich blieb, bis die Haut an den Fingern schrumpelig war, und kam erst zurück, als ich wieder sprechen konnte, ohne dass die Stimme mich verriet.

Der Abend gehörte dem gewöhnlichen Leben, und gerade das gewöhnliche Leben spannte sich. Karsten grillte Fisch. Elisa deckte den Tisch, und ich half, Gläser, Brot, eine Schale mit Salz. Unsere Hände trafen sich am Salzstreuer, diesmal wirklich, Haut an Haut, nur einen Augenblick. Sie zuckte nicht zurück. Sie ließ die Berührung zu Ende gehen, wie man ein Glas abstellt, und sah mich dann an mit einem Blick, der sagte: das war noch kein Kuss, und du wirst den Unterschied kennen. Beim Essen sprach Karsten von Freitag, von der Stadt, von einem Hotel nahe dem Bahnhof, weil der erste Termin zu früh lag, um in der Nacht zu fahren. Elisa hörte zu und legte ihre Hand auf seine, offen, vor mir, ohne Theater. Er küsste ihre Knöchel. Ich sah weg, nicht aus Scham, sondern weil dieser Kuss ihm gehörte und ich kein Recht hatte, ihn zu bewohnen.

Nach dem Abwasch blieb Karsten noch eine Weile auf der Terrasse und rauchte nicht, er hatte es sich abgewöhnt, hielt aber manchmal die Hände so, als fehle ihm die alte Geste. Er sagte, ohne mich anzusehen: „Elisa und ich reden. Wir reden seit Monaten. Was sie mit dieser Woche anfängt, entscheidet sie. Ich fahre am Freitag, und ich werde nicht anrufen, um zu fragen, was die Nacht gemacht hat.“ Er drehte das leere Glas zwischen den Fingern. „Wenn du sie drängst, bist du nicht mehr mein Gast. Wenn sie dich will und du sie willst, dann ist das ihre Sache und deine. Ich bin kein Mann, der seine Frau verleiht. Ich bin ein Mann, der ihr glaubt.“ Ich sagte, dass ich verstanden hatte. Er nickte einmal. Mehr Freundschaft hat er mir an diesem Abend nicht angeboten, und mehr brauchte es nicht.

Am Donnerstag regnete es bis zum Mittag, ein warmer Regen, der den Staub auf den Dielen dunkel machte und den See in eine Fläche ohne Glanz verwandelte. Karsten fuhr in den Ort, um Nägel und ein neues Schloss für die Seitentür zu kaufen. Elisa und ich blieben in der Küche. Sie schnitt Zwiebeln, ich wusch Salat, und das Fenster stand offen, sodass der Regen auf das Blech der Fensterbank tickte. Eine Weile sprachen wir nur über das Essen. Dann legte sie das Messer hin, wischte die Hände am Tuch ab und stellte sich mit dem Rücken an die Anrichte, die Arme nicht verschränkt, offen. „Er hat mit dir gesprochen“, sagte sie. Es war keine Frage. Ich sagte ja. „Gut. Dann muss ich nicht fürchten, dass du mich für eine Frau hältst, die hinter seinem Rücken etwas stiehlt.“

Sie sah auf den Boden, dann auf mich, und ihre Stimme blieb fest. „Ich will wissen, wie ein anderer Mund schmeckt. Nicht irgendeiner. Deiner, weil du seit Dienstag so tust, als hättest du Zeit, und weil du gestern im Wasser geblieben bist, als ich ging. Ich habe noch nie einen Mann geküsst, der nicht Karsten war, seit dem Tag, an dem ich ja gesagt habe. Das ist keine Klage. Das ist die Wahrheit, und die Wahrheit macht mich ungeduldig und vorsichtig zugleich.“ Ich trat nicht näher. Der Regen füllte die Pause. „Wenn du mich küssen willst“, sagte sie, „dann nicht in einer Küche, in der er gleich wieder durch die Tür kommt, und nicht, weil der Regen uns eine Ausrede gibt. Freitag fährt er. Wenn ich dann noch ja sage, ist es ein ja. Wenn ich nein sage, bleibt es ein nein, und du frühstückst am Samstag trotzdem mit uns, falls du bleiben willst.“

Ich sagte, dass ich bleiben würde, so oder so. Sie atmete aus, als hätte sie einen Stein abgelegt, der nicht schwer gewesen war, nur lange getragen. Dann nahm sie das Messer wieder auf und schnitt weiter, und ihre Schultern sanken um eine Kleinigkeit. Ich wusch den Salat zu Ende und achtete darauf, dass meine Hände ihre nicht suchten. Diese Enthaltsamkeit war kein Spiel. Sie war der Preis dafür, dass der Kuss, wenn er kam, ihr gehören würde und nicht einem Augenblick, der uns überrollt. Draußen hörte der Regen auf. In der Pfütze vor der Tür stand der Himmel, und als Karsten mit der Tüte zurückkam, roch die Küche nach Zwiebeln und nach einem Entschluss, den noch niemand ausgeführt hatte.

Der Nachmittag war hell und gewaschen. Elisa hing Wäsche auf, und ich half, die Leine zu spannen, die der Wind in der Nacht gelockert hatte. Hemden, ein Laken, ihr Kleid von gestern. Wenn sie ein Stück entgegennahm, berührten sich unsere Finger am feuchten Stoff, und jedes Mal ließ sie die Berührung zu, ohne sie zu verlängern. Karsten reparierte das Schloss und pfiff dabei falsch, zufrieden mit einer Arbeit, die sich mit den Händen lösen ließ. Ich sah Elisa über die Leine hinweg an und dachte nicht an Freitag als an ein Recht. Ich dachte an Freitag als an eine Tür, die sie vielleicht öffnen würde und die ich nicht aufstoßen durfte. Sie fing den Blick auf und hob ganz leicht das Kinn, eine Antwort ohne Wort: ich weiß, dass du wartest, und das Warten ist der einzige Weg.

Am Abend spielten wir zu dritt Karten, schlecht und laut, und Elisa gewann, weil sie aufmerksamer war als wir. Wenn sie eine Karte legte, tippte sie mit dem Nagel auf den Tisch, ein kleines Geräusch, das ich später noch im Ohr hatte, als ich allein unter dem Dach lag. Karsten gähnte zuerst und ging hinauf. Elisa blieb sitzen, die Karten in einem Stapel, die Hände flach darauf. „Morgen“, sagte sie, „wird ein langer Tag sein, weil wir beide so tun werden, als wäre er gewöhnlich. Ich will das so. Ich will nicht, dass der Tag schon die Nacht ist.“ Ich nickte. Sie stand auf, kam um den Tisch und legte mir für eine Sekunde die Hand auf die Schulter, warm, schwerer als eine Höflichkeit. Dann nahm sie sie weg. „Gute Nacht, Levin.“ Ihre Schritte auf der Treppe waren diesmal nicht zögernd. Ich blieb sitzen, bis die Lampe über dem Tisch zu heiß wurde, und löschte sie selbst.

Der Freitag begann mit Kaffee und mit einem Himmel, der sich nicht entscheiden konnte. Karsten packte eine kleine Tasche, Hemd, Unterlagen, das Ladegerät, das er immer vergaß und diesmal nicht vergaß. Elisa butterte ihm Brot für die Fahrt und schnitt einen Apfel in Spalten, eine Geste aus ihrem gemeinsamen Leben, die nichts an Glanz verlor, weil eine andere Möglichkeit im Haus wartete. Ich hielt mich am Rand, wusch Tassen, füllte die Kanne nach. Als Karsten die Tasche zum Auto trug, folgte sie ihm. Ich blieb in der Küche und hörte durch das offene Fenster, wie er sie küsste, lang, vertraut, und wie er sagte: „Du schuldest mir keinen Bericht. Du schuldest dir die Wahrheit.“ Sie antwortete etwas, das ich nicht verstand, und ihre Stimme war nicht brüchig. Der Motor sprang an. Kies knirschte. Dann war der Hof still.

Sie kam nicht sofort zurück. Ich sah sie am Gartentor stehen, die Hand auf dem Holz, das Gesicht zur Straße, auf der das Auto schon nicht mehr zu sehen war. Als sie hereinkam, waren ihre Augen klar. „Er ist weg“, sagte sie. „Das heißt nicht, dass die Nacht schon begonnen hat. Ich will den Tag. Ich will sehen, ob das ja am Abend noch dasselbe ja ist wie am Morgen.“ Ich sagte, dass der Tag ihr gehöre. Sie lächelte zum ersten Mal an diesem Morgen ohne die Vorsicht der letzten Tage, ein kleines, echtes Lächeln, das die Müdigkeit um ihren Mund nicht wegwischte, sie aber bewohnbar machte. Wir frühstückten zu zweit, und das Alleinsein am Tisch war lauter als jede Berührung. Sie reichte mir die Butter, und unsere Finger blieben diesmal liegen, drei Herzschläge lang, bevor sie die Hand zurückzog und sagte: „Noch nicht.“

Wir arbeiteten im Garten, weil Arbeit den Stunden einen Boden gab. Sie jätete, ich trug die Eimer, und die Sonne wurde fest genug, um den Nacken zu wärmen. Einmal richtete sie sich auf, die Hand im Kreuz, und ich sah die Linie ihres Rückens unter dem dünnen Hemd, den Schweiß am Haaransatz, die Art, wie sie die Schultern kreisen ließ. Sie bemerkte den Blick und ließ ihn gelten, ohne ihn zu füttern. „Wenn du mich so ansiehst“, sagte sie, „wird der Tag kürzer. Ich will ihn nicht kurz. Ich will ihn ganz, damit die Nacht nicht eine Flucht ist.“ Ich setzte den Eimer ab und sagte, dass ich sie ansehen würde, weil Wegsehen eine Lüge wäre, und dass ich die Hände bei mir behielte. Sie nickte, zufrieden mit dieser Trennung von Blick und Griff, und beugte sich wieder über das Beet.

Am späten Nachmittag schwammen wir. Diesmal blieb ich nicht auf Abstand, aber ich fasste sie nicht an. Das Wasser trug uns nebeneinander, Schulter neben Schulter, ohne Kontakt, und die Kühle an den Beinen stand gegen die Wärme, die von ihrer Haut ausging, auch durch das Wasser hindurch. Sie tauchte unter und kam mit nassem Haar wieder hoch, die Wimpern dunkel, der Mund offen vom Atem. Ein Tropfen hing an ihrer Unterlippe. Ich sah ihn und rührte ihn nicht an. Sie sah, dass ich ihn nicht anrührte, und etwas in ihrem Gesicht wurde weich und gleichzeitig entschlossener. „Du machst es mir nicht leicht“, sagte sie. „Gut. Leicht wäre falsch.“ Wir schwammen zurück, und auf dem Steg trocknete sie sich mit einem Tuch, langsam, das Gesicht, den Hals, die Arme, und reichte mir dann dasselbe Tuch. Es roch nach ihr und nach See. Ich trocknete mich und gab es zurück, ohne es an die Nase zu halten wie ein Dieb.

Gegen Abend kochten wir. Es war kein Festessen. Es waren Kartoffeln, Butter, Dill, ein Rest Fisch vom Vortag, ein Salat, der nach dem Regen noch kräftig schmeckte. Sie stellte eine Kerze auf den Tisch und zündete sie an, nicht als Zeichen, nur weil die Mücken kamen und das Licht im Haus zu hart war. Wir aßen und sprachen von nichts, was die Nacht entscheiden würde: von einem Buch, das sie nicht zu Ende gelesen hatte, von einem Nachbarn, der sein Boot falsch vertäut hatte, von der Art, wie der See am Abend anders roch als am Morgen. Unter dem Sprechen lag das andere wie ein zweiter Teller, unberührt, aber gedeckt. Als sie aufstand, um die Teller zu holen, legte sie im Vorbeigehen die Hand flach zwischen meine Schulterblätter, eine Sekunde, nicht länger. Die Wärme blieb, nachdem die Hand schon in der Küche war.

Wir spülten gemeinsam. Das Wasser war heiß, der Schaum dünn, und sie reichte mir die nassen Teller so, dass unsere Hände sich jedes Mal trafen. Beim letzten Glas hielt sie es fest, als ich danach griff, und so standen wir beide am selben Glas, die Finger verschränkt um kühles Glas und warmes Wasser. „Ich habe den Tag gehabt“, sagte sie. „Das ja vom Morgen ist noch da. Es ist sogar größer.“ Sie stellte das Glas ab, trocknete die Hände nicht, und sah mich an. „Ich will, dass du mich küsst. Nicht wie ein Gast, der sich bedankt. Nicht wie ein Mann, der eine Erlaubnis abarbeitet. Wie du. Und wenn ich stopp sage, hörst du auf, auch mitten im Kuss, auch später, falls es ein Später gibt. Sag, dass du das kannst.“ Ich sagte, dass ich das konnte. Meine Stimme war rau und trotzdem klar. Sie nickte. „Dann komm mit auf die Terrasse. Im Haus ist sein Stuhl noch warm von gestern. Draußen gehört der Abend niemandem.“

Die Kerze hatten wir mitgenommen, und sie brannte schief im Wind, der vom See her kam. Elisa stand barfuß auf den noch warmen Steinen, das Hemd halb offen am Kragen, das Haar trocken geworden und an den Spitzen noch ein wenig steif vom Wasser. Ich blieb einen Schritt vor ihr stehen. Sie hob die Hand und legte sie an meine Wange, prüfend, als wolle sie wissen, ob das Gesicht, das sie seit Dienstag ansah, in der Nähe dasselbe blieb. Ihr Daumen strich einmal unter meinem Auge. „Ich habe Angst“, sagte sie, „nicht vor dir. Vor dem Moment danach, in dem ich wissen werde, dass es geschehen ist und dass ich es gewollt habe. Die Angst gehört dazu. Sie ist kein Nein.“ Ich sagte nichts Kluges. Ich wartete. Sie stellte sich auf die Zehen, nicht viel, nur so viel, dass ihr Mund auf der Höhe des meinen ankam, und sie küsste mich nicht sofort. Sie ließ den Atem zwischen uns stehen, warm, nach Dill und nach ihr.

Dann schloss sie den letzten Abstand. Ihr Mund traf meinen, zuerst unsicher, dann fest, und der Kuss war kein Versuch mehr. Er war der Kuss, den sie sich seit Tagen versagt hatte, und er schmeckte nach Salz und nach dem Apfel, den sie am Nachmittag gegessen hatte, und nach einer Wärme, die nicht von der Kerze kam. Ich hielt die Hände an ihren Hüften, nicht ziehend, nur da, und sie öffnete die Lippen, langsam, als müsse sie den Weg selbst finden. Ihre Zunge berührte meine, vorsichtig, dann mit einem kleinen Laut, der in meinen Mund fiel und dort blieb. Ich antwortete, nicht fordernd, und sie drängte näher, die Brust an meiner Brust, die Hände in meinem Nacken, die Finger in meinem Haar. Der Kuss wurde tiefer. Sie lernte meinen Mund in Echtzeit, die Stelle innen an der Lippe, den Zug, wenn ich den Atem holte, die Art, wie ich sie nicht verschlang. Einmal löste sie sich, die Stirn an meiner, die Augen offen. „Noch einmal“, sagte sie. „Das war meiner. Ich will ihn noch einmal, damit ich weiß, dass er nicht nur der erste Schreck war.“

Der zweite Kuss war länger. Sie führte ihn. Ihre Zunge strich über meine, zog sich zurück, kam wieder, und ihre Zähne fassten ganz leicht meine Unterlippe, nicht hart, nur so, dass ich den Unterschied zwischen Spiel und Hunger spürte. Ich spürte beides. Meine Hände glitten von ihren Hüften zu ihrem Rücken, unter das Hemd, auf warme Haut, und sie bog sich in die Berührung, ohne den Kuss zu unterbrechen. Als ich die Hand höher schob, an die Linie ihrer Rippen, sagte sie an meinem Mund: „Ja. Da.“ Ich ließ die Hand liegen, spürte ihren Atem unter der Haut, den Herzschlag, der nicht ruhig war. Sie küsste mich, als wollte sie die Tage nachholen, nicht in Eile, sondern in Tiefe, und jedes Mal, wenn ich glaubte, der Kuss hätte seine Form gefunden, änderte sie sie: weicher, dann fordernder, dann wieder so zart, dass mir die Knie nachgaben.

„Drinnen“, sagte sie schließlich, die Stimme belegt. „Nicht weil die Terrasse falsch ist. Weil ich dich sehen will, ohne dass der Wind die Kerze frisst.“ Wir löschten die Flamme mit zwei Fingern, nass von ihrem Glas, und gingen hinein. Sie führte mich nicht in mein Zimmer unter dem Dach und nicht in das Schlafzimmer, dessen Bett sie mit Karsten teilte. Sie führte mich in das kleine Zimmer zum Garten, in dem ein breites Sofa stand, bezogen mit einem Leinen, das nach Sonne roch, und ein Fenster, das sie einen Spalt offen ließ. „Hier“, sagte sie. „Hier hat noch niemand von uns geschlafen. Das ist gut so.“ Sie drehte sich zu mir, und im Licht der einzigen Lampe sah ich, dass ihre Lippen dunkler waren vom Kuss, ein wenig geschwollen, und dass sie das wusste und nicht wegwischte.

Sie knöpfte mein Hemd auf, Knopf für Knopf, und küsste die Haut, die frei wurde, die Mulde am Hals, das Schlüsselbein, die Stelle über dem Herzen. Ihre Lippen waren warm und genau. Ich stand still und ließ sie die Landkarte lesen, die sie sich ausgesucht hatte. Als das Hemd fiel, legte sie die flache Hand auf meine Brust und spürte den Schlag, dann sah sie auf. „Zieh mich aus“, sagte sie. „Langsam. Ich will jeden Schritt mit ja belegen, nicht nur den ersten.“ Ich öffnete ihr Hemd. Darunter war sie nackt, die Brüste voll, die Brustwarzen schon fest von der Kühle aus dem Fenster und von dem, was der Kuss mit ihr gemacht hatte. Ich strich mit dem Handrücken an der Seite einer Brust entlang, fragend. „Ja“, sagte sie. Ich nahm die Brust in die Hand, wog sie, strich mit dem Daumen über die Warze, und sie atmete scharf ein, den Mund halb offen. Ich küsste sie dort, erst die Haut, dann die Spitze, zog sie leicht zwischen die Lippen, und Elisa legte die Hand in mein Haar und hielt mich, nicht fest, nur gegenwärtig.

„Die andere auch“, sagte sie, und es klang nicht wie ein Befehl, sondern wie eine Frau, die zum ersten Mal laut sagt, was ihr Körper will, und sich selbst dabei zuhört. Ich gehorchte dem Wunsch, nicht einer Order. Meine Zunge kreiste, mein Mund schloss sich warm, und sie schwankte, lachte einmal kurz vor Überraschung über die eigene Reaktion und zog mich dann wieder an sich. Meine Hände fanden den Bund ihrer Hose. Ich sah auf. Sie nickte. Ich öffnete den Knopf, zog den Reißverschluss, schob den Stoff über ihre Hüften, und sie stieg heraus, die Hände auf meinen Schultern zum Gleichgewicht. Der Slip war schlicht, hell, schon an der Mitte dunkler. Ich küsste ihren Bauch, die weiche Stelle unter dem Nabel, den Knochen der Hüfte. „Darf ich?“, fragte ich, die Finger am Rand des Stoffes. „Ja“, sagte sie. „Und sieh mich an, wenn du ihn herunternimmst. Ich will dein Gesicht dabei.“

Ich sah sie an und zog den Stoff an ihren Schenkeln hinab. Sie roch nach Wärme und nach einer Süße, die nichts mit Parfüm zu tun hatte. Zwischen ihren Beinen glänzte die Haut, die inneren Lippen ein wenig geöffnet, die kleinen Locken feucht an den Rändern. Ich küsste die Innenseite eines Schenkels, dann des anderen, und blieb mit dem Mund einen Atemzug vor ihrem Schoß stehen. „Levin“, sagte sie, und mein Name war diesmal kein Steg mehr, sondern eine Bitte. Ich legte den Mund auf sie. Sie schmeckte salzig und klar und nach dem langen Tag, und sie zuckte, als meine Zunge die Länge ihrer Spalte nachzeichnete, von unten nach oben, langsam, bis ich die kleine feste Stelle fand, die unter der Haube wartete. Ich leckte sie dort, nicht hart, in einem gleichmäßigen Kreis, und Elisa griff ins Leinen des Sofas, die Knie weich.

„Warte“, sagte sie, und ich hob sofort den Kopf. Sie lachte atemlos. „Nicht aufhören für immer. Nur: ich will liegen. Meine Beine halten das nicht, und ich will es halten können.“ Sie setzte sich, rutschte zurück, öffnete die Schenkel, und ich kniete zwischen ihnen auf dem Boden, die Hände an ihren Knien, die sie weiter öffnete, als ich sie nur hielt. Ich küsste sie wieder, tiefer diesmal, die Zunge flach, dann spitz, und zwei Finger strichen durch die Nässe, ohne einzudringen, bis sie die Hüfte hob und sagte: „Innen. Bitte. Ein Finger. Langsam.“ Ich schob einen Finger in sie, und sie war heiß und eng und zog mich von sich aus tiefer. Der Laut, den sie machte, war kein Wort. Ich krümmte den Finger, suchte, fand die Stelle, an der ihr Atem stockte, und blieb dort, während mein Mund an ihrem Kitzler arbeitete, gleichmäßig, geduldig, so wie die Tage geduldig gewesen waren.

Sie kam nicht sofort. Sie ritt der Empfindung entgegen und wich ihr auch aus, als wäre das Zuviel noch eine Sprache, die sie lernen musste. Ich folgte ihr, langsamer, wenn sie die Hand in mein Haar legte und zog, fester, wenn sie „da“ sagte und die Hüften kreisen ließ. Ein zweiter Finger kam dazu, als sie darum bat, und sie stöhnte offen, den Kopf zurück auf dem Leinen, die Brüste gehoben, eine Hand an der eigenen Brustwarze, drehend, ohne Scham. „Sieh nicht weg“, sagte sie, obwohl meine Augen schon auf ihrem Gesicht lagen. „Ich will, dass du siehst, wie ich aussehe, wenn ein anderer Mann mich so weit bringt.“ Ich sah sie an und hörte nicht auf. Ihr Schenkel begann zu zittern. Sie sagte meinen Namen, dann Karstens nicht, dann nur noch ja, ja, ja, und der Orgasmus lief durch sie wie eine Welle, die am Steg anschlägt und zurückwill und noch einmal anschlägt. Ich hielt sie mit dem Mund, bis sie die Hand flach auf meine Stirn legte und flüsterte: „Genug. Für diesen Atem. Komm herauf.“

Ich kam zu ihr auf das Sofa, und sie küsste mich, schmeckte sich selbst auf meiner Zunge und wich nicht zurück. Ihre Hand fand meinen Gürtel. „Ich will dich sehen“, sagte sie. „Ich will dich im Mund haben, bevor du in mir bist. Nicht weil das die Reihenfolge sein muss. Weil ich deinen Geschmack kennen will, so wie du meinen jetzt kennst.“ Sie öffnete Hose und Stoff, und mein Schwanz lag schwer in ihrer Hand, schon hart seit dem ersten Kuss, die Eichel feucht. Sie betrachtete ihn ohne Hast, strich mit dem Daumen über die Spitze, verteilte die Feuchte, und sah dann auf, ein kleines, erstauntes Lächeln. „Er gefällt mir“, sagte sie schlicht. Dann beugte sie sich und nahm mich in den Mund, zuerst nur die Eichel, die Zunge kreisend, warm, vorsichtig, dann tiefer, die Lippen fest, eine Hand an der Wurzel, die andere auf meinem Oberschenkel. Ich stöhnte, und sie summte als Antwort, ein Vibrieren, das mir durch den ganzen Unterleib ging.

Sie lernte auch das, so wie sie den Kuss gelernt hatte: wie weit, wie fest, wann die Zunge flach an der Unterseite liegt, wann die Lippen sich enger schließen. Ich hielt ihr Haar nicht fest. Ich legte die Hand an ihre Wange und spürte, wie sich mein Schwanz in ihrem Mund bewegte, und sagte ihr, dass sie aufhören solle, wenn der Kiefer müde werde. Sie löste sich, ein Faden zwischen Lippe und Eichel, und sagte: „Ich bin nicht müde. Ich bin hungrig. Aber ich will dich in mir, solange ich noch stehen kann vor lauter Wollen.“ Sie richtete sich auf, schob mich zurück auf das Sofa und stieg über mich, die Knie neben meinen Hüften, die Hände auf meiner Brust. „Sieh mich an“, sagte sie wieder. „Das ist mein erster fremder Kuss, und alles, was jetzt kommt, gehört zu ihm. Ich will, dass du in mir bist. Sag ja.“ Ich sagte ja. Sie griff zwischen uns, führte mich an ihren Eingang, rieb die Eichel durch ihre Nässe, einmal, zweimal, und senkte sich dann, langsam, die Augen offen, den Mund geöffnet um einen Laut, der nicht Schmerz war und nicht nur Lust, sondern das Erstaunen darüber, dass ein anderer Körper sie füllte.

Sie nahm mich ganz, blieb sitzen, atmete, die inneren Muskeln zogen und ließen los, als prüfe sie das Maß. „Groß“, sagte sie, nicht als Klage. „Gut groß. Beweg dich noch nicht.“ Ich lag still, die Hände an ihren Hüften, und spürte, wie sie sich um mich gewöhnte, wie die Enge nachließ und zu einem Halt wurde, der mich nicht ausstieß. Dann begann sie zu rollen, klein, kreisend, die Klitoris an meinem Schambein, und ihr Stöhnen wurde tiefer. Sie beugte sich vor und küsste mich, während sie mich ritt, der Kuss unordentlich jetzt, Zähne, Atem, Speichel, und ich stieß von unten entgegen, erst kaum, dann im Takt, den sie vorgab. „So“, sagte sie. „Genau so. Nicht schneller.“ Ich hielt den Takt. Ihre Brüste schwangen über meinem Mund, und ich fing eine Warze ein, saugte, und sie rief auf, ein kurzer heller Laut, und ritt fester.

Schweiß stand auf ihrer Kehle. Ich leckte ihn, salzig, und sie lachte in den Kuss hinein, überrascht, dass Lachen und dieses Stoßen im selben Körper Platz hatten. „Dreh mich“, sagte sie nach einer Weile. „Ich will dein Gewicht. Ich will wissen, wie es ist, wenn du mich nimmst und ich trotzdem die bin, die ja sagt.“ Wir wechselten, ohne uns ganz zu trennen, ungeschickt und lachend, bis sie auf dem Rücken lag, ein Kissen unter der Hüfte, die Beine um mich. Ich stützte mich auf die Unterarme, sah sie an und glitt wieder in sie, tief, langsam. Ihr Mund öffnete sich. „Ja. Tiefer. Und küss mich dabei. Ich will den Kuss nicht verlieren, nur weil du in mir bist.“ Ich küsste sie und stieß, lang, bis zum Ansatz, zog mich zurück, bis nur die Eichel blieb, und kam wieder. Jeder Stoß war ein Satz, den wir gemeinsam sprachen. Sie hob die Hüften, nahm mich, ihre Fersen in meinen Rücken, und flüsterte zwischen den Küssen, was sie wollte: fester an der linken Seite, die Hand unter ihrem Kreuz, den Daumen an ihrem Kitzler, nicht hetzen.

Ich legte den Daumen dorthin, wo mein Mund vorhin gewesen war, und rieb im Takt der Stöße, nass, gleichmäßig. Elisa wurde lauter. Sie hielt meinen Blick, so lange sie konnte, dann fielen ihr die Augen zu, und sie öffnete sie wieder mit Gewalt, weil sie sehen wollte. „Ich komme“, sagte sie, erstaunt, als wäre das zweite Mal an diesem Abend ein Geschenk, mit dem sie nicht gerechnet hatte. „Nicht aufhören. Küss mich. Bleib in mir.“ Ich küsste sie, stieß tiefer, der Daumen fest und klein kreisend, und sie kam mit einem langen, gezogenen Laut in meinen Mund, die inneren Wände zuckend um meinen Schwanz, die Nägel in meinen Schultern, der ganze Körper eine einzige Zustimmung. Ich hielt still in ihr, während die Wellen liefen, und küsste ihre Lider, ihre Wange, den Mund, der nicht aufhörte, ja zu sagen, auch als kein Wort mehr kam.

Als sie wieder Atem hatte, lachte sie leise an meinem Hals. „Du bist noch hart“, sagte sie. „Gut. Ich will, dass du kommst. Nicht auf mir, nicht irgendwohin zur Sicherheit. In mir. Ich nehme die Pille, und ich will das, weil es zu diesem Kuss gehört, ganz, nicht halb.“ Sie sah mich an, klar trotz der Röte. „Wenn du nicht willst, ist das auch ein ja zu dir. Aber ich will es.“ Ich wollte es. Ich sagte es. Sie schlang die Beine fester und flüsterte: „Dann nimm dir den Rest. Ich halte dich.“ Ich bewegte mich wieder, erst vorsichtig, weil sie empfindlich war, und sie nickte mich weiter, die Hände an meinem Gesicht. Der Rhythmus wurde kürzer, tiefer, weniger kunstvoll. Ich spürte, wie sich alles nach vorn zog, die Tage, der Regen, der Steg, ihr Mund auf der Terrasse, ihr Mund jetzt. Sie sprach leise mit mir, nicht schmutzig um des Schmutzes willen, sondern wahr: dass sie mich schmeckte, dass sie mich in sich wollte, dass der Kuss nicht aufhörte, nur weil er jetzt auch hier stattfand. Ich stieß ein letztes Mal tief und kam, der Samen in heißen Stößen, das Gesicht an ihrem Hals, ihr Name in meinem Mund, und sie hielt mich, die Arme um meinen Rücken, die Fersen noch in mir verankert, und flüsterte: „Ja. Das auch. Das gehört mir.“

Wir blieben so, verbunden, bis ich weicher wurde und aus ihr glitt, ein warmes Nass an ihren Schenkeln, an mir, auf dem Leinen. Sie zuckte nicht vor dem Gefühl zurück. Sie legte die Hand zwischen ihre Beine, spürte, was von mir dort war, und führte dann zwei Finger an ihren Mund, nicht als Vorführung, sondern als letzte Neugier dieser Nacht. Sie leckte sie ab, sah mich an und küsste mich danach, damit ich denselben Geschmack hatte. „Jetzt kenne ich dich an mehr als einer Stelle“, sagte sie. Ich zog das Laken, das über der Lehne gelegen hatte, über uns, weil der Spalt am Fenster die Haut kühlte, und sie legte den Kopf auf meine Brust, das Ohr an den Schlag, der noch nicht ruhig war. Draußen rief ein Vogel, zu früh für den Morgen, nur ein Irrtum der Nacht. Elisa strich mit dem Finger über ihre eigenen Lippen, dann über meine. „Sie sind anders“, sagte sie. „Nicht besser als seine. Anders. Und sie gehören mir. Das ist das, was ich wissen wollte.“

Ich fragte, ob sie bereute. Sie schwieg lang genug, dass die Frage ihr Gewicht behalten durfte, und sagte dann nein. „Ich bin wund an den richtigen Stellen, und ich bin wach, und ich habe keine Lust, das klein zu reden. Morgen sage ich ihm die Wahrheit, nicht als Beichte, sondern weil wir das so verabredet haben. Er wird nicht nach Einzelheiten fragen. Ich werde ihm sagen, dass ich geküsst habe und dass ich geblieben bin, die ich bin.“ Sie hob den Kopf und sah mich an. „Du fährst am Sonntag. Bis dahin bist du Gast, und diese Nacht wiederholt sich nicht, nur weil der Körper jetzt weiß, wie es geht. Einmal war der Bogen. Einmal war genug, um wahr zu sein.“ Ich sagte, dass ich das verstanden hatte, und es stimmte, auch wenn mein Körper noch in ihr nachklang. Sie küsste mich ein letztes Mal in dieser Stunde, langsam, ohne Hunger, ein Kuss, der den anderen nicht auslöschte, sondern ablegte wie ein Glas, das man nicht mehr braucht und trotzdem nicht umstößt.

Wir schliefen nicht sofort. Sie erzählte leise von dem ersten Kuss mit Karsten, vor neun Jahren, auf einer Treppe, die nach Regen roch, und davon, dass sie damals auch gezittert hatte und dass Zittern kein Zeichen von Irrtum sei. Ich hörte zu und hielt ihre Hand auf meinem Brustbein. Irgendwann wurde ihre Stimme schwerer, die Sätze kürzer, und sie schlief mit dem Mund ein wenig offen, die Lippen noch gerötet. Ich blieb wach und sah das Fenster heller werden, nicht zum Tag, nur zum Versprechen des Tages. Auf dem Tisch in der Küche, das wusste ich, stand noch die Butterdose vom Morgen, und im Hof war der Kies wieder glatt, wo das Auto gestanden hatte. Nichts davon war zerstört. Neben mir atmete eine Frau von zweiunddreißig Jahren, die einen Kuss gewollt und genommen hatte, und der Mann, der ich war, vierunddreißig, hatte nichts gestohlen.

Als sie aufwachte, war das Licht grau und golden zugleich. Sie blinzelte, erkannte mich, und ihr erstes Lächeln war klein und ohne Scham. Sie setzte sich auf, das Laken um die Hüfte, die Brüste frei, und strich sich das Haar aus dem Gesicht. „Kaffee“, sagte sie. „Und dann der See, bevor die Welt laut wird.“ Wir zogen uns an, nicht hastig, und in der Küche mahlte sie Bohnen, während ich Wasser aufsetzte. Unsere Hüften stießen am Herd aneinander, vertraut auf eine neue, begrenzte Art. Sie goss ein, reichte mir die Tasse und trank aus ihrer, den Blick auf den Garten. „Danke, dass du gewartet hast“, sagte sie. „Danke, dass der Kuss nicht am Dienstag passiert ist, als er noch eine Einbildung hätte sein können.“ Ich sagte, dass der Dienstag nötig gewesen sei, damit der Freitag ihr gehöre. Sie nickte, trat auf die Terrasse, barfuß, die Tasse in beiden Händen, und sah auf den See, der den Morgen hielt, ohne ihn zu verschütten.

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